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Marx und Stresemann. Erzberger und 2tatbcnau wurden gernnrdet. weil sie der Politik dienten, die auf ihre Fahne die Geduld anstatt der nationalen Phrase geschrieben hatten. An dieser Befreiungspolitik wollen wir festhalten, um eine bessere Zukunft zu schaffen für unser Land und unser Volk. (Beifall im Zentrum.)

Abg. Frhr. v.Rhernbaben <D. Vp.) billigt die Haltung der deutschen Delegation in Genf. Es war auch zweckmäßig, daß das Kom- muniquc über die Fortsetzung der Locarnopolitik unmittelbar nach dein Scheitern der Genfer Kon­ferenz ausgegeben wurde. Wir haben auch ein deutsches Interesse daran, daß die Locarnover- trägc bald rechtlich bindende Kr^lft er­langen, beim die Verträge sind ein Stück des Befreiungskampfes, den das deutsche Volk führt. Die grundsätzliche Bereitwilligkeit zum Eintritt in den Völkerbund haben auch die Deutschnatio- nalen im vorigen Jahre erklärt. Damit ist die heutige Rede des Abg. Graf Westarp schlecht zu vereinbaren. Wenn wir vor der Reise nach Genf die polnische Frage aufgeworfen hätten, dann wäre der Endeffekt doch wohl kaum anders aus­gefallen. Die Unehrlichkeit und Illoy­alität unserer Gegner in Genf waren vorhanden und konnten von uns nicht mit den gleichen Mitteln überwunden werden. Die Außenpolitik sollte endlich dem Parteigezänk ent­zogen werden. Wir sollten erklären, daß die Auf­nahme Polens in den Völkerbundsrat für uns eine außerordentlich schwere Be­lastung bedeuten würde, weil Polen sich Deutsch­land gegenüber niemals auf den Rechtsstandpunkt gesteltt hat. Wenn Deutschlands (Eintritt in den Völkerbund überhaupt noch einmal in Frage kommt, dann nur nach festen Sicherung en gegen eine Wiederholung der Dinge, wie sie in Genf vorkamen. Auch wir halten den Völker­bund in seiner jetzigen Form für einen Hort der Scheinheiligkeit und der Intrigen. Die jetzige Völkerbundsmethode ist immer noch die Folge der alten Kriegspropaganda gegen Deutschland. Um diesen Zustand zu ändern, müssen wir gerade hinein in den Völkerbund, denn wir dürfen dem Kampf um unsere Geltung nicht schwach und feige ausweichen. (Beifall.)

Abg. S t ö ck e r (Komm.) verurteilt das Ver­halten der deutschen Delegation in Gens und warnt vor dem Eintritt Deutschlands in den Völlerbund.

Abg. Gras Bernstorfs (Dem.):

Die Quintessenz der deutschen Außenpolitik kann nur das Streben nach der Völkerverständigung sein: denn selbst, wenn man kriegslustig wäre, könnten wir ja keinen Krieg führen. Von einer deutschen Nie. Verlage in Gens kann man nicht reden. Der Döl- fecbunb hat allerdings eine Niederlage erlitten und ist in eine schwere Krise geraten. Eine Re - form des Völkerbundes liegt aber im deut­schen Interesse. In der Frage der Ratssitze ist gegenüber Deutschland mindestens ein V e r - (prechensbruch, wenn nicht ein Vertrags­bruch begangen worden, ebenso von Brasilien ein Wortbruch. Das ist gar nicht deutlich genug be- ♦ont worden den Ländern gegenüber, die im Kriege so oft erklärten, sie seien gegen Deutschland in den Kampf gezogen für die Helligkeit der Verträge. Wir haben bisher wenig gesehen von der sogenannten höheren Moral, die die anderen immer uns gegen­über für sich in Anspruch nahmen. Genf hat be­wiesen, daß der Völkerbund mancher Reformen bedarf. Deutschland kann aber in seinem eigensten Interesse nicht von jener Verständigungspolitik ab­gehen, die den Eintritt in den Völkerbund notwen- big macht. (Beifall bei ben Demokraten.)

Abg. Dr. Bredl (Wirtsch. Dgg.): _ Wir haben an sich dem Pakt von Locarno sympathisch gegenübergeftanben, weil wir durch­aus einverstanden sind mit dem Gedanken der Befriedung Europas. Wir sind nicht einver­standen mit dem sofortigen Eintritt in den Völkeerbund und treffen uns darin mit der Haltung der Deutschnationalen. Die Politik der Deutschnationalen in dieser Frage konnten wir aber nicht recht verstehen. Sie waren da­mals die stärkste Regierungspartei und haben doch vor Locarno die Außenpolitik so wenig beeinflußt, daß sie das Ergebnis nachher ab- lehnen muhten. Wir verstehen unter Politik rechtzeitiges Eingreifen. Rachher ta­deln hat keinen Zweck. Wir haben die größten Bedenken gegen eine deutsche Betei­ligung an der Kommission zur Aende- rurtg der Völkerbundssahungen. Dem Reichs­kanzler trauen wir zu, daß er in die Kommission geht und uns dann wieder vor fertige Tat­sachen stellt wie in Locarno, wo es auch mit einer harmlosen Kommission angefangen hat. Wir können keinesfalls damit einverstanden sein, daß die Bedingung der Einstimmigkeit der Be­schlüsse aufgehoben wird. Solange diese Be­dingung besteht, bietet uns das Veto Brasiliens einen ausgezeichneten Präzedenzfall für die künf­tige Vertretung unserer Rechte. Deutschland muß jetzt abwarten, wie der Völkerbund seiner in­neren Schwierigkeiten Herr wird. Ein Ein­tritt kann erst in Frage kommen, wenn wir wissen, wie der Völlerbund sich weiter entwickelt.

Abg. Graf v. Lerchenfeld (Bahr.Vpt.): Das Ergebnis von Genf ist ein schwerer Schlag für alle beteiligten Staatsmänner und für den Völlerbund. Es bleibt noch zweifelhaft, ob nicht hinter Brasilien eine europäische Macht gestanden hat. Die Herren Luther und Strese­mann sind etwas zu optimistisch gewesen.

Weiterberatung Dienstag.

Der BiMgungsanIrag der Regierungsparteien.

Berlin, 22. März, lieber die Billigungssor- mel, die die Regierungsparteien zur (Gen­fer Frage im Reichstag eingebracht haben, würbe erst in ben späten Nachmittagsstunben eine end­gültige Einigung erzielt. Der Antrag lautet nun­mehr wie folgt: Der Reichstag billigt bie Erklä­rung der Relchsregierung unb bie Haltung der deutschen Abordnung in Gens. Er bedauert den ben berechtigten deutschen Erwartungen nicht entsprechenden Ausgang der Genfer Ver­handlungen. Der Reichstag erwartet von der Reichsregierung die alsbaldige Erwirkung von G a - rantien dafür, daß die Rückwirkungen des Vertragswerks von Locarno, insbesondere im be­setzten Gebiet, mit größter Beschleuni­gung einer den berechtigten deutschen Forderungen Rechnung tragenden Lösung ^ugesührt und so be­reits vor dem Eintritt Deutschlands in den Völker­bund die Erklärungen wirksam werden, die zwischen den am Vertrag von Locarno betei­ligten Machten in Genf unter Aufrechterhaltung und

Fortführung der Locaruopolikik vereinbart worden sind. Die sozi albe in akratische Frak­tion bes Reichstags hat dieser Billigungsformel zugestimm t.

Parteien und Steuerkompwimh.

Berlin. 23. Marz. (WTB. Funkspruch.) Im Steuerausschuß des Reichstages teilte Reichs- finanzminister Dr. Reinhold mit, daß als Ergebnis von Verhandlungen mit den Regie­rungsparteien die Regierung ihre Steuervorlage in der Weise geändert hat, daß die Hm- f aQ ft euer nicht auf 0,6, sondern nur auf 0,75 Prozent ermaßt gt, die W e i n st e u e r ebenso die Schaumweinsteuer - vollständig aufgehoben und bi: E r h ö h u n g der Vier- steuer bis zum 1. Januar 1927 verschoben werden soll. Außerdem soll bei der Ver - mögen ssteuer eine Er leichte run g für die kleinen Vermögen eintreten. An der vollständigen Aufhebung der Luxus­steuer am 1. April wird feftgehalten.

Die Besprechung, die der Reichskanzler, der Reichsfinanzminister und der Reichswirtschafts­minister mit den sozialdemokratischen Abgeordneten Sjermaim Müller. Dr. Hil- serding und Dr. Herz hatte, verlief erfolglos, da die sozialdemokrattschen Abgeordneten erhär­ten, daß sie in dem Steuerkompromih eine Ver­schlechterung der ursprünglichen Steuerab­bauvorlage der Regierung sehen und es daher a b 1 e h n e n müßten. Wie dasBerliner Tage­blatt" erklärt, sollen die Sozialdemokraten jedoch nicht die Absicht haben, der rein technischen An- gelegenhett der Verhandlungen Schwierigkeiten zu bereiten. Was die Haltung der Deutsch- nationalen anbetrifft, so glaubt derLokal­anzeiger" zu wissen, daß diese Partei keine Rei- gung zeigen dürfte, die Steuerpolitik des Reichs­finanzministers mitzumachen.

Die Rheinlandreise des Reichspräsidenten.

Köln, 22. März. (WTB.) Der Reichs p r a f i b e n t ist heute vormittag 9.40 Uhr unter nicht enbenwollenben Hochrufen dxs zahlreich er­schienenen Publikums unb unter ben Klängen bes Deutfchlanbliebes im Sonberzuge zur Befreiungs- feier nach Bonn a b a e r e i ft unb bort um 10.15 Uhr eingetroffen. Dom Bahnhof fuhr ber Reichspräfibent mit feinem Gefolge burch bie fest, lich geschmückten Straßen ber Stabt, in bene» Schulkinder, Vereine unb Korporationen Spalier bildeten, zum Rathaus, wo er sich in bas Gol- bene Buch ber Stabt eintrug. Im früheren Stabt- verorbnetenfitzungssaal würbe ber Reichspräfibent burch ben Oberbürgermeister Falk be­grüß f. Der Reichspräfibent erwiberte mit Worten herzlichen Dankes unb wünschte der Stabt nach Aufhebung ber Frembherrschaft erneuten Auf« stieg unb glückliche Zukunft im Schutze eines wie- bererstorkenben Reiches. Beim Verlassen bes Rat- Houses würbe bem Reichspräsibenten von 2000 Sängern ein Gesangsvortrag bargebracht. In ber Universität weilte ber Reichspräsident kurze Zeit vor bem kürzlich enthüllten Denkmal für bie 820 gefallenen Angehörigen auf bem Arkabenhof ber Universität.

3n ber Aula der Universität

hieß zunächst der Rektor der Rheinischen Fried- rich-Wilhelm-Aniversität, Geheimrat Professor Dr. D h r o f s, den Präsidenten auch im Hamen des Herrn Kurators willkommen. Wie vor gerade 100 Jahren hier die Bilder der fünf Fakultäten während ihres Entstehens die Aufmerksanckett ber ganzen gebildeten Welt auf sich zogen, so richten sich auch heute die Blicke einer Welt auf diesen bescheidenen Raum, weil ihm durch die Anwesenheit des berühmtesten Feldherrn und des Oberhauptes eines der mächtigsten Reiche eine unvergleichliche Weihe verliehen wird. Ich be­grüße Sie, hochverehrter Herr Reichspräsident, als Rektor einer Hochschule von deutschem Geblüt und von deutscher Art. Unsere Universität ist ein deutsches Kind der Befreiungs­kriege des vorigen Jahrhunderts. Wie wir, äußerlich gefesselt, doch innerlich freiblieben, so blieben wir und unsere vor­treffliche Beamtenschaft mit un£ all die Zeit innerlich deutsch, um in alle Zukunft echt deutsch zu bleiben. Dieses Toeugelöbnis legen wir als deutsche Männer feierlich in Ihre Hand ab. Wir litten, was unter anderem mancher ab- gelehnte Ruf beweist, doch mehr unter der Be­satzung, als die meisten ahnen. Run huldigen wir Ihnen in Freiheit als dem, der das Morgen­rot heraufgeführt hat und es apch all unseren Brüdern bringen will, die noch schmachtend unter dem Joche fremder, unwürdiger Aufsicht stehen.

Der Prorektor der Landwirtschaft­lichen Hochschule Donn-Poppel-dorf, Prof. Dr. B a m e I, überbrachte dann dem Oberhaupt des Deutschen Reiches die ehrerbietigsten Grüße der Hochschule. Darauf teilte der Dekan der philosophischen Fakultät mit. daß die philoso­phische und juristische Fakultät dem Reiöyspräsi- Denten

die Würde eines Ehrendoktors der Staats- Wissenschaften verliehen

habe.

Der erste Vorsitzende der Bonner Studenten­schaft begrüßte den Reichspräsidenten als den starken Träger des Deutschen Reiches und sprach für die Bonner Studentenschaft die Bitte aus. der Reichspräsident möge durch Annahme der Ehrenmitgliedschaft die Verbindung zwi­schen sich und der ihn hochverehrcnden Bonner Studentenschaft unlösbar gestalten.

Der Reichspräsident

dankte bewegt mit folgender Ansprache: Eure Magnifizenzen?

Meine Herren!

Liebe Kommilitonen!

Seien Sie herzlichst bedankt für ben so freund­lichen Empfang, ben Sie mir hier bereitet haben, unb für bie Ehrungen, bie Sie mir untragen. Ich nehme sie gern entgegen unb freue mich, alsnun­mehriger Ehrenboktor ber Staats- Wissenschaft auch in persönliche Verbinbung mit ber Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu treten, bie in ber beutschen Geschichte wie in ber Wissenschaft einen so klangvollen Namen hat. Zu­gleich ist es mir eine Freude, bie E h r e n m i t ° gliebschaft ber Bonner Stubenten- schäft ber Universität unb ber. Lanbwirtschaft- lichen Hochschule anzunehmen. Ich bin burch Alter unb Amt berufen, mit ben Alten zu leben unb zu wirken: aber hoffen unb glauben will ich mit Euch, beutfche Ingen b, bie Ihr Zukunft unb Kraft ber Nation seib!

Hell leuchtet übet dieser alma mater der Name Arndts, dieses großen Erziehers ber Deutschen zum

nüiionalcn Bewußtsein. Unb in ber Geschichte bieser hohen Schule sind viele Namen eingetragen, bie und) heute in ganz Deutschlanb Wiberhall finben. Niebuhr, Sybel, Dahlmann, August Wilhelm von Schlegel, Simrock, . Mittermaier, Heinrich Hertz, Bunsen unb anbere fünben ben Ruhm bieser Pflege- ftätie deutscher Wissenschaft, bie in mehr als hun­dertjährigem Bestehen Deutschlanb unb der Welt vieles gegeben hat. Es ist mir baher eine besondere Ehre und Freude, nunmehr auch persönlich dieser Hochschule a n z u g e h ö r e v unb mich daburch mit ihr in Vergangenheit unb Gegenwart eng nerbunben fühlen zu bürfen.

Durch bie Not der letzten Jahre hat auch, wie ich jetzt sagen kann,u n s e r e" Universität unb bas wissenschaftliche Leben unb Wirken in Bonn ge­litten. In vorbilblicher Haltung haben ober Pro­fessoren, Beamte unb Stubenten die Jahre ber Frembherrschaft durchgehalten unb ber Geschichte her Bonner Universität wie ber der Lanbwirifchaft- lichen Hochschule neue Ruhmesblätter hinzugefugt. Mögen sich nun unsere almae matres her uneben erlangten Freiheit in neuer tatkräftiger Arbeit mit neuen Erfolgen erfreuen, unb mögen sie für Deutschlanb Männer erziehen, bie i m Geist ber Vaterlandsliebe unb ber Einigkeit bem beutschen Volke in feiner so Gott will besseren Zukunft Diener unb Führer sein werben!

Mit biejem Wunsche bitte ich Sie einzusttmrnen in ben Ruf:

Unser geliebtes Vaterlanb, bem oll unsere Kraft gehört, es lebe! Hurra! Hurra! Hurra!

Mit dem Deutschlandlied schloß die Feier. Von der ilniberfität begab sich der Reichspräsi- Ztent zum Hotel Königshof, wo ihm von der Stadt Bonn ein Frühstück gegeben wurde. Begleitet von seinem Sohn, legte dann der Rei^präsident außerhalb des offiziellen Programms am Bon­ner Denkmal des Alten Kaisers, dessen Geburtstag heute war, einen Kranz nieder. Wie­derum von siürmischent Beifall der Bonner Be­völkerung begrüßt, begab sich der Reichspräsident heute nachmittag gegen 4 Uhr auf den Bahn- h o f unb nach herzlichen Abschiedsworten und brausenden Hochrufen erfolgte die

Abreise nach Krefeld.

Auf dem Bahnhof in Rheydt wurde zuerst Station gemacht. Dort hatten sich die Spitzen der Behörden und zahlreiche Korporativnen im Ver­ein mit ihren Fahnen eingefunden. Der Ober­bürgermeister der Stadt richtete an den Reichs­präsidenten herzliche Worte der Begrüßung, auf die der Reichspräsident antwortete:

Die zweite Unterbrechung der Fahrt galt der Bevölkerung von München-Gladbach, von der gleichfalls die offiziellen Vertreter, so­wie eine Reihe von Abordnungen und Ver­bänden auf dem Bahnhof erschienen waren. Wieder jubelnder Empfang und brausende Hoch­rufe, als der Zug herannahte. Der Begeisterung der Bevölkerung gab der Oberbürgermeister und darauf der Landrat in warmen Worten an den hohen Gast Ausdruck, der leider nur zu kurz der Stabt auf der Durchreise die Ehre seines Be­suches zuteil werben lasse. Herzlich dankte der Reichspräsident für die freundlichen Willkom- mensgrüße.

6.20 Mr traf der Sonderzug mit dem Reichsprä sidenten auf dem Krefelder Hauptbahn- Hof ein. Auch wieder dasselbe Bild, dieselbe ein­mütige Teilnahme, derselbe Jubel der ganzen Bevölkerung, derselbe Flaggen» und Blumen­schmuck. Rach einer kurzen Begrüßungsansprache auf dem Bahnhof begab sich der Reichspräsident mit seiner Begleitung sofort in die Stadt' - Halle, wo im großen, mit Blumen geschmückt^ , Festsaal, eine vaterländische Kundg.m bung stattfand. Oberbürgermeister Dr. Ivhane- sen erinnerte in seiner Rede an die schwere 2?n- denszeit des Rheinlandes und-dankte der Reich»- regterung für ihr Einsetzen für die Abkürzung der Rheinlandbesetzung. Reichsarbeitsminister Brauns wies auf die großen Leiden des besetzten Gebietes hin, unter denen namentlich auch Krefeld besonders schwer gelitten habe und überbrachte den Dank der Reichs- und Staats cegierung für all die Opfer, die die Stadt Krefeld während der Besatzung gebracht habe Auch der Reichspräsident ergriff das Wort zu einer kurzen Ansprache Aach der Feier nahm der Reichspräsident an dem ihm zu Ehren im HotelKrefelder Hof" veranstalteten Abendessen teil. Alm 10.57 Alhr fuhr der Reichspräsident nachBerlin zurück.

Italien für Einstimmigkeit der Ratsbeschlüsse.

Rom, 23. März. (TU.) In herIrtbuna" beschäftigt sich Francesco C o p p u l a mit bem Plan, bie bisherige Einstimmigkeit, bie für bie Entscheidungen bes Völker- bunbsrates notwcnbig war, burch bie Einführung bes Mehrheitsbeschlusses zu ersetzen. Die Ausführungen Cvppulas, ber wie- berholt Delegierter Italiens in Genf war unb jetzt Unterstatsfekretär im Kolonialministerium ist, kön­nen als regierungsauthentisch gelten. (Eoppula erklärt, baß bas Liberum veto bie einzige Möglichkeit barstelle, bie nationale Souve­ränität gegenirrsinnige Wilsonsche Fiktionen ähnlich ber Gleichberechtigung aller Nationen" zu schützen. Gerade Italien könne niemals darin ein- willigen, sich der Gefahr einer Isolierung auszu- setzen, wo es mit seiner faszistischen Moral unb Po­litik in einer von sozialistischer Degeneration ver­seuchten Welt allein bastehe. Wenn burch Ita­liens Veto gegen eine Aenberung bes Abstim­mungsverhältnisses bes Völkerbunbsrats ber Völker- bunb in Schwierigkeiten gerate, so sei bas sehr schlimm für ben Völkerbunb, bie Verantwortung aber trügen biejenigen, bie noch an bie Wilson- fchen Absurbitäten glaubten.

DerLocarnopakt für den Balkan

London, 23. März. (WTB. Junkspruch.) Der diplomatische Korrespondent besDaily Telegraph" erfährt, bah bie Gerüchte, wonach bie allgemeinen Bebingungen eines Dreimächtepaktes zwi­schen Frankreich, Italien unb Jugo­slawien bereits grunbsätzlich paraphiert unb ver­einbart worben seien, zuminbest verfrüht sinb. Bis­her habe man nur erwogen, ob ein solcher Pakt ratsam ist. Sowohl Frankreich wie Italien würben ein Sonberbünbnis mit Serbien ohne Teil­nahme einer brüten Partei bevorzugen. Italien scheine bereit zu sein, als Garant unb bamit als Schiebsrichter eines allgemeinen Locarnopaktes für ben Balkan ober eines mehr eingeschränkten ser­bisch-griechischen Bünbnisses einzutreten, ober Ser­bien beabsichtigt, seine Differenzen mit Athen direkt zu regeln.

Aus aller Wett.

Schwerer Zusammenstoß bei Riesa.

Bei einem Zugzufanirhenstoß auf bem Bahnhof in Wölknitz auf der Strecke RiesaElsterwerda wurden zwei Personen getötet, 8 schwer und 3 leicht verletzt. Das Unglück ist vermutlich auf falsche W e i ch e n st e l l u n g zurückzufüh- rc-n. Von Riesa ijt eine Abteilung Lanbespolizei zur Hilfeleistung eingetroffen.

Schweres Aukomobilunglück bei wiesbaben.

Auf ber Adolfshöhe zwischen Wiesbaben unb Biebrich ereignete sich am Sonntagabenb ein schwe­res Automabilimgluck, bei dem zwei englische Sol­daten getötet und ein dritter schwer verletzt wurde. Die drei Soldaten sollen von einem Ausflug aus der Umgegend von Wiesbaden zurückgekommen sein. Im Wathollorestaurallt hätten sie sich ein Auto gemietet unb hätten bamit eine anicheinenb uner­laubte Fahrt gemacht. Dabei stieß der Wagen gegen einen starken 2111 e e b a n m , wo- burch es uoUftänbig zertrümmert wurde.

Schneetreiben in Wien.

Wien, 23. März (WTB. Funkspruch.) Heute nacht herrschte in Wieii" starkes Schnee­treiben. Der Schnee erreichte eine Höhe von 10 Zentimeter Auf den Höhen am Semme­ring beträgt die Schneelagc bis zu zwei Mete r.

Deutsche Studenten in Konstantinopel.

In Konstantinopel sind zu einem mehrtägigen. Aufenthalt 22 deutsche Studierende eingetroffen, um mit ^Unterstützung mehrerer türkischer Stu­denten orientalischen Studien nachzugehen.

Am Der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 23. März 1926.

Die Kirche im öffentlichen Leben Amerikas.

Der Faiuilienabend, ben bie Morkusge- meinde am Sonntagabenb in ber Stabtkirche ver­anstaltete, war sehr stark besucht.

Im Mittelpunkt ber Veranstaltung staub ein Vor­trag bes Prof. D. Dr. Frick- Gießen überDie Kirche im öffentlichen Leben Amerikas". Der Reb- uer, ber auf Erfahrungen fußt, bie er bei einer Amerikareise gemacht hatte, stellte zunächst fest, baß bie Kirchen in Amerika mit dem Staat offiziell keine Verbinbung haben, sie sinb fast vereinsmäßige Ge- bilbe unb ganz frei vom Staate. Man zählt in Rorb- amerika ungefähr 200 Kirchenkörper. Es kommt sogar vor, baß man bie Kirchengemeinbe von Jahr zu Jahr wechselt, man überlegt sich zur Jahres- wenbe, welcher Gemeinbe man sich anschließen will. Der Staat kümmert sich gar nicht um bie finanziellen Verhältnisse ber Kirchen unb um bie Vorbilbung ber Geistlichen. Das hat unleugbare Vorzüge. Die ameri­kanischen Kirchenkörper sinb sehr wanblungsfähig, eine rasche Umschaltung ber Ziele unb Aufgaben ist möglich, ba bie Kirchen frei sinb von jeder Autorität. Merkwürdig berührt es ben Europäer, wenn er sieht, wie nachts bie Lichtreklame in ben Dienst ber Kirchen gestellt wirb. Dost finbet in weitem Maße ein Zu­sammenarbeiten der einzelnen Denominationen statt, auch sind die gottesbienstlichen Formen ziemlich gleich­mäßig. Da bie Kirchen sich nur auf freiwillige Be­tätigung griinben, so sind sie sehr leistungsfähig. Im Durchschnitt kommt in Amerika auf 250 Seelen ein Geistlicher; wenn man in Hessen bas burchführen wollte, so mühte man 5000 evangelische Geistliche unb nicht nur 500 anstellen. Von einer Austrittsbe­wegung kann man in Amerika nicht reben, ba bie Kirchen sich nur auf freiwillige Zugehörigkeit grün­den. Eher ist von einer Kircheneintrittsbewegung zu reben. 45 Proz. ber Bevölkerung haben sich kirch­lichen Gemeinschaften angeschlossen. Die Prebigt ist vielfach interessant, gebraucht aber Mittel, bie man in Deutschlanb nicht verstehen würbe. So kommt es vor, daß ein Prediger am Weihnachtsfeste zuerst verschie­dene Plakate vorzeigt unb baran seine Erörterungen knüpft. Sinb bort bie Kirchen frei vom Staate, so gehören boch Kirche unb Oeffentlichkeit eng zusam­men. Der Staat bezeugt burch seine leitenben Män­ner, baß er vor ber Slrbeit ber Kirche große Achtung hat, kirchliche Führer kommen oft auf wichtige poli­tische Posten. Die Eisenbahnen bewilligen ben Geist­lichen für bienstliche Fahrten 50 Proz. Rabatt. Einen großen Dienst leistet bie Kirche bem Staat, tnbem sic hilft, bie guftrömenben Einwanberer in bas ame­rikanische Leben einzubeziehen. Dieser Zustanb hat boch auch mannigfache Gefahren im Gefolge. Es fehlt bie Aufsicht burch bie öffentliche Bilbung. In ben Gottesbiensten unb im Unterricht wirb nicht sel­ten Unsinniges vorgetragen, phantastische Jbeen und groteske Erscheinungen sinb etwas Alltägliches. Von ben vielen Hunberttausenben von Reoerenbs so nennt man bort bie Pfarrer, sinb sehr viele ohne Universitätsbilbung, sehr viele auch ohne bie Bilbung einer höheren Schule. So versteht man, baß abson­derliche Erscheinungen, wie ber vielgenannteAffen­prozeß", bort zutage treten können. Es ist sehr leicht, eine Anstellung als Geistlicher zu erhallen. Auch bringt bie Kirche baburch, baß sie alle mög­lichen Theorien aufstellt, Risse in bie Nation, man braucht hier nur an bie Mormonen zu benken. Jetzt beobachtet man Bestrebungen, bas Verhältnis von Kirche unb Oeffentlichkeit anbers zu gestatten. Die Kirchen betreiben vielfach öffentliche Angelegen­heiten; so haben sie bas Alkoholverbot burchgesetzt. Zur Zeit bestrebt man sich, in bie Staatsschulen Re­ligionsunterricht einzuführen. Auch um bie Friebens- frage kämpfen bie amerikanischen Kirchen; so will man einem Krieg zwischen Japan unb Amerika vor­beugen. An Stelle ber alten Bekehrungsmethoben, bie sich auf ben einzelnen richteten, wollen bie Kir­chen jetzt ben Gesamtgeist ber Nation beeinflussen, sie wollen bie sozialen Notstänbe überroinben unb Frieben und Glück im Lande schaffen. Alle diese Be­strebungen haben jetzt erst eingesetzt, man bewegt sich in ber Richtung, baß man für bie Zukunft eine Volkskirche anbahnt.

Der Vortrag würbe von Gesang, Schriftlesung unb &ebet umrahmt, ein weihevolles, von Lehrer Heinrich Simon feinsinnig bargebotenes Orgel­spiel beschloß ben Abenb. B.

Wettervoraussage.

Heiter bis wolkig, östliche Winde, tags mil­der. noch vielfach Frost, vorwiegend trocken.

Das Rordmeerhoch ist Wetter nach Süd-- westen abgedrängt worden, während bas Gebiet niedrigen Druckes über Finnland nach der Ost­see hereinbricht. Andererseits hclt auch der süd- westeuropäische Wirbel nach Mitteleuropa hin an Raum gewonnen, so daß ein Dorübergang in nordöstlicher Richtung nicht mehr ganz unwahr­scheinlich ist. Störungen können daher in deic nächsten Tagen eintreten.

Gestrige Tagestemperuturen: Maximum: 2,0 Grad Celsius. Minimum: 3.4 Grad Celsius. Hev' tige Morgentcmperatnr: minus 2,2 Grad Cclftns

StiMea' 'Bellad)«n'- siraße). H tritt inals au! ben uno weiy bereits, u hingegen L-l-kVj 0hkc. 2 ermöglich? ber heut, bie MN spiel M innert.

Lerkes in DolckK abgermun

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