Ausgabe 
23.12.1926
 
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Nr. 300 Zweites Blatt

Das neue Arbeitsgerichtsgesetz.

Der Reichstag hat daS neue Arbeitsgerichts- gesev verabschteöet. Reben einer Jutumnunfaf- fung der ge(am.«n LrbeltSgerichtebarleu werden dadurch manche, und -war wesentliche Der- änderui-.gen gegenüber dem bisherigen Zustande eingesührl. Es erscheint deshalb zum besseren DersländniS erforderlich, das zur Zeit Gültige darzustellen. Wir haben heute m Deutschland Gewerbegerichte. KausmannSgerichte. 3 n - nungsschiedSgerichte und arbeitörecht- liche Kammern beim Schlichtungsausschuß. Die meisten Kaufmanns- und Gewerbegerichte sind kommunale DinrichtungSN. Rur im Rheinland ha­ben wir noch sogenanntestaatliche" Gewerbe­gerichte. die aber rein« Selbstverwaltungskörper ohne jete Derbindung zur Justizverwaltung sind. Insolgedessen hatten bisher die Gewerbe- und Kausmannsgerichle keinerlei organischen Zusam­menhang mit dec Justizverwaltung. Die 3n- nungsschiedsgerichie sind interne Einrichtungen der einzelnen HonbwerkSinnungen. Das deutsche Handwerk hat seit Jahrhunderten solche Einrich­tungen, vor denen eS Streitigkeiten zwischen den Handwerksmeistern und ihren Gesellen oder Lehrlingen zum AuStrag bringt. Diese Einrich­tungen sind auch in der deutschen Gewerbeord­nung alS InnungS'chietSgericht ousrecht erhal'en worden. Allerdings hoben bei weitem nicht mehr alle Innungen von der Möglichkeit der Einrichtung solcher Innungsschiedsgerichte Ge­brauch gemach'

Die grundsätzliche Dedeutuna des neuen Ge­setzes liegt darin, daß die Arbeitsgerichte in Zukunft mehr an die ordentliche Ge­richtsbarkeit herangebracht worden sind Zwei grundsätzlich versch edene Auflassungen über den Ausbau der Arbeitsgerichte waren vorhanden. Dmnfchnrt'onale u. Deutsche Volks- Partei erstrebten die völlige Eingliede­rung der gesam'en Arbe'tsgerich'e in die or­dentliche Gerichtsbarkeit. 5) c So taldemokraten dagegen erstrebten den Aufbau der Arbeits­gerichte außerhalb der ordentlichen Justiz und hofften damit den Grundstock für die von ihnen erstrebten kommunalen Sozialbehörden zu schaffen. Der Gesetzentwurf, auf den das Gesetz ausgebout worden ist, hielt die Mitte -wischen beiden Vorschlägen. Die eigentlichen Arbeits­gerichte, also die erste Instanz, werden den Amtsgerichten nur angegliedert. Für jeden Bezirk eines Amtsgerichts soll ein Arbeits­gericht errichtet werden. Allerdings wird diele Errichttrna in Zukunft als unmittelbarer Staats­akt der Länder erfolgen. Dan stehen Kauf- mannSgerichte und Ge'^erbegerichte nicht mehr auf kommunaler Grundlage. Errichtung. Be» setzung und Dienstaufsicht ist in Zukunft den Landesjustizverwaltungen übertragen. Zwar sollen bMe im Einvernehmen mit den Landes- sozialbehörden verhandeln, ober der Grundsatz der Trennüng zwischen Derwaltung und Justiz ist gewahrt geblieben. Die Vorsitzenden und ihre Stellvertreter werden von den LanbeSjustixver- waltungen bestellt. Von selbstverständlichen LlebergangSbest Immungen abgesehen, sollen sie ordentliche Richter sein. Dei den Landesorbeits- gerichten, die den Landgerichten organisch einge­fügt sind, und die zweite Instanz darstellen, müllen die Vorsitzenden und die richterlichen Beisitzer stetS ordentliche Richter sein. Das gleiche gilt für die dritte Instanz, dem Senat beim Reichsgericht.

Reben diesem Ausbau der Arbeitsgerichte war strittig die Frage der Zulassung der Rechtsanwälte. Die Rechtsanwälte selbst hoben sich um ihr« Zulassung sehr stark bemüht. Ihre Zulassung bei der ersten Instanz, den eigentlichen Arbeitsgerichten, ist jedoch abgelehnt worden Die Arbeitn hmer aller Richtungen hakten sich dagegen gewendet. Es bleibt in Zu­kunft also bei dem bisher bereits bestehenden Zu stand.

Die dritte Schwierigkeit, die sich in dem letzten Stadium der Gesetzwer'^ung zeigte, war die Frage der sogenanntenH andwerksgerichte. Wir haben bereit- daraus hingewiesen dah nicht mehr alle Innungen Innungsschiedsgerichte ha­ben. Infolgedessen sah der Regierungsentwurf die Aushebung der InnungsschiedSgerichte vor. Für arbeitsgerichtliche Streitigkeiten zwischen Handwerksmeistern und ihren Gesellen oder Lehr­lingen sollten allgemein die Arbeitsgerichte zu­ständig sein. Das deutsche Handwerk hat sich

Evangelischer

Kirchengesangoerein.

Am gestrigen Mittwochabend brachte der Evangelische Kirchengesangverein Diehe, in ö?r überfüllten Stad:k rche das Weih- nachtSoratorium von Heinrich von Herzogen­berg zur Aufführung. DaS Oratorium (op. 90) »Die Geburt Christi" ist geschrieben für Soll, Demisch'en Chor. Männer- und Knabenchor und Demeindegeiang mit Begleitung von Streich­orchester, Flügel und Orgel. Als Solokräfte wirk­ten mit die Damen Thilde Walther (Darm­stadt), 3da Stammler (Gießen). die Herren Lic. I. F. 2a un (Dietzen) und P. Schäfer tDarmstodt), sowie Stad'.organist Simon; di« musikalisch« Leitung lag in Händrn von Studien­assessor Roller. Das Werk, dessen Tert von einem Freunde des Komponisten, Friedrich Spitta, auS Worten der heiligen Schr.ft und (teilweise sehr verbreiteten) Kirchenliedern zu- sannnengestellt wurde, gliedert sich organisch in drei grobe Hauptabschnitte: Verheißung Erfüllung - Anbetung. Der erste Teil, eingeleite: durch Orgelvorfpiel. Gemeindegesang, kurze Ansprache und G-bet. behandelt das Thema der Verheihung der Christgeburt im antiphoni- schon Wechsel von Chor und Einzelstimmen und wird wiederum durch dm gemeinsamen Gesang Ich lag in schweren Banden" beschlossen. Im MittelteilDie Erfüllung" entfaltet sich vielstimm g der e'gent'.ich weihnachtliche Gehalt des Oratoriums. Hier liegen thematisch und musi­kalisch die Höhepunkte des ganzen Werkes, vor allem in der berühmter W^ihnachtserzählung des Evangelisten (Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot ausgiug vom Ka ser Augustus.. "), in der k nstvoll abgewandrlten. sehr alten Christ­geburtweise ..Es ist ein Ros entsprungen" und in dem wunderbar innigen Zw egrsang und Wieg n- liedr Mer as rni> Ics:phr: »Ieseph. lieber Joseph mein" undO gebrned.ite Rächt". Zum Schluß die Verkündigung des Engels und der zum Ge-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen-

Oonnerstag, 23. Dezember 1926

Der spanische Flug.

Don unserem v. U.^t. Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Es ist noch nicht lange her. daß der kühne Flug des Obersten Franco von Hueloa nach Buenos Aires die ganze spanische Wett in Begeisterung ver­setzte und weil mehr zu einer Annäherung zwischen dem Mutterland« und seinen früheren Kolonien bei­trug, als es alle Reden und Festakte tun konnten. Der Außenminister 6r. Pangucis-Mesiias betont es wiederholt, daß Spanien seine vornehmste Ausgabe in einem möglichst engen kulturellen Zusam­menschluß mit den Tachter.ändern Süd - und Mittelamerlkos sicht, und daß auch die politischen und Handelsbeziehungen zwi- schen allen Ländern der spanischen Raße möglichst eng geknüpft werden sollen. Das Ziel ist nicht ganz leicht zu erreichen, da sich die flügge gewordenen Ko­lonien zum Teil im System ihrer Verwaltung, in ihrer Psyche und in ihrer Art zu leben wesentlich vom Mutterlande unterscheiden, und die Ma­drider Ideale nicht den ihren entsprechen Es genügt, als Beispiel an die Vorgänge in Mexiko zu er­innern. Zwar bleibt immer das starke Pand der ge­meinsamen Sprache, und ee bleiben die histori­schen (Erinnerungen, die sich von Generation zu Ge> ne-.ation fongeerbt haben.

Hat Spanien durch den Transozeanflug Fran­cos, der mit der Entdeckungsreise von Columbus verglichen wird, viele Bewunderer und Freunde in Südamerika gewonnen und sich den verlorenen Kolonialbesitz wieder nahe gebracht, so soll der Flug des Obersten L I o r e n t e noch Guinea, den er am 10. Dezember mit einem kleinen Hydroplangeschwa- der von Melilla aus unternahm, eine erneute feste Besitzergreifung der bisher recht stiefmütterlich be- handelten spanischen Kolonien symboli­sieren. Nachdem Spanien nach dem unglücklichen Krieg mit den Vereinigten Staaten von Nordame­rika durch den Frieden von Paris Cuba verlor und das Sternenbanner über Puerto Rico und den Philippinen aufgezogen wurde, hörte Spa­nien im Bewußtsein Europas auf, zu den Kolonial­ländern zu zählen, denn die Kanarischen In­seln, die aus der Route nach Südamerika von den großen Ozeandampfern angelaufen werden, sind keine Kolonien, sondern vollberechtigte Provinzen. Jedoch ist Spanien noch immer ein Reich mit recht bedeutendem Kolonialbesitz Ihm verbleiben im Golf von Guinea die große Insel Fernando Po mit mehr als 2000 Quadratkilometern Areal, ferner die Inseln Annobon, Corrisco, Elobey grande und Chico, sowie die fruchtbaren, fast noch uner- forschten Landstrecken am Rio Muni, und am Rande der Sahara Rio de Oro

Es hat zwar schon im vorigen Jahrhundert einige spanische Kolonialenthusiasten, wie z. B Iradier, ge­geben, die vergeblich das Interesie ihrer Heimat für die afrikanischen Besitzungen anzustacheln versuchten. Einige Hundert Kolonisten wurden nach Fernando Po verschifft, jedoch der größte Teil erlag bald den Fiebern und die übrigen wurden ihrem Schicksal überlassen. Nur die Hauptstadt S t a. Isabel, der Sitz eines Gouverneurs, nahm einen gewissen Aus- schwung und ist heute eine Stadt mit hübschen Gär­ten und Faktoreien, hat aber noch lange nicht die Bedeutung, die ihr als Hauptstadt einer reichen Kolonie zukommt. Nur einmal im Monat gibt es eine regelmäßige Dampferverbindung mit dem Mut- terlanbe. Trotzdem Fernando Po den ausgezeich- netften Kakaoboden besitzt, so produziert es doch etwa zehnmal weniger als das viel kleinere portu-

mit Recht dagegen gewehrt, daß Streitigkeiten aus dem Lehrvertrag in dieser Form geregelt würden. Der Lehrvertrag ist nicht ein Arbeits­vertrag. bei dem Arbeitsleistung auf der einen, Entlohnung auf der anderen S.'ite das aus­schlaggebende darstellt, sondern in erster Linie ein Srziehungs- und DildungSverhält- n i s Die bürgerlichen Parteien waren zunächst geneigt, deshalb die Innungsschiedsgerichte für Streitigkeiten aus dem Handwerkslehrvertrag beizubehalten. Abgesehen von politischen Schwierigkeiten wäre das für das Handwerk aber kein Vorteil gewesen. Denn überall da. wo keine InnungsschicdSgerichte bestehen, war dann für Streitigkeiten auS d.m Lehrvertrag das Arbeits­gericht doch zuständig. Infolgedessen hat man be­schlossen. bei allen Arbeitsgerichten be- f o n der« ,H andwerksgerichte" ziz er-

meindegesang überleitende wucht g? Chor »Ehre sei Gott in der Höhe". Der dritte Abschnitt,Die Anbetung", wird durch eine vom Kmderchor aufgenommene, sehr eigenartige und fein instru- mierte Hirtenmusik eröffnet. Ganz entzückend in feiner schlichten, fliehend bewegten Melodik der ChorKommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frauen...", voll weihnachtlicher Stimmung auch der Hirter.grsangAls ich bei meinen Schafen wacht..." und der kleine Prosatext des Evan­gelistenMaria aber behielt alle diese Worte und bewegte sic in ihrem Herzen": den starken, polyphon gesteigerten Ausktang gab der schwie­rige Doppelchor und Cantus f rmus .Allo frit Gott di« Welt grliebt..Den Drschluß d'r schönen und weihnachtlich gestimmten Abend'eier bildete ein gemeinsames Gebet und der Gesang der Gemeinde.

Die Pfälzer Liselotte und der Chriftbaum.

Die Herzogin El sabcth Charlotte von der Pfalz, die bekannte Liselotte, die am Hofe Lud­wigs XIV. ihr deutsches Wesen so urwüchsig be­wahrte. ist uns ein lebendiges Sinnbild deutscher Charakterstärke, di? sich l.eghaft aas der barocken Welt der Ausländeret hervorhebl. Liselotte hat sich stets ihre L ebe zu ihrem Volk und besonders zu den Pfül-eim bewahrt: aus dem leeren und seelenlosen Prunk am Hofe des Sonnenkönigs blickte sie mit wehmütiger Rührung in das ent­schwundene Kinderparadies zurück, das sie in Deutschland gesunden hatte, und unaufhörlich schwärmen ihre 6rinn:r. n.^ea zurück ins Iugend- land. Wenn wir uns das Bild d eser urdeutschen Frau in dieser ur. deutschesten Umgebung v.rgegen- toärtigen, so berührt es uns besonders eigentüm­lich. daß Liselotte worauf erst in jüngster Zeit hingewiesen worden ist ein' wichtige Zeugin für die Feier des deutschen Weihnachts- sestes geworden ist und besonders mit als erfte uns von der Sitte des Lichterbaums erzählt. Die Entstehung des Christbaums, der für uns daS

aiesisch« St Thome, io daß auch der Export der Ko- lonialprodukle aus Dem Hasen stockt Die Einge­borenen der Inscl, die Bubi», die zur Pamue- tamilic gehören, leben noch immer 'm Innern der Insel halbwild unter ihiem eigenen, fast immer be- trunlenen König dahin, der allerdings nicht allzuviel zu befehlen hat und keine Todesstrafen verhangen darf. Im übrigen geht er ebenso wie seine Unter­tanen nackt einher und trägt nur al» äußeres Ab­zeichen seiner Wurde einen uralten Zylinderhpt mit dreifacher Goldborte.

Die (Eingeborenen sind degeneriert und können zu keiner geregelten Arbeit angelernt werden. Sie verbringen ihre Zeit mit Maringatan^en und mit der Bereitung eines berauschenden Getränkes. Auch dem bösen Gott RupS bereiten sie manche betrun­kenen Feste, um ihn zu besänftigen, während sie den !luten Gott Morimv unbeachtet lassen. Die Mis- ionsschulen in Sta. Isabel üben keinen durchgrei- cr.den Einfluß auf die (Eingeborenen aus, die sich zwar gerne taufen lasten, um Patengeschenke zu erhalten, im übrigen aber ihren heidnischen Ge- vräuchen treu bleiben und sich soviel« tfraucn kaufen, wie es ihnen ihre Mittel gestatten. Die Pflanzer schen sich gezwungen, Kruneger aus Liberia zu enga­gieren, stoßen aber dabei, trotz aller Verträge oft auf Hindernisse von feiten der Regierung von Liberia.

Die Regierung Primo de Riveras hatte nun schon lange den Entschluß gefaßt, den Mißständen in der Kolvnlaloerwaltung ein Ende zu bereiten. Dem Gouverneur der Kolonien wurden nicht unbe­deutende Mittel für Straßen- und Wege­bau zur Verfügung gestellt. Den Kolonisten wer­den Vorteile und Kredite gewährt, kolonialtechnische Expeditionen werden in das Innere von Fernando Po und Guinea ausgerüstet und fieberverpestete Landftrecken werden fanterl.

Unter diesem Gesichtswinkel muß der Flug des spanischen Luftgeschwaders unter Oberst ßlorenic, das aus drei Hydroplanen, Typus Dornier-Wal, besteht, als ein wichtiges Ereignis be­trachtet werden. Der Aufstieg wurde von großen Feierlichkeiten begleitet. Der päpstliche Segen wurde den Fliegern und ihrem Unternehmen erteilt. Ge- neral Castro-Girona bezeichnete die Flieger als He­rolde Spaniens. Glückwunschtelegramme des Kö­nigs und der höchsten Behörden trafen ein, Ban- fette wurden veranstaltet usw. Der Flug geht über Casablanca nach Las Palmas, von dort über Port Etienne nach Dakar, weiter über Konakrn nach Monrovia, dann über Bas- s a n nach Lagos, und von dort nach S t a. Isa- bei. Im ganzen eine Strecke von 7090 Kilometer.

Die erste (Etappe wurde laut den vorliegenden Meldungen aus Casablanca recht glücklich überroun- den, nur entsteht wegen eines Motordefeltes ein erzwungener Aufenthalt von einem Tage. Da die atmosphärischen Bedingungen günstig sind, so wird mit keinen weiteren unliebsamen Zwischenfällen ge­rechnet. Für die spanische Luftschisfahrt bedeutet dieser Flug nach Guinea ein neues Ruhmesblatt.

Nachdem nun die Konzession endgültig an die Zeppelingesellschaft Colon erteilt wor­den ist, wird voraussichtlich binnen drei Jahren die regelmäßige Fluglinie zwischen Sevilla und Buenos Aires in Gang gebracht fein. Auch die deutsche Lufthansa wird bald ihre regel- Mäßigen Flüge zwischen Berlin und Madrid er­öffnen. Dadurch wird Spaniens Bedeutung als Flugstation für die wette W?lt ins Große wachsen.

richten, die auS einem Richter als Vorsitzenden und je aus einem Handwerksmeister und Hand­werksgesellen alS Beisitzer bestehen. Danben wurde beschlossen, daß bei Streitigkeiten zwischen Meistern und Lehrlingen Klage beim Arbeits­gericht erst erhob:n werden kann, nachdem eine Verhandlung vor einem Jnnungsausschuh statt- gesunden hat und die Parteien innerhalb einer Woche den gefällten Spruch nicht angenommen haben. Diese neue Lösung wird deshalb ohne Zweifel den Wünschen des Handwerks besonders gerecht, weil sie eine Regelung für das ge­samte Handwerk bringt, während bei der Auf­rechterhaltung der Innung sschiedsgerichte di« Regelung nur für diejenigen Innungen bestanden hätte, die von einer solchen Einrichtung Gebrauch machten.

schönste Symbol des Christfestes geworden ist, läßt sich ja nicht sehr weit zurückverfolgen. Zwar hat man auf die Lichterbäume Ind e iS und d e Daumverehrung d:r alten Germanen hingewiesen, aber daS sind doch nur sehr unsichere Vermutun­gen, die mit d:m We hnachtsbaum wenig gemern- sam haben. Daß grüne Zweige an den Festen als segenbringende Zeichen der Fruchtbarkeit an­gebracht wurden, ist ja uralt, und für daS WeihnachtSfcst wird uns die Derwe-d ng solcher Segenszweige zuerst imRarrenschiff" Sebastian Brants bezeugt. Die erste Kunde von einem Tannen bäum, der zu Weihnacht aufgerichtet wurhe, stammt ebenfalls aus Slratzburg. und zwar heißt es in einem Bericht vom Jahre 1605:Auf Weihnachten richtet man Tann en - bäume in den Stuben auf; daran hängt man Rosen, aus vielfarbigem Papier geschnitten. Aepsel, Oblaten. Z.schgold. Zucker usw." Dieses Auftauchen des weihnachtlichen Tannenbaums im 17. Jahrhundert ist auch sonst noch hier und da nachzuweisen: so wird es in den Denkwürdig­keiten der Herzogin Sophe Dorotß.a von L.egnih erwähnt, und auch aus Dachsen gibt es verein­zelte Mitteilungen, die vermuten lassen, der Brauch fei während d^ Dreißigjährigen Krieges von den Schweden eingeführt worden. Das wert­vollste Zeugnis aber ist das der L selotte, das uns den Glanz des k:rzeng schmückten DaumeS lebendig vorführt. Am 11. Dezember 1708 schrieb die mitteilsame Fürstin an die Herzogin Elisabeth Charlotte von Lothringen einen französischen Brief, in dem ihre Gedanken, wie so ost. in die Kindheit zurückschwe fen; sie gedenk! der Feier des St. Rikolastages in Deutschland und fährt bann fort:Ich weiß nicht, ob Ihr ein anderes Spiel habt, das noch jetzt in Deutschland üblich ist; man nennt es ba$Christkinde!". Da richtet man Tische wie Altäre auf und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen auS, mit neuen Kleidern, mit S lberzeug, Puppen, Zuckerwerk und allem möglichen. Aut diese Tische stellt man dann DuchSbäume und bef.Rigi an jedem Zweig eine kleine Kerze. DaS sieht allerliebst auS, und ich würde eS auch zu dieser Stunde noch gern

sehen.- Ich erinnere miuj, wie man mir z > Han­nover das Christkindel zum letztenmal kommen ließ. Man läßt Schüler kommen, die e n richtiges Schauspiel aufsühren: zuerst erscheint der St^rn, dann der Teufel und Engel, hieraus Christus mit St. Peter und anderen Aposteln Der Teufel klagt die Kinder an und verliest e n langes Re­gister ihrer Sünden. Christus sagt dnrauk, er sei gekommen, um ihnen Geschenke zu bring m; da sie aber so unartig seien, wolle er nicht be ihnm bleiben. Der Engel und St. Peter bitten für sie und versprechen, daß sie sich b'lsem werden. Das Christkind verzeiht ihnen, und Dl. Petrus und die Engel führen sie zu den Tischen. Wenn davon 5 oder 6 aufgestellt sind, so läßt sich nichts Hüb­scheres denken, denn all's ist mit bintfarbg n und silbernen Bändern behangen. Als mich St. Petrus, der ein junger Schüler mit einem frischen Bart war. bei der Hand nahm, merk e ich. daß es nur ein Spaß war . . ." Als Lis lotte bet ihrer Tante Sophie in Hannover, wo sie vier glückliche Jahre verbrachte, dasChristk ndel" zum letztenmal, feierte, da war sie 12'/, Jahre alt, und wehmütig gedenk sie in diesem und auch noch in einem anderen Briefe d^s LiÄterbau.ns, den sie so gern wieder einmal leuchten sehen möchte. Freilich gab es damals um 1630 in Han­nover zu Weihnachten noch keine Taimen, sondern eS war der Duchsbaum. der mit Kerzen ge­schmückt wurde. Decker erinnert in se nerPsälzer Volkskunde" daran, daß noch heute in vielen Dörfern der Pfalz der Weihnachtsbaum als Duchsbaum" bezeichnet wird, und d elec immergrüne Daum war früher in fast jed m Garten der Vorderpfalz zu finden, wurde häuf g in Töpfen gezogen, zu Weihnachten auSg schmüctt und in die Stube gestellt. So schemen eS dem, auch Pfälzer Erinnerungen der Liselotte zu fe n, die hier mitsprechen. Rach d esem Zeugnis der Pfalzgräsin vergeht dann sreilich e n ganze- schweigendes Jahrhundert, bevor wir w ed r vom Lichterbaum zu Weihnacht hören, und erst au Anfang des 19. Jahrhunderts ist der brennend« 2 armen bäum bei uns allg meiner S.tte geworden, hat den Siegeszug durch die Welt angetreten.

Oberhejjen.

Landkreis Gieren

£. Wieseck. 23. ®ej. In feiner jüngsten Sitzung beschäftigte fich der Gemcinderat zunächst mit der Reufest setzung der Hundesteuer für 192 7. Man einigte sich un afigemeinen auf die vorjährigen Öiix. Dem­nach ist an Gcmcindehmrdesteuer jährlich zu zah­len 4 Mr. für den ersten Hmrd. 8 Ml. für den zweiten und 15 Ml. für den dritten Hund Die Gemeinde ist Gesellschafter der Bauhütte Gießen -Wetzlar. 5X'r wahrend der In­flation cingejablte Gesellschaitelxmteil im Be­trag« von 1 Million Qltarf beträgt nach der vor­genommenen icOprozentigen Aufwertlmg nebU aufgelaufenen Zinsen 214 Mk. Sin A i'.rag. diesen Anteil auf 600 Mk. zu erhöhen, ver'iel der Av- lehnung. Don der rechten Seite des Gemein Be­rats wird verlangt, in einer der nächsten Sitzun­gen den Austritt der Gemeinde alS Gesellschafter zu vollziehen. Der nächste Punkt batte ei « ansehnliche Zahl Zuhörer ang lockt; er betraf die Dinterbeihilf« sürDrwerbSlose, Sozial - und Kleinrentner. De Oesient- lichkeit wurde aber nur im theoretischen Teil der Verhandlungen zuaelassen. Sine früher statt­gehabte Besprechung halte bereits die notwen­digen Grundlagen geschasseit. nach denen die ülnterstützung zur Auszahlung gelangen sollte. Der Fürsorgetommis ion blieb die Ä lSsührung bestimmter Richtlinien Vorbehalten. A, Unter­stützungen werden nach den gefaxten Brschlusien auSgezahlt: an unterhaltSpslichtige Hau»tUnter­stützungsempfänger 40 Mk. und für jeden Zu­schlag sempsänger 5 Mk.. an ledige Unterstüt­zungsempfänger über 21 Jahre 30 Md, unter 21 Jahre 20 Mk. AlS Stichtag war der 18. De­zember bestimmt Wer an diesem Tage mehr alS 15 Tage «rwerbSlos war, erhält die vollen ülnierstützungssätze. Bei weniger als 15 Tagen Erwerbslosigkeit werden 50 Prozent vorstehen­der Sätze gewährt. Um die auszuzahlen en Be­träge ihrer reinen Zweckbestimrnung zuzuiüh.en, soll in einigen Fällen die Auszahlung in Ra'.u- ralien erfolgen. AuS gleichem Grutrde erfolgt die Auszahlung der Sonderunterstutzung für Le­dige unter 21 Jahren grundsätzlich nur an bereit Ellern, bzw an den jeto.-iligea Hau-HaltungS- vorstand. In gleicher Höh« bewegen sich die Sonderunterstützungssätze für Sozial- und Kl ;;i- rentner und für Personen, die der ösfentlichen Fütlorge unterstehen. Insgesamt werden an Win- terbeihilsen in unserer Gemeind« in diesem Jahre 6300 Mk. zur Auszahlung gelangen.

(D Collar, 22. Dez. Der Gemeinderat bat in seiner gestrigen Abendsitzung den Vor­schlägen der Fürsorgekommission auf Zahlung einer Weihnachlsbeihilse an d i e Er­werbslosen, deren Zahl wieder auf 322 ange» wachsen ist, zugeslimmt. Maßgebend für die Hohe der Zuweisung bleibt der Grad der Bedürftigkeit. Die vorgesehene Ausgabe beläuft sich auf 8Ö0 Mk. Hiervon hat die Gemeinde s mit 600 Mk. zu tra­gen, während der Restbetrag aus Kreis- bzw. Staatsmitteln ßurürferftattet wird. Die Hunde­steuer soll für das Jahr 1927 in gleicher Höhe wie dieses 9abr zur Erhebung kommen. Ein hier wohnhafter Gelegenheitsarbeiter, Kaufmann und Reifender, der wegen Unterschlagung seit Wochen verfolgt wird und sich auswärts aushielt, konnte gestern abend durch Wachtmeister Bambey in dem Augenblick verhaftet werden, als er zu einem kurzen Besuch seine Wohnung betreten hatte.

II Daubringen. 22. Dez. Ges ter . nach­mittag veranstaltete die Oberllasse unserer Schule eine Märchenlichtblldervorsührung, anschließend hielten die beiden anderen Klas en im Beisein deS Schulvorstandes «ine Weih­nachtsfeier, bei der schön vorgetragene Ge­dichte und stimmungsvolle Weihnach'.s.ieder ab­wechselten. Am Abend hatte der dritte Jahr­gang unserer Mädchenfortbildungs- schule unter Leitung von Frl. Säubert. Dießen. Lehrerschaft und Schulvorstand zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Den guten Leistungen der Schülerinnen wurde allgemeines Lob ge­spendet. Laut Beschluß des Gemeinderats wird ein Teil unseres Dorfes kanali­siert. Die Arbeiten wurden den Unternehmern Bürgermeister Preis von hier und Ruhl von Lollar, die mit 25 000 Mk bei der Submission am niedrigsten und 7000 Mk. unter dem Hüchsl- nehmenden waren, zuerteilt. Die Arbeiten sollen von den Arbeitslosen 'vr3i?füf>rf werden, mit