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Nr. 98 Zweites Blatt

Der deutsche handel mit China.

Don unserem F. M. Wi.-*Seri<t)terftailer. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Schanghai, Anfang April 1926.

Degen Ende des ersten Quartals gestalten gewöhnlich vollständige Statistiken einen ge­naueren Rückblick über das verflossene 3ahr. Eine Analyse des deutschen Chinageschäftes »eigt inter­essante Auswirkungen der wirtschaftlichen Det- hältnisse Deutschlands und der politischen Ver­hältnisse Chinas aus die Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Ländern.

Für die deutschen Firmen in Schanghai war 1925 ein recht unerfrs-uliches Geschäftsjahr. TS begann, trotz ziemlicher Warenanhäufung aus dem Geschäftsjahr 1924. vielversprechend. DreSta- bllisierung der Reichsmark und die Annahme *des Dawesplanes aber kamen als Vorteile nicht gegen die Schwierigkeiten an, denen sich der Han­del durch die hohen Steuern und Zölle, durch den ständigen Kapitalmangel und den hohen Zinssatz gegenübersah. Deutsche Waren standen über dem Weltmarktpreis.

Auster diesen Schwierigkeiten in der Heimat litt der deutsche Chinahandel besonders unter den unruhigen Verhältnissen in China, den dauernden Kriegen zwischen Generälen und Par­teien. Der Zwischenfall vom 30. Mai. welcher eine Zeitlang jedes englische und japanische Ge­schäft mit China unterbrach, brachte aber auch den übrigen Rationen keinen rechten Vorteil. Die all­gemeine Kaufunlust war zu grost. als daß etwa Deutsche Firmen der Konkurrenz Aufträge hätten wegschnappen können. Einige Aufträge für Kraft - und Lichtanlagen gingen ein, als im Verlauf des Elektrizilätsarbeiterstreiks der Schanghaier Magistrat einer Anzahl chinesischer Fabriken die Dtromzufuhr abschnitt.

Die deutsche Schiffahrt dagegen nahm während der Sommermonate beträchtlich zu, als die Hafenkulis für englische Schiffe keine Lade­arbeiten vornahmen.

DaS deutsche Farbengeschäft, vor dem Kriege beinahe ein Weltmonopol, litt in immer steigendem Maste unter der Konkurrenz amerikanischer und japanischer Fir­men. Gröhe deutsche Warenlager befinden sich in Schanghai, welche naturgemäß auf den Preis drücken. Dah die Zeiten dieses deutschen Mono­pols endgültig vorüber sind, kann keinem Zweifel unterliegen. Mit dem Eintritt von Japan, Ame­rika, England, Frankreich und der Schweiz in den Farbenmarkt wird die Zukunft lange und schwere Konkurrenzkämpfe zwischen Rationen und 5irmen bringen. Aber China ist der größte Einzelmarkt für gewisse Farbstoffe auf der Welt. Dies ist daraus zurückzuführen. daß die Mehrheit feiner gewaltigen Bevölkerung in indigobsaue Stoffe gekleidet ist, und solange wie diese Farbe vorherrscht, ist ein gewaltiger Markt sicher gestellt, dessen Ausdehnung aus folgenden Zahlen bet- horgeßt:

Welt-Einfuhr von 3ndigo:

hn Werte von

1912 211 881 Piculs 7 340 000 TaelS

1913 319 000 , 9 633 000 .

1923 256 000 . 11 819 000 .

1924 421 000 . 21 585 000 .

Anilin- Farben:

1913 Im Werte von 5 401 000 TaelS

'922 . . 6 849 000

1923 7 943 000

1924 . 10 610 000 ..

(Ein Tael rund 3 Mark.)

Für deutsche Wollgarne bestand rege Nachfrage äu annehmbaren Preisen. Aber auch hier macht sich eine starke Konkurrenz amerikani­scher und englischer Firmen bemerkbar.

Ein beträchtlicher Teil des Einfuhrgeschäftes von Papier wird durch deutsche Firmen er­ledigt. Doch lohnt das große Risiko nur Auf­träge von erstklassigsten chinesischen Kunden, welche Gewähr für sofortige Abnahme beim Ein­treffen der Ware bieten.

3m Chemikaliengeschäft beschränkten sich die meisten deutschen Firmen auf den Ver­trieb von Spezialartikeln, für die sie die Allein­vertretung besitzen. 3n chemischen Lagerartikeln ist der Kampf gegen etablierte englische Firmen fast aussichtslos. Dagegen machte der Absatz von Düngemitteln langsamen, aber stetigen Fortschritt.

Ein besonders interessantes Absatzgebiet ist der Markt in photographischen Appa­raten und Artikeln. Hier machte sich beson­ders bei den chinesischen Liebhaberphotographen daS Bestreben bemerkbar, deutsche Waren den englischen, ja auch amerikanischen vorzuziehen.

Orgeln in England.

Von Eitel Kaper.

Den ganzen, endlos langen Tag über liegt die Erwartung auf Detlev Molsens Gesicht. Er ruckt unruhig auf seinem Stuhl, den ihm 3akoba hinschob, mit treuer und pfleglicher Handbewe­gung.

3hr müht nämlich wissen, daß Detlev Molsen ein Blinder ist, erst zweiunddreihigjährig und ein armer Kriegsblinder, den seine 3akoba wie einen Garten hegt, wenn er auch nicht ihre silbrigen Tränen wahrnimmt, die ihr der schwere Dienst in die Augen treibt. Ein unsagbar feines Lächeln verschönt das Gesicht, und das Seidenhaar liegt dem Kranken leicht auf der Stirne. Rur ab und zu, wenn ein Unbedachter Detlev von der ganzen Herrlichkeit deS Sturmwetters oder des duftenden Frühlings erzählt, dann geht ein Krampfen und Stöhnen durch den Körper, und der Stuhl scheint nicht mehr die Fülle dieser Kraft halten zu können.

Don draußen klingt das tiefbrünstige Heulen deS Windes durch den Vorgarten, in dem der Blinde im Sommer mit der Gesunden zusammen schafft und pflanzt und sich nicht genug tun kann.

3akoba setzt sich neben den Lehnstuhl, ganz leise und folgsam, doch der Kranke hat sie schon gehört mit seinen geschärften Sinnen und sagt sehr leise:©itjt du. Iakoba?" Hnö fast in gleicher Weise tönt es zurück: ,3a, Detlev. Die Arbeit ist getan, es ist Schummerstunde!"

Da fliegt ein beglücktes Leuchten auf die Dienen Detlevs:

Schummerstunde! Es muß beinahe so ge­mütlich fein, wie 1912, als ich Abschied von dir nahm, eben nach meinem Abitur! Da waren auch die Straßen ganz blank von dem vielen Regen und der Sturm entwurzelte beim 3ustizrat eine Kastanie, gerade als ich eben vorbeigegangen war.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch, 28. April 1926

Reben der äußerst kvnturrenzfähigen deutschen Preisstellung ist dies wohl auch auf das un- geschwächte Renomm6 deutscher Linsen zurückzuführen. Detaillierte Angaben über das Herkunftsland der importierten Apparate sind im Augenblick nicht zur Hand. Aber es unter­liegt keinem Zweifel, daß der populäre Kodak- Apparat eine wachsende Rachfrage findet. Bei der hervorragenden Derkaufsorganisation dieser amerikanischen Firma ist damit zu rechnen, daß ihre Erzeugnisse in kurzem den Markt beherr­schen werden.

Das Ausfuhrgeschäft nach Deutsch­land war während der ersten Hälfte des 3ahres zufriedenstellend. Die deutsche 3ndustrie hatte gute Aufträge und benötigte infolgedessen größere Mengen Rohstoffe. Aber mit den schlechten Zei­ten in der Heimat hielten sich auch die Export- finnen in China zurück. Später schlief das Ge­schäft unter den Kreditbeschränkungen seitens der deutschen Banken und den Detriebseinstellungen der Fabrikanten immer mehr ein. Der Umfang des deutschen Exports aus China ist heute ein derart geringer, daß man fast von einem Zu­sammenbruch des Geschäfts sprechen muß. Die Firmen beschränken sich aufVon der Hand in den Mund"-Geschäfte in den notwendigsten Ar­tikeln. Rur geringe Quantitäten auf Grund von lang ausgedehnten Krediten wurden in Ei-Pro- butten, Kuhhäuten, Holzöl, Wolle, Federn, Gall» nüffen und Moschus ausgeführt. 43 Prozent der gesamten Ausfuhr in Federn ging nach Deutschland, dies ist aber auch seit langen Fahren unser Hauptausfuhrartikel. Da aber letztlich Deutschland diese Waren vor allem aus Ungarn und Osteuropa bezieht, ist mit einem starken Rückgang zu rechnen. Der chinesische Pelz- markt ist bedeutend zurückgegangen, was sich durch das Fehlen der deutschen und polnischen Rachfrage erklärt. Es ist möglich, daß mit ein­tretender Ruhe im nördlichen China eine Bes­serung des Marktes eintritt.

3m allgemeinen aber scheint ein Aufschwung des deutschen Chinageschäftes unmöglich, solange die schwierigen Bedingungen in der Heimat vor- toalten.

Der Tau des Todes

Etwas vom chemischen Zukunstskricg.

Von Waller von K n i 11 i n g, Hauptmann a. D.

Unter dieser Spihmarke wurde kürzlich in den amerikanischen Zeitungen von einem neuen Gaskampfmittel berichtet, das aus Flugzeugen über eine moderne Großstadt ausgestreut, innerhalb kürzester Zell dort alles Leben vernichten könnte. Es dürfte von 3ntereffe fein, diese Angaben vom mili­tärischen und chemischen Standpunkt aus auf ihre Wahrscheinlichkeit zu untersuchen. Auf der Abrüstungskonferenz von Washing­ton. 1922, wurde die Verwendung giftiger Gase bei Kriegshandlungen verboten. Trotzdem haben die an diesem Beschluß beteiligten Mächte, allen voran die Vereinigten Staaten, in stiller, aber um so intensiverer Arbeit ihre chemischen Rüstungen für den Zukunftskrieg fortgesetzt. 3a, man kann sogar aus gelegentlichen Veröffentlichungen er­kennen, daß den chemischen Kriegsmitteln von allen mllitärischen Autoritäten eine die Kriegs­führung weitestgehende Beeinflussung, ja sogar für den Endsieg ausschlaggebende Bedeutung zu- gemessen wird. Der derzeitige Stand der chemi­schen Rüstung läßt sich natürlich schwer beurteilen, da ja gerade hier noch mehr als bei jedem anderen Kriegsmittel nur die strengste Geheim­haltung den gewünschten Erfolg verbürgt. Aber die Erfahrungen des Weltkrieges lassen wenig­stens Har die Rolle erkennen, die die chemischen Kriegsmittel in einem künftigen Kriege spielen werden. Wir müssen daher, um uns hiervon ein einigermaßen richtiges Bild machen zu können, zunächst die im Weltkriege angewandten chemi­schen Angriffs- und Abwehrmittel einer Prüfung auf ihre Wirkung und die Möglichkeit ihrer Weiterentwicklung unterziehen.

Die Zahl der verwendbaren chemischen Kampfstoffe ist bedeutend Heiner, als tote gewöhn­lich angenommen wird. Gtft und Reizwirkung allein genügen noch nicht, vtelmehr spielen noch eine große Reihe anderer Gtgenschasten, wie spez. Gewicht. Flüchtigkettsgrad, Wahrnehmbarkeit durch Gesicht und Geruch Widerstand gegen Wit- terungseinflüsse usw. eine ausschlaggebende Rolle. So ist es leicht erklärltch. daß bts Ende des 3ahres 1917 aus einer großen Reihe von Der- suchsstoffen sich nur einige wenige Typen als gut brauchbar herausgestellt haben.

3ch weih noch, dah du recht verdutzt von deinen Schularbeiten aufsahst und mir dann lange die Hand gabst."

3a, Detlev!"

Und dann die Reise. Der Kanal kochte und schäumte wie toll, und es war kaum jemand nicht seekrank. Auch mir war hundeelend, aber ich hielt mich auf dieser Hochstrahe der Rationen mann­haft. Erst in Dover brach ich ermattet zusammen. Als ich dann nach London fuhr, glaubte ich fast in unserem Rorddeutschland zu fein. Hast du übri­gens genau nachgelesen, ob es meine alle Kirche ist, die wir heute abend hören, 3akoba?"

ES ist bestimmt wahr, Detlev!"

3ch werde es sicher hören, 3akoba. 3ch sehe sie ja noch ganz genau mit dem alten wunder­lichen Master, der dort die Orgel spielte. Die Leute haben nicht viel, aber sie haben sich eine Riefe nlitche gebaut, freilich schon vor vielen 3ah» ren, aber es sind noch viele Familien dort, deren Urväter mitgeholfen haben, den gotischen Bau zu vollenden. Die haben besondere Plätze im Schiff, wo eine so weihevolle Luft ist, tote ich sie noch nirgends bemerfte. Auch die flandrischen Kirchen im Kriege waren schön und die Kathe­drale in Reims, aber mit diesem Adel kommen sie nicht mit. 3ch glaube, auch der größte Fleyel würde hier unwillkürlich seine speckige Mütze zie­hen und schnell wieder verschwinden. Einmal war der Hochaltar mit herrlichsten Deilchen geschmückt. Der Priester mit seinem weihen Kleid sah aus wie ein neuer Milton, er war ja auch ein kleiner Dichter und drechselte die drolligsten Verse. Aber in der Kirche sprach er immer, als fürchte er durch lautes Sprechen die Andacht zu ver­scheuchen . .

.Es ist soweit, Detlev, hier ist der Hörer!" Wie, was, was meinst du, 3akoba!"

Die plötzliche Entspannung deS Kranken über» kommt ihn, der starke Mann zittert wie ein Kind,

D.e chemischen Krtegsmrttel sind nur zum geringsten Teil Gase. Meistens sind sie Flüssig­keiten oder feste Stoffe, die durch entsprechend angeordnete Sprengladungen fein zerstäubt wer­den und so wie die gewöhnlichen Rebelschwaden gasähnl.chen Charaller annehmen. Auf Grund ihrer militärischen Bedeutung kann man sie ein- teilen in Reiz- und Giftstoffe.

Die Reizstoffe sollen den Gegner nur vor­übergehend außer Gefecht setzen und Niederhalten, möglichst auch seines Gasschutzes berauben. Daher müssen sie bereits in ganz geringer Konzentration momentane starke Reizung der Augen und Ai- mungsorgane Hervorrufen. Hier hat sich am besten der deutscheBlaukreuzkampftzoff" erwiesen, der bei genügend seiner Verteilung sämtliche Gas­maskeneinsätze durchdrang, und so zum Ab- reißen des Gasschutzes zwang. Cs sind dies drei dem gleichen Typ angehörentte Arsenverbindun- gen, und zwar zwei feste und eine flüssige. Die Wirkung tritt bereits bei Heinen Mengen rasch ein, und hat eine mehrstündige Kampfunfähigkeit, jedoch ohne toe tere Rachwirkung, zur Folge.

Die Giftstoffe haben den Zweck, den Gegner zu vernichten oder wenigstens dauernd zu schä­digen. 3e nach Verwendung im Angriff oder bei der Verteidigung müssen noch weiter differenzierte Ansprüche gestellt werden. Erstere wollen wir noch der auf deutscher Seite im Felde gebräuch­lichen Methode alsGrünkjreuz"-, letztere als Gelbkreuz"-Kampfstofse bezeichnen.

Als Grünkreuzkampfstoffe eignen sich Ver­bindungen, die bereits bei mäßiger Konzentra­tion schwere, langandauernde Gesundheitsschädi­gungen, bzw. den Tod zur Folge hoben. 3hre Flüchtigkeit soll so groß sein, dah nach läng­stens 2 Stunden der mit ihnen belegte Ge­ländestrich wieder ohne Gefahr betretbar ist, d. h. also, dah ein offensives Vorgehen der eigenen Truppe ermöglicht wird. Schwere Wahr­nehmbarkeit ist jedenfalls sehr erwünscht. Der Hauptvertreter dieser Gruppe ist das bei ge­wöhnlicher Temperatur gasförmige Phosgen, das in bezug auf Giftwirkung noch unübertroffen dasteht, durch seinen durchdringenden, an faules Obst erinnernden Geruch aber sofort erkannt wird. Einen sehr geringen Grad von Wahr­nehmbarkeit zeigt eine auf deutscher Seite zu­letzt einaeführte kohlenstoffartige (Verbindung) Arsenverbindung, von eine-c demDlaukreuz" ähnlichen Zufammenfehung, jedoch mit viel ftär-. lerer Giftwirkung. Die von den Franzosen viel angewandte Blausäure besitzt zwar eine sehr starke, momentan tödliche Oijttoirlung, jedoch nur bei derart hohen Konzentrationen, wie sie sich im freien Gelände bei der großen Flüchtigkeit der Blausäure kaum erreichen lassen. 3hre Wir­kung war dementsprechend .gering. Ein geradezu idealer Grünkreuz-Kampsstossf wäre das Kohlen- oxhdgas, das tödliche Wirkung, vollständige iln- wahrnehmbarkeit, und Durchdringbarkeit sämt­licher gewöhnlicher Gasmaskeneinsätze in sich ver­einigt. Der Anwendung steht vor allem sein geringes spezifisches Gewicht im Wege, das die Erreichung einer genügend wirksamen Konzen­tration kaum möglich macht Gelingt es und dies liegt nicht außer dem Bereiche aller Mög­lichkeit eine dem KohbenoxydgaS in seinen sonstigen Eigenschaften analoge Verbindung mit höherem spezifischem Gewicht und geringerem Flüchtigkeitsgrad aufzufinden, so würde diese Angriffswaffe dem Befiher eine unbedingte, und im Laufe eines Krieges kaum metjr einzuholende Heberlegenßeit über seine Eigner gewähren. Be­dingung wäre allerdings noch vollständige Ge­heimhaltung, technisch leicht mögliche Darstel­lungsmöglichkeit, aus leicht zugänglichen Roh­materialien, und ungeheurem Masseneinsatz, der ja bei jedem Gaskampsmittzel Vorbedingung des gewünschten Erfolges ist.

Als dritte typische Gruppe haben wir nun noch die Gelbkreuzkampfstoffe. Sie stellen ein ausgesprochenes Derteidigungsmittel dar, und sollen große Geländestrecken für lange Zeit urt- betretbar machen. Als einzigen, im Weltkrieg zur Anwendung gelangten Vertreter haben wir hier das von den Deutschen eingeführte Senf­gas. Der Rame kommt von seinem schwachen, an Sensföl erinnernden Geruch. Seine Wirkung erstreckt sich nicht nur auf die Augen und At­mungsorgane, vielmehr vermag es unter Durch­dringung der Kleider und Stiefel am ganzen Körper Aehungserscheinungen Hervorzurusen, de­ren Heilung einen wochenlangen, ia monate­lang en Zeitraum beansprucht. Einen tödlichen Ausgang hat man dagegen nur bei einem kleinen Bruchteil der Erkrankten beobachtet. Bei einiger­maßen günstigen Witterunssverhältnissen vermag das Senfgas einen damit belegten Geländestrich tage», ja wochenlang so zu verseuchen, daß ein Betreten nur unter Verwendung eines auf die

so daß 3afoba ihn mit aller Energie beschwich­tigen muh.

Aber, Detlev, nimm doch! Deine Kirche wirst wirst du gleich hören,, deine Kirche!"

Unö Die Heine Welt mit ihrem Gärtchen und dem Landhaus verfliegt. Der Aether spricht zu Detlev Molsen. Die längst bekannte Stimme des Loirdoner Sprechers. (Sjm paar Dürre Worte:

Wir bringen ein Orgelkonzert aus der . . . Church."

Ein leises Knacken und eine majestätische Ruhe leiten ein. Dann!--

Detlev Mohlsen ist ganz ruhig und lehnt sich in seinen Stuhl zurück. daß das Leder leise knirscht.

Der alle Master spielt, zunächst nur tändelnd und leicht, ein paar verlorene Töne, die sich schnell verflüchtigen. Daun ein voller Akkord und das eigentliche Vorspiel beginnt, wie ein fernes Donnern, das blau verschwimmende Gebirge wiedergeben. Register für Register kommt hinzu und, als eine kleine Pause einseht. das erste schöne Echo aus dem gotischen Kirchenraum, feier­lich. Maestoso nennt es der 3taliener.

ünfer Kantor spielt die alte liebe Messe von 3ohann Sebastian Bach. Vor Detlevs Augen steigt die ganze, große, andächtige Gemeinde auf, die immer wieder dexi Altar sucht. Veilchen, Veilchen mit ihrer blaupn Pracht von den Gärten des Discount umschmeicheln das Kreuz. Unb der Blinde lächelt.

Es folgen lange, preziöse Läufe, die hohe Schule des OrgelmeiKers, und immer wieder begrüßt sie der Wiederton auS der Krypta, kost sie bad leise ID einen deS OrgethimmelS.

Halt! Ein voller braufenber Ton und bann eine ganze Zeit dublieren und Triumphieren, bis toieber ernste Geigen »erbringen unb zur Einkehr mahnen.

Wie ein Krömm gsmarsch folgt bet Schluß.

ganze Körperfläche sich erstreckenden GaSschutzeS möglich ist. Dazu kommt noch seine ganz ge­ringe Wahrnehmbarkeit. Der einzige Rachteil besteht darin, daß die Dergiftungscrscheinugen erst 46 Stunden nach Der Einwirkung zur Außergesechtsetzung des Betroffenen führen. DaS Senfgas hätte vielleicht bei entsprechendem Masseneinfah Den Weltkrieg zugunsten Deutsch­lands entscheiden können. Leider war untere unter Rohmaterialienmangel und Hcbcrlaftung mit anderen Aufgaben leidende 3ndustrie nicht mehr imstande gewesen, die nötigen Mengen hinzustellen. Aber auch in Dem verhältnismäßig beschränkten Umfange, in Dem eS zur Anwen­dung gelangte, hat eS erhebliche Erfolge erzielt. So wurde z. D. der Abbruch Der feindlichen Offensive in Der Flandernschlackt im 3uli 1617 allein durch das Senfgas erreicht. Andererseits hätte aber eine längere Dauer deS Krieges eine für Die Deutschen Truppen verheerende Folg» gehabt, unb zwar durch den Einsatz amerilanU schm: Massenlieferungen an Senfgas. Don Den während des Krieges verwendeten Kampfmitteln unserer Gegner flammte noch keine einzige Gra­nate auS Amerika. Rach längstens drei Mona­ten aber wären die Amerikaner imstande ge­wesen, eine der deutschen Produktion um daS Zwanzigfache überlegene Menge Senfgas zu lie­fern. Dies hätte zu einer derartigen Dezimierung der sowiefo stark zufammengefchmolzcnen Streit­macht geführt, dah ein Zusammenbruch Der Front nicht mehr zu verhindern gewesen wäre.

Was lassen sich nun aus den angeführten Tatsachen für Schlüsse ziehen für die Zukunft? Die Gaskampfstoffe werden in einem zukünftigen Kriege sowohl in bezug auf den Masseneinfah tote auf die Wirkung eine alle anderen Äriegdmittd überragende Bedeutung erlangen. 3nfolgedessen wird ein Erstürmen der gesamten Front wie im letzten Kriege von beiden Seiten möglichst ver­mieden werden, denn nur im Stellungskriege ist es ja bisher möglich gewesen, die Wirkungen des Gaskampfmittels voll auszunützen. SS wird daher die Aufgabe fein, den Gaskampf auf den Bewe­gungskrieg anzupassen. Hierzu finden sich auch bereits Ansätze in der Ausrüstung des einzelnen 3nfanteristen mit leicht beweglichem Dlasgerät und Heinen, leicht handhabbaren Giftrauchkerzen. Der Zukunft wird auch noch Vorbehalten bleiben, die Ausrüstung der Tanks mit Gaskampsmitteln, und vor allem eine Kombination des Lust» und Gaskampfes (Gasangriffe aus der Luft fanden während des Weltkrieges mit 2 Ausnahmen nicht statt). Die Verwendung von Gasbomben aus dem Flugzeug wird wohl hier nicht den richtigen Weg darstellen, Da sich auf Diese Weise kaum die nötige Konzentration der Kampfstoffe auf größere Räume erreichen lassen wird. Dagegen dürsten Versuche, durch Abregenvorrichtungen einen flüssi­gen Kampfstoff von senfgasähnlichem Charakter aus der Luft auf weite Strecken zu versprühen, große Entwicklungsmögllchkeiten in sich bergen. Zu diesem Zwecke werden die Flugzeuge aber ganz geringe Höhen auf suchen müssen, und darin liegt auch die Beschränkung dieses sonst Wohl furcht­baren KrieaSmittels. Rur wo eine feindliche Abwehrmöglichkeit auSgeschastet. also bei der vor­bereitenden Abriegelung eines feindlichen Durch­bruchs, oder auch bei der Verhinderung eines feindlichen Landungsversuches an den Meeres­küsten wird der Gaskampf aus der Luft zu großer Bedeutung gelangen. Einer erfolgreichen Verseu­chung des feindlichen Hinterlandes unb vor allem auch der eingangs erwähnten vernichtenden Wir­kung auf die modernen Großstädte Dürfte schon allein durch ein Paar Scheinwerfer und Ma­schinengewehre ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden können.

Zusammenfcrssend läßt sich also sagen: Der Besitz eines dem Gegner unbekannten, feinen Gasschutz illusorisch machenden chemischen Kampf­mittels wird im Zukunftskriege einen kaum mehr einzuholenden Dortell bedeuten. Hätten also bei der anerkannten ileberlegenbcit der deutschen che­mischen Wissenschaft die französischen Schreie nach Sicherung doch eine Berechtigung? Mit nichten! Denn ohne Artillerie, Tanks, Minenwerfer. Flug­zeuge usw., ohne entsprechende Vorbereitung für den umgehenden Mafseneinsah. schließlich ohne eingehende Ausbildung der Führung wie des einzelnen Mannes nutzt die genialste Erfindung unserer Chemiker dem deutschen Dolle soviel, wie einem in der Wüste Verdurstenden ein Sack voll Gold. Der wahrhaft teuflische Gedanke aber, den Tau des Todes" auf die Menschen Häufungen in unseren Großstädten herabregnen zu lassen, Dürfte zwar vom chemischen und technischen Standpunkt aus verwirllicht werden können, vom militärischen aber. Gott sei Dank, eine Atopie bleiben.

ein Ersterben der Klänge in dem weiten, kühlen Kirchenraum.

Fast unmerllich bringt der Londoner Spre­cher ein anderes Orgelkonzert mit wehmütigen Weisen.

Doch Detlev nimmt fast ärgerlich den Hörer ab:Heute nichts mehr. 3akoba!"

Mit seiner Seele ist et noch immer in der kühlen feierlichen Kirche bei dem alten, steiaasten Master auf dem Orgelboben und läßt die Pfeller andächtig aushorchen.

Das Duell der Elefanten.

Zwei wilde Elefanten, die Rebenbuhler in bet Führerschaft einer Herde waren, haben in Der Rähe von Zamschedpur in Bengalen ein furchtbares Duell ausgefochten, wie es wohl noch niemals beobachtet worden ist. Der Zwellompf becann am frühen Mor­gen und Dauern lehr lange. Als die erschreckten Dorf­bewohner, die sich vor Dem Willen Der rasenden Tiere versteckt hatten, n- s ihren Schlupfwinkeln hervor­kamen, fanden sic en Der Eleganten tot in einer Grube liegen. Der andere war relschwunden. Aber als man seinen Spuren folgte, fand man ihn etwa 15 km entfernt ebenfalls tot. Die beiden Riesentiere waren entsehtich zugerichtet. Der ehre Elefant hatte beide Hauet verloren, die in dem Kopf des anderen eingegraben waren. Kopf und Rumpf beider Tier» waren fast zu Fetzen zerrißen. Der Kampf begann auf einem Hügel, mehr als 3 km von dem Dorf alcha entfernt und endete in bet Mitte des Dorfes. Sie Einwohner, die nicht geflohen waren, hatten sich n ihren Hütten verborgen und beteten zu den Göttern. Das Auftreten solcher wilder Elefantenherden ist in den Urwäldern dieser Gegend von Indien nicht ungewöhnlich, aber zum erstenmal wurde ein solches Duell zweier Leittiere um die Führerschaft außerhalb der Urwaldschatten dutchgefochten. Verschiedene der Dorfbewohner haben durch den Verkauf Der Hau« und Der Häute ein kleines Vermögen erworben.