Nr. 197 Zweites Blatt
Vas Ende der Zungtürken.
Don unserem türkischen F. K.-Korrespontenten. Konstantinopel, August 1926.
Der noch rechtzeitig ausgeteckte Attentatsplan gegen den Präsidenten der türkischen Republik, Gasi Kemal Pascha, hat m den fünfzehn Todesurteilen des älnabhängigleitsgemchts in Smyrna seine strenge Sühne gefunden. Dre Fortsetzung des Prozesses, der seit einer: Woche in Angora stattsindet, dient der Feststellung oer Mitwisserschaft verschiedener Politiker und vor allem der Aufdeckung der Fäden, die zum sugtürkischen Komitee „Einheit und Fortschritt" liefen. Soweit sich bis jetzt übersehen läht, beschränkt sich die Untersuchung des Gerichtshofes durchaus nicht darauf, Zusammenhänge aufzurollen, die direkt oder indirekt mit dem Attentatsplan $u tun haben, sondern die günstige Gelegenheit wird aus- qenutzt, sich mit der gesamten Politik der Jung- türken zu befassen, sie einer bis ins einzelne gehenden Kritik zu unterziehLn und bei Betonung der vielen Schattenseiten sie als verderblich für das Wohl des Landes hinzustellen. Eine Auseinandersetzung größter politischer Bedeutung der jetzigen Regierung in Angora mit den Männern von gestern, deren Liquidation sie übernahmen und Die sie für alles Unglück verantwortlich machen möchten, das der unglückliche Ausgang des Weltkrieges dem Lande gebracht hat. Ueber das Bündnis mit den Deutschen fällt dabei manch hartes Wort.
Cs sind nur geringe Reste der einst allein» herrschenden jungtürkischen Partei, die heute vor Den Schranken des Gerichts in Angora erscheinen. Die allgewaltigen Führer der Bewegung hatte der Ausgang des Krieges schnell hinweg- gefegt und soweit sie nicht auf einem Torpedoboote zum Schwarzen Meere nach Moskau und Berlin entflohen waren, wurden sie bei der feindlichen Besetzung Konstantinopels in jahrelange Verbannung nach Malta verschickt. Der Grvszwesir Talaat Pascha, vordem ein kleiner Postbeamter in Saloniki, fiel in den Straßen Berlins, der Großwesir Said Halirn Pascha, ein ägyptischer Prinz, in den Straßen Roms der armenischen Mörderhand zum Opfer. Auf der Reise nach Afghanistan, wohin er vom Emir als Heeresorganisator berufen war, wurde der überaus tüchtige Marineoffizier und Generalgouverneur von Syrien, D j e m a l Pascha, in den Gassen von Tiflis ermordet. Der Generalissimus Enver Pascha verfolgte abenteuerliche Pläne im Osten, wo er in eigensinnigem Festhalten an einem jungtürkischen Traum ein großes zentralasiatitzhes Türkenreich errichten wollte. Er siel im Kampfe gegen die Sowjets, die ihn anfangs in seinen Plänen unterstützt hatten. Der langjährige Unterrichtsminister Achmed Schü- k r i, der sich um den Ausbau des türkischen Schulwesens nach deutschem Muster zweifellose Verdienste erworben hat — er berief seinerzeit allein 20 deutsche Universitätsprofessoren — wurde im vorigen Monat als geistiger Urheber des Attentatsplans gegen Kemal Pascha in den Straßen Smyrnas gehenkt, und der ebenfalls deswegen zur Todesstrafe verurteilte frühere Ernährungsdiktator Kara Kemal, als Schöpfer des türkischen Wirtschaftsnativnalismus eine vielumstrittene Gröhe, gab sich vor einigen Wochen selbst den Tod, als er in seinem Versteck, in einem Hühnerstall im gelegensten Winkel Stambuls, aufgestvbert tour : c.
Cs hat sich als folgenschwerer und Der» lmngnisvoller Fehler der Sungtürfen erwiesen, daß sie sich nicht einmütig auf feiten Mustapha Kemals stellten, als er mit bewundernswertem Wagemut die kümmerlichen Reste des türkischen Heeres und die zermürbte Bevölkerung Kleinasiens zum Befreiungskämpfe gegen den verräterischen Sultan und die allmächtigen siegreichen Großmächte hinriß. Allein dem heroischen Kampfe Kemal Paschas und seiner Anhänger ist die heute allseits anertannte Freiheit der neuen Türkei zu verdanken. Ausgerechnet zu der kritischen Zeit, als der Grieche als Scherge der Großmächte bis tief in das Herz Kleinasiens vorgedrungen war, hielten die Kopfe der Jungtürken auf russischem Boden in Bcitum einen Kongreß darüber ab, wie sie sich zu Kemal Pascha stellen sollten und bestärkten so nur den Verdacht einer im Rücken aufkeimenden antikemalistischen Bewegung. An Versuchen, eine solche anzufachen, hat es nicht gefehlt. Der militärische Dilettant — der er eigentlich immer gewesen — Enver Pascha maßte sich damals sogar an, von Kemal den Oberbefehl über die in-
Die Angelkunst im Laufe der Jahrtausende.
Jetzt, im spaten Sommer, ist die beste Zeit zum Angeln, und zahllose Freunde dieses beschaulichsten Sports sitzen an den Ufem der Flüsse und Seen, so wie Goethe seinen „Fischer" schildert: „Sah nach der Angel ruhevoll, kühl bis ans Herz hinan." Daß der August eine Hauptzeit der Angler ist, zeigen auch die zahlreichen Fischer- feste, die in allen Teilen Deutschlands nach altem Brauch gefeiert werden. Ist doch das Angeln ein echtes Volksvergnügen, das sich jeder leisten kann, und diese scheinbar so einfache und doch so viele Feinheiten bergende Kunst reicht bis in die ältesten Zeiten der Kultur zurück. Zunächst mag der primitive Mensch, der auf Fische als Nahrung angewiesen war, die aus dem Wasser ans Land gespülten Tiere gegessen haben. Roch heute gibt es Stämme, die Fische ohne jedes Fischereigerät erbeuten, wie z. D. in Kamschatka oder Kambodscha, wo die Eingeborenen das Wasser künstlich ableiten oder auch vergiften. Dann ging man dazu über, die Fische lebend zu fangen, entweder mit der Hand oder intern man sie durch Steinwürfe und Stockschläge betäubte. Diese Form des Fischfangs läht sich ebenfalls noch bei einigen australischen Döllern beobachten.
Aber schon in der frühesten Kulturzeit, die die Geschichte kennt, in der älteren Steinzeit, haben die Menschen Angeln besessen, und man hat Haken aus Stein oder Knochen gesunden, die schon mit den Angelhaken der heutigen Eskimos oder Feuerländer völlig ü&ereinftimmen. Später ging man zur Bronzeangel über, die größer war als die heutige. Ein solcher Angelhaken, ter an einem Schweizer Pfahlbau gefunden wurde, mißt 20 Zentimeter. Die Knebeloder Zweispihangel, ein nach beiden Seiten zu spitzes, in ter Mttc an einer Schnur befestigtes
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 24. August 1926
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zwischen siegreichen kleinasiatischen Truppen zu I verlangen. Schließlich beschlossen die Jungtürken, abzuwarten, und wenn wirllich der Frei- | heilstampf gelingen sollte, könne man Kemal Pascha immer noch leicht „erledigen".
Seit dieser Zeit datiert der Haß der Kema- liften und ein immer mehr verstärktes Mißtrauen. Man gewöhnte sich später daran, in den Resten der Jungtürken, die nicht offen und rückhaltlos inzwischen zu den Anhängern Kemals übergetreten waren und am kleinasiatifchen Freiheitskampfe teilgenommen hatten, gefährliche Widersacher zu erblicken, die nur auf eine günstige Gelegenheit warteten, durch einen neuen älmsturz sich an die Spitze der von Kemal befreiten Türkei zu stellen. Von diesem Gesichtspunkte aus wurde jede entstehende oppositionelle Richtung mißtrauisch betrachtet, und es entstand so ein Stadium der äleberempfindlich- keit, die selbst in einer an sich sachlichen Kritik der heute alleinherrschenden republikanischen Dollspartei Kemals eine verräterische Handlung erblickt. Aus dieser Einstellung heraus ist auch das zweifellos sehr harte Urteil von Smyrna zu verstehen, da der Gerichtshof aus dem Zeugenverhör zu der Aeberzeugung gelangt war. daß das Attentat auf den Präsidenten der Auftakt zur gewaltsamen Beseitigung der jetzigen Regierung sein solle. In dieser Auffassung wurde man bestärkt durch den älmstand, daß die Fäden der Verschwörung in ter Hand des früheren jungtürkischen älnterrichtsministers Schükri zusammenliefen, ter zwar zu Kemal übergetreten und zum Deputierten vorgeschlagen war, aber der oppositionellen Richtung angehörte: auch haben mehrere prominente Jungtürken von dem Plane gewußt.
Jetzt will man endgültig mit diesen Resten des jungtürkischen Komitees „Einheit und Fortschritt" aufräumen. Wer ter Regierung nur irgendwie verdächtig schien, mit ter Vereinigung Im geheimen in Verbindung zu stehen, tourte verhaftet und nach Angora überführt. Die vor einer Woche begonnenen Verhandlungen bezwecken vor allem die Gesamtpolittk ter Jung- türfen aufzurollen von ihren Anfängen an. Das Verhör hat bis jetzt für den Deutschen interessanten Ausschluß gebracht über die näheren Um- stände, unter denen der Eintritt der Türkei in den Weltkrieg erfolgte. Der Geheimvertrag fei am 2. August 1914 eigenmächtig vom Großwesir unterzeichnet und nur Talaat, Djemal und Enver Pascha waren davon unterrichtet. So sei von 4 Männern die Türkei Deutschland „ausgeliefert" worden! In den türkischen Staatsarchiven fei das wichtige Dokument bis jetzt nicht einmal aufoufinten gewesen. Interessant ist vor allem auch die Aufdeckung von umfangreichen älnterschleifen, die zur Kriegszeit erfolgten. Heber die Pläne der nach Kriegsende geflohenen Führer, die sich vorwiegend in Berlin, Moskau und ter Schweiz aufhielten und über ihre Anknüpfungsversuche mit den früheren Feindmächten werden bis jetzt unbekannte Einzelheiten gebracht. Man ist bemüht aus dem Verhör Aufschluß über die Verwendung der Partei- kasse der Jungtürken zu bekommen, die stets über große Summen verfügten seit sie sich bei ter Absetzung des Sultans Abd-ül-Hamid in den Besitz von im Jildis Kiosk angehäuften Kostbarkeiten gefetzt hatten und über einen Teil des umfangreichen Bankkontos des Sultans in Berlin verfügten. Es wird vermutet, daß noch ein Teil des Geldes vorhanden ist und zur Finanzierung des Attentatplans verwandt ist und für künftige älmsturzpläne bereit steht. Trotz ter Aufhebung des Jungtürkenkomitees hat noch ein gewisser Zusammenschluß der wenigen übrig bleibenden Mitglieder fortbestanden und es fanden im geheimen Zusammenkünfte im Hause des früheren Finanzministers D j a v i d Bey statt, bei denen über die künftigen Pläne beraten und ein genaues, jetzt dem Gerichte vorliegendes Programm der Polittk einer neuen jungtürkischen Partei ausgearbeitet wurde, das in den wesentlichen Punkten dem Programme der jetzigen Regierung in Angora diametral entgegenläuft. Die Untersuchung wird mit fast kleinlicher Genauigkeit streng durchgeführt und erstreckt sich auch auf die einst jungtürkischen Mitglieder ter kemalistischen Dolkspartei, so wurde ter in Deutschland weilende jetzige Land- wirtschastsminister Sabri Dey eiligst zurück- berufen, da er als Zeuge vernommen werden soll, da er verdächtigt wurde an Geheimsitzungen der Jungtürken teilgenommen zu haben.
Der Prozeß dürfte mit ter völligen Erledi- digung der Heberreftc ter Jungtürkischen Partei entern Gegen die Schuldigen, denen eine Teil-
Stäbchen, das von den Völkern Rordasiens und der Südsee viel verwendet wird, war auch in vorgeschichtlicher Zeit bekannt und wurde aus Feuerstein oder Knochen hergestellt. Der Angler ter Vorzeit hatte es viel besser als der von heute, denn der Fischreichtum war sehr groß, auch die Menge der Fischarten beträchtlich. In ten Küchenabfallhaufen der jüngeren Steinzeit, den sogenannten „Kjökkenmöddinger", hat man ©räten vom Aal, Lachs, Dorsch, Karpfen, Hering und vielen anderen Fischen gefunden.
Aus diesem zu des Lebens Rotdurst betriebenen Fang entwickelte sich bann mit der Entfaltung der Kultur die mit bewußter Freude ausgekostete Liebhaberei, die echte Angelkunst. Die ruhigen fischreichen Fluten des Riis boten den Schauplatz beliebter Vergnügungen. Aus altägyptischen Reliefs sehen wir elegant gekleidete Würdenträger, mit vollendeter Ruhe auf Sesseln oder Teppichen fitzend, mit spitzen graziösen Fingern die Angel haltend, während vor ihnen im künstlich angelegten Teich des Gartens die Fische sich tummeln, oder sie fahren in ihren Prachtbooten auf dem Ril, mit dem Angelgerät bewaffnet. Auch in Indien und China war schon in frühen Zeiten das Angeln ein leidenschaftlich beliebter Zeitvertreib, und in der griechischen Ächtung sprechen bereits Homer und Hesiod von den Freuden des Angelns. Die Römer, die einen gewaltigen Fischereibetrieb organisierten, waren keine großen Angler, denn diesen tätigen Besiegern der Well fehlte dazu die Beschaulichkeit.
Mit der Völkerwanderung traten neue Völker in das Licht der Geschichte, bei denen ter Fisch-- fang stets eine große Rolle gespielt. Man hat den Ramen Skandinavien als „Herings- aue" teilten wollen, und jedenfalls wäre damll die Anziehungskraft ausgedrückt, die diese fischreichen Gebiete auf die germanischen Küstenfahrer ausübten. Durch das ganze Mlltelalter hindurch waren die „Rordmänner" die Hauptfischfänger,
nähme an ter ©cöeimorganifation nachgewiesen und die von dem Attentatsplan mitwuhten, hat der öffentliche Ankläger des außerordentlichen älnabhängigkeitsgerichts lebenslängliche Verbannung beantragt. Doch ist es fraglich ob das Gericht dem zustimmt unb nicht doch eher einen versöhnlicheren Standpunkt einnimmt und so eine Lösung vorbereitet, die allen, die sich uneigennützig und parteilos am Aufbau ter Türkei beteiligen wollen, ein Arbeitsfeld ermöglicht.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
O Aus dem Kreise Wetzlar, 23. Aug. Die Sage auf dem Arbeitsmarkt im Bezirke des Arbeitsnachweises Wetzlar hat sich auch in der ersten Hälfte des Monats August wieder etwas gebessert. Cs wurden Mitte August 1767 Erwerbslose mit 1002 Frauen und 1861 Kindern unterstützt. Hiervon entfallen auf die Stadt Wetzlar 508 Hauptunterstühungsempfänger, 287 Ehefrauen und 495 Kinder, den Kreis Wetzlar 993 Hauptunterstützungsempfänger, 591 Frauen und 1087 Kinder, und die zu dem Arbeitsnachweis gehörigen Gemeinden tes Kreises Biedenkopf 266 Hauptunterstühungsempfänger, 124 Frauen und 279 Kinder. Rotstandsarbeiter wurden beschäftigt: in der Stadt Wetzlar 76 und im Kreise Wetzlar 294. Der Rückgang der Erwerbslosenziffer bezieht sich vorwiegend auf die Landgemeinden des Kreises, in denen Erwerbslose vorübergehend als landwirtschaftliche Arbeiter eingestellt wurden. Verschiedene größere Rotstandsarbeiten, die die Beschäftigung einer weiteren Anzahl Erwerbsloser ermöglichen, sind eingeleitet. Ebenso sollen bei der Lahnregulierung in Frohnhausen wettere Erwerbslose aus dem Bezirke te5 Arbeitsnachweises Wetzlar beschäftigt werden. Die Arbeitsmöglichkeit im Tabakgewerbe hat sich ebenfalls weiter gebessert.
—o— Aßlar, 23. Aug. Die Maul» und Klauenseuche ist in hiesigem Orte erloschen. Das Landratsamt hat die angeordneten Sperr- maßnahmen aufgehoben.
—6— Oberbiel, 23. Aug. Der hiesige Vorarbeiter und Hilfsmeister Christ. Meier feierte dieser Sage fein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei der Maschinenfabrik und Eisengießerei Hollmann u. Co. in Burgsolms.
kz. Atzbach, 23. Aug. Einen idealen Spielplatz für unsere Jugend bietet die Hochfläche auf dem wie eine Insel aus dem grünen Lahntal auf- steigenden Rabenberg in unmittelbarer Nähe des Ortes. Die Schuljugend und die Schulentlassenen spielen mit Vorliebe auf dieser luftigen Höhe, die übrigens einen prachtvollen Rundblick über das ganze Lahntal bietet.
O Lützellinden, 23. Aug. Die Unter- richtserteilung an der hiesigen Haushaltungsschule ist der Hauswirtschaftslehrerin Elfriede Groh zu Gießen übertragen.
O Aus dem Kleebachtal, 23. Aug. Die Frühfahrt der Kraftpostlinie von Riederkleen nach Gießen und zurück fällt bis auf weiteres an Sonntagen aus: sie bleibt für Werktage bestehen. Ebenso tritt in ten übrigen Fahrten keine Aenderung ein. Die Abendrückfahrt von Gießen nach Riederlleen findet an Sonntagen eine Stunde später als bisher statt.
O Riederkleen, 23. August. Die Wass erleitung für die hiesige Gemeinde, mit deren Dau im Februar d. I. begonnen wurde, ist nunmehr vollständig fertiggeftellt. Die Freude der Ortseinwohner über das segensreiche Werk ist groß. Die endgültige technische Abncchme ter gesamten Leitung soll in den nächsten Tagen durch das Kreisttesbauamt zu Wetzlar stattfinden. Der tiefer gelegene Teil des Ortes ist gleichzeitig mit einer Entwässerungsanlage versehen worden. Der Hochbehälter ist unmittelbar an der Provinzialftratze nach Butzbach in der Rähe des Forsthauses errichtet: er faßt 90 Kubikmeter Wasser. Die ganze Arbeit ist von der Regierung zu Koblenz als Rotstandsarbeit anerkannt, und zu ihrer Ausführung ist der Gemeinde ein Zuschuß und ein Darlehen aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge bewilligt worden.
O Dornholzhausen, 23. Aug. Die Maul- und Klauenseuche, die erst vor kurzem erloschen war, ist hier erneut ausgebrochen. An der Seuche ist jetzt auch der zweite Gemeinde- butte erfranrt (der erste mußte vor kurzem ab» geschlachtet werten). Die erforderlichen Schuhmaßregeln sind sofort getroffen worden. Ort und Gemarkung bilden einen Sperrbezirk. — Dieser Sage fand in ter hiesigen Turnhalle ein aus Anlaß der wirtschaftlichen Umlegung der Grund-
und erst von der Kirche ging eine allgemeine Belebung der Fischerei aus. Da die Jagd den Geistlichen verboten war, der Fischfang ihnen aber gestattet wurde, da man für die Fastenspeisen leckere Fischgerichte brauchte, so wurden die Mönche eifrige Angler. Gall doch der Stand des Fischers als Gott besonders wohlgefällig, weil Christus unter ihnen feine Apostel gewählt hatte. So wird das Angeln zu einem Hauptsport des Mittelalters, der von frommen Pattes in den Teichen der Klostergärten wie von Rittern in ten Durggräben betrieben wurde. Roch Kaiser Max, der „letzte Ritter", war ein eifriger Verehrer tes Angelns, der davon in feinem „Weihkunig" mit viel Begeisterung und Verständnis spricht. Später aber sank das Angeln in den feudalen Kreisen unter die „niederen, Vergnügungen" herab, und nur in England blieb das Angeln der klassische Sport, der stets von • der höchsten Aristokratie gepflegt wurde. Bezeichnenderweise besitzt auch die englische Literatur ein klassisches Angelbuch: es ist dies Isaak W a 1 t o n s berühmtes Werk „Der vollständige Angelfischer oder des beschaulichen Mannes Erholung", dessen feiner Humor und liebenswürdige Weltweisheit noch heute Entzücken erregt. Unzählige Bücher behandeln in den genauesten Vorschriften das Wesen des „vollkommnen Anglers" und die einzelnen Gebiete feiner Kunst, vor allem die Herstellung der künstlichen Jnsetten, deren sich der englische Angler als Köder bedient. Walter Scott, Coleridge und andere Dichter haben das Angeln als sachkundige Verehrer besungen. Der befarnrte Staatsmann Lord Grey ist unter seinen Landsleuten wegen seines Buches über das „Angeln mit der künstlichen Fliege" mindestens fo bekannt wie wegen seiner politischen Leistungen. Don England aus hat die Angellunst auch in den anderen Ländern wieder eifrige Jünger gefunden. Für den Angelkünstler hat alles Bedeutung: die Wasserwirbsl und Luftblasen, die Wetterveränderung, die Schatten usw.
stücke veranstalteter Vortrag statt, in dem Kreisobstbaulehrer Kilp. Wetzlar, über „Obstbau und Zusammenlegung" sprach. Den Versammlungsteilnehmern wurde mancher nützliche Wink für Pflanzung und Pflege des Obstbaumes auch bei und nach Durchführung des ZulammenlegungS- verfahrens gegeben.
O Hochelheim, 23. Aug. Am Sonntag feierte die hiesige Evangelische Gemeinschaft ihr diesjähriges I a h r e s f e st, das sehr gut besucht war. Die Leitung des Festes lag in Händen des Predigers Tripplcr, Groß-Rechtenbach, der auch die Einleitungsworte sprach. Die Festrede hielt H. M e Y e r von Frankfurt a. M. Es sprachen weiter Pfarrer Weber aus Holz- hettn und Pfarrer Koch. Lützellinden. Zur Verschönerung der Feier trugen die Gemischten und die Posaunenchöre von Hochelheim, Hörnsheim und Groß-Rechtenbach und ter Männerchor von Hörnsheim bei. Die Gemeinschaft ist augenblicklich im Begriffe, ein eigenes Dereinshaus zu bauen. Das Haus wird am Dorsausgange nach Lang-Göns errichtet. Der Bauplatz ist von einem Mitglieds zur Verfügung gestellt. Der Bau ist im Rohbau soweit vollendet.
—o— Hochelheim, 23. Aug. Unter reger Beteiligung wurde am Sonntag das Jahres- f e ft der evangelischen Gemeinschaft in unferm Orte gefeiert. Als Festredner waren erschienen Pfarrer Weber, Holzheim. Pfarrer Koch, Lützellinden und Prediger May, Frankfurt a. M., die in ihren tiefgründigen Ansprachen den aufmerifamen Zuhörern manches ernste Wort zu sagen wußten. Für die Begleitung der gemeinsamen Lieder hatten sich mehrere Posaunenchöre bereitgesunden, ebenso trugen verschiedene Lieder- vorträge des Gemischten Chores zur Verschönerung des Festes bei. — Der Ban des neuen Vereins Hauses, welchen die Gemeinschaft auf dem einem Mitglied gehörigen Bauplatz augenblicklich ausführt, steht vor feiner Fertigstellung. Man gedenkt im nächsten Frühjahr das Haus einzuweihen und seiner Bestimmung übergeben zu können.
—5— Hörnsheim, 23. Aug. Am Sonntag fand auf dem nahe bei unserem Dorfe gelegenen Schießplatz das diesjährige Preisschießen des hiesigen Kleinkaliberschühenvereins seinen Abschluß. Die Veranstaltung, die auch die beiden vorigen Sonntage umfaßte, stand unter der Leitung des Schießmeisters Lehrer Bork von hier und hatte sich infolge günstiger Witterung eines zahlreichen Besuches von auswärtigen Schieß- freunden zu erfreuen. Es erhielt ten ersten Preis (50 Meter aufgelegt) Hugo Volk, Hörnsheim, 2. Preis Heinrich Volk, Hörnsheim, 3. Preis Joh. Weber, Hochelheim.
Kreis Biedenkopf.
* Fellingshausen, 23. Aug. Unser Dorf stand dieser Tage unter dein Eindruck eines traurigen Ereignisses. Galt es doch, einem Manne, dessen Ableben allgemein betrauert wird, das letzte Geleit zu geben: Fleischbeschauer Karl Gerlach I. wurde zu Grabe getragen. Unter Vorantritt des Gesangvereins Konkordia, dessen Ehrenmitglied er war, bewegte sich ein langer Trauerzug nach dem Friedhöfe. Die ganze Gemeinde erwies dem Verstorbenen die letzte Ehre, ein Zeichen, daß der Heimgegangene nffyemein beliebt und geschätzt war.
Dillkreis.
bl. H a i g e r, 23. Aug. In einer großen Bür- geroerfammlung, die von etwa 200 bis 250 Personen aus unserer Stadt besucht war, wurde Stellung genommen zu den Vorgängen, die sich bezüglich der Umwandlung unserer Stadt in eine Landgemeinde in den letzten Tagen hier abgespielt haben. Aus den ganzen Referaten, sogar aus demjenigen des Einberufers der Versammlung, des Kaufmanns Werner Brandt, ging hervor, daß man den Gedanken auf Schaffung einer Landgemeinde im Hinblick auf die wenigen Vorteile, die eine solche Neuordnung in sich birgt, fallen gelassen hat. Der ganze Abend war ein Appell an den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung, in Zukunft allenthalben große Sparsamkeit walten zu lassen und nach Möglichkeit bei den vorgeordneten Behörden dafür einzutreten, daß neue finanzielle Lasten der Bürgerschaft nicht aufgelegt werden. 3n diesem Sinne war die Debatte durchweg gehalten. Der Versammlungsleiter Brandt ging gleich zu Beginn des Abends auf die Vorgeschichte der Angelegenheit ein. Redner erkannte die Schwierigkeiten der Umbildung an und erklärte, daß die Bürgerschaft von der Stadt eine Herabsetzung der Verwaltungskosten und äußerste Sparsamkeit verlange. Er führte einige verwaltungstechnische Beispiele an und erklärte, daß man mit der Beibehaltung der Stadt
Das Schwerste aber sind das ..Whipping" und „Striking", das Hineinwerfen der Schnur und das Heraufziehen des Fisches, das mit einer bestimmten Handbewegung und einer auf Vieri el- sekunden berechneten Genauigkeit erfolgen muß. Lange Hebung und hohe Gewandtheit müssen sich dabei auch zu ästhetischer Schönheit vereinen. „Wenige Künste verdienen so sehr unsere Bewunderung", heißt es in Waltons Werk. „Die Haltung, die der Angler einnimt, ist zugleich im höchsten Grade männlich und graziös".
Die größten Brücken der Welt
ms. Die längsten Brücken der Welt sind natürlich in Amerika, und zwar ist die längste die 46 Kttometer lange Eisenbahnbrücke über den großen Salzsee im Staate ültah, ter durchschnittlich 1 bis 2 Meter, an einigen Stellen aber bis 8 Meter tief ist. Diese Brücke verkürzt die Bahnlinie nach dem Pazifik um 88 Kilometer. Die zweittängste Brücke liegt in der Bahnstrecke von Florida nach Key West, die 175 Kilometer lang ist und von der 130 Kttometer auf im Meere liegenden Inselchen, 45 Kilometer aber auf Drücken über dem 3 bis 8 Meter tiefen amerikanischen Mittelmeer ruhen. Die längste dieser Drücken ist ll1/» Kilometer lang. Durch die genannte Bahnstrecke wird die Reise von Reuhork nach Habana um 18 Stunden verkürzt. Die längsten Drücken der alten Welt sind die bei Cerna- voda über die Donau mit 3850 Meter und die über den Hoangho bei Tsinan mit 3427 Meter Länge. Die größte Kettenbrücke der Well ist die über den Bear-River im Aorten der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Juli dieses Jahres ward die neue Drücke über den Delawarefluß zwischen Philadelphia und Camden in Betrieb genommen. Sie ist mit 583 Meter Spannweite die größte Hängebrücke Amerikas, die sogar die — übrigens von einem Deutschen erbaute — Reuhorker Droollynbrücke übertrifft


