Für den Büchertisch.
Philosophie und Religionsgeschichte.
— Kairos. Zur Geisteslage und Geisteswen- dung. Herausgegeben von Paul Tillich. Darmstadt 1926. Otto Reichl Verlag. — Inhalt: Paul Tillich, Kairos; Ideen zur Geisteslage der Gegenwart. Paul Tillich, Kairos und Logos; Eine Untersuchung zur Metaphysik des Erkennens. Wilhelm Loew, Idealität und Realität. Theodor Siegfried, Phänomenologie und Geschichte. Walter Riezler, Die Baukunst am Scheidewege. Eduard Heimann, Sozialismus und Sozialpolitik; Oekonomische und philosophische Betrachtungen über die Beziehungen zwischen ihnen. Karl Mennicke, Das sozialpädagogische Problem in der gegenwärtigen Gesellschaft. Heinrich Frick, Der katholisch-protestantische Zwiespalt als religionsgeschichtliches Urphänomen. Nikolaus Berdjajew, Die russische religiöse Idee. Christian Herrmann, Bücherschau. Kairos heißt Zeitcnfülle, entscheidende Zeit, und ist zum Symbol geworden für eine Richtung wissenschaftlicher und politisch-sozialer Arbeit, die aus der Besinnung über Sinn und Schicksal unserer Zeit und der Geschichte überhaupt heroorgegangen ist. Der Kreis größtenteils jüngerer wissenschaftlicher Arbeiter, der hinter dem Kairos-Buch steht, will eine Philosophie schaffen, die, wie sie aus der Sinn- delitung unseres geschichtlichen Augenblicks ihre Kraft schöpft, so auch gestaltend und umgestaltend auf unsere Geistes- und Gesellschaftslagc wirkt. Nicht billiger .Aktivismus nimmt hier das Wort, sondern ein durch unser historisches Schicksal erwecktes Bewußtsein darum, daß jede Zeit getragen und erschüttert wird vom Ewigen, und daß alles Erkennen und Gestalten bedeutungslos ist, in dem nicht die Erschütterung und Umwendunq der Zeit durch das Ewige zum Ausdruck kommt. Dieses ist die gemeinsame religiöse Grundlage, die sich in allen, auch den rein logischen Gedankengängen auswirkt. 310
— Entdecke dein I ch. Von Dr. W. Feilchen- feld. 146 Seiten. Preis in Leinenband 5 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Der moderne Mensch hat eine neue, ganz eigenartige Einstellung zur Welt. Er hat die Macht des Relativen erkannt. Auch unsere Ethik hat sich umgestellt. Eine neue Grundlegung ist daher notwendig, durch welche die Forderungen der Ethik, die der Mensch " der Gegenwart in sich wirksam fühlt, mit den Erkenntnissen dieser selben Gegenwart in Einklang gebracht werden. Sie wird in diesem Werke, dessen Widmung Eduard Spranger angenommen hat, in geistvoller Verbindung philosophischer und pädagogischer Betrachtung gegeben. Daneben wird aber auch ein Bildungsideal aufgestellt, das zugleich als Norm für das sittliche Handeln gedacht ist. Zu diesem Ziele leitet Verfasser, indem er einen völlig voraus- seßungslosen Menschen in die menschliche Gesellschaft hineinwachsen und die verschiedenen Stufen bis zu feiner Vollendung hin durchlaufen läßt. 340 — Das Mi t t e la l t e r. Sein Begriff und Wesen. Von Pros. Dr. A. Schmalenbach. (Wissenschaft und Bildung Nr. 226.) 157 Seiten. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die vorliegende geistvolle Darstellung wird besonderen Anklang finden, da sie in fruchtbarster Weise historische und philosophische Betrachtung verbindet. Sie geht von der Entstehung des Begriffes des Mittelalters in Renaissance und Reformation und der Wiederentdeckung des Mittelalters in der Zeit Goethes, wie auch besonders der Romantik, aus, behandelt dann die grundlegenden und umfassendsten Bestimmungen, wodurch man seit der Zeit Goethes sowohl im all- • gemeinen Leben wie in allen geschichtlichen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts das positive Wesen des r. Mittelalters zu erfassen versucht hat. Die Gesichts- ■ punkte, die hierbei in Frage kommen, sind einerseits * systematische, andererseits historische. Besonders , Interesse erregen die Darlegungen über den sog. „Dualismus" des Mittelalters, den Gegensatz von Leib und Seele, mit denen Schmalenbach zu den modernsten Diskussionen Wichtiges beiträgt. 330 — Religionskundl'iche Quellen- bücherei: 1. Die Christengemeinden im 1. und 2. Jahrhundert. Von Prof. D. P. Glaue. — Augustinus. Von Studienrat Dr. A. Günther. — Volks- frömmigkeit im Spätmittelalter. Von Studienrat Dr. W. Auencr. — Religiöse Lyrik der letzten Jahrzehnte. Von Studienrat Prof. W. Oppermann und Studienrat Dr. H. Liesigk. — Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die „Neligionskundliche Quellenbücherei", die aus den Quellen religiöses Leben erschließt, legt vier neue interessante Bändchen vor. „Die Christengemeinden im ersten und zweiten Jahrhundert" läßt die Verhältnisse in den Gemeinden des apostolischen und nachapostolischen Zeitalters in zeitgenössischen Zeugnissen erkennen. — Günther bringt in seinem „Augustinus" uns den Menschen nahe. Zu diesem Zwecke werden die für den Lebensgang des Kirchenvaters wichtigen Abschnitte seiner „Bekenntnisse" herangezogen und so dem Leser ein tiefer Einblick in fein Innenleben gegeben. — Alles, was als Beleg für die Frömmigkeit des deutschen Volkes in dem Jahrhundert vor der Reformation gelten kann, ist in dem Heftchen „Dolksfrömmigkeit im Spätmittelalter" aufgenommen. Die reiche Gläubigkeit der breiten Schichten der Bevölkerung, ihre Stellung zu Messe und Predigt, die Auffassung des Ablasses und der Jubiläen, die guten Werke und die Heiligenverehrung, Prozessionen und Wallfahrten, die ganze Hoffnung und Verzweiflung der Zeit kommen gut zum Ausdruck. — Etwas durchaus Eigenartiges und Neues bietet das Bändchen „Religiöse Lyrik der letzten Jahrzehnte". Nicht nur die Einteilung hat ein ganz besonderes Gepräge, sondern es ist auch eine ganze Anzahl von Gedichten ausgenommen, die man in bisherigen Sammlungen dieser Art nicht findet. Nicht nur unbekanntere Gedichte von allgemein bekannten Lyrikern sind Dekreten, sondern es kommen auch die modernsten religiösen Dichter wie Friedrich Gillhoff, Karl Bröger, Heinrich Lersch u. a. zu Wort. 324/327
Schöne Literatur.
— Diedeutsche'NovellederGegen- w a r t. Qlitt einem Nachwort, herausgegeben von Dr. Hanns Martin Elster. 370 Seiten 8°. Deutsche Buch-Gemeinschaft G.m.b.H. Berlin (SW 61. Teltower Straße 29) 1926. — Ein köstlicher, bibliophil ausgestatteter Band, auf bestem, leichten Papier, klar, schön und wohlangeordnet gedruckt: die deutsche Novelle der Gegenwart. Ein Querschnitt (um em viel mißhandeltes Wort zu brauchen) durch das literarische Schaffen auf diesem so besonderen Gebiet erzählender Form, die sich gerade in unseren Tagen wieder zu erlesenster Blute zu entfalten scheint, da man sich auf die fotoar nicht eben alte, aber überaus erlauchte Tradition des verflossenen Jahrhunderts, seit Goethes Tagen, zu besinnen beginnt. Was in
dem Bande vereinigt ist — dieis vorweg —, ist lauterste Qualität; es ist ein Genuß, hier zu blättern, hier sich zu vertiefen und fortführen zu lassen; schon wer, wissend und erimierungsvoll, die Namen durchläuft, die hier versammelt wurden, begreift: niemand wird enttäuscht werden, jeder wird etwas finden für eine stille Stunde. Zum mindesten, was hier zusammengebracht wurde, ist ein wesenswichtiger Teil_ der zeitgenössischen Literatur. Ihr Bild würde, ohne diese Barnen, verblassen: Hesse und Huch, Schaefer und Wassermann, Ponten und Zweig, Schaeffer und Frank und Klabund, um nur einige zu nennen. Aber das Buch will auch mehr sein, als nur Anthologie; es will als Spiegel einer Entwicklung begriffen werden, will eine literarische Linie verfolgen, dem Werden einer Form, einer Gattung beispielhaft nachspüren. Dies sagt das Aachwort, mit dem Elster seinen Band beschließt. „Nicht Zufall . . . sondern bewußter Plan und klarer Wille" schufen das Ganze. Hierin ist der Sinn des Buches und die Aotwendigkeit persönlichster Auswahl und Zusammenstellung deutlich gekennzeichnet. Es sollte deshalb eigentlich nicht darum gerechtet werden, ob dieser oder jener fehle, ob der eine oder andere hätte fallen können, ob die abermalige (vielleicht noch peinlichere) Auswahl aus dem Werk des Einzelnen als gut und wesenvoll zu gelten habe. Freilich aber: die kategorische Qlamengebung des Ganzen scheint -uns auch soviel Verpflichtung und Verantwortung in sich zu schließen (zu der sich übrigens das Aach- wort gleich eingangs ausdrücklich bekennt), daß dieser eine Einwand schwer zu unterdrücken ist, — es soll der einzige sein gegen dies vortreffliche, wertschwere Buch —: unter denen au,s den 70er Jahren, den Vertretern der älteren Generation, auf der die jüngere und jüngste weiterbauend steht, fehlt einer, der hier nicht fehlen durfte: Thomas Mann; «um seiner selbst und um derer willen, die nach ihm kamen. Ihn vermißt man. Sonst aber: diesem Buche wünscht man aus freudigem Herzen, es möchte in recht viele Hände kommen, in die Hände derer besonders, die da glauben, snobistisch und kunstmüde, mit einem Achselzucken am geistigen Schaffen der Lebenden vorübergehen zu dürfen. 231
— „Spanische Wanderungen" nennt Hans Aoselieb einen Reisebericht, der mehr ist, als der Titel verheißt. Roselieb schildert nicht das Aeuhere, was jeder sieht, der offenen Auges ein fremdes Land durchstreift. Er^ geht den historischen und geographischen Gründern nach, er fragt, warum ist das so, was man als Besonderes empfindet. Da der Verfasser das Rüstzeug mitbrachte, diese Frage auch zu beantworten, entstand ein Buch tiefer Erkenntnis spanischen Werdens. Der Berliner Historiker Hans F. Helmolt stellte dem reichillustrierten Buch eine fesselnde Einleitung voran. Der wachsenden Gemeinde der Deutschen Buchgemeinschaft G. m. b. H. in Berlin SW 61 wird es eine willkommene Gabe sein. 226
— Otto Soyka: „Ueberwinde r". Engelhorns Romanbibliothek (Stuttgart), Band 996. — Für eine gewisse Kühle des Gefühls, die man in den Werken von Otto Soyka wohl hat feststellen wollen, entschädigt dieser Schriftsteller durch seine reiche Phantasie; seine mit sozusagen mathematischer Präzision konstruierten Erzählungen spannen und unterhalten den Geist wie etwa ein Schauspiel. Auch diese um den Grundgedanken der Ueberwindung des Schicksals kreisenden Novellen haben den unheimlichen, gleichermaßen unterirdischen Spannungszauber, der sie zu einer seltsam fesselnden Lektüre macht. 319
— Sie künstliche Herstellung des Goldes war nicht nur vor 200 Jahren der Traum der Wissenschaftler, Abenteurer und Behüter leerer Staatskassen, sondern erregt auch heute noch die Gemüter der Menschen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß selbst Könige von der Bedeutung Augusts des Starken auf die Verführungskünste von Schwindlern hereinfielen, die von sich aussagten, im Besitze überirdischer Kräfte zu sein, um Gold künstlich Herstellen zu können. Ein solcher war Ioh. Fr. Böttger. Er war es, der schließlich auf dem dunklen Umwege durch die rußgeschwärzte Goldmacherküche das europäische Porzellan erfand. Sein wechselvolles, abenteuerliches Leben ist in einem Büchlein Eugen Kalkschmidt „Der Goldmacher Ioh. Fr. Böttger und die Erfindung des euro- päischenPorzellans" dargestellt. 60 schöne Bilder, die die Entwicklung des Porzellans wiedergeben, begleiten den Text, der spannend geschrieben und allgemein verständlich von dem Weg, der zur Erfindung führte, spricht. DaS Büchlein erschien in Stuttgart im Verlage von Dieck & Co. 298
— Wilhelm Sunkel: „Rucksack und W a u d e r st a b" und „H ej m a t". Im Hessischen Verlag Karl Eucker in Marburg erschienen zwei Gedichtbändchen von Wilh. Sunkel: „Rucksack und Wanderstab" und „Heimat", die von Wanderfreude und Heimatliebe zeugen. Die Lust am Wandern lebt als uraltes Erbe in uns, die Liebe zur Heimat ist die Grundlage des deutschen Gemütslebens und belebt ihrerseits die Wanderfreudigkeit, die auch der an Jahren Gereiste noch auskosten kann, wenn er neben körperlicher Rüstigkeit, wie der Verfasser dieser Gedichte, einen jugendlichen Sinn bewahrt hat. Der spricht aus beiden Bändchen, zu denen jeder am frischen Hauch der Wanderlust und tiefem Heimatglück sich freuende Mensch greifen mag.
317, 318
Länder-und Völkerkunde
— D i e Stammesgeschichte des Menschen. Von Dr. M. Hilzheimer. (Wissenschaft und Bildung Nr. 224. 148 Seiten mit 35 Abbildungen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Für jeden, der die Ergebnisse der Wissenschaft nicht einfach hinnehmen, sondern den Weg verfolgen will, auf dem sie zur Aufstellung eines Stammbaumes des Menschen gelangte, ist das vorliegende Buch bestimmt. Es gibt dadurch, daß immer genau dar- gestellt wird, wie man zu dieser ober jener Ansicht gekommen ist, dem Leser Gelegenheit, sich selbst ein Urteil über Wert und Unwert der dargestellten Theorien zu bilden. Demgemäß wird in der Einleitung ausführlich gezeigt, wie aus dem Zusammenwirken von Zoologie, Anatomie, Ontogenie und Paläontologie ein menschlicher Stammbaum auf- gebaut wird. Von den Protozoen ausgehend, wird dann klargelegt, wie man zu der Annahme gekommen ist, daß die menschliche Stammeslinie eine bestimmte Reihe durchlaufen hat, andere dagegen nicht. So werden die einzelnen Stammesstufen der
Urtiere, Hohltiere, Würmer, Fische, Lurche, Kriechtiere und Säugetiere geschildert und organisch auseinander abgeleitet, bis die Entwicklung schließlich über den Menschenaffen zum Menschen der Eiszeit und zum homo sapiens führt. 329
Eine eigenartige „Lesewoche" hat Friedrich Wol- tus in einer Sammlung „Der Deutsche" zusammengestellt, von der bisher bei Ferdinand Hirt im Breslau drei Bändchen erschienen sind. Die beiden ersten behandeln „DasBildderAntike bei d e n D e u t s ch e n" in dem Steuerungen deutscher Dichter, Philosophen und Schriftsteller über die Antike als Ganzes, aber auch über einzelne Phasen antiker Geschichte und Kultur zusammenaetragen wurde, fast verschollene Zeugnisse werden herangeholt, um ein erstaunlich vielseitiges Bild von den deutsch-antiken Reflexbewegungen zu zeigen. Ein drittes Bändchen „Licht in Vorzeit und Mittelalter" gibt das gleiche in außerordentlich anregender Weise für die deutsche Geschichte. Manches wirkt hier besonders durch die Loslösung aus dem Zusammenhang abrupt, anderes durch die Befreiung vom begleitenden, veralteten Ballast, wieder ungeheuer lebensvoll. Das Unternehmen ist jedenfalls ein interessanter Versuch, ältere Geschichtsschreibung wieder fruchtbar zu machen. 257
— Ein tragisches Forscherleben hatte sich allzu früh erfüllt, als „anno 1746, den 14. November" der unermüdliche, bescheidene deutsche Gelehrte Georg Wilhelm Steller in Tjumen „unter den Händen der beiden Chirurgorum Lau und Schäfer" seinen Geist aufgab. Was hatte dieser Mann geleistet? Nur wenige wissen, wie eng sein Name mit dem Erfolg der zweiten Beringschen Expedition verknüpft ist, die Peter der Große verschwenderisch ausrüstete. 1733 brach die „Große Expedition" unter Führung des Kapitänkommandeurs Bering auf, um „die nordwestliche Durchfahrt" sowie den Zusammenhang der alten mit der neuen Welt zu erforschen. Durch Sibirien ging es nach der Halbinsel Kamtschatka und über die Silenten nach dem amerikanischen Kontinent. Der Name des Dänen ist durch die Beringstraße für immer in das Gedächtnis der Menschheit eingegraben, um so mehr verdienen der Deutsche G. W. Steller und seine Forschungen der langen Vergessenheit entrissen zu werden. Darum ist die Neuausgabe seines frischen, humorvollen, lebenswarmen Berichts „Von Kamtschatka nach Amerika" zu begrüßen; Dr. Heydrich hat sie im Rahmen der bekannten Brockhaus-Sammlung „Alte Reisen und Abenteuer" soeben besorgt. 320
— Unter den Heroen der Afrikaforschung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befindet sich auch ein schlichter Deutscher, dessen bahnbrechende Leistungen heute fast vergessen sind. So ist es ein Verdienst ter bei Brockhaus erscheinenden Sammlung „Reisen und Abenteuer", daß das Lebenswerk dieses Mannes als Ba..d 34 jetzt unter dem Titel: Wilhelm Junker, Bei meinen Freunden, den Menschenfressern, weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird. Zwölf Jahre seines Lebens hat Junker seinen Forschungen im dunklen Erdteil gewidmet und davei halb ober ganz unbekannte Gebiete kannibalischer Negervölker in abenteuerlichen Fahrten durchwandert und erforscht. Reich war feine Ausbeute an geographischen und ethnographischen Ergebnissen. Junker ist für unsere Zeit ein glänzendes Vorbild, als Naturforscher und als ein Mann, der sein Alles einsetzt, nur um wissenschaftliche Erkenntnis zu fördern. Beigefügt sind dem Band eins Reihe guter Bilder und eine Uebersichtskarte, die die Reisewege Junkers auf seinen drei Expeditionen zeigt. Das Buch eignet sich auch als Lektüre für die Heranwachsende Jugend. 321
— In der Bücherreihe „Deutsche Stadt — Deutsches Land", die der Schriftsteller Erich Köhrer seit einigen Jahren herausgibt (in der Deutschen Verlagsaktiengesellschast, Berlin W. 9). erscheint soeben als zwölfter Band das Werk „DasLandWürttemberg(mitHohen- z o l l e r n)". älnterstüht durch das Würtcem- bergische Landesamt für Denkmalspflege, hat der Herausgeber in dem Werk eine Reihe der besten und sachkundigsten Persönlichkeiten des Schwaben- landes zueinandergesellt, die in etwa vierzig Aufsätzen ein umfassendes Gesamtbild dieses Landes in geschichtlicher, kultureller, landschaftlicher und wirtschaftlicher Beziehung geben, Aur die wichtigsten Beiträge seien hervorgehoben. Die Beziehungen zwischen Württemberg und dem Reich behandelt Archivdirektor Dr. Schneider, das geistige Leben im Lande Regierungsrat Dr. Hefele. Das württembergische Volk schildert einer der besten Kenner, August Lämmle, die württembergische Landschaft Prof. Dr. Schwenke!. Die württembergischen Bildungsanstalten und öffentlichen Sammlungen, die Kirchen, die Burgen und Schlösser, die Forstwirtschast, die Bodenschätze und die Heilbäder werden in knapper Form liebevoll geschildert. 316
Rechts- und Staatswissenschaften
— Erich-Hans Kaden: Prioatrecht des Friedensvertrags (Verlag Ferdinand Hirt, Breslau 1925). — In der Abteilung „Rechts- und Staatswissenschaft" der „Jedermanns Bücherei" des rührigen Verlags ist ein Grundriß des Privdtrechts des Friedensvertrages erschienen. Dem Verfasser, der einen Teil seiner Studienzeit in Gießen zubrachte und auch während mehrerer Semester an der juristischen Fakultät unserer Landesuniversität assistierte, ist es in dem durch den Zweck der Bücherei bedingten Rahmen gelungen, einen ausgezeichneten Ueberblick über dieses so überaus schwierige und hochbedeutsame Gebiet zu geben, auf dem er längere Zeit unter seinem leider allzu früh verstorbenen Lehrer Josef Parisch gearbeitet hat. Kaden, jetzt Professor in Gens, schildert zunächst in einer kurz gefaßten, eindrucksvollen Einleitung das auf einseitigem Diktat beruhende Zustandekommen und die über die Regelung völkerrechtlicher Fragen weit hinausgehende Bedeutung des Friedensvertrags, der nach französischer Auffassung auch gerade in den privatrechtlichen Bestimmungen als „Instrument de victoire“ benutzt werden sollte. In einem „Allgemeinen Teil" wird zunächst ein Ueberblick über die privatrechtlichen Bestimmungen des Friedensvertrags gegeben; dann werden Wirtschaftskrieg und Kriegswirtschaft kurz und klar in ihren Auswirkungen in den einzelnen Staaten dargelegt. Nach einem Hinweis auf die Materialien zum Friedensvertrag und auf die bei seiner Auslegung anzuwendenden Grundsätze kommt Kaden auf die Unterscheidung zwischen alten und neuen Staaten, zu denen neben Polen usw. auch Jugoslawien gehört, und auf die verwickelten Fragen der Staatsangehörigkeit natürliches und juristischer Personen zu sprechen. Die Ausgleichsämter, die Reparationskommission und die „Gemischten Schiedsgerichtshöfe" werden in ihrem Auf
bau und in ihrer Zuständigkeit treffend uxnrissen. Was den reichen Inhalt des „Besonderen Teils" betrifft, so kann hier nur auf einige Punkte hingewiesen werden. Kaden beginnt mit der Regelung des Wirtschaftskriegs, wobei zunächst die Abwicklung der deutschen Maßnahmen gegen im Inland belegenes feindliches Vermögen sowie der etwaige Schadensersatzanspruch des feindlichen Ausländers gegen das Reich dargestellt wird. Im Gegensatz dazu steht die Behandlung des Deutschen gehörenden Vermögens im Ausland, wobei sich die Liquidationsbefugnis der Siegerstaaten nicht auf das deutsche Vermögen im Gebiet dieser Staaten beschränkt. Die Behandlung der Vorkriegsschuldenverhältnisse leitet zum Ausgleichsverfahren über; aus den letzten Abschnitten sei auf die Ausführungen über das gewerbliche und geistige Eigentum hingewiesen. Ein ausführliches Literaturverzeichnis ermöglicht es dem Leser, einzelnen Fragen besonders nachzugehen.
In allen Teilen des Buches ist die Klarheit und Schärfe des Ausdrucks zu begrüßen. Daß der Verfasser es verstanden hat, auf geringem Raum eine so gründliche und verständliche Einfügung in die äußerst verwickelten Fragen zu geben, die das Leben des einzelnen mannigfach berühren, soll zum Schluß zusammenfassend besonders anerkannt werden. (90)
C. E.
— Die sozialen Klassen. Von Privatdozent Dr. G. Albrecht. (Wissenschaft und Bildung Nr. 225.) 143 Seiten. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die vorliegende Schrift setzt sich, über dem Streit der Parteien stehend, das Ziel, die Erscheinung der sozialen Klassen in ihrer Bedeutung für das geschichtliche Geschehen zur Darstellung zu bringen. Verfasser geht von der Auffassung aus, daß nicht nur Einzelpersönlichkeiten den Ablauf der Geschichte entscheidend beeinflussen, sondern daß sie auch - abhängig sind von dem „sozialen Milieu", den Menschen und Menschengruppen, in denen sie wirken. Des weiteren untersucht er dann die Berechtigung der im kommunistischen Manifest niedergelegten Anschauung, die Geschichte allein als Klassengeschichte und Ablauf des Klassenkampses betrachtet. Zur Lösung dieser Frage aber ist volle Klarheit über Begriff und Wesen der sozialen Klassen notwendig. Sie wird auf der Grundlage unseres soziologischen Wissens in dem Hauptteil des Buches geboten. 328
— Das von dem Verlag von I. C. B. Mohr in Tübingen zur Subskription aufgelegte Werk: Handbuch der Finanzwissenschaft, in Verbindung mit zahlreichen Fachmännern des Jn- unb Auslandes herausgegeben von W. Gerloff und F. Meisel wird in schneller Folge fortgeführt. In der soeben erschienenen 10. Lieferung (Band 1, 28 bis 30) setzt der Herausgeber Professor Dr. W. Gerlofs, Frankfurt seinen Aufsatz über Steuerwirtschaftslehre fort. 292
— Klaus Forstmann: Die koloniale Zukunft der deutschen Wollwirtschaft (Heft VI der Kolonialen Volksschriften). Kolonialverlag Sachers & Kuschel, Berlin S. 42. —Wie der Titel sagt, sieht der Verfasser unsere wirtschaftliche Zukunft in der kolonialen Entfaltung und erörtert deren Rückwirkung auf das eingehendste. Interessant ist seine rein politische Stellungnahme zur Kolonialfrage. Er nennt Afrika das „europäische Kolonialland"; er fordert eine Scheidung in romanisch Nord-, englisch Ost- und einem deutschen Westafrika von Togo bis Südwest. 312
Verschiedenes.
— Schröders Allgemeiner Deutscher Llniversitäts- und Hochschul- Kalendcr (31. Ausgabe) für das Sommer- halbjahr 1926. Auf Grund amtlicher Quellen herausgegeben von Otto Schröder, erschienen im Brücke-Verlag Kurt Schmersow, Kirchhain R. L. 460 Seiten Kleinoktav, kartoniert, Preis 4 Mk. — Nachdem infolge der Absatzschwierigkeiten während der Inflationszeit keine neue Ausgabe mehr erschienen war, haben sich Herausgeber und Verleger in dankenswerter Weise der Aufgabe unterzogen, das schmucke Werkchen in vollständiger Neubearbeitung wieder der Oefsentlichkeit zu übergeben. Kein Kalender im eigentlichen Sinne, sondern ein Hand- und Nachschlagebuch, bietet es eine Zusammenfassung all dessen, was es über die 56 deutschen Universitäten und Hochschulen Wissenswertes gibt. Nach einem kurzen geschichtlichen Ueberblick werden deren Aufnahmebedingungen und sonstigen wichtigen Bestimmungen bekannt gegeben. Es folgen in der Aufzählung Rektor, Senat, die akademischen Behörden und anderen Amtsstellen wie ein vollständiges Personalverzeichnis des gesamten Lehrkörpers geordnet nach Disziplinen. Ein genaues Verzeichnis der Bibliotheken, Seminare und Institute beschließt die Angaben über die einzelnen Hochschulen. Der zweite Teil des Kalenders bringt eine erschöpfende Aufstellung über das studentische Verbindungswesen, in der alle akademischen Korporationen und Vereine unter Angabe von Gründungsdatum und Farben einmal nach Hochschulstädten und einmal nach Verbänden geordnet aufgeführt werden. Als neuer Abschnitt ist im dritten Teil eine Uebersicht über den akademischen Sport und die Leibesübungen ^ingefügt.
305
— Von dem großen Subskriptionswerk des Verlages der H. Lauppschen Buchhandlung in Tübingen Handbuch derFor st Wissenschaft, das der bekannte Freiburger Forstmann Heinrich W e - b e r (früher in Gießen) in Gemeinschaft mit einer Reihe erster Fachleute in 4. Auflage herausgibt, erschienen die 16. und 17. Lieferung. In der ersteren (Band 4, 25—32) führt der Herausgeber den Abschnitt Forstpolitik weiter, in der folgenden Lieferung (Band 1, 17—24) handelt Professor Lang- Halle weiter über forstliche Standortslehre. Der Subskriptionspreis beträgt je Lieferung 4 Mk. 293
— Das Buch vom Tennis. Von Oskar Kreuzer. Bearbeitet unter Mitwirkung von Dr. R. Gros. Mit einem Geleitwort von Otto Froitzheim und einem Beitrag „Von unseres Sportes Werdegang" von Dr. Hans O. Simon. 2. Auflage. Mit 33 Abbildungen. (IX u. 181 S.) Klein 8°. Verlag von B. G. Teubner in _ Leipzig und Berlin 1926, Das Buch vom Tennis bringt alles für die Hebung des Anfängers Wissenswerte, über die Technik der verschiedenen Schläge in ihren Einzelheiten, aber ebenso für Fortgeschrittene eine Einführung in die Taktik des Einzel-, Doppel- und gemischten Doppelspiels mit allen Finessen. In der 2. Auflage ist der geschichtliche Teil um die Turnier- ergebnisse des Jahres 1925 erweitert. Ferner wurden die Spielregeln den Beschlüssen des Deutschen Tennisbundes entsprechend abgeändert und ein neuer Abschnitt über die (technische) Herstellung eines Tennisplatzes wurde hinzu- gefügt 304
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