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Englische Erwartungen in Genf.

London, 27. Aug. (WD.) Der Londoner Be idjterftalter desManchester Guardian" schreibt, die m amtlichen britischen Kreisen der Tagung des Völkerbundes im nächsten Monat entgegengebrachten Erwartungen seien optimistisch. Man glaube, daß die Studienkommission den vereinbarten Bericht erstatten werde, der automatisch angenommen werde. Es bestehe eine bestimmte Aussicht für die Erwartung, daß Deutschland diesmal in den Völker­bund ohne Bedingungen und ohne weiteres Hin und Her ausgenommen wird. Deutschland ivcrde dann Mitglied des Völkerbundes fein, ohne daß dann von irgendwelchen weiteren Veränderun­gen die Rede sein werde,außer denen, welchen Deutschland etwa vorher z u ge st i in in t haben mag". Man glaube nicht, daß Frankreich in seiner augenblicklich sehr verzweifelten Lage imstande sein werde, Unheil zu stiften oder Polen oder sonst jemand ins Schlepptau zu nehmen. Man glaube, daß Frankreich, ebenso wie England, in Genf eine unbeschriebene Seite anfangen werde. Ehamberlains Versprechen an Spanien sei ver­fallen, und es sei Spanien auch mitgeteilt worden, daß es verfallen sei.

Tanger und Gens-

Die spanischen Ansprüche.

Paris, 27. August. (WTB.) Das französische Außenministerium ist zur Zeit mit der Prüfung einer ihm am 25. August zugegangenen Rote der spanischen Regierung beschäftigt, in der diese den Wunsch zum Ausdruck bringt, daß der durch die internationalen Verträge Spanien zuge- wiesene Einfluß gesteigert werden möge. Eine Antwort wird um so rascher erteilt werden, als die spanische Note den Versuch macht, die Tangerfrage mit den Fragen in Verbindung zu bringen, die in der kommenden Woche den Gegenstand der Be­ratungen des Völkerbundsrates aogeben werden.

Die spanische ZeitungEl Debüt e", ein gro­ßes klerikales und deutschfreundliches Draan, schreibt, niemand brauche darüoer erstaunt zu sein, daß die spanischen Forderungen bezüglich des Völ­kerbundes und bezüglich Tanger zu gleicher Zeit aufgestellt würden, denn diese beiden Fragen seien innig miteinander verbunden. Sein Rang, seine Geschichte und seine Stellung gegenüber Europa und Amerika verpflichten Spa­nien, einen ständigen S i tz in Genf zu for­dern. Wenn Spanien nicht einmal in dieser berech­tigten Forderung Genugtuung erhalten würde, wo­zu hätte es dann für Spanien noch einen Zweck, in Genf zu bleiben? Wenn das gegenwärtige Regime für Tanger durch Einverleibung dieser Stadt und ihres Hinterlandes in das spanische Protektorat oder durch die Uebcrtragung eines Man­dats an Spanien erseht würde, dann würde Spanien dadurch ipso facto ein unzweideutiges Zeugnis der Achtung und der Anerkennung seines wirklichen Wertes im Konzert der Mächte erlangen. Es würde ihm bann möglich fein, ohne sich etwas zu vergeben, seine Forderungen in Genf herunterzuschrauben und abzuandern. Spanien wolle, daß die Tangerfrage vor der Genfer Tagung geregelt werde. Allerdings fehle nun rein materiell die Zeit dafür, daß eine inter­nationale Konferenz sich mit dieser Frage in der nächsten Zusammenkunft beschäftigen könne, aber das Hindernis könnte umgangen werden, wenn Spanien ernstliche Garant ie n hinsichtlich der Einführung der Politik in Nordafrika, für die es eintrete, gegeben würden. Garantien müßten allerdings in diesem Sinne etwas anderes bedeuten, als bloße Worte und Versprechen, wie sie Spanien bis jetzt bezüglich der Zuteilung eines ständigen Sitzes im Dölkerbundsrate erhalten habe.

Eine Vermittlung des Vatikans?

London, 28. Qhtg. Sn Londoner diplo­matischen Kreisen verfolgt man mit gespannter Aufmerksamkeit den Erfolg eines Schrittes, den einige Mächte beim Vatikan unternom­men haben. Der Vatikan wurde angeblich ge­beten, seinen Einfluß bei der spanischen Regierung in der Tanger- bzw. Völker­bundsfrage geltend zu machen und soll nach dieser Richtung hin bereits mit Hochdruck arbeiten.

Der Bergarbeiterstreik in England.

Die ergebnislosen Verhandlungen.

London, 27. Aug. (WB.) Kleber die ge­scheiterten Besprechungen zwischen den englischen Bergarbeiterführern und der Regierung gibt Reuter an Hand des Sitzungsprotokolls noch folgende Einzelheiten bekannt: Der Bericht über die Sitzung zeigt ganz deutlich, daß die Berg- arbeilerdertreter den Wunsch hatten, die Ge­währung neuer Llnterstühungsgel- der durch die Regierung durchzusetzen und so der Verlängerung der Arbeitszeit und jeder Herabsetzung der Löhne während der für die Durchführung der Vorschläge der Kohlenkammis- sion erforderlichen Zeitspanne aus dem Wege zu gehen. Churchill wies wiederholt darauf hin, daß eine weitere älnterftützung nicht gewährt werden und auch nicht einmal zum Gegenstand einer Besprechung gemacht werden könne. Er erklärte, die durch die Einstellung der Kohlen­förderung verursachten Kosten betrügen nur ein Zehntel der Verluste, die man in Ansatz ge­bracht habe, da das Land sich in einer un­erwartet günstigen wirtschaftlichen Lage befinde. Mit alleiniger Abnahme der Schwerindustrie sei England völlig in der Lage, ^och für eine geraume Zeit unter den augenblicklichen Bedingungen durchzuhalten. Der Ersitzende des Dergarbeiterverbandes Smith übte Krrtir daran, daß die Regierung die Berg- werksbesitzer durch die Entsendung von Polizeikräften in die Kohlengebiete und durch die Organisation der Einfuhr aus­wärtiger Kohle unterstütze. Er fügte hinzu die Bergarbeiter seien in der Lage, den Kampf noch fvrtzusetzen und deutete an, daß die augen­blicklich von den Bergarbeitern befolgte Politik einem Ersaufen der Schächte vorzubeugen, eine Aenderung erfahren könnte. Der Arbeitsminister wies darauf hin, daß die Grubenbesitzer ihren ursprünglichen Standpunkt aufrechterhalten und keine Konzessionen machen bereit seien.

Rach dem Scheitern der Besprechung haben die Bergarbeiter eine Vollsitzung des Vollzugs­ausschusses für Montag nach London einberufen. Das Ministerium des Snnern erklärte, es be­stehe nicht die Absicht, Truppen zur Aufrecht^

I erhaltung der Ordnung in die Kohlenbezirke I zu entsenden oder das Scheitern der Verhand­lungen zum Anlaß zu nehmen, von Rrgierungs- seite die R o t st a n d s a r b e i t e r zu ersetzen, die unter Umständen von der Streikleitung aus den Gruben abberufen werden sollten. Die poli- eilichen Vorkehrungen hätten sich als ausreichend erwiesen und es sei kein Bedürfnis für die Heranziehung anderer Machtmittel vorhanden. Die vom Ministerium getroffenen Anordnungen zum Schuh der Arbeitswilligen hätten sich als zufriedenstellend erwiesen. Rach den vorliegenden Meldungen hätten die vorgefallenen Ruhestörungen keine ernstere Bedeutung. Aller­dings sei es notwendig gewesen, rasch dagegen einzuschreiten, da wahrscheinlich sonst die Un­ruhen sich ausgebreitet hätten. Zur Zeit sorgt Polizei in der Umgebung der Bergwerke für die Aufrechterhaltung der Ordnung.

Dsutsch!onb und die JriLer- naLionaleLtudenLenvere uigung

Berlin, 27. Aug. (WD.) Die Deutsche Studentenschaft hat folgende Erklärung erlassen: Die Deutsche Studentenschaft muh die von der C. S. E. (Confedäration internationale des etudiants) in Prag zum Ausdruck gebrachte Zu­mutung, erneut an die C. S. E. heranzutreten, ablehnen. Die Deutsche Studentenschaft be­dauert, daß durch die letzten Beschlüsse eine weitere Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Stutewenschaft und der C. 3. E. so­lange unmöglich bleibt, als eine neuerliche Initiative der Deutschen Studentenschaft und somit eine Aenderung des deutschen Stand­punktes verlangt wird. Die Deutsche Studenten­schaft wird weiterhin in der feit 1919 gepflegten Weise mit allen jenen Studentenschaften zusam- menarbeiten, die unbeeinflußt von poli­tischen Gesichtspunkten zwischenstaatlich das Wohl von Studenten und Hochschule erstreben.

Dre deutsch-japanischen Zandersvertragsverhandlungen

Berlin, 27. Aug. (WTB) Rachdem durch Beschluß eines Abkommens zwischen der Inter­essengemeinschaft der Farbrnindustrie und Japan übet die Behandlung 6 er deutschen Farbeneinfuhr die Hauptschwierigkeit ter deutsch-ja Panis chen 5>ai'tei sve rt ra gäbet f;an Ölun­gen beseitigt ist, besteht auf beiden Seiten der Wunsch, die Verhandlungen über den Handels­vertrag nunmehr baldmöglichst zu Ende zu führen. Der deutsche Botschafter in Tokio, Dt. Sv lf, wird im September in Berlin eintreffen, um über den gegenwärtigen Stand der Verhand­lungen mündlich zu berichten und die Grundlage für die Wetterführung der Verhandlungen zu erörtern.

Der neue Oberkommissar für Syrien.

Paris, 27. Aug. (Havas.) Zum Rachfol- ger de Iouvenels als französischer Ober­kommissar in Syrien ist der Direktor der Ab­teilungAfrika und Levante" im Außenmini­sterium, P o n s v t, bestimmt, der Auch bei den Marokko-Friedensverhandlungen mit Abd el Krim eine führende Rolle gespielt hat.

Kunst und Wissenschaft.

Die Berner Kirchenkonferenz.

Der Fortsetzungsausschuh der Wrltkirchen- kvnferenz beschloß die Errichtung eines inter­nationalen Instituts für christlich- soziale Forschung, in dem die praktischen Aufgaben des kirchlichen Zusammenschlusses ihre erste große Auswirkung finden sollen. Es soll der Mittelpunkt für die Zusammenarbeit aller christlich-sozialen Organisationen in den ver­schiedenen Kirchen der Welt sein, es soll die wirt­schaftlichen Probleme wissenschaftlich untersuchen und die Grundsätze für den praktisch-sozialen Dienst der Kirche aufstellen. Sein Sitz soll Zürich sein. Mit dem Internationalen Arbeits­amt in Genf soll enge Fühlung genommen wer­den. Zum Direktor des Instituts wurde der weit über die Grenzen seines Landes bekannte Schwei­zer Pfarrer Dr. Adolf Keller ernannt, der die ersten organisatorischen Vorarbeiten einleiten und dabei durch einen Stab von Sachverständigen aus allen Ländern unterstützt werden soll.

Goldenes Doklorjubiläum.

Herr Dr. phil. Dr.-Jng. h. c. Adolf Winther in Frankfurt a. M langjähriges Vorstandsmitglied der Chemischen Fabrik Griesheim Elektron, hat am 18. August sein 50. Doktorjubiläum in voller Ge­sundheit begangen. Vor einigen Jahren ist ihm von der Technischen Hochschule in Darmstadt der Titel eines Doktoringenieurs ehrenhalber in Würdigung seiner literarischen Arbeiten, seiner Tätigkeit auf dem Gebiete dex Anilinfarben und seiner Verdienste in der chemischen Industrie zuteil geworden.

Aus aller Welt.

Stürmischer Empfang Gertrud Ederles in Neuyork.

Reuyork. 27. Aug. (WB.) Die Stadt Reuyork hatte der Kanalschwimmerin ©ertrub Ederle bei ihrem Eintreffen einen äußerst herz­lichen und, wie die Blätter feststellen, vielleicht den stürmischsten Empfang bereitet, der je einer bekannten Persönlichkeit in Reuyork ge­boten worden ist. Ein Dampfer mit führenden Persönlichkeiten an Bord, darunter auch Ver­treter sämtlicher deutscher Vereine in Amerika, holte dieTrude vom Kanal", wie sie hier genannt wird, an der Quarantainestation ab und brachte sie, von den Sirenen sämtlicher im Hafen liegender Fahrzeuge begrüßt, an Land. Sie fuhr durch ein Spalier dichter Menschenmassen nach dem Rathause. Auch die Dächer und alle hochgelegenen Punkte waren von dichten Menschenmassen bedeckt. Im Rathause wurde Gertrud Ederle vom Bür­germeister begrüßt, der ihr eine Ehren­urkunde überreichte, und ihr seine Bewun­derung für ihre große Leistung aussprach. Prä­sident Covlidge hat an Gertrud Ederle ein Glückwunschtelegramm gerichtet. Gertrud Ederle empfing 50 Presseberichterstatter, denen sie Einzelheiten über die Kanaldurch­querung erzählte. Ihr Rechtsberater erllärte, sie dürfe über ihre weiteren sportlichen Pläne nichts Räheres berichten. Es feien ihr Kontrakte im Gesamtwerte von 900 000 Dollar angeboten 1 worden. In der riesigen Menschenmenge, die das

zer-

unferer

Stadt sichert.

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und gro­ben

der Chefredakteur. Der Wagen wurde trümmert.

Schwere Stürme im Riefengebirge.

Rach Dlättenneldungen haben Stürme

wollenbruchartiger Regen im Riesengebirge ßen Schaden angerichtet. Die Straßen zu ____

Bauten wurden überschwemmt, die Stege von den Wassermassen fortgerissen. In Weidenburg wur-

Stadthaus umdrängte, wurden zahlreiche Per­sonen zu Boden gestoßen, wobei sechs verwundet wurden. Die polizeilichen Absperrungen wurden durchbrochen und die Türen des Stadthauses mußten geschlossen werden. Gertrud Ederle sagte unter ungeheurem Jubel, als sie sich für den Empfang bedankte, sie habe die Kanaldurchque­rung um der E h r e willen unternommen, die sie ihrem Lande und der amerikanischen Flagge eintragen muhte.

Weltreise des KreuzersEmden".

Mitte November wird der KreuzerEmden" zur Ausbildung der Offiziers- und Unteroffiziers­anwärter eine Weltreise antreten. Der Reiseweg führt über Teneriffa und die Ostküste von Afrika nach N i e d e r l ä n d i sch - I n d i e n und Japan. Nach Ueberquerung des Stillen Ozeans werden nord- und südamerikanische Hafen der Westküste angelaufen, dann süd- und mittelamerikanische Häfen der O st k ü st e. Im Frühjahr 1928 erfolgt über die Großen An­tillen und Azoren die Heimreise.

Oer KreuzerHamburg" in Manila.

Der KreuzerHamburg" ist am 26. August in Manila eingetroffen. Die Weiterreise er­folgt am 8. September.

DerDlinde Iohann" festgenommen.

DerBlinde Johann", ein polnischer Schnit­ter, der zu einer den Schrecken des platten Lan­des bildenden polnischen Räuber- und Mörderbande gehörte, ist jetzt nach langen Bemühungen von der Polizei in Ahrenfeld bei Hameln fest genommen worden. Die­ser elffache Mörder hat bei der Verfolgung durch die Behörden stets von der Waffe Ge­brauch gemacht und hat mehrere Förster und Polizeibeamte erschossen.

Das große Los.

In der Freitagvormittagsziehung der Preußisch- Süddeutschen Klassenlotterie ist das große Los (500 000 Mark) auf die Nummer 198 796 gezogen worden. Die Nummer wird in der ersten Abteilung in Berlin, und zwar in Achteln, in der zweiten Abteilung in München in Vierteln gespielt.

Schweres Autounglück in Brüssel.

Freitag nachmittag fuhr das Auto des Chef­redakteurs der Brüsseler ZeitungLe Soir" an einer Straßenkreuzung, als es einem Passanten aus weichen wollte, auf das Trottoir und verletzte vier Personen. Ein Passant wurde dabei getötet und einem Depeschenboten beide Beine abgeq'uetscht. Die beiden anderen Personen erlitten leichtere Verletzungen, ebenso

einer letzten Gedächtnisstunde für Alfred Groebler vereinigte sich am Freitag in der Kapelle des neuen Gießener Friedhofes mit den Familien-

Aus -er Yrovinzialhauptsta-t.

Gießen, den 28. August 1926.

Alfred Groebler f.

Mitten in der Vollkraft seines Schaffens verschied der seit einigen Jahren in Gießen an­sässige Generaldirektor der Buderus'schen Eisen­werke Dergrat Dr.-Ing. h. c. Alfred Groebler. Mit ihm hat die westdeutsche Montanindustrie eine ihrer hervorragendsten Führerpersönlichkeiten verloren. Weit über den Kreis der vielver- zweigten Unternehmungen, deren Leitung ihm persönlich anvertraut war, hinaus, dienten des Verstorbenen große technische Kenntnisse, seine außerordentliche geschäftliche Erfahrung, sein Weitblick in allen wirtschaftlichen Fragen einer ganzen Reihe großer Betriebe Westdeutschlands. Die Wertschätzung und das Vertrauen seiner Be- rufsgeiwssen hatten ihn auf zahlreiche verant­wortungsvolle Posten gerufen. So war er Vor­sitzender der Wetzlarer Handelskammer, Vor­sitzender des Berg- und Hüttenmännischen Ver­eins in Wetzlar. Vorsitzender der süddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industrieller in Mannheim sowie Mitglied des Hauptvorstandes dieses Vereins, ferner Begrün­der und eifriger Förderer der Vereinigung der Arbeitgeberverbände des Lahn-Dillgebietes und Oberhessens, Mitglied des Vorstandes des Ver­eins deutscher Eisenhüttenleute in Düsseldorf, Mitglied des Hauptausschusses des Deutschen In­dustrie- und HandelStages und des Reichsverban­des der deutschen Industrie, Mitglied des Lan- des-Eisenbahnrates in Frankfurt und Köln und eine Zeit lang auch 'Mtglied der Stadtverordneten­versammlung der Stadt Wetzlar. Daneben saß er im Aufsichtsrat einer Reihe großer Altienge- sellschaften, so der Mitteldeutschen Creditbank, der Ilse Bergbau A. G., der Kaliwerke Aschers­leben, der Harpener Bergbau A. G., der Stahl­werke Röchling-Buderus, der Geigerschen Fabrik G. m. b. H.. der Maschinen- und Armaturenfabrik vorm. H. Breuer & Co.

Schon die Wiege des Mannes, dessen ganzes Leben dem Bergbau gewidmet fein sollte, stand an einer der Hauptstätten des Mitteldeutschen Bergbaus. In Aschersleben, dem Zentrum der Mitteldeutschen Kaliindustrie. wurde Alfred Groebler am 23. März 1865 geboren. Er widmete sich dem Studium des Bergfaches urad war nach bestandenem Examen als Diplom-Bergingenieur eine Reihe von Jahren in Italien tätig. Dom 2ahre 1893 bis zum Jahre 1911 bekleidete er leitende Stellen in der deutschen Kaliindustrie, wo er zuletzt als Generaldirektor den Kaliwerken Salzdetfurth Vorstand. Am 1. Januar 1912 wurde er als Rachfolger des Generaldirektors Kaiser zum Vorsitzenden des Vorstandes der Buderus- scheu Eisenwerke in Wetzlar berufen. Unter seiner Leitung entwickelte sich die altberühmte Firma auf den, von seinem Vorgänger geschaffenen, soliden Grundlagen weiter. Besonders die unge­wöhnlichen technischen Kenntnisse des neuen Gene­raldirektors kamen dem Unternehmen in äußer­

ten mehrere Häuser durch den Sttnnn abgedeckt. Eine Scheune wurde hochgehobeir und einige Meter weit fortgetragen.

Picakeniiberfall auf einen norwegischen Dampfer.

38 Seeräuber, die sich als Passagiere ausgegeben hatten, raubten auf dem nor­wegischen DampferSantvilen" in der Rähe von Hongkong Geld und Schmuck im Werte von 20 000 Dollar. Die Mannschaft wurde gezwun­gen, nach einer Ducht in der Rähe von Hongkong zu steuern, wo die Seeräuber entflohen.

Das Grubenunglück in pennsyloanien.

Dreißig Leichen wurden aus ter durch die Explosion heimgesuchte Grube zutage gefüt­tert. Es werden noch 14 Bergleute vermißt.

I ordentlichem Maße zugute. Ausdehnung unb tech­nische Vervollkommnung der Bergwerks- und Hochofenanlagen, Eingliederung einer Reihe west» und süddeutscher Dlntcrnshmungen in den Pro- duttionSprozeß, Errichtung eigener Derkaufs- bureaus an den Brennpunkten des deutschen Han­dels waren Aufgaben, die unter Groeblers Füh­rung mustergültig gelöst tourten.

Der Weltkrieg unterbrach auch die glänzende Entwicklung all der zahlreichen Unternehmungen, denen der Verstorbene neben dem Stammwerk in Wetzlar Vorstand. Et und seine Werke stellten! sich restlos in den Dienst des bedrohten Vater­landes. llrnftellung der industriellen Anlagen für die Zwecke des Heeres, ausgedehnte Wohl­fahrtseinrichtungen für die Bevölkerung Wetz­lars kennzeichnen die Tätigkeit des Verstorbenen in den Kriegsjahren.

Der Ausgang deS Krieges traf auch ihn und seine Unternehmungen hart. Die Scheinblüte, die die Inflationsjahre der deutschen Industrie brachte, konnte den erfahrenen Kenner ter Wirt­schaft in keinem Augenblick über die wahre Lage täuschen. So wurden auch die seiner Leitung anvertrauten -Unternehmungen vor dem Ver­such einer unnatürlichen und darum ungesunden Ausschwemmung durch AnglieteAlny- fernliegen­der Betriebe behütet. Die schweren Gefahren, die sich aus einer solchen Politik in den späteren Krisenjahren der Stabilisierung ergaben, blieben feinen Unternehmungen darum auch im großen und ganzen erspart. Auf den von ihm treu be­wahrten soliden Grundlagen konnte an die ge­waltige Arbeit des wirtschaftlichen Wiederauf­baus herangetreten werten, aus ter nun ein zu früher Tod den erprobten Führer abge» rufen hat.

OKit Gießen verbanden den Verstorbenen mannigfache Beziehungen, ist doch gerate da« oberhessische Wirtschaftsleben mit dem des Lahn- und Dillgebietes Vielfältig verknüpft. Aber über diese Interessen des Berufs hinaus nahm Berg- rat Groebler, der feit einigen Jahren seinen dauernden Wohnsitz hier aufgeschlagen hatte, stets wärmsten Anteil an allen kulturellen Fragen unserer Stadt. Der hessischen Lantesuniversität, deren Ehrensenator er am 6. Februar 1924 tourte und der Gießener Hochschulgesellschaft, deren Vorstand er angehörte, galt sein besonderes Interesse. Mit warmer Anteilnahme unterstützte er auch die Bestrebungen, die auf eine Hebung des Verkehrswesens im Biebertal und letzten Endes auf die Schaffung der Hinterlandbahn abzielen. So verliert Gießen mit ihm einen Mtt- bürger, dessen schlichte, liebenswürdige Persön­lichkeit ihm ein dankbares Andenken auch in

angehörigen ein weiter Kreis von Freunden des Verstorbenen. Ein reicher Blumenteppich bedeckte die Bahre, an der Bergknappen in ihrer ernsten Uniform und Chargierte des Hannoverschen Korps Saxonia" die Totenwache hielten. Nach feierlich- ernsten Posaunenklängen zeichnete Pfarrer Heeb von Wetzlar-Niedergirmes, der dem Haufe als Seel­sorger besonders nahestand, mit markigen Strichen, in Anlehnung an das Wort aus dem 90. Psalm »Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja, das Werk unserer Hände wolle er fördern", ein ein­dringliches Bild Alfred Groeblers, des rechten Bergmanns, dessen Leben ein stetes Fördern ge- wesen sei; des Generaldirektors, der sein ganzes Wollen, sein ganzes großes Wissen und Können für die ihm anvertrauten Werke einsetzte; des Ehrendoktors und Ehrensengtors, dem die Auf­rechterhaltung der Beziehungen zur Wissenschaft auch in späteren Lebensjahren, auch im praktischen Beruf, Bedürfnis war; des großen Patrioten, der mit allen Fasern seines Herzens mit dem Wohl und Wehe seines Vaterlandes, seiner Heimaterde verknüpft war; des liebevoll treuen Gatten, Vaters und Sohnes, der feiner Familie traute Stunden innigen Glückes zu schenken vermocht hatte; endlich des edlen, gütigen Menschenkindes, dessen rechtes soziales Mitsühlen, neben einem gesunden, ehrlichen sozialen Stolz, dessen [eines Verstehen um anderer Leid und Sorge das Wertvollste seines Menschen­tums gewesen war. Nad) den Worten des Geist­lichen brachte dann der Vorsitzende des Aufsichts­rates der Buderusfchen Eisenwerke, Justizrat Dr. Katzenellenbogen, Direktor der Mitteldeut­schen Creditbank, Franksurt a. M., den herzlichen, tiefempfundenen Dank der Werke zum Ausdruck, für all das Große, was der Verstorbene als Führer und Freund, unter Ausnutzung des reichen Schatzes seiner Kenntnisse und Erfahrungen, in steter Pflicht­treue und Hingabe für die -seiner Leitung unter- stellten Betriebe getan hatte. Im Namen der Direk­toren der Buderusschen Eisenwerke und sämtlicher ihnen angeschlossenen Unternehmungen sagte Hüt­tendirektor Dr. h. c. Humperdinck, Wetzlar, dem Dahingeschiedenen Dank für die kollegiale Ge­sinnung, die er seinen Mitarbeitern stets entgegen- gebracht, Vertreter der Angestellten- und Arbeiter­schaft rühmten des Verstorbenen Güte, die ihn in schweren Krisentagen zum verständnisvollen Mittler gemacht hatte. Ihrem Vorsitzenden widmete dann die Wetzlarer Industrie- und Handelskammer durch den Mund des Apothekenbesitzers Bahr Worte herzlichen Gedenkens. Des großen Mitbürgers, dessen Wirken mit der Epoche kommunaler Entwick­lung der Stadt Wetzlar unauslöschlich verknüpft sei, gedachte Bürgermeister Dr. Kühn, Wetzlar. Dem verständnisvollen Förderer der Wissenschaften, dem namentlich das Geologische Institut der Ludooiciana unendlich viel verdankt, galten die ehrenden Worte Seiner Magnifizenz des Rektors der Landesuniver­sität Professor Dr. B ii r ( e r an der Bahre des Gießener Ehrensenators. Für die Gießener Hoch- schulgesellschaft, deren Vorsitz der Verstorbene erst vor kurzem bescheiden abgelehnt hatte, sprach Gene­ral Dr. B e t h ck e. Dem alten Korpsstudenten gal­ten letzte Grüße seines Hannoverschen Korps Saxonia" und einer Reihe Wetzlarer und Gießener Alter-Herrenvereinigungen. Aus feinem früheren mitteldeutschen Wirkungskreis waren Vertreter der Aufsichtsräte der Kaliwerke Aschersleben und Salz- detsurth herbeigeeilt, um am Sarge des Unver- gefsenen Kränze niederzulegen. Andere Nachrufe widmeten dein Entschlafenen Vertreter der Frank­furter Industrie- und Handelskammer, des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, des Reichs- verbandes der deutschen Industrie, des Arbeit­geberverbandes fiy das Lahn- und Dillgebiet und Oberhessen, des Fulda-Lahn°Kanal-Verems und zahlreicher anderer Vereine und Unternehmungen, denen der Verstorbene in den langen Jahren seines Wirkens nahegestanden hatte. Ein letztes Gebet des Geistlichen, ein letzter Gruß des Posaunenchors, und es heißt Abschied nehmen von Alfred Groebler. Glück auf zur letzten Schicht!