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die Denkschrift dec Freien Gewcrkfchaften auf 52 bis 60 Milliarden. Aus dem Unterschied in der Schätzung des Volkseinkommens ergebe sich ein Unterschied in der Errechnung der S t e u e r l a st e n , die die In­dustrie mit 25 bis 30 Proz., die Gewerkschaften mit nur 17 bis 22 Prozent des Volkseinkommens bezif­ferten. Auf dem Gebiet der öffentlichen Fi­nanz w i r t s ch a f t wird die Stellung des Staa­tes nicht nur als Diener der Rechtsordnung, sondern als T r ä g e r s o z i a l e r F u n k t i o n betont. Dem­entsprechend werden die bekannten Forderungen er­wogen, wie ausreichende Besoldung der Beamten, angemessene Versorgung der Kriegsopfer, Offen­legung der Steuerlistcn, Abbau der Umsatzsteuer, Reform des Einkommensteucrtarifs, Verwendung der ^)auszinssteuer für den Wohnungsbau, Steuer­freiheit der öffentlichen Betriebe, Ersparnisse am Beamtenapparat der Heeres- und Marineverwal- lung, Befreiung der Länder von den Fürstenabfin­dungen. Ein niedrigerer Zinsfuß sei erwünscht, dürfe jedoch nicht künstlich herbeigeführt werden, da er zu unbegründeter Bevorzugung einzelner Kredit- nehmer führe. Die Reichsbank müsse eine plan­mäßige Kreditverteilung nach volkswirt­schaftlichen Gesichtspunkten anstreben, handelspoli­tisch wird der Abbau der Zölle auf Rohstoffe und unentbehrliche Lebensmittel sowie der Ein- und Ausjuhroerbote gefordert. Bei 5)anbelsoernagsvcr» Handlungen fei zu beachten, daß jede Zollermäßigung im eigensten Interesse der deutschen Wirtschaft liege. Vie Aushebung der Luxussteuer.

Berlin, 23. Febr. (WTB.) Wie der Reichs­minister der Finanzen in seiner Etatsrede un- gekündigt Hal, ist die Aufhebung der Luxus­steuer in Aussicht genommen. Es ist nur die Frage offen geblieben, ob in kleinem Ausmaße Vie erhöhte Umsatzsteuer bei solchen Gegenständen beibehalten werden soll, bei denen sie weder kulturpolitisch noch volkswirtschaftlich hcbcnHid) erscheint. Die Frage, ob eine solche Liste von geringem Umfange sich gufstellen läßt, oder ob dabei im einzelnen doch Schädigungen der in Betracht kommenden Unternehmungen zu befürchten sein werden, bildet noch Gegenstand der Unterhandlungen. Schon jetzt steht jeten- salls fest, daß die meisten der zur Zeit noch erhöht steuerpflichtigen Gegenstände aus der er­höhten Steuerpflicht ausscheidcn werden. Es gilt dies z. D. von Waren aus unedlen Metallen, Gegenständen der Keramik, der Porzellan- und Glasindustrie. Gegenständen der optischen und der Mufikinstrumentindustrie, Beleuchtungskör­pern, Betleidungsgegenständen. Möbeln, Schuhen usw. Es wird nach Möglichkeit Sorge dafür ge­tragen werden, daß für alle diese Gegenstände die Steuerfreiheit mit dem 1. April 1 926 eintritt, sofern nicht zu diesem Zeit­punkt die erhöhte Umsatzsteuer überhaupt weg­fällt.

Der Personalabbau in Preußen.

Aus dem Beamtenausschuß des Landtags.

Berkin, 23. Febr. (DDZ.) 3m Beamten- Ausschuß des Preußischen Landtages erstattete Abg. M e y e r - Herford (Dt. Bp.) Bericht über die Verhandlungen des Unterausschusses für den Personalabbau. Der Abbau fofi mit rückwir­kender Kraft auch für die Gemeinden einge­stellt werden. Die Vorschläge des Unteraus­schusses wurden im allgemeinen angenommen. El ne längere Aussprache ergab sich zu den § 8 ff. über Maßnahmen zur weiteren Dermin- derung der Persvnalausgaben in der l Staatsverwaltung. 3n Verbindung hiermit wurde ..der § 20, der sich auf das Schulwesen bezieht. » zur Besprechung gestellt. Der Vertreter der , Staatsregierung erklärte, daß die Destimmun- * gen unter allen Umständen aufrechterhalten wer­den mühten. Gehe man jetzt nicht dazu über, die Einstellung v.on Beamten soweit als mög- . lief) zu unterbinden, so bestehe die Gefahr, Dafji plan später zu einem erneuten Abbau kom­men müsse. Abg. Bartels-Hamwver (Dem.) wendet sich gegen die Reueinstcllung, wenn sie nicht unbedingt erforderlich fei. Die Abg. Beuermann (Dt.Bp.) und Ebersbach(Dn.) wollen die Sparsamkeitsmaßnahmen der Staats­regierung nur mitmachen, toenn die Regierungs­parteien geschlossen für die Vorlage stimmen. Abg. Frau Zigahl (Z.) seht sich für die Vor­lage ein. Abg. Schwenk- Oberhausen (Wirt. Ver.) bemerkte, daß auch durch Aufhebung von zu gering besetzten Schulklassen gespart werden könne. Abg. König (S.) ist gegen eine schematische Liebertragung der ein­zelnen Bestimmungen auf die Schulverwaltung. 3m vergangenen Jahre habe man fünf Millionen für die Junglehrer bewilligt.

Die Abstimmung wurde schließlich ausge­setzt. Eine weitere ausführliche Besprechung fand zu den Paragraphen statt, die die Bestimmungen enhalten, unter denen verheiratete weib­liche Beamte entlassen werden sollen. Von den Demokraten, Sozialdemokraten und Kommu- nisteil war die Streichung dieses Gesetzesteiles beantragt worden. Abg. Meyer (Dt. Dp.) führte aus, daß es sich gerade um eine Aus­nahmestellung der weiblichen Beamten handle. Ministerialdirektor Finnen betonte, die grundsätzliche Streichung sei mit Rücksicht auf die Reichsbestimmungen nicht möglich. Für die weiblichen Beamten, die nach dem 3. August 1925 auSgeschieden sind, sollen die erhöhten Ab- findungssähe bewilligt werden. Darauf wurde der Gesetzentwurf unter Ablehnung des Strei­chungsantrages gegen die Stimmen der Demo­kraten, Sozialdemokraten und Kommunisten an­genommen.

Die Gewerbesteuer für 1925 und 1926 in Preußen.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meidet, ist dem Staatsrat der Entwurf eines Gesetzes über die Regelung der Gewerbesteiler für die Rechnungs- iobre 1925 und 1926 zugegangen, nachdem für das Rechnungsjahr 1925 die Gemerbeertragssteuer nach dem im Kalenderjahr 1925 ober im Wirtschaftsjahre 1924/25 erzielten Ertrage, die Kapitalsteuer nach dem Stande des Gewerbekapitals vom 1. Januar 1925 veranlagt werden. Die Veranlagung der Lohn­summensteuer erfolgt nach der im Rechnungsjahre 1925 erwachsenen Lohnsumme. Die Steuersätze sind unverändert geblieben. Für das Rechnungsjahr 1926 sieht der Entwurf die Abkehr von dein bis­herigen Vorauszahlungsfysteni vor. Der ter Ver­anlagung der Gewerbeerlragssteuer für 1925 zu­grunde liegende Ertrag soll gleichzeitig maßgebend für die Veranlmmng 1926 fein. Bezüglich der Höhe des Steuergrundbeirages nach dem Geweroelapital bringt der (Siuitnirf für 1926 insoweit eine Aende-

rung der Gewerbesteuerverordnung, als der Steuer­satz auf ein Drittel des bisherigen Steuersatzes ge- senkt wird. Es soll nunmehr für den Teil des Ge­werbekapitals, der 12 000 Mk. nicht übersteigt, ein Drittel v. T., für den darüber hinausgehenden Teil des Gewerbekapitals einhalb v. T. betragen.

Ministerpräsident Braun und der Richterstand.

Berlin, 24. Febr. (Wolff., Rach Blätter­meldungen hatte auf einem Reichsbannertag in Hamburg der preußische Ministerpräsident Braun bemerkt,daß sich leider einzelne Or­gane des Richterstanbes schützend vor die Feinde der Republik stellen und verhin­dern, daß endlich in das dunkle Treiben der Fememörder und vornehmlich ihrer Hinter­männer hineingeleuchtet wird". LautTägl. Rundschau" hat die Deutsche Bolkspartci im preußischen Landtag diese Aeuherung zum Gegen- ftanb einer kleinen Anfrage gemacht, in der die Frage gestellt wird, ob der Ministerpräsident diese oder inhaltlich gleiche Äußerungen g ct an habe, auf welche Tatsachen sich diese Dehaup- tungeir gründen, wer die Tatsachen fe st gestellt habe und ob alsbald gegen die beteiligten schul­digen Beamten auf Grund der festgestellten Tat­sachen Strafverfahren oder Disziplinarver­fahren eingeleitet worden feien.

Das Kölner Zentrum gegen den Volksentscheid.

Köln, 24. Febr. (WTB.) Der erweiterte Ausschuß der Kölner Zentrumspartei nahm gestern zur Fürstenabfindung Stellung.

Gemeinden an den Unterweisungen des Reiches an das Land mit 65 Proz. beteiligt.) Der Antrag wurde gegen zwei Stimmen ab ge« lehnt. Kapitel 9 wurde einstimmig, Kapitel 10 gegen 4 Stimmen und ebenso das Finanz­gesetz gegen 4 Stimmen angenommen. Ein von Dr. Werner zu Kapitel 15 (Ruhegehalte usw.) ge­stellter Antrag ersucht die Regierung um eine Aufstellung, wie hoch die Belastung der Staats­kasse durch die Pensionierungen im 65. Lebensjahr (Zwangspensionierung von Beamten) in den Jahren 1925 bis 28 sein wird, er wurde einstimmig angenommen.

Der Ausschuß trat hierauf in eine Beratung über die Tagegelder der Staats­beamten ein. Die verschiedenen Bestimmungen hierüber wurden von der Regierung in einer längeren Denkschrift dargelegt. Der Ausschuß hat sich davon überzeugt, daß die Tagegelder sehr gering sind, und die meisten Abgeordneten, die Anträge auf Streichung gestellt hatten, haben sic zurückgezogen. Der Denkschrift zufolge gibt es erst eine Vergütung bei 6 Stunden. Die Tagegelder sind in fünf Gruppen eingeteilt; sie beginnen mit 1,25 und steigen bis 4,20 Mk. Bei über 8 Stunden (Höchstsatz) beginnen sie mit 3,60 und steigen an bis 11,20 Mk. Zu Kapitel 38 (Kirchen) hat Abgeordneter Dr. ©reiner einen Antrag gestellt, keinerlei Unterstützung an Religionsgemeinschaften zu zahlen. Die Regierung weist in ihrer Antwort auf Artikel 158 der Reichsverfassung hin, wonach die Reli- aronsgemeinschaften ein Recht auf diese Zah­lungen haben. Der Antrag wurde durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Zu Ka­pitel 9 hatte Abgeordneter Wcckler einen Antrag

Ein neuer Roman

wird von heute an im Gießener Anzeiger veröffentlicht. Das bis zum (Schluß außerordentlich fesselnd geschrie­bene Werk von Ernst Klein erscheint unter dem Titel Oie tolle Herzogin und schöpft aus den Verhältnissen der letzten Zeit. Aeu- besteller des Gießener Anzeigers erhalten kostenlose Nachlieferung der bereits erschienenen Fortsetzungen. Bestellungen werden entgegengenommen in Gießen durch die Geschäftsstelle und durch die Trägerinnen, aus­wärts durch 225 örtliche Bertriebsstellen und die post.

Es wurde eine Resolution angenommen, ui der erklärt wird, daß sich 1. die Frage der Fürsten­abfindungen nicht für einen Volksent­scheid im Sinne deS kommunistischen Antrags eignet, 2. daß die entschädigungslose Enteig­nung, weil den sittlichen Gesetzen wider­sprechend, abgelehnt werden müsse, daß 3. ein Schiedsgericht eingesetzt werden müsse, dessen Mitglieder der Reichstag bestimme, und daß 4. die Fürstenabfindung im Rahmen der allgemeinen Verarmung des deutschen Volkes erfolgen, müsse.

Aus dem Rechtsausschutz des Reichstags.

Berlin, 23. Febr. (WTB.) Der RechtS- ausschuß des Reichstages seht die Beratung über die Vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern fort. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Vorsitzende, Abg. Dr. Kahl (Dtsch. Dpt.) bekannt, daß in­zwischen das Sperrgeseh im Reichsgesetz­blatt veröffentlicht also wirksam geworden sei. Cs wurde § 2 des Kompromißgesetzentwur- fer, der die Zuständigkeit des Re ichs. son« dergerichtes für die Vermögensauseinander- sehung zwischen den Ländern und den Fürsten­häusern behandelt, beraten. Rach § 2 soll das Reichsscrndergericht unter anderem zuständig sein für alle Auseinandersetzungen, die bei Inkraft­treten dieses Gesetzes nicht bereits durch ein nach der Staatsumwälzung 1918 erlassenes Ge­setz. ergangenes rechtskräftiges Urteil, gefällten Schiedsspruchs Vertrags oder Vergleichs endgültig erledigt sind. Ein Antrag des Abg. Dr. Barth (Dtschnat.), daß das Sondergericht nicht zuständig fein soll für bisher unbestrittenes oder anerkann­tes Privateigentum, wurde abgelehnt. Der Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte die Rückwirkung auch auf endgültig erledigte Auseinandersetzungen, da der § 7 des Kompromihentwurfes die Rück­wirkungsfrage besonders behandelt, wurde dieser Antrag bis dahin zurüclgestellt. 3m übrigen wurde der § 2 mit seinen einzelnen Zuständig- keitsbestimmungen in erster Lesung vom Aus­schuß angenommen. Der § 3 regelt die F r r st e n , innerhalb welcher Anträge aus Ein­leitung eines Verfahrens bei den verschiedenen Akten von Streitigkeiten bei Richtigkcits- und Restitutionsllagen usw. gestellt teerten müssen. Auch dieser Paragraph wurde angenommen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 23. Febr. Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags führte heute die Beratungen über die Kapitel 9 und 10 (Anteil an Reichssteuern. Landessteuern, indirekte Aus­lagen usw.) zu Ende: in Verbindung damit wurde der Entwurf des Finanzgesetzes beraten, der dieselben Sätze wie im vergangenen Jahre vorsieht. 3n einem Antrag Dr. Leuchtgens- Glaser wird gewünscht, den Finanzausgleich in der Weise durchzuführen, daß die UcbertDcifungcn vom Reich an Hessen im Verhältnis 1:1 zwischen Land und Gemeinden ge­teilt werten und daß das Land auf die Real- steuern zu Gunsten ter Gemeinden verzichtet. «Rach Artikel 2 des FinanzgcseheS werden die

gestellt, für die Umsatzsteuer dieselben Vorschrif­ten über die Zusammenlegung mehrerer Steuerziele bei geringen Beträgen zu er­lassen, wie sie bereits für die Reichseinkommen­steuer bestehen. Aus der Regierungserklärung war zu ersehen, daß die Bestimmungen teilweise schon getroffen find: der Antrag wurde daher für erledigt erklärt. Ein Antrag Reiber zu Ka­pitel 74 (Denkmalpflege), das ganze Kapitel zu streichen und die Aufgaben der Denkmal­pflege ter staatlichen Dauverwaltung zu über­tragen, wurde durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. 3n den nächsten Sitzungen wer­den noch einige kommunistische Anträge beraten sowie ein 'Verzeichnis der Regierung über Rebenvergütungen von Beamten.

Der Landtag tritt Dienstag, 2. März, 10 Ute vormittags, zu einer längere Zeit dauern­den Tagung zusammen. Der Hauptgegenstand der Beratungen ist ter Staatsvoranschlag für 1926.

RückkehrdeutscherSeehelden

Berlin, 23. Febr. DieWestfalia", die auf der Reise nach Reuyork bei schwerstem See­gänge die aus 27 Köpfen bestehende Mann­schaft des schiffbrüchigen holländischen Fracht- DampfersAlkaid" gereitet hatte, ist heute in den Hamburger Heimathafen zuruckgelehrt, wo dem Kapitän und der Besatzung ein begei ster- ter Empfang bereitet wurde. Auf den St.- Pauli-Landungsbrücken hatten sich zum Emp­fang ter Seehelten die von der Hapag geladenen Gäste, darunter ter Präsident des Senats Bür­germeister Dr. Petersen, versammelt. Eine Barkasse brachte sie nach derWestphalia", wo die an ter Rettungsarbeit beteiligt gewesenen sieben Mannschaften und zwei Offiziere zunächst durch Bürgermeister Petersen mit Händedruck begrüßt wurden, worauf Ministerialrat Lahr im Ramen der Reichs re gierun g, des Reichswirtschastsmiuisteriums und des Auswär­tigen Amtes eine Begrüßungsansprache hielt, in der er die vollste Anerkennung für die Hilfe aussprach, die die Mannschaft dem holländischen Schiffe geleistet habe. Hierdurch seien wieder einmal die Augen ter ganzen Welt auf die deutsche Handelsmarine gelenkt und das An­sehen Deutschlands gefördert worden. Mit dieser Rettungsfahrt habe die Mannschaft ein Stück Wiederaufbauarbeit geleistet, wie es in ter Hei­mat nicht in jahrelanger Arbeit geleistet werden könne. Ministerialrat Lahr verlas sodann das nachstehende, vom Reichspräsidenten v. Hindenburg an den Kapitän Graalfs ge­richtete Telegramm:

Ihnen und der Besatzung derWest- salia" verdankt eine schteergefährdete Schiffs­mannschaft ihre Rettung aus Seenot. Ich beglückwünsche Sie und Ihre Besatzung zu dem Gelingen des Rettungswerkes unb spreche Ihnen allen für den Mut und die Selbstaufopferung, die Sie hierbei be­wiesen haben, im Ramen des Reiches Dank und Anerkennung aus.

v. Hindenburg. Daraus überreichte Bürgermeister Dr. Peter­sen eine Ehrenurkunde des Senats, die Den Leuten derWestfalia" Den Dank der freien Hansestadt ausspricht.

Ein Protest Der Tiroler.

Gegen die Haltung der Regierung Ramek.

Innsbruck, 23. Febr. (WTB.) 2n einer Versammlung von Vertretern aller Tiroler Par­teien, die heute unter Vorsitz des Bizebürger- meisters Fischer stattfand, wurden von allen Red­nern die Erklärungen des Bundeskanzlers Ramek im Wiener Hauptausschuß und die Haltung Der österreichischen Bundesregierung in ter Süd­tiroler Frage scharf kritisiert. Mussolini habe die Aufrollupg ter Südtiroler Frage vor dem Völkerbund besonders fürchten müssen und es sei für Italien von größter Bedeutung gewesen, von Oesterreich die Zusage zu erhalten, daß die Südtiroler Frage nicht vor den Völkerbund ge­bracht werde. Diese Erklärung hätte sich Die Re­gierung Ramek s o teuer als möglich ab- kaufen lassen müssen. Der Preis hierfür wäre selbstverständlich nur Die vollständige kultu - teile Autonomie Südtirols und die Rücknahme sämtlicher entnationalisierender De­krete gewesen. Der Redner forderte terk^ofvrtigen R ü cktritt der Regierung, die durch ihre klägliche Haltung ihre Unfähigkeit bewiesen habe. Die Tiroler Hütten fein Vertrauen zur Außen­politik in Der Südtiroler Frage.

Tirol selbst sei der Weg zum Völkerbund verwehrt. Deshalb suche Tirol Freunde in Der Welt und trachte danach, alle am Frieden und an der Gerechtigkeit interessierten Völker für die Tiroler Frage zu interessieren. Unter großer Be­wegung wurde das Andreas-Hoser-Lied gesungen und zum Schluß folgendes Telegrämm an den amerikanischen Senator Bvrah abgesandt:Die Versammlung der Vertreter des Volkes in Tirol bittet Den cDlen Friedensfreund. Tirols zu gedenken, das von dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini in offizieller Rede mit einem Einfall der Fasziften be­droht worden ist und dessen südlicher, unter italienischer Herrschaft stehender Teil mit un- menschlicher Grausamkeit gepeinigt wird. Wir erinnern daran, daß Wilson in feinen Memoiren die Zuteilung von Deutsch- Südtirol an Italien als den schwersten Irr­tum des Friedensvertrages bezeichnet hat."

Der Landeshauptmann von Tirol, Dr. Stumpf, hatte Besprechungen mit dem Bundeskanzler und dem Vorstand ter Christlichsozialen Partei. Eine parteiamtliche Er­klärung ter Christlichsozialen Partei stellt fest, daß die Aussprache zwischen dem Bundeskanzler und dem Landeshauptmann eine befriedigende Klärung der Mißverständnisse, die sich aus ter Rede des Bundeskanzlers ergeben hatten, gebracht habe.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empftng heute den österreichischen Gesandten Dr. Frank, der ihm die Bitte Der österreichischen Regierung überbrachte, gemeinsam mit dem öster­reichischen Bundespräsidenten das Protek­torat über die Anfang März in Wien zu eröffnende Ausstellung führender Meister der deutschen Kunst des 19. Jahrhun­derts zu übernehmen. Der Rcichspr äsi- beut erklärte sich hierzu gerne bereit. Ferner empfing ter Herr Reichspräsident heute den bekannten brasilianischen medizinischen For­scher, Prvsessor Miguel Cvuto, Der dom bra­silianischen Geschäftsträger Geuillobel und Dem Professor Aogua Lima vom Tropeninstitut in Hamburg begleitet war.

(Wolff.) Wie Die Blätter von zuständiger Stelle erfahren, wird die Reichsrcgierungi am kommenden Samstag aus Anlaß des Volks­trauertages anordnen, daß auf den Re- gierungägcbäuDcn ha l bst o ck geflaggt wird. Außerdem wird in den Sonntagmorgenblättern ein Aufruf der Rcichsregierung erscheinen. Der Herr Reichspräsident wird an der Kund­gebung im Reichstag teilnehmen.

Die Interalliierte Rheinlandkommission hat die FilmeV o l k i n R o t undBi sm ar d für die besetzten Gebiete verboten.

Der deutsche Botschafter beim Quirinal. Frei­herr v. Reurath, wird sich nach Berlin be­geben und von dort nach etwa 8 Tagen nach Rom wieder zurückkehren.

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Eine Vorstandssitzung des Deutschen Schutzbundes und Der Vorstänte Der ihm angeschlofsenen VerbänDe beschloß. Die Diesjährige Haupttagung Des BunDes in Der Zeit vom 19. bis 21. Mai in Gleiwiy u n D Beuthcn ab­zuhalten. Am Samstag, 22. Mai, findet dann die Fortsetzung der Tagung in G l a tz im schlesi­schen Gebirge statt. Am Pfingstsonntag begeben sich die Teilnehmer der Schuhbundveranstaltungen zur Iahrestagung des Vereins für das Deutsch­tum im Ausland nach Hirschberg. Auf Der SchutzbunDtagung werten Die wichtigsten Fragen des Grenz- und Auslanddeutschtums ausführlich behandelt werden.

Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm den kürzlich von dem gemeinsamen Ausschuß des Repräsentantenhaufts und des Senats angenom­menen Gesetzentwurf an, durch den die Steuern für das kommende Fiskaljahr um 387 Millionen Dollar herabgesetzt werden. Der Gesetz­entwurf bedarf noch der Genehmigung durch den Senat, bevor er Dem Präsidenten Eoolidge zur Unterzeichnung vorgclegt wird.

Wettervoraussage.

Aufklürend südliche bis westliche Winde, Temperaturen noch etwas ansteigend, nachts käl­ter, vorwiegend trocken, doch stellenweise Rebel- bildung.

Der Ausläufer des Azoren-Hochs hat sich mit dem finnischen Hoch vereinigt, so daß sich heute ein großes Hochdruckgebiet von Spanien durch Mitteldeutschland bis nach dem Baltikum erstreckt, das im Osten sogar noch toeiteren Druck- anstteg zeigt. Dagegen hat das Warmluftgebiet an Ausdehnung und Stärke verloren.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,2 Grad Celsius, Minimum 5,3 Grad Celsius. Rie­derschläge: 1,6 Millimeter. Heutige Morgcntem- peratur: 6,3 Grad Celsius.