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ihn aber nicht mehr greifen. Sah zum Fenster aus nach ihm. Und rief mit lauter Stimme den heiligen Namen:Jesus!"

Da marf's den Jörgen in den Röhrbrunnen, der norm Wirtshaus auf dem Stadtplatz stand, daß mit einem großen Platsch das Wasser über ihm zusam- menschlug.

Der Wolf herunter aus der Kammer! Weckt den Hausknecht, den Wirt, sein Gesinde. Und hinaus zum Brunnen! Zieht den Jörg über Wasser und läßt ihn, als er gesehen, daß er tot und ihm das Haar in der Mitte des Kopfes ausgerauft, wieder sinken. Gegen Tag schlagen sie ihn in ein ^, rollen ihn zur Donau und werfen ihn ins Wasser.

So hat der Wolf Steingruber dem Landrichter zum Haag, Hieronymus Schned, der ihn hatte vor sich fordern lassen, dieerslyröckliche Geschichte" er­zählt. Und dieser zeigte unterm 24. Mai 1537 un­verweilt seinem Fürsten und Herrn, Herzog Albrecht um Bayern, berichtlich an, ..wie neulicher Zeit meiner Gerichtsverwaltung Knecht Jörg Härtl vom bösen Geist zu Donauwörth in der Stadt, bei einem Wirt, durchs Kammerfenster ausgerissen worden."

Herzog Albrecht schrieb am 9. Juni 1537 aus München an die von Donauwörth mit dem gnädigen Begehr, sie sollten beim Wirt, bei dem sich dieser schreckliche Fall begeben, und anderen, so darum Wissen haben, gründliche Erfahrung nehmen, son­dern, ob der tote Körper angezeigtermaßen im Brunnen gefunden und was sein Anliegen oder die Ursach solch erbärmlichen Falls macht gewesen sein.

Bürgermeister und Rat zu Schwäbischwörth bestätigte die Glaubhaftiakeit der Geschichte, wie Ihre fürstliche Gnaden durch dero Richter zum Haag schriftlich berichtet werden, mit folgenden ratsherr­lichen Argumenten:Und ist deswegen leider keine andere Vermutung, denn das bemeldter Härll durch den bösen Geist davor der Allmächtige uns jeder­zeit gnädiglich behüten wolle zum Fenster aus­geführt und im Röhrbrunnen ertränkt sei worden Denn dieweil solch Fenster in der Breite oder Weite nicht mehr als 10 Zoll eines Werkschutzes und in der Höhe 15 Zoll hat, ist's nicht wohl möglich, daß ver- meldter Jörg Härtl sich selbst hott' mögen unbeschä­digt hinausbegeben. Daneben zeigt der Hausknecht in der Herberg beständig an, als er dazumal dem Wolfen Steingruber im Fuhtapfen mit einem Licht

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 71 Zweiter Blatt

Die Wirtschastrkonjunttur in -en baltischen Randstaaten.

Don unserem p-Korrespondenten.

Die Stellung Deutschlands in der Weltwirt­schaft weist heute wesentliche Veränderungen gegenüber der Vorkriegszeit auf, indem unsere Stellung auf dem Weltmarkt stark erschüttert und uns heute eine große Reihe von Märkten verschlossen ist. die früher zu unseren ständigen Abnehmern gehörten. Diese Tatsache zwingt uns. neue Absatzgebiete für unsere Wirtschaft zu suchen, wobei das Problem der Ostmärlte schon wegen der geographischen Vegünstigung Deutsch­lands ein besonderes Interesse verlangen kann. Hier, und zwar besonders in den drei balti­schen Randstaaten Litauen, Lettland und Estland bieten sich gegenwärtig eine Reihe von Absatz­möglichkeiten, die die ungeteilte Aufmerksamkeit unserer Exportindustrie , verdienen. Handelt es sich hierbei auch weniger um sofort zu erreichende große Vorteile, so bietet sich doch die Möglich­keit einer langsamen Durchdringung und'Croberung der Ost Märkte, deren wachsende Erstarkung mit Sicherheit zu erwarten ist. Eine.wichtige Etappe auf diesem Wege bilden die baltischen Randstaaten.

Ihrer wirtschaftlichen Struktur entsprechend, sind alle drei baltischen Randstaaten ausgespro­chene Agrarländer, in denen die Landwirtschaft das grundlegende Gewerbe ist. Industrie und Handel nehmen hiergegen lediglich eine unter­geordnete Stellung ein. Hieraus ergibt sich die Vedeutung des baltischen Marktes für die deutsche Wirtschaft, der sich hier grundsätzlich günstige Absatzgebiete öffnen. Gemäß des vor­wiegend landwirtschaftlichen Charakters des Lon­des haben besonders diejenigen Zweige der deut­schen Wirtschaft ein erhöhtes Interesse am balti­schen Markt, die industrielle Produkte für die Landwirtschaft Herstellen.

Hier wäre zunächst die Landmaschinen­industrie zu nennen. Die Eigenproduktion der drei baltischen Staaten an Landmaschinen steht gegenwärtig hinsichtlich Quali.ät und Quan­tität ihrer Erzeugnisse noch am Anfangsstadium ihrer Entwicklung und ist nicht imstande, den zur Intensivierung der Landwirtschaft nötigen 'Bedarf aus eigener Kraft zu decken. Da über­dies die Intensivierung der Landwirtschaft in den östlichen Randstaaten ansehnliche Fortschritte macht, besteht auf dem baltischen Markt ein laufender Bedarf an Landmaschinen, der sich bei der zu erwartenden wirtschaftlichen Erholung der Landwirtschaft in den nächsten Jahren noch ausgesprochener als bisher äußern dürfte. Dieser natürliche Bedarf an Landmaschinen hat zu dem Bestreben verschiedener Exportländer ge­führt. auf dem baltischen Markt festen Fuß zu fassen. So sind neben Deutschland, dem auf diesem Gebiete erfreulich erwei'e die Führung ob­liegt. noch Schweden, England und neuerdings auch Finnland aufgetreten. Da die lehtgencuin- ten Länder über eine wesentlich größere wirt­schaftliche Stoßkraft verfügen und ihre Indu­strien den Abnehmern besonders in den Zah­lungsbedingungen sehr stark entgegenkommen kön­nen. bedeutet der Wettbewerb der genannten Länder für unsere Landmaschinenindustrie eine gefährliche Konkurrenz, die es nicht zu unter­schätzen gilt. Die allgemeine Wirtschaftslage in den baltischen Staaten, besonders die durchweg kapitalschwache Landwirtschaft verlangt eine weit­gehendste Kreditierung der Einfuhr, was für un­sere auf schnellen cklmsatz angewiesene Industrie eine stark' Belastung be"eu e . Das in den Band­st aaten übliche System der Warenkreditierung, also eine Lieferung gegen Kredit auf längere Sicht, seht aus dem genannten Grunde einer all­gemeinen Verbreitung deutscher Erzeugnisse, die hier sonst durchweg sehr geschätzt sind, recht be­deutende Schwierigkeiten entgegen, da unsere Ex- portinduftrie nur in wenigen Fällen in der Lage ist, derart umfangreiche und langfristige Kredite zu gewähren, wie sie z.B. von den beiden Wich­tigsten Konkurrenten. Schweden und England, eingeräumt werden können.

Die letztjährige durchweg mittelgute Ernte im Baltikum ermöglicht es der dortigen Land- wirtschaft trotz der immer noch recht schwierigen Lage, in der sie sich befindet, in stärker egn Maße als in den vorhergehenden Jahren den

zurückgehaltenen Bedarf an Landmaschinen zu decken. Besonders in Lettland als dem wirt­schaftlich bedeutendsten unter den Randstaaten ist mit einer gesteigerten Rachfrage zu rechnen, die sich gegenwärtig bereits deutlich verspüren läßt. Reben den Schäden der Kriegs- und Rach- kriegszeit hat die Agrarreform mit der Schaf­fung von fast 60 000 Kleinsiedlerstellen auf ent­eignetem Gutsland den lettischen Bedarf an Landmaschinen gewaltig emporschnellen lassen, der trotz der jährlich steigenden Einfuhr noch auf Jahre hinaus ungedeckt bleiben wird. Es ist deswegen für die nächste Zeit mit einer bedeutenden Nachfrage nach eiser­nen Pflügen, modernen Eggen usw. zu rechnen, die bisher wegen Kapitalarmut nicht hat befriedigt werden können. Fernerhin herrscht durch die in der Rachkriegszeit vollzogene Um­stellung der lettischen Landwirtschaft von vor­wiegendem Körnerbau zur Viehzucht und Milch­wirtschaft sowie zum Flachsbau, dem eine stei­gende Bedeutung zukommt, besonders an Ge­räten und Maschinen dieser Zweige des land­wirtschaftlichen Betriebes ein recht bedeutender Bedarf. Die Einfuhr von M^lkereigeräten und Flachsbearbeitungsmaschinen, die hier vor allem in Frage kommen, weist daher eine deutlich auf- steigende Linie auf, die bei günstiger Wirtschafts­entwicklung auch weiterhin anhalten dürfte. Ge­mäß der Ämstellung in der lettischen Landwirt­schaft durch die Enteignung sind vornehmlich Maschinen und Geräte solchen Typs gesucht, die sich für Klein- und Mittelbetriebe eignen. Eben­so liegen auch die Verhältnisse für Antriebs- Maschinen, für die eine steigende Rachfrage besteht, die aber auch nur in kleinen und klein­sten Typs gesucht werden. Vor allem müssen die Antriebsmaschinen leicht im Gewicht und leicht beweglich sein. Da der lettische Bauer durchweg recht fortschrittlich gesinnt ist und auf eine Intensivierung seines B'triebes hinarbeitet, so ist auch ein gewisser Martt für Getreide- mäh-, Kunstdünger- und Säemaschi- n e n vorhanden, für die jedoch die Land­wirtschaft nur bei entsprechender Kreditierung in größerem Umfange aufnahmefähig ist. Eine günstige Beurteilung muh der Landmaschinen- martt in den Randstaaten fernerhin durch die Tatsache erfahren, daß hier die Rachkriegszeit eine starke Verteuerung der mensch­lichen Arbeitskraft gebracht hat und außerdem eine ausgesprochene Scheu vor der Arbeit in der Landwirtschaft besteht, die die Landwirtschaft in steigendem Maße aus die Ver­wendung von Landmaschinen angewiesen sein läßt. Erfreulicherweise steht Deutschland nach wie vor an erster Stelle unter den I m - portländern von landwirtschaftli­chen Maschinen, trotzdem es unter scharfer englischer, schwedischer und auch finnischer Kon­kurrenz zu leiden hat.

Aehnlich liegen die Verhältnisse auf dem Landmaschinenmarkt In Litauen und Estland. Auch hier ist der tatsächliche Bedarf sehr groß, wird aber durch den Kapitalmangel zurückgehalten und kommt nur langsam in stär­kerem Maße zum Vorschein. Rur ist in Estland die wirtschaftliche Lage der Landbevölkerung eine ungünstigere als in Lettland, so daß hier nur solche Firmen mit Erfolg arbeiten werden, die eine längere Kreditgewährung aushalten können. Für diese dürfte aber der estnische Martt mit seiner großen durch Kapitalmangel zurückgehal- tenen Rachfrage ein lohnendes und sehr ausbau­fähiges Betätigungsfeld bieten. In Litauen hat nach dem Kriege ebenso wie in Lettland und Estland ein Rückgang im Anbau des Getreides stattgesunden. nur daß man hier der Zucker­rüben- und Flachskulttir erhöhte Beachtung ge­schenkt hat. Für die Geräte und Maschinen, die für diese Kulturen notwendig sind, besteht daher ebenfalls ein Bedürfnis. We n auch die allgemeine Wirtschaftslage in Litauen günstiger als in Estland ist, so wird man sich auch hier, besonders da sich in letzter Zeit ein wirtschaft­licher Rückschlag bemerkbar gemacht hat, zum Warenkredit verstehen müssen. Die auch hier im Anschluß an die Agrarreform neu entstan­denen Kleinsiedlungen zeigen bereits eine recht ansehnliche Rachscage nach la idwirtschaftlichen Geräten, unter denen solche für die Bodenbear­beitung und sonstige Bedarfsartikel für Klein­betriebe an erster Stelle stehen.

Ein besonderes Interesse beansprucht die Landwirtschaft der östlichen Randstaaten als Absatzmarkt für künstliche Dünge­mittel. Grundsätzlich liegen die Verhältnisse hier so, daß der Diehstand des Baltikums für eine rationelle Düngung bei intensiver Wirt­schaftsweise nicht ausreicht, man also auf die Einfuhr von Kunstdünger aus dem Auslande durchaus angewiesen ist. Mit zunehmender Inten­sivierung der Landwirtschaft, mit der für die Zu­kunft bestimmt zu rechnen ist, wird auch der Bedarf an Kunstdünger steigen, da ohnedem sichtbare Ertragsteigerungen nicht zu erwarten sind. Gegenwärtig ist per Verbrauch pro Hektar noch verhältn smcißig sehr gering, da die Miß­ernten der Jahre 1923 und 1924 die Kapital- fraft der Landwirtschaft zu stark geschwächt haben. Ilm wirkliche Ernteerhöhungen zu erzielen, mühte mindestens die drei- bis vierfache Menge des bisherigen Kunstdüngers angewandt werden, worauf auch von feiten der Regierungen, denen begreiflicherweise eine Intensivierung der Land­wirtschaft sehr am Herzen liegt, hingearbeitet wird. Cs ist also auch auf dem Gebiet des Kunstdüngerverbrauchs mit einem steigenden Bedarf zu rechnen. Erstaun­lich ist die einseitige Art der Kunstdüngeranwen- dung in den Randstaaten, in denen zum über­wiegenden Teil phosphorhalttge Düngemittel ver­wendet werden, und zwar vornehmlich Super­phosphat unb Thomasmehl. Die Verwendung von Kali- und Stickstoffdüngemitteln tritt hier­gegen ganz in den Hintergrund und macht nur einen Bruchteil der Gesamtmenge aus. Diese ein- seittge Düngung beruht nicht etwa auf dem vornehm!'chen Bedürfnis der baltischen Böden für phosphorhaltige Düngemittel, s'ndern liegt in der Ankenntnis der landwirtschaftlichen Bevölkerung begründet, die den billigen Düngemitteln den Vor­zug gibt. Die besonders von der lettischen Re­gierung in landwirtschaftlichen Kreisen betriebene Aufklärung dürfte hier mit der Zeit Wandel schaffen, wenn auch vorerst die Einfuhr von Superphosphat und Thomasschlacke diejenige aller anderen Düngem'ttel überragt.

Bis vor kurzem war man bei der Verwen­dung von Kunstdünger in den Randstaaten, ab­gesehen von unbedeutenden Mengen von einheimi­schem Knochenmehl, auf die Einfuhr ans dem Auslande angewiesen. Im letzten Jahr wurde jedoch in Mühlgraben bei Riga (Lettland) durch eine englische Gesellschaft der Dau einer Super- phosphatfabrik in Angriff genommen,, die in ihrer Produktionsfähigkeit nicht nur Lettland, sondern auch darüber hinaus noch Litauen mit diesem Düngemittel versorgen sollte. Der Plan wurde mit großem Enthusiasmus in die Welt gesetzt, verlor aber stark an Zutrauen, als das Finanz­ministerium die Aussichten dieses Anternehmens nicht günstig beurteilte. Die Gesellschaft behaup­tete Superphosphat für 6,70 Lat pro Sack Her­stellen zu können, wahrend der Preis für schwe­disches Superphosphat cif Riga sich gegenwärtig auf ca. 8,20 Lat beläuft Trotz dieser Berech­nungen der Mühlgrabener Fabrik, deren Ge­nauigkeit übrigens angezweifelt werden kann, ist dem lettischen Finanzminister Blumberg nur bei­zupflichten, trenn er sich über die Aussichten des neuen Unternehmend, das die wirtschaftliche Stoßkraft der machtvollen Düngerkvnzerne West­europas zu unterschätzen scheint, sehr skepttsch äußert, um so mehr, da die Finanzierung der Mühlgrabener Fabrik auf schwachen Füßen zu stehen scheint, so daß sie eine Unterbietungs­konkurrenz kaum lange wird durchhalten können. Sine bedeutende Konkurrenz dürste daher den ausländischen Düngerkonzernen hier kaum er­stehen.

In den vergangenen Jahren lieferte Deutsch­land die Hauptmenge der nach dem Baltikum speziell nach Lettlaick) exportierten Düngemittel. In der Lieferung von Kainit und gereinigten Kalisalzen besaß es das Monopol. In der letzten Zeit ist hier durch die verschlechterte Wirtschafts­lage in Deutschland ein Wandel insofern ein­getreten, als die wichtigsten Lieferanten für Superphosphat gegenwärtig Schweden und Hol- [anb sind, die 6 Monate Ziel bei Zinsfreiheit gewähren.

Eine bedeutende Steigerung weist in der letzten Zeit der Kaliverbrauch Lett­lands auf, den Deutschland allein deckt. Bevor­zugt werden die höherprvzentigen, gereinigten

wie Anna 155Z der Teufel zu Donauwörth einen Anecht geholt.

Von Staatsarchivar Dr. Fridolin S o l l e d e r.

Eine Teufelsgeschichte, eine durnm-toll-dreiste Teufelsgeschichte voll mittelalterlichen Aberglaubens, mit grauslichem Spuk und doch lustigem Ausgang schien mir der Titel zu verraten, als ich unter den Beständen des Bayerischen Staatsarchivs bei einer dienstlichen Nachforschung auf den Aktenfaszikel stieß:Akt über einen zu Donauwörth vom Teufel geholten Dienstknecht aus der Grafschaft, 1537." Be­gierig griff ich danach, einmal aktenmäßig verbürgt lesen zu können, wie einen der Teufel holt. Hatte ich doch bisher meine Wissenschaft in solchen Dingen nur aus Fastnachtsschwänken, Rollwagenbüchlein und Erzschelmenbüchlein geschöpft.

Der Hergang ist denkbar einfach. Einarmer Teufel" mußte sein Leben lassen. Weniger harte Ge­sellen wie ich fänden ihn traurig, wenn nicht aus jeder Zeile der Schelm lachte, lachte und sich über­mütig freute über diedummen Teufel" vom Haus­knecht, Sautreiber, Herbergswirt angefangen bis zum Landrichter von Haag, Rat von Donauwörth, ja noch oiel, viel höher hinauf.

Er hieß Georg Härtl und diente bei Sebastian Reiner zu Hof in der Grafschaft Haag, dem er die Schweine ins Land trieb. Er war ein frummer Ge­sell, ein gar gottesfürchtiger Mann, der fleißig in die Kirche ging, von dem man zeitlebens fernen Fluch gehört. Was sonst doch geradezu seines rauhen Gewerbs sprichwörtlich Zunftzeichen ist.

So trabte er landaus, landab wohlgemut hinter seinen Säuen her. Und kam von ungefähr gen Donauwörth in die alte Reichsstadt.

Er war die letzte Fahrt etwas wunderlich ge­wesen, der Jörg. Vier Tage lang ließ er den Kopf hängen, schritt finnierig und tiefsinnig fürbaß, als fühlte er sein Ende nahen. Bei nächtlicher Weile redete er irr und wirr, schlug im Schlafe mit Arm und Bein, als habe er Anfechtungen. Und als ihn seine Mitgesellen etliche Male darum angesprochen, damit Rat gesucht und Hilfe geschaffen werde, da hatte er nur einsilbig vermeldet: Sein Anliegen sei von der bösen Welt. Es habe ihm ein Weck) an­

getan. Weiteres aber auf ihr Drängen die Ursach nicht entdecken noch das Weib nennen wollen.

Und als er dann schier gar wunderlich worden, weder seinen Beutel Geld noch seines Herrn volles Säckl am Leib dulden wollen, sonder jederzeit nach Bezahlung von Zech und Zehrung sie den anderen Gesellen anvertraut, sonderlich auch den Hansen von Loch gebeten, wenn er nicht mehr anheim komme, sein Teil Geld seiner lieben Schwägerin auszuhän­digen, da hätten sie fast selbst geglaubt, er sei ver­hext, von einem bösen oder schönen Weibe. Doch sie kannten ihn zu lange und zu gut. Drum redeten sie:Ob Gott will, wirst selber heimfommen." Worauf er nur immer zurückgab:Weiß nit, wie es gehn wird." Und in die alte Schwermut verfiel.

Zu Donauwörth hielten die Gesellen in Mair- schaffers Herberg beim Endres Pettmesser, einem ehrbaren Bürger, Gastgeb und Leutschenk, Einkehr.

Wolf Steingruber aus der Schwinda, der beim Härtl lag dieselbe Nacht, hatte mit ihm um einen Doktor umgefragt. Aber keinen bekommen können. Ein kräftiger Imbiß und guter Trunk waren allweil noch der beste Hausarzt- man sagt, selbst gegen schöne Frauen, Liebeskummer und ähnliches Blendwerk der Hölle. So aßen sie denn tüchtig zu Nacht, tranken drei Maßkannen guten Weines zum Schlaftrunk, wie er den verhextesten Kopf gesunden lassen muß, wur­den gesprächig und guter Dinge und redeten zum Wirt und zur Frau Wirtin von des Jörgen sonder­baren Anliegen. Bei guter Zeit, um 8 Uhr abends Gingen sie als rechte Christenmenschen nicht gerade nüchtern, mit solider Bettschwere und sinkender Sonne schlafen und legten sich, wie damals üblich war in deutschen Herbergen, zusammen in ein Bett.

Der Wein tat seine Wirkung: als das Licht ver- brunnen, stand der Härtl ungefähr um 9 Uhr auf, um einmal hinaus zu gehen. Das gute Gewissen und drei Kannen Wein waren des Wolfs sanftes Ruhekissen, Er schlief. Hatte vorher niemand in der Kummer verborgen gesehen. Er schlief. Hörte kein Getümmel.

Da riß dem Jörgen plötzlich ein unbestimmbares Etwas tzsi^Fackel aus der Hand, setzte ihn heftig aufs Fenstey in der Mitte eine eiserne Stange hatte, und riß ihp augenblicklich zum Fenster hinaus.

Der Wolf fuhr vom Bett auf, sprang hinzu, ihn vielleicht noch bei den Füßen zu erwischen. Könnt

Donnerstag, 25. März 1926

Kalisalze. Wenn auch der g g.nwärtige Verbrauch an Kali gegenüber dcr Phosph rsäure gering ist, so scheint man doch in der Aufklärung über die Ge­fahren einer einseitigen Phosphersäuredungung bereits recht bedeutende Fortschritte erreicht zu haben. Eine untergeordnete Rolle spieleii einst­weilen noch die stickstoffhaltig:n Düngemittel, von denen Chilesalpeter und schwefelsaures Ammoniak aus Deutschland kommen.

Gegenwärtig marschiert Deutschland bei der Kunstdünger infuhr nach den Randstaaten an 3. bzw. 4. Stelle, lieber die Aussichten des Kunst­düngerimportes läßt sich sagen, daß auf Grund des enormen Bedarfes und der großen Propa­ganda, die die Re.'i'tiutj für seine Verwendung! macht, mit einer ftän >ig steigenden Einfuhrquo c gerechnet werden lann, wobei natürlich die Preis- Verhältnisse und die Kredi gewährung eine ent­scheidende Rolle spielen. Es ist jedenfalls auf einen steigenden Bezug von Kunstdünger so gut wie bestimmt zu rechnen.

Die übrigen Wirtschaftszweige in den drei baltischen Randstaaten vermögen nichi im entferntesten ein so günstiges Bild der Export- unb Absatzmöglichkeit n zu bitten, wie die Land­wirtschaft. Besonders der Markt für Tex­tilien liegt durchweg sehr flau und leidet wie überhaupt der ganze Handel in diesen jungen Staaten an einer krankhaften ilcberorganifalion, die durch die gegenwärtige Reinigungskrise, hoffentlich beseitigt wird. D.nn es muh als un­tragbar erscheinen, daß 5. B. allein in Riga heute 100 Prozent mehr Handelsfirmen bestehen als vor dem Kriege. Aehnlich wie auf dem Textil- martt liegen die Dinge beim Export von Farben nach den Randstaaten, der starke Rück­gänge auf weist. Besonders in Litauen, das früher seinen gesamten Farbenbedarf aus Deutschland bezog, ist man jetzt zur Schaffung einer eigenen Farbenindustrie übergegangen, die durch hohe Zölle geschützt, die Einfuhr von Farben nach Litauen unmöglich macht. In Lettland dagegen liegen die Verhältnisse für die Farbenindustrie etwas günstiger, doch dürfte nur der Export von Lackfarben lohnen, da die im Lande vorhandenen Fabriken den Oelfarbenbebarf, der sowieso nur gering ist, selbst zu decken vermögen. Etwas gün­stiger liegen die Dinge hinsichtlich der Export­möglichkeiten von Schuhwaren, wo die hohen Herstellungskosten in den Randstaaten trotz des Zolles eine Bearbeitung des Marktes lohnend erscheinen lassen. In Frage kommen jedoch nuc bessere Qualitäten, insbesondere Modewaren.

Was die Gesamtbeurteilung des Marktes in den baltischen Randstaaten für unsere Export- industrie angeht, so bieten sich auf dem Land-- Maschinen- und Kunstdüngermarkt recht günstige Perspektiven. Es empfiehlt sich daher, eine planmäßige Be­arbeitung des baltischen Marktes vorzunehmen und sich nicht wie es viele deutsche Firmen machen, auf einzelne Plätze zu beschrän­ken. Wird mit genügender Zähigkeit und der Möglichkeit eines für die durchweg kapital- schwachen Abnehmer günstigen Zahlungsmodus gearbeitet, so läßt sich auf dem baltischen Markt vieles und wesentlich mehr erreichen als es bis­her der Fall ist.

Oderhesfen.

Verkehrswünsche des Kreises Gießen.

a. Aus dem Busecker Tal, 24.März. Vor einigen Wochen wandten sich die Einwohner des Busecker Tales an die Eisenbahndirek- Hon Frankfurt a. M., um günstigere Zugverbindungen zwischen Grünberg und Gießen im Sommerfahrplan zu er­reichen. Die Eisenbahndirektion hat es a b ge­lehnt, diesen Wünschen zu entsprechen. Nunmehr hat man sich an die Handelskammer in Gie­ßen gewandt, um von hier aus die Wünsche vor­bringen zu lassen. Die Einwohner des Busecksr Tales können es nicht verstehen, daß sich die Bahn- Verwaltung jeglichen Wünschen auf Verbesserung des Fahrplans verschließt. Man würde es hier be­grüßen, wenn sich auch berufene Vertreter der Stabt Gießen um die Verbesserung der Zug­verbindungen nach der Provinzialhauptstadt be­mühen würden.

nachgelaufen und den toten ftörper übers Brunnen­wasser gezogen, hab' derselbe einen arg roten Nacken gehabt, vermutlich von einem starken Griff herrüh- rend, zumal der Kopf oben gar bloß an Haaren ge­wesen; wie denn die Donauwörther, als sie am Mor­gen den Röhrbrunnen ausräumten, noch eine große Haarlocke gefunden."

Das Schreiben des Rats von Donauwörth an den Herzog war schon unterwegs, als von diesem die Anfrage,ob der Geist ihn also durchs Fenster aus- geführt und in den Brunnen geworfen" erneut ge­stellt wurde, da des Besessenen Verwandtschaft wegen seiner Hinterlassenschaft etliche Male beim Herzog nachgesucht. So hatte sich des Jörgen Vater an den Fürsten gewandt, um Gottes willen das Vorbringen eines altersschwachen, betrübten Mannes anzuhören: Weil fein Jörg nicht in Verzweiflung und Anfech­tung sich selbst den greulichen Tod getan, sondern durch den bösen Feind, der täglich herumgeht und sucht, wen er verschlingen könne, uns arme schwache Christenmenschen mit allerlei listigen Anschlägen heimsucht und leider viele zu Fall bringt, elendiglich verderbt und umgebracht worden, jedoch in seinem ganzen Leben eines gottesfürchtigen Lebenswandels gelebt, deshalb bittet er, ihm des Sohnes Spar­groschen als Notpfennig ins Alter folgen zu lassen.

Und nun zeigte der Leibhaftige seinen Pferdefuß, die Teufelsgeschichte ihre lustige Kehrseite. Zu wie­derholten Malen tagten und berieten in München des Herzogs Hofräte der Marschall, der Schellen­berger, Schwappach, Hundt, Preyfing, Dechant Neu- chinger und der Rentmeister über dem Fall. Hatte der Jörg sich selbst ums Leben gebracht, so war sein Hab und Gut dem Landesherrn verfallen. Ader so hatte ihn der Teufel geholt. Dagegen war niemand, gefeit. Und von einem, den der Teufel geholt, wollte ihr Fürst und Herr gewißlich nichts haben.

Der Hofratsbeschluß vom 17. Juli 1537 entschied die strittige Rechtsfrage, in Bedenkung, daß der Jörg sich nicht selbst ums Leben gebracht, zugunsten seiner nächsten Verwandten. Und unterm 5. August erging des Herzogs Albrecht persönlicher Befehl an den Landrichter zum Haag, der die Verlassenschaft in Verbot gehalten, sie diesen ohne Entgelt und Ver­zug auszuantworten,derwegen wir bei seiner Ver­fassung nichts zu suchen gedenken."