Gegen die Sensation.
Ein Weihnachtswun^ch an alle Vereine des Hessenlandes!
i Don Schulrat Heinrich Haslinger, Leiter der Zentralstelle zur Föcterung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen.
Um die Weihnachtszeit werden dir Wünsche stärker und ausgeprägter: deutsche Art will es so, und sie hat dieses Fest unter unseren Hänten zu dem erhadenrn Fest drs Gewährens und Schenkens gestaltet. Wie müht sich jeder. Freude unter sein Dach zu bringen u.rd einen Schimmer von Zufriedenheit: wie härmen sich die Herzen und wie mühen sich die Hände! Und mr.tn ich mich nach meinem Aufruf ,<D?grn die Frstseuche" heute wiederum an euch uornde, ihr Vereine unseres He srnlandes, so tue ich e3. wril ihr die Stuben seid, in denrn unser Volk wohnt unb sich auslebt, weil ihr dir Stätten seid, an r-rnen es gerne wrill, weil Kraft und Wille, die in euch leben, zugleich wrsentllcher Andruck von Wille und Kraft des gesamten Volles find. Wohin anders also sollte ich mich wenden als an euch, wenn es ums Voll geht, wenn meine Wünsche aus der Liebe zum Voll und feiner Jugerrd wachsen?
Wir leben in der Zeit der Sensationen. Mit allen Mitteln wird unserem Geschlecht der Sinn für die Sensation eingehämmert. Alle Kräfte stehen im Dienst der Sensation oder werden von ihr mißbraucht. Sie kommt daher im Kleide der Kunst, im Kleide der Wissenschaft, im Kleine der Technik, im Kleide des Sport- Sir nährt sich auf dec Oberfläche ter Dinge v sie sucht nur die Oberfläche: sie ist der gttmr 'le Feind der Seele. Tausende von jungen Menschen haben ihr die Feindschaft angesagt und kämpf-rn und ringen um einen Weg, der sie hecausführen soll aus diesem schlimmsten Uebel unserer Zeit, aber Zehntausende noch lassen sich von ihrem geilen Schimmer blenden, Dmn die Flachheit der Sensation hat einen ganz giftigen Schimmer, etwas rasend Bestechendes für die Unreife. Weil ihr die Tiefe fehlt, nimmt sie das Maul voll und sucht zu imponieren. Wer ihr nicht scharf auf die Finger sieht und ständig auf der Hut vor ihr ist, der sieht sie eines Tages klotzig und breitmäulig im eigenen Lager. Seht doch hinein in die Dinge, die unsere Zeit anpreist! Zwischen einigen neunzig Sensationen vielleicht drei, vier echte Wert-e, die sich an dir Seele des Menschen wenden! Wer unter den Jugendlichen nicht einen ganz ausgezeichneten Führer hat, sei es in der Familie, sei es im Beruf, sei es in einem Verein, der ist schon im voraus in grosser Gefahr, auf dieses au5geflüg:tt verführerische Gebühren der Sensation hineinzufallen. Sie ist mitunter nicht leicht zu erkennen, aber wer ein klein wenig geübt ist, dem werden die Eigenschaften ihres Wesens sofort spürbar werden: bi: Flachheit, das Aur- Aeutzerliche, di? Spekulation auf Gedankenlosigkeit und Leichtsinn, ihre Feindschaft gegen alles Geistige. Sie will keine aufrechte Meinung, sie will keine Kämpfer, sie will Nachbeter, Nach- äffet und Nachläufer.
Der Sensation und ihrem Geist soll also der Kampf aller Gutgesinnten gelten, aller besonders, die irgendwie Einfluß auf die Jugend haben. Und daZ seid in weitestem Maße ihr, ihr Vereine! Euch strömt die Jugend zu, zu euch kommt sie mit gläubigem Herzen, und ihr empfangt in ihr ein großes Gut! Und mit jedem neuen jungen Menschen, der zu euch kommt, kommt euch eine neue Verantwortung. Vielleicht kommt er auch schon, gelockt vom Glanz, vom Erfolg, von der Hoffnung auf Sensation, aber täuscht euch nicht, der reifende Mensch wird euch verloren gehen, wenn ihr nicht versteht, den jungen Menschen über die Sensation hinauszuheben und seine Anteilnahme an eurem Wollen und euren Zielen zu verinnerlichen. Die größte Gefahr in diesem Sinne scheint mir bei den Sportvereinen zu liegen. Nicht, weil ihr Streben weniger gut wäre, als das anderer Vereine, nicht, weil sie mit geringerem Eifer ans Werk
gingen, ihre guten Ziele zu erreichen, nein, nur einfach aus dem Grunde, weil die Art ihrer Betätigung, die Heranbildung und Stärkung der körperlichen Leistungen am leichtesten zum Star- tum und zur Sensation verleitet. Ihr treiteirdes Moment ist der Kampf, aber Kampf führt leicht zur dauernden Rioalität, zum überspannten Ehrgeiz, zur Veräußerlichung und Züchtung der Methode. Ich erhebe keine Anklage, nicht einmal einen Vorwurf, diese Feststellungen ergeben sich aus dem Wesen der Sache, aber gerade weil sie dem Sport unsev:r Tage wesentlich sind, möchte ich warnen, den Kampf um des unbedingten Sieges willen zu predigen. Ich finde es — ohne daß ich damit im geringsten dir Größe der einzelnen Leistung herabsetzen wollte — einfach eines Volkes wie des deutschen unwürdig, aus Menschen Halbgötter zu machen, weil i^nen ihre körperliche Konstitution erlaubt, eine überragende Leistung auf d:m oder jenem Gebiet des Sportes zu vollbringen. Ich unterschätze nicht den starken Willen, der hinter der Leistung steht, ick versage dem Willen und der Kraft nicht die eyrende Anerkennung, aber ich glaube, daß ich im Namen vieler spreche, wenn ich die Art zuruckwcisc, wie aus dieser Leistung Sensation gemacht will). Dieses: „Sensation um jeden Preis" wird, wenn wir nicht verstehen, ihm rücksichtslos und tatkräftigst zu Leibe zu gehen, die deutsche Seele vollends töten.
Unb ist es nicht bedenkllch — ich spreche hier von Vereinen jeder Art — wenn dem Vorurteils- freien Beobachter immer und immer wieder die Zahr der Vereine als viel zu groß erscheint? Wenn man sieht, wie dadurch vielfach das Familienleben leidet, wie dadurch Vereine, die dem Namen und den Zielen nach für das Gleiche kämpfen, sich mitunter in recht wenig schönen Formen befehden? Wie sich die häßliche Fehde häufig schon beim Nachwuchs zeigt, um so heftiger meist, je kleiner und unergiebiger der Boden ist, aus dem die Vereine nebeneinander gedeihen sollen? Wie es oft nur Ehrgeiz einzelner ist, einen Trupp abzusplittern, um zu Amt und Würden zu kommen? Auch das ist der gefährliche Geist der Sensation.
Ich glaube, ich brauche diese Dinge im einzelnen nicht weiter auszuführen. Ich weitz auch, kaß alle zielbewuhten VrreinsvorstLnde in diesen Ansichten mit mir einig gehen. Mir geht es ja. als dem Leiter der Zentralstelle für Volksbildung und Jugendpflege in Hessen, aus aufrichtigem Herzen nur darum, die guten Kräfte im Kampfe um unsere Jugend und um die Gesundung und Gesunderhaltung des Volksgeistes zu sammeln: darum gilt es, diesem Üblen Geist der Verflachung, der Kritillosigkeit, der Aeußerlichkeiten. der falschen Wertbegriffe, kurzum, dem Geist der Sensation geschlossen entgegenzutreten. Und so ist mein herzlichster Weihnachtswunsch an euch, ihr Vereine des Hessenlandes, euch in eurem Streben nach Heranbildung einer gesunden, frohen und geistig, seelisch und körperlich starken Jugend von keinem üblen und prahlerisch lockenden Zeitgeist beirren zu lassen, euch selbst an euren guten Zielen zu festigen und mit einer gesund empfindenden und denkenden Jugend dem Volke eine gesunde und starke Zukunft zu geben. An den einz^nen aber, Den* Einflußreichen, den Besitzenden geht die nicht minder herzllchr Ditte, das ernste Streben unserer Vereine doch nach Kräften zu unterstützen. Je stärker die Vereine in ihren Fundamenten sein werden, je unabhängiger und gesicherter sie finanziell dastehen, desto stärker wird ihre Wirkungsmöglichkeit sein, desto ungebundener werden die Kräfte ihrer Führer fein und desto sicherer wir) ihr Weg sein, den sie als starker Teil des Volkes zu dieses Volkes Freude und Gedeihen gehen.
denen man sich auf einen Stundenlohn von 62 Pf. zu einigen gedenkt. Sofort nach Weihnachten soll mit den Arbeiten begonnen werden.
t ©rünberg, 22. Dez. Die hiesige Orts- ? nippe der Deutschen Bau- und Sied- u n g s ge m e i n s ch a s t, die gegenwärtig 68 Mitglieder zählt, darunter zahlreiche aus der Umgegend. hiell hier eine Hauptversammlung ab. Für aen seitherigen Vorsitzenden Georg Rühl, der aus geschäftlichen Gründen das Amt nierder- legte. wurde Dr. Selber gewählt, als Schriftführer berief man H. Balser und H. Kreutzer, als Rechner verblieb F. Kraemer. Der Gebäude a u s s ch u ß , der die Belange der Mitglieder hinsichtlich der Bauten und des Geländes wahrnimmt, wurde mit den Herren F. Haas, R. Kumpf, H. Balser und L. Bauer besetzt. Im übrigen beschäftigte man sich mit einer ausgiebigen Erörterung interner Dereinsangelegenheiten.
[j Bersrod, 22. Dez. Dec hi.s.ge Kirchen- vvrstand hatte die Absicht, in der Kirche elektrische Beleuchtung einzurichten: man ge- tacf/e, mit etwa vier Lichtstellen in dem verhältnismäßig engen Raum auszukommen. Der staatliche Dnckmalpsleger verlangt aus künstlerischen Gründen jedoch zehn Lichtstellen. Da die hietdurck entstehenden Kosten für die hiesige wenig wohlhabende Gemeinde zu hoch sind, muh man leider auf den Plan der Beleuchtung verzichten.
# Lich, 22. Dez. Der hiesige Kriegeroer- e i n veranstaltete, wie in den letzten Jahren, auch diesen Winter wieder ein Militärkonzert durch die Kapelle des 15. Jnf.-Regts. Vorgesehen ist der 16. Januar 1927. Dieser Tag bedeutet zugleich ein großes Sammeln der Kriegeroereine des Bezirks Lich der Kriegerkameradschaft »flhafsia", deren Mitglieder sich an diesem Tage in großer 3al* in unserem Städtchen einfinden werden. — In bcif letzten Tagen ist in unserer Stadt ein Ueberangebot an Butter zu beobachten. Den Landwirten fällt es infolgedessen sehr schwer, ihre Butter an den Monn zu bringen. Der Preis beträgt 2 Mk. für das Pfund.
Krcis Büdingen.
!! Büdingen, 22. Dez. Da die Raum- Verhältnisse des hiesigen Mathildenhospi- talS sich als zu tlcin erweisen, soll das Äranfen» Haus erweitert werden. Es ist vorgesehen, die beiden Flügel durch einen neuen Längs- bau miteinander zu verbinden und so eine Anzahl neuer Krankenzimmer zu schaffen, ferner auch verschiedenen sonstigen Uebelständen abzuhelfen. So soll vor allem eine Liegehalle erbaut werden, die von ärztlicher Seite schon lange gefordert wird. Auch eine Gummizelle soll in dem Neubau errichtet werden. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß auch ein Raum für die Abhaltung des Hausgottesdienstes vorgesehen ist. Nur durch die Schaffung dieses Erweiterungsbaues wird es möglich fein, daß das Hospital allen Anforderungen, die an es gestellt werdet,, gewachsen ist. — Verschiedene Bäcker unserer Stadt, die zu früh angefangen hatten 31t arbeiten, wurden wegen Verstoßes gegen das Arbeitszeitgeseh zu empfindlichen Strafen verurteilt.
)( Ortenberg, 22. Dez. Der vorige Sonntag stand im Zeichen der Weihnachtsfeiern für unsere Jugend. Nachmittags begann in der Kirche unter großer Beteiligung der Gemeinde die Weihnachtsbesch'rung für die Kleinkinder- schule. Eine reich: Bescherung war durch Spenden der beteiligten Eltern und durch Gaben einiger Freunde und Freundinnen der Kinder- * schule ermöglicht worden. Abmds fand dann im dichlbesehten Mauergartensaal die WeihnachtS- feier der Schule unter der Leitung von Lehren Earl statt. Nach einem schön gesungenen Chor begrüßte Lehrer Kohler als Vorsitzender des Schulvorstandes die Erschienen und dankte vor allen Dingen dem Schützenoerein und dem Stadt- oorstand, die 50 Mk. bzw. 30 Mk. für die Bescherung der Kinder gestiftet hotten. Kleine Aufführungen wechselten dann ab mit Gedichten und Chören, bis der Abend in dem flott gespielten „Aschenbrödels Weihnacht" und einem feinen Reigen seinen Höhepunkt erreichte. Die Feier schloß mit einer Bescherung der Schuljugend: der Fußballklub „Germania" beschenkte die Jugend noch besonders mit einem Fußball. Der Reinertrag des Abends kam der Schule zugute.
—/— Lißbetg. 22. Dez. Auch in unserer Gemeinde wird jetzt die Feldbereinigung durchgeführt. Für viele Grundstücke, die bisher keinen direkten Zufahrtsweg hatten, wird die .Bereinigung sich:r große Vorteile bringen. Dia Kosten sollen zunächst durch B:iträge, später durch Verkauf von Massengrlänte aufgebracht werden. In nächster Zeit will man mit der Parzellenvermessung beginnen.
—/— Aus dem Niddertal, 22. Dez. Das bisherige gelinde Wetter hat die Arbeiten des Landmannes so gefördert, wie das kaum in den letzten Jahren der Fall gewesen ist. Der Stand der Wintersaaten ist befriedigend: natürlich sind durch daS anhallende milde und nasse Wetter auch hier und da Schaden zu bemerken. Zur Vertilgung des älngeziesors wäre baldiger Eintritt von gÄndern Frost- unb Schneewetter_ zu wünschen. Auch für die Obst- bäume wäre etwas kältere Witterung nur.' von Vorteil, da sonst die Bäume im Frühjahr zu weit vorgetrieben sind.
Kreis Schotten.
SQaubadx 22. Dez. Gestern abend hielt olmser Hof" der Laubacher Eisver- e t n feine diesjährige Hauptversammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Studien direkter De. Hainer, berichtete zunächst über die Tätigkeit des Vereins. Infolge der milden Witterung vorigen Winters konnte nur an sieben Tagen gelaufen werden. Der Bestand des Vereins beläuft sich auf 82 Mitglieder. Die Finanzlage ist günstig: der Grundstock der Kasse beläuft sich auf 2i0 Mark. Der neue Voranschlag sicht eine Ein
nahme von 122 Mk., eine Ausgabe von 249 ML. vor. Die Mehrausgabe wirb durch den lieber» fchuß vom vorigen Jahr bestritten. Die Stadt gibt 20 Mk. Zuschuß, die Realschule den gleichst Betrag. Der Jahresbeitrag wird auf 1 Mk. ermäßigt. Es soll ein, möglicherweise auch zwei Eisfeste abgehallen werden. Durch Zuruf wurde der alte Vorstand wirdn:gewählt: 1. Dorfitzenier Studiendirektor Dr. Hainer, 2. V-^sitzem.er Kammetdicellor Birnbaum, Sckriftsüh.rr Studienral Detter, Rechner Dorschrtz'as erech» ner Dourree. Eiswarte S.u ienaf e 0. Schweitz- gut, Studienrat Dr. Dort, Lehrer Bechtold Nach Erledigung der Tagesor mmg sprach der Ehrenvorsitzende, Pref. Dr. Roe scheu, tem Vorsitzeirden ft wie dem Vorstand« den aufrichtigen Dank des Vereins aus. — Am Samstag hiell im „Solmser Hof" vor zahlreicher Versammlung unter dem Vorsitz des hiesigen Fabrikanten Karl Michel, des Drtlrttecs der Handelskammer Friedberg, Dr. Göbel von derselben Industrie- und Handelskammer einen anregenden Vortrag Der Redner behandelte eingehend die Steuerfragen ter Gegenwart, den Finanzausgleich und sonstige Fragen der Zeit. Außer.em beantwortete er ausführlich und klar verschiedene Fragen aus der Versammlung. — Für die Erweiterung der Q ue l l en z u le 11 u ng de r Stadt, worüber wir bereits beichtet, werden 840 laufende Meter guß.i erne Mu fmröhren benötigt.
• Gebern, 22. Drz. Die Elternver- lammlung der ehemalige P rtt t - ( H 0 f - k a p l a n e i -) s ch u l e b.schtttz m t Stimmenmehrheit, die Schule mit dem gehm:en Inventar in d.e Hände der Gemeinde übergehen zu lasten. Das Hessische Landesamt für das D V dungswesen genehmigte den lieber gang. Im Herbst war in verschiedenen Zeitungen Hessens zu lesen, daß manche Gemeinden sch weigerten, fernerhin die Zuschüsse zu den staatlichen höherem Lehranstallen zu leisten. Um so mehr ist eS zu begrüßen, te.ß die Stadt Dedem in dieseo schweren Zeit sich entschlossen hat, die SchträM zu übernehmen und weiter auszubauen. Die nunmehr Städtische Höhere Schule, die die Klassen Sexta bis Untersekunda umfaßt, erteilt den Unterricht nach dem Lehrplan der Realschule außerdem wird noch solchen Schülern, d.e sich später einem humanistischen Gymnasium oder Realgymnasium zuwenden wollen, besonderer Unterricht erteilt. Die Städtische Höhere Schul« Gedern ist d.e einzige öffentliche höhere Lehr» anftalt an der Bahnstrecke Vilbel—Lauterbach. ES sei den Anwohnern dieser Bahnstrecke empfohlen, ihre Kinder in diese Realanstalt zu schicken. Dieser Tage führte Schulrat Kinkel- Scholten den Studienassessor Schuchmann amtlich alS den Leiter der „Städtischen Höheren Schule" ein.
—s— Herchenhain, 22. Dez. Eigenartig ist es in diesem Winter, daß die Höhen des Dogeisberges bis höchstens 4Ö0 Meier abwärts eine zirka 3) biß 40 Zentimeter hohe Schneedecke bei durchschnittlich 1 bis 2 Grad Kälte haben, während z. D. In einer Stunde Entfernung Schnee kaum noch zu sehen ift, Weiterhin flick hier oben starke Verwehungen eingetreten, so daß der Schrie an manchen Stellen sogar 1 bis 2 Meter hoch liegt. Der Autoverkehr ist dadurch naturgemäß vollkommen unmöglich gemacht. Die Fuhrwerke, die mit Wagen anEommen, müssen in den tiefer gelesenen Dörfern in Schlitten umspannen. Solche Verhällnisse hält man in der Ebene für durchaus unmöglich. Der starke Rauhreif in Verbindung mit dem Sturm hat hier auch an der elektrischen Lichtleitung schweren Schaden angerichtet. Sämtlich: Masten vom Umsormerhaus bis .zum Dors in einer Länge von xirfa 800 Meter sind fast ohne Ausnahme umgedrückt. Dabei sind natürlich sämtliche Drähte gerissen. Im Dorfe selbst sind mehrere Dach- ständer, so auch auf dem Jugendheim, heraus- gerissen. Dadurch ist das Dors schon seit fünf Tagen ohne elektrisches Licht. Das Hebeclandwerk versucht die QLalage zunächst notdürftig wiederherzustellen.
Kreis Alsfeld.
-er. Homberg a. d. Ohm, 22. Dz. Unsere neugegründete S a n i t ä t s k 0 l 0 n n e hat unter Leitung dÄ prakl. Arztes Dr. Luft in den letzten Wochen an zwei Abenden mit je zwei Stunden in der Sladrhall: fleißig gearbeitet. Der Unterricht er ft recte sich in der Theorie auf bie Beschaffenheit des ine; schlich n Körpers (Knochen, Muskel, Blutgefäße, Aecvmsy'te..:) und i n praktischen Teil auf Hebungen m.t der Tf.gbahte. Bei letzteren wurden „Verletzt:" d raunten u ib auf ten Tragbahren über hergerichtete H'rntern.fse (Tische. Darren, Pferdes transportiert. D.e Zahl der Mitglieder beträgt jetzt 40. Deren Zahl
von der Weihnachtsbescherung.
Unsere Weihnachtsbeschecung hat sich aus dem altrömischen Brauch entwickelt, nach dem am Jahresanfang, an ten Kalenden des Januar, Freunte und Bekannte sich gegenseitig Geschenke fand.en. Da bis ins 16. Jahrhundert hinein das neue Jahr mit dem Weihnachtsfest begann, so bütger.e sich ter von den Römern her tetcnn e Brauch des N-ujohregeschenkes überall ein. Am 1. Neujahr wurden zudem allerlei Abgaben und Naturallie,erringen geleistet, die mi: der Zeit die Form von milden Gaben annahmen. Aus versch ebenen Klöstern des Mittelalters sind uns Rechnungen erhalten, nach denen die Lehnsleute und Knechte am Neujahr ihre gang bestimm en Gescheite erhielten, etwas Ge.v. ein Paar Handschuhe. Lebkuchen usw. Das erste Zeugnis, das uns von einer eigentlichen Weihr.achtsbflchecung Kunde gut. ist das zuerst von Uferet in seiner Beteu.ung erkannt: Schreiben des Pre .bv.ers Alßo, der d ese «Sitte ums Jahr 1400 folgendermaßen fchi.tert: „Es ist der Brauch, daß sich die Leu e am Abend der Geburt Don' JesuS wechselseitig einen „Christ- abeiu senden, und zwar etwas Angenehmes. Woh schm-ck nies und Süschuf endes. Man hat dabei die Si t:, das übe.sandte Chr.stgeschenk anzunehmen. den Absendern danken zu lallen, die Uel erbri.-.ger zu bedenlen und dem Gel er wieder durck andere Bo.en einen „Christabend" zu schicken." D es: aus dem Heidentum stammende Schenkfreudigkeit wurde nun von der Kirche für das Alma senge'en benutz', und so kam eS immer wehr au', an diesem Togen, „frei ebigen Abend" dir Armen und Kranken zu speisen und zu erquicken. öe;. Bedürf inen an diesem Tage die §ä. fer zu offnen. Selbst ten T'eren gab man a' dies m Heiligen Abend re'ch'icher zu freien als 0 st Bi nach 'e: Re orma i n ist uns aber rur e'n solches B schenken am Christabend unter Erwachsenen berichtet: die Bescherung für die
Kinder geschah damals noch bei den Umzügen am Mar.ins- 1. > QLtDlaiLtag; Weihnachten war nut ein Fest für die Großen. Erst als diese Umzüge in Li: F.ier der We hnicht (ingeich.otzen wurden, entstand die Kinderb. ajeniung am Christabend, entwicke.tr sich unser heutiges Weihnachts- fest, das feinen eigentlichen Glanz von dem Jubel ter Kleinen erhall.
Eine alle Sage erzählt, daß das Christuskind bei seiner Geburt ten Kindern etwas zum Geschenk mitgeoracht habe, und so war es natürlich, daß man auch der Kinder bei dem Erinnerungsfest an Christi Geburt gedachte. Sv entwicke.t: sich int 16. Jahrhundert die Sitte bet, ..Christbürden", für die wir den allesten Beleg vom Jahre 1563 aus Straßburg haben. Die „Christbürde" ist ein Bündel, in das die Geschenke zusammengebunden werden und das der „hei ige Christ" selbst bringt. U:bet den Inhalt dicket „Christhürden" vermeidet ter Pfarrer Thomas Dinita in einer Weihnachtsprrdigt von 1571: „Die Kinderlein finden in ihren Bündlein gemeiniglich fünferlei Dinge: Erstlich Geld, viel oder wenig, je nachdem der Haus-Christ vermag und reich -st doch .afs:n sich de armei Kurie: e n an einem Pfennig oder Heller, in Aepfel gesteckt, genügen und sind guter Dinge darüber. Darnach finden sich auch genietzliche Dinge, als Christstollen, Zucket werk. Pse'ferkuchen: daneben Aepsel, Birnen, Nuß und von gar mancherlei Art allerlei Bestes. Zum dri ten finden s e ergötzliche und zu Freuden gehörige Dinge, als Puppen und anderes Kinder rerk. Zum vier en finden sie nötige, zur Bekleidung und Zier des Lebens d:enstiiche Dinge, gar mancher'ei hübsche Kleider- .ein von jgu em Ge eug und Seiden in rein» luter Arbeit geXtigt Zum letzten finden sie auch, was zur Lehre, Gehorsam, Zucht und D sziplin gehört, als ABC-Säf:ein, Titeln und schöne Dücherle'n, Schreib» und Fedeweug. laviere usv. und die angeountene Christrute." öoldje Bescherungen, in tenen schon eine reiche
Auswahl der Geschenke vereinigt war, wurden im 17. Jahrhuichert auch in ten Kirchen veranstaltet, und dann wurden die Geschenke nicht mehr in Bündel gebunden, sondern in Gefäße getan, die von ten Kindern hingestellt waren. So entstand eine neue Art ter „Einbescherung", die ter Nürnberger Chronist Warenseil gegen Ente des 17. Jahrhunderts also schildert: „In der Christnacht füllen die Ellern den kleinen Kindern die großen Schüfteln. welche jene für den Abend furchtsam, zitternd und doch auch wieder fröhlich leer auf die Tische gestelll haben, voll verschiedenartiger Geschenke, und übet diese freuen sich die Kinder, wenn der Tag graut, so daß sie vor Freude fast außer sich sind, gleich, als hä te das Christkind die Geschenke vom Himmel regnen lassen oder als hätte es sie in di: Schü sein he-un erge ror en." In ter gelehrten lateinischen Abhandlung des Wärt ember-er Juristen Kißling vom Jahre 1737 ist dann die Weihnachtstescherung dargestelll. wie wir sie noch heute haben. Die Geschenke werden am Heiligen Abend in dec Stute auf Tischen aufgebaut: die Kinder warten im Dunkel auf das ersehnte Klingelzeichen, und zur Erhöhung ter Feierlichkeit wird ter alt: kirchliche Weihnackts- brauch des L'ch'an ündens übernommen, intern Wachsstöcke die Telcherung hell erleuchten. AIS ßertlichet Dorbo'e des Heiligen Abendä erscheint nun der Weihnachtsmarkt. auf dem das Christkind all die schönen Sachen eintauft, die eS am Christabend unter die Kinder austeilen läßt. Eine dichten'che Schilderung einer solchen Bescherung wird zuerst von dem D'chter Pvra '745 gegeben: sie erscheint dann in Goethes Briefen kbon verk'ärt durch Den eben arflqekom- menen Wnbnach'Sbaum. und wird in all ihrer doe'ischen Roma-fk zu Anfang deS 19. Jaht- hu"dertS dargestellt, so in Sckleiermachers ..WelbnachtSabe-d" und in S. T. A. HoflmannS präch wem Weihnachtsmärch<n vom Nußknacker unb Mausekönig.
Frankfurter Theater.
Weihnachten rückt immer näher, für groß und Kein sind um b'.efe Ze t Märchen willkommener dem, je. Ta-.menLäume überraufchen di: Realistik des Tages, und in bet Oper fyit man nach jahrelanger Pause Engelbert Humperdincks Märchenoper ..Hänsel und Gretel" neueinstudiert. Dlefes Werk, reich an melodischen Schätzen, wird in seiner rn'trumentalen. großzügigen Elnfachhelt nie und nimmer veralten, immer wieder svlrd man sein A .stauchen mll ehrlicher Wi?te,sch:nslr:>. d: begrüßen. Wie ungeheuer frisch wirken b : Ämter Werten des ersten Bildes, we.rn man auch Wagn^-schr Musik h er beziehungsvoll empli itet. weiche Märchenlyrik Chiflt d rch dem Engelsraum. und musilalisch wirk'.mgSvvll ist das K.rusperhäuOche, samt seiner Here illustriert. Lothar Wallcrstein hatte ter A f.ührung känstlerlsch: Sorgfalt zugew<r::te: Lena Dößnickers Hänsel und Atele KetnS Gretel tanzten und hüpften wie zwei ausgelassene Kmder durch den grünen Märch-enwald. Prächtig war auch daS Ellernpaar Permann-Spie» 4 e l. Danz besonders hervotzuheten aber ist Smma Holls stimmlich unb tetsteller sch te» tenbe, boshaft: K:rusperh:xe. Di: mufital sche Leitung hatte Martin Wolfgang: abg flehen von ebrigen zu schleppend genommen n Tempi, sorgte et für klangvollr orchestrale Wietergab« tes Werkes. Den HauptverdieTist an biefer bei- fallsfrvken A flsühvung trug Ludwig Sievert. Er stellte einen gehflnrnisvoll verwobenen Tannenwald auf die Bühne, in welchm, ein-' feiet» litte, überirdisch schlmmnmte HimmelSl i er erschien. und ein malet sch bizarres Hexen hau- plötzlich. wie auS tem Erdboden empor gewachsen, ten Kindern entgrgmleuchtrle. Die märchenhafte A'-'Sstattung, vereint mit Humperdinck- Musik unb famoser Darstellung ergaben einen starken Erfolg. L W.


