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Hvuses und bat gesamte Volk zu lösen sich bestreben wird.

DaS Gebot der Stunde ist, mit dem klaren Ziel der Wieberaufrichtung der deutschen Wirtschaft und deS deutschen Volkes nach innen und nach außen praktische Maß­nahmen in jachlicher Arbeit zu ergreifen.

Lassen Sie uns an die gemeinsame Arbeit im Dienste deS Vaterlandes gehen, um die großen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage zu über­winden. Je entschlossener und tatkräftiger alle Teile des Volkes diese Arbeit unterstützen, desto eher wird Deutschland wieder die Stellung in dec Welt erreichen, die der Größe und Tüchtigkeit seines Volke- gebührt!

Die K c» m in »nist e n unterbrechen die Kanzlerrede wiederholt mit lauten Zurufen, be­sonders bei den Erklärungen über die christliche Grundlage unserer Kultur und über die geplante Wahlreform. sowie über die Fürstenabsindung. Als der Kanzler von der Fürstenabfindung sprach, riefen die V ö l k i s ch c n: ..Wo bleiben die Juden?" Abg. Höl lein «Komm.) ruft laut: ..Wie steht cs mit den Mietscrhöhunaen?" Gr wird vom Präsidenten zum zweiten Male zur Ordnung gerufen. Abg. Rädel (Komm.), der laute Zurufe macht, erhält gleichseitig einen Ordnungsruf. Die Erwähnung der Preis' sentungsaltion wird von den Kommunisten mit lautem Gelächter begleitet. Am Schlüsse d t Rede kommen Bravorufe aus der Mitte, die Kmunu- nisten und Völkischen zischen. Präsident Locbe schlägt vor. die Aus spache über die Re? rungserllärung am Mittwoch 1 ilbr zu beginn« ; Ab?,. Schultz- Dromberg (Dn.) beantragt, mit der Aussprache den deutschnationalen Antrag zu verbinden, der den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von bestimmten Bedin- gungen abhängig machen will. Diese Aendrrung der Tagesordnung wird unter großer Heiterkeit mit den Stimmen der Mehrheit gegen die in der Regierung vertretenen Parteien beschlossen.

Abg. v. Graefe tVblk. i wünscht ben f o- fortigen Beginn der Aussprache. Bei der gänzlichen Inhaltslosigkeit und Progrannnlolig- leit der Kanzlerrede wäre die Aussprache sehr schnell zu erledigen.

Gegen die Stimmen der Völlrschen wird der Vorschlag des Präsidenten angenommen.

Parteien und Regierungserklärung.

Berlin, 2b. Ian. t WTB.) Wie das Aach- richtenbur'eou des 'Vereins deutscher Zeitungs- verleget' mitteilt, traten im Laufe drs Rachmit- tags die Führer der Regierungsparteien zu einer Besprechung zusammen und verständigten sich über die Formulierung der geme i ns am e n Erklä­rung, die diese vier Parteien am Mittwoch durch den Abg. Febrenbach (3.) abgeben werden. DaS Zentrum und die Bäuerische Volks- paxtci hielten nach dieser Besprechung nochmals Fraktionssihungen ab. In der Sitzung de- Zen­trums wurde die Formulierung der Erklärung ausdrücklich gebilligt, auch in der Sitzung der Bayerischen Doli-partei wurde sie ohne Widerspruch zur Kenntnis genommen. Die Deutsche Dolkspartei und die Demo­kratische Partei hielten keine Sitzungen ab. Heber die Formulierung eines Billigung- votum« für die Regierung verlautet noch nichts.

Die Deutsch nationale Reichstags- f r a k t i o n verhandelte in ihrer sich über fünf Stunden hinziehenden Sitzung über die Lage, die 1 durch die Regterung-erkläruna entstanden ist. Die - Fraktion beschloß, morgen im Reichstag ein M- 1 t rauensvotum gegen die Reichregierung ein- , zubringen

Die Sozialdemokraten hoben noch keinen Beschluß darüber gefaßt, wie sie sich zu den gegen die Reichsregierung eingebrachten Miß­trauensvoten stellen werden. Die ..Bossische Ztg." glaubt, daß bei der Abstimmung über die Dolen zumindest mit einer Stimmenthaltung der sozialdemokratischen RcichstagSfraktion rähncn könne. Auch das ^Berliner Tageblatt" erklärt, daß die Sozialdemokraten im gegenwärtigen Au­genblick an einem Sturz der Regierung kein Interesse hätten. Wenn alle Mißtrauens- an träge die Unterstützung der Stimmen aller Oppositionsparteien finden würden, so könne die Regierungskoalition mit Hilfe der W i r t - schastspartei noch immer eine geringe Mehr­heit erzielen.

ZurBehebung der Wirtschaftsnot

Berlin, 26. Ian. <TU.) Wie die DHD. erfährt, finden zur Zeit zwischen den betei­ligten Ressorts der Reichsministerien Beratun-- gen über die Frage der Schaffung von Absatz^ und damit Arbeitsmöglich­leiten statt. Das Problem der Kredit­versicherung wird anfangs Februar mit den beteiligten Verbanden wieder erörtert wer- den. Um eine Belebung des inneren Markte« herbeizuführen. wird auf Anregung des neuen ReichswirtschastSministerS erwogen. Aufträge, die im Etatsjahr 1926 notwendig werden, teilweise schon jetzt zur Ausschreibung zu bringen. Es handelt sich dabei vor allem darum, gewisse Teile des Bauprogramm- der Reichs­bahn zur Ausführungzu bringen, also um Be­stellungen für die Waggon-, Brückenbau- sowie für die übrige Eisenindustrie. Der häufig erör­terte Gedanke, daß es praktischer und nutz­bringender sei. der Arbeitslosigkeit durch Zu­weisung von produltiven Aufträgen an die In­dustrie zu steuern. alS sie durch die sogenannten Aoistandsarbeiten zu lindern, scheint nunmehr auch Eingang in Regierungstrcisen gefunden zu haben.

Die Fürstenabfindung vor dem Rechtsausschufi.

TA. Berlin. 2'5. Ian. Im Rcchtsaus- schu dcS Reich5tige. lig der Beratung über ein Sperrgesetz au> er einem wmmunistischen An­trag ein von dem Zentrum, der Deutsch'N D)lks- Partei, den Demokraten und der wirtschaftlichen Vereinigung vorgelegten Entwur zugrunde, in dem folgende Fassu"g vargeseh'n ifl:

..Alle Rechisstl üligkciten. die zwischen den Länd.rn und den ehemal; regierende.'. Fürsten­häuser' vor k:;i deutsch.'.t Gerichten über die Ausein. nberschung unh alle damit zusammen­hängenden Fragen anhängig lind, sind aus Antrag einer Partei bis zum Inki^f!- treten einer teil i.seylich'n Regelung iGesetz oder Dolksenischsthi a uSzuse tzen "

ferner teurb: beantragt, dieses Sperrgesctz b«s 7,um 30. 6. 1923 »v befristen^ip Aussprache über diesen Entwurf wurde aus Donnerstag vertagt.

Baldwin zur Wellwirtschaftslage.

(England braucht wohlhabende Nachbar».

London, 26. Ian. (WIBI In einer Rede in Vonbon sagte Preinierininister Baldwin: Der poli­tische und finanzielle ftrebit Großbritanniens im Auslande sei auf einen höheren Stand gestiegen als jemals seit dem Kriege. Die europäische Lage habe sich bemerkenswert gebessert. Der Dawesplan habe den Anfangserfolg erzielt. Dies sei non der größten Wichtigkeit, denn es bedeute für Deutsch­land die endgültige Erreichung des Gleichgewichts des Budgets und die Stabilisierung seiner Währung. Gegenwärtig sehe sich das deutsche Geschäftsleben durch die nicht unnatürliche K r e d i t k n a p p h e i t gehemmt. Deutschland stehe nun seinem eigenen A r b e i t s l o s e n p r o b l e m gegenüber. Wir alle hoffen, fuhr Baldwin fort, daß dies oorübergehen wird, denn mir sehen ein, daß wir, falls der curo- päi« ne Nandel fortschreiten soll, keine armen, son­dern wohlhabende Nachbarn brauchen.

Die Verhältnisse in Frankreich ständen beute hierzu in scharfem Gegensatz. Ein beträcht­liches Fallen der französischen Währung sei ein­getreten. und dies gebe der frattzösischen Industrie einen neuen, er glaube jedoch nur zeitweili­gen Vorteil tnt geschäftlichen Konkurrenz­kampf. Für Italien sei das letzte Jahr ein Jahr ständigen Fortschritts und dauernder Tätig­keit gcirefen. Die ganze Welt habe erleichtert, aufgeseufzt, alS der Vertrag von Locarno in London unterzeichnet worden fei, weil es das erste Mal gewesen sei, daß Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und England als Gleich­berechtigte zusammen tekommen seien. Er wisse jedoch nur zu wüst, daß dieser G.'ist auch fernerhin dauernd vorherrschen müsse, was noch viel schwieriger sei.

Die Pariser Zusammenkunft.

Die B settttttsisfracfc.

London, 26. Jan. (Nrtifcr.) 3n den Bespre­chungen, die Lhamberlain in den nächsten zwei Tagen mit Brianb haben wird, werden voraussicht­lich folgende Fragen zur (Erörterung kommen: Die üntwafsnung Deutschlandv, die Zulassung Deutsch­lands zum Völkerbund, die Besetzung des Rhein­landes und das Dalum de» Zusammentritts der vorbereitenden konferen; für die Entwaffnung.

Die Pariser Presse bstchästig; ich anläßlich der Begegn ung erneut mit der Besatzung-- frage im Rheinland. Allgemein ist man der Auf­fassung. bat; diele Frage den ersten Platz in den Erörterungen der beiden Außenminister ein neh­men wird. DerTemps-Artikel vonr Dienstag­abend enthält eine besonders schroffe Ableh­nung des deutschen Standpunktes. Die Forderung nach Venninderutrg der Stärke der Besatzung auf den Stand der deutschen Vorkriegsgarnisonen sei, wegen her absoluten Verschiedenheit der Situatio. neu vollkommen irreführend. Das Gros der deutschen Truppen im Westen sei im Frieden! nicht im Rheinland, sondern in Elsaß-Lothringen zusammengezogen gewesen Anderseits fei Deutschland auf seinem Boden und nicht in die Lage versetzt gewesen, durch eine Okkupation die Aufrechterhaltung vertraglicher Ga- rantien zu sichern. Don einer Herabsetzung der BesatzungStruppn, sagt derTemps", könne um so weniger die Rede sein, als nach Mit­teilungen der Berliner Kontr'ollkommifsion in der Erfüllung der Abrüstungsklauseln be­dauerliche und schwerwiegende Lücken beständen. Das Widerstreben Deutschlands gegen eine loyale Ausführung der Vertragsbestimmungen gebe Anlaß zu ve rft ä r f t e m Mißtrauen. Die Reichsregierung berufe sich jeden Augenblick auf den Geist von Öocarno, um von Frankreich neue Konzessionen zu erpressen, ohne daß eS ihr je eingefallen sei. das ihrige zur beschleu­nigten Durchführung der Verträge beizutragen. Die Politil von Locarno, die eine Politik der internationalen Entspannung und Wiederannähe­rung der Rationen auf der Basis der bestehenden Verträge sei, dürfe auf keinen Fall als Anlaß au einer Auflehnung gegen d i e b e - st ebenden Verträge gelten. Sie dürfe auch für die Alliierten keineswegs eine Ver­zicht lei st ung sein. Darüber müsse man sich in Berlin klar fein.

Die Räumung der Kölner gone.

st o b l e n ;, 26. Jan. (Q)IB.) Entgegen anders lautenden Meldungen leist das K e I d> »t o tn in i f- fariat in Koblenz mit, daß die Räumung der soge­nannten Kölner Zone sich keinesfalls bis zum März und auch nicyl bis zum 20. Februar hin ziehen wird. Rach Mitteilung von zuständiger Stelle ist nicht nur die militärische Räumung, son­dern auch die rechtliche Freigabe der Kölner Zone voraussichtstch s ch o n i n den ersten $ ebruartagen zu erwarten. Der genaue Zeit­punkt wird von der Votschafterkonferen z baldigst festgelegt werden.

Pressefreiheit in Südtirol!.

Wien, 26. Jan. DieMeraner Zeitung" wird am 15. Februar n ch 58jährigcm Bestehen i h r E r s ch e i n e n e i n ft c 1 (e n. Au ihre Stelle tritt ein in deutscher Sprache gedrucktes Blatt, die ,.A lp e n - Zel t u n g", das die Räume der Druckerei derMeraner Zeitung" übernimmt. Der Besitzer der Druckerei wurde zur Ueber-- lassung seines Betriebes gezwungen. Im In­teresse feiner 50 Angestellten übernahm er den Druck derAlpenzeltung' vvrlöustg auf ein Jahr. Der leitende Direktor derAlpenzeitung". die von der Regierung f u b h c n 11 o n i er t werben wird, ist Reri Lion ar dl. Das Alpen­ländisch: Syndikat der Berichterstatter richtet an die in und ausländisch 'N KorrespJubenlen die Aufford^runa. die Berichterstattung an die..Al­penzeitung" zu unterlassen.

Südtirol uno

die deutsche Missenschast.

R o m , 26. Jan. lWTB.) Der Präsident des 0 rcfiitiutotnifoco des Internationalen Kongresses für moralische C rjcßuiig, Proscsior O r e st a n o, beflogt sich in einem in höflichem Tone gehaltenen offenen Briefe s" darüber, das, die deutschen Unluerfüätöprofefforen (Surfen und Kersrf) en - ff c I n c rjn Anbetracht der Vorfälle in Südiirol sich an den Sitzungen ucs Kongresses, der im April in inom ftdttffnbcn soll, nicht beteiligen werden.

Professor Orestano weist u. a. daraufhin, baß, als die Franzosen und Belgier darauf bestanden, daß die Deutschen von diesem Kongreß ausgeschlos­sen blieben, gerade die Italiener für ihre Zu­lassung eingctretcn seien.

Die Finanzdebatte in Frankreich.

Paris, 26. 3an. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Rachmittagsfitzung in der Kammer wid­mete Kammerpräsident Herriot dem verstorbenen Kardinal-Erzbischof Mercier einen Rachruf, dem sich namenä der französischen Regierung Mi­nisterpräsident D r i a n d anschloß. Bevor in die Generaldebatte über das Finanzgesetz eingetreten werden konnte, stellten die Kommunisten den Antrag. die Kammer möge die Prüfung des Finanzgesetzes au Hebt eben, bis über die Schaffung einer beweglichen Gehalts- skala für alle Fe st besoldeten und alle diejenigen, die Pensionen unc Renten beziehen also auch für Kriegswitwen und Kriegswaisen, eine Entscheidung getroffen worden sei. Minister­präsident Br i and erklärte, das Land wünsche, baß bald Klarheit über die Finanzlage ge­schaffen werde. Cs fordere deshalb praktische und positive Arbeit. Die Sanierung der Finanzen werde eine Besserung der Wirtschaft herbeiführen, von der auch die Festbefoldeten Ruhen ziehen konnten. Der Antrag wurde mit 445 gegen 36 Stimmen abgeleknt.

Hierauf begann die Generaldiskussion über die Finanzgesehe. Als erster Redner erklärt der auf der äußersten Rechten stehende Ab­geordnete Lecour-Grandmaison, eine einfache Erhöhung der Steuern könne bas Hebel nicht beseitigen. Außerdem dürfe man nicht daran denken, daß der Franc stabilisiert werden könne, ehe die-Finanzsanierung durchgeführt sei. Der Abgeordnete tritt für die Abtretung des T a b a t m o n o p o l s ein, daS dem Staate 4 bis 5 Milliarden Golbfranken bringe. Außer­dem fordert er Sparsamkeit und die Prü­fung der Frage, ob als Rechnungswährung nicht d.r Goldsranke,i einzuführen sei. Man müsse fick aber davor hüten,' dem Lande unnötige Lasten aufotk rlcgen. Der radikale Abgeordnete D u M c v- n i l Vorsitzender deS Steueraus- schusfrfS. dessen Gesetzentwurf vom Finanzaus» schuß zur Ann illn . empfohlen wird, erklärt, der Finarzaus' nntz ßnhc den Regierungsent- wurs zurückgewiesen und an seine Stelle einen anderen Entwurf gesetzt, der fich zum Teil der­selben G.undsätze behWas man von den Re­gierungsparteien nk't fordern dürfe, sei die Um­satz st e u e r. Der Budgelawkgleich müsse durch beständige Maßnahmen, die Sanierung der Fi­nanzen aber durch außerordentliche und vor­übergehende Maß''shmen Vorbei,c'üftrt we.-en. Besteuerung der Zr.p'un^ca unh Umsatzsteuer seien das Gleiche. Kein- von beiden könne angenommen werden, da dadurch die Lebens­haltung verteuert würde. Die Umsatzsteuer werde von den Konsumenten zwei' odc>' dreimal - bei einzelnen Artikeln sogar zehnmal - be­zahlt, da jeder Zwischenhändler neue Ausschläge kalkuliere. Ministerpräsident Briand weist darauf hin, man dürfe nicht erwarten, baß die Steuerzahler die Regierung beglückwünschen wenn sie neue Steuern ausschreibt, zumal bi-* Steuerzahler doch auch Wähler seien.

Die Kammer vertagt dann die General­diskussion auf Mittwoch.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. L^olfnnngsbntt ilttdHochwasserschüd: n.

Darm ft a d l, 2d. I n. Der Finanzausschuß des Hess. Landtags, der bereits am 14. Januar mit den Beratungen de5 Staatshaushalts be­gonnen hatte, mußte diese wegen der Tagung des Plenums unterbrechen: er bat heute wie­der mit seinen Arbeiten begonnen. Zunächst standen auf der Tagesordnung die Anträge über den Wohnungsbau, weil am nächsten Dienstag bei Landtag in einer Vollversammlung darüber entscheiden iollte. Die Regierung gab zu der Angelegenheit eine Erklärung ab. daß sie erst eine Entschließung fassen fönntc, wenn das Schicksal des Antrages Muller'-Franten im Reichstage betannt sei, der b kenntlich den Termin des Inkrafttretens der F r i e d e n s m i e t c um ein Jahr verschieben will. Ehe nicht Klarheit hierüber herrschen könne, werde in Hessen lein Schnitt Mr Finanzierung des Wohnnngsa. esens getan werden. Der Ausschuß schloß sich dieser Frage an und vertagte die An­gelegenheit bis die Regierung in der Lage sei, zu der Frage Stellung zu nehmen. Damit ent­fällt auch der Plan, Den Landtag zum nächsten Dienstag einzuberufen, um ihn über die An­träge zum Wohnungsbau beraten zu lassen.

Die Abgeordneten L it r und Widmann erstatteten sodann T ißt über die Anträge zur Unter ft ü ßung Der durch Hochwasser Geschädigten. Die Regierung gab ihre Stellungnahme zu diesen Anträgen dahin bekannt, daß ihre Entscheidung von einer Reihe von Erhebungen abhängig gemacht werden müßte; diese Erhebungen wären zum Teil sehr schwierig, doch könne jetzt schon gesagt werden, baß nur an Die Geschädigten eine Beihilfe gezahlt werden könnte, deren Existenz gefährdet sei. Da die Anträge außerdem noch.eine Reihe von Wünsck> ?:i wegen Flußregulierungen usw. enthalten, so wird die Regierung auch diese Wünsche prüfen und Dann eine Vorlage an Den Landtag gelangen lassen. Der Ausschuß einigte sich aus einen Antrag, die Regierung zu er-« suchen, über ii Entschädigungen der durch Hoch­wasser Geschädigten, soweit der Staat dazu in Der Lage ist, eine Vorlage zu machen und auch die in den Anträgen über die Regulierungen ge­stellten Forderungen zu berücksichtigen. Die An­träge selbst wurden der Regierung als Material überwiesen. Der Antrag der Freien Rheinhessi­schen Bauernschaft wurde durch die Regierungs­antwort für erledigt erklärt. Wenn als) die Regierungsvorlage ferttggeflellt ist, wird der Ausschuß endgültig zu der Angelegenheit Stel­lung nehmen.

Der Ausschuß nahm hierauf die Bm-alangen des S l a a t s v o r a ii > ck> l a g s für 1926 wie­der auf, und zwar bei Kapitel 1 (Forstwesen). Raa.) den bisherigen Verhandlungen soll, wie verlaute!, die Absicht, mehrere Forst äm ter ein geß en zu lassen, wahrscheinlich die Zu­stimmung des Ausschusses flnbai. Der Aus schuß tritt in dieser Woch: am Donnerstag und am Freitag zusammen: für die am Mittwoch aus­

fallende Sitzung wird voraussichtlich am Samstag eine Tagung stattfinden.

Kleine politische Nachrichten.

Vom 1. bis 15. Januar ist die Zahl der chaupt- iinterftüßungsempfänger in der Erwerbslosen- f ü r f o r fl e von 1 497 516 auf 1 762 305 g e st i e gen. Die Steigerung beträgt 17,7 v. ch. Die Stei­gerung der Zahl der unterftüßten Erwerbslosen in der 2. chälftc Dezember betrug rund 435 000 oder 40 Prozent.

Am Dienstagabend fand beim Reichspräsi­denten zu Ehren des diplomatischen Korps ein Abendessen statt, an dem u. a. die hier an­wesenden fremden Missions-Ehefs, der Reichs­kanzler, der Reichsaußenminister und der Reichs­tagspräsident mit ihren Damen teilnahmen.

Der Berichterstatter desPetit Parisien" will aus fixerer Quelle erfahren haben,""daß- Kardi­nal-Staatssekretär Gasparri durch den demnächst von seinem Pariser Posten zurückkehren- den Pronuntius Kardinal Ceretti ersetzt wer­den soll.

Kunst und Wisienschaft.

Kunstnochrichten aus Hessen.

Der seit bent Jahre 1908 an der Hessischen Baugewerkschule in Offenbach wirkende Archi­tekt und Studienrat Dominikus Böhm erhielt einen Ruf als Leiter der Abteilung für kirchliche Kunst der Kunstgewerbeschule in Köln. Die Darmstädter Gruppe hat beschlossen, aus dem hessischen Künstlerkartell auszutreten. - Der Oberregisseur der Oper des Hess. Landes­theaters, Charles Moor, wurde an die Große Oper der Stadt Chicago für die Winter­spielzeit 1926/27 verpflichtet. Gras Hermann Keyserling kündigt für Anfang Februar das Erscheinen eines neuen größeren Werkes an, das unter dem TitelDie neuentftebenbe Mel t" mit den Symptomen des Unterganges zugleich hie deS schon begonnenen Reuaufstiegs und damit den Weg zur Zukunftskultur zeigen soll.

Theaterskandal in Frankfurt.

In der am Sonntagabend erfolgten Ausführung des breiattigen LustspielsDer fröhliche Weinberg" von Karl Zuckmayr ist es im Frankfurter Schauspielhause zu lebhaften Skandal­szenen gekommen. Schon während des ersten Aktes demonstrierten verschiedene Zuschauer auf den Ga­lerieplätzen. Zuerst hustete .ßerr A., dann zischte Herr B., weil er sich angeblich burd) bas Husten belästigt suhlte, auf bas Zischen folgte mieber ein halbes Dutzend Huster. Während des ganzen Aktes wechfelten sich jo Zischen und Husten ab. Beim Aktschluß folgte rausche über Applaus, in den sich wieder Husten und Zischen, übertönt von Sirenen- pfeifen, mischten. Es ertönten Pfuirufe. Das er- regte Publikum rief nach der Polizei, um die De­monstranten entfernen zu kaffen. Der im Hause an- wescnbi? Pc'lizeiosfizier verwarnte bie Leute auf der Galerie. Die Demonftranten, bie schließlich ge­schlossen bie Galerie verließen, erschienen jedoch zum Schluß der Vorstellung nochmals, um sich müder in der oben gsfchilbe! Welse hcrvorzutun.

Aus der prost.üzmlhauptstadt.

G .eße n, bett 27. Januar 1926. .

Kriegsgrüberfchmuck zum VolksLrauertag.

Diele Angehörige, die ein Kriegergrab im Auslände haben, werden cs begrüßen, daß der Dolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch zum kommenden V o l k s t r a u e r t a g la m 2 8. Februar) die Gelegenheit gibt, die fernen Ruhestätten der deutschen Gefallenen zu schmücken. Im Januarheft der ZeitschriftKriegsgräber- fürforge" ist eine große Anzahl Ramen deutscher Kriegersriedböfe Veröffetttlichl. auf denen die Schmückung ohne weiteres möglich ist.

Die über das ganze Reich verbreiteten Orts­gruppen und Verbände des Vdlksbunde« geben gern Auskunst über die in Frage kommenden Friedböfe und vermitteln Bestellungen von Kränzen und sonstigem Blumenschmuck Hierbei ist der volle Raine des Gesallencn, die genaue Bezeichnung deS Friedhofes und die Rennung der Grabnummer erforderlich. Die Bestellungen müssen bis s p ä t e st e ne S am 30. Januar beim Volksbund vorliegen. Die genaue Einhal­tung dieses Termins ist im eigenen Interesse der Angehörigen unbedingt erforderlich.

In Frankreich beträgt der Mindestpreis für einen Kranz 10 Mark. Dort find meist nur Kunstkränze zu beschaffen, da in Frankreich Raturkränze fast unbekannt sind. In Belgien kostet ein Kranz durchschnittlich 6 Mark. Die Preise für Kranzspenden in den anderen Ländern sind verschieben. Gs würde zu weit führen, alle Ginzelfälle hier aufzuführen. Der Volksbund ist gern bereit, hierüber nähere Auskunft zu geben. Die Ausschmückung der Sammelgräber, deren es so viele in Frankreich unb den anderen Ländern gibt, wird der DolkSbund am Volkstrauertag au- eigenen Mitteln vornehmen.

Zum Allerscelentag und zunr Totensonntag hat der Dolksbund vielfach Aufträge für Kranz­niederlegungen auf Friedhöfen in Frankreich er­halten, die heute gar nicht mehr bestehen. Diele wissen noch nicht, daß die französische Regierung 2500 Friedhöfe auflöste und auf große Zentral- sriedhöfe zusammen legte Wer von den Ange­hörigen die neue Lage deS Grabes eines Ge- fallcnen noch nicht kennt, tut gut, sich dieserhalv umgehend mit dem Volksbund in Verbindung zu setzen. Erst nach genauer Feststellung des Trabes kann die Schmückung veranlaßt werden.

In solchen Fällen wird ein Grabschmuck zum Volkstrauertag nicht mehr möglich sein. Aber auch zu Ostern, Pfingsten und anderen Tagen vermittelt der Volksbund gern Blumen­grüße und Kranzspenden.

Widjcmev Marktpreise.

Es kostete auf dem gestrigen Wochenmarkt das Pfunde butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35 bis 40, Küss 60 bis 70, Wirsing 20 bis 40, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 25, rote Ruben 20, Spinat 50, Unter- toßlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30, Rosenkohl 70. Feldsalat 120, Endivien 120, Zwiebeln 20, Meer reit ich 30 bi» 100. Schwarzwurzeln 50 bis 70, Äarioffeln 4 bis 5. Aepfel 15 bis 18, Birnen 30, Russe 70, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120;