Einzelbild herunterladen

401B

sbalb

3Q6D llt

übrer- III b,

Mg J Beb

Der. M. : Den )ende

schönes

M

'eroidji

[01498 trieb, n.

uche

rbeit; aschen. Selchst.

104504

overaller

'kel

erjirj eine erst' Jab« H ziottwei. ünd em ge- Fahrrad.

-her Um

IoWCl -asts- iUS

' Uch h

v. ÄmT~ Mm wagen HSS> «hi

Heuernte

einer Wiese Hintern Schlachthos zu oer- tftuftn. 04492 Wcittllr. 27 p. r.

oicn, ,n Mo*. $anbi4fielt Qr eine? |9*» lomie ter öäNeHei- VKL

-ZA 1927, vIel pausen- ff804459

Beitraaell. ÄJJ ?büä>er°.

'übenimfflt swSjs SS*en'

»ff» ®S?? SZK

ullöKteiliguns er^"^28.E M-Ahr vünl'l-- S§Z

G^hmau

Gießen

'«CalbSl ! lasier Eichel X'owanlen.l ? »oljsebrvrel-. f I inert abzugeb. :Dr.gofnnnnA B. t

Anerbach 8m t

5377» X

krslltngs'

ge

rei hoch'

ht-

ineu

»rflojiejT:

ttu»1 der r 40000 ^«nraüL ^adcll u"° WeU"?

ünL O45O5 ÄJ^ brauet" Wgen 'S SS

SM-O SIMM« lca. 1700 qml zu ver­lausen. Näheres vergstraneU prima alte Speise- Mivsirln s Macke hnduinie, in li gröberen ob. lieine- ren Posten zu ver­faulen. ,0 > k-rdlallterwea U f Kaufgesuche]

Suche^

en unb chlennt- icht sich n. Lchr. ir 01440 Inz. erb

ule

Wsl gleich welcher Bran- Mm (70 Morgen u.mevn Schr. Angebo e an llohann Vierte J Wcilmiillster

., jimivmilLIi 21Vorknegse

anleihen »«Äfi vinren U' V quv LWZL ß/erschjedenesj

Sttti geschnittenes biili iAnmachhoizs billig abzugeben. "»D H. Weimer, Hoch , Ties- nab mienbetonbau.

Wetzlarer Weg 37.

S" igebvte an ben erbeten.

ite

ÄlkiT""" lavier

ASr

11* - *£

*.nibbel;

KS

Nr. UZ Zweites Blatt

Außenpolitische Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoch sch, M. d. R.

Aach der vorläufigen Erledigung der Völker- bundSfrage macht die groß« Politik im Augenblick eine Pause. Fast alle Staaten haben auch mit inneren Angelegenheiten alle Hände voll zu tun. 3n Deutschland kämpft man um Fürsten­abfindung und Zollsrage. In England ist der Dergarbeiterstreik noch nicht beigelegt, und da­neben geht die sowohl persönliche wie aber auch sachliche Auseinandcr'ehung zwischen Asquith und Lloyd George, die den englischen Liberalismus mit der Spaltung bedroht, einher. In Ita­lien sieht man von außen kein Zeichen der Krise, aber die Situation der Währung und dcS Ausfuhrhandels sind Symptome dafür, daß eben auch dort die allgemeine Lage nicht ohne Sorg« ist. In Portugal war wieder ein Staats­streich. In Schweden hat sich nach dem Sturz des sozialistischen Kabinettes eine liberal-bürger- liche Regierung in den Sattel gesetzt, die recht schwach fundiert ist. In Belgien sieht man mit Angst der Verbundenheit des eigenen Fran­ken mit dem französischen Franken zu, und die Hauptfrage der äußeren Politik, die förmliche Beendigung der belgischen Neutralität, ist immer noch in der Schwebe, harrt auch noch der Rati- sikation-durch die holländische Kammer. In Po­len ist man im Zustand der halben Diktatur, Pilsudski, nunmehr Kriegsminister mit nahezu uneingeschränkter Vollmacht und vor allem im Besitz der Macht, verlangt vom Reichstag Voll­machten, die diesen so gut wie ganz lahmlegen sollen. Der Kampf ist oder scheint wenigstens noch nicht entschieden. Dabei ist bemerkenswert, wie dieser Staatsstreich von links begann denn mit Zustimmung der Sozialisten hat Pilsudski ihn vollführt , jetzt nach rechts herübergeht, also gegen die Linke und gegen die Sozialisten. In voller innerer Krise ist auch die Tschecho­slowakei. Dort hat der Kampf um die Agrar­zölle das Bürgertum aller nationalen Lager, der Tschechen, Slowaken, Ungarn und auch der Deutschen zusammengesührt, während zugleich die tschechische Demokratie in Angst vor einem tschechi­schen Faszismus ist. Das eben in Aussicht ste­hende große Sokolsest, das eine Riescndeinonstra- tion des tschechischen Chauvinismus werden soll, spielt sich auf einem recht schwankenden Boden ab, auf einem Hintergrund, auf dem das Proble­matische des tschecho-slowakischen Staates sich ge­rade jetzt wieder deutlich abgezeichnet hat.

Und zuletzt in Frankreich: Briand ge­stürzt, Briand wiederkommend, Poincarö gerufen, Caillaur gerufen, ein Ministerium Driand-Cail- laux fertig, es ist ein hoffnungsloses Hin und Her und Auf und Ab, bei dem zweierlei feststeht. Einmal: daß das radikal-syzialistische Kartell, das am 11. Mai 1924 zur Macht kam, diese Macht gründlich verwirtschaftet hat und heute alles Vertrauen eingebüßt hat, so daß die Linie immer mehr nach rechts zeigt, nach einer Zu­sammenfassung der bürgeruchen Parlaments­gruppen gegen die Linke. Sodann aber: der Frank ist im ganzen in unablässiger Bewegung nach unten, ist heute etwa auf ein Siebentel seines Goldwertes angekommen. Und Frankreich steht, was man am Vergleich des Dollarkurses etwa am leichtesten sehen kann, da, wo Deutsch­land Anfang 1920 stand. So wenig wir das da­mals als katastrophal empfanden, so wenig emp- sindct das Frankreich heute so, zumal es doch bei weitem nicht unter den Folgen von Rieder- lagc und Revolution zu leiden gehabt hat wie Deutschland. Aber wir wissen aus Erfahrung, und in Frankreich fürchtet man das gleiche, daß das Tenrpo der Abwärtsbewegung der Währung außerordentlich schnell zunimmt. Vor allem glaubt in Frankreich kaum jemand daran, daß die fort­während erörterte ..Reform" wirklich etwas nützen werde. Der Rentner und der Sparer sehen, daß der Frank sich entwertet, daß die Preise steigen und der Ausverkauf an die Fremden beginnt. Der Bauer, der in Frankreich außerordentlich viel bedeutet, fühlt die Erleichterung für seine Verpflichtungen in der Geldentwertung, die Groß­industrie hat den Vorteil von der Ausfuhrprämie, die jede Dgluta-Derschlechterung bedeutet, und die

Die Jagd nach Gold.

Don Dr. Paul K. Borchers.

Mitte Juni kam aus Johannesburg die die Londoner Citykreise aufs höchste beunruhigende Meldung, daß der Ertrag der Goldminen Süd­afrikas in ständigem Rückgang begriffen sei, und der Chefingenieur des südafrikanischen Bergbaus erklärte, daß die bisherigen Minen in zehn Jahren erschöpft sein werden, so daß man vor einer schweren Wirtschaftskrise steh«, falls es ver­säumt werde, neue Minen aufzuschließen.

Rachdem erst im Frühjahr v. I. in Ost­sibirien, und zwar im Flußnetz des Aldan, ein neues Goldland entdeckt wurde, dessen Vorrat (auf einem Flächenraum von 16 500 Quadrat- nlometern) auf 230 OOO Kilogramm geschäht wird, wurde kürzlich berichtet, daß auch in Panama ein ausgedehntes Goldfeld entdeckt worden sei. Sofort wurde eine Gesellschaft, diePanama Cooperation", gegründet, die mit einem Kapital von zwei Millionen Pfund die Erschließung in die Wege leiten will. An dem Syndikat sind, wie meistens, wenn es sich um lukrative Naturschätze handelt, englische Kapitalisten hervorragend be­teiligt. Der Golddistrikt, in dem auch große Silber- und Zinkfunde gemacht wurden, umfaßt etwa 5000 englische Quadratmeilen und die von der Panamarcgierung erteilten Konzessionen er­strecken sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren, der jedoch später auf Antrag verlängert wer­den kann.

Zu gleicher Zeit wie in Panama wurden auch in Kanada, in der Provinz Reu-Ontarw, und zwar an der Südwestecke der Hudson-Bay am Roten See Goldfelder auf gefunden, die be­reits viele Taufende von Goldmachern angelockt haben. Roch sind die Tragödien nicht ganz ver­gessen die sich vor etwa drei Jahrzehnten auf den Eisfeldern von Klondyke abgespielt haben, als auf die Nachricht von großen Goldfunden ein Strom von Abenteurern und Goldjägern nach dem gelobten Land von Klondyke aufbrach, von denen nur einzelne Gold und Reichtum, sehr viele aber auf ten unwirtlichen Eissteppen den Tod fanden. Das Goldland am Roten See in Kanada ist nicht viel freundlicher als Klondyke. Das äußerst rauhe Land die Nachttemperatur sinkt im Winter oft auf 20 Grad.unter Null ist fast menschenleer und nur vereinzelt verirrt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 26. Juni 1926

Großbanken, die in Frankreich einen so mächtigen Einfluß haben, denken nicht daran, irgendwie großzügig und opferbereit zur Rettung heranzu­gehen. Dann ist fein Wunder, daß die Lag« immer schlimmer wird

Das aber ist, wie immer wiederholt fei. durch­aus fein Vorteil für uns und für Europa. Wir haben keinen Vorteil davon, wenn in Polen eine wüste Wirtschaft einreißt und alles drüber und drunter geht, und wir haben keinen Vorteil davon, wenn die französische Währung mit der belgischen und italienischen zusammen bergab geht. Das hält ja auch außerordentlich die an sich schon schwierigen HandelsvertragSverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich auf. Hätte Frankreich eine feste Währung, so würde cs schon längst in mancher Beziehung verhandlungs­williger gewesen sein, als es bisher war. Anderer­seits hüll dieser jetzige Zustand auch die Einsicht fern, daß man das Dchuldenarrangcmcnt mit den Vereinigten Staaten annehmen muß, um heraus- und vorwärtszukonnnen. Man begreift es nicht, daß Männer wie Poincars oder Calllaux dieses Arrangement ablehnen wollen.

Wir erkennen in all diesen Krisen überall die Nachwirkungen des Krieges. Es ist über­trieben, ja unsinnig, zu sagen, der Krieg habe weder Sieger noch Besiegte ßinterlaffen. Die Landkarte des heutigen Europa beweist ja das Gegenteil. Nur soviel ist richtig, daß die Sieger bei weitem nicht in dem Maße die Vorteile von diesem Ausgang davongetragen haben, die sie erträumten. Wo sind die Hoffnungen hingekom- men. von denen vor bald drei Jahrzehnten in England die Rede war, daß. wenn die deutsche Flotte verschwunden sei und der deutsche Handel vernichtet, am anderen Tag jeder Engländer um so und soviel Pufnd reicher geworden wäre? Deutschlands Flotte unb Deutschlands Handel sind so vernichtet und die englische Staatsschuld ist riesengroß geworden. England lampst mti schwerer wirtschaftlicher Krise, die sich im Berg­arbeiterstreik eben dokumentiert. Wo sind die Seifenblasen hin. mit denen der französische Finanzminister sein Parlament betrog, daß der Deutsche alles bezahlen werde, mit denen er den unverantwortlichen Schwindel des doppelten Bud­gets rechtfertigte? Die Rcparationsfrage ist ge­ordnet, Frankreich erhält nach diesem Plan ja große Summen, wie es große Summen in den Jahren feit Kriegsschluß erhalten hat, und der Frank ist in der geschilderten Lage.

Das könnten wir beliebig fortspinnen, aber schon daraus ergibt sich ja die Lehre, daß die weltwirtschaftliche Gemeinsamkeit, auf die man vor dem Kriege so stolz war. eben auch nach dem Kriege noch da ist, und sich bemerkbar macht. Das heißt, daß sie allen europäischen Staaten -- wozu auch Rußland zu rechnen ist und Eng­land selbstverständlich gehört immer empfind­licher klar macht, wie Europa wirtschaftlich in sich verbunden ist, wie die Nöte des einen Teiles zugleich die Nöte des anderen Teiles sind. Seht sich in diesen gemeinsamen Nöten nicht eine gemeinsame europäische Ueberzeugung, ein gemeinsamer europäischer Wille durch, dann ist nicht zu sehen, wie Europa aus den jetzigen Schwierigkeiten herauskornmen soll. Dann aber müssen diese, weil sie sich ja automatisch und zwangsläufig verschärfen, zu gewaltsamen Ausbrüchen führen.

Man sieht überall in Europa zunehmend die Stimmung gegen das parlamentarische System, gegen die Parteiwirtschaft, gegen die daraus ent­springende Korruption, vor allem gegen das zur Herrschaft geführte mechanische Prinzip, daß die Mehrheit entscheide, daß Vernunft und Ver­stand deshalb auf der einen Seite sind, weil nach Adam Riese diese Seite ein Mehr für sich zählen kann als die andere. Die Reaktion da­gegen hat in verschiedenen Ländern schon zu einer Umgestaltung geführt, in Italien, Spanien, Griechenland, Polen usw. Ueberall zeigt sich dabei, daß es nicht übermäßig schwer war, die Macht in die Hand zu bekommen. Ueberall zeigte sich aber, daß es schon schwerer ist, die Der- sassungsform, die innere Staatsordnung zu finden und auszugestalten. Italien ist darin am weitesten, Spanien ist auf halbem Wege stehen geblieben, Polen kämpft noch darum. Ueberall

sich ein Pelzjäger dorthin, um mit den dort hausenden Indianern Tauschhandel zu treiben. Da die nächste Bahnstation lHudson) über 200 Kilometer vom Roten See entfernt liegt, so sind die Goldgräber, die sich zur Hudson-Bay wagen, auf Hundeschlitten angewiesen, mit denen sie über wegeloses Land dahinziehen, und häufig unter Gefahren gefrorene Seen und Flüsse überqueren müssen. Etwa 20 000 Menschen sollen jetzt am Roten See angesiedelt werden, wo bereits eine Barackenstadt im Entstehen begriffen ist und wo vielleicht schon in kurzer Zeit Hotels. Kinos und Tingeltangels aus dem Boden schießen werden, deren Unternehmer in den Goldländern stets mit Sicherheit Gold zu ernten pflegen.

Die Goldförderung auf der Erde hat im Lauf der letzten hundert Jahre gewaltige Dimensionen angenommen. Sie betrug im Jahr 1840 nur 18 000 Kilogramm, stieg dann nach der Entdeckung der kalifornischen Goldfelder auf 200 000 Kilo­gramm, und im Jahr 1915 (nach der Erschlie­ßung der südafrikanischen Minen) erreichte die Jahresausbeute sogar 700 000 Kilogramm, die einen Wert von zwei Milliarden Mark dar­stellten. An der Goldproduktion der Welt war bisher Südafrika mit 52 Prozent beteiligt. Cs ist daher wohl zu verstehen, daß die Nachricht von dem Versiegen der Goldadern von Johannes­burg in den Londoner Börsenkrei'en die größten Besorgnisse erweckt hat. Der Anteil Nord­amerikas an der Goldproduktion beträgt 20 Pro­zent. Dann folgen Australien und Asien mit je 6,5 Prozent, mit geringeren Anteilen Süd- und Mittelamerika, sowie Europa (dieses mit 0,2 Prozent), wobei noch erwähnt sei. daß im Jahr 1912 in Deutschland etwa 200 Kilogramm Gold gefördert wurden.

Der gesamte Goldvorrat, über den di« heutige Menschheit verfügt, wird auf etwa 30 Millionen Kilogramm (im Wert von 90 Milliarden Mark!) geschätzt, wobei aber zu beachten ist, daß davon nur ein Teil als gemünztes Gold im Umlauf ist oder wohlverwahrt in den Staatsbanken ruht, während der andere Teil des Goldes zu Kunst- und Schmuckgegenständen verarbeitet wurde und fortlaufend für medizinische und industrielle Zwecke verbraucht hat. Dor dem Krieg betrug der Bestand an gemünztem Gold in Europa über 20 Milliarden Mark, wovon auf England 3, auf Deutschland 4, auf Rußland 4,8 und auf Frankreich 5,3 Milliarden entfielen. Amerika,

sucht man in irgend einer Form die Vertretung des Volkswillens mit der Herrschaft des Dik­tators zu verbinden. Aber für unteren Zusam­menhang ift wichtiger, daß überall dem Willen des Diktators durch die Wirtschaft und ihre Gesetze bestimmte Grenzen gezogen sind, über die er von sich aus mit der stärksten Anspannung nicht htnwegkommt. Auch der erfolgreichste Mussc- lini. ist nicht in der Lage, der Währung zu gebieten, daß sie auf dem oder jenem Punkt stillstehe Keiner der Diktatoren vermag die Produktivität der Volkswirtschast so zu gestalten, daß eS allen Klassen gleich wohl gehe. Keiner von ihnen vermag von sich aus mit seinem Willen allein den wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Ausland so herzu- ftcllen. daß im Austausch von Ein- und Aus- fuhr. im Austausch der kapitalistischen Kräfte, der Schulden und Forderungen allmählich wieder Wohlstand. Ordnung und Zufriedenheit einkehre.

Allen macht tich die Notwendigkeit be­merkbar. von der. wie wir sagten, europäischen

Verbundenheit der Sieger und Besiegten. Das ist auch daS richtige Gefühl in mancherlei Bestre­bungen. etwa- wie eine europäische, eine gesamteuropäische oder paneuropäische Bewegung zu schassen. Das Gefühl ist richtig, die Stimmung berechtigt, der Wille dazu erst recht. Schwie- riger steht es mit dem Programm, von dem wir heute nicht sprechen wollen, noch schwieriger mit der realpolitischen Möglichkeit. Nur aus einS sei hingewiesen: so sehr sich die For­derung nach einer gesamteuropäischen Politik mit Recht auf die Wirtschaft stützt, ausreichend ist daS noch nicht. Man gehe nicht an harten Tatsachen vorbei, die sind, und aus denen man Folgerungen ziehen muß! Genauer gesagt: ohne geordnete und garantierte Möglichkeit der Re­vision unmöglicher Zriedensbestimmungen. ohne die Anerkennung des SelbstbestiminungS- rechtes der Nationalitäten und ohne den ge­sicherten Schuh der nationalen Minder­heiten wird auch die stärkste gesamteuropäische Bewegung schließlich in die Lust gehen!

Pslichtarbeit und Pflichtbildung der jugendlichen Erwerbslosen.

Als man im Februar 1924 in einer Verord­nung über Crwerbsloscnfürsorge den Gemeinden die Ausgabe stellte, die Zahlung der Untcr- stühungsgelder an die leider immer noch wach­sende Menge der jugendlichen Erwerbs­losen von der Beteiligung an gewissen Not­standsarbeiten und regelmäßigen Fortbildungs­kursen abhängig zu machen, tat man dies in der richtigen Erkenntnis, daß es für die Volksgemein­schaft von großer Wichtigkeit ist, die Jugendlichen vor der demoralisierenden Wjrkung der Untätig­keit zu bewahren. Die Erfahrung zeigte bald, daß diese Aufgabe in wirtschaftlicher, wie beson­ders in erzieherischer Hinsicht insofern nicht ge­ringe Schwierigkeiten bot, als cs vor allem darauf ankam, die Maßnahmen in so ansprechende For­men zu kleiden, daß bei ihnen jede Atmosphäre des Zwanges und des Druckes vermieden blieb, und. wenn vielleicht auch ganz allmählich. Frei­willigkeit und Freude an der Sache zum Haupt- element wurde. Dann nur auf diese Weise kann man wirkliche Erfolge erzielen und die jugend­lichen Erwerbslosen so tüchtig und brauchbar er­halten, daß sie jederzeit wieder in den normalen Wirtschaftsprozeß eingegliedert werden können.

Um sich ein klares Bild von der Notwendig­keit solcher Maßnahmen zu machen, ist es wichtig, sich eine ungefähre Uebersicht über den derzeitigen Umfang der Erwerbslosigkeit unter den Jugend­lichen au verschaffen. Nach einer amtlichen Sta­tistik von Ende März dieses Jahres zählte man an erwerbslosen Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren in Aachen 1000, in Koblenz 890, in Duisburg 1200. in Düsseldorf 1600, in Essen 3400. in Hamborn 1900, in Berlin gar 6000 und in Frankfurt a. M. 800. Dazu kam bei der österlichen Ausschulung ein Zuzug von durchschnittlich 20 bis 25 Proz., der in einzelnen Industriestädten, w'.c z. D. in C s s e n, sogar auf 3000 und in Frankfurt a. M. etwa auf 1200 stieg. Man sieht also, daß es sich um recht erhebliche Massennot stände handelt, in diePflichtarbeit" undPflichtbildung" einzu- führen, keine leichte organisatorische Arbeit ist.

In bezug auf dieP s l i ch t a r b e i t" hat vor allen die Stadlbehörde von Düsseldorf Vorbildliches geleistet. Schon in der Zeit des Ruhrkrieges zog die dortige Verwaltung etwa 1000 jugendliche Erwerbslose im Alter von 15 bis 17 Jahren zum Ausbau einer Schul­gartensiedlung zusammen und bildete Ar- veitsgruppen von je 30 bis 50 Mann, die unter Führung von arbeitslosen Lehrern, Studenten usw. täglich 8 Stunden mit Erd- und Garten­arbeiten beschäftigt wurden. Dank der verständ­nisvollen, opferbereiten Leitung wurde bald in die schon ziemlich verwilderte Schar Zucht und Ordnung hineingebracht und mindestens 80 Proz. der Teilnehmer zu ordentlichen, arbeitsamen Menschen erzogen. Zugleich entstaird eine blü­hende Siedlung von bleibendem Werte. Das

Beachtenswerte an dem Düsseldorfer Unterneh­men ist aber die Tatsache, daß sich die Kosten im Rahmen der üblichen Aufwendungen für Er­werbslose hielten. Eine zweite Siedlung, zu der eine noch größere Zahl von jugendlichen Erwerbslosen herangezogcn wurde, ist im Wer­den. Ebenso gute Erfolge machte die Stadl Nürnberg mit der Beschäftigung von Ju­gendlichen auf einem der Gemeinde gehörigen Gutshose; auch eine Reihe von anderen Kul­tivierungsarbeiten ergaben sehr befriedigende Er­gebnisse. Hamburg beschäftigt 500 erwerbs­lose Jugendliche in Gruppen von je 20 beim Herrichten von Spielplätzen und mit Wegebau, auch hat man hier besondere Werkstätten eingerichtet, in denen männliche Jugendliche mit praktischen Arbeiten beschäftigt werden. Duisburg zieht seine erwerbslosen Jugendlichen zu Gartenarbeiten und zur Betätigung bei der Friedhofverwaltung heran, Elberfeld zur Instandsetzung von Kleingärten und Stettin zu CIDege­bauten und Erdarbeiten. Dem Beispiel von Frankfurt a.M.. die hingen, erwerbs­losen Menschen zum sozialen Reifer- dienst zu verwenden, sind kürzlich mit ebenso gutem Erfolge die Stadtverwaltungen von Köln, Liegnih, Mansfeld und anderen Orten gefolgt.

Noch größere Umficht und sorgsamen organi­satorischen Takt verlangt die Durchführung der vom Gesetz für die jugendlichen Erwerbslosen ge­fordertenP s l ichtb i l d un g". Ist hier auch viel noch im ersten Werden, so haben sich bei den verschiedenen Gemeinden doch schon die mannig­faltigsten Formen gebildet. Einführung des B c - rufsschulunterrichts und feine Erweite­rung durch Zus ahun terricht schufen unter anderem Bielefeld, Frankfurt, Ham­burg und Köln. Fortbildungskurse für die verschiedensten freien und kaufmännischen Be­rufe, Koch- und Nähkurse wurden in Düssel - dorf, in Liegnih und Breslau eingerichtet, und Nürnberg und andere süddeutsche Städte organisierten gediegene Hauswirtschafts-, Koch- und Nähkurse. Allen voran aber schreitet in dieser Beziehung Leipzig dessen Arbeitsamt in Verbindung mit dem Volksbil­dungsamt einen umfassenden Lehrplan mit mehr als 80 Ausbildungskursen, sportliche Veranstaltungen, Musikabende, Lichtbildervorträge usw. für seine erwerbslosen Jugendlicyen aus­gestellt hat. Zum Grundsatz ist gemacht, - die Teilnehmer die Veranstaltungen in keiner Weise als Zwang ansehen und durch die große Auswahl die Freiwilligkeit des Besuches und dadurch die rege Teilnahme gewährleistet wird. Bei dem Empfang der Unterstützung müssen die Jugend­lichen nur durch eine bestimmte Anzahl von Stem­peln den Besuch einiger dieser Veranstaltungen in freier Wahl nachweisen, ohne daß auf eine

das vor dem Kriege sieben Milliarden an Gold besaß, verfügt heute über 20 Milliarden, hat also aus Europa den größten Teil des wert­vollen Metalls an sich gezogen.

Auf dem Ende Mai in Kiel abgehaltenen Chemikertag hat, wie hier noch kurz erwähnt sei, Professor Haber über feine Versuche, Gold aus Meerwasser zu gewinnen, berichtet. Auf Grund früherer Vermutungen, daß in einem Kubikmeter ( 1 Tonne) Meerwasser 5 bis 10 Milligramm Gold enthalten sein sollen, kam man dazu, daß der gesamte Goldgehalt unserer Ozeane 8 Milliar­den Tonnen (!) betragen müsse. Professor Haber hat vor einiger Zeit auf einem als Laboratorium besonders eingerichteten Schiff den Atlantischen Ozean nach allen Richtungen durchkreuzt und durch genaue Analysen von über 5000 Wasser­proben an den verschiedensten Stellen das Er­gebnis gewonnen, daß in einem Kubikmeter Meer­wasser nicht, wie man früher glaubte, mehrer« Milligramm, sondern tatsächlich nur wenige tau­sendstel oder hundertstel Milligramm Gold ent­halten sind, so daß eine Ausbeute der Ozeane nach Gold vollkommen zwecklos ist, womit aller­dings eine schöne Hoffnung zusammenbricht, die viele hegten. Es gibt Gold im Ozean, aber es lohnt nicht, es zu holen. Cs käme dem Versuch gleich, in einem Heuschober nach einer verlorenen Stecknadel zu suchen. So bleibt nur übrig, in der Erde nach Gold zu wühlen und die ge­legentliche Entdeckung neuer Goldfelder läßt uns die Hoffnung, daß die Erdrinde noch mancherlei geheime Schätze birgt, deren Hebung die ewig« und unstillbare Sehnsucht der Menschheit nach Gold befriedigen hilft.

Hessisches Landesthealer.

Noch wenige Tage vor Schluß der Spielzeit trat das Hessische La ndeStheater mit einer Neuaufführung vor die Oeffentlichkeit: es war mit einer Tragödie des Franzosen Paul Rayna l unter dem TitelD a s Grabmal des unbekannten Soldaten". Gewiß ist es für einen Seelenforscher eine fesselnde Auf- ?abe, das Seelenleben der Teilnehmer am Welt- riege, wie es sich im Schützengraben und im Heimaturlaub widerspiegelte, zu ergründen, unb für den Dramatiker eine dankbare Aufgabe, auf dem Grunde dieser Erkenntnisse eine Bühnen­handlung zu gestalten. Raynal hat in seiner

Tragödie einen Anlauf öüau genommen, aber weder sein seelisches Einfühlungsvermögen, noch seine dramatische Gestaltungskrast reichen dazu aus, das Problem auch nur einer einigermaßen befriedigenden Losung entgegenzuführen. Seine Schöpfung ist nicht politisch gefärbt, und der fran­zösische Standpunkt keineswegs herausgekehrt, vielmehr ist der Soldat als ein typischer Ver­treter seiner Gattung innerhalb des großen Welt­geschehens hingestellt. Pazifistisch« Gesichtspunkte treten wohl hie und da zutage, ohne jedoch allzu aufdringlich zu fein. Das wäre wohl alles, was sich zum Lobe der Dichtung sagen läßt. Obwohl deren Handlung sich auf wenige Stunden zusam­mendrängt, so vermochte sie doch nicht die Span­nung und tiefere Teilnahme für das Schicksal des Soldaten zu erwecken, der nach schwerem Frontdienst Urlaub in die Heimat erhalten hat, hier feine Hochzeit feiern will, doch durch ein Telegramm wieder zur Front zurückgerufen wird. Er will der Pflicht gehorchen. Die vier Stunden, die ihm vom Urlaub noch bleiben, verbringt er in Leidenschaft mit der Braut Sie gesteht ihm dann, daß sie ihn im Grunde ihres Herzens doch nicht liebt, jedenfalls nicht über die Zeit deS Krieges hinaus. Sein Seelenzustand wird noch mehr erschüttert durch die Erfahrung, die er mit seinem alternden Vater machen muß, der zu seiner Braut in Liebe entbrannt ist. Daß der Soldat nach diesen Wahrnehmungeic wieder nach der Front wlll, um den Tod zu suchen, ist zu verstehen, daß jedoch der Abschied in eine rühr­selige Versöhnungsszene ausllingt, diese Um­biegung des Tragischen, bleibt wenigstens für uns Deutsche ganz unverständlich. Die Ueber- feyualität der beiden letzten Akte stößt ab; aber auch die Seelenanalyse des ersten Aktes entbehrt der Tiefe und wirkt durch vieles Gerede um die Dinge herum schließlich ermüdend, wozu auch die nicht immer zureichende Sprechkunst der Dar­steller mit beitrug. Jacob Geis hatte für die Inszenierung die Tragödie stark, aber sehr ge­schickt bearbeitet und das Stimmungsmäßige mit Recht mehr betont, als die keineswegs glückliche Dramatik. Den Beifall sparte sich das Pub­likum bis zum Schluß für die Darsteller auf. Aus zahlreichen Aeußerunaen Ließ sich entnehmen, daß ter Zuhörerschaft Me Kriegsdramatil auch in dieser Form auf der Bühne nicht zusagt, weil ihr biefe Ereignisse seelisch noch zu nahe steyen.

E. D.