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Unserer Stadt, der Straßenmärter i. R. Fritz P c - termann, jur ewigen Ruhe bestattet. Der Ärie- aerverein gab ihm geschlossen das letzte Geleit und feuerte drei Ehrensalven über das Grab. Der Ver­storbene hatte ein Atter von beinahe 79 Jahren er­reicht. Jetzt leben hier noch zwei Veteranen aus der großen Zeit: sic sind bl bzw. 86 Jahre all und außergewöhnlich rüstig.

y. "21 ibi> a . 23. Mär,,. Unter Lern Dorsch des Landtagsabg. Wols aus Effolderbach sand 6ter eine stark besuchte Brote ft Versammlung des Hessischen Landbunds g^gen die steuer- liche und soziale Ueberfaftung der Wirtschaft statt. Landtagsabg. Dr. L e u ch t g e n s--Fried­berg erörterte die schwierige Finanzlage Hessens unb ihre Ursachen, wobei er besonders scharf die Zunahme der Deamtenstellen kritisierte. Land- tagsabg. Dr. Keller. Oberstudiendirektor in Büdingen, erläuterte dann die Sparmaßnahmen durch Abbau an ben Zentralstellen in Darmstadt und auf dem Gebiete des Volks- und Fortbil- bungsschulwesens. Die Redner ernteten viel Bei­fall. Eine Resolution int Sinne ihrer Ausfüh­rungen an Regierung und Landtag fand fast einstimmige Annahme.

Z_ Ridda, 23. März. 3n der vergangenen Woche ging hier der Handel mit Heu und Dickwurzeln verhältnismäßig lebhaft. Am Bahnhof fand größerer Versand statt. Der Zent­ner Heu wurde mit 3 Mark, der Zentner Dick- wurz -mit 55 Pf. bezahlt. Stkoh wird meistens per Achse von Landwirten aus dem Vogelsberg auf den Hofgütern der -nördlichen Wetterau direkt geholt und für den Zentner 2 Mark bezahlt. Bei der gestern vom Forstamt Ridda abgehal­tenen zweiten großen Holzversteigerung glaubte man anfangs, daß sich die Preise in mäßiger Höhe halten würden, weil für 1 Rm. Duchcnscheitholz durchschnittlich 13 Mark geboten wurden: abgestorbenes Scheitholz galt sogar nur 7 Mark der Raummeter. Doch bald gingen die Preise bedeutend in die Höhe, weil viele Steigerer immer noch nicht zur Einsicht kommen. Der Raum­meter Scheitholz stieg bis 20 Mark. Buchenknüppel von 8 Mk. bis 14 Mk.. Buchen stocke 5 Mk. bis 7 Mk.. Durchforstungs- oder Stammreisig bis 3 Mk. und gewöhnliches Reisig auf 1 Mk. Auch das Ruhholz war sehr teuer. Der Feftmeter Fichten-Stammholz kam bis 50 Ml. zu stehen.

sch. B l e i ch e n b a ch. 23. März. Bei den Verpachtungen der Gemeinde- und Kirchengüter nach Abschluß der Feldberei­nigung unserer Gemeinde im vorigen Jahre überbot man sich derart, daß ein Morgen im Durchschnitt auf fast 180 Mk. tarn. Die kleinen Eigenwirtschaften wurden dadurch natürlich un­tragbar belastet. Bestrebungen aus allgemeine Herabsetzung der Pachtsummen blieben bis­her erfolglos. Die Verpachtung einer Anzahl privater Grundstücke in der vorigen Woche be­wies, daß die Dieteirden das rechte Maß nun doch wiedergesunden haben. Der Morgen kam durch­schnittlich auf 50 Mk.

Kreis Alsfeld.

Alsf eld. 23. März. Am Sonntag nach­mittag fand eine von der Deutschnationa­le n Dolkspartei ein berufene, gut besuchte öffentliche Versammlung in Homberg a. d. Ohm statt, in der Dr. Brehm- Darmstadt über Wirtschafts-, Steuer- unb Sozialpolitik" sprach. Er gab hierbei insbesondere Aufschluß über die ungeahnt schnelle unb kräftige Entwicklung des Deutschnationalen Arbeiterbundes. 3n der Aus­sprache wies der Vorsitzende, Baron R i e d e s e l- Altenburg. auf die Rotwendigkeit hin. daß die Arbeiterttasse die Gemeinsamkeit ihres Schick­sales mit den anderen deutschen Volksschichten erkennen müsse. Diese Einsicht werde künstlich durch die Klassmkampftheorie der linksradikalen Parteien und Gewerkschaften verhindert. Am Sonntagabend wurde ebenfalls von der Deutsch- nationalen Dolkspartei des Kreises Alsfeld eine öffentliche Versammlung in Rie d e rge m ü n -- den veranstaltet, die außerordentlich stark be­sucht war. 3n der an die Rede von Dr. Brehm anknüpfenden Aussprache wurde Aufklärung über verschiedene strittige Punkte der hessischen Ver- waltungs- und Steuerpraxis verlangt, die teil­weise vom Referenten, teils von Baron R i e d e s e l gegeben wurde. 3n beiden Versamm­lungen legte der Referent auch die ölngerechtig- feit unb Sinnlosigkeit des Volksbegehrens zwecks entschädigungslvser Enteignung der Fürsten dar und fand hiermit den Beifall der überwiegenden Mehrheit der Anwesenden.

6-^ Alsfeld, 22. März. Am Samstag fand im großen Saale desDeutschen Hauses" wieder­um eine Vorstellung des Stadttheaters Gießen unter persönlicher Anwesenheit von Hof- rat Steingoetter statt. Nachdem seither nur Lustspiele gegeben worden waren, kam diesmal die ernste Muse mit Max Halbes dreiaktigem Schau­spiel ,^Haus Rosenhagen" zur Geltung. Die muster­gültig inszenierte Ausführung stand aus bcrfelbcu künstlerischen Höhe wie die seitherigen Vorstel­lungen. Das guwesetzte Haus dankte den Gießener Gasten durch reichlichen Beifall für die vortrefflichen .Leistungen, die fast durchweg in allen Rollen zu verzeichnen waren.

er. Homberg a. d. Ohm, 23. März. Am Sonntagabend veranstaltete der Krieger.ver­ein in der Stadthalle einen Vortragsabend mit Lichtbildern. Oberstleutnant a. D. von Hagen- Darmstadt sprach an der Hand zahlreicher Licht­bilder über die Masuren schlach t. Der Red­ner, ein ehemaliger Generalstabsoffizier, sprach

mit hoher Begeisterung über die Vorgänge Um et Sage. Die im Bezirk Wäldershausen abgehal­tene H o l z v e r ft ci g c r un g wies gegenüber den bereite früher abgehaltenen 'Versteigerungen eine P r e isscntung auf. Es kosteten beispiels­weise vier Raummeter Buchenscheicholz 56 bis 60 Mt. - Um allen Aufträgen nachkommen zu können, hat die G e w e r t s ch o f t .,G u t e H o f s° nun g" eine provisorische Gleisanlage ge­schaffen. $er geplante Reubau eines Feld­weges kommt ebenfalls zur Ausführung, und zwar trägt die Gewerkschaft 50 Prozent der Wegekosten. Seitens der Stadt kommt man ihr insofern entgegen, als nach A rzo.hl.ung einer be­reits festgesetzten Summe der Restbetrag einige 3ahre gestundet wird. Bis jetzt war der Absatz an Düngekalk gut. - Ansere Stadl ist immer noch ohne Denkmal für b i e im W e l t- kriege Gefallenen. Schon früher hat man sich um die Errichtung eines solchen sehr bemüht. Houssammlungcn zur Aufbringung der Kosten wurden mit gutem Erfolge veranstaltet. 3n der Inflation sind die Betröge aber in ein Richts zerronnen. 3n letzter Zeit hak man die Denkmals­frage wieder neu ausgegriffen und sich Pläne über die Art der Ausführung vorlegen laifcn, auch über die Platzfrage hat man sich geeinigt. Am schwierigsten gestaltete sich jedoch d.e Lösung der finanziellen Frage. Aus Anregung des Bürger­meisters wurde nun eine Kommission gebildet, bestehend aus den Vorsitzenden aller Vereine, die Mittel und Wege zur Beschaffung eines Dciil- malfonds Vorschlägen soll. Rach mehrmaliger Ta­gung faßte man den Entschluß, ani ersten Oster- feiertage in der Stadthalle eilten Llnterhaltungs- abend zu veranstalten, bei dem die Gesangvereine, die Musikkapelle, sowie einzelne Personen sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Der Ertrag der Veranstaltung soll dem edlen Zweck zugute kommen.

z. S t o r n d o r s, 23. März. Die Molkerei­genossenschaft S t o r n d o r s - D a d e n r o d hielt bei Gastwirt Hofmann ihre ordentliche Gene­ralversammlung ab, die sehr gut besucht war. Aue dem Jahresbericht war zu entnehmen, daß die Milchanlieferung fast wieder die Höhe der Vorkriegsjahre erreicht hat. Die Genossenschaft zahlte ihren Mitgliedern im verflossenen Jahr durchschnittlich rund 22 Pf. für 1 Liter Vollmilch. Etwas mehr als die Hälfte des Milcheinganges wurde als Frischmilch weiter versandt, der Rest zu Butter verarbeitet. Der Reingewinn in 1925 war im Verhältnis zu früheren Jahren bescheiden. Als Ursache wurde die allgemein schwere Wirtschaftslage genannt, insbesondere die hohen Bankzinsen und Steuern. Die Anschaffung einer Kalkspritz- maschine wurde einstimmig beschlossen, weiter wurde der Vorstand ermächtigt, den Neubau eines günstigcren Z u f a h r t s w e g e s zur Mol­kerei vornehmen zu lassen.

Kreis Schotten.

* Eiche l sbv r f, 20. März. Wer die schönen Waldungen des Forstamts Cichelsdors durchwandert, findet in vielen Weg- oder Forstortsbezeichnungen die Rainen verdienter Forstleute für die Rachwelt festgehalten. Sv gibt es einenHeherweg", Rum- richweg", ..Schmittweg",Zimmerweg", einen ForstortTrautweinseichen". Zu Ehren des dem­nächst von hier nach Jugenheim an der Berg­straße übersiedelnden Forstmeisters D e ch t e l, der sich in kurzer Zeit große Verdienste uni den Wegebau erwarb, ist der zuletzt von ihm erbaute Weg auf Wunsch der Gemeinde Bechtel weg benannt worden. Die Dicke G i che, vor einiger Zeit ihres größten Astes beraubt, ist, um die entstandene Wunde nicht zum Aus­gangspunkte weiteren Zerfalls werden zu lassen, dieser Tage a u s g e m a u e r 1 worden. Da dem Regenwasser Durch eine abge^chrägte Zementflache der Zutritt verwehrt ist, steht zu hoffen, daß bas gewaltige Raturdenkmal noch lange erhalten bleibt. Wie oft Krankheit früher befreundete, aber dann einander gleichgültig gewordene Men­schen aufs neue zusammenführt, so ist der vom Anglück betroffene Baum nunmehr allsonntäglich das Wanderziel von Scharen der einheimischen Bevölkerung, die früher selten diesen Riefen Der Vorzeit aufsuchte.

ld. A u s d e m Vogelsberg, 23. Mörz. Die­ser Tage ist mit dem Räumen ii nb Düngen der Wiesen begonnen worden. Der schwie­rigen iinanziellen Lage der einheimischen Land­wirtschaft Rechnung tragend, kehrt man wieder zu früher gebräuchlichen Wiesendüngungsmechoden zu­rück. Im vergangenen wasserreichen Winter wurde wieder, wie ehedem, fleißiggewässert", und nun wird wieder statt der Mischung (Holzasche, Slainit, Thomasmehl) reine A s ch e gestreut.

6= Herchenhain, 23. März. Unter fünf Bewerbern wurde ber Landwirt Haber- mehl ans Babenhausen zum Leiter des hiesi­gen neuerbauten Jugendheims des Ge- samt-V. H. E. gewählt. Er hofft, nach Voll­endung das Jnnenbaues der 3ugendherbcrge in ca. sechs Wochen entziehen zu können.'- An dem H e l d e n d e n k m a l des Gcsamt-D. H. C. auf der Herchenhainer Höhe wird zur Zeit gearbeitet. Es dürfte in einigen Tagen vollendet sein. Als letzter der hiesigen V,ereine hotte der Kir­ch e n ch o r zu einem Fami.li.enab.nid in den Ädolphschen Saal eingeladen. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Aufführung JEter Meineidbauer" von L Anzengruber. Umrahmt wurde die Darbietung von Ehören des Kirchen­chors unter der Leitung von Lehrer W ciine r.

3n einer Ansprache beträte der Vorsitzende, Pfarrer Fritsch. daß her Kirchnnchm -s als seine Aufgabe betrachte, durch gelegentliche Fa­milienabende das Zusammengehvrigte'.lSgefühl und den Gcmeinsinn ixr Gemeiudcangehörigen zu starken. Der Beifall der sehr zahlreiche Zu­hörer zeigte deutlich, dost die Veranstnltnng sehr gut gefallen Hal. Der Reinertrag des Abends dient zur Anfchaffimg eines Harmoniums.

H a r t ma n ns h a in, 23. Marz. Auch in unserer Gemeinde macht sich die Arbeits­losigkeit tn erschreckender Weife bemerkbar. Die Holzbauerorberten find schon feit einiger Zeit beendet. Die Hoffnung auf hic Jnbrtriev-- nahme des Steinbruches hat sich bis jetzt noch nicht erfüllt. Andere Arbeitsmöglichkeit ist leider in der näheren Umgebung auch nicht vorhanden. Das gegenwärtige Werter erfüllt die Land­wirte des oberen Vogelsberges mit schwerer Sorge. Tagsüber beiter, warmer Sonnenschein, nachts bittere Kälte bei sehr starkem Rordoft- wind. Die tiefsten Temperaturen lagen bis jetzt fast alle unter5 Grab. Die Winterfrucht dürfte bei dieser ungünstigen Witterung schwe­ren Schaden nehmen.

Starkenburg.

D a r m st adt, 23. März. Bevor der Zug in Ober - R wNi st a d t (einem Vorort von Darm siadt) hielt, öffnete ein Schüler die Wagentür. Diese schlug g.e gen einen Ge päckwagcn, der auf dem Bahnsteig stand und wurde abgeris- s e n. Der Schüler erlitt schwere Verletzun­gen. Zu dem bereits gemeldeten S e l b st - Mordversuch des Vostagentcn Ewald in Wolfskehlen bei Darmstadt, in dessen Kasse nach einem Postraub ein Fehlbetrag von eiwa 2 00 0 Mark gefunden wurde, ist noch mitzutsilen, daß er den P o st r a u b fingiert und die V c r» untreu u n g eingestauden hat. Eine Geld­kassette, die angeblich gestohlen war, ist im Gar­ton vergraben aufgesundsn worden.

Preußen.

Der neue Frankfurter Polizei- präfident.

WSR. Franksurt a. M., 23. März. Wie wir erfahren, ist die amtliche Bestätigung der Berufung des Landrats Zimmer m a n n - Höchst zum kommissarischen Polizeipräsi­denten von Frankfurt jetzt erfolgt und bereits in Höchst eingetroffen. Polizeipräsident Zimmermann dürfte fein neues Amt bereits am 1. April übernehmen. Ein Rachfolger für ihn ist bisher noch nicht bestimmt. Zum stellvertreten­den Landrat in Höchst ist Rcgierungsafsesior Dr. K r i c 1 e ernannt worden.

Kreis Wetzlar.

g. Krofdorf, 23. Marz. Unjerc P o jt nuto­ll n i e nach Gießen hat erfreulicherweise ständig einen so h r starken Verkehr, besonders auch an den Sonntagen, auszuweisen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn zur Bewältigung des starken An­dranges der Fahrgäste noch ein neuer Wagen eingestellt würde, denn der jetzt für den Betrieb als Verstärkung vorgesehene alte Ersatzwagen kann wegen öfterer Reparaturen nicht ständig benutzt werden. Hinsichtlich des Fahrplanes hat man in der Bevölkerung den Wunsch, daß in der Zeil zwischen 11 und 12 Uhr vormittag- ein Wagen nach Gießen fährt, damit dort her Anschluß an die Cisenbahnzüge, die zwischen 12 und 1 Uhr in Gie­ßen abgehen, erreicht werden kann. Ferner müßte wohl auch die Abfahrtzeit des um 12.10 Uhr jetzt in Gießen abgehenden Wagens etwas später gelegt werden, damit die mit den Mittagszügen ankom­menden Reisenden noch den Anschluß an den Wogen erreichen. Schließlich dürfte der Wagen, der jetzt um 7.50 Uhr in Gießen abfährt, im In­teresse der kurz vor und noch 8 Uhr in Gießen ankommenden Eisenbahnzüge etwas später, etwa um 8.30 Uhr, abgehen.

ch. Lützellinden, 23. März. Bei der in Groß-Rechtenbach jtaügefimbcnen Versteige - r u n g unseres Nutzholzes aus dem Ober­wald wurden durchweg gute Preise erzielt. So wurden für Eichenstämme im Durchschnitt 35 Mk., für Buchenstamme höherer Klasse bis zu 70 Mk. pro Festmeter geboten, während sich die Preise für Kiesernstämmc in der gewöhnlichen Höhe hielten. Für das Raummeter Nutzholz, 3 Meter lang, wur­den durchweg 18 Mk. für das Raummeter bezahlt.

Kreis Marburg.

ss Marbrg, 23. März. In den hiesigen evangelischen Gemeinden gehen in diesem Jahre 164 Mädchen und 156 Knaben zur Konsirma - t i o n.

Gsrichtssaal.

Ein raffinierter Schwindler.

Darmstadt, 23. März. Ein Schwind­ler, der unter dem Namen Freiherr von E g l o f f ft e i n im Kreise Groß-Gerau auftrat, wurde vom Amtsgericht Groß-Gerau zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte sich als In­genieur ausgegeben, mit einer Wirtstochler ver­lobt und unternahm auf Kosten des künftigen Schwiegervaters Automobilfahrten. In Wirklichkeit war der Betrüger zuletzt als Kanal arbeit er bei der Riedentwässerimg beschäftigt.

Verurteilung wegen 2Hdneib$.

WSR. Marburg, 23. Mörz. Das hiesige Schwurgericht verurteilte gestern den Mau^ rer Diehl ans Gemünden, der in einem Schaf­diebstahlsprozeh eine falsche Aussage ge­mach!, biefe dann aber später, ehe ein Straf­verfahren eingeleitet worden war. widerrufen hatte, unter Zubilligung mildernder Umstände zu 71 2 Monaten Gefängnis.

Eine Schös'engericytvsihung mit Hindernissen

WER. 2imburg. 23. März. Eine Schöf­fengerichts) ihung mit Hindernissen spielte sich ge­stern hier ab. Es erschien ein Pferdemetzger aus Frankfurt vor den Schranken des Ge-- richts icegen P f e r ded i e b st a h 1 s. Auf Vie Frage des Vorsitzenden, ob er vorbestraft sei, antwortete er mit einem glattenRein!". ob­wohl die Akien nicht weniger als 30 Diebstähle nach dem Kriege auswiesen. dazu noch etwa ein Dutzend vor dem Kriege. Als dann vom Staats- antoält zwei Jahre Zuchthaus beantragt wur­den und der Vorsitzende noch eine Frage an den Angeklagten richtete, tobte dieser wie ein Wil­der. ries dem Gericht allerleiLiebkosungen" zu, ze r b r a ch zum Schluß seinen Stuhl und wars mit den Teilen nach dem Vorsitzenden, wobei ein Teil des Kron­leuchters in Stücke zersprang. Der Gerichts­diener vermochte wchi Herr über den Ange­klagten zu werden: erst ein gerade anwesender Landjäger konnte ihm die Handfesseln anlege.v Der Spruch des Gerichtes lautete bann auf zwei Jahre Gefängnis. Eine weitere Verhand­lung dürste dem Rauflustigen noch einige weitere Jahre zudiktieren!

Amtsgericht Gießen.

Gießen, 18. März. Bei der großen Kälte im Dezember fror in dem Hause eines hiesigen Schlossers das Abflußrohr eines Klo- fette ein, so baß die Flüssigkeit durch die Decke des Erdgeschosses drang. Der Hauseigentümer ging daher zu dem Mieter des ersten Stock- wertes, um dort den Schaden festzustellen. Offen­bar war er über den entstandenen Schaden und die dadurch verursachten Kosten sehr erregt und geriet deshalb mit dem Mieter in einen hef­tigen Wortwechsel. In dessen Verlauf rief er demselben zu:Du Lump, du Schuft, hu sollst mich einmal leimen lernen, wenn du mich noch nicht kennst, ich werfe dich in den Spiegel." Auch seine inzwischen hinzugekommene Fran nannte den MieterLump" undSchuft" und schlug ihn sogar, als er sie zur Türe hinaus- schob, ins Gesicht. Die -Frau und die Mutter des Mieters drängten alsdann den Hauseigen­tümer, der cücnfo wie feine Ehefrau den wieder-- holten Aufsordei'ungen zum Verlassen der Woh­nung nicht nachlam. zur Türe hinaus, hierauf die beiden dem Mieter von der Treppe aus noch weitere Beleidigungen zuriefen. Die wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung verklagten Vermieter-Eheleute sind in der Hauptverhandlimg nicht erschienen, der Ehemann befindet sich an­geblich in der Rervenklinit. Da er wegen Be­leidigung, Bedrohung und Haussriedensbrnchs schon vorbestraft ist, wird er zu Geldstrafen von 60 M a rck verurteilt, während feine schlag­fertige Ehefrau mit Geldstrafen von 4 5 Mark davonkomml.

Amtsgericht Wetzlar.

6 Wegen gefährlicher Körperverletzung stan­den zwei Arbeiter, einer aus Wißmar und einer aus Krofdorf, unter Anklage. Die An - geklagten hatten Ende Januar zusammen mit einem Dritten, der weil noch jugendlich vom Jugendgericht abgeurteilt werden wird, bei: Zeugen B. nachts, als dieser mit seinem Rade von Wißmar nach Krofdorf fuhr, überfallen unk» mit Stöcken, sowie einem Gummiknüppel schwer verprügelt. Der Tleberfallene hatte hierdurch acht blutende Wunden am Kopfe davongetragen, und muhte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Angeklagten gaben die strafbare Handlung zu. Das Urteil lautete auf je 60 Mark ®el&- ft r af e, hilfsweise je 12 Tage Gefängnis, und Auferlegung der Kosten des Verfahre«.

Ein Arbeiter aus Hochelheim hatte sich wegen Diebstahls im Rückfalle zu verantworten. Wie die Berhanblung ergab, waren dem Zeugen E. ans Hochelheim mehrere Paar zum Trocknen auf gehängter Strümpfe entwendet worden. Der Angeklagte bestritt, den Diebstcchl begangen haben, wurde jedoch durch Zeugenaussagen über­führt. Das Gericht sah jedoch "zu Gunsten des schon mehrfach wegen Diebstahls bestraften An­geklagten Rücksalldiebstahl nicht als vorliegend an, sondern nahm an, daß es sich um Gegen­stände deS hauswirtschaftlichen Verbrauchs in geringer Menge und von geringem Wert han­delte, die der Angeklagte zum baldigen Ver­brauch entwendet hatte. Demgemäß lautete das Urteil wegen Uebcrtrctung des § 370 Ziffer 5 StGB, ans 3 Wochen Hast und Aufer­legung der Kosten. ,

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