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Samstag, 23. ©ttober 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 249 Zweites Blatt

Den Vereinigten Staaten liegt die Million ob. aber diese Mission besteht nicht darin, in eine Situation, die bereits über mehr Worte als nötig verfügt, noch neue Worte hineinzutragen. Es ist auch nicht unsere Mission, Geld auszuborgen. Jeder Dollar, den wir Europa leihen, dient nur dazu, den Tag der Abrechnung hinauszuzögern, dient nur dazu, Armut und Elend zu verlängern, die schon vor dem Kriege akut waren und es heute in noch höherem Maße sind. Eine der Hauptaufgaben des Völkerbundes bestand bis heute darin, Vorsorge für die Aufnahme von Anleihen zu treffen, die doch nur verhindern, daß man den Wirklichkeiten ins Antlitz blickt. Was früher über das Leihen von Geld bei einem Geschäft gesagt wurde, bezieht sich mit gleichem Vachdruck auf das Geldleihen bei Ra- tionen. Die Völker Europas brauchen kein Geld, obgleich sie davon überzeugt sind. Es gibt in Europa auch nicht eine Bedingung, die sich durch Geld allein heilen ließe. Cs ist nicht die Mission der Verewigten Staaten, einen fal­schen Geist des Internationalismus zu kultivieren, der nur zu einer Vermengung der euro.väischen Sorgen mit unseren eigenen führen würde. Ihre Aufgabe ist vielmehr, durch Beispiel daheim und im Auslande zu zeigen, daß der gegenwär­tige Zustand Europas gänzlich un­nötig ist und lediglich auf das Schuld­konto eines falschen wirtschaftlichen Systems kommt.

Es klingt ganz hübsch, über. Internationalis­mus zu schwatzen und über den Schaden, den eng­stirniger Vationalismus der Welt zugefügt hat. Für die Völker bedeutet es höchste Torheit, sich als Erbfeinde zu betrachten, nur weil sie ge­trennten Regierungen unterstehen. In diesem Sinne hat sich Vativnalität als Betrug erwiesen. Eine Vation ist lediglich eine homogene wirt­schaftliche Einheit. Ist sie nicht gleichen Ursprungs und läßt sie sich nicht wirksam re» gieren, dann ist sie keine wahre Einheit. Oesters schon hat sich eine Vation, die als eine wirtschaftliche Einheit betrachtet wurde, in zwei oder mehr Teile gespalten. Wir haben schon

wodschaftcn eingerichtet worden. Die militärische Vorbereitung wird als Pstchtfcich in den Schulen bzw. als Verpflichtung für die Jugend auch außerhalb der Schulen eingeführt. Auch die weibliche Jugend soll pfl.chtmähig imSani- täts-, Rettungs- und Fürsorgcwesen ausgebildet werden. In einem besonderen Dauerkursus sollen die Leiter der Ausbildung vorbereitet werden. Die Gemeinden haben Schieß- und Hebungs- Plätze zur Verfügung zu stellen.

Dir sehen, ringsum in der Welt wird die Jugend planmäßig zur Wehrhaftigkeit, zur Diszi­plin und entschädigungsloscn Pflichterfüllung er­logen. Dem Deutschen aber hat der Feind die Hände gebunden, der wohl weih, daß ein Mann, der in der Jugend den Geist der Wehrhaftigkeit, die Freude an der Unterordnung unter eine große Organisation nicht gelernt hat, in reiferem Alter schwerlich diese Eigenschaften zum Heile des Vaterlandes noch erwirbt.

Fischreiher im Licher Grund.

Von Karl Rudolf Fischer, Laubach.

Dem aufmerksamen Raturbeobachter, der um Die Zeit des Sonnenunterganges die art dem weiten Wiesengelände des Licher Grundes vor­überführende Kreisstraße von Lich nach V'.eder- Bessingen entlang wandert, wird es nicht ent­gehen, daß sich hier alltäglich eine Anzahl von großen, grauen, stelzbeinigen Vögeln aufhalt, die durch ihr unglaublich scheues Benehmen sofort aufsallen, wenn sie sich von Menschen beobachtet fühlen: Fisch- oder Graureiher sind es die hier an der Wetter und den das Wiesental durchziehenden Flut- und Bewässerungsgräben der Jagd auf allerhand kleines Getier obliegen. Freilich vermag der Reiher, tritt er häufig auf, besonders gn Forellenbächen empfindlichen Scha­den anzurichten, an größeren Gewässern, in denen Fischzucht gedeiht, wird es sich aber meist um jene kleinen Weißfische, Gründlinge, Ellrihen und anderes geringes Zeug handeln, die er unzer- stückelt, mit dem Kopfe zuerst, in seinen stets frehgierigen Rachen hineinwürgt. Beim Fischfang hat der Reiher, der ein sehr scharfes Auge und überhaupt hervorragende Sinncswerkzeuge besitzt, seine eigene Methode. Stundenlang vermag er auf einem Fleck auszuharren, steif wie ein Dock steht er da, hochbeinig und hölzern, mit eingezogenem Halse, was den Anschein 'erweckt, als ob der Vogel bucklig sei. Do wartet er, bis seine bern­steingelben Augen mit dem seltsam stechenden Blick, in dem seichten Wasser, das ihm bis an die Federhosen reicht, ein Fischchen in seiner Vähe erspäht haben. Wie ein Blitz zuckt dann der lange 8-förmig gebogene Hals mit dem messer­scharfen, lanzenspihen Storchschnabel plötzlich ins Wasser, und ehe sich's der Fisch versieht, schnickt der Reiher den Hals im Vu kerzengerade in die Luft, sperrt die klammerfesten Schnabelhälften lauf, daß der Fisch m den Rachen fällt und schluckt ihn hinab. Die Wiesengräben dagegen pürscht er langsam entlang mit jenem schleichen­den. für alle scheuen Tiere charakteristischen Gang, vorsichtig Schritt vor Schritt sehend, dabei alle Augenblicke ihre Umgebung scharf musternd und nimmt alles auf, was nur irgendwie genießbar ist: Frösche, Blindschleichen. Wasserratten, aber auch Libellenlarven und Wasserkäfer, ja selbst

wozu die Armee Handwaffen, Geschütze, Muni­tion usw. liefert. Es gibt in den Vereinigten Staaten keine Universität oder Hochschule ohne eigenen, gut ausgestatteten Schießstand.

Ganz ähnlich sind die Bestrebungen für die militärische Jugendvorbereitung in England. Vom 14. bis 20. Lebensjahre werden die Jungen militärische vorgeschult durch eine Menge von Jugendvereinigungen, die teilweise den Charakter unserer Pfadfindervereine tragen. D.e höheren Schulen stellen sich auch die Heranbildung von Ofsizierersah für Die Terri­torialarmee zur Aufgabe, während an einer Reihe niederer Schulen ebenfalls mit. staatlicher Unterstützung Jugendvereinigungen für den Unteroffizier- und Mannschaftsersah sorgen.

Auch in Polen besteht seit Mai 1925 ein Oberster Rat für körperliche Erziehung und mili­tärische Jugendvorbereitung beim Kultusmini­sterium: entsprechende Komitees sind bei Woje-

lange gelernt, daß unsere staatlichen Grenzen keine Wirtschaftsschranken sind, xmd wir schenken ihnen keine Aufmerksamkeit mehr. Europa aber richtet politische Grenzen auf und ver- sucht diese dann mit katastrophalem Ergebnis z u Wirtschaftsgrenzen zu gestalten so zum Beispiel Deutschland und Frankreich.

Den Amerikanismus verteidigen, heißt nicht einen engherzigen Rationalismus befürworten. Die wesentlichen Grundsätze des Amerikanismus sind das Ziel, dem die ganze Zivilisation zustrebt. Das ist keine Ruhmredigkeit, sind doch diese Grundsätze weit älter als die Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten wurden nur zu einer Pflcgstätte, In der diele Prinzipien zu voNer Reise gebracht werden konnten, damit alle Ra­tionen der Erde die praktische Rat u r der Freiheit zu sehen und sie beim Sehen zu erkennen vermöchten. Es ist die Mission der Ver­einigten Staaten, der Welt die Realität und Dauerhaftigkeit bestimmter Grundsätze vor Augen zu halten.

Krieg wird nie durch die Pazifisten ver­hindert. Friede nie durch die Kriegshetzer er­rungen werden. Solange auf der Erde diese kriegerische GeisteSstimmung besteht und über In­strumente verfügt, ihre Absichten durchzuführen, ist Krieg möglidx. Krieg als Methode, um etwas zu erreichen, wird heute abgelehnt, und wird in der Zukunft immer schärfer abgelehnt werden, bis selbst der kriegerische Geist die Ruhlosigkeit

Die Mission der Vereinigten Staaten

Don Henry Ford.

Kaulquappen und Regenwürmer sind ihm recht. Cs ist eine grundverkehrte Ansicht, wenn das Volk glaubt, daß der Reiher sich nur von Fisch­fang ernähre und darob als ausschließlich schäd­licher Vogel zu gelten habe und ausgerottet werden müsse. Im Gegenteil, der Reiher vermag «auf der anderen Seite auch wieder nützlich zu fein. Ist er doch gerade im Herbst auf Öen: ab­geernteten Wiesen einer der leidenschaftlichsten Mäusevertilger, wodurch er den Schaden, den er zweifellos und besonders zur Brutzeit an Fische­reigewässern verursacht, wieder wett macht. So hat Floericke einmal berichtet, daß er bei Gewölk- und Magenuntersuchungen von Vögeln (darüber besteht eine nette Schrift von ihm: Detektivstudien in der Vogelwelt") im Herbst in einem einzigen Reihermagen die Reste von über 20 Mäusen gefunden habe. Schon allem deshalb verdient es der Reiher, nicht bis zu ferner voll­ständigen Ausrottung verfolgt zu werden, iuio dann ist es doch ganz klar, daß er bei ferner großen Seltenheit keinen wirklich fühlbaren Scha­den anzurichten vermag wie früher. Daher ist es die Pflicht aller Jäger, ihn dort, wo er sich noch als Raturdenkmal aus unserer Ahnens in den einsamsten Forsten verborgen hält, zu schuhen und ihn nicht mehr nach der langst veralteten Anschauung zu verfolgen die nur »nützlich undschädliche" Tiere gekannt hat. Gerade bei uns in Hessen ist in dieser Hinsicht so viel ge­sündigt worden, daß wir es gar nicht mehr gut machen können, und man wenigstens verlangen kann, daß das geschont wird, was sich m unsere Tage hinübergerettet hat und uns noch verblieben ist. Denn nur noch ganz wenige Orte sind es in Hessen, die den Reiher als Drutvogel beher­bergen. wenngleich er sich auf dem Durchzug allenthalben noch öfters sehen lassen

Zeit der hessischen Landgrafen die Aeih^beize auch bei uns noch in voller Dutte unk) m hohem Ansehen stand, wurden die Reiher mit allen Mitteln gehegt und durch strenge Verordnungen geschützt, ja sogar künstlich gezüchtet, tote uns Landau berichtet, wobei in eigens dazui ein gerichteten Reiherhäusern die Heranzucht der für die Beize erforderlichen Reiher betrieben ward. Hierfür war ein Oberfalkenmeister angestellt, dmx «auch die Obhut und Ueberwachung der zur Aus­übung der beliebten, mittelalterlichen aus der Glanzzeit des Rittertums stammenden Jagdwexle

Militärische Zugendausbildung im Ausland. Von unferm militärpolitischen K-Korrespondenten.

Die meisten Militärmächte der Welt haben die aktive Dienstzeit auf 1 bis l1/» 3aVc herab­gesetzt. Gleichzeitig sind seit dem Kriege aber die Anforderungen an den Soldaten ungeheuer gestiegen. Früher wurde die Beherrschung einer einzigen Waffe verlangt. Heute muß gehörige einer Jnfanteriekompagine z. D. neben seinem Gewehr das leichte M G. und dle Hand- qranate beherrschen und mit Pistole, Gewehr gtanate und schwerem M. G umgehen können. Viele Mannschaften sind im Nachrichtendienst auszubilden, d. h. sie müssen das Fernsprech- und Blinkgerät handhaben und ms and halten kön- neu. Kurz, der moderne Soldat nmh r^ben der früher schon unentbehrlichen korperUchen Lei- stungssühigkeit auch eine erheblich« Menge von besonderen technischen Kenntnissen und Fertigkeiten besitzen, wie sie früher nicht verlangt wurden. Daher ist es kein Wunder, daß Staaten, die in der Ausgestaltung ihrer Heeresmacht freie Hand haben, die kurze Dienst- »dt mit der Waffe lediglich für die Spe­zi a l a u s b i 1 du n g ihrer Soldaten verwenden und von diesen verlangen, daß sie erst nach gründ­licher militärischer Jugendvorbereitung sich bei der Fahne eaifmben.

Mindestens ebenso schwierig, wie die technische Durchbildung des Mannes, auf alle Fälle aber langwieriger ist die Erziehung des Massen- menschen zum Soldaten, des disziplinlosen Jüng­lings zum Mann. Was bei uns'in Deutschland während des Krieges von den sog. Jugendwehr- intD Jungdeutschlandgruppen aus private Initiative hin versucht wurde, das wird dort vorn Staate organisiert. Der Zweck der sog. militäri­schen Jugendausbildung ist in allen Staaten ver­leibe: die Jugend soll geistig an militärische Auffassungen und den soldatischen Pflichtbegriff gewöhnt und körperlich so vorgebildet werden, daß sie beim Eintritt in das Heer schon einiger­maßen diszipliniert und allen körperlichen An­forderungen des Dienstes mit der Waffe ge­wachsen ist. In Frankreich hat diese Jugend- vvrbereitung schon lange vor dem Krieg eine wichtige Rolle gespielt. Rach dem Kriege wurde sie nod) mehr ausgebaut und auch in den fran­zösischen Vasallenstaaten Polen und der Tschecho­slowakei eingeführt.

Es leuchtet ein, daß Staaten ohne all­gemeine Wehrpflicht noch größeren Wert auf die Jugendvorbereitung legen müssen. In Amerika und England finden wir eine geradezu vorbildliche Organisation. Körperliche und militärische Erziehung der Jugend in Ame­rika wird in erster Linie an den höheren Schulen betrieben. Die höheren Schüler sollen im Kriegs­fälle brauchbare Führer abgeben.Sind die rich­tigen Führer da, so ist der Gedankengang so wird es im Kriege nicht fd>toer fallen, in kurzer Zeit das ganze Volk zu guten Soldaten­heranzubilden. Voraussetzung dafür ist aller­dings die in Amerika glänzende körperliche Lei­stungsfähigkeit des ganzen Volkes, auch der breiten Masse, die durch den Sport allgemein geübt und erreicht wird. Die militärische Aus- bilöung ist in allen vom Staat geleiteten oder mit staatlicher Unterstützung betriebenen höheren Lehranstalten P f l ich 11eh rf ach. Kein Schuler oder Student, her militärtauglich ist, besteht eine wissenschaftliche Prüfung, wenn er nicht gleich­zeitig in der militärischen Ausbildung Leistungen aufweist. Darin liegt, abgesehen von dem prak­tischen Vutzen, den diese Einrichtung hat, ein tiefer Sinn: die militärische Ausbildung lehrt den Menschen, daß er Pflichten, nicht nur Rechte hat und daß er im Falle der Rot feinem Vaterlande alles zu opfern bat, was er besitzt. Die militärische Jugendvorbereitung an diesen Schulen ist Sache der Armee. Sie wird überall mit großem Fleiß und Ernst und nach klaren Vorschriften betrieben. Auf den Gym­nasien imd Realschulen beginnt die militärische Ausbildung mit dem 14. Lebensjahre und dauert 3 Jahre. Auf Universitäten oder Hochschulen wer­den die Studenten 4 Jahre lang ausgebildet,

Ein neues Buch FordsDas große Heute das größere Morgen" ist soeben in der Übersetzung von Curt und Marguerite Thesing bei Paul List in Leipzig erschienen. Der geniale Wirt- schastler verkündet hier ein Evangelium pes Wohlstandes, das durch Verbesserung der Organisation und vernünftige Verwer­tung der Rohstoffquellen verwirklicht werden kann. Für uns Deutsche besonders inter­essant sind seine weltpolitischen Anschau­ungen, wie sie in dem folgenden Abschnitt des Werkes zum Ausdruck kommen. (554) Die Aufrechterhaltung des Frie­dens unter den Rationen gilt als ein Ideal, dem zuzustreben unsere höchste Pflicht ist. Rie- mand kann das Unetwünschte eines Krieges in Zweisel ziehen. Krieg bedeutet Serftorung. Er lenkt die Produktion ab, für die Bedürfnisse der Menschheit zu sorgen: er gibt der Welt nichts, raubt ihr aber vieles.

Jedoch Krieg ist keine Ursache, Krieg ist eine Wirkung. Er ist eine Wirkung der Armut besonders der Gedankenarmut. Ge­nau so lange wie große Massen des Volkes in Armut leben, genau so lange toirD es Krieg geben. Der Antrieb, Krieg zu führen, der ja hauptsächlich dem Wunsche entspringt die Fruchte von eines anderen Produktion an sich zu reißen, wird stets bestehen, bis die Völker der Erde gelernt haben, im Ueberfluh für sich selbst zu produzieren bis der Rachweis erbracht ist, daß es bequemer ist, selbst zu erzeugen, als zu rauben.

Vereinbarungen, keine Kriege mehr zu fuhren, Verträge, die Streitigkeiten zwischen Rationen schiedsgerichtlich zu erledigen und all die diplo­matischen Paraphemalen sind lediglich ephemere Versuche, Kriege zu verhindern, da sie den Krieg als eine Krankheit behandeln wahrend er nur das Symptom eines krankhaf­te n Z u st a n d e s ist. Ja, es ist mehr als nur möglich, daß derartige Vereinbarungen, wie sie in dem Völkerbund und seinem Anhängsel, dem Wellschiedsgericht, zum Ausdruck kommen, in Wahrheit Förderer des Krieges sind, da sie die Erforschung der eigentlichen Ursachen behindern. Verträge zur Beschränkung der Rüstungen stehen auf einer anderen Basis, da sie ganz offen den Krieg als solchen anerkennen. Man vereinbart für die Gegenwart, die Ausgaben einzuschränken, sich für den nächsten Krieg bereitzuhalten, und macht auf diese Weise Energie frei, die der Pro- Auktion zugute kommen kann und damit vielleicht zur Verminderung jener Armut beitragt, die Kriege erzeugt. .

Jeder Krieg hat einen wirtschaftlich en Anlaß: auch jene Kriege, die aus bloßer Gesetz- losiqkeit zu entspringen scheinen, lassen sich stets auf Armut zurückführen. Roch nie ist Armut durch ständige Wiederholung irgendwelcher -worie aus der Welt geschafft worden. Riemand glaubt heute noch an Aladin und seine Wunderlampe.

wertvollsten Stücke ihres Porzellan- und Silber- schahes vermißt, und gerade die, welche man dem verehrten Gast auszeichnend in Benutzung gegeben.

Der eben noch Gefeierte erschien nun als der schwärzeste Betrüger, als Mensch mit kran­ken Trieben bestenfalls, und für einige Zeit waren die Gesellschaften der kleinen Stadt von diesem unterirdischen Gesprächsstoff nicht wenig angeregt. Uebrigens hatte man Takt, Standesgesühl und Porzellan genug, um an eine gerichtliche oder private Verfolgung des Diebes nicht zu denken.

Die Geschichte war gerade daran, ihre Reize zu verlieren und in Vergessenheit zu geraten, als her Professor ein Schreiben des Berüchtigten er­hielt, darin er noch einmal für zwei Tage feiner Rückreise als Gast sich ankündigte. Diese Anmeldung, deren bescheidene Sicherheit man unter anderen ilmftänben als Ehrung empfunden hätte, versetzte die Beteiligten in Die sensationelle Verlegenheit, wie man dem Wiederkehrenden be­gegnen solle.

Schließlich bewog die Aussicht, das Unglaub­liche mit eigenen Augen sich wiederholen zu sehen, dem bösen Spiel mit guter Miene bei- zuwohnen. So sand sich der Gast bereits am Abend nach seiner Ankunft wieder durch eine ausgesuchte Gesellschast geehrt. Mit Mokkatassen in der Hand stand man umher, die Aufmerksam­keit nur halb auf das Gespräch gerichtet, und jederzeit gefaßt, einen Silberlöffel in der Frack­tasche des Gastes verschwinden zu sehen.

Der so Belauerte indessen scheint von diesen Blicken nichts zu spüren: unbefangen geht er durch die Gruppen, seine Tasse balancierend, um sie schließlich als leer unb darum nutzlos auf einen mehr als mannshohen, doch ihm bequemen Schrank zu schieben.

Man hielt sich musterhaft, und nur einem sehr aufmerksamen Beobachter wäre es auf ge­fallen, wie einige Herren auf Zehenspitzen und gereckten Kopfes durch die Zimmer gingen. Auf Schränken, Gardinenbrettern und hinter breiten Bilderrahmen erblickten sie alles verlorene Gut des vorigen Besuchs in Staub und Spinnenweb verwahrt.

So unschuldig tote ahnungslos fuhr tags darauf der Gast nach Hause, dem Gelächter nun die Hausfrau überlassend, die m vier Wochen nicht auf ihre Schränke sah.

eines Krieges erkannt hat.

Kann sich jemand vorstellen, daß die Ver­einigten Staaten einen Krieg beginnen? Kann jemand glauben, die Vereinigten Staaten würden sich weigern, einen gegen sie begonnenen Krieg zum blutigen Ende zu sühren? Richt unsere all­bekannte Hinneigung zum Frieden schützt uns, andern unsere allbekannte Abneigung zu dulden, daß irgend jenxand unseren Frieden stört.

Der Pazifismus ist eine vortreffliche Lehre, wenn er in jenen Teilen der Welt gepredigt wird, in denen der kriegerzeugende Geist noch wuchert. Die Banditen der Welt bewaffnen und die gesehesliebenden Bürger entwaff­nen, ist nicht der rechte Weg, Den internationalen Räubern Halt zu gebieten. Den anständigen Bürgern anraten, als Beispiel für Die Thugs ihre Waifen nie^erzuiegen, verrät ein Durch nichts begründetes Vertrauen in Die Empfänglichkeit vor Meuchelmördern für das christliche Beispiel. Das ist eine fromme Fiktion.

Militaristen sind unfähig, Frieden zu bringen. Sie sind Spezialisten der rohen Kraft, wie die Pazifisten Spezialisten der Sentimentalität sind.

Die Völker sind weder so sanftmütig, tote die Pazifisten sie gerne sehen möchten, noch so ua- barmherzig. toie Die extremen Militaristen es wünschen. Aber die Völker ftnD Dabei, sich in der Strategie des gesunDen Menschen- verstanDes auszubilDen. Die Tatsache, daß unser Volk kein Kriegsbeginner ist, hält es nicht ab. ein Kriegsverhinderer zu sein, und zwar ein so tatkräftiger Kriegsverhinderer, daß Die Kriegs­beginner sich hüten werden.

Was wir am meisten als Schwächung unserer Wirkungskraft fürchten müssen, xst die Hinnahme politischer Versprechungen als Bürgschaft für Ge­danken und Tat. Der stärkste Einzelanlaß für die Verarmung Europas seit dem Kriege lag in dem hilflosen Sichverlassen auf die Re- g i e r u n g e n, etwas zu tun, was eine Regierung nicht zu tun vermag. Die Ironie dieses Systems liegt darin, daß Die Regierung, die sich dieses System zu eigen macht, fortfahren muh. immer mehr und mehr selbst zu tun; und Da Die For- Derungen noch mehr zunehmen, schwindet Die Fähigkeit, überhaupt etwas Durchzuführen. Denn Die Regierung verfügt über nichts, was nicht von dem Volke stammt: und ein Volk, in dem Der Geist Der Selbsthilfe vernichtet ist, steuert weniger und weniger zu Dem bei, was e8 wünscht, bis enDlich Volk so gut wie Regierung einer vollkommenen Hilflosigkeit anheim- fallen. Als DuhlanD jene erstaunliche Wendung vollzog und den offiziellen Kommunismus mit einer teilweisen Rückkehr zum Privatunternehmen vertauschte, bestätigte es einfach Die U n e r - läßlichkeit Der Selbsthilfe für jeDes Volk. Die Regierung kann ein Monopol, aber

aber sobalD wir uixs in Die Politik cinlassen, kehrt unser Kinderglaube zurück und wir halten es für möglich, Daß irgendeine Anordnung von Worten in einem Vertrage, ein Beschluß oder ein Gesetz gleich Alabins Lampe etwas zu schassen vermögen. Daher ist eine Kriegserklärung nicht besonders bedeutungsvoll. Die Dereixrbarung. keinen Krieg anzusangen. ist gleichfalls nicht sehr wichtig: von wirklicher Bedeutung ist aber, daß man den Krieg nicht mehr als eine Ursache be­handelt. denn das ist im günstigsten Falle etwas Regatives, daß man sich auch nicht müht, den Krieg zu verhindern oder den Friedenszustand zu wahren, sondern daß man allgemeinen Wohlstand schafft. Wohlstand kann zu Der natürlichen DaseinsbeDinguny gemacht werden Das ist bewiesen worden. Die Vereinigten Staaten haben diesen Beweis geführt.

mit demFederspiel" übertragen war. Aus der genannten Quelle geht weiter hervor, daß die Beize im Jahre 1785 in Hessen aufgehoben wurde, das Reiherschuhgesetz aber noch bestehen blieb, bis man den stattlichen Vogel etwa zehn Zähre später auf die Beschwerden und Vor- ftellungexx der Fischeveiberechtigten als schädliches Raubzeug erklären und gegen Schuß Prämien ab- schiehen ließ. Daher hatten sich nur wenige Kolo­nien ins vorige Jahrhundert hinübergerettet, eine der letzten großen hessischen war die bei Lang- Göns. die über 30 Horste umfaßte und 1883 durch das zuständige Forstamt vernichtet wurde, worüber Gewerberat Dr. Gerhard vor längerer Zeit an dieser Stelle berichtete, und von der eine Abbildung in Dem vom Verfasser heraus- gegebenenVogelbuch von Vogelsberg. Wetterau tunb Rhön" enthalten ist. Weitere hessische Reiheransiedlungen waren vorhanden an der Badenburg bei Gießen, wo auch einige her bei Lang-Göns ihrer Riststätte beraubten Tiere eine neue Zuflucht fanden. Diese in der Gießener Gegend liegenden Kolonien hatten xhr eigentliches Jagdgebiet im Lahntal. dehnten aber ihre ©treifjüge bis an die Forellenbäche des Vogelsberges aus. Die sie nach halbstündigem Flug erreichten. Hier haben sich die letzten ober- hessischen Reiherhorste am längsten halten können, unter anderem an den Mooser Teichen und am Gederner See. Andere Angaben über ihr heu­tiges Drutvorkommen sind unrichtig.

Der hohe Gast.

Anekdote von Gerd Kauter.

Ein Gelehrter von hervorragendem Ruf, fei­ner Bildung und übrigens ungewöhnlicher Körperlänge er mochte wohl zwei Meter hoch sein weilte als Gast im Hause eines Kol­legen in einer kleinen Universitätsstadt. (Sine Woche hindurch versammelte man fast an jedem Abend Die angesehensten Bürger Der StaDt und Universität um seine vornehme, hohe, etwas weltfremde Gestalt. Als er nach acht Sagen reifte hinterließ er ein Andenken, wie er es sich nicht besser wünschen konnte. . , ,

Doch sollte es nur zwei Tage Bestand haben. Aus Dem Hause des Professors verbreitete sich in die StaDt das Gerücht, Die Hausfrau habe beim Aufräumen ihres Tafelgeschirres einige Der