überall bezweifelte, das aber, sehr- zu Freude der Zuschauer, sich auch nicht einen Augenblick mäßigte. Kassel hielt stand! Beiderseits offenes Feldspiel brachte im Anfang noch keines der Tore in Gefahr. Schon jetzt zeigten sich beide Mannschaften auf allen Posten stark und richtig beseht. Auf der einen Seite setzte Iunghenn feine Kasseler Außenstürmer zum Angriff an, auf der anderen leitete Paulus die Wetzlarer Qlnflürnte ein, so ein wechselbolles Bild prächtiger Innenkombination zeigend. Besonders das Wetzlarer Innentrio leistete Erstaunliches an rasend-schnellem, bestimmtem Zuspiel und wirklich gelang in der Mitte der erftert Halbzeit nach Seitenwechsel rmm linken Läufer zum Rechtsaußen durch letzteren den Einheimischen der Führungstreffer. Dieser Borsprung wurde von Wetzlar gehalten uird stand vorerst nie in Gefahr. Rach dem Halbzeitstand (1:0 für W.) drängte Kassel mächtig auf Ausgleich. Ein an den Pfosten springender Ball hätte um ein Haar die Bemühungen zum Erfolg gebracht, der Ball nahm aber den Weg ins Feld zurück. Wiederholte Angriffe der Schwarzroten zwangen den ausgezeichneten Kasseler Hüter zur Hergabe seines ganzen Könnens. Die Zuschauer jubelten ob der prächtigen Leistungen und zollten beiden Teilen gleich starken Beifall. Verschiedentlich falsche, nicht regelrechte Abwehr und Zerstörrmg der Wetzlarer Hintermannschaft zwangen den aufmerksamen Schiedsrichter zu mehrfachem Eingreifen. Rasende Flankenläufe der beiden Kasseler Außenstürmer und immer und immer wieder das nahezu vollendete Dreiinnenspiel Wetzlars wechselten in bunter Folge. Einen seiner rasenden Angriffe schloß der Halblinke W.'s mit plaziertem Torwurf ab. Diesmal wart sich Kassels Hüter zu spät. Wetzlar erhöhte seinen Borsprung auf 2:0. Kassel ließ nicht locker und kämpfte, doch vergebens. Der große Kampf endete mit dem verdienten Siege der Wetzlarer Vertreter.
Herr K l u t e aus Siegen war den; Spiel ein sehr genauer und aufmerksamer Leiter, mit dessen stets unparteiischen und korrekten Ent- scheidungen sich beide Parteien einverstanden erklärten.
Der in allen Teilen schöne Kampf der beiden Städte um den Sieg hat allen große Freude bereitet. Roch nie zeigte ein Handballspiel so seine Werte und Feinheiten, noch nie haben wir mit einer solch inneren Befriedigung den Platz verlassen wie ani Sonntag.
Das Rückspiel findet in Kassel an einem der nächsten Sonntage statt.
Oberhessen.
Landkreis Gießen
ck. Heuchelheim, 22. Febr. Der Män - nergesangvereinDraubach a.Rh. plant am 1. Osterfeiertag hier ein Konzert zu veranstalten. Die Verhandlungen sind schon zu einen; gewissen Abschluß gelangt. Zur Leistung der Vorarbeiten wurde eine Kommission, bestehend aus den ersten Vorsitzenden der vier hiesigen Vereine gebildet.
— Daubringen, 22 Febr. Die einzige Holzversteigerung, die am SamStag in mtferem Gemeindewald abgehalten wurde, zettigte ganz außergewöhnlich hohe Preise. Da nur Kiefern-, Fichten- und Tannenholz versteigert wurde, so bewegten sich die Versteigerungspreise in einer Höhe, wie sie anderwärts kaum für Buchenholz bezahlt wurden. Für Knüppel wurden bis zu 35 Mk. der Doppelraummeter, bis 20 Mk. für 3 Raummeter Fichtenreiser und für Stangen je nach Inhalt bis zu den höchsten Summen ge- 1 boten und genehmigt. — Der Landwirischafis- ^-kammer-Ausschuh für Oberhessen beabsichtigt, durch den Obstbauinspektor Wiesner im zei- tigen Frühjahr in hiesiger Gemeinde einen Obstbaumpflege- und Pfropfkurslls ab-
Gießener Stadttheater.
„Gräfin Mariza".
Bor zwei Jahren wurde die „Gräfin'Mariza" in Wien aus der Taufe gehoben. Es soll damals ein sehr feierlicher und bewegter Akt gewesen sein, und jedenfalls war schon dieses erste Erscheinen hlenieden der Ausgangspunkt dessen, was man einen Siegeszug nennt. Diese Operette ist ein richtiger „Schlager" geworden und bis heute geblieben. Der beste Beweis dafür war bei der hiesigen Premiere ein volles HauS, ein rauschender Applaus und viele Wiederholungen und Blumen.
Wenn man sich fragt, worin dieser Erfolg (der sich mit solcher Hartnäckigkeit behauptet) eigentlich besteht, so wird man vielleicht sagen können: darin, das) das Stück zwischen der guten Operette alten Stils und der modernen (die sich stellenweise stark der Revue annähert) einen glücklichen Ausgleich gefunden hat. Die Librettisten Brammer und Grünwald sind ja keine Reulinge mehr, und Emmerich Kalman, der Der die Musik geschrieben hat. erst recht nicht. Sie sind alle drei alte Theaterhasen und gewiegte Routiniers, die das Geheimnis des Erfolges auf ihrem Felde entdeckt haben, die ihr Publikum kennen und wissen, was „zieht" (immer und überall) und die ttug genug waren, zu sehen, was an der klassischen Operette überlebt ist, und was sich bis heute an ihr gehalten hat. IInö die wohl auch die moderne Konkurrenz scharf angeschaut und gemerkt haben, was sic gegen früher gewonnen hat. und was faul darnn ist. Es kommt nicht auf die Wthe an. Da hat es zu nllen Zeiten gute und schlechte gegeben. Aber man kann die Autoren dazu beglückwünschen, um nur eins herauszugreisen, daß sie soviel Geschmack bewiesen, aus die zahllosen Ein- bis Zweideutigkeiten und Ruditäten ibic schlechterdings bald an einer äußersten Grenze angelangt waren) als integrie-
zuhalten, zu dem sich bereit« eine ganze Anzahl Teilnehmer angemeldet haben.
: Reiskirchen, 22. Febr. Unter Dorf mit rund 970 Einwohnern hat eine so rege Bautätigkeit aufzuweisen, wie wenig andere Orte von dieser Gröhe. In den letzten 20 Jahren sind ganze Straßenteile neu entstanden, z. D. die Eisenbahnstraße, die parellel zur Bahn läuft. In der Hauptstraße, am Ausgang nach Gießen zu, sind ebenfalls 4 stattliche Reubauten, alle in der Rachkriegszeit, errichtet worden. Die Bleiche, links der Wieseck, wurde ebenfalls mit drei neuen Häusern bebaut. Auch in der Schulstrahe, gegenüber dem neuen Schulhaus. das aus dem Jahre 1913 stammt, sind einige neue Häuser entstände.;. An der Lindenstruther Straße ist nach dem Kriege die stattliche Wohnung für die hier stationierte Gendarmerie aufgeführt worden.
t Grünberg, 22. Febr. Zu der geplanten Errichtung eines Finanzamtes in unserer Stadt wurde eine Vereinbarung dahingehend erzielt, daß die Stadt an der Käswiese (Gallus- platz) einen Bauplatz in Gröhe von 1600 qm kostenlos zur Verfügung stellt und die Auffüllung des Geländes, ben Bau der Straße und die Kanalisation ausführen läßt. Diese Zusage gilt nur. wenn mit dem Bau noch in diesem Jahre begonnen wird. Seitens der Gemeindeverwaltung wird Wert daraus gelegt, daß bei der Ver- gebung der Arbeiten die hiesigen Geschäftsleute Berücksichtigung finden. Im ganzen sollen etwa 400 qm bebaut werden. Die Frontbreite des Gebäudes, das drei Stockwerke hoch wird, soll etwa 30 Meter betragen. In dem Gebäude wird auch die Bezirks Sparkasse Unterkunft finden. Der Kostenaufwand wird auf 200 000 Mark geschäht. Mau hofft, daß das Reichsfinanzministerium sich mit dieser Abmachung einverstanden erklärt.
Kreis Friedberg.
r. Wölfersheim. 22. Febr. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde u. a. die Chaussierung des Haingrabenwegs beschlossen. Gutgeheihen wurde der vom Kulturbauamt entworfene Bauplan, wonach in etwa 600 Arbeitstagen, die zu zwei Dritteln den Orts- erwerbslosen zufallen müssen, 270 Kubikmeter Erde ausgehoben und 630 Quadratmeter Wegfläche gestückt und überschottert und die 4 Meter breite Fahrbahn einseitig gewölbt werden soll. Ferner wurde die Instandsetzung des Grasgartenkanals beschlossen; zur besseren Ableitung des Wassers sollen weitere Rohre gelegt werden. Schließlich wurde noch bestimmt, daß die Gemeinde für einen Vortrag über die Bekämpfung der Tuberkulose einen Saal stellt und die Hälfte der ünfoften trägt.
Kreis Lchotten.
Ig. Geber n, 22. Febr. Die Gederner Bant A. - G. hielt dieser Tage ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Bilanz und Gewinn- und Derlustrechnung wurden genehmigt. Der Reingewinn wird zu einer llproz. Divideirbe verwandt, außerdem mit je 1000 Mk. dem Reserve- und Pensionsfonds gutgeschrieben und der Rest für 1926 vorgetragen. Vorstand und Aufsichtsrat wurde Gntlastung erteilt Bei der Wahl der AufsichtsratSmitalieder wurden die Herren Sinn, Müller und Ziegler wieder-, die Herren Friedrich Müller. Gemeinderechner D o n a 11 und Lehrer Preusch - Steinberg neugewählt. Wetter wurde der Beschluß gefaßt, das Grundkapital durch die Ausgabe vmr 200 Inhaberaktien zum Rennbetrage von je 100 Reichsmark zu erhöhen, mit Dividendenberechtigung ab l.Iuli 1926.
X Rain rod, 22. Febr. Am Samstag hielt der hiesige Kriegerverein einen Familienabend ab, der von etwa 150 Teilnehmern besucht war Bei dieser Gelegenheit wurde dem Dereinsvorsitzen- den. Altbürgermeister Biehl, bas Hassia-Ehren-
'rende Bestandteile der modernen Operette zu verzichten.
Der klassische Operettenschauplatz ist einschieden Ungarn. Irgendwo so. wo die geographischen Schulkenntnisse etwas ins Wanken kommen, aber nicht weit von Wien und Budapest und der schönen, blauen Donau. Donau ist gleich das Stichwort sür einen Teil der Musik. Wiener Walzer und Donaulieder brauchen gar Nicht neu zu fein, sie sind dankbar, und wo paßten sie besser hin. als hier? Bitte, das Personal: Gräfin Mariza — schon der (Harne ist operettenmäßig und scheint den Ton anzuschlagen, auf den das Ganze musikalisch und milieuhaft abgesiimmt ist. (Man kann das nicht näher beschreiben.) Weiter: Fürst Moriz Dragomir Populescu — unendlich dankbare Rolle, stehende Figur, die kaum ein wenig abschattiert ist: Verschnürung. Monokel, ungarischer Schnurrbart, Küßdiehand-Kavalier von der weiland K. u. K. Reiterei. Rur noch einer: Graf Tassilo Endrödh-Wittemburg. Mit ihm ist die ganze Geschichte und Vorgeschichte erzählt. Die Vergangenheit weist nicht nur sechzehn Ahnen blauesten Geblütes aus, sondern auch den berühmten dunklen Punkt. Offizier — Abschied — ..Verwalter" bei der Gräfin, um Gelb zu verdienen, damit bas herzige Schwesterlein nicht unter dem Leichtsinn des armgewordenen Bruders zu leiden braucht. Die Fortsetzung durch drei Atte ist klar. Mariza behandelt ihren neuen Verwalter zuerst wie einen nassen Sack, zuletzt fallen sie sich in dieArme. Das ist das A und das O; bewährteste Schablone. Aber was dazwischen liegt, das ganze 3)rum und Dran. daS ist viel wichtiger, das trägt den großen Erfolg.
Zum Beispiel: Gleich zu Ansang ein sehr niedlicher Kindertanz (die stereotypen Girls der Zettoperette, die hier erst später kommen, mit einem glücklichen Einfall ins Diminutiv übersetzt), so glücklich, daß sofort eine Wiederholung herausgeklatscht wird. Oder: Mariza hat sich „verlobt", um sich vor ihren vielen Anbetern zu retten. Ist gar nicht wahr. Sie hat aufs Geratewohl
kreuz überreicht. Studiendirektor Hertsch, Schotten, hielt einen Vortrag über ..Kriegserlebnisse und Kriegserfahrungen", dem die Teilnehmer mit großer Spannung lauschten. Darbietungen des Gesangvereins, des Musikvereins und gemeinsame Gesänge füllten im übrigen den Abend sehr schön aus.
* Eichelsdorf. 22. Febr. Zu dem bereits gemeldeten Absturz eines Astes der „Dicken Eiche"' in der Försterei Gichelsdorf sei noch folgendes mitgeteilt: Der etwa 1000jährige Baum hat einen mittleren Durchmesser von 1.80 Meter unfr eine Stammhöhe von 10,5 Meter, also eine mittlere Durchschnittsfläche von 2.5 Quadratmeter und einen Stamminhalt von fast 27 Festmetern. Der abgestürzte Ast mit 70 Ztm. mittlerem Durchmesser und 25 Meter Länge hat etwa 10 Fstm. Inhalt. Die beiden noch verbliebenen Aeste werden auf 12 Fstm. geschaht: somit besitzt die „Dicke Eiche" immer noch fast 40 Fstm. Kubikinhalt. Da das gewaltige Ratur- d e n k m a l abseits der Wanderwege des Vogelsbergs liegt, ist es wenig bekannt, zumal die früher bestehende Markierung Bahnhof Gichelsdorf — Dicke Eiche nicht wieder erneuert worden ist. Don der Bahnstation Eichelsdorf zur Dicken Eiche (40 Minuten) und weiter den Seidelweg benutzend, könnte ein prächtiger, durch tiefe Waldeinsamkeit und reizende Wiesen- tälchen führender Wanderweg nach Hof- Zwiefalten (insgesamt 2 Stunden) erschlossen werden. Von hier aus ist auf viel begangenen Pfaden der hohe Vogelsberg leicht zu erreichen (2V3 Stunden). — Dekan Sc r ibn zeigte und erläuterte in O ber-Schmitten und Gichelsdorf einen Filmstreifen vom Gustav-Adolfsfest in Gießen, der allen, die nicht an dieser gewaltigen evangelischen Kundgebung teilnehmen konnten, die Verbundenheit des evangelischen Deutschtums in Europa zum Bewußtsein brachte.
* Eichelsachsen, 22. Febr. Wie in vielen Rachbargemartungen, so soll auch hier demnächst ein Basaltwerk in Betrieb genommen werden. das vielen einheimischen Arbeitskräften und Fuhrleuten eine Verdienstmöglichkeit bietet. Die Rentabilität des Steinbruchs ist jedoch durch die große Entfernung von der nächsten Bahnstation (Eichelsdorf. 7 Kilometer) von vornherein sehr in Frage gestellt.
Kreis Lauterbach.
Angersbach, 22. Febr. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl wurde Zimmecmrister Walter mit 343 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Landwirt Völler erhielt 266 Stimmen. Walter ist somit an Stelle des vor einigen Wochen verstorbenen Beigeordneten Möller gewählt.
Lauterbach, 22. Febr. Am Sonntagabend gegen 8.45 Uhr wurde das Fuhrwerk des Fabrikanten Weiß von Frischborn auf der Straße zwischen Lauterbach und Blitzenrod durch das Personenauto des Sägewertsbesitzers Henkel, Lauterbach z u s a mme n gef a h r c n. Menschenleben kamen nicht zu Schaden. Die Insassen beider Fahrzeuge Tarnen mit dem Schrecken davon.
Kreis Alsfeld.
• AlSfeld, 22. Febr. Im verflossenen Jahre hielten in her hiesigen Dürergesell- schaft folgende Professoren der Landes^ Universität Gießen Vorträge: Professor C z e r m a k über Röntgenphysit, Geheimrat B e h a g h e l über die Entstehung von Sitte und Brauch, Professor Laqueur über die Staatsidee der Griechen und Römer. Geheimrat Sommer über Vererbungs- und Abstammungslehre. Auch für dieses Jahr haben sich eine große Zahl Gießener Dozenten als Vortragende in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.
X Alsfeld, 22. Febr. Am, Samstagabend sand im neuen Theater- und Festsaale des ..Deutschen Hauses" die zweite V o r st e l l u n g des
einen Ramen genannt. Auf einmal kommt einer, der wirklich so heißt: Baron Koloman Zsupan, Gutsbesitzer auf Darasdin (18 000 Schweine) verliebt sich sofort, spricht ungarisch, tanzt Csardas. Cfckrdas ist das zweite Stichwort, für den Schlager, der die ganze Operette populär gemacht hat: „Komm mit nach Varasdin, solang die Rosen blühn, da ist die ganze Welt noch rotweitzgrün." Es steckt wirklich Schmiß und Raffe in der Melodie (nicht im Tert). und man begreift die Volkstümlichkeit sofort. EL gibt noch einen Schlager: — der „Verwalter" mit dein Schwesterchen — ein sehr einschmeichelndes Duett vom Sonnenschein. Endlich einen dritten, her die raffinierte Schlußszene des ersten Aktes begleitet. Unb es ist erstaunlich, wie diese drei leitmotivischen Elemente der Partitur, in den beiden letzten Akten wiederholt, Steigerung und Rundung in das Ganze bringen. Der zweite Att ist theatralisch ausgezeichnet. Er gibt, von allem Beiwerk ent» neidet, die erwachende Liebe und Eifersucht der Mariza. Große, glänzend gespielte Szene mit dem Pseudoverwalter. Aelteste Theaterknisfe mit dem entdeckten Dries (Mariza kommt hinter die sechszehn Ahnen), eine geschickte Verwandlung, die acht Girls und ein starker Schutz Sentimentalität, der aber auss Parkett unwiderstehlich wirkt. Dritter Att. In allen guten Operetten spielt der dritte Alt: am andern Morgen. Hier auch, öettfater nach dem Rosenfest schafft ein herzbewegendes Lagerbild. Aber dann wirds (scheinbar) Ernst. Der Verwalter ist nach großem Krach am Abend zuvor endgültig hinausgeschmissen. Die Szene mit dem Zeugnis zwischen ihm und Mariza ist aber nur noch ein letztesScharmiltzel vor der Kapitulation, die übrigens durch das Eintreffen der fürstlichen Großtante Cuddenstetn zu Chlumetz mit einem geradezu unmöglichen Faktotum von Kammerdiener verzögert wird. Aber der mitreißende Rhythmus springt noch einmal auf: „Komm mit nach Darasdin — solang die Rosen glühn da ist die ganze Welt noch rotweißgrün". Diesmal ist es der Zsupan mit
Stadttheaters Gießen vor sehr gut besetztem Hause statt. Zur Aufführung gelangte diesmal „Ser wahre Jakob", Schwank in drei Akten von Franz Arnold und Ernst Bach. Das glänzende Spiel der Gießener Schauspieler fand bei dem Publikum dankbare Aufnahme und erregte große Beifallsstürme. Man muß unserer Stadtverwaltung dankbar sein, daß sie unserer Stadt durch die mit dem Gießener Stadttheater getroffene Vereinbarung die Möglichkeit bietet, gute Theaterkunst zu bekommen. Man hofft, diese Einrichtung dauernd erhalten zu können. Für den nächsten Winter ist die Einrichtung von Theater-Abonnements für sechs Vorstellungen vorgesehen.
Preußen.
Ureis Biedenkopf.
XX Biedenkopf, 22. Febr. Mit Rücksicht auf die Arbeitsüberhäufung der Beamten durch den ständig wachsenden Umfang der Geschäfte sind die Sprech st ii nden auf dem Landratsamt für die Bevölkerung auf drei Wochentage br schränkt morden. Es find die Tage Montag, Mittwoch und Freitag, und zwar hie— Ammittags- stunden von 8 bis 12 Uhr für das Publikum freigegeben. Auf eine Abfertigung außerhalb dieser Sprechtage kann nur in besonders bringenden Fällen gerechnet werden.
XX Frankenbach, 22.Febr. Die Kreisverwaltung sucht in dankenswerter Weise die so überaus schwierigen Verkehrsverhöltniffe innerhalb des Hinterlandes zu bessern. In mangelhafter Weise geschähe dies aber nur, wenn (wie die Oberpostoirektion Frankfurt a. M. planen soll) eine Autoverbindung von Wetzlar nach Gladenbach durchgeführt werden sollte. Die Gemeinden hinter dem Dünsberg: Crumbach, Wilsbach, Niederweidbach wünschen vor allem Anschluß an die Stadt Gießen. Es gilt also nur, die bis Fellingshausen geschaffene Verbindung weiter a n s z u b a u e n , nimmt doch eine Reise nach Gießen für unsere Bewohner jetzt stets einen vollen Tag in Anspruch.
Groß-Wiesbaden.
WSR. Wiesbaden, 22. Febr. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung teilte Bürgermeister Schulte mit. daß die Stadt unmittelbar vor der Eingemeindung der Stadt Biebrich und der beiden Gemeinden Sonnenberg und Schier stein stehe, wodurch die Einwohnerzahl um etwa ein Drittel vermehrt und lünftig etwa 140 000 betragen werde. Im künftigen Groß-Wiesbaden müsse bann auch eine Reuorganifativn der Verwaltung, ein Ausgleich der zwischen den vier Gemeinden bestehenden Auffassungen und eine tunliche Gleichstellung der Bürger hinsichtlich der Steuerbelastung nfw. erfolgen.
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der «Radio-Umschau".)
Mittwoch, 24. Jebruar:
3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.15 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hauchorchesters: Aus Groß mamas Tanzstunde. 5.45—6.15 Uhr: „Die zehn Küsse, Oper von Bernhard Sektes , Vottrag zur Erstaufführung am 25. von W. W. Göttig. 6.15 bis 6.45 Uhr. „Emil Claar", Vortrag und Vorlesung aus seinen Werken von Frau Eyser-Eichenberg. 6.45 bis 7.15 Uhr: Funkhochschule: „Krebse, Spinnentiere und Tausendfüßer", Vortrag von Dr. W. E. Ankel. 7.15—7.45 Uhr: „Das gerichtliche Zwangsvollstreckungsverfahren", Vortrag von Obersekretor Heinz Biehn. 7.45—8.15 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Die neue Gestalt der Philosophie der Gegenwart 11. Kritik und Umschwung", Vortrag von Prinatdo.zent Dr. Heinemann. 8.15—10.15 Uhr: „Die Journalisten", Lustspiel in vier Akten von Gustav Freytag.
dem Schwesterlein. Wenig später liegt die Mariza in den Armen des — Grafen Tassilo Endrody- Wiktemburg.
Das ist natürlich längst nicht alles. Rur Kostproben aus der reizvollen, pmnpös ausge- statteten Aufstihrung unter Westermeyer und Kapellmeister Sander vom Landestheatrr Darmstadt, der den musikalischen Part hatte und das verstärkte Orchester straff und diszipliniert unter beschwingter Stabführung zusammenhiclf. Mariza: Anita Franz als Gast. Eine reife, sehr bühnenmäßige Erscheinung, große Dame mit allen Allüren und Launen und Gesten, die dazu gehören, und einem frappierenden Toiletten' wechsel. Gefänglich erst in den beiden letzten Aufzügen ganz entfaltet, schauspielerisch die beste Szene im Mittelakt, wo sic schon sehr nahe daran ist, ihrem Partner ans Herz zu sinken: Steinbrecher war der gräfliche Gutsverwal- ter: eine überaus sympathische und liebenswürdige Darstellung, und ein weicher, schöner und reiner Stimmklang. Alois Resni als Gast gab den Populescu, der oben des näheren angedeutet wurde, unb war die entschieden drolligste Figur des Abends, mit einem herrlich echten Pußtadialekt. W e st e r m e.y e r machte sehr hübsch den phantastisch - ungarischen Schweinezüchter Baron Koloman und konnte gleich mit seinem ersten Auftritt die Vielsättigen, dankbaren Möglichkeiten der Rolle gleichzeitig entfalten. Elle Simon spielte mit viel Temperament und Tanzfreude dos gräfliche Schwesterlein. Max Patschky als Gast (Kammerdiener) entfesselte mit gefährlichen Kalauern stürmische Lachsalven. Sache einer geschmackvollen Regie wäre es geroefen.Jücr mildernd und beschränkend einzugreifen, - Mit großen Pausen wurde hie Aufführung so verlängert, daß im Schlußakt ein störender Massenausbruch einsetzte. Vom starken Erfolg wurde bereits zu Anfang gesprochen.
Dr. Th.
; $ dasfeine.reine Cocos-Speisefett*


