Dienstag, 28. September 1926
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. 227 Zweites Blatt
Das grohe Heimatblatt
Das grohe Anzeigenblatt
Die
Lisa und fun-
Frankfurter Theater.
Das Operetten-Theater eröffnet feine Winter spie lze'tt mit Jean Gilberts neuer Operette „In der Iohannisnacht". Nach dem bekannten französischen Lustspiel „Die Fahrt ins Blaue" von F l e r s und C a i l l a v e t hat Ro-> bert Gilbert das Libretto versaht, ünö es berührt angenehm, mal wieder eine Operette mit Inhalt ohne Revueaufmachung vorgesetzt zu bekommen. Die Musik untermalt die Handlung aufs eindruckvollste, hat bestimmte Themen. Neben dem ganz lyrisch erfaßten Großmuttermottv klingen durchgreifende Marschrhythmen, wie das Lied von der Iohannisnacht durch die Operette, und melodiöse, im scharfen Stakkato skandierte Schlager bleiben im Ohr haften. Im übrigen läßt Gilbert dem Dialog ein weites Feld. Die Geschichte ist folgende: die kleine Helene, die als Waise im Hause ihres Onkels lebt, liebt ihren Detter Andree, aber die Tante will keine Derbindung zwischen den beiden und sucht ihr einen temperamentlosen Pedanten zum Manne. Gerade am Hochzeitstag Helenens kommt Andree unverhofft aus Nom zurück: große Aufregung: Erfolg: die Braut geht zehn Minuten vor der Trauung durch. Im zweiten Akt landen die beiden Leute in dem einsamen Landhaus Helenens, dort erwartet sie die Großmutter, und das Schicksal nimmt seinen Lauf, da Andree von allen für den jungen Ehemann gehalten wird und keine Zeit zur Aufklärung hat Dce Sache wird immer verwickelter, und es gibt lern Entrinnen, denn Großmama paßt gut auf. Am nächsten Tag gibt es eine große Überraschung, alles kommt heraus, denn Onkel, Tante und der Exbräutigam suchen die Durchbrennerrn, und die gute Großmama sieht mit Schrecken, was he in Der Iohannisnacht angerichtet hat. Da es aber eine richtiggehende, sehr nette Operette ist, klart sich alles zum Guten und die jungen Leute dürfen sich ruhigen Herzens um den Hals fallen. Die Aufführung war ganz famos: die künst- Kerische Oberleitung hatte Gilbert, der auch
Hauptrollen lagen in den Händen von Na do und Erich Poremski (Helene
Politik mehr gekränkt zu haben, als für den Bestand des britischen Reiches gut ist. Hat er in Locarno die Dominions einfach beiseite geschoben, so hat er jetzt im Dölkerbunde die Dominions aus das tiefste damit gekränkt, daß er ihnen feine Ratssitze verschaffte, ja, im Falle Irlands sogar sich offen gegen eine Kandidatur der Dominions wandte. Daß der englische Minister des Auswärtigen sich so offen gegen einen britischen Staat gewandt hat, wird ihm nicht verziehen werden, obwohl objektiv Denkende zugeben müssen, daß es auch von Irland unfair war, seine Kandidatur aufzustellen, ohne sich mit dem Auhenamt in Derbindung gesetzt zu haben. Immerhin wird das als Symptom gewertet, und man sagt sich, daß, wenn England so wenig Liebe für seine Dominions zeigt, es auch nicht erwarten kann, daß diese viel Vertrauen in die Wahrnehmung ihrer Interessen durch das Foreign Office sehen. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, daß es den Chamberlain- gegnern gelingen wird, Chamberlain zu stürzen. Dazu ist die innerpolilische Spannung des K o h l e n st r e i k s zu groß. Man kann, zur Zeit wenigstens, keine Krise innerhalb des Kabinetts gebrauchen. Aber gerade das wird von den unentwegten Dersechtern des Dominions-
Das Schauspielhaus hat mit der Neueinstudierung des G o g o l s ch e n Lustspiels „D e r Revisor" einen guten Griff getan. Dieses von einer köstlichen Satire erfüllte Lustspiel wird nie an seiner Wirksamkeit einbüßen, im Gegenteil es gewinnt heute, da sich so viele zum Satiriker berufen fühlen (siehe „Komödie um Rosa"), an Bedeutung als klassisch vollendetes Komödienspiel. Das Lustspiel, welches gewisse Aehnlich- keit mit den „Deutschen Kleinstädtern" aufweist, wächst von Alt zu Akt, enthält prachtvoll gezeichnete Karikaturen der russischen Beamtenwelt und hat eine vom Lachen umknatterte Schluß- Pointe. Die Regie Fritz Peter Buchs hatte die einzelnen Typen gut herausgearbeitet, ergab ein humorvolles Zusammenspiel und verlor sich nicht auf Abwegen moderner Grotesken. Die äußere Wirkung des Spiels wurde durch die, die Szenen plastisch illustrierenden Bühnenbilder Paul von Hackens unterstützt. Fritz O d e - m a r s Iwan Alexandrowitsch Chlestakoff war der richtige, mit der nötigen Frechheit begabte, großmäulige Taugenichts, wie ihn Gogol schildert: er, Toni Impekoven und Mathilde Einzig
Dominions Ergebnisse zu erzielen wären, die am Ende eine Besserung des Verhältnisses der Dominions zum Mutterlande bringen wurden. Aber, und das ist für die Imperialisten das Entschei- beitbe, die wäre nur zu erzielen, wenn ein Kompromiß gesunden wäre, der der Form und der Tatsache nach den Wünschen der Dominions auf Mitverwaltung entsprechen, also der Alleinherrschaft des englischen auswärtigen Amtes in der Außenpolitik ein Ende machen und zugleich die Rechte der Krone in den Dominions sehr wesentlich beschneiden würde. Man befindet sich also in der Tat durch den Ausfall der kanadischen Wahlen in einem peinlichen Dilemma. Denn auf sich beruhen lassen kann man die Dinge nicht. Das würde nur zur Folge haben, daß die Dominions inzwischen das Gefühl der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit dem Mutterlande noch mehr als bisher verlieren mürben, und daß schließlich jeder der britischen Reichsstelle seine auswärtige Politik auf eigene Faust machen würde, wie das England im Falle von Locarno, de facto bereits getan hat. Ein Nachgeben der englischen Zentrale gegenüber den Wünschen der Regierungen Kanadas, Südafrikas und Irlands hätte jedoch nur zur Folge, daß sich Australien; und Neuseeland vor den Kopf gestoßen fühlen
würden, so daß hierdurch gleichfalls die Einmütigkeit der sich selbst regierenden englischen Völker beeinträchtigt werden würde. Die einfachste und zugleich radikalste Methode der Reform, die Einführung der völligen Gleichberechtigung der einzelnen britischen „Länder" auf die die Entwicklung zweifellos eines Tages hinauslaufen wird, ist aber andererseits noch zu viel für den Stolz der englischen Zentrale. ...
Deshalb vermag es zur Zeit noch niemand zu sagen, wie sich die Folgen der kanadischen Wahlen bemerkbar machen werden. Zunächst hat es den Anschein, als ob die Folgen nur inner- politischer Natur sein werden, da natürlich sehr vieles vom Versagen der britischen Politik gegenüber den Dominions auf das Konto Chamberlains gesetzt wird, dem man vorwirft, mit Locarno und der im Völkerbunde betriebenen
waren die Hauptstimmungsträger der in ihrer Gesamtheit flotten Aufführung. Das Publikum nahm sichtlich erfreut die Neueinstudierung mit lautem Beifall entgegen. L. W.
Uraufführung in Darmstadt.
Dein deutschen Theater der Gegenwart fehlt es an guten Lustspielen: daher finden sich die Theaterleiter stets in großer Zahl ein, wenn irgendwo ein Lustspiel aus der Taufe gehoben wird, in der Hoffnung, damit ihren Spielplan bereichern zu können. So war es auch am Samstag in Darmstadt, wo im Landestheater ein zahlreiches Publikum von Theaterdirektoren, Kritikern und anderen Premierenbesuchern versammelt war, um der Uraufführung des Lustspiels von Bertolt Brecht „Mann ist Mann" beizuwohnen. Cs herrschte tm Hause lebhafte Spannung, da der Name des Verfassers von früheren Erfolgen her versprach, daß ein ungewöhnlicher Theaterabend bevorstand. Bald jedoch verwandelte sich die Spannung in eine Enttäuschung, denn man erkannte, daß dieses Spiel nichts dazu berufen ist, ein Saisonschlager zu werden. Sein Hauptmangel ist der große seelische Abstand zwischen den Vorgängen aus der Bühne und dem Publikum. Das Lustspiel handelt von dem Schicksal eines irischen Packers, das sich auf indischem Boden abspielt. Wer von den Theaterbesuchern hat von vornherein dafür Interesse, wenn es dem Dichter nicht durch eine besondere Kunst, durch starke dramatische Szenen, gelingt, engere seelische Faden vom Zuschauerraum zur Bühne zu spinnen?! Brecht ist das nicht gelungen; es ist eine, im letzten Grunde gänzlich fremde, uns nicht näher berührende Welt, die in grotesken Gestalten vorüberzieht. Der nasche Packer Galy Gay, der in einem indischen Ort lebt, ist ausgegangen, um einen Fisch zu kaufen: er wird aber von einer Maschinengewehrabteilung von drei Mann unterwegs festgehalten, dce einen indischen Tempel beraubt hatte, wobei em vierter Mann von dem Unternehmen nicht wieder zurückkehrte. Der Ire soll nun zum Militärdienst gepreßt werden, er soll den vierten Mann ersehen,
der eingesessenen Bevölkerung Bietzens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der tm 176. Jahrgang erscheinende
Gießener Anzeiger
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Andree). Poremski, der auch als Regisseur . gierte, war mit seiner Frische und liebenswürdigen Natürlichkeit ein ganz prächtiger Vertreter der männlichen Hauptrolle, zumal er stimmlich, wie darstellerisch in .bester Form war. „ Ebenso ausgezeichnet, ohne in irgendwelche Rührseligkeiten zu verfallen, zeichnete Frieda Lehn- d o r f f, Berlin, die Gestalt der Großmutter. Auch Kurt W i l d e r s i n n erfüllte den Pedanten Willibald mit wirkungsvoller Komik. Das vollkommen ausverkaufte Haus nahm das Werk äußerst beifallsfroh auf, und auf der Bühne umwogte Gilbert und seinen Künstlerstab ein Meer von Blumen und Lorbeerkränzen. L. W.
damit die Tat nicht entdeckt werde und beim Appell nicht einer fehle. Durch allerlei Mittel wurde schließlich erreicht, daß Galy Gay Soldat in der englisch-indischen Armee wird, ja er ist dadurch ein Anderer geworden und verleugnet seine Frau, um bei den Soldaten bleiben zu können. Ihnen fühlt er sich aber überlegen, und er erweist sich bei den Kämpfen in Tibet als ein Held. Daß man es hier nicht mit einem Lustspiel im üblichen Sinne zu tun hat, ist schon aus der kurzen Inhaltsangabe zu ersehen. In ihrem Kern erweist sich diese dramattsche Neuschöpfung als eine der vielen dürren, aus Hirnakrobatik und Symbolik zusammengesetzten Leistungen moderner Dramatik. 2lls solche, aber nur als solche, war die Ausführung von einem gewissen Interesse. Sie war ein Blick in den Spiegel unserer Zeit. Daß man diesen acht Bildern, in denen sich die Handlung vollzieht, tiefere Gedanken unterlegen soll, daß in der gewaltsamen Versetzung des Packers in den Soldatenstand die unerbittliche Einbeziehung des isolierten einzelnen in die Masse angedeutet wird, daß schließlich dieser Mensch als Gemeinschaftswesen stärker als die anderen ist, um diese und noch andere Symbole zu deuten, das erfordert schon eine Geduld, die etwa nötig ist, um ein Kreuzworträtsel zu lösen. Das Publihim im Theater bringt oder will diese Geduld nicht aufbringen. Darum war die Aufnahme des Lustspiels nicht widerspruchslos, denn die gespendete Anerkennung galt in erster Linie den Darstellern und der Regie, die hervorragend waren. Was hier durch wochenlange Proben geleistet worden ist, verdient höchstes Lob. Die,gestellten Anforderungen sind so schwierig, daß sich nicht leicht eine andere Bühne findet, sie auf sich zu nehmen, zumal sich ergeben hat, daß die geradezu ungeheure Arbeit von Schauspielern und Regte sich nicht lohnt. Der Schwerpunkt der Aufführung lag in der Verkörperung des Galy Gay durch den Generalintendanten Ernst Legal, in der Regie des Dramaturgen Iakob Geis und in den Bühnenbildern von Caspar Neher als Gast. Der Verfasser wohnte der Vorstellung bei. E, B.
England und die Dominions.
Don unserem F. kl.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
London, September 1926.
Die schlimmsten Befürchtungen der britischen Imperialisten über die innerpolitische Lage K a - n a d a s haben sich verwirklicht. Die von der „reichsfreundlichen" und konservativen Regierung Meighen ausgeschriebenen Wahlen haben nicht nur der „autonomistischen" und liberalen Partei Mackenzie Kings eine sichere Mehrheit im Parlament gebracht, sondern darüber hinaus das Gefüge der konservativen Partei in Kanada auf das stärkste erschüttert. In dem Gefühl, daß er der englisch-sprechenden und landwirtschaftlichen Gegenden Kanadas sicher sei, hat nämlich Mr. Meighen den Versuch gemacht, die Franko- kanadier auf seine Seite zu ziehen, indem er wesentliche Grundsätze seiner Partei preisgab, und hat es damit nur erreicht, daß sich viele Freunde seiner Partei von ihm abwandten, und die liberalen Parteigänger sich doch nicht davon überzeugen ließen, daß er ein ihnen genehmes Programm vertreten würde. Ia, selbst das Versprechen, daß in Zukunft Kanada nur dann in einen Krieg des Mutterlandes verwickelt" werden dürfe, wenn vorher das Volk Kanadas in einem Plebiszit befragt worden wäre und sich dafür ausgesprochen haben würde, zog nicht genügend. Man wollte es auf liberaler Seite Meighen eben nicht vergessen, daß e r derjenige gewesen war, der die Zwangs rekrutier ung während des Krieges eingeführt hatte. Meighen, der Mann, auf den die Imperialisten in England ihre Hoffnung gesetzt hatten, muß also gehen, und an seine Stelle tritt wieder, und diesmal mit zwingender Mehrhett und durch den Wahlsieg verstärktem Ansehen, King, der Gegner aller Versuche, die wachsende Selbständigkeit aller britischen Dominion auf dem Wege der Derfassungsreform zu beschneiden.
Wer sich diese nüchterne Tatsache vor Augen führt und dann damit die Pressestimmen ver- gleicht, die anläßlich des liberalen Wahlsieges in England laut wurden, ist erstaunt über die Mäßigung und die Ruhe, mit der Freunde wie Gegner dieser Entwicklung die Entscheidung ausgenommen haben. Keine übertriebene Freude bei den Liberalen und keine übertriebene Besorgnis bei den Konservativen — das ist so der durchschnittliche Eindruck, den der unbefangene Leser erhält, ilnö doch kann man feststellen, welch große Bedeutung der Niederlage des imperialen Gedankens in diesen beiden Lagern beigemessen wird. Nur ist man sich bei Liberalen und Konservativen der Delikatesse des Gegenstandes bewußt, und hält mit feiner wahren Meinung zurück, weil man weiß, daß jede gewichtigere Pressestimme über den Ozean hinüber nach Kanada wandert, dort von der politischen Meinung des Landes auf die Goldwage gelegt wird, und unter Umständen noch Jahrzehnte hindurch die Stimmung gegen das Mutterland aufbringen kann.
Allein die britischen Imperialisten sind tatsächlich tief verstimmt. Dabei ist die wahrscheinlich nottoenbig werdende Verschiebung der Neichskonferenz nicht einmal ausschlaggebend. obwohl die Dringlichkeit der auf ihr zu behandelnden Fragen von keinem Engländer länger bezweifelt wird. Es ist vielmehr das Gefühl, daß die ganze dringliche Derfassungsreform, die sich bekanntlich in der Frage der Mitver- waltungderausWärtigenPolitikdes Reiches widerspiegelt, nicht nur auf wenige Monate hinausgeschoben, sondern überhaupt endgültig, vielleicht auf mehrere Iahre hinaus, vertagt itnb unlösbar geworden ist. Wenn zu dem „rebellischen" Irland, dem „dickköpfigen und eigensinnigen" S.ü b a f r i f a auch noch das ..autonomistische" Kanada tritt, und nur die relativ kleinen Dominions von Australien und Neuseeland einigermaßen eine den Wünschen der Downiiigstreet entsprechende Politik zu treiben gewillt sind (wobei beachtet zu werden verdient, daß ressortmäßig die Dominions mit dem englischen auswärtigen Amt an sich nichts zu tun haben), ja, so fragt man sich, was hat denn dann eine Konferenz der Dominions mit dem Mutterlande überhaupt für einen Zweck? Ist es nicht besser, die ganze Angelegenheit zu vertagen, bis man andere unb gefügigere Negierungen in den Dominions hat?
Das ist natürlich ein Pessimismus, der weit über das Ziel hinausschieht, da selbsw er st a üblich auch mit den gegenwärtigen Vertretern der
standpunktes als Todsünde gegen den Geist des Imperiums angesehen. Wenn England zu schwach ist, den Mann abzuschütteln, der die Nisse im Gebäude des britischen Reiches sich ständig vertiefen läßt — dann ist cs allerdings Zeit, daß die Dominions es sich überlegen, ob nicht eine grunds ätzlich neue Politik gegenüber der Londoner Führung einzuschlagen ist. Und das ist — man kann das nicht genug betonen — vielleicht die weitreichend st e Wirkung des Kvhlenstreiks unb der Locarnopolitik, die bisher festzustellen war.
Holländischer Brief.
Von unserem a.-Korrespondenten.
Die abgelaufene Woche war wegen der Eröffnung der General st aaten, der Thronrede und der ernsten Reseroistenzwischenfälle in den
Parteitag der hessischen Demokraten
= Bad-Nauheim, 26. Sept. Der Landesparteitag der hessischen Demo- traten, der in unserer Badestadt stattfand, begann gestern nachmittag mit der Sitzung des e n g c- r e n Parteiausschusses, der sich am Abend ein Begrüßungsabend der hiesigen Ortsgruppe der Demokratischen Partei in der Turnhalle und eine öffentliche Versammlung in der Nachbarstadt Friedberg anschlossen. Beide Veranstaltungen waren gut besucht. Redner waren Finanzminister Henrich und Abgeordneter Reiber.
Heute früh gingen dem eigentlichen Parteitag die Beratungen der Ausschüsse für Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie, für Beamtenfragen und für die Landwirtschaft voraus. Zu den brennendsten Problemen der einzelnen Berufsstände wurde in Entschließungen Stellung genommen, die nachher dem Parteitag vorgelegt wurden. Dieser begann um 10 Uhr in der Turnhalle und war von rund 200 Delegierten und außerdem von weiteren Parteifreunden in größerer Zahl besucht. Der Partei vorsitzende, Abg. Schreiber, der die Tagung leitete, gedachte ehrend der verstorbenen Mitglieder, u. a. der oberhessischen Führer Grünewald (Gießen) und. Damm (Friedberg). Der Geschäfts- und Kassenbericht des Parteisekretärs Schuckmann (Darmstadt) wurde darauf einstimmig angenommen. Nacy rascher Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten und der Wahlen, die eine Vertrauenskundgebung für den seitherigen Parteivorstand waren, blieb- reichlich Zeit für die größeren Referate, die von Finanzminister Henrich und Abg. Reiber erstattet wurden. Zunächst sprach
Finanzminister Henrich über die politische Lage und die Zukunft Hessens.
Er führte aus, daß die politische Lage bestimmt sei durch die wirtschaftliche Lage unseres Landes. 1924 noch habe Hessen einen Ueberschuß von 7 Mil-
Garnisonen Assen und Ejde eine der ereignisreich- ten der letzten Zeit. Die Thronrede, die bei »er am Dienstag erfolgten Eröffnung der Gencr.il- taaten von der erst kürzlich von einer Krankheit genesenen Königin nur mit schwacher Stimme verlesen werden konnte, hat wegen ihres außerordentlich allgemein gehaltenen Charakters wenig Befriedigung hervorgerufen. Die Ankündigung eines Gesetzentwurfes gegen die Kapitalflucht ins Ausland und von Maßnahmen zum Schutze der holländischen Ntaurschönheiten sowie schließlich der indische Teil der Rede, in dem in Uebereinstim- mung mit der Antrittsrede des indischen Generalgou- verneurs den Kolonien eine größere Selbständigkeit in inneren Angelegenheiten und eine kräftigere Sozialpolitik versprochen wird, werden von der Presse als die positivsten Verheißungen bezeichnet, die man der Thron rede entnehmen konnte. Allerdings wird in verschiedenen Blättern auch betont, daß man von der Thronrede nicht viel mehr erwarten konnte, nachdem bereits im März d. 3. in der ausführlichen Regierungserklärung des damals neu auf den Plan getretenen Kabinetts Geer das Regierungsprogramm eingehend auseinandergesetzt worden war und sich inzwischen an diesem Programm nichts geändert haben könne.
Aus dem in der Zweiten Kammer eingebrachten Staatshaushaltsvoranschlag, der „Mil lionen-Nota", geht hervor, daß das Finanzjahr 1925 mit einem Ueberschuß von 41' Millionen Gulden abgeschlossen hat, das heißt,, daß der ursprüngliche Anschlag um 48£ Millionen Gulden überschritten werden konnte. Auch für die Finanzjahre 1926 und 1927 wird ein Ueberschuß erwartet, so daß in Zukunft die holländische Finanzgebarung als durchaus günstig bezeichnet werden kann, und man in der Presse mit Recht die Forderung auf eine baldige Herabsetzung der zur Zett ziemlich hohen direkten Steuern aussprechen kann.
Den Gehorsamsverweigerungen in den Garnisonen Assen und Ejde wird in der Mehrzahl der holländischen Presseorgane scheinbar keine allzu große Bedeutung beigemessen, obwohl diesen . Vorgängen in der letzten Zeit bereits ähnliche Zwischenfälle in anderen Garnisonen vorangegangen sind. Nur wenige Blätter, wie u. a. die viel gelesene Wochenzeitschrift „Haagsche Post", wiesen auf den ernsten Charakter der Truppenzwischenfälle hin und verlangten ein scharfes Vorgehen der Militärbehörden gegen die Rädelsführer der militärischen Unruhen.
selbst mit musikalischer Verve den zweiten Akt I dirigierte, die übrige musikalische Leitung lag | bei Rudolf Perak in besten Händen. Die


