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kreich von allen Aktionen Mtlttärausgaben seit 1914
Das Danziger Ermächtigungsgesetz angenommen.
Danzig. 23. Rov. (£11.) Das viel umstrittene Ermächtigungsgesetz, da« dem DaN'iger Senat befateir.ite Vollmachten zur selbftan igeti ' Durchführung der F l na nz s a n i e t u ng gibt, wurde heute nachmittag vom DolkStag in einer überraschend kur-en Sitzung in dritter Lesung verabschiedet. Seimtspräsident S a h m betonte, daß der Senat noch leine Anleihe abgeschlossen habe, sondern entscheidende
Die Lage in Rumänien.
Belgrad. 27 Roo. (tu.) Rach Bukarester Meldungen ist der Zustand des rumänischen Königs Ferdinand hoffnungslos. Man rechnet bereits lEnr baldigen Ableben. Die Parteien bereiten ich f eberhaft auf die zu erwartenden inneren Kampfe vor, die vor allem um die Thronfolge und die Person des Exkronprinzen Carol gehen werden
Schritte nach der Dezembertagung des Völler- bundsrates tun werde. Die Führer der Linksparteien gaben noch einmal kurze Erklärungen gegen das Gesetz ab. worauf die Opposttionspar- teien geschlossen den Sitzungssaal verliehen. Darauf wurde das Gesetz mit den Stimmen der Äcalitions barteten, (Deutschnationale. Liberale und Zentrum) einstimmig in dritter Lesung angenommen.
Um die mexikanischen Gelseitzer.
Ter Konflikt mit den Bereinigten Staaten.
Die mexikanische Verfassung enthält einen Artikel, der in den Grenzzonen Ausländern den Erwerb m e x i k a n i s ch e n B o- dens verbietet und eine allmähliche sich über eine bestimmte Zahl von Jahren hinziehende Enteignung verlangt, sofern in diesem etwa fünfzig Kilometer breiten Landstreifen an der Staatsgrenze und der Küste ausländische Staatsangehörige Grund und Boden besitzen. Washington erkannte sofort, daß sich diese Klausel der Verfassung nur gegen d i e amerikanischen O e l g e s e l l s ch a f t e n in Mexiko richtet, die auf verfassungsmäßigem Wege verstaatlicht werden sollen. Die Regierung der Vereinigten Staaten ließ infolgedessen ihren diplomatischen Vertreter bei der mexikanischen Regierung sehr deutlich werden. Mit dem Erfolge, daß dieser antiamerikanische Artikel der Verfassung zunächst nuraufdem Papier blieb.
Inzwischen übernahm aber Calles die Präsi- dentsckaft, der vor einiger Zeit zu erkennen gab, daß er sich an die Versprechungen seiner Vorgänger nicht zu halten gedenke, sondern die Verfassung in ihrem vollen Umfange in Kraft setzen werde. Darüber hat es einen heftigen No- tenwechsel gegeben, ohne jedoch den Präsidenten Calles von seinem Plane abbringen zu können. Am 1. Januar soll der Boden-Paragraph Gesetzeskraft erhalten und dann auf das strengste zur Anwendung gelangen. Das würde also eine Uebereigrtung des amerikanischen privaten Oelbesttzetz auf ben mexikanischen Staat bedeuten, mit anderen Worten den Anspruch eines offenen Konfliktes zwischen Washington und Mexiko.
Die Nordamerikaner sind nun keineswegs so veranlagt, sich eine derartige Enteignung ruhig gefallen zu lassen. Sie werden unzweifelhaft die Rechte der amerilanischen Grundbesitzer in Mexiko mit Nachdruck wahrnehmen. Da ihr Sinnen und Trachten dahin geht, ihre Macht immer weiter nach Süden auszubreiten — Mittelamerika gehört ihnen schon, auch Mexiko hat mehrere wertvolle Provinzen dem nordamerikanischen Nachbar wohl oder übel überlassen müssen — ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Washington diesen Konflikt benutzt, um das mexikanische Hindernis so oder soausdemWege zu räumen.
Die Kammer hinter Calles.
Mexiko, 27. Nou. (Associated Preß. §unk- spruch.) Die Abgeordnetenkammer erteilte heute der Regierung Calles ein Vertrauensvotum für Ihre Haltung in der Frage der mexikanischen Land- und Oelgesehe. Diese Ilnterstühungskundgebung erfolgte, nachdem zahlreiche Abgeordnete dle Politik der Washingtoner Regierung gegenüber Mexiko kritisiert hatten. Vas Publikum auf den Tribünen und die Mitglieder der Kammer riefen laut Beifall, als ein Abgeordneter erklärte, irgendein Interesse der vereinigten Staaten werde niemals befriedigt werden, ehe nicht das Sternenbanner über Mexiko flattere. Dies werde aber nicht geschehen, solange ein einziger Mexikaner noch am Leben sei, um der Invasion widerstand zu leisten. Die presse öcroffent- licht eine amtliche Erklärung, die besagt, daß die Oel- und Landgesehe vom 1.3anuat ab ff eeng durchgeführt werden sollen. Die Oelkom- pagnien werden gewarnt, neue Konzessionen zu ge* gewähren. Der mexikanische Staatssekretär des Auswärtigen, Saenz, erklärte, daß bet nächste Schritt nunmehr von Washington ausgehen müsse. 33 Senatoren haben dem Präsidenten Calles eine Zustimmungskundgebung zu feiner Politik übermittelt.
Vie Ursachen des amerikanischen Wohlstandes.
Botschafter Schurman über Krieg und Kriegsschulden.
Berlin, 26. Rov. (Wolff.) Der ameri* kanische Botschafter In Berlin, Schur mann, der soeben aus Amerika zurückgekehrt ist, erklärte auf einem anläßlich des Thanksgiving Day von der amerikanischen Kolonie in Berlin veranstalteten Essen, Laß die von Europa den Bereinigten Staaten geschuldeten Kriegsschuld e n b e t r a g e in Wirklichkeit von' Amerikanern bezahlt würden, die Reisen nach Europa unternehmen. Diese Rei° senden, so führte er weiter aus, lassen jährlich etwa eine Milliarde Dollar in Europa: außerdem ist Amerika bereit, sich bei der Bezahlung der Kriegsschulden mit einem Betrcae zu begnügen, der nur 60 Prozent der ursprünglich geschuldeten Summe beträgt, das bedeutet, daß Amerika von den 11,5 Milliarden Dollar, die es Europa geliehen hat, nur Z Milliarden zurückverlangt. Wenn Europa sich diese Tatsachen vergegenwärtige, so werde es, so meinte bet Botschafter, In der Schuldenfrage eine andere Haltung einnehmen.
Der Botschafter wandte sich gegen bett Gedanken. als sei der Krieg die Ursache der w i r t s ck a s t l i ch e n B l ü t e i n A m e r i k a ae- we/en. Krieg, so sagte et, bereichert kein Volk sondern verarmt eS. Die Regierung der Der- einigten Staaten habe allein sünszig Mil* liarden Dollar verloren, für die Ame- rika zedoch weder Reparationen noch Geb ie tSe-weit ecungen gefordert habe. Dre wirt.chaftllcke Blüte Amerttas sei u. a. wesentlich auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Amerikaner m-.t Einschluß der wohlhabenden Krei.e angestrengter arbeiteten als i r g ende i n V o l klonst mit Ausnahme der Chine en und der Hindus. EVrnfo fördere die aus- gezelchnete Org'ni'ation der Industrie das wirt. schafll-.che GeLc.he t.
digungsrerhandsungen nicht zu einer vorzeitigen Räumung der besetzten Gebiete führen müßten. Bon unterrichteter deutscher Seite wird aber daraus hingewiesen, daß diese Aeuherung Briands doch wesentlich vorsichtiger formuliert war. Die mit Deutsch- land e.ngeleiteten Verhandlungen, so äußerte sich Briand danach, „müßten nicht notwendigerweise die Wirkung haben, zu einer vorzeitigen Räumung deS Rheinlandes zu führen". Im Grun'.e genommen trifft aber Briand mit seinen Äußerungen in den letzten Tagen durchaus die tatsächliche Lage. Es ist in dec Lat im Augenblick noch nicht zu übersehen, ob die deutsch-französischen Verhandlungen wenigstens in der Entwaffnungsfrage — WilitLrkon- trolle und Investigation — bald zu einem für Deutschland günstigen Ergebnis führen werden.
Die Hnfieflärtbeit der Lage hat auch Dr. Stresemann gezwungen, eine Entscheidung über feine Beteiligung an der Genfer Völkerbundstagung im Dezember noch nicht zu treffen. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, wird am Sonntag in Berlin eirrtreffen und bis Montag abend hier bleiben. Zweck seines Besuches ist die Besprechung der Tagksordnung der Völkerdundsrats- tagung mit Dr. Stresemann und dem Staatssekretär von Schubert. Wahrscheinlich wird Dr. Stresemann auch diesmal noch nicht den Dor- s i h der Tagung übernehmen. Er wird es vorziehen, die Verhandlungen erst in der März- lagung 1927, die voraussichtlich in Berlin stattsinden wird, als Vorsitzender zu führen. Außerdem wird man über die technische Durchführung der DölkerbundSinvestigation, die die Militärkontrolle Lblösen soll, verhandeln. Schließlich wird es auch nötig sein, über den Amtsantritt der für das Dölkerbundssekre» tariat vorgesehenen deut scheu Beamten und ihre Aufgaben zu sprechen. Wie wir dazu hören, handelt es sich aber bei all diesem nur um »technische" Besprechungen, die nicht zu politisch sonder- lisch bedeutsamen Beschlüssen führen werden.
DieMeinung des„Temps"
Zur außenpolitischen Debatte im Reichstag.
Paris, 26. Rov. (WTD.) Der „Temps" schreibt, die Reichstagsdebatte über die Auß enpolitik habe nach feiltet Ansicht den Eindruck der Unsicherheit und der Unbehaglichkeit f)interlajftn. Der„LempS" tadelt den sozialdemokratischen Abgeordneten Mülle r, weil et die Räumung des.Rheinlandes und die Rückgabe des Saargebiets an Deutsch» land als Gegenleistung für den deutschen Verzicht auf Elsah-Lothringen fordert. Ganz besonders unzufrieden ist das Blatt mit dem früheren Reichskanzler Dr. Wirth. Es findet, daß seine Sprache verblüffend gewe^n sei. Man frage sich nach dieser Rede, wie denn die Dinge in Wirklichkeit stehen. Frankreich sei es, das auf dem Gebiete der Reparation wie auf dem Gebiete der Sicherheit bi- jetzt der Cnt- spannungs- und Versöhnungspolitik alle Opfer gebracht habe, während Deutschland sich damit begnügt habe, allen Ruhen daraus zu ziehen. Weil Deutschland durch die älnterzeich- nung des Locarnoi-Abkommens freiwillig feinen Verzicht auf Elsaß-Lothringen bestätigt habe, und weil es eingewilligt habe, in den Völkerbund einzulreten, wodurch es wieder seinen Rang als Großmacht erhalten habe, soll Frankreich neue Opfer bringen und auf wesentliche Rechte verzichten, die es NuS dem Versailler Vertrag her" leiten könne? Frankreich solle jetzt die Kosten tragen für das, was noch zu tun übrig fei, damit die Annäherung eine wirkliche werde, während Deutschland, das bis jetzt alles erhalten habe, nichts zu bieten brauche und nichts abgegeben habe! Wenn derartige Ge^ danken noch in den deutschen Kreisen zu finden seien, die für die Verständigung amempfäng- lichsten seien, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn das Werk der Annäherung lang- . wietig und schwer sei. Der Begriff für politische Realitäten hänge von der Mentalität und vom nationalen Temperament ab. Vielleicht müsse eine ganz gewaltige Anstrengung unternommen werden, damit das deutsche Volk sich von den Lügen befreie, mit denen man seine Seele irregeführt und sein Urteil verfälscht habe.
Frankreichs Rüstung.
Das französische Heeresbudget in der Kammer.
Paris. 26. Rov. (WB.) Die Kammer hat heute rrrartittag den Bericht über das Heeres- butget zu beraten begonnen. Der der radikalen Linken angehörende Abg. Bouillon» Ü an- font hat heute nachmittag seinen Bericht ver» teilt. Aus ihm geht hervor, daß an Ausgaben für das französische Heer vorgesehen sind 669 183 021 Franken. Die Regierung hat insgesamt 842 031 185 Franken beantragt, doch hat der Finanzausschuß der Kammer 172 848 164
Franken gestrichen. Die Zahl der Mann- sch asten ist nach diesem Bericht von 935 000 Mann in der Zeit von 1913/14 auf gegenwärtig etwa 645 000 Mann herabgesetzt worden und werde durch die Einführung der einjährigen Dienstzeit eine noch stärkere Reduzierung erfahren. Indessen Mache die Besatzung von Qtta *- r okko und Shrien sowie der R h ei nIa n be neue Anforderungen notwendig. Die Lösung des Problems liege in der Rekrutierung von Leuien. die sich den Militärdienst als Berus erwählen und in der Ersetzung der Militärhandwerker durch Zivilhandwerker. Zum Schlüsse wird ein Vergleich gezoaen zwischen der Stärke der Heere der verschiedenen Staaten und hervor- gehoben, daß F r a n k r e ich von allen Rationen diejenige sei, deren Milttärausgaben seit 1914 am s chä rfsten herabgesetzt worden seien. Es wird getont, daß diese Feststellung um fo intereifanter sei, als die Kampagne der ausländischen Presse Frankreich als imperialistisch und Militaristisch hinstelle.
P)7Ltervorau»?agc.
Bei schwachen südlichen bis westlichen Winden vorwiegend wolkig, keine wesentliche Aenderung der Temperaturen, trocken.
Die Verlängerung der Getreidezölle.
Verhandlungen mit den Parteien.
Berlin, 26. Rov. (Täl.) Im Laufe des heutigen Dachmittags hatte ReichSemährungS- Minister H a s l i n d e über die - Frage der Ge° treidezölle und des Futtermittelgesetzes Besprechungen zunächst mit den Führern der Regierungsparteien, sodann mU denen der Soz'.aldemv- Eratie und schließlich mit den Führern der Deutsch- nationalen u. Völkischen. Bei den Getre'.dezöllen handelt es sich um die demokratische Anregung, die Geltungsdauer der jetzt geltenden Gbe- treidezölle über den 1. Januar 102? hinaus auszudehnen. Gegen das Futtermittel- g e s e tz bestehen selbst unter den Regierungsparteien noch einige Bedenken, soweit darin eine Beschränkung des Handels und der Einfuhrmöglichkeiten erblickt wird. Zur Frage der Gttrei^e- zölle erfährt die ^Lelegraphen-^lnion" ergänzend, daß das Reichsernährungsministerium inzwischen eine Vorlage fertiggefteUt hat, d.e die unveränderte Beibehaltung der gesetzlich am 31. Dezember 1926 ablausenden Zwischenzölle b i s jum 31. Juli 1 927 vorsieht. Wie aus deutsch- nationalen Kreisen verlautet, ist die deutschnationale Fraktion, trotz grundsätzlicher Ausrechterhal- tung ihrer ileberjeugung von der Rotwendigkeit der autonomen Zölle, unter gewissen ilmftänben bereit, die Vorlage des Reichsemährungsmini- steriums zu unterstützen. Eine Festlegung der Parteien ist bei den Besprechungen mit dem Reichsernährungsminister, an denen auch der Reichskanzler teilnahm, nicht erfolgt. Die Sozialdemokraten haben ihre Entscheidung zu der Frage der Verlängerung her Getreidezölle der Fraktion Vorbehalten.
Die Arbeitslosigkeit.
Berlin, 26. Nov. Dle Zahl der Hauptunter- stühungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge in Der eijten Rooemberhälfte ist nahezu unoer» ändert geblieben. In der genannten Zeit ist die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs- empfanget von 1068 000 auf 1 077 000 g e ft l e» gen, die der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger von 240 000 auf 237 000 zurückge» gangen. Die Gesamtzahl der Hauptunter- stützunarempfänger am 15. Nov. beträgt 1 314 000 gegenüber 1308 000 am 1. November. Die Steigerung beträgt also 0,4 Prozent. Die Zahl der Zu« schlagsempsänget (unterstützungsberechtigte Angehörige) ist von 1353 000 auf 1387 000 gestiegen.
Das Arbeilsschutzgesetz vom Neichskabinett gebilligt.
Berlin, 26.Rov. (WB.) Rach weiteren Ressörtbefprechungen befaßte sich das Reichs- Eabi nett unter dem Vorsitz des Reichskanzlers heute abschließend mit dem Entwurf des Arbeitsschuhgesetzes. Rach eingehender Aussprache fand der Entwurf die einmütige Billigung des Reichskabinetts. Der Entwurf ist inzwischen bereit- dem ReichSwittschaftsrat zugeleitet worden.
Beamtenbesprechungen im Rerchsfinanzminifteriu m. Berlin, 26. Rov. (VDZ.) Rach Prüfung der Denkschrift des Deutschen Deamtenbundes über die bedrängte Lage der Beamten, die vor einiger Zeit der ReichSregierung und dem Reichstag übermittelt Worden war, hatte der Reichs- finanzminister Dr. Reinhold am Freitag nachmittag eine Besp rechung mit QJertte- tern der Beamten spitzenverbän de. Die Vertreter der Beamten und Angestellten des Reichs legten in dieser Sitzung nochmals «ihre Wünsche wegen einer finanziellen Beihilfe dar und erörterten diese eingehend mit den Vertretern deS Reichsftnanzm.n.stniums. Eine Erhöhung der Gehälter wurde vom Reichsfinanz- Ministerium vorläufig als unmöglich bezeichnet. Der Reichsfinan^mlnister erklärte sich jedoch bereit, unverzüglich mit den Ländern und den Parteiführern im Reichstage über e ne einmalige Beihilfe zu verhandeln. Er sprach dabei die Erwartung aus, daß diese Verhandlungen noch vor Weihnachten zu einem Abschluß führen.
Aus aller Welt.
Neue Unwetterkatastrophe m den Bereinigten Staaten.
Der Tornado, der während der aus Anlaß deS Danksagungstages stattsindenden Festlich- letten in den Staaten Arkansas und Missouri toütete, suchte zahlreiche Städte und Hei- beim. Rach den zuletzt eingegangenen Rachrichten sollen sechzig Personen ge- tötet und rund 450 verletzt worden sein. In Leuersprings in der Erbschaft, Cleburne wurde e.n Dutzend Häuser 6; . Erdboden gieichqemacht.
Brandsvil e, im Staate Missouri, wurden die Kirche und fast alle Handelrgeöäude zerstörr. Al.e Telephonleitungen sind in den heimgesuchten Gebeten zerstört worden. Ein weiterer Bericht te.agt, daß In Orinda 14 Personen ertrun - t e n sind, als infolge eines Wolkenbruches ein f?ou befindlicher Detonkanal, der für die Wasserversorgung bet Stadt bestimmt war, überflutet wurde.
Aufregende Verbrecherjagd.
In Raghszalonva fcte.it sich eine aufregende ©jene ab. Als ein Polizist einen lang gc uchten Verbrecher aus der ungart,"^0 Rätezeit verhaften wollte, zog dieser plötzlich einen Revolver, tötete oeu Pollzeibeamten und entfloh. Ferner er'chch der Verbrecher noch zwei Beamte, die ihn versolgien. Erst nach längerem Kampfe, wobei auch mehrere Pa'santen verletzt wurden, konnte der Verbrecher in seiner Wohnung, in der er sich verschanzt hatte, durch mehrere Schüsse unschädlich gemacht werden, denen er kurz darauf erlag.
Schweres Cinsturzunglück in Italien.
In Murano in Bene.ien stürzte die neue große Detonhalle dec Giassabrlk Franchrtti ein und begrab dir Arbeiter, dir grrad? letzte Hand ankegten. unter ihren Trümmern. Fünf Tote und 14 Verwundete wurden bisher geborgen.
Aus der provinzialhauptftadt.
Gießen, den 27. Rovember 1926.
Advent.
Wehr als dreißig Jahre sind es her, da sah ich manche Stunde mit einem alten rhein- hessischen Landmann zusammen. Ich liebte seine Gesellschaft, weil er mir aus eigener und aus der Erinnerung seiner Dorfahren mancher berichtete, das wert war, der Vergessenheit nicht anheimzufallen. Er sprach aber nicht nur von dec Vergangenheit, sondern mit besonderer Vorliebe auch von der Zukunft. Hierbei wieS er immer wieder auf zwei kommende Ereignisse hin. Wenn das Jahr 1900 vorüber sei, sagte et, würde bald ein großer, schrecklicher Krieg kommen, nicht lange darnach aber würden herrliche Zetten eintreten: Reichtum und Segen an allen Orten, und die Dauern würden mit goldenen P lug charcn ihre Aecker bestellen. W?nn mein alter Freund ge ragt wurde, woher er das wisse, entgegnete er: „Das hat der alte Rikolaus Eller, der im Jahre 1850 mit feiner ganzen Familie nach Amerika gegangen. ist, vorausgesagt." Die Rachbarn und Dor'genossen lachten über die Reden des Mannes und sagten: „St ist wieder am Prophezeien." Er aber erwiderte aus alle Fragen und Einwendungen: »Wartet nur abl“
Ich habe übet diesen Mann nie lachen können, und tue eS auch heute, nachdem er längst tot ist, noch nicht. Das ,Prophezeien" ist eine Betätigung, die immer wieder aus den Tiefen der deutschen DollSseele hervorbricht. Menschen, die mit der Ratur in innigem-Zusammenhang stehen, Sterne, Wind. daS Wachstum der Pflanzen, die Stimmen der Tiere und Vögel beobachten, wie Dauern, Hirten und Soldaten, auch Menschen, die in der Einsamkeit viel über deS LebenS Lauf und Gang nachsinNen, wie Z^losterinfasseni und grübelnde Theologen, in deren Reihe der im Anfang des 18. Jahrhunderts leb-nde schwäbische Prälat Johann Albrecht Bengel zu rechnen ist. befestigen sich gern mit den zukünftigen Dingen. Als im Jahre 1811 ein seltsamer Schweifstern am Himmel stand, deutete man diese Ratuv- erscheinung auf Krieg und Blutvergießen. 3m Zusammenhang damit stand der Hinweis auf ein bald anbrechendes glückliches Zeitalter; ein Ta- schenkalender auf das Jahr 1813 enthielt den VerS: .Die Bahn der Menschenliebe, dec brüderlichen Triebe führt in der Tugend Heiligtum, wenn Menschen Brüder werden, wie Brüder tun auf Erden, so wird die Welt Elysium" Die Menschheit hat je und je davon gelebt, daß ihr eine neue Zett, daß ihr das .Elysium", wie es in der griechischen Mythologie heiht, bevorstehe, ob nun der Sozialismus oder der Pazifismus oder irgendeine Wenduüg im nationalen oder religiösen Leben das Neue Zeitalter herairfführen werde.
Uralt sind diese Weissagungen, am schönsten kommen sie bei den alttestamcntlichen Propheten und Psalmisten zur Ausgestaltung. Einst kommt die Zeit, so heißt es hier, da der Messias sein Volk zum Siege und zur Freiheit führt, da ec Recht und Gerechtigkeit auf Erden herstellt. Im Anfang waren diese Schilderungen irdisch, sinnlich, massiv gestaltet: reicher Erntesegen. Tennen voll Korn, Keltern, die von Most und Oel überfliegen, fruchtbare Hügel, wasserreiche Bäche. 3t mehr die Zeit vorschritt, um so Mehr wurden die Zukunstserwartungen vergeistigt: alle Gottsucher sollen mit Gott in Verbindung kommen, Freude und Friede auf der Erde einkehren, die zerstoßenen Herzen fallen geheilt, dle Traurigen getröstet, die Müden und Schwachen aufgerichtet werden, die mit Schuld Beladenen sollen Gottes Derge' bung erlangen. Unö das merkwürdige ist, daß diese Weissagungen in Jesus Wirttichtett geteor^ den sind. Durch ihn haben Millionen von Menschen die Welt mit ihrem G.am und ihrer Verzweiflung innerlich überwunden und Ruhe für ihre Seelen gesunden. In der AdventZzeit dieses Jahres denken wir daran, daß wir ein von stolzer Höhe herabgestürzteS, niecergetretene^, wirtschaftlich auf das schwerste ringendes Volk sind, aber JesuS ist noch da. Leid und Trübsal allerwegen. Gram und Enttäuschung, Altwerden und Kindergräber, weite Säle und einsame Kammern mit kranken Menschen, aber JesuS ist noch da. Darum ist Adventszeit eine Zeit der Hoffnung, des Mutes, der Freude. Mag auch das Weltgeschehen noch so sinnlos und leidvoll fein, bet Gott ist Klarheit, und in Jesus ist der erschienen, von dem Paul Gerhardt in seinem unvergleichlichen Adventsliede sagt: .Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele sahen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, bist du, mein Heil, gekommen und hast mich froh gemacht." H. B
Reichsrentnertag.
Man schreibt uns:
Am 1. Dezember findet Im ganzen Deutschen Neiche ein Retchsrentnerlag statt, der eine machtvolle Protestkundgebung sämtlicher Ortsgruppen des Deutschen Rentnerbundes sein soll, um die Reichsregierung an ihre Pflichten gegenüber den Kapitalrentnern zu erinnern und diesen endlich durch Schaffung einer Nentneroersorgu ngs» g e s e tz e s und einer staatlich geregelten Rente ein menschenwürdiges Dasein und ein sorgenfreies Alter zu üewährleisten. Auch in den Kirchen und Gottesdiensten aller Konfessionen wird man in diesen Tagen der durch jahrelange Ent- behrungen unb Leiden hilflos gewordenen und entrechteten Nentner gedenken, die Ina für Tag ohne Klagen ihr bittres unverdientes Los in Geduld getragen haben.
£'.e Oeffentlichkeit soll auch durch eine Versammlung am 1 Dezember, zu der im heutigen Anzeigen- teil emgeladen wird, aufgerüttelt und daran erinnert werden, daß es eine Ehrenpflicht des Deutschen Reiches ist. den Lebensabend der ehemaligen Kapitalrentner, die durch Steuern und Abgaben an dem Aufbau unseres Vaterlandes ge- hoffen und die auch in der aUerschwersten Zeit des Deutschen Reiches durch Zeichnung von Kriegs- und Staatsanleihen ihren letzten Pfennig geopfert haben, sicherzustellen und für sie in ausreichender Weise zu
Die Rentner wollen keineAlmosen,keine entwürdigenden Spenden unb Sollet* 1 e n, sie verlangen ihr g u t e s R e ch t.
,^ür die Kriegerwitwen und -Waisen, für die Kriegsbeschädigten hat man von Reichs wegen längst In entsprechender Weise gesorgt, auch für die Erwerbs- l°JCh mQn Gesetze geschaffen, um sie in tiutgie» bigfter Weise vor Not zu schützen. Nur für den Ka- pitaU und Kleinrentner, die Gläubiger des Deutschen Reiches, i t bis heute f a st nichts geschehen. Deshalb i t es die moralische und rechtliche Pflicht des Deutschen Reiches, nunmehr endlich durch Schaf»
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