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Nr. 201 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Samstag, 28. August 1926

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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

Zu Rad durch das Lahntal.

Q3on K. Schnierle.

Es geht nichts über Wanderfahrten zu Fuß. Wer aber «in zuverlässiges Rad hat und sich nicht scheut, auch einmal steinige und holperige Fußwege zu fahren, der kann auch zu Rad ver­steckte Schönheiten .erfahren", an denen noch schnellfüßigere Wandergenossen ahnungslos vor­beirennen und vorbeirennen müssen. Lind ist dann doch auch wieder nicht zu sehr derlang­weiligen" Landstraße überantwortet.

Der Anfahrtsweg wird auf der Eisenbahn zurückgelegt. In Runkel, einem der schönsten Plätzchen des Lahntales, beginnt unsere Fahrt. Massig und trotzig überragt die alte breitürmige Feste Fluß und Stabt. Dow rechten Lahnufer, etwas oberhalb der wuchtigen, alten Steinbrücke bewundern wir das überaus malerische Stadt­bild, das leider besonders im Morgensonnenschein durch einen unschönen Reubau unmittelbar unter der Ruine empfindlich gestört wird. Auf dies­seitiger Höhe liegt das Schloß Schadeck, das Tal noch höher überragend. Es sieht als Bau­werk recht dürftig aus' Der von seinem Bruder aus der Burg Runkel verjagte Erbauer soll es jenem xum Trotz und Schaden errichtet haben. Er wird wohl damit keinen großen Aerger her­vorgerufen haben! Roch mancher lohnende Rück­blick, dann verlieren wir beide Burgen rasch aus den Augen; Straße und Fluß biegen nach Ror- den um. Der Kerkerbach mündet aus grünem Tälchen in die Lahn. Ein Schmalspurbähnchen kommt mit ihm aus den Bergen und begleitet uns noch über Steeten bis nach Dehrn. Die meisten Wanderer gehen wohl an Steeten vor­bei, ohne den naturwissenschaftlich interessanten Wohnhöhlen einzeitlicker Lahntalbewohner in einer nicht weit vom Dorfe gelegenen Schlucht einen Besuch abzustatten. Weiter geht die Fahrt an großen Weißkalkwerken vorbei nach dem im nächsten Lahnbogen gelegenen Dörfchen Dehrn mit seinem hohen, walüumhegten Schloß.

Rach kurzem Imbiß an waldigem Hange mit schönem Blick auf Fluh und breiter werdendes Tal geht es weiter. Die Straße steigt an. Sie fuhrt nach einer mächtigen zweitürmigen Kirche. Aus senkrecht aus dem Flusse emporsteigendem Felsen erhebt sie sich. Es ist das schöne Gottes­haus von Dietkirchen. Die Räder werden in einem Winkel des Friedhofes in Sicherheit ge­bracht und bald umfängt uns die Kühle und Stifte dieser ragenden Kirche. Heber den Ge­beinen des heiligen Lubentius wurde sie schon im 11. Jahrhundert errichtet. Drei kleine Kapell­chen, scharf auf den Rand des senkrechten Felsens gebaut, schmiegen sich an die Hauptkirche, nur ein überdachter Prozessionsgang trennt sie von ihr. Der Gang führt uns auf den Friedhof der Südseite, von dessen Mauer man weithin ins Land schaut. Hier stand schon im 9. Jahrhundert eine Kapelle. Run geht die Fahrt durch reifende Fruchtfelder gen Limburg, der Hauptstadt des breiten Beckens, in das die Lahn jetzt ge­treten ist. Auf der Höhe vor der Stadt grüßt uns ihr siebentürmiger Dom, der durch Lage und Eigenart die ganze Gegend beherrscht, sicher das schönste Gotteshaus im ganzen Lahntale. 3n rascher Talfahrt gelangen wir durch einen mächtigen Torturm auf die alte Lahnbrücke, ge­nießen von hier den überaus malerischen Anblick des Domes hoch über dem umbuschten Flusse und finden dann sehr schwer den Weg zu ihm, obwohl wir ihn immer vor uns sehen. Schließ­lich müssen wir die Räder noch manche Stiege hinauf tragen.3a, es ist ein wunderbares Bau­werk," sagte uns ein am Dom beschäftigter Ar­beiter,,ragt weithin, und ist doch so versteckt, denn es führt keine rechte Straße zu ihm hin." Wir beschauen ihn uns bis in die Türme hinein, erfreuen uns an dem geschlossenen Llebergangsstile, an der Schönheit der durchgeführten Artaden, der Mannigfaftigkeit der Kapitäle und werden schließlich überrascht von dem wunderbaren Blick aus der Sakristei auf Fluß, Felsen und Schloß.

Rach mehr als einstündigem Aufenthalt geht es auf schöner Landstraße, vorbei am schönen Schlosse Oranienstein, bei dem sich das Lahntal wieder sehr verengt hat, nach dem um ein mächtiges Schloß gelagerten, altertümlichen Städtchen Diez. Hier mündet, aus einem lieb­lichen Tale kommend, die Taunus-Aar in die Lahn. Don jetzt ab verläßt die Landstraße das immer enger werdende Flußtal. Wer es nun fürchtet, einen schmalen, oft holperigen Pfad, hart A4» Llßer drs Flusses, zu fahren, der muß auf bergiger Landstraße vieler heimlicher, ver­steckter Raturschönheiten entsagen. Wir achten aber die Llnannchmlichkeit des Weges gering

und fahren vom Weißkallwcrl Diez aus den sogenannten Leinpfad weiter, was uns auch ein Einheimischer geraten hatte. Wir haben es nicht zu bereuen. Fernab von allem großen Der- kehr windet sich die Lahn durch ihr enges, keiner Straße Platz lassendes Tal. Zunächst ist der Leinpfad ja recht holperig gepflastert, bald aber führt er zart durch hohes Gras immer hart am Llfer hin. Der Wald badet seinen dichten Saum in den braunen verträumten Fluten des Stromes. Der Alltag ist fern, die Romantik spinnt ihre lieblichen Fäden. Kaum ein Wanderer begegnet ups, nur einmal erschallt aus einem versteckten Waldwinkel der grüßende Zuruf natur- froher Menlchen. Das Tal verbreitert sich etwas: drüben liegt fast versteckt hinter einer großen Gruppe von Kastanien und Linden das Dörfchen F a d) i n g e n mit seiner berühmten Mineral­quelle, der weilandKöniglichen". Der Leinpfad wird noch besser, die Llfer oft hoch, man mutz sich vor unsreiwilligem Bade in acht nehmen. Durch Wiesen führt er und dann wieder unter grünem Baldachin in den Fluh hängender Wäl­der. Wir fahren einer turmreichen Dura auf hohem Berge entgegen: Das prachtvolle Schloß Schaumburg ist es, das unsere Blicke fesselt. Beim Räherkornmen werden wir von links über­rascht: 3n einer Scharte der linken Talwand liegt malerisch eingebettet das Dörfchen Bal­duinstein. überragt von feiner gleichnamigen Burgruine. Schloß Schaumburg grüßt uns noch lange! Lind als wir auf steilen Pfaden von Geilnau aus den Leinpfad freiwillig ver­lassen, zeigt sie uns von der fruchtbaren Hoch­ebene von Scheidt aus. wie sehr sie weithin die Landschaft beherrscht. Lingehemmt schweift hier der Blick über Fruchtfelder im Sommersonnen­schein. blaue Wälder, die sich im Sonnendunst verlieren, und das vielgewundene, scharf und tief eingeschnittene Fluhtal.

Gefährlich ist die Abfahrt von dieser Höhe hinab in die grüne Talenge von Laurenburg. Dann gehts wieder auf schöner Strafte dem Llfer entlang. Die dicht bewaldeten, sehr steilen Hänge steigen zu stattlicher Höhe, hinan. Mensch­liche Ansiedlungen müssen sich hart zwischen Fluh und Berg zwängen. Hoch über dem langgestreck­ten Oberhof thront auf spitzem Felsen ein Pa­villon: Es ist der Punkt, dessen Aussicht einst Goethe so mächtig anzog. Eine goldene Abend­sonne laht die Lieblichkeit und romantische Schön­heit des folgenden Talstückes im stimmungsvollsten Lichte erscheinen. Bald zwingt uns ein märchen­haftes Bild zu schauender Rast: Die vier- türmige Kirche des Klosters Arnstein auf waldiger Kuppe über dem Fluh inmitten unge­störter Waldlandschaft warmfarbig im scheiden­den Sonnenlichte leuchtend, eine Insel des Frie­dens und der Sttlle! Bald ragen in gleichem warmem Gelbbraun die übrigen Klostergebäude aus dem Grün der Wipfel. Roch oft müssen wir unsere Blicke rückwärts wenden, dieses Bild der Alltagsferne recht tief auf uns wirken zu lassen. Seinem Banne kaum entronnen, überrascht uns ein völlig andersartiges: Düster, mittel­alterlich. wie ein Bild aus Walter Scotts Ro­manen, liegt Schloh Langenau im Tal­schatten.

Die landschaftlichen Schönheiten jagen sich! Bald sind wir in Rassau, der prächtigen Hei­mat des Reichsfreiherrn vom Stein, inmitten kuppenreicher Wald- und Fluhlandschaft gelegen, von der Ratur zum Erholungs- und Kurort wie geschaffen. In Dausenau besehen wir uns das berühmteWirtshaus an der Lahn" und fahren dann auf hervorragend guter Strafte einer neuen, weltberühmten Perle des Lahntales zu, der geruhigen, quellenreichen Badestadt E m s. Eng schmiegt sie sich an den staken Fels, nur Platz für eine Strafte und schmale Anlage zwi­schen sich und der Lahn lassend. Wir sitzen auf einer Bank am Fluß. Hinter den Höhen ver­glimmen die letzten Abendgluten. Still gleitet der Fluß dahin. Die letzten Ruder- und Paddel­boote treiben heimwärts, die ersten Lichter er­glimmen. Es ist die Zeft vor der großen Abend- Promenade. Ich glaube, Ems macht in dieser Stimmung den seiner Eigenart entsprechendsten Eindruck. Wir sitzen lange, bis die Dämmerung uns nachhaltig zum Aufbruch mahnt. Wir fahren durch die endlose Häuserreihe. Schon prangt die Stadt in festlichem Lichterschein. Wir aber enteilen der Pracht des Weltbades und finden nicht weit von ihm eine billige Wanderernacht­ruhe. Am nächsten Morgen reiht sich die Perlen­schnur der Lahntalschönheiten ab. Wir fahren weiter in den Tag, erfreuen uns wieder der vielgepriesenen Schönheiten des Rheines, des Siebengebirges der trauten Donna und des heili­

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gen Köln Linser Rückweg geht durch das frische, arbeiteteti;e Tal ter Lahnschwester Sieg. Wenn auch der Himmel am vierten Tag" der Fahrt einen nicht gerade festlichen Abschluß gewährte: Wir haben wieder Schönheiten unserer deutschen Heimat erlebt, die unsere Liebe zu ihr tiefer und unser Leben reicher machen.

Lemgo, die alte haiifaftadt.

Von Ludwig Bäte.

Der Stolz, der sich in dieser Bezeichnung ausprägt, ist berechtigt. Roch heute ist das saft vergessene Rest auf der Keuper- und Muschel­kalkoberfläche zwischen Teutoburger Wald und Weser die Stadt Lippes wie in Hansetagen, als sie mit Warburg und Herford um die Hälfte mehr Beitrag zu zählen hatte als Lippstadt, Bielefeld und Hameln, wogegen sich freilich die feit 1365 vereinigten Wollner, Gewandschneider und Kaufleute der Alt- und Reustadt kräftig zur Wehr setzten. Es half nichts, wußte man doch im Kölnischen Quartier und in Lübeck genau, was die Stadt, die außerdem iroch eine ausgedehnte Feldmark und große Waldungen besaß, leisten konnte. Bis dann der Dreißigjährige Krieg allem Reichtum und trotzigen Wagemut ein dumpfes ®rab grub. Was noch lebenskräftig schien, er­stickte der Münstersche Bischof Bernhard von Galen, der 1675 die noch sechshundert Häuser umfassende Reustadt zusammenschoh. Heute treibt man wieder wie in ganz alten Tagen Ackerbau, fertigt Meerschaumköpfe und Zigarren, und erhält mit Geschmack und Llmsicht, was müde aus fröh­licherer Zeit in diese nüchterne Welt schaul.

Das Hexenbürgermeisterhaus: 1571 erbaute Hermann Kruwelin Godes Ramen und Christus Frede" diesen herrlich gegiebelten, erkergezierten Renaissancebau, in dem später Bürgermeister Hermann Cothmann wohnte, der 1667 fünfund­zwanzig Hexen hinrichten lieft, womit er freilich um zwölf Opfer hinter seinem Vorgänger Heinrich Kerftnann zurückblieb, der es in seinem letzten Amtsjahre auf siebenunddreißig brachte. Meister David Claussens, des Scharfrichters Haus steht einige Gassen abwärts. Lieber dem schmalen Tor liest man seltsam berührt:Mein Gast auA und ein laß dir o Gott befohlen fein.

Die Kruwels müssen ein angesehenes Ge- schlecht gewesen sein: das Haus, das sich Berent Kruwel 1583 erbauen lieft, zeugt ebenfalls davon. Ebenso begütert scheinen die Wippermanns ge­wesen zu sein. Ihr Bau mit seinen eleganten Säulchen auf den Abtreppungen ist eins der köstlichsten Häuser der kaum durch störende Ge­bäude durchsetzten, einheitlich geschlossenen Stadt. An der Mittelstraße wurde am 16. September 1651 Engelbrecht Kämpfer geboren, unser erster Japan reisender. Die deutschen Ra­turforscher und Aerzte haben ihm 1867 am Be­ginn des hohen Walles ein Denkmal gesetzt. Tief versteckt es sich in Linden und schattendes Ge­sträuch, und die Bega rauscht dumpf aus Erlen und Weidengestrüpp herauf. Im Stadtgraben aber reifen die Aepfel, weht Wäsche über dem vollen Grün, kriecht ein morscher Turm immer tiefer in seine Schlehdornwildnis.

Lind dann das Rathaus! Llrsprünglich gotisch darauf bis auf den mittleren Giebel in der Frührenaissance durchgebaut. Links hat man 1612 einen üppig ornamentierten Vorbau angefügt, der die ehrwürdigen Mörser, Töpfe und Tiegel der Ratsapotheke beherbergt, während ein süd­licher Erker die Ratsstube umschließt. An der Schmalseite des langgebeftnten, zweigeschossigen Gebäudes leitet eine Freitreppe durch wappen- bunte Arkaden ins Hochgeschoh. Weinlcrubge- p>inde schlingt sich wie sehr häufig hierzulande um die Front, Weindüfte bringen aus dem kühlen, gebräunten Keller, an dessen Wänden selbstbewußt die Hausmarken und Wappen der eingesessenen Geschlechter mit manchem trefflichen Weisheitsspruch prangen. Ich weih nicht, ob man heute noch dort, wie es diegroße Rottul des Weinzapfens" von 1585 befiehlt, nurun­verfälschten" Wein vom Rheine findet: heute dürfte man auch den teurenDirne Wein" und den verbotenenfranzösischen" trinken. Lemgos (Lehmgaus) Boden erträgt das schon.

Die Zopfhaube des nördlichen und der schlanke Helm des südlichen Turmes von St. Nicolai lugen bleigrau über die stumpfroten Rathausdächer. An­fänglich romanisch, erneuerte man später die linden­umhegte, dunkle, in edlen Grabmälern überreiche Kirche im gotischen Stil, ohne den feierlich ernsten Eindruck zu gefährden. Das brachte nicht einmal die vergnügliche Zopfhaube fertig, die man dem Nord­turm aufsetzte, als der Sturm sein Dach abwehte.

Die Hauptkirche der Neustadt ist die ältere von St Marien, die schon 1279 urkundlich erwähnt wird. Sie steht reichlich sechshundert Jahre mit einem Kloster der Augustinerinnen in Verbindung, das heule in einem protestantischen Stift fortlebt, dessen Aebtissin immer eine Angehörige des Lihpeschen Hauses ist.

Jrn Schlendern durch unaufhörlich sich auftuende Gassen, Hofe, Mauerwinkel, trächtige, falle Gärten, unter dichten Wallwipfeln her bis in die letzten Verstecke hinein redet das goldene Gestern komme id) ans Herforder Tor der sich oftmeftlid) in sieben Etraßenziigen streckenden Stadt. Hinter roter, von Farn und Mauerpfeffer durchwucherter Mauer der längst vergessene Johannisfriedhof, Gräber aus den Tagen des großen Glaubenskrieges bis 1850 hin, pausbäckige Engel, gekreuzigte Gebeine, Kreuze, Bret­ter. Rosen- und Jasminduft mischt fid) mit dem stren­gen Anhauch mächtiger Zypressen. Ein flachsköpsiger Knirps hütet seine Ziegen, querüber summt ein Sägewerk. Manchmal streift der laue Sommerwind durch das morsche Kirchengebälk des greifen Johan­nisturmes, den General Götz 1637 als traurigen Stumpf der Kirche stehen lieft,dergleichen an ge­baut) kaum im aantzen Lande eine schönere zu fin­den gewesen sei , wie Pastor Plesman klagend ans Gräfliche General-Konsistorium schreibt.

Lemgo ist, obwohl fürstliche Gründung, .allzeit eine gut bürgerliche Stadt gewesen. Auch den Ännenhof, der Wonsitz der jeweiligen Aebtissin, fügt sich ins ehrenfest-gediegene Bild der Stadt ein. Unter den breiten Kastanien des großen Gartens proben junge Menschen ein Spiel von der heiligen Elisabeth. Aus einem Boskett klagen Geigen Fried­rich'von SpeesIn stiller Nacht zur ersten Wacht ein Stern beginnt zu klagen", aus feiner Trutz­nachtigall. Durch die Baumkronen schaue id) das unbeweglich starre Antlitz des Hexenbürgermeister­hauses. Da fällt mein Blick auf einen Stein, der höfisch ziersames sentimentales Leben in die gelben Wege und dichten Lauben zaubert und den Druck des unheimlichen Gebäudes keife löst. Er wurde einem Kranich,Hans dem Schönen", gesetzt und trägt die gefühlvollen Verse:

Er, der von Pol zu Pol gezogen. Hoch über Wolken oft geflogen, Sich jedes Beifall hier erwarb, Ach, dieser gute Kranich starb.

Lemgo, den 12. Dezember 1788.

Draußen besprechen zwei deftige Lipper die dies­jährigen Ernteaussichten. Vom Wall träufelt Linden- geruch.

Wanderfahrten.

Hungen Stomfels Reipperts Schotten.

Dom Ausgangspunkte Hungen folgen wir blauen Strichen, die uns nach kurzer Zeit durch schönen Hochwald führen. Llnterwegs überschrei­ten wir die blaue Kreuzmarkierung: Ridda Laubach. Einige Zeit danach stoßen wir auf weiße Striche, denen wir nach rechts folgen, um alsbald nach dem hochgelegenen Stornfels mit altem Schloß und großartigem Fernblick zu ge­langen. Das Wegezeichen führt uns an dem hübsch gelegenen Jagdhaus Wolfslauf vorüber nach dem Reipperts, von dessen Plateau wir eine wundervolle Aussicht auf das Massiv des hohen Vogelsbergs, auf Täler und Schluchten, sowie zahlreiche Dörfchen haben. Von hier folgen wir roten Kreuzen, die uns durch den sog. Spieß zum Endziel Schotten bringen. Da diese Wande­rung, die etwa 41/2 bis 5 Stunden beansprucht, wenig Llnterkunftsmöglichkeiten bietet, ist ein ge­füllter Rucksack unerläßlich.

Hirzenhain Hartmannshain herchenhainer hohe hoherodskopf Schotten.

Eine genußreiche Vogelsbergwanderun , d:e jedoch, da sie etwa acht Stunden umfaßt, besser auf zwei Tage verteilt wird, ist die folgende: Wir fahren 8.14 Llhr nach Stockheim, wo wir gleich Anschluß mit der Dogelsbergbahn haben, die uns durch das anmutige Riddertal vorbei an den malerisch gelegenen Städtchen Orten­berg und Lihberg nach dem ebensafts reizvoll gelegenen Hirzenhain bringt. Von hier gehen wir zunächst nach Wenings, wo wir auf das weißrote Band, eine Schöpfung des rührigen Prof. Dender in Frankfurt stoßen. Eine überaus lohnende Höhenwanderung bietet die Begehung dieses Wegezeichens. Prächtige Ausblicke in die Täler, namentlich in das liebliche Seemenbach- tal und auf die benachbarten Höhen, sowie die vielfach gewundene Gebirgsbahn, die auch einige­mal überschritten wird, bieten sich den über­raschten Blicken dar, während von fern her Bilstein, Hoherodskopf und Taufstein winken. So geht es durch Wald und Feld, vorbei an zahl-

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