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Nr. 196 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger lGeneral-Rnzeiger für Vberhefsen)
lUontüg, 23. August 1926
Die Wirtschaftlichkeit moderner Produktion.
Don 5>r. Karl Albrecht.
Höchste Sparsamkeit bei der Vroduttion ist nicht nur Erfordernis der Detriebsökonornck. deren .etztes Ziel die Steigerung der (Privatwirtschaft- ttchenl Rentabilität des Unternehmens ist. sondern sie ist unter den heutigen allgemeinen Wirt- Ichaftsvcrhältnissen auch Forderung einer auf die Gesamtheit gerichteten Wirtschaftspolitik, deren Streben in der Förderung der (volkswirtschast- ichen) Produktivität gipfelt. Höchste Sparsam- feit: sowohl im Materialverbrauch als auch tm Kraft- und Arbeitsaufwand, d. h. also, Durch- irringung aller technischen Vorgänge mit dem „ökonomischen" Prinzip, mit der Forderung nach der Erreichung des (vergleichsweise) größten Effekts bei (vergleichsweise) kleinstem Aufwand. So verbinden sich Technik und Wirtschaft: die Technik bestimmt, was an Produktion möglich und denkbar ist. die Wirtschaft untersucht, was an Produktion unter dem Gesichtspunkte der Ren- labilität und Produktivität berechtigt ist: die Wirtschaft stellt der Technik die Aufgabe, die Technik wird so zum „Arm der Wirtschaft".
Wirtschaft und Technik: je vollkommener der Geist der Wirtschaftlichkeit die Technik beherrscht, >esto eher gehen „Rentabilität" und „Produftivi- .ät“ parallel: Die Ersparnisse an Material, Kraft, Arbeit kommen irgendwie der Allgemeinheit immer zugute, während die Verteilung des Gewinnes zwangsläufigen Gesetzen nicht unterliegt. Daraus folgert: je stärker die Technik ökonomisch gerichtet ist, desto mehr geht individuellem Gewinnstreben Steigerung volkswirtschaftlicher Produktivität parallel. Man kann — selbstverständlich — technische Verfahren monopolistisch ausnuhen, aber immer nur für begrenzte Zeit, denn sie werden entweder Allgemeingut oder sie veralten, d. h. sie kommen über kurz oder lang der Allgemeinheit entweder direkt zugute, oder indirett, indem sie neuen Fortschritt Hervorrufen.
Mft diesen Gedarrten sei die derzeitige Tendenz moderner Betriebsführung umrissen: Ersparnis durch technisch-wirtfchaftliche Durchorgani- la tum des Betriebes. Das bedeutet: Kalkulation dient nicht mehr allein der Selbstkostenbestimmung, sondern sie greift über auf die Detriebs- suhrung selbst: sie ist nicht mehr nur Vorgänge- registrierend, sondern betriebsgestaltend: „Die Wirtschaft untersucht, was an Produktion berechtigt ist." Betriebsgestaltung und Betriebs- kontrolle findet die Vereinigung in der De- iriebsrechnung: in ihr versinnbildlicht sich die letzte Rationalität wissenschaftlicher Betriebssüh- rung. Erst die Auflösung aller fabrikatorischen Vorgänge in rechnerische Formeln ist Ausdruck letzter Oekonomik des Betriebes. Zweifellos bedeutet das Forderung eines nie zu verwirklichenden Idealzustandes. Leben, Wirllichkeit ist stets individuell, einzigartig, ist nie: Formel. Gesetz. Aber freilich: alle Mannigfaltigkeit seht sich aus Einzelheiten zusammen, läßt sich in Rönnen zergliedern. Hieraus gestaltet alle Wissenschaft ihre Erkenntnis vom Leben. Hieraus entwickell die Oekonomik ihre Gesetze. Zergliederung der Mannigfaltigkeit. Rückführuirg der Vielgestaltigkeit aus wenige Urformen: das ist — gleichzeitig — logische und wirtschaftliche, geistige und technische Rationalisierung. Rückführung der Mannigfaltigkeit auf wenige Urformen, das bedeutet Umwandlung des Qualitativen in Quantitäten. Zahlenmäßig sind Typen zu erfassen, nicht Individuen.
Wir sahen: Alle Wirtschaft drängt zur Zahl, zur Rorm. Wirtschaft will Gesetz und Menge, denn das wirtschaftliche Gesetz ist nicht ohne Menge denkbar. Praktische Folgerung für Technik und Wirtschaft: jedes Fabrikat ist aus einzelnen Elementen aufzubauen. jÄ)es Element ist für viele Fabrikate zu verwenden. Mannigfaltigkeit wird durch verschiedenartige Zusammenstellung der Elemente erzielt. Bedeutsam sind die Voraussetzungen solcher Vereinheitlichung der Fabrikation: wirtschaftliche Schulung der Detriebsingenieure und Leiter der Konstruktionsbureaus, langjährige und vielseitigste Erfahrung, gutes, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Werk und Kunde. Der Kunde soll sich darauf verlassen dürfen: wenn das Werk ihm diese Form empfiehlt und nicht eine andere, so tut er das aus langjähriger Erfahrung und Arbeit heraus. Schließlich wird
Mensch und Wetter.
Don Hermann Heinze.
Wohl jeder hat schon die Wahrnehmung machen können, daß Veränderungen des Wetters im körperlichen und seelischen Zustand der einzelnen Menschen eine sehr verschiedene Wirkung hervvrbringen. Es gibt viele, die gänzlich oder nahezu wetterunempfindlich sind, während andere (vor allem Rervöse. Rheumatiker, Reu- ralgiker und Menschen mit Wundnarben, z. D. unsere Kriegsverlehten) ein äußerst seines Wettergefühl besitzen und. wie man zu sagen Pflegt, ^,das Wetter spüren". Gewitter, Föhn, Schneefalle usw. werden von diesen Wetterfühligen schon stundenlang im voraus empfunden. Der Rervöse leidet unter einer gereizten Stimmung, unter Angstzuständen, Beklemmung, Mattigkeit, Mißbehagen und Unruhe. Die Leistungsfähigkeit ist erheblich vermindert, die geistige Spannkraft geschwächt, während zugleich manchmal die gereizte Stimmung sich in Temperamentsausbrüchen und Gewalttaten entladen kann. Prof. Dr. Willy H e ll p a ch, der frühere badische Staatspräsident, berichtet in seinem Werk „Gevpsychische Erscheinungen", daß in Italien häufig Verbrecher, die wegen irgendeiner Gewalttat sich zu verantworten haben, sich mit dem „Schirokko" (ein heißer Wiiid, der in den Mittelmeerländern oft auftritt und drückende Schwüle erzeugt) entschuldigen, und es geschieht regelmäßig, daß die Angeklagten mllder bestraft oder in besonderen Fällen freigesprochen werden, wenn zur Zeit der Tat nachweislich Schirokioplage herrschte. Es ist zuzugeben, daß Gewitterschwüle, Föhn und Schirokko eine seelische Depression bewirken und unter gewissen Umständen Affekthandlungen auslösen können, wenn dies letztere auch nur ausnahmsweise der Fall fein dürfte.
Dennoch wäre es falsch, Wetterempfindlichkeit als einen krankhaften Zustand betrachten zu wollen. Dies ist schon deswegen nicht der Fall, weil es viele nervöse Menschen gibt, die keineswegs wetterempfindlich sind. Gleichwohl können zuweilen eigenartige Ursachen vvrliegen. Prof.
jedes Fabrikat Zusammenfassung der Anregung und Erfahrung vieler: daraus beruht seine Fähigkeit, vielseitigen Bedarf zu decken. Es gibt freilich noch immer individuelle Wünsche, die rationelle Entwicklung verhindern: Herr Müller will rot, weil Herr Krause grün hat. Frau Sanitätsrat will oval, weil Frau Bürgernieister rund hat. und Herr Alois Bählmann möchte gern 12 verschiedene Muster vereinigt haben, weil er 12 und nicht 11 oder 13 Muster gesehen hat. Dagegen Hilst eins: Stolz des Einzelhändlers wie des Fabrikanten. Gewiß: der Einzelhändler will seinem Kunden mit ollem dienen können, und der Fabrikant will von sich sagen dürfen: auf meinem Gebiete ist mir nichts unmöglich. Dennoch' dos ist Sentiment, nicht Wirtschaft. Wirtschaft ist nüchtern, will Zahlen. Arme Wirtschaft kann sich nicht den Luxus überschwenglicher Dorkriegs- jahre leisten. Heute soll dcr rechnende Ingenieur herrschen, er dient der Allgemeinheit durch Vereinheitlichung. Vereinfachung und damit Verbilligung der Produktion.
Wir wissen sehr wohl: die Stärke deutscher Wirtschaft lag vor dem Kriege in ihrer Anpassungsfähigkeit, hierdurch schlug sie viel fremde Konkurrenz aus dem Felde. Wir wollen nie und nimmer diese Anpassungsfähigkeit verlieren. Wir wollen sie nur weniger kostspielig gestalten, indem wir sie auf Variation der Elemente auf- bauen. Der Verkäufer oder Händler kann zwar mithelfen, neue Variationen zu ermöglichen, über die Gestaltung der Elemente habe der Ingenieur das alleinige Wort. Es ist das auch eine Frvge der Erziehung des Publikums. Der Kunde kauft schließlich doch das, was ihm der tüchtige Verkäufer verkaufen will. Und der einzelne Verkäufer weiß sehr wohl, daß er ?röheren Gewinn hat, wenn er von einem Fabri- at 10 Stück verkauft, als von 10 Fabrikaten je eins.
So zeigt sich auch hier das Verflochtensein von privatem Gewinnstreben und volkswirtschaftlicher Produktivitätssteigerung. And auch der einzelne Kunde kommt zu seinem Vorteil: Serienfabrikatton ermöglicht viel größeren Rachdruck auf die Qualität des Einzelfabrikates, da die sorgsame Durchkonstruktion ein Serienerzeugnis natürlich viel weniger mit Kosten belastet als eine Einzelanfertigung. Alles Gedanken, die nicht neu sind. Rur geht man an ihnen oft achtlos vorbei. Sie zeigen, wie notwendig die Zusammenarbeit aller im Wirtschastsprozeß ist. und sie können vielleicht auch einmal ein Hilfsmittel sein: beim Verkauf moderner Serienerzeugnisse.
Steiermart und Ostpreußen.
Von Hermann Scharfenberg.
Das schöne, sonnige Graz und das ernste, inanchmal sogar düstere Königsberg in Preußen haben sich verbrüdert und beschlossen, in regem Gedankenaustausch zu bleiben. Gelehrte unb Studierende sollen ausgetauscht werden, die Wandervogelgruppen besuchen einander, in Graz sind Ausstellungen ostpreußischer Künstler geplant und umgekehrt wird Königsberg bestrebt fein, Maler, Bildhauer und Graphiker bekannt zu machen, und außerdem wollen sich die kommunalen Behörden dieser beiden Großstädte einander ihre Erfahrungen und beschlossenen zu- tünftigen Maßnahmen wissen lassen. Diese Pläne sind ausgezeichnet und werden von allen, die ohne Hintergedanken den Zusammenschluß und die Verständigung der beiden gleichrassigen DolkS- stämme wünschen, aufrichtig begrüßt. Kennzeichnend ist es, daß die Anregung von Graz ausging.
Graz und Königsberg haben vieles gemeinsam: beide sind Groß- und Universitätsstädte, beide vorgeschobene Kulturzentren, beide liegen in einem schweren Kampfe mit den Slawen. Diese Kämpfe sind in mancher Hinsicht verschieden: das ergibt sich zunächst aus den wirtschaftlichen Verhältnissen, die im Südosten ganz anders als im Rordosten sind. Dann fällt auch der Anterschied in den Charakteren der südslawischen und nordslawischen Völlerschasten auf. Dieser Anterschied ist beträchtlich und ist viel bedeutender als der Anterschied zwischen den Ostpreußen und den Steiermärkern, der weitaus geringer ist, als die meisten Deutschen im Süden wie im Rorden meinen, auch in keinem Verhältnis zu dem Unterschiede zwischen Aftbayern und den übrigen Reichsdeutschen steht.
So kommt es. daß die Zustände im Südosten uns in etwas milderem Lichte als diejenigen im
Hellpach berichtet u. a. von einem Mann, „der, neben allerlei vagen Reizbarkeits- und Ermü- dungssymptomen auf körperlichem und seelischem Gebiet auch unvermittelt eine ihm und den Seinen vordem unbekannte Wetterreaktivität zeigte: schon bei mäßiger Gewitterschwüle Schwindel, Kopfdruck, Schlafstörungen, Anfähigkeit zur Gedankenkonzentration, dazu bange Beklemmung, Gefühl eines herannahenden Anglücks, Todesgedanken zwischendurch bis zu (ebenfalls vorher an ihm nie wahrgenommenen) Iähzornsausbrüchen steigende Gereiztheit und Verdrossenheit. Rach einiger Zeit führte ein Zufall die Entdeckung von Etter in der einen Oberkieferhöhle herbei. Rach dessen Eitt- femunq und rasch eingetretener Ausheilung der Höhle schwanden mit überraschender Geschwindigkeit alle neurasthenischen Beschwerden und mit ihnen die Wetterfühligkeit auf Rimmerwieder- kehr. Der Fall zeigt (so fügt Hellpach hinzu) mit sozusagen experimenteller Klarheit, wie hier offenbar das Kreisen von Eitergisten im Organismus eine allgemeine Sensittvierung und damit auch Wetterfühligkeit zu erzeugen vermag.
Es ist selbstverständlich, daß Wetterempfindlichkeit, die übrigens fast immer angeboren ist, nur in Ausnahmefällen die im soeben erwähnten Beispiel angeführten pathologischen Merkmale zeigt. Im allgemeinen ist sie ehr Leidenszustand, der sich am deutlichsten kennzeichnet in der Gewitterfurcht vieler Menschen. Während bei den einen die Schwüle vor dem Gewitter den Leidenszustand verursacht und die Entladungen (Donner, D'.itz und Riederschlag) als Entspannung des Druckes empfunden werden, erhöhen bei andern gerade die grellen und lauten Entladungen das Angstgefühl und erst die dem Gewitter nachfolgende Abkühlung bringt die erlösende Entspannung. Ohne weiteres ist erkennbar, daß die Wetterempfindlichkeit sowohl nach der psychischen Seite (in der Erweckung von Anruhe und Angstzuständen), als auch nach der physischen Seite (durch Mattigkeit, unruhigen Schlaf bei Gewitterschwüle, Wundschmerz ulw.) sich ausprägt.
Im übrigen sind unter den Menschen die Wetterfühligen, wie Prof. Hellpach, der gerade
Rordosten erscheinen. Die deutschen Zeitungen in Steiermark vermeiden jeden Ausfall und die südslawischen versuchen, sich desselben Der- Hattens zu befleißigen. Aber es ist doch nur ein Schein. Richtig ist, daß die slawische Gefahr im Rordosten brutal, im Südosten dagegen wie ein schleichendes Gift austritt. Ein genaues Bild der Lage der Südmark entrollte die Behandlung des Minderheitenproblems zu Belgrad im Mai dieses Jahres. Der slowenische Abgeordnete Pivko bezeichnete das slowenische Schulwesen in Kärnten als ein Schandmal! Dcr deutsche Abgeordnete Stephan Kratt legte die Verhältnisse sachlich und objektiv klar. Dies reizte jedoch den ehemaligen Anterrichtsminister Pribicevie wie ein rotes Taschentuch den Truthahn. Er wars Deutsch- Oesterreich Kulturschande vor, desgleichen dem Deutschen Reick) in bezug auf die innerhalb Preußens lebenden Polen. Als nun Dr. Kraft betonte, daß ja die Lage der Deutschen in Süd- slawien viel schlimmer als diejenige ter Slowenen in Kärnten und die der Polen in Preußen sei, erklärte der Kulturverfechter geradeheraus: „Wir werden den Minderheiten die kulturelle Selbstverwaltung niemals gewähren: denn unsere Verfassung schreibt den staatlichen Anterricht vor!" Die Arfachen zu einem derartigen Verhaften sind nicht allein Haß auf das Deutschtum, sondern tatsächlich auch Beschränktheit in großer Dosis, sonst ginge ein solcher Mann zum mindesten etwas diplomatischer vor.
Was in Graz jedem auffällt, der von Rorden kommt, das ist die ausgesprochene Betonung des Deutschtums. In Innsbruck sieht man schon die Schutzleute mit dem deutschen Helm, so daß man nicht auf den Gedanken kommt, jenseits der blau- weißen Grenzpfähle sich zu befinden. In Graz spürt man auf Schritt und Tritt das Bestreben der Einwohner und der Behörden, alles zu vermeiden und auszumerzen, was an „österreichische Schlampigkeit" erinnern oder als solche ausgelegt werden könnte. „Hart sein!" lautet die Losung der Südmärker. Das „Preußentum" gilt ihnen als das zunächst wirksamste Heilmittel gegen das slawische Gift. Daher auch die Blutsbrüderschaft der Stadt Graz, der führenden Großstadt der Südmark mit Königsberg, der preußischen Krönungsstadt, dem Geburts- und Wirkungsorte Kants.
Freilich erhält man manchmal den Eindruck, als ob den Guten zuviel getan würde. Die Verordnungen sind zum Teil sehr streng. Freilaufen des Hundes auf der Landstraße, Betreten des Dahntörpers, Pflücken von Pi^en und Beeren im Walde wird mit drei bis fünf Schilling geahndet. Sowohl in der Stadt vorn Schuhmann, wie auf dem Lande vom Gendarmen erhält der Sünder für die auf dem Tatort sogleich bezahlte Strafe eine Quittung ausgehändigt, wie es vor dem Kriege in manchen Gegenden des Deutschen Reiches eingeführt war. Run, diese Aeberstrenge ist Sache der Steiermärler. Sie werden schon wissen, weshalb sie auf8 Ganze gehen. Man muß nur die höchste Achtung vor einem solchen Volle haben, das nichts anderes als deutsch fein, in feiner Hinsicht den Brüdern im Rorden nach- stehen will und erbarmungslos an sich selbst erzieht. Das Deutschtum hat dort unten zähe, unbestechliche Wächter, wie es sich keine besseren wünschen kann. Sie werden niemals im Kampfe mit den Slaven untergehen, sondern unter den schwersten und ungünstigsten Bedingungen siegen.
Die Steiermärker führen den Spitznamen „die alpenländischen Preußen". Das erzählen einem die Bauern auf den Almen sogar mit Stolz. Es verdient überhaupt betont zu werden, daß das Bekenntnis zum Deutschtum bei allen deutschen Parteien der Südmark ohne Ausnahme und auch zum Großdeutschtum an der Spitze des Programms steht. Freilich gibt es auch Elemente, die weniger aus Feindschaft, als vielmehr aus Lust am Kritteln (es müßten keine Deutschen fein!) Opposition treiben. Ihre Anzahl ist aber verschwindend gering. In der Hauptsache sind es solche, die aus irgendwelchen, vor allem verwandtschaftlichen Gründen, den Slawen zuneigen. Der Spottvers:
Steiermärker Preis) Steiermärker Lais (Läuse) schuf der Herrgott scheffelweis!
der aus Amänderung eines anderen Spottverses entstanden ist, kann als lleines Zeitdokument für diese Gesinnung gelten.
auf diesem Gebiet besonders eingehende und ergebnisreiche Forschungen angestellt hat. erwähnt, nicht gleichmäßig verteilt. „Sie sind (so schreibt er) in der nordeuropäischen „Rasse" am häufigsten, wahrscheinlich, weil ihr die an den Wettereinflüssen am stärksten beteiligten schwülen Wetterformen am ungewohntesten sind. Sie finden sich im männlichen Geschlecht entschieden zahlreicher als im weiblichen, wenigstens nach den subjektiven Erlebnissen zu urteilen. Endlich sind Kinder weniger wetterfühlig als Erwachsene, wiederum in subjektiver Hinsicht: die objektiven Wirkungen fehlen ja bei ihnen keineswegs, aber das Kind hat nur in lehr beschränktem Maß den Drang und die Fähigkeit, Schwankungen seiner Disponiertheit bestimmten Arsächlichkeiten richtig zuzurechnen. Kranke, Rekonvaleszenten, Rervös- gewordene, durch Lebensanforderungen in Erregung Versetzte, aber auch die Städter im Vergleich zu den Landmenschen sind wetterfühliger."
Man hat die Arfachen des Wettersinns in den Luftdruckschwankungen, sowie in den Veränderungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit gesucht. Aber Beobachtungen haben ergeben, daß Wetterempfindlichkeit ganz unabhängig von der Höhe oder Tiefe des Luftdrucks sich zeigte. Raheliegend dagegen ist, daß Menschen, die an Rheumatismus leiden, gegen Luftfeuchtigkeit empfindlich sind. Dr. Pfaff (Saarbrücken) führt die Wetterempfindlichkeit des Menschen auf Schwankungen der luftelektrischen Leitfähigkeit zurück, die, wie er sagt, das Zentralnervensystem beeinflußt und ebenso die (im Lause des Jahres schwankende) Wärmeregelung des Körpers. Dr. Pfaff beruft sich bei seiner These, daß der Wettersinn auf elektrischer Grundlage beruht, auf die Deobachtungsergebnisse des Schweizer Physikers Dr. Huber, der bei vielen föhnempfindlichen Personen eine andere körper- elektrische Leitungsfähigkeit feststellte, als bei Personen, die gegen Föhn unempfindlich waren. Daß luftelekttische Störungen oder Schwankungen auf viele Menfchen eine bestimmte Wirkung aus- üben, darf als sicher angenommen werden. Die Ergebnisse, die bisher auf diesem äußerst intet*
Das Deutsche Reich kann das Lor- unteren Voltsgenossen der Süd.nark sehr erleichtern, ohne daß dies nach außen hin besonders in Erscheinung tritt. Es bari eben bei Maßnahmen und Verhandlungen mit dem gleichen Feind des Ror- dens niemals das Schicksal ter Südmärker vergessen. Die Grenz- und Zoll^vleichterungen müßten schon in nächster Zeit bedeutend erweitert werden: denn die wirlschaftl.avi Verhältnisse besonders Steiermarts tonnen Lei den jetzigen Verordnungen nicht gedeihen. Alle Klelnlichkeits- trämerei muß schwinden, nicht aoer nur bei den Deutschen, sondern auch bei den österreichischen Behörden! Die Aushebung des Sichtvennerk- zwanges im Verkehr zwischen Deutschland unb Oesterreich hat den Aftenländern viele Vorteile und Einnahmen gebracht. Es brauch', nicht verschwiegen zu werden, daß manche Reichsdeutschen mit einigen kleinen Enttäuschungen aus Oesterreich zurückgekehrt sind.
Run, Steiermark und Kärnten tragen daran keine wchuld. Die Reichsdeutschen, die in die Sommerfrische reifen, froh darüber, einem Zwange weniger zu unterliegen, ließen sich in der Hauptsache an der Grenze, in Salzburg, Salzkammergut und Tirol nieder. In einigen dieser Gegenden sah man im Deutschen den Ersatz für den Amerikaner. Das Hinterland jebo±. eben Steiermark und Kärnten, das unter günstigen Bedingungen dem norddeutschen Gast aufwarten wollte, blieb anfangs ganz vom Zustrom der Frenrden frei. Die Enttäuschungen haben also auch die Arsache im Verhalten der Reichsdeutschen. Das soll jedem eine Lehre sein, tiefer in die Alpenländer zu dringen und sich von dem kernigen Deutschtum der Südmärker zu über* zeugen
Ungarischer Brief.
Don Dr. Gustav E r e n y i.
Budapest, August 1926.
Heber die kurze kommunistische Epoche von 1919 haben sich mittlerweile neue Schichten gelagert. Sie war damals im völlig erschöpften und ausgeschöpsten Angarn kein Gesinnungs- durchbruch, sondern bloß ein mißlungener Trumpf gegen die ersten Vorzeichen des Trianoner Friedensdiktates gewesen, der erst später in ein pseudobolschewistisches Geflunker ausartete. Auf die Räteherrschaft von vier Monaten folgte eine nicht minder turbulente Reaktion, bis sich der Staatskurs allmählich wieder in die als heilig und unwandelbar erklärte Dorkriegsverfassung ein- renfte. Heute hat der Kommunismus im ungarischen Volle, ja selbst in Kreisen der städtischen Arbeiterschaft keine Rährwurzeln mehr. Ungarn darf getrost als das bolschewistenfeind- lich st e Land des Kontinents bezeichnet werden. Richtsdestoweniger brodelt es unter der Asche. In Opposittonszirkeln der äußersten Linken besteht die Sehnsucht nach dauernd kassierten Freiheitsrechten, im Arbeiterlager nach Duldung einer spannkräftigen Gewerkschaftsorganisatton. Zur Riederhaltung einer solchen Stimmung wurde die Anklage gegen Rakosi und seine dreißig Parteigenossen von oben regelrecht konstruiert.
Was geschah? Der gewesene Dolkstommissär für Handel, Matthias Rakvsi, obschon auf ungarischem Boden streng verfolgt, schlich sich — aus Rußland und Oesterreich kommend — ins Land ein, und unterhielt hier mit einigen extrem gesinnten Jungarbeitern Verbindung, um — wie er behauptet — die Wiedererrichtung einer kommunistischen Partei auf Am- toegen zu ermöglichen. Alles andere: die Beziehungen der fozialistischen Propagandagruppe von Vagi und seinen Leuten zur Bewegung Rakosi, eine vorangegangene Agitationskampagne in Wien, wobei der mit Recht berüchtigte Bela Kun die Hauptrolle gespielt haben soll, bleibt bloße Vermutung. Letztere Version wurde anläßlich der Voruntersuchung von Rakosi selbst, der eine furchterweckende Renommiererei keineswegs verabscheut, aufgebracht, durch die Aussagen anderer Angeklagter jedoch entkräftet. Es handelte sich also im wesentlichen um eine bloße Fühlungnahme, doch war eine gewisse Steigung zur Auflehnung zweifellos vorhanden.
Dieser Situation bemächtigte sich nun die Staatsanwaltschaft mit vollem Elan, um den anhaltenden „Kurs der starken Hand" durch die Tatsache einer noch immer nicht ausgeglommenen revolutionären Leidenschäft zu motivieren. In
essonten Gebiet der psychophysischen Beeinflussung des Menschen durch das Wetter gewonnen worden sind, dürfen als wertvolle Vorarbeiten gelten und werden gewiß ein Anlaß sein, diese Forschungen fortzusehen und die Zusammenhänge weiter aufzullären.
3n der Telephonie voran!
Die neuen automatischen Slemter, die jetzt in Berlin eröffnet worden sind, zeigen, daß das deutsche Fernsprechwesen bedeutende Verbesserungen erfährt. Rach dem Urteil eines englischen Fachmannes hat die Telephonie bei uns überhaupt so große Fortschritte gemacht, daß sie nur von den Vereinigten Staaten übertroffen wird, während England weit zurücksteht. Die größte Verbreitung hat das Telephon allerdings in Rordamerika. Rach dem neuesten Bericht besaßen die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1925 16 072 758 Telephone. Deutschland wies nach den letzten Zahlen 2 385 177 Telephonanschlüsse auf, während das Vereinigte englische Königreich nur 1 264 024 Anschlüsse hat. Auf je 100 Personen kommen in den Vereinigten Staaten mehr als 14 Telephone. Die Stadt Reuyork allein hat 1 315 368 Anschlüsse, also beträchtlich mehr als ganz Großbritannien. Während des letzten Jahres, für das Zahlen angegeben werden, betrug die Zunahme der Telephone in den Vereinigten Staaten 833 407, in Deutschland 142 845, in Großbritannien 115 929. „In England ist das Telephon ein Luxus der Reichen", sagt der Fachmann. „In Amertta, wo ed für je 6 oder 7 Personen ein Telephon gibt, benutzt tatsächlich jeder Arbeiter und jeder Bauer das Hörrohr. In England brennen große Landhäuser mit unschätzbaren Kunstwerten nieder, well man nicht telephonisch die Feuerwehr herbeirufen kann. Die Leute auf dem Lande müssen zu Fuß oder zu Pserd den Arzt holen, gerade wie tm Mittelalter." Die Vereinigten Staaten haben mit ihren 110 Millionen Einwohnern mehr als zweimal so viele Telephone als ganz Europa, das viermal so viel Einwohner hat. <


