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Nr. 226 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 27. September 1926

Die Kriegsschulden.

Don unserem A. G. A.-Derichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I)

Neuhork, September 1926.

Präsident Wilsons Kriegssekretär, Newton D. Daker, eine der Leuchten der demokrati­schen Partei und einer ihrer zungenfertigsten Redner, ist der erste politisch hervorragende Amerikaner, der offen für die Streichung der interalliierten Kriegsschulden, für eine Ermäßigung der deutschen Kriegsentschädigung eingetreten ist. Er hat seinen amerikanischen Landsleuten einige Wahrheiten gesagt, die ihnen recht unangenehm in den Ohren geklungen haben müssen. Denn darüber darf man sich keiner Täuschung hin­geben weder das Land im allgemeinen noch die an der Macht befindliche republckanische Par­ier im besonderen, will von der Streichung etwas wissen. Oloch nicht. Es fragt sich daher, ob Herrn Dakers Aeußerung nicht doch etwas verfrüht war.

Des Präsidenten Coolidge Standpunkt ist bekannt. Er hat sich diesen Sommer mehrfach darüber geäußert. Einem seiner Freunde, der ihm kürzlich Vorstellungen über die Schulden- iilgungsfrage machte, antwortete der Präsident, nachdem er ihn ruhig hatte ausreden lassen: Aber sie haben doch schließlich das Geld ge­borgt, haben sie nicht?" Wobei sich Herr Coolidge des in Neu-England landläufigen Aus­druckshired (gemietet), nichtborrowed (ge­liehen) bedienten. Mit solch bodenständiger Vankee-Logik ist schwer zu argumentieren. Be­kannt ist auch Schahsekretär Mellons Stand­punkt, daß der Kongreß allen bisher getroffenen Tilgungs-Vereinbarungen, mit einziger Aus­nahme der französischen, die den Senat noch nicht passiert hat, zugestimmt habe und die Angelegen­heit damit erledigt sei.

Käme die Frage der Schulden-Streichung heute vor den Kongreß, so wäre zu be­zweifeln, ob sich im Repräsentantenhause auch nur zwanzig Abgeordnete finden würden, die auf den Vorschlag einzugehen bereit wären. Es mag sein, daß viele von ihnen insgeheim davon Überzeugt sind, daß man mit der Zeit gewisse Abstriche an den Summen, die Onkel Sams Dickem Geldsack zuzuführen sind, wird machen müssen. Aber davon spricht man jetzt nicht. Namentlich spricht man davon in einem (Zähre nicht, in dem es bei den Novemberwahlen um die Sitze in hinter- und Oberhaus geht. Deshalb wäre den Republikanern auch nichts lieber, als die Demokraten folgten der Führung Herrn Dakers und machten jetzt schon aus der Schuldenfrage eine W a h l f r a g e, machten sie womöglich zu ihrem alles andere übertönenden Schlachtruf. Denn dann wären weit mehr repu­blikanische Kongreßkandidaten als jetzt der Sorge um ihre Wiedeverwählung überhoben.

DaS Land ist gegen Streichung", erklären die in der Wolle gefärbten republikani­schen Parteiblätter kurz und bündig. Oftdas Land" in der Weltwirtschaft so gut beschlagen, daß es ihre innersten Verkettungen und Ver­knüpfungen und Zusammenhänge kennt? Oft es nicht auffallend, daß gerade einer der intimsten Freunde und vertrautesten Ratgeber jenes Wil­son, der seine Zustimmung zum Versailler ^Friedensprotokoll gab, der nichts von Streichung wissen wollte, nunmehr anderer Ansicht gewor­den ist? Daß er einzusehen beginnt, daß der amerikanische Kurs, der den letzten roten Heller innerhalb der Zahlungsfähigkeit" verlangt, Amerikas eigenen Interessen direkt zuwider­läuft? Die Amerikaner geben es nur ungern zu, wenn sie im Llnrecht sind: wenn sie aber Geld verlieren, das begreifen sie sofort, Llnd Da­ker stellt sich aus keinen anderen Standpunkt als den des Geschäftsmannes, wenn er mit Destimmt- heit darauf hinweist, daß Amerika sich nicht nur xn der ganzen Welt verhaßt macht, wenn es bei seinem jetzigen Kurs bleibt, sondern daß es auch eine empfindliche Deeinträchtigung sei­nes Handels gewärtigen muß. Das sind Dinsenweisheiten, mit denen Herr Daker nichts neues gesagt hat. Aber es ist noch von keinem so rund heraus gesagt worden. Rur Schatzsekre­tär Mellon hat sich vor dem Senatsausschusse

in Verbindung mit dem italienischen Tilgungs­pakt dahin geäußert, daß seiner Ansicht nach ein prosperierendes Europa für Amerika in Dollars und Cents mehr wert sei, als alle Schuldentilgung", und in Philadelphia dahin, daßein Geschäftsmann lieber hundert Dollar an feinem Umsatz verdiene, als daß er sich ihm geschuldete fünf Dollar zurückzahlen ließe". Diese Wahrheiten scheinen hierzulande noch nicht tief eingedrungen zu sein. Aber nach und nach wird sich auch hier die Ueberzeugung Dahn brechen, daß Deutschland ebensowenig imstande fein wird, auf unbestimmte Zeit die ungeheuren ihm vom Dawesplan vorgeschriebenen Zahlungen zu machen, wie die anderen Länder auf zweiund­sechzig Jahre die vereinbarten Summen in Washington abliesern können, und daß, selbst weyn jedes europäische Land seinen Verpflichtun­gen voll nachkäme, Amerika auf die Dauer nur Nachteil davon hätte.

Wie so viele andere, hat man auch diese Frage mit einer Art patriotischer Rauchgardine verhängt, so daß auch sonst klar denkende Köpfe die Richtung verloren haben. Herrn Dakers Vor­würfe mögen hart fein, aber sie stützen sich auf überzeugende D e w e i f e. In Versailles ver­suchten die Alliierten aus Deutschland das Mög­

aus keinen Fall sich und ihre Nachkommenschaft aus fünfundsiebzig Jahre hinaus mit einer Hy­pothek auf der Grundlage belasten wird, wie sie vom Versailler Vertrag oder vom Dawesplan in Vorschlag gebracht worden ist." älnd weiter erklärt er, wenn Deutschland die Reparationen, Amerikas Schuldner ihre Schulden zu bezahlen imstande wären, der Schuldner den Gläu­biger mit seinen Waren förmlich überschwemmen und dessen Industrie lahm- legen mühte, weil alle Zahlungen letzten Endes in Waren zu erfolgen hätten und niemals ih Gold geleistet werden könnten. UnÖ nachdem die Vereinigten Staaten Zeugen einer falschen, ver­hängnisvollen Methode der Dehandlung des be­siegten Feindes gewesen, gingen sie hm und wendeten dieselbe Methode ihren Ver­bündeten gegenüber an.

Solche Wahrheiten sind in Amerika zur Zeit keineswegs beliebt. Desonders unbeliebt sind sie bei den Politikern. Sie und ihre Presse sind denn auch über denkleinen Ex-Kriegssckretär" in einer Weise her gefallen, wie man es schon lange nicht mehr erlebt hat. Aber wenn er auch die politischen Erwägungen noch nicht auf seiner Seite hat, so werden ihm die wirtschaftlichen doch jetzt schon in vielen Dingen recht geben. Daß eine

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lichste herauHupressen. Die Folgen sind eines der trübsten Kapitel in der Geschichte unserer Heimat. Der Dawesplan sollte Deutschland die Dürdeerleichtern". Aber auch ec beruht auf demZahlungsvermögen", und die Anzeichen dafür, daß auch er eine viel zu starke Be - l a st u n g bet deutschen Volkskraft und Wirtschaft darstellt, mehren sich. Eine Revision gilt als unausbleiblich, und zwar, wohlvermerkt, eine Re­vision nicht aus irgendwelchen Menschlichkeits­gründen und Rücksichten gegenüber Deutschland, sondern eine Revision aus Furcht vor dem allgemeinen Zusammenbruch, der dem Deutschlands folgen mühte.

Herr Daker spielt sich keineswegs auf den Altruisten heraus. Auch nicht auf den Freund Deutschlands. Er weist darauf hin, daß die amerikanische Öffentlichkeit über den Charakter der Kriegsschulden wie über den der Tilgungs- Pakte und ihre wirtschaftlichen Folgen falsch unterrichtet ist. Er sagt in seiner Erörte­rung des Dawesplanes, daßdie Nicht für den Krieg Verantwortliche Generation Deutschlands

Revision aller Pakte und Pläne und Abkom­men, wie immer sie auch heißen mögen, zu er­warten ist, das ist so sicher wie irgendetwas auf dem Gebiete internationaler Deziehungen.

Frankfurter Herbstmesse.

WSN. Frankfurt a. M.. 26. Sept. Die 15. JnternationaleFrankfurterMesse hat heute unter günstigen Auspizien ihren Anfang genommen. Die Zahl der Aussteller beträgt unge­fähr 1000; gegenüber der Frühjahrsmesse ist damit sogar eine kleine Vermehrung zu buchen. Bedeutende Verschiebungen in Zahl und Art der Ausstellungs­objekte sind nicht zu verzeichnen, im großen und ganzen zeigt die Herbstmesse räumlich dasselbe Bild wie ihre fßorgängerin. Sehr stark besucht war am ersten Tage die Textilmesse imHaus der Moden". Auch die Schuh- und Ledermesse zeigt ein besseres Aussehen als im Frühjahr. Auch hier wurden am ersten Tage bereits größere Umsätze getätigt. Leider fehlte ein großer Teil der Offenbacher und Pi.rma-

Die Ausgrabung eines Mithras-Tempels in Hessen

Ein Fund, der für die antike Deligions- geschichte und Kunstgeschichte von größter Wich­tigkeit ist und zugleich neues Licht auf die Römer­zeit in Deutschland wirft, ist in Hessen gemacht worden. Als die Grenzwehr des Aömerreiches. der Limes, das freie und das besetzte Germanien trennte, war der Hauptetappenort für die Ca­stelle am Main und im Odenwald eine Siedlung bei der heutigen hessischen Kreisstadt Dieburg, die auf halber Strecke zwischen Darmstadt uni) Aschaffenburg liegt. Zahlreiche Kun st st raßen, die von den Römern für militärische Zwecke an­gelegt waren, lausen strahlenförmig auf den Ort zu, von dessen römischem Namen wir nur die Anfangsbuchstaben W kennen. Der Ort muß aber nicht nur der Sitz der Militärbehörden und Heereslie Oranten gewesen fein, sondern auch ein reiches religiöses und künstlerisches Leben gehabt haben. Das beweisen die wichtigen Aus­grabungen, die Prof. F. Dehn durchgeführt hat und über die er zum erstenmal Näheres in der LeipzigerIllustrierten Zeitung" berichtet. Deim Ausschachten der Fundamente für einen Neubau im Nordosten der Stadt stieß man auf Mauern und auf eine Anzahl von Skulpturen, die erkennen ließen, daß sicy hier in der Römer­zeit ein Heiligtum des orientalischen Sonnen­gottes Mithras befunden hatte, dessen Verehrung damals durch die römischen Heere über die ganze Welt verbreitet wurde. Obwohl durch christlichen Glaubenseifer noch vor dem Ende der Römer- Herrschaft im rechtsrheinischen Gebiet der Tempel zerstört und die Mauern bis auf wenige (Stein* lagen geschleift waren, ist es doch gelungen, den Grundriß des Bauwerkes klarzustellen. Das Innere des Heiligtums, das vorschriftsmäßig vertieft war, um den Eindruck einer Höhle zu erwecken, betrug nur etwa 6,5 zu 11 Meter. Die Gemeinden der Mithras-Verehrer waren immer nur klein, und daher befanden sich an den meisten Römerorten mehrere Mithräen.

Vortrefflich erhalten ist dec Rampengang von der Vorhalle, die aus Holz bestand, in das Innere. Zu beiden Seiten lagen die erhöhten Emporen, auf denen die Gläubigen beim Gottes­

dienst sahen. In der Ecke wurde eine Unter­mauerung für das Altarbild festgestellt: einige Meter außerhalb befand sich der Teinpelbrunnen, aus dem das für den Gottesdienst nötige Wasser geschöpft wurde. Die christlichen Zerstörer hatten eine Menge von Tempelgeräten und Stücke zer­schlagener Bildwerke in den Brunnen hinein* geworfen. Lieberhaupt sind von den zahlreichen Steinskulpturen, die bei der Grabung zutage traten, nur wenige ganz erhalten: die meisten befinden sich in trümmerhastem Zustande und konnten nur unvollkommen zusammengesetzt wer­den. Dies ist z. B. der Fall bei einer fast lebensgroßen Statue des Merkur, einem trefflich gearbeiteten Werk, das nur bis zum Brustbein hinauf zusammengefügt werden konnte. Glück­licherweise ist es aber gelungen, das Altarbild, das ebenfalls in kleine Stücke zerschlagen war, bis auf Kleinigkeiten wieder zusammenzufügen. Es ist auf beiden Seiten von Reliefs bedeckt und für die Geschichte der antiken Religion und der römischen Kunst von hohem Wert. Auf der Vorderseite findet sich nämlich eine bildliche Dar­stellung der Mithraslegende, wie sie in solcher Vollständigkeit sonst nirgends wiedergegeben ist. Da auch die heiligen Bücher des Mithraskultes vernichtet worden sind, so sind die bildlichen Dar­stellungen die einzige Quelle für diese Religion, und unter den Bildern des Altarwerkes finden sich mehrere völlig neue. Im großen Mittelfeld ist Mithras als Sonnengott dargestellt, auf der Rückseite die Szene, wie Phaethon von seinem göttlichen Vater den Sonnenwagen erbittet. Dies Bild, das prachtvoll in ein rundes Schriftband hineinkomponiert ist, gehört zu den allerbesten Schöpfungen der römischen Kunst diesseits der Alpen. Der Künstler, der zugleich einer der Stif­ter des Altarbildes war, nennt sich in den In­schriften: es ist Silvcstrius Silvinus, ein bisher der kunstgeschichtlichen Forschung völlig fremder Name.

Frankfurter Theater.

Im Neuen Theater hat Fred Antoine Angermayer das Wort. Er führt es ziem­lich deutlich in seinerKomödie um R o s a". Der ganze Inhalt dieses dreiaktigen Spieles ist so dünn, daß geistvolle Ironie, wie etwa die Sternheims imBürger Schippel", hier gar nicht

zu Wort kommen könnte. Es dreht sich nur um Rosa, die Frau des Arbeiters Mittag; da fie zu Beginn der Handlung bereits gestorben ist. fun­giert sie nur noch als viel und ausgiebig be­sprochene Person der Komödie. Sie ist an kur- pfuscherischen Mitteln gestorben: außerdem hat fie auch ihrem Mann noch allerhand im Fieber er­zählt. Nun fürchten sich der Bürgermeister, der Arzt, der Fabrikdirektor und der Apotheker, alle vier fühlen sich mitschuldig an Rosas Tod. Anger­mayer will eine Satire auf eine gewisse, verlogene Spießer-Llnmoral schreiben, manchmal sitzt ein Hieb und ist witzig, aber nur vereinzelt, im übrigen fehlt ihm die nötige Leichtigkeit allzu breite Eindeutigkeiten zu umkleiden. So läßt er alle Grenzen bcS Geschmackes fallen, und seine Auseinandersetzungen wirken weniger satirisch als xotig. Er kniet sich mit wahrer Anklägerwollust in Llnästhetik. ausgemalt bis in die kleinsten Details, und versucht diese Malereien mit der Tünche der Groteske nachträglich etwas abzu- dämpfen. Das Publikum amüsierte sich anschei­nend köstlich bei diesen eigenartigen Dialogen. Aber- der Beifall hatte nur in bezug auf die Darstellung Berechtigung. Die Regie Manfred Fürsts wußte nicht recht, in welche stilistische Form sie diese Komödie kleiden sollte, man spurte diesen Dualismus durch verschiedene Szenen. Die Darsteller jedoch, Alois Großmann und Georg L e n g b a ch an der Spitze, taten ihr Mög­lichstes, um Witz in diese recht einseitige Sache zu bringen. L. W.

Dom Gefängnis.

Zu den Wärtern, die wir zweimal entlehnten, ge­hört auch Kerker, im Mittelalter Kackaere, Kerkaere, Kerker, althochdeutsch charchari, gotisch Startara, aus dem lateinischen carcer, ursprünglich Bezeichnung für das römische Militärgefängnis (carceres: die Schranken der Vennbahn). Unsere Humanisten, die weder Kikero noch Käsar sprachen, führten das Dort als den Starcer, heute Karzer geschrieben, aber- mals ein, fie bedurften für ihre Schulen und Uni­versitäten auch der Haft als eines Zuchtmittels; wenn wir heute auch das Karzer sagen, obwohl die sonst gebräuchlichen Lehnwörter auf er (Keller, Becher ufro.) männlich sind, ist wohl dec Gedanke an Gefängnis die Ursache. Das Zeitwort (in)karzerieren

senser Fabrikanten: relativ gut war die Wiener Industrie in dieser Abteilung vertreten. ImHaus Offenbach", wo sich Lederwaren, Galanterie- und Toilettenartikel, hauptsächlich aber die Stände der Nürnberger Spielwarenindustrie befinden, ging e» sehr lebhaft zu. Fast sämtliche Aussteller äußerten sich sehr hoffnungsvoll, und es konnten beträchtliche Aufträge hereinaebracht werden. Sehr deutlich läßt die Mbbelmefse den Geist der Zeit erkennen. Durch die ganze Abteilung geht ein Zug zum Soliden und Einfachen. Groß ,st die Nachfrage nach billigen Möbeln. Sehr schwach beschickt ist die Technische Messe, auf der landwirtschaftliche Maschinen und die Erzeugnisse der elektroted)nischen Firmen saft ganz fehlen. Gut vertreten sind Holzbearbeitungsmaschi. nen. Im HausWerkbund" bosindet sich Im (krage- schoß die Tabakausstellung, während der erste Stock von einer italienischen Kollektivausstellung belegt ist. Die offiziellen italienischen Vertreter sprachen sich über den ersten Tag sehr befriedigt aus, was auch in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten Mussolini zum Ausdruck gebracht wurde. Die Ausstellung zeigt hauptsächlich die tiwifdjcn italieni­schen Srportartifel, wie Weine und Liköre aller Art, Taoak, für den bei deutschen Zigarettenfabriken großes Interesse besteht, da er um 50 Prozent bil­liger ist als Balkantabak, Nahrungsmittel der ver­schiedensten Arten, sowie kunstgewerbliche und kera­mische Grzeugnisse. Von dem ersten Messetag, der er« fahrungLgemaß der Tag der Orientierung ist, kann man, alles in allem genommen, sagen, daß die Er- Wartungen angenehm enttäuscht wurden und daß größere Abschlü se zustandegekommen sind, als man ursprünglich ho sie. Auch gus dem Auslande, na- mentliA England, sind Einkäufer eingetroffen, lieber Abschlüsse ist allerdings noch nichts bekannt ge­worden.

Oberhessen.

Landkreis ließen.

X Klein-Linden, 25. Sept. Die Wein­traubenernte ist in diesem Jahre bei der langen großen Hitze f)ier recht gut ausgefallen. Einzelne Trauben mit vollen Beeren haben ein Gewicht bis zu einem Mund. Das Aroma der Beeren ist vortrefflich. Ein hiesiger Grundbesitzer hat eine ziemlich große Fläche seines Ackers mit Pfefferminze usw. ongebaut, da er fid) hiervon durch Absatz an Apotyeken, Drogerien usw. einen guten Ertrag verspricht.

£ Wieseck, 21. Sept. Gestern hielt der bitfige Ziegenzuchtverein, dessen Mit­glieder durch die 1924 bis 1925 herrschende Leber- egekseuche fast ihren ganzen Viehbestand verloren hatten, eine interne Ziegen schau bei Gast­wirt Schneider ab. Etwa 30 Tiere wurden zur Schau vorgesührt, unter denen sich ganz vor­zügliches Material befand. Als Preisrichter wirkten Kreiszuchtwart Philipp (Steinberg) und Sattlermeister Scheid (Großen-Buseck) und zwei Ausschußmitglieder des Kreisziegenzucht­vereins. Die im Anschluß an dir Vorführung der Tiere vorgenommene Prämiierung hatte fol­gendes Ergebnis: Beste Gesamtleistung: Ludwig Kramer. Drei/- und mehrjährige Ziegen: Hch. Vogelhofer und Ludwig Kramer 1, Preis, Hch. Hildebrand und Ludwig Kramer 2. Preis. August Weller und Ludwig Kramer 3. Preis. Ecst- lings-Ziegen: Hch. 2iau und K. Hildebrand 1. Preis, Karl Weller V und Hch. Wellex XVI 2. Preis, Hch. Rau und Hch Weller XVI 3. Preis, Lämmer: Karl Weller V 1. Preis, H. Moos 2. Preis, H. Ran 3. Preis. Lobende Anerkennung: H. Weller XVI, Hch. Dogelhoser und Fr. Hildebrandt.

II ®aub ringen, 25. Sept. Gestern feierte der älteste Einwohner unseres Dorfes, Phil. Walther II. seinen 9 0. Geburtstag. Heer Walther ist körperlich und geistig noch äußerst rüstig. Die Kartoffelernte geht ihrem Ende entgegen. An beliebten Sorten wur­den hier angebaut:Odemoälder Blaue",In­dustrie",Hafsia" undPreußen". Der Ertrag läßt quantitativ zu wünschen übrig, dagegen kom­men die Knollen äußerst sauber und gef und in den Keller. Während in sonstigen Jahren das Kar- toffekausmachen eine schmierige Arbeit war, wurde sie heuer zu einer sehr staubigen.

* AIlendors a. d. L d a., 25. Sept. Heute mittag gegen halb eins Uhr nach das Flugzeug

(bei Hans Sachs einkarzern) ist heute kaum noch in Gebrauch, man sagt dafür einsverren, einlochen oder etwas scherzhaft einkerkern. Einen leisen An­strich von Scherz yat es vielleicht auch, wenn es im Nibelungenliede heißt: Ds biez er fi Hagen süeren an (inen nngemach, d. h. dahin, wo er es unbequem hatte, mit Anspielung an die gewöhnliche Wendung: einen an sin(en) Gemach suhren, dahin, wo er Ruhe und Wohlbehagen findet, also ins Gast­zimmer. Aus den Ritter- und Räuberromanen ist das Verlies, namentlich das Burgverlies gang und gäbe geworden, das wir uns als einen unter- irdischen Korker vorstellen voller Spinnengewebe und Gewürm aller Art. Das Wort ist erst in Der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus dem Niederdeut- chen eingeführt worden, wo damit ein Zustand oder )rt bezeichnet wird, da man sich verliert oder un- ichtbar wird, insbesondere in Bremen ein tiefer Keller, der als Gefängnis diente. Anderwärts wur- den Bürger, die gegen Zucht und Gehorsam ver­stoßen hatten, in einen Torturm verwiesen, um wieder zu Gehorsam und Zucht zu kommen, diese Oertlichkeit wurde Gehorsam (Bürgergehorsam) genannt; Andreas Gryphius (2,336) hat die Wen­dung: in den Gehorsam gehen mit dem Sinn: ins Gefängnis, wo man Gehorsam lernt. Eine .bürger­liche Verhaftung" bedeutete aber nicht nur die Re­densart, aufs Tor gehen, sondern auch Ins Gras gehen, genauer ins Grasyaus (nach Döpler, 1693; Schauplatz der Leibesstrafen; 637), wohl eine Heu- scheune. Ursprünglich niederdeutsch ist das Kitt- chen der Diebessprache, das allgemeine Verbrei­tung in Mitteldeutschland gewann; es ist eigentlich eine Kitze enges Gemach, wie die bayerisch- österreichische Keich e (Keuche bei Pichler 14, 221), ein Ort, der einem den Atem benimmt, das Atmen erschwert; eng ist's gewiß auch in der nordböhmi- schen Finke (vgl. Finkenbauer ---- Käsig, Kesäng- nis). Geradezu eingeklemmt war ehemals, wer in den Stock (ins Stockhaus) gelegt oder in den Stock gesteckt wurde wenn noch heute jemand eingesteckt wird, so ist das ein sprachlicher Nachhall aus der §eit, wo man den Fuß eines Dorurtettten in einen

tock oder Block legte; da dieses Wort weiterbin das Gefängnis bezeichnete, hieß ein Aufseher über ein solches Stockmeister (Lukas 12,58). Heute muß ein Gesetzesübertretersitzen" oder zur Sühnung leich­terer Vergehenbrummen"; letzteres tun besonders Soldaten im Kasten oder auf der Lade ober Penne.