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Chamberlain in Paris.

Die Abrüstungskonferenz. Deutschland und der Völkerbund.

Paris, 27. Ian. lWTB.) Der britische Staatssekretär des 'Auswärtigen. Sir Austen Chamberlain ist heute nachmittag 2.30 Llhr i n Poris einget rossen und wurde am Bahnhof von Austenminister B r i a n d und dem englischen Geschäftsträger empfangen. Chamber­lain und Briand hatten in einem besonderen Zimmer des Bahnhofsgebäudes eine Unter» re düng und verabredeten für morgen vormittag 10 Ähr eine Zusammenkunft. Der Generalsekre­tär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond reist heute abend ebenfalls nach Paris. Man bringt seine Reise mit dem Aufenthalt Chamber­lains in Zusammenhang. Es liegt die Vermutung nahe, dast in den nächsten Tagen eine Entschei­dung gefällt wird, ob die vorbereitende Ab- rüstungskonfercnz verschoben werden soll oder nicht. Da sämtliche Ratsstaaten in Paris vertreten sind, wird sich jedenfalls eine allgemeine Aussprache ermöglichen lassen. .

Chamberlain wird heute abend Gast des spanischen Botschafters Quin on es de Leon sein unt> morgen mittag an einem Bankett der Freunde Frankreichs" teilnehmen. Für morgen nachmittag ist eine Unterredung vorgesehen, die in der Hauptsache einer eventuellen Vertagung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz gelten soll und an der auch Sir Eric Drummond teil» nehmen wird. Es ist nach Ansicht der zuständigen Pariser Stellen als höchst wahrscheinlich anzu- sehen, dast eine Vertagung der Konferenz be­schlossen werden wird. 2m übrigen dürften fol­gende Fragen zur Erörterung kommen:

1. Die deu Ische Abrüstung und die Prüfung des letzten Berichtes der interalliierten Kontrolilommissron.

2. Die Quoten der Rhernlandbesatzung.

3. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund.

Da man den Antrag Deutschlands um Aufnahme in den Völkerbund für nahe bevor­stehend hält, ergab sich die Aotwendigkeit, sestzu- stellen, ob Deutschland die Abrüstungsklausel er­füllt hat. Es wird niemandem einfallen, fügt der Temps" hinzu, zu behaupten, dast Deutschland nach erfolgter Aufnahme in den Völkerbund der Abrüstungsverpflichtungen ledig sein wird. Die Interalliierte Kontrollkvmmis sion wird daher auch dann bis zur vollständigen Ab­rüstung weiter im Amt bleiben, wobei auch die Präzedenzfälle Oesterreich, Bulgarien und Ungarn bestimmend sind, da diese Mächte in den Völkerbund ausgenommen wurden, ohne dast die militärische Kontrolle ausgesetzt worden ist.

Das englisch-italienische Schuldenabkommen. Die Unterzeichnung in London.

London, 27. Ian. (TU.) Heute vormittag wurde im englischen Schatzamt vom britischen Schatzkanzler Churchill und vom italienischen Finanzminister Grafen Dolpi bas englisch­italienische Schuldenabkommen unterzeichnet. Rach dem Abkommen hat Italien in diesem Jahre 2 Millionen Pfund, in jedem der nächsten zwei Jahre 4 Millionen Pfund und in den darauffolgen­den Jahren bis zum Jahre 1987 4i Millionen .Pfund jährlich zu zahlen. Die Zahlungen, die halb­jährlich in Pfund zu leisten sind, werden mit dem l 15. März beginnen. Die italienische Goldsicherheit in London, dir im Jahre 1915 geleistet wurde, wird F bis auf eine Summe von 1 Million Pfund in Halbjahreszahlungen vom 15. September 1928 ab * bis zum 15. März 1932 zurückgezahlt werden.

London. 28. Ian. (WTB.) Bei der Unterzeichnung hielt Churchill eine Rede, worin er sagte, Graf Volpi habe ihm die finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten erläutert, denen Italien trotz der seit dem Kriege gen,achten Fortschritte gegenüberstehe. Italien aber sei ein Land, das bereit sei, den Realitäten des Wieder­aufbaus der Dachkriegszeit gegenüberzutreten. Die italienische Regierung unter der sicheren Führung Mussolinis entziehe sich nicht den logi­schen Folgen der wirtschaftlichen Tatsachen. Man habe darauf Rücksicht genommen, dast Italien keine großen natürlichen Mineralschätze habe und einen verhältnismäßig kleinen Anteil an den deutschen Reparationen erhalte. Das Abkommen werde zweifellos zur Wiederher st ellung des italienischen Kredit« auf sicherer und. stabiler Grundlage beitragen. Gras Volpi sagte in seiner Antwort, die Regelung stelle ein billiges und ehrenhaftes Kompro- m i h zwischen den beiden Landern dar.

Die ftanzöfische heeresresorm.

Paris, 28. Januar. IWTD. Funkspruch.) Kriegsminister Painlev^ hat gestern abend Journalisten nähere Erklärungen über feinen Ge­setzentwurf betr. die allgemeine Umbildung der Armee gegeben, der heute in der Kammer ein­gebracht werden soll. Es handelt sich um drei Entwürfe, die das Armeestatut bilden sollen. Der erste behandelt den Aufbau der Armee, der zweite die Bildung der Ka­tz r e s und die Festsetzung der Effektiv-Bestände, der dritte die Rekrutierung. Eine Ab­änderung des Aufbaues der Armee sei not­wendig, um die Herabsetzung der Dienstzeit, die von, Lande gefordert wird, durchführen zu tonnen, Doch dürfe diese Herabsetzung nur in dem Maße erfolgen, daß die Widerstandskraft der Ration gegen jeden Angriff erhalten bleibe. Das Gesetz le, von Marschall Petain unter Mitarbeit des Generalstabschefs im Kriegsministerium. D e- berrJ). ausgearbeitet worden und einstimmig vom Obersten Kriegsrat angenommen worden. Seit Friedensschiust sei Frankreich mit der Herab­setzung der Offensivkräfte vorangegan- gen. Cs habe seine Friedens-Effektivbestände so­wie die Dienstzeit von 3 Jahren auf 18 Monate herabgesetzt. Um noch weiter zu gehen, sei Frankreich für die Herabsetzung der Rü­stungen eingetreten, die demnächst auf der Abrüstungskonferenz besprochen werden sollen. Wenn aber Frankreich zu den von den Völ­kern übernommenen Verpflichtungen auch Ver­trauen habe, so beabsichtige es doch keineswegs, seine Widerstandskraft gegen jede Art von An­griff zu verringern.

Die britische Kohlenkrisis.

London, 28. Januar. lWTB. Funkspruch.) Premierminister Baldwin erklärte gestern in einer Rede zu der Kohlenkrise, er wolle sich nicht äußern, bevor die Kohlenkommission ihren Be richt erstattet habe. Er unterschreibe jedoch jedes

Wort, das Lord L v n tz o n d e r r h über diese Frage gesprochen habe. Der Lord hatte erklärt, es bestehe kein Grund dafür, dast Ende April wenn die Kohlensubmission aufgehört habe, ein Konflikt ausbrechen müßte. Die Kohlenförderung müßte ohne Herabsetzung der Löhne und ohne Verlängerung der Arbeitszeit erhöht werden. Es seien örtliche Vereinbarungen zwischen Gru­benbesitzern und Bergarbeitern erforderlich.

Amerikas Beitritt zum Weltschiedsgerichtshos.

N e u i) o r f, 28. Ian. (TU.) Der amerikanische e> e n o t hat sich mit 89 gegen eine Stimme unter gewissen Vorbehalten für die amerikanische Teil­nahme an dem Weltschiedsgerichtshof ausgespro­chen, und zwar unter der Voraussetzung, dast die Vereinigten Staaten keinerlei geschäftliche V c r b i n b n n g mit b e m Völkerbund ein-- gehen. Unter ben Vorbehalten, bic mit überwältigen­der Mehrheit angenommen wurden, befinden sich 1. die Forderung, dast die Vereinigten Staaten sich jederzeit wieder zurückziehen können; 2. dast die Statuten des Weltgerichtshofs nicht ohne Zustim- miKig der Vereinigten Staaten geändert werden dürfen; 3. daß die Unterzeichnung der Vereinigten Staaten von Nordamerika unter das Protokoll des Gerichts nicht erfolgen darf, bevor die übrigen Nationen, die nicht Mitglieder des Gerichtshofes sind, den amerikanischen Vorbehalten zugestimmt haben; 4. dast Streitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Mächten erst nach 3 u ft i m m u n g der betreffenden Parteien an den Gerichtshof überwiesen werden können.

Eine Konferenz der ArbeitsminLster.

Eenf, 27. Jan. (£11.) Wie verlautet, wird die Zusammenkunft der Arbeitsminister D e u t sch- lands, Belgiens, Frankreichs und Englands, die bereits im Juli vergangenen Jahres stattfinden sollte, in diesem Frühjahr vor der Genfer Tagung der internationalen Ar­beitskonferenz in London erfolgen. Bei dieser Besprechung handelt es sich um eine Verständi­gung über eine gleichmäßige Anwendung des Achtstundentages in den betr. Ländern.

Der preußische Staatshaushalt.

Die Ctatrede des Ainarizmirristers im Landtag.

Berlin, 27. Ian. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt die erste Beratung des Haushalts für 1926. Die allgemeine Aussprache soll erst am Donnerstag beginnen.

Finanzminister D r. Hoepker- Aschoff bringt den neuen Haushalt ein und führt aus; Die Finanzverwaltung verfügte bei Beginn des Rechnungsjahres 1925 über einen Betriebsf on»ds von 200 Millionen Mark. Daraus sind aber vorschußweise erhobene Beträge zur Deckung von Ausgaben verbraucht, für den Ausbau der Elektrizitätswerke, der Häfen und der Bergwerke sowie für Zwecke der Landes­kultur. Außerdem muß der Betriebsfonds dazu dienen, die erheblichen Fehlbeträge abzu­decken. Rach dem Haushaltsplan für 1925 be­trägt der Fehlbetrag des laufenden Jahres 229.1 Millionen Mark. Rach der bisherigen Entwick­lung darf damit gerechnet werden, daß dieser Fehlbetrag sich ermäßigen wird. Es kann damit gerechnet werden, daß die ilebertoetfungen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer dem preußischen Staate im laufenden Jahr ein Mehr von etwa 40 Millionen bringen und die Ein­nahmen aus Preußens (Steuern ein Mehr von 20 Millionen. Trotzdem wird der Betriebsfonds am Ende des Rechnungsjahres voraussichtlich verbraucht sein, zumal durch die Hochwasser­schäden und die Erwerbslosigkeit dem (Staate zur Zeit außergewöhnliche Ausgaben entstehen.

Am so mehr wird es notwendig fein, den Haushaltsplan für 1926 unter allen Am- ständen ins Gleichgewicht zu bringen.

Der Haushalt für 1926 schließt Einnahmen und Ausgaben mit einer Gesamtsumme von 3 322 331 Mark ab. Wenn man die laufenden Posten aus- scheidet, so ergibt sich, daß sich die dauernden Ausgaben gegenüber dem Jahre 1925 um 73,9 Millionen, die einmaligen Ausgaben um zwei Millionen vermehrt haben.

Da aber der Haushaltsplan 1925 mit einem Fehlbetrag von 229,2 Millionen abschloß, reicht diese Verbesserung nicht aus. Es muß vielmehr aus der Hauszingssteuer noch ein Betrag von 92 Millionen für den allgemeinen Finanzbedarf des Staates bereügeftellt werden. Es läßt sich nicht verk.nnen, daß der Haushaltsplan für 1926 nochimmer eine vielzu ft arte Steuer- belaftung vorsieht. Es wird daher Aufgabe der Staatsregierung und des Landtages sein müs­sen, durch weitere Ersparnismaßnah- wen den Bedarf des Staates einzu­schranken. Solche Ersparnisse sind in großen Ausmaßen nur möglich, wenn die Personal­ausgaben vermindert werden. Schon in diesem Jahre ist die Zahl der Beamten um 751 Köpfe vermindert worden. Eine weitere Verminderung kann nur durch eine großzügige Verwaltungsreform durchgeführt werden, zu der die Vorarbeiten mit allem Rachdruck be­gonnen werden müssen.

Das Haus vertagt sich nach drei Ahr auf Donnerstag ein Ahr. Beginn der Etatsberatung für 1926.

Rheinischer Provinzial-Landtag. Düsseldorf, 27. Ian. Der 70. Rheinische Provmziallandtag wurde im Sländehaus zu Düsseldorf durch eine Rede des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, als Staats­kommissar eröffnet, in der es u. a. heißt;

..Wir freuen uns aufrichtig und herzlichst mit der Bevölkerung der in der Räumung begriffenen sogenannten Kölner Zone daß sie nunmehr in kürzester Zeit von der drückenden Last einer mehr als sieben Jahre dauernden Be­satzung frei sein wird. Es soll auch nicht ver­kannt werden, daß seit Locarno eine gewisse En tsp annung und mancherorts auch eine Besserung der Verhältnisse eingetreten ist. Aber es bleibt doch noch außerordentlich viel zu wünschen übrig. Insbesondere ist die Bevölkerung der besetzt bleibenden zweiten und dritten Zone tief verstimmt über die Stärke der ihr auch weiterhin auferlegtcn Besatzung. Wir toollen, obwohl es nachgerade schwer wird, die Hoffnung noch nicht aufgeben, daß es den ein­

geleiteten diplomatischen Schritten gelingen wird, eine befriedigendere Lösung dieser und noch anderer uns stark bewegenden Fragen herbeizuführen.

Der Landeshauptmann Dr. h o r i o n erklärte, daß die Hochwasserschäden in der Rheinprovin; nach den bisherigen Ermittlungen 50 Millionen Mark betragen.

In früheren Jahren wäre cs verhältnismäßig leicht gewesen, bic Folgen solcher Katastrophen zu überwinden, weil sowohl die öffentliche als auch die private Wirtschaft sich in guter Verfassung befunden habe. Heute sei die private und auch die öffent­liche Wirtschaft völlig zusammengebrochen. Die finanzielle Lage der Rheinprovinz sei durch den Finanzausgleich außerordentlich u n - günstig beeinfußi worden. Nicht weniger als fünf Millionen Mark Mindereinnahmen habe die Pro­vinz durch den Finanzausgleich an Steuerüberwei- fungen zu verzeichnen, so' daß voraussichtlich der ordentliche Haushaltsplan mit einem Defizit von fünf Millionen abschließe. Dazu komme je­doch der außerordentliche Haushaltsplan von 5,9 Millionen Mark, für den eine Deckung nicht vor­handen sei. Die Aussichten für den nächsten Haus­haltsplan feien jedoch noch viel ungünstiger. Nach Mitteilungen aus Berlin werde die Rheinprovinz im kommenden Verwaltungsjahre an Reichssteuer­überweisungen acht Millionen weniger bekommen als im Vorjahre. Trotz dieser schwierigen Verhält­nisse habe der Provinztalausschuß jedoch beschlossen, neben der bereits für Hochwasserschäden bewilligten Summe von 1,2 Millionen Mark noch eine weitere Million Mark und 600 000 Mark für besondere Schäden zu bewilligen. Die Landesbank habe dar­über hinaus drei Millionen Mark zu billigem Zins­fuß zur Verfügung gestellt. Wichtig fei neben diesen Hilfsmaßnahmen die Porsorge für einen ausreichen­den H o ch w a s s c r f ch u tz.

Im Anschluß an die Aussprache über die Hochwasserkatastrophe wurden die Wahlen zum preußischen Staatsrat vorgenom­men. nach deren Ergebnis das Zentrum sieben, die Arbeitsgemeinschaft drei, die Sozialdemokra­ten und die Kommunisten je zwei und die Wirt­schaftliche Vereinigung einen Sih erhalten. Ge­wählt wurden u. a. Dr. Adenauer- Köln, Geheimrat Hagen-Köln. Prälat Dr. Kaas- Trier, Geheimrat Peter Klöckner, Oberbürger­meister Dr. Jarres, Dr. Krupp von Boh­len und Halbach.

Antideutsche Demonstrationen in Neapel.

Neapel, 27. Jan. (TU.) Die Neapeler Stu­dentenschaft veranstaltete mehrere Demonstra­tionsumzüge zum Protest gegen bic deutsche Boykottbewegung. Da die Carabinieri die Straßenzugänge zum deutschen Konsulat abgesperrt hatten, kam es zu keinem Zwischenfall. Der faszi- stische Provinzialsekretär sandte namens der Stu­dentenschaft an Mussolini ein Telegramm, in dem er dagegen protestiert, daßder Besiegte von gestern die Rechte aus dem italienischen Siege verun­glimpfe".

Kleine politische Nachrichten.

Als Termin für die Reife des Reichs­präsidenten in bas demnächst freimerbenbe Ge­biet ist der 21. unb 22. März festgesetzt worben. Mit ber Aufstellung des Reiseplanes ist der Ober­präsident der Rheinprovinz z. Z. beschäftigt, der auch mit den in Frage kommenden Stellen wegen der Einzelheiten in Verbindung getreten ist. Der Besuch wird den Reichspräsidenten auch noch Köln füh­ren. Am 2. Tag wird ein kurzer Besuch in Bonn stattfinden.

Die Königlich schwedische Akademie der Wissenschaften hat zum Mitglied den Reichskanzler Dr. Luther gewählt.

In P i r m a s e n s hat die Vereinigung sSlbstän- biger Handelsgärtner als Protest gegen die Unter­drückung Deutscher in Südtirol einstimmig beschlos­sen, die Einfuhr von Schnittblumen aus Italien solange zu boykottieren, als Deutsche in Südtirol unter dem Faszismus schmachten. Gleich­zeitig wird um gleiche Stellungnahme der Obst- und Gemüsehändler zur Unterbindung der Einfuhr von italienischen Früchten ersucht.

Rach einer Mitteilung des Presseamtes des Regierungschefs betrug die Bevölkerung Italiens am 31. Dezember 1925 42 115 606 Personen. Das sind drei Millionen mehr als bei der letzten Volkszählung vor vier Jahren.

Der demokratische Abgeordnete Dr. Dehne ist vom Ministerpräsidenten Held zum säch­sischen Fininzminister als Rachfolger des zum Reichsfinanzminister ernannten Dr. Rein­hold ernannt worden.

Die Rheinlandkommission hat den Auswei­sungsbefehl gegen den früher in Wiesbaden tätig gewesenen Chefredakte>' Heinz Gorrenz nach dreijähriger Dauer aufg oben.

Wie dieVoss. -3tg. aus Bukarest meldet, erlitt der rumänische Ministerpräsident Bra-- tlanu am Dienstagabend einen schweren Schlaganfall.

Aus aller Welt.

Der KreuzerBerlin" vor Buenos Aires.

Buenos Aires. 26.Jan. (Wolff.) Die Offiziere und Mannschaften des KreuzersDer- iin" wurden beim Kirchgang am Sonntag auf dem Wege überall vonr Publikum enthu­siastisch begrüßt. Am Mittag waren die Offiziere von ihren argentinischen Kameraden auf dem argentinischen KreuzerGaribaldi" zum Frühstück eingeladen. Gleichzeitig waren im Arse­nal die Unteroffiziere Gäste des argentinischen Marineunteroffizierkorps. Außerdem fand ein Frühstück für die Mannschaften auf Einladung 6er argentinischen Matrosen desGaribaldi", des Arsenals und der Handwerkerschule statt. Im Gebäude der Handwerkerschule.sand am Rach- mittag ein Fußballspiel zwischen den Mann­schaften des Kreuzers und desDeutschen Fuß­ballklubs" statt, wofür der letztere einen Pokal gestiftet hatte. Das Wettspiel, bei dem der deutsche Gesandte den Ballanstoß gab. blieb un­entschieden. Anterdessen besuchten die Offiziere des Kreuzers die Rennbahn, wo sie vom Ausschuß des Iokeiklubs, des ersten gesellschaft­lichen Klubs in Buenos Aires empfangen wurden.

Am Abend fand ein E m p f a n g s b a l l in den Räumen des GesangvereinsGermania" für

Offiziere. Kadetten und Mannschaften statt. Am 25. Januar vormittags folgte Besuch der großen Gefrierfleischfabrik sowie ein Besuch der nahegelegenen Provinzstadt La Plata mit Rundfahrt. Rachmittags wurde an Bord des Kreuzers Tee für die deutsche Kolonie und die argentinische Gesellschaft sowie argenti­nische Offiziere gegeben. Der Kreuzer war am Freitag- und Sonntagnachmittag für den allge­meinen Besuch freigestellt. Alle argentinischen Zeitungen bringen reich mit photographischen Aufnahmen illustrierte lange Berichte über den Kreuzerbesuch.

*

Der KreuzerBerlin" nimmt Kohlen für die Abreise ein. Die dienstfreien Offiziere und Mann­schaften machten noch Ausflüge und Besuche. Die argentinischen Offiziere, die dein Kreuzer zugeteilt sind, stellten den deutschen Kameraden Automobile und Eintrittskarten usw. zur Verfügung. Der Ma­rineminister, Admiral Domeco Garcia, hat eine Einladung zu einem Abschiedsbankelt im Eentranaval Klubhaus ergehen Taffen, an dein aufcer dem Gesandten und Kommandanten und mehreren Offizieren des Kreuzers eine Anzahl argentinischer Admirale und Marineoffiziere sowie der Generalinspektor des argentinischen Heeres, Ge­neral U r i b u r u, teilnehmen.

w Fttegerabsturz.

Mittwochnachmittag 1.45 Uhr stürzte der Flieger Rudolf Kühn auf dem Flugplatz Staa­ken mit einem dem Weltseglerverein gehörenden Kleinflugzeug tödlich ab. In ungefähr 100 Meter Höhe klappten die Flügel nach oben zusammen, worauf das Flugzeug zu Boden sttirzte. Der Flieger war sofort tot.

Ein deutscher Derkehrsfilm für Amerika.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat die Reichsbahndirektion Karlsruhe um Ueberlaffung ihres FilmsDom Rhein über den Schwarzwald zum Bodensee" ersucht, um ihn . der deutschen Botschaft in Washington zur Verfügung zu stellen. Diese teilt ihn durch Vermittlung amerikanischer Filmgesellschaften an verschiedenen Orten der Vereinigten Staaten zur Vorführung bringen. Bevor der Film seine große Reise über den Ozean antritt, wird er 'n der amerikanischen Botschaft vor geladenen Gästen, Vertretern der Regierung der Ver­einigten Staaten. Handel und Industrie, der Presse und der großen Reiseunternehmung vor­geführt werden.

Aus der provinzialhauptstadt.

Gießen, den 28. Januar 1926.

Märkte im Februar.

G ießen : 2. und 16. 2. Rindoiehrnärkte, 3. unb 17. 2. Schweine- und Schlachtoiehrnärkte. Friedberg: 16. 2. Pscrdemarkt, 17. 2. Schwei ne- unb Krämermarkt. B u!;, bad): 11. 2. Schweine- marFt. H e l b e n b e r g e n: 15. 2. Krämermar> t. Bübingen 2">. 2. Krämer- unb Schweineinani, 24. 2. Krämermarkt. Nidda: 17. 2. Krämer- und Schweinemarli. Echzell: 8. 2. Schweinemarkt. A l s f e I b : 1. 2. Viehmarkt. Lauterbach. 24. 2. Rinbvieh- unb Schweinemarkt. Schlitz: 10 2 Krämermarkt. H e r d st e i n: 16. 2. Kramermarkt. Babenhausen II: 24. 2. Krämer- u. Schweim markt. Wetzlar 24.2. Krämer- unb Vieh- martt. Herborn: 1. unb 25. 2. Krämer-, Rinb­vieh- unb Schweinemarkt. Leun: 18. 2. Krämei- marft. W e i l b u r g: 16. 2. Krämer-, Schlacht- unb Zuchtviehmarkt. Marburg: 18. 2. Krämer- unb Schweinemarkt. Hartenrob: 16. 2. Krämer- unb Schweinemarkt. Kirchha in: 23. 2. Rinbvieh- und Schweinemarkt.

Aufnahme von Schulkindern in die höheren Schulen.

Das Landesamt für das Dildungswesen hat an die Direktionen der höheren Schulen, die Leiter der höheren Bürgerschulen und die Kreis- und Stadtschulämter ein bedeutsames Anschreiben gerichtet, in dem die Bestimmungen zur A u f - nähme von Schulkindern in die höhe­ren Schulen angegeben sind. Hiernach werden zur Aufnahme in die unterste Klasse der höheren Schule zugciafsen: 1. Schulkinder nach vierjähri­ger Grundschulpflicht, 2. im Einzelfall besonders leistungsfähige Schulkinder nach Anhören des Grundschullehrers unter Genehmigung der Schul­aufsichtsbehörde schon nach dreijähriger Grund­schulpflicht. Im Folgenden werden dann die mit den übrigen Ländern vereinbarten Richt- limen für die Aufnahme von Schulkindern be- lanntgegeben. Unter den ..besonders leistungs- fahigen Kindern" sind solche Schüler und Schü­lerinnen zu verstehen, deren geistige und körper­liche Veranlagung und deren Schulleistungen be­stimmt erwarten lassen, daß sie über das Ziel ihrer Klasse hinaus ohne äleberspannung ihrer Kräfte im Unterricht der nächst höheren Alters­und Klassenstufe auf die Dauer mit guten Schü­lern. die den ordentlichen Bildungsgang durch­laufen haben, Schritt halten können. Die beson­dere Leistungsfähigkeit eines Kindes wird fest- gestellt a) auf Grund feiner Klassenzeugnisse; b) auf Grund eines eingehenden Gutachtens des GrundschullHrers; c) auf Grund eines Gutach­tens des Schularztes oder eines beamteten Arztes über die körperliche Eignung und Leistungsfähig­keit des Kindes, soweit im Ginzelfall ein ärzt­liches Gutachten überhaupt erforderlich erscheint; d) auf Grund des Ergebnisses der Aufnahme­prüfung in eine mittlere oder höhere Schule. Die zur Aufnahme zugelassenen Schulkinder haben sich alle einer schriftlichen und mündlichen Prüfung im Deutschen und Rechnen zu unter- ziehen. Die Prüfung erstreckt sich auf das Pen­sum des dritten Grundschuljahres. Die schriftliche Prüfung im Deutschen besteht aus einem Diktat Der Text dieses Diktates, ebenso wie die Auf­gaben für die schriftliche Prüfung im Rechnen, können für alle Schulen gemeinsam von dem Landesamt für das Bildungswesen gestellt wer­den. Die Prüfung ist bestanden, wenn die Lei­stungen im Deutschen und Rechnen gut sind.

Wcttcrvoransmgc.

-trüber unb Riederfchlagsneigung, milde, auch nachts Temperaturen über Rull.

Während in Süd- und Mitteldeutschland unter der Einwirkung eines Zwischenhochs zeit­weise heiteres Wetter bei stärkerem nächtlichen Temperaturfall eingetreten ist, hat der westliche Wirbel seine Ausläufer weiter nach Rord- unb Rordwestdeutschland vorgeschoben. Ihr Einfluß wird sich auch in unserem Bezirk bald stärker aus­wirken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 6,6 Grad C. Minimum: minus 0,3 Grad L. Morgentemperatur: 0,2 Grad 07