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Nr. 146 Zweites Blatt

lieber Nacht.

Don Dr. Paul Rohrbach.

lieber Rächt ist es zu einer Qlenberung in der Weltlage gekommen. Man muh sich einen Augenblick besinnen, um das festzustellen. Der englische Schahminister Churchill hat vor drei Tagen auf einem Dankekt der konservativen Por­ter in London erklärt: Ruhland möchte, nach­dem es sich selbst zu Grunde gerichtet hat. auch Snfflanb ruinieren, da es ein Hindernis auf - dem Wege zur Revolution sei. Die russischen Machthaber würden aber dies Ziel nie erreichen, denn die parlamentarischen und demokrati- w schen Einrichtungen Englands waren schon feft- 1 begründet, als diese Bande kosmopolitischer Verschwörer sich noch in den Tiefen der euro­päischen und amerikanischen Grohstädte verbor­gen hielt".

Von einem aktiven epischen Minister und -.egierenben Parteiführer sind das kräftige Aus­drücke gegenüber den regierenden Männern eines -Staates wie Ruhland. Chamberlains abschwä­chende Haltung ändert daran nichts. Churchill «iber ging noch weiter. Er sagte, wenn irgend jemand gemeint ist die englische Großin- Lustrie Kredite an Ruhland geben wolle, so Denke daS Schahamt nicht daran. Garantien zu übernehmen?, und falls die englische Regierung .eines Tages sich genötigt sehen sollte, die Agenten der Sowjetregierung (die russische Han- Delsvertretung) aus^uweisen", so werde er keine Entschädigungsgesuche von denen annehmen, die etwas auf Kredit nach Ruhland verkauft hätten.

Diese Worte bedeuten eine scharfe Warnung an die englische Industrie, noch Geschäfte mit der Sowjetregierung zu machen. Der Minister fehle ton Schlußpunkt unter feine Rede mit den Worten: er hoffe noch den Tag zu erleben, an Dem entweder Ruhlandeine zivilisierte Re­gierung" erhielte, oder aber die freundschaftlichen Beziehungenju Leuten beendet würden, die England zu ruinieren versuchen." Damit machte Shurchill eine Anspielung auf die in England größtenteils vertretene Annahme, der General­streik und seine noch andauernde teilweise Fort- sehung, der Kohlenstreik, seien von Moskau her- Dorgerufen und nach Möglichkeit auch finanziert. Zwischen dieser Haltung der Presse aber, die e:nige Male auch von schärferen Wendungen s in Parlament begleitet wurde, und einem An­griff wie dem Churchills, auf den nach bestehen­der Gewohnheit die Sowjetregierung Genugtuung * s ordern oder die Beziehungen abbrechen müßte, | i ft ein starker Unterschied. Man stelle sich vor, Sbaß in Deutschland der Reichsfinanzminister eine solche Rede gehalten hätte, nicht etwa gegen den Bolschewismus, sondern gegen die regierenden Sowjetgewaltigen persönlich!

Die Erklärung für die Schärfe des Tons, den der bedeutendste Mann im englischen Kabinett das ist Churchill gegen die Sowjetregierung angeschlagen hat, hegt in dem englisch-türkischen Abkommen über Mossul, d. h. in den Doraus- v fetjungen, nach denen es zu verstehen rst. Die Türken haben auf em Land von nahezu 1OOOOO Quadratkilometer, mit großen Del- und Mineral- schätzen, gegen eine Entschädigung von 10 Millio- $ iicn Mark verzichtet, die noch nicht 1 Proz. vorn Wert des Mvssuler Gebiets ausmacht. Ratürlich wurden sie dazu mit durch die Furcht bewogen, Italien, das auf der Lauer nach einem risiko­freien Mittelmeerkriege liegt, könne gleichfalls I Icsfpringen, sobald aus dem Streit über Mossul ein wirklicher Konflikt mit England sich erhob. Ungefährlich aber wäre es für die Türkei ge­wesen, einfach die Anerkennung der englischen Okkupation zu verweigern und bei ihrem Protest >,u verharren. Sie vergab sich damit nichts, und es foftete sie nichts. Wenn sie trotzdem mit England öiefen Vertrag abschloß, der scheinbar ihr so gut wie nichts gibt, den Engländern dagegen 1 alles, so ist es fiar, daß die Sache noch einen« , tieferen Hintergrund hat einen Hintergrund, ben man bei näherem Zusehen bald erkennt.

Kaum war der Vertrag mit England puoli- I ziert, so quittierte Moskau mit einem Hönisch gefärbten Tadel nach Angora. Sofort antwortete man von türkischer Seite in derselben, ironisch gehaltenen Tonart. Die einfachste Ueberlegung f«at uns, daß die englische Politik nicht beab- fi djtigt haben kann, mit dem Abkommen wegen Mossul die Türkei in die Arme Rußlands zu treiben. Weder mit den Türken noch mit den Mussen wäre ein direkter Zusammenstoß für Eng- laind ohne Bedenken; erst recht aber nicht mit beiden zusammen. Also muß England eine Sicher-

Die biologischen Grundlagen

-er Lichttherapie.

3n der jüngsten Sitzung der O 6 e r ß e f f i Zschen Gesellschaft für Ratur und Heilkunde sprach nach kurzen wissenschaftlichen Mitteilungen von Prof. Küster über Vital- ffirbung von Pflanzenzellen durch Phthaleme, von Dr. Kaja (Bad-Rauheim) über biologische Einflüsse bei der Sinterbildung, und von Prof. Hsenneberg über einen lebendgebärenden fcifer, Privatdozent Dr. Rothmann über 1.2) i e biologischen Grundlagen der Lichttherapi e".

Der bekannte dänische Forscher Äiels Zinsen hatte als erster die Beobachtung ge­milcht, daß Sonnenlicht bei Hauttuberkulofe Heil- nxnung entfaltet, und daß diese Wirksamkeit den tarin enthaltenen ultravioletten Strahlen zuge- fchrieben werden müsse. Um in unserem Kiima von der Unbeständigkeit der Sonnenstrahlung unabhängig zu sein, führte er die künstliche Lächttherapie ein, indem er das ebenfalls an ultravioletter Strahlung reiche elektrische Bogen- '.icht, durch dafür durchlässige Quarzlinsen kon- jertriert und von der langwelligen Wärmestrah- Lmg befreit, auf die kranken Hautstellen strahlen lioß. Diese Finsenlampen werden noch heute erfolgreich verwendet. z

Da in hochgelegenen Gegenden der Anteil -er ultravioletten Strahlung im Sonnenlichte ein größerer ist als in den Riederungen, vermochten Schweizer Aerzte, Bernhard und R o l l i e r, auch die Heilkraft der Sonne in ihrer Heimat erfolgreicher auszunutzen. Dabei beschränkten sie ficb nicht auf die Bestrahlung der kranken Haut- fielen, sondern sie ließen die nackten Patienten ?ir. volles Sonnenbad nehmen und erzielten da- nr: große Erfolge bei der Heilung der Sjaut- rulerfulofe; darüber hinaus konnte aber auch rin günstiger Einfluß auf den Verlauf der vLibertutofe der Knochen, des Kehlkopfes usw.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 25. Zuni 1926

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beit dafür haben, daß kein türkisch-russisches Bündnis über der Mvssuler Frage entstehen würde. Es war auch schon auffallend, daß der Vertrag im Parlament von Angora fast ohne Widerspruch und ohne Debatte, mit sämtlichen Stimmen gegen drei, angenommen wurde. Das war nur erklärlich, wenn die Abgeordneten ent­weder besinnungslos eingeschüchtert ober in be­stimmter Weise informiert waren. Man wird annehmen dürfen, daß das letztere der Fall war.

Der Vertrag wegen Mos'ul bedeutet so viel wie eine Verständigung zwischen London und An­gora mit der Spitze gegen Moskau. Die Türken sind kluge Diplomaten, namentlich wo die Ver­hältnisse Asiens mit hineinspielen. Mit der kom­menden Auseinandersetzung zwischen England und Sowjetrußland rechnen sie als mit einer Tatsache. An sich könnten sie ihre Haltung, ob mit England oder mit Rußland, wählen. Auf die russische Seite zu treten, würde ihnen vielleicht, im Fall des Sieges, einen großen weltpolitischen Erfolg bringen; mit England gehen ist aber sicherer. Fragt jemand die Türken, wo ihre Zukunft liegt, und bekommt er darauf eine ehrliche Antwort, so wird sie lauten: dort wo unsere Stammesver- wandten wohnen, im östlichen Kaukasusgebiet, in Westpersien, in Turkestan. Das alles ist tür­kischer Boden, ziemlich geschlossen von türkischen Stämmen bewohnt. Auch Enver Pascha ging nach dem Kriege dorthin, um für den groß-türkischen Gedanken zu kämpfen, aber er fiel in den Bergen von Buchara gegen Moskau!

Petroleum gibt es nicht nur im Mvssuler Gebiet, sondern auch bei Baku und in Turkestan. Wenn die Türken Mossul Preisgeben, ein Gebiet, das nicht türkisch, sondern kurdisch und arabisch bevölkert ist, und sie gewinnen dafür Baku, öaü in einem von Ost türken oder sogenannten Tataren bevölkerten Gebiet liegt, so wäre dies, auch wenn die Taube vorläufig noch auf dem Dach sitzt, kein schlechter Ersah. Ob nun aber Baku ober etwas anderes eine Verständigung im Hinblick auf Rußland zwischen London und Angora muß als wahrscheinlich betrachtet werden. Das ist die neue Situation, die über Rächt gekommen ist.

Es bedarf keines Wortes darüber, daß eine derartige Veränderung auch für Deutschland wich­tig genug wäre. Seit einiger Zeit steht di« Moskauer Politik im Zeichen einer merklichen Unsicherheit, so z. B. in Betreff der großen deutsch-russischen Kreditgeschäfte. Zwar haben die Russen stets versucht, bei ihren Einkäufen in Europa einen Teil gegen den andern auszuspielen. Die Art, wie sie es jetzt probieren, übersteigt aber das sonst bei ihnen Gewöhnliche. Der beherr­schende Eindruck ist, daß sie versuchen, überall Lieferungen auf Kredit zu bekommen, bevor der Konflikt mit England, den sie fürchten, ausbricht. Geschieht das, und Moskau ist so mangelhaft gerüstet wie im Augenblick, dann konnte es bald erleben, daß die Dinge schief gehen.

Die bisherigen Erfolge der 5teuerfenkungspolitik.

Der Hauptkern der Steuersenkungspolitik war bekanntlich die Herabsetzung der Umsatzsteuer. Dieser Maßnahme hatte man allerhand vortreffliche Wir­kungen nachzurühmen versucht. Sie sollte u. a. gleichzeitig der Belebung der Wirtschaft dienen, dem Konsumenten die Preise verbilligen und dadurch den Umsatz so erhöhen, daß für die Reichsfinanzen ein finanzieller Ausfall nicht eintrete. Tatsächlich hat aus der Umsatzsteuerermäßigung die Wirtschaft eine Erleichterung nicht erfahren. Die Preise sind infolge­dessen auch nicht gesunken; der Reichsfiskus hat wegen der nicht eingetretenen Wirtfchaftsbelebung deshalb auch an UmsaMeuer erhebliche Ausfälle zu verzeichnen gehabt. Von vernünftigen Finanz- und Steuerpolitikern ist diese Entwicklung von vorn­herein vorausgesagt worden. Sie verwarfen in rich­tiger Erkenntnis der praktischen Bedeutungslosigkeit einer solchen finanziellen Maßnahme die Herab­setzung der Umsatzsteuer und verlangten dafür, daß die für den Staatshaushalt entbehrlichen Beträge von den Realsteuern und namentlich auch von den auf den Einkommen und Vermögen liegenden Stei­gerungssätzen abgesetzt würden. Man hat das Gegenteil getan. Die Ermäßigung der Umsatzsteuer in Verbindung mit der Aushebung der sogenannten Luxussteuer und der Weinsteuer läßt grundsätzlich die Tendenz erkennen, die indirekte Besteuerung abzubauen, die Belastung der direkten Steuern da­gegen zu belassen bzw. sie nach dem unvermeid­lichen Fehlschlag der jetzigen Regelung weiter zu erhöhen. Damit ist die Steuergesetzgebung, die

beobachtet werden, ohne daß hierbei eine un­mittelbare Wirkung des Lichtes in Frage kom­men konnte.

Sn der Tiefebene sind diese Sonnenkuren leider nicht durchführbar, und eine Reise in die Schweiz ist für die Mehrzahl der Patienten un­erschwinglich, sodaß man hier auf die Ver­wendungkünstlicher Höhensonne" angewiesen ist. Um diese Form der Lichttherapie hat sich nun h^r in Gießen Professor Iesionek beson­dere Verdienste erworben. Als Strahlungsquelle dient nunmehr eine Quecksilberlampe, ein Quarz­rohr mit zwei Quecksilberpolen, zwischen denen der Dampf dieses Metalles mit blendend hellem, bläulichen Lichte leuchtet, eingebaut in ein als Ullraviolettreflektor dienendes Gehäuse, sodaß der davor befindliche Patient eine ähnlich allgemeine Körperbestrahlung erfahren kann wie im natür­lichen Höhensonnenbad. Stellt man, wie es in den von 3 e f i o n e t geleiteten Anstalten der Fall ist, in einem größeren Raume eine Anzahl dieser von ihm angegebenen Lampen gleichmäßig verteilt auf, so können die Patienten in dem mitt­leren Felde auf Spaziergängen den ganzen Kör- per im Lichte baden. Diese Bäder können mit Anwendung von Sonnenbädern kombiniert wer­den und haben zu Teilerfolgen nicht nur bei der Hauttuberkulose, sondern auch bei der Tuber­kulose tiefer gelegener Organe geführt.

Der Vortragende machte es sich nun zur Auf- gabe, den scheinbaren Widerspruch zu deuten, daß die unsichtbaren ultravioletten Strahlen, die schon ln den oberen Hautschichten absorbiert werden und selbst keineswegs tiefer in den Körper ein- zudringen vermögen, dennoch Heilwirkungen auf tiefer gelegene Organe auszuüben imstande sind. Die Haut besteht aus Oberhaut und Lederhaut. Sn der letzteren befinden sich die Blutgefäße, elastischen Fa'ern, Rerven usw., die in der Ober­baut fehlen. Deren unterste Schicht, die sog. Keimzellenschicht, hat nun die größte Bedeutung, ba in ihr die Absorption der ultravioletten Strahlung stattsindet. Die hierdurch ausgelösten

eine Zeitlang eine grundsätzliche Richtung im pri- oatwirtschaftlichen Sinne genommen hatte, wieder auf dem besten Wege zu der Art Sleuersozialismus, die sich in der Inflation als unheilvoll und schä- digend zur Genüge erwiesen hat. Kritisch kann die Sachlage werden, wenn womit zu rechnen ist infolge der schlechten wiktschaftlichen Lage die Unter- nehmungen einerseits nicht mehr die Steuern auf» bringen können, zu deren Zahlling sie jetzt gc- zwungen sind, wenn andererseits aber infolge de/ Reparationsleistungen der Fiskus unbedingt auf den weiteren Eingang von Einnahmen in ungefähr der jetzigen Höhe angewiesen ist. Für diesen Fall muß jetzt schon mit allem Nachdruck daraus hin-, gewiesen werden, daß nur die Umsatzsteuer geeignet ist, einen Raubbau an der Wirtschaft infolge lieber- laftung mit direkten Steuern zu verhindern.

Interessant ist, daß (höchstwahrscheinlich infolge der Auswirkungen des Finanzausgleichs und infolge der steuerlichen Mindereinnahmen) die Ucberwei- sungen des Reichs an die Länder und Gemeinden in der letzten Zeit nicht unerheblich zurückgegangen find. Im ersten Halbjahr des Steuerjahres 1925/26 betrugen diese Ucberroeifungen durchschnittlich im Monat 221,6 Millionen Mark, im zweiten Halbjahr dagegen nur noch 202,5 Millionen Mark; wenn man die Berechnung quartalsweise anstellt, so ergibt sich ein Rückgang von 696 Millionen Mark im ersten Quartal auf 628 Millionen Mark im letzten Quartal. Preußen erhielt für sich allein im ersten Halbjahr 62,3 Millionen Mark monatlich; im zwei­ten Halbjahr dagegen nur noch 54,1 Millionen Mark. Leider haben sich die Länder in ihrer Aus­gabenwirtschaft dem Rückgang der Einnahmen nicht angepaßt; sie haben vielmehr zum Ausgleich auf andere Weise Geldmittel sich zu verschaffen gewußt, und zwar hauptsächlich in Gestalt der Ausgabe von Schatzwechseln, von denen allein Preußen bis jetzt für rund 150 Millionen Mark aufzuweisen hat. Außerdem sind vielfach auch noch Schatzscheine aus- gegeben worden, deren Umfang man für alle Län­der mit ungefähr 170 bis 200 Millionen Mark an- nehmen kann. Diese Entwicklung ist besonders des­halb so sehr bedenklich, weil viele Länder fast schul­denfrei geworden waren, in Zukunft aber unter den Zinsverpflichtungen für die neu aufgenomme­nen Gelder nicht unerheblich zu leiden haben werden.

Nicht in der Inangriffnahme schematischer Dinge (wie z. B. in dem völlig wirkungslos geblie­benen Beamtenabbau), sondern in der Art der Or­ganisation, in dem Aufgabenkreis der Behörden, ihrem Aufbau sowie in der Vereinfachung der Ge­setze liegt der Ausgangspunkt für eine Reform­arbeit, ohne die die öffentliche und private Finanz­wirtschaft sich nicht mehr lange werden halten können.

Die ewige Revolution in Portugal.

Von unserem o. W.-Korrespondenten.

Lissabon, im Juni 1926.

In den ersten Junitagen dieses Jahres stürzte der General Gomes da Costa die Herrschaft Macha- dos in Portugal. Vizeadmiral Cabecadas bildete ein Kabinett, das sich auch die Machtvollkommenheiten des Staatspräsidenten anmaßte. Nun hat General da Costa am 18. Juni auch diese Regierung durch ein neues Pronunciamento ihm ergebener, direk­tionsloser Truppen beseitigt und sein Vorgehen in einem Manifeste begründet, das folgendeEnt­hüllung" bringt:

..Das Ziel des Aufstandes ist durch politische Handlungen und Spekulationen verschoben worden, die auf einen Verrat am republikanischen Regime abzielten. Ich aber bin entschlossen, an der Spitze der Truppen meinen Ansichten über die Führung der Geschäfte in Portugal unter dem republikani­schen System mit bewaffneter Hand Achtung zu erzwingen."

Hiermit hat sich in Portugal innerhalb von sech­zehn Jahren der neunzehnte Umsturz vollzogen und das einundoierzigste Kabinett in den Sattel gesetzt. Die Revolution ist in dem unglücklichen Lande zur Institution geworden.

Diese Revolution in Permanenz wird nur ver­ständlich, wenn man sich vor Augen hält, daß seit dem Sturze der Monarchie ununterbrochen Mon­archisten und Republikaner um die Macht ringen und dieser Kampf durch den Willen Englands, Por­tugal unter feinem Einfluß zu halten, und durch den Ehrgeiz und die Gewissenlosigkeit von Politikern ohne politische Gesinnung kompliziert wird.

Die Verschwommenheit und Entscheidungslosig- keit aller konterrevolutionären Bewegungen (eine

Veränderungen in der Haut müssen die primäre Ursache für dadurch ausgelöste Veränderungen im Innern des Körpers sein, die gerade bei der Allgemeinbelichtung eine so große Rolle spielen.

Beweisend für die indirekte Heilwirkung des Lichtes sind die Versuche Iesivneks, bei denen Patienten mit offener Hauttuberkulofe einer Allgemeinbestrahlung ausgesetzt wurden, indessen so, daß gerade die kranken Hautstellen während der ganzen Zeit mit lichtundurchlässigen Verbänden bedeckt gehalten wurden. Richtsdesto« weniger konnte nach zwei bis drei Monaten eine restlose Ausheilung erzielt werden, wie Licht­bilder vom Zustande vor und nach der Heilung erkennen ließen. Diese Versuche sind für die Entwicklung der nicht-lokalen Lichttherapie von entscheidender Bedeutung geworden. Die Reaktion der gesunden Haut auf die Einwirkung ultra­violetten Lichtes besteht in der Bildung des sog. Pigmentes in der oben genannten Keimzellen­fchicht: die Haut wird gebräunt. Diese Reaktion ist für den Gesundheitszustand des Patienten im allgemeinen ein günstiges Zeichen, insbesondere hat man auch beobachten können, daß leichter pigmentierende tuberkulöse Menschen besser auf die Lichtbehandlung ansprechen als solche, die nur mit schmutzig-grauer Verfärbung reagieren.

Hier stoßen wir auf eigentümliche chemische Vorgänge, deren Aufklärung dazu geführt hat, in der Haut ein Ferment abzunehmen, welches ein dem Tyrosin nahestehendes Abbauprodukt des Eiweißes, das Dopa, zu einem schwarzen Farb­stoffe oxydiert. Bloch hat Hautschnitte in Dopa- lösung eingelegt und nach einem Tage eine der natürlichen gleiche Pigmentierung daran festge­stellt, die an solchen Hautpräparaten wiederum ausblieb, die von albinotischen, d. h. weiß bleiben­den Hautstellen herrührten, offenbar, weil in diesen das spezifische Ferment nicht gebildet wird. Indem nun bei der Pigmentierung das Tyrosin gewissermaßen festgelegt wird, wird es dem Blute entzogen. Da es nun im Körper zum Aufbau

Entscheidungslosigkeit, die natürlich regelmäßig republikanische Gegenputsäje auslöst) erklärt sich aus der Tatsache, daß der letzte König, Manuel II., gar nicht mehr in die Heimat zurückkehren will. Der blutige 1. Februar 1908, an dem sein Vater und Bruder auf offener Straße erschossen wurden, und er selbst eine Wunde davontrug, liegt ihm noch immer in den Gliedern. König Manuel ist ätsch ein lebenslustiger Herr, und seil seiner Entthronung dem Einflüsse seines Exils England verfallen. Umsonst haben in den letzten fünfzehn Jahren die besten Royalisten von Paiva Couceiro bis zu dem einstigen österreichischen Gardeoffizier Grafen Al- meida gezeigt, welcher Aufopferung Männer im Dienste einer Idee fähig fein müssen. Manuel folgte nicht ihrem Beispiele, feine Anhänger wollten ihn aber nicht preisgeben.

Es ist sehr wahrscheinlich und Costas Mani­fest scheint es zu bestätigen, daß Cabecadas, der in seiner Jugend Monarchist gewesen war, jedoch im Jahre 1910 an der Beseitigung der Monarchie mitgewirkt hatte, nach den bitteren Erfahrungen, die fein Vaterland mit der Republikvon Englands Gnaden" gemacht hat, wieder Royalist geworden ist. Gleich vielen seiner konterrevolutionären Vorgänger hätte er auch ohne Costa scheitern müssen, weil König Manuel monarchistischen Bestrebungen nicht einmal moralische Unterstützung leiht.

So hätte sich auch die letzte Einigung der prin­zipiell in ein manuelistisches und ein miguelistisches Lager geschiedenen Monarchisten, die eine vorüber­gehende Rückkehr Manuels II. und dann dessen Verzicht zugunsten des Prinzen Duarte vorsah, als nicht geeignet erwiesen, den Sieg des monarchisti­schen Gedankens zu verbürgen. Die Royalisten werden nun noch einen Schritt weiter gehen und Manuel gänzlich aus ihren Kombinationen aus­schalten. Schon sind solche Besprechungen eingeleitet worden.

Zum Verständnis dieser Verhandlungen erinnere man sich folgender Tatsachen:

Nach dem Tode des Königs Johann VI. am 10. März 1826 hätte dessen erstgeborener Sohn Dom Pedro den Thron Portugals besteigen sollen, wenn er nicht Kaiser von Brasilien gewesen wäre. Pedro ignorierte nun das Erbrecht seines jüngeren Bruders Dom Miguel und übertrug die Regierung in Portugal seiner unmündigen Tochter Maria da Gloria. Aber noch im gleichen Jahre riß Miguel

die Herrschaft an sich. Als sich dann sechs Jahre

später Pedro I. nicht mehr in Brasilien halten

konnte, kehrte er heim, um seinen Bruder zu ver­

treiben. Der heute lebende Erbe dieses Pedro I. ist König Manuel II., dem keine Kinder geboren wurden. Der im Jahre 1910 proklamierte Thronfolger Dom Affonso Duque bi Porto, ein Oheim Manuels, ist im Jahre 1920 kinderlos gestorben. Der Sohn und Erbe Miguels ist der Herzog Miguel von Bra- ganza, ein dreiundsiebzigjähriger Mann, den der Weltkrieg gebrochen hat. Seiner ersten Ehe entsproß Prinz Miguel, der der Kronprinz der Miguelisten wäre, wenn er nicht die Anita Stewart geheiratet hätte. Er hat aber vor der unebenbürtigen Ehe­schließung für sich und seine Kinder auf alle Thron- cmsprüche verzichtet. Aus des Herzogs Miguel zweiter Ehe mit einer Prinzessin Löwenstein stammt der im Jahre 1907 geborene Prinz Duarte.

Bald nach dem Kriege sollten sich was hier nicht bekannt geworden ist König Manuel und Herzog Miguel in Dover treffen, um bei der Kin- berlofigfeit und Regierungsunlust Manuels und dem hohen Alter und der Erschöpfung Miguels ein Abkommen zu treffen, das dem Prinzen Duarte die Bahn frimachen könnte. Miguel traf pünktlich in der englischen Hafenstadt ein, doch fein König Ma­nuel erschien. Der war inzwischen von seinen Ge­treuen umgestimmt worden und der vereinbarten Zusammenkunft unter einem nichtigen Vorwande ferngeblieben. An seiner Stelle traten seine Ratgeber an den Herzog Miguel mit dem Vorschläge heran, eine bereits mitgebrachte Urkunde zu unterschreiben. Sie stellten die Sache als so dringend dar, daß Miguel nicht einmal die Zeit haben sollte, das Dokument zu studieren. Der Herzog bestand aber darauf, und die Manuelisten zogen verstimmt ab. Als nun Miguel das Schriftstück las, erkannte er 3" seiner Empörung, daß es seinen Verzicht auf alle Ansprüche feftlegen wollte. Von Dover ging also eine neue Entfremdung zwischen den beiden Thronanwärtern und ihren Lagern aus.

Seither ist, wie schon gesagt, mancher monarchi- ftische Versuch beinahe gelungen. Vergebliche bol­schewistische Anschläge, die ihnen folgten, haben die Chancen der Monarchisten noch verbessert. Aber eine gelungene monarchistische Erhebung hätte nach den Vorfällen von Dover erst recht den alten Zwist zwischen den Monarchisten wieder aufleben lassen. Das wurde nirgends besser erkannt, als im man-

des Adrenalins, das in den Rebennieren ge- bsldet wird, gebraucht wird, muß sein Mangel hierauf zurückwirken. Im Adrenalin sieht man andererseits einen Anreger des Sympathicus, des den Körper durchziehenden Rervengellechtes, das einen großen Teil der Körperfunktionen unab­hängig vom Willen regelt, wie Veränderungen des Herzschlages, Erweiterung der Blutgefäße usw. So ist also eine Verbindungslinie gezogen zwischen der Pigmentierung und der Sympathi­cus-Funktion, deren kritische Diskussion in dieser Wiedergabe übergangen werden muß. Die Zu­sammenhänge lassen sich nach neueren Anschau­ungen auch zum Teil in umgekehrter Reihen­folge konstruieren, sv daß primär eine Lähmung der Hautsympathicus-Endigungen erfolgt.

Jedenfalls kann auf Grund derartiger Be­ziehungen nun verständlich gemacht werden, wie die oberflächliche Lichtwirkung Tiefenwirkungen zur Folge hat. Bedeutet Reizung des Sym­pathicus Verengung der Blutgefäße, so führt seine Erschlaffung zu ihrer Erweiterung, tmmit ßu stärkerer Durchblutung der Organe, für die insbesondere die tuberkulös erkrankten Organe in günstigem Sinne empfindlich sind. In erster Linie Wohl auf nervösem, daneben aber auch auf mehr chemischem Wege erfolgt so unter dem Einflüsse ultravioletter Bestrahlung eine Heilwirkung, sonderlich auf tuberkulös erkrankte Organe. Die dadurch hervorgerufenen Durchblu­tungen erfordern natürlich eine strenge Heber- wachung des Patienten, damit es nicht zu ge­fährlichen Blutungen und Anschwellungen kom­men kann. Daher darf gerade auch von tuber­kulösen Menschen eine Sonnenkur ohne tägliche ärztliche Beaufsichtigung nicht ausgeführt werden, so segensreich sie andererseits bei sachgemäßer Leitung gerade für diese Patienten sein kann.

Da auch der Mineralstoffwechsel des Körpers einer Regulierung durch den Sympathicus unter­liegt, lassen sich auch Heilwirkungen des Lichtes bei anderen Krankheiten erklären. Insbesondere hat man sie feit 1919 mit Erfolg zur Bekämp-