Für den Büchertisch
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dem Schmöker angepaßt.
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sicher viele Liebhaber finden.
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deutscher Erzählkunst.
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— Gustav Flaubert: Herodias. (Re- dams Unioersal-Bibliothek Nr. 6640.) Es ist ungemein interessant, den gewaltigen Herodias-Sa- iome-Stosf von Flaubert, dem großen Prosaisten, behandelt zu sehen. Trotz des verhältnismäßig geringen Umfangs ersteht vor den Augen des Lesers in unerhörter Plastik die in Uebersättigung zu-
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sie auch sein mögen, beseitigen helfen erziehen zur Achtung und Würde der Persönlichkeit.
— Der Aufgang des Abendlandes, von John Macready (Verlag Wilhelm Dorn-
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- Die Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin, tut Recht daran, ihren Mitgliedern Gustav Frehtags vcrühmten Roman „Soll und Habe n", diese immer noch unübertroffene Geschichte eines stolzen deutschen Kaufhauses, nach seinem Freiwerden in einer schonen zweibändigen Halblederausgabe zur Verfügung zu stellen. Mag vieles andere aus Frehtags Schaffen tote Literatur werden, „Soll und Haben" wird leben als ein Zeugnis bester
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— Der Drei-Masken-Verlaa in München hat mit Richt des Engländers S t e f e n f o n berühmten Roman „Die Schatz in sek" seiner Abenteurerreihe eingefügt. Es gibt kaum eine spannendere, mit soviel Phantasie und jagendem Tempo erzählte Seeräuber- und Banditengeschichte als dieses Buch. Leider ist die Ausstattung mit den flotten Illustrationen in der Qualität des Papiers zu sehr
— Albrecht Schaeffer: Die tanzenden Füße. Mit einem Rachwort von Paul Alverdes. (Reclams Llniversal-Bibliothek Rr. 6631/32.) Beim Lesen dieser Erzählung konnte man im ersten Augenblick meinen, man habe es mit einer Gespenstergeschichte im Sinne Poes ober E. T. A. Hoffmanns zu tu»; wie aber der Leser durch die Landschaft des Hochmoors und an das Meer vor das verruchte Schloß geführt wird, wie ihm unmerklich Augen und Ohren geöffnet werden, zu sehen und zu fühlen, was nie sonst zu erleben ist, darin zeigt sich eine schöpferische Phan-
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— Die Domherren. Roman von Aikolaj Ljeskow. Aeberseht von Gregor Iarcho. Leipzig, Hesse xl Becker Verlag. Geb. 4,50 Mk. Das Problem. das Ljeskow künstlerisch behandelt, ist uralt und doch immer wieder neu: der Geist kämpft gegen den Buchstaben. Wie Ibsens Pfarrer Brand huldigt der Propst Tuberosow dem Wahlspruch: Alles oder nichts. Tlnd deshalb hat er fortwährend Streit mit feinen Vorgesetzten Behörden, die natürlich auf ihrem Schein bestehen. Der Dichter hat es verstanden, uns diesen Charakter menschlich so nahe zu bringen, dast wir kaum noch danach fragen, wofür er kämpft. Wir sehen nur den ehrlichen, aufrechten Wann. 244
— Walter von Molo, 2m ewigen Licht. Preis in Ganzleinen gebunden 5,50 Mk. «Verlag von Albert Gangen in München.) — Mit leisen Fäden ist dieses Buch den beiden andern: „Auf der rollenden Erde" und „Boben- inatz" verbunden. Auch hier geht die Gestalt des „Sonderlings", des modernen Propheten Doben- matz durch das Buch. Durch unerhörte Spannungen und Erregungen gejagt, allen Fragen und Wunden der Menschheit gegenüber gestellt, vor das Forum des inneren Gerichtes gezogen, lebt und bebt der Leser in des Dichters Hand — oder in der Hand dessen, der sich des Dichtens bedient. Und das alles nur, weil ein ganz schlichter, ganz kindlicher, ganz „toefenb öfter“ Mensch, wie Angelus Silesius das nannte, geschildert wird, her. mit dem All aufs innigste verbxmden, durch die Welt geht und das tut, was er tun mutz. 222
— Freiligraths ausgewählte Werke. Herausgegeben von Ludwig Schröder. 6 Teile in einem Bande, mit 3 Bildnissen. 2 Abbildungen und einer Handschriftprobe. (Verlag Hesse & Becker, Leipzig.) — Freiligraths Dichtungen sind Klänge aus tiefster Brust, wenngleich nicht alles, was er geschrieben hat, lebendig geblieben ist. Deshalb genügt eine gute Auswahl, wie sie hier geboten wird. Der Band ist mit einer umfangreichen Einführung in das Leben und Schaffen Freiligraths versehen und enthält in seinem Textteil die Eedichtsammlung des Jahres 1838, ferner seine ileberfet)ungen aus dem Englischen «Scott, Th. Moore, Burns u. a.) und Französischen (Masser usw.), seine Mazeppa-Dichtung und eine weitere reiche Auswahl aus seinen Gedichten. in der auch die politischen und sozialen ausgiebig berücksichtigt wurden. Der in Druck und äußerer Ausstattung prächtige Band wird
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— „Kritisches Lesebuch" von Alfred Polgar („2a und Rein", Schriften des Kritikers, Band I). 341 Seiten, Ernst Rowohlt, Verlag; Berlin 1926. — Hier findet man die Ernte jahrelanger 3ournaliftenarbeit im Theater gesichtet, geordnet, und die Lagesrezension aus ihrer Vergänglichkeit in einen stattlichen, interessant geschriebenen und lesenswerten Band gerettet (lesenswert auch da, wo man kritisch-ästhetisch anders eingestellt ist); die Rezensionen, sachlich in Gruppen gefaßt, beginnend mit Shakespeare, abschließend mit Pirandello, geben übrigens mindestens ebensosehr eine Spiegelung der Autor» Persönlichkeit, als des jeweiligen Theaters, Dramas, Schauspielers. 2n diesem Sinne äußert sich gleich zu Beginn das (recht offenherzige) Vorwort
Proben aus der überwältigenden Fülle der Tagespost. Ein lehrreicher Blick hinter die Kulissen, den jeder gern tun wird, der mehr von Hindenburg wissen will, als seine Zeitung ihm melden kann. (Verlag für Kulturpolitik. Berlin.) 237 - Unter der Fahne Schwarzweih- r o t betitelt sich ein Erinnerungsbuch des ehemaligen deutschen Generalkonsuls in Odessa Wilhelm Ohnesseiß eines kerndeutschen Mannes, der ein langes Leben auf manch vorgeschobenem Posten im weiten Zarenreich dem Deutschtum diente und nun in lose aneinandergereihten Cr- innerungsblättern Ernstes und Heiteres aus seinem an Erlebnissen und Erfahrungen reichen Leben der Oeffentlichkeit gibt, seinem Volk zu Ruh und Frommen. (Verlag Gebr. Paetel.
— Der Bauernspiegel von 2ere- mias Go11helf. 2m Verlag von Eugen Rentsch in München, welcher eine volkstümliche Ausgabe der Hauptwerke von Gotthelf heraus- gibt, die durch sorgfältig redigierte Texte und durch wohlfeile Preise bei guter Ausstattung sich auszeichnet, ist eben der Bauernspiegel erschienen. Es ist die Geschichte eines armen, verwaisten Bauemknaben, die sich unter der phantasiereichen Hand des Verfassers erweitert zu einem Panorama des Lebens auf dem Lande. Ein seltener Reichtum von Beobachtung und Kenntnis der Einzelheiten des Lebens geht Hand in Hand mit einem großen sicheren Blick in die Tiefen des Menschenherzens. — Was uns an Gotthelf immer wieder packt, ist, daß hier, in der Begrenzung des Schweizer Dorfes, die ganze vielgestaltige Fülle des Lebens gegeben wird, die enge Berner Welt, durchzuckt von dem Wetterleuchten der Rapoleonischen Zeit, sich uns zur großen, krausen, widerspruchsvollen und wieder lieben Menschenwelt erweitert durch die Kraft eines Menschengestalters, der für das Leiden aller Kreatur, für den Kampf gegen das Bose und den Sieg des Guten, wie Dante, Shakespeare und Goethe, ewige Symbole suchte. 228
— Von der entzückend handlichen, in bieg- fame£ Leinen gebundenen Du »ndruckausgabe der Ausgewählten Werke Friedrich von Stendhals läßt der 2nsel-Derlag rasch hintereinander neue Bände folgen. „Die Kartause -von Parma" ist in der Ueberfetjung des Frei- Herrn von Taube von einer bestrickenden Frische. Ein zweites Band enthält „Zwölf Rovel- 1 e n“, denen Arthur Schurig eine aufschlußreiche Einführung voran stellt. Sie sind im Gegensatz zu den großen Romanen noch viel zu wenig be- kannt ate dichterische Meisterwerke an sich nicht nur, sondern auch als Proven eines erstaunlichen Einfühlungsvermögens in die Zeit der Renaissance. Wer Stendhal noch in seinem Bücherschrank vermißt, wird ihn nur in den schmalen Bänden dieser 2nselausgabe haben
Schöne Literatur.
— C a t u l l: Sarmina. Lateinisch und deutsch. 9. Band der Tuskulum-Dücher (zweisprachige Ausgaben antiker Autoren). Bei Ernst Heimerau, Verlag in München, 1925. — Dies ist eine kleine, sehr reizend ausgestattete, tadellos gedruckte, synoptische Ausgabe des unsterblichen „über Veronensis“. Wilhelm Schone besorgte öie ileber- sehung, der im wesentlichen Heyses bekannte Verdeutschung zugrunde liegt. Aus knapp 90 Seiten der ganze Catull, alle 116 Gedichte, die wir besitzen; nichts fiel — in usum Delphini — unter den Tisch; alle Schönheit und Leidenschaft klassischer Liebeslyrik blüht einem auf den wenigen schmalen Seiten entgegen. Hnö man lieft diese Verse, wie wenn sie ein Zeitgenosse um 1926 geschrieben hätte. So sprechen sie zu uns, gegenwärtig, lebensfrisch und unmittelbar, und dennoch liegt auch der Zauber einer längst verschütteten, großen Welt über ihnen ausgebreitet.
Ein kurzer Anhang faßt knapp die notigsten Bemerkungen zum Verständnis von 2nhalt und Versmaß, sowie ein Register aller Gedichte zu-
Reisen
— 25 000 2ahre alte Tiere
E. W. Pfizenmayer in seinem soeben bei Brock- Haus erschienenen Werk „M ammutleichen und Urwaldmenschen in Rordost » Sibirien" (340 S. mit 118 Abb. und 3 Karten, Leinen 16 Mk.). Die Ausgrabung und Bergung der Mammute und. die Beschreibung der einzelnen Fundstücke ist hochinteressant. Die Fundorte waren nur in monatelangen Reisen zu Schiff, im Sattel, im Hunde- oder Renntierschiit' ten zu erreichen. Psilzenmayer hielt sich reichlich anderthalb 2ahre im fernsten Rordost-Sibirien aus, so daß er diese nordische Landschaft von ungeahnter Schönheit und Großartigkeit schildern kann. 3ahrten, Tungusen und ßamuten Hausen dort; sie sind in ihrer Kultur noch Hunderte von 2ahren zurück. Pfizenmatzer wohnte einer 2akutenhochzeit bei, die in Verbindung mit dem berühmten Kumysfest in althergebrachter Weise gefeiert wurde. Auch eine Skopzensiedlung hat er besucht. Mehrfach waren auch seine Berührungen mit den politisch Verbannten. Der Verfasser ist 2äger mit Leib und Seele, seine be'den Expeditionen und der Aufenthalt an den Fundstätten gaben ihm reichlich Gelegenheit zur 2agd auf Edelfalken und Adler, Schneehühner, Auerhühner, Gänse imb Schwäne, Bergschase und wilde Renn- tiere, Polarfüchse und Wol/e. So wird das Werk besonders auch, den Weidmann interessieren, um so mehr, als auch die primitiven Fallen imb Fangvorrichtungen der Eingeborenen unter Beifügung einer Reihe von Zeichnungen behandelt werden. Eine große Anzahl Abbildungen, darunter eine Reihe schöner Tiefdrücke und eine mehrfarbige Karte ergänzen das geschriebene Wort. 220
Ein Reisebuch, wie man es gern hat in der bunten Fülle der verschiedenartigsten Eindrücke und doch wieder zusammengehalten von der ordnenden, eingliedernden Hand eines Mannes feinster Kultur und großen Wissens schenkt uns Walther Reinhardt in seinem „Querte eit ein“, Reiseeindrücke eines deutschen Diplomaten nach dem Kriege (Verlag P. S. Mittler und Sohn, Berlin SW 68, Preis geb. 6 Mk.). Durch Tropensonne und Rewaeis, brasilianischen ilrtealb und Reuyorker Wolkenkrahergebirge, russisches Gefängnis und amerikanische Präriefreiheit, so kennzeichnet der Verfasser seK»st treffend den Schauplatz feiner Reifeskizzen in ihrer
Jur Heimatgeschichte.
— Hessische Biographien in Verbindung mit Karl Esselborn und Georg ßeljnert herausgegeben von Hermann Haupt. Band 2, Lieferung 4 (ßiefenmg 8 der ganzen Folge). Darmstadt 1926. Hessischer Staatsverlag. Arbeiten der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. — Die eben ausgegebene 8. ßiefe- rung der Hessischen Biographien ist besonders reich an Lebensbildern auch weiteste Kreise interessierender Persönlichkeiten. Genannt seien der verdiente Offizier Generalleutnant 2ohann von Schäffer-Bernstein, der bedeutende Kartograph und hessische Generalstabschef im Kriege von 1866 Friedrich Christian Becker, der Begründer der weltbekannten chemisch-pharmazeutischen Fabrik Merck in Darmstadt Heinrich Emanuel Merck, der Darmstädter Verleger und Politiker Arnold Berg st räßer und der Darmstädter Advokat und Landtagsabgeordnete Karl 2ohann Hoffmann, ilnö Gießener werden besonders die Universitätslehrer Kaltenbach, 1883 bis 1378 Beiter der Frauenklinik, Christian ßudwig Wiener, später lange 2ahre Professor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe, und der ßehrer des Französischen Chastel, der sich in der Gießener Franzosenzeit von 1796 bis 1913 gar manches Verdienst um Aniversilät und «Stadt erworben hat, interessieren, dazu der Schottener Steuerkommissär Klingelhoffer als Gründer Vogelsberger Hohenklubs. Offenbach ist durch 2akob Mönch, den Begründer der ßederwaren- industrie in Deutschland, und den Zeichner, Maler und eifrigen Turner Georg Bode vertreten, Mainz durch den um die jüdische Bildung hochverdienten jüdischen Schulmann und Theologen Michael Creizenach, den Seminarregens ß i e- bermann, den Förderer der Gesellenvereine Pfarrer Wilhelm Klepper und den Zahnarzt Galette, der in feinem Fache fast allen Zeitgenossen weit voraus war. Außerhalb Hessens endlich sind zu Ansehen und Bedeutung gelangt der Afrikaforscher Konstantin Reih, der Beiter der Frankfurter Anstalten für 3rmere Mission Gustav Schlosser, der Pariser Maler und Kunstgewerbler Georg Brunner, der Professor für Architektur am Frankfurter Städelschen 2n- ftitut Max Hessemer, endlich Wilhelm Hamm, Fabrikant und landwirtschaftlicher Schriftsteller in ßeipzig, zuletzt Ministerialrat in Wien. So bietet auch diese Lieferung gleich ihren Vorgängerinnen reiche Belehrung für die politische, Kultur-, Kirchen- und Familiengeschichte des 19. 2ahrhunderts unserer hessischen Heimat, aber darüber hinaus auch unseres deutschen Vaterlandes überhaupt, und ist so recht dazu angetan, Heimatsinn und Heimatliebe zu pflegen und anzuspornen, alle Kräfte zu tatkräftigem Handeln einzusehen. Alm das Werk auch den weitesten Kreisen zugänglich zu machen, hat die Historische Kommission den Preis der 8. Lieferung auf nur 2 Mark, den der Lieferungen 1 bis 7 auf je 1,50 Mark festgesetzt.
— WilhelinHamm, 2ugenöcrinne» rungen. Bearbeitet, ein geleitet und erläutert von Karl Esselborn. Hessische Volksbücher, her- ausgegeben von Wilhelm Diehl. 55—57. Darmstadt 1926. — Wilhelm Hamm, 1820 in Darmstadt geboren, 1841 Schüler Liebigs in Gießen, später Fabrikant und landwirtschaftlicher Schriftsteller in Leipzig, zuletzt Ministerialrat in Wien, hat in einer Reihe von Aufsätzen über sein abwechslungsreiches Leben bis zu seinen Studienjahren berichtet. Diese durch scharfe Beobachtungsgabe und fesselnde, gefällige Schreibart gleichermaßen ausgezeichneten Bilder hat der
Herausgeber zu einer fortlaufenden Darstellung vereint und mit einer Einleitung und erläuternden Anmerkungen versehen. So hat er uns mit einem wertvollen Beitrag zur Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts überhaupt und zur Lokalgeschichte Darmstadts zur Biedermeierzeit im besonderen beschenkt. Die Schilderung Liebigs und seines Kreises, S. 171 ff., fjat für uns Gießener noch besonderes 2ntereffe. 16 gut wiedergegebene Bilder aus dem alten Darmstadt nach gleichzeitigen Werken und Gemälden aus den Jahren 1800 bis 1313 sind noch ein ganz besonderer Schmuck des Buches und trefflich geeignet, die „gute alte Zeit", von der der Band berichtet, dem Leser lebendig vor Augen zu führen. 278
Politik und Geschichte.
— Von 2ames Bryce, dem berühmten englischen Staatsrechtler und Politiker, weltbekannt durch seine glänzende Darstellung des amerikanischen Verfassungslebens, liegt nunmehr auch das letzte große Werk ,.M oderne Demokratien" in einer dreibändigen deutschen Ausgabe des Münchener Drei-Masken-VerlageS vor. Mit dem großen Schatz der Erfahrungen, die er als Wissenschaftler sowohl, wie auch als praktischer Politiker (er war Minister in liberalen Kabinetten) gesammelt hat, trat er an eine Darstellung des Verfassungslebens der Demo» fratie im allgemeinen wie der speziellen Verfassungen einer Reihe maßgebender Staatswesen hercm. Eine große Objektivität, klarer Blick in die Verschiedenheiten der Volker und die menschliche Ratur befähigten ihn, ein Werk 3U schreiben, das alle Vorzüge der demokratischen Staatsverfassung, aber auch seine Rachteile scharf herausstellt. Es ist ein eminent politisches Buch, ein Quell der Erkenntnis für jeden, der politische Bildung sucht, der lernen will, es besser machen zu können. 379
— Von dem hier schon mehrfach angezeigten Sammelwerk Die politischen Parteien der Staaten des Erdballs erscheint soeben das Heft 12/18, in dem die Parteien in den Niederlanden, in Frankreich, Italien, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Rumänien und Rußland von Fachmännern behandelt werden. Das Werk hat damit seinen Abschluß erlangt. Leider sind nicht vorgesehen Spanien, Südamerika, Griechenland, Bulgarien. Japan soll in einem besonderen Heft nachgeholt roerhen. (Regensbergsche Buchhandlung,
— Hermann Stegemann, der Schweizer Dichter, den seine großen rnilttärpolitischen Werke in kurzer Zeit bekannter machten als eine stattliche Veihe guter Romane, bringt seine Betrachtungen über den Weltkrieg und seine Folgen, begonnen mit dem vierbändigen Werk über den militärischen Verlauf des Krieges, fvrtgeführt in dem glänzenden Werk „Der Kampf um den Rhein" in seinem neuesten Buch „Das Trugbild von Versailles" (Deittsche Derlagsanstalt in «Stuttgart, 1926) zu einem gewissen Abschluß. Das neue Werk stößt vielfach hart an die dem Verfasser gesetzten Grenzen des Möglichen. Es heißt, den Dingen, die hier zur Behandlung stehen, Gewalt antun, will man sie als strategische Aufgaben losen, die historisch gewachsen sind und politisch angepackt werden wollen. 3n einer stets neu zu bewundernden klaren Diktion werden diese strategischen Linien scharf herausgearbeitet, manch neuer Gedanke blitzt auf, manche Zusammenhänge werden klar, auf vieles fällt neues und interessantes Licht, Perspettiven öffnen sich, die dem Rurpolitiker verschlossen bleiben, aber ein allumfassendes Gesamtbild zu zeichnen gelingt dem Verfasser von seinem begrenzten militärpolitischen Blickpunkt aus nicht. Die Bedeutung des Buches als ein großartiger Versuch, die Gegenwart zu erkennen und auf neue Bahnen Wege für die Zukunft zu zeigen, bleibt durch die notwendige Einschränkung ungeschmälert. Es wird sich jeder mit dem Buch beschäftigen müssen — und die glänzende Darstellungsgabe Stegemanns macht dies zum Genuß —, dem es ernst ist mit der Sorge um künftige deutsche Politik. ' 151
— Zu einem dankenswerten Unter nehmen haben sich eine Reihe Professoren der Alniversität Halle zusammengetan. Als Riederschlag einer Sammel» Vorlesung „Der Deutsche und das Rheingebiet" erscheinen die Dorträge unter der Redaktion 2ohannes Fickers zu einem stattlichen, mit gutem und ausreichendem Kartenmaterial versehenen Bande vereinigt. Die Beziehungen der Westmark zum Reich in Volkstum, Sprache, Literatur, Kunst, Geschichte xtnb Wirtschaft, mehr als tausend 2ahre hindurch eng und enger geknüpft, werden mit der Gründlichkeit des Forschers, aber auch mit der klaren Darstellungskraft des akademischen Lehrers erörtert, um für die Gegenwart das historische Rüstzeug bereitzustellen zum Kampf um den deutschen Rhein. (Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle a. d. S. Preis 16 Mk.) 166
— Der bekannte Münchener Historiker M D o e b e r I, einer der besten Kenner der bayerischen Geschichte des letzten Jahrhunderts, schildert im neuesten Band seiner «Schriftenreihe „Bayern und Deutschland" Bayern und die Bismgrckische Reichsgründung. Auf Grund gründlicher archivalischer Studien und an Hand zahlreicher beigefügter Dokumente gibt der Verfasser ein außerordentlich lebendiges Bild einer der interessantesten Epochen bayerischer Geschichte, zugleich einer der von Legende und 2rr- tum am stärkste» überwucherten Ausschnitte aus der Geschichte der Reichsgründung. Bedeutsam ist dieses Werk mit seinen Darlegungen über Bayerns Stellung zum neuen Reich, auch politisch für die Erkenntnis der historischen Gründe für den bayerischen Föderalismus, für die heute wieder akute Frage „Bayern und Reich". (Preis geb. 15 Mk. bei R. Oldenbourg in München.) 208
— C i n Tag aus dem Leben des Reichspräsidenten betitelt sich das ganz famos geschriebene Werkchen eines ungenannten Verfassers, der, sicher aus bester Quelle schöpfend, über das Leben und die Arbeitsweise des Reichsoberhauptes anschaulich plaudert. «Sine Bergeslast von Pflichten und Arbeit legt das hohe Amt den fast achzigjährigen Schultern unseres Hindenburg auf. 3n welch pflichtbewußter, frischer Art et sich ihnen täglich von neuem unterzieht, in welch hohem Grade Verehrung, Dankbarkeit und Liebe ihm aus allen Volks- teilen, aus allen Gegenden des Reiches, aus aller Welt entgegenströmen, zeugen einige Brief»
— Kramer u. Friemann. Eine Lehrzeit. Von Fritz Müller-Partenkirchen. Mit acht Steinzeichnungen von Fritz Eggers. 13. bis 17. Tausend. Preis in Ganzleinen 6,50 Mk. (Hanseatische Verlagsanstalt A.-G., Hamburg.) Ein Buch deutscher Art und deutschen Geistes wie etwa Frehtags „Soll und Haben" wird uns hier in neuer, ansprechender Form geschenkt. Köstlicher Humor durchleuchtet wie Sonnengold die nüchternen Räume des Kaufmannskontors und der Warenlager, die de» Schauplatz dieser Geschichten abgeben — Geschichten, die oft die Tragik eines Menschenlebens umfassen. Eine vorzügliche Gabe für jeden Kaufmann, die diesen Königlichen Berus in so eindrucksvoller Weise schildert. Die Art der Darstellung sowie der persönliche Stil Fritz Müller' machen sein teohlgelungenes Werk deshalb so schätzenswert, weil es sicher auch von denen immer wieder mit Genuß gelesen wird, die vor Arbeit keine Zeit zum Atemholen finden und die darum eines Tages erkennen werden, daß sie viel — zum Schaden ihrer geliebten Arbeit —
Verschiedenes.
— Einen umfassenden üeberblid über zweitausend 2ahre indischer Kunst (einschließlich des Kunstgewerbes) gibt Karl Doehring unter Zuhilfenahme eines dankenswert reichhaltigen und gut toieöergegeße ’en Anschauungsmaterials in seinem Werk „2 n d i s ch e K u n st" ben Mitgliedern der Deutschen Buchgemeinschaft in Berlin. 165
— 2 o bannet Wolf, Sing- und Spielmusik aus älterer Zeit. Wissenschaft und Bildung Rr. 218. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. 1926. Der vorliegende Band ist in erster Hinsicht als Ergänzung des ersten Teiles der in der gleichen Sammlung erschienenen Allgemeinen Musikgeschichte des Verfassers gedacht und soll dem Fernerstehenden einen tieferen Einblick in die Formenwelt der Musikperiode vom 13. bis 17. 2ahrhundert geben. Daß 2ohannes Wolf jetzt in dieser populären Sammlung das Wort ergreift, ist sowohl vom Standpunkt des Fachmusikers als auch des Kunstfreundes sehr zu begrüßen; denn seine fast unermeßliche Kenntnis der einzelnen Quellen ließ ihn die üblichen Literaturbeispiele, die in allen «Sammlungen wieder- kehren und immer wieder weiter übernommen werden, vermeiden und überall charakteristische neue Beispiele (oft aus sehr schwer zugänglichen Quellen) bieten. Frisches Geben atmet einem aus diesen einzelnen Gaben entgegen: die primitive tote die entwickelte mehrstimmige Kunst der Kirche, die Musik des gemeinen Mannes wie des Gebildeten kommt zum Wort. - Ein Werk, wie wir in dieser Art noch keines besitze». Eine Fundgrube für jede», der der alten Musikliteratur nahesteht; recht geeignet, der alten Kunstübung neue Freunde zu gewinnen. 138
— Jacques Offenbach: „Orpheus in der Unterwelt". Burleske Oper in zwei Aufzügen und vier Bildern von Hector Crsmieux. Deutsche Bearbeitung von Ludwig Kalisch. Heraüsgeg. und eingeleitet von Georg Richard Kruse. — Erschien als Band 84 der Opernbücher in Reclams Universal- Bibliothek (Nr. 6639).
— Dr. Max Kemmerich, Moderne Kultur-Kuriosa. (Kultur-Kuriosa. Dritter Band.) Preis in Leinen 8,50 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Ohne irgendeiner Partei ober Konfession verpflichtet zu sein, zeigt Max Kemmerich in diesem Werke all die 2rt- tümer, Torheiten, Schwächen der Regierungen und Behörden, der Kirchen, Stände und Fakultäten, alle die Ungerechtigkeiten und Alngeheuer- lichkeiten der Inflationszeit und unserer glorreichen Gegenwart- Richt um zu tadeln und zum Haß aufzureizen, sondern um, und zwar auf eine höchst ergötzliche, humorvolle und oft pikante Art, eine stille Gemeinde anständiger, gerechter, humaner, frei forschender und sozialfühlender Menschen zu gründen ober doch die bestehende zu mehren. Dieses Buch soll Scheuklappen, welcher Art


