Wirtschaft.
Ein Silberstreisen im Ruhrgebiet.
(Don unserem Essener Mitarbeiter.)
Unter den deutschen Gauen hat — abgesehen von Berlin und vom Königreich Sachsen — keiner so unter der Arbeitslosigkeit gelitten, wie das Ruhrgebiet, der größte deutsche 3n- dustriebezirk. Wie das Ruhrgebiet in der Zeit der Aufwärtsbewcgung vor dem Kriege an der Spitze marschierte, so empfand es naturgemäß auch am härtesten den Druck der Wirtschaftskrise, einer Wirtschaftskrise von bisher unerhörtem Ausmaße. Die Provinz Westfalen, die den größten Anteil am Industriegebiet hat, zählte am 15. März ds. Is. 203 508 Erwerbslosenunterstützungsempfänger mit 248 000 Zuschlagsempfängern. Am 1. Juli waren noch 181 527 Unterstützungsempfänger und 223 000 Zuschlagsempfänger vorhanden. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen beträgt in den einzelnen Kreisen des Industriebezirls 48 bis 88 auf 1000 Einwohner: die Durchschnittszifser für die Provinz beträgt 36. Der Reichsdurchschnitt ist um 30 Prozent niedriger.
Man kann es unter diesen Umständen verstehen, wie sehr man nach einem Silberstreifen ausschaut, der den Anbruch einer Besserung verheißt. Eine geringe Besserung ist unverkennbar eingetreten. Der englische Bergarbeiterstreik hat es dem Ruhrbergbau ermöglicht, einen Teil der alten Haldenbestände abzustoßen, manche Zechenhalden sind nahezu geräumt. Don weiteren Stilllegungen ist keine Rede mehr, der Rationalisierungsprozeß scheint, soweit die Montanindustrie in Frage kommt, beendet zu sein. Feierschichten werden nicht mehr eingelegt. Auf einer Anzahl Zechen konnten von den früher entlassenen Belegschaftsmitgliedern wieder Leute eingestellt werden. Das Kohlensyndilat hat die Gelegenheit benutzt, mit früheren Abnehmern von Ruhrkohle, die das englische Dumping ihm entrissen hatte, langfristige 05er tröge abzuschließen, so daß eine dauernde Vermehrung des Absatzes zu erwarten steht. Kommt es zu einer internationalen Kohlen- verteilungsregelung, so kann das Ruhrgebiet nun eine Quote beanspruchen, die ihm auch früher schon zustand, deren reale Unterlage es aber erst jetzt zurückgewonnen hat. Die deutschen Bergarbeiter, die eine internationale Regelung befürworten, gehen mit den deutschen Bergwerksbesitzern dahin einig, daß das Ruhrgebiet nach seiner technischen Vervollkommnung berücksichtigt werden muß.
Die eiserne Rot hat den Bergbau und die Eisenindustrie zu rücksichtsloser Rationalisierung gezwungen. Manches schwächere älnternehmen ift dabei zugrunde gegangen; Tausende von Arbeitern mußten entlassen werden. Run haben wir den bitteren äkmwandlungsprozeß im großen Himer uns. Andere Länder werden folgen müssen; wir haben dann einen Vorsprung. Das Ausland beurteilt, wie der glänzende Erfolg der Anleihe des Slahltrusts in Amerika zeigt, die Konjunkturaussichten für das Ruhrgebiet nicht schlecht; man würde sonst auch den mit der Industrie auf Gedeih und Verderb verbundenen Kommunen des Industriebezirks nicht bereitwillig Geld geliehen haben.
In der Organisation der Industrie ist ein sichtbarer Wandel eingetreten. Die Erkenntnis, daß Deutschland durch Qualitätsarbeit seinen Anteil auf dem Weltmarkt sich sichern muß, hat dazu geführt, daß die Schwerindustrie zur Verfeinerung übergeht. So hat, um ein Beispiel zu nennen, der zum Stahltrust gehörende Bochumer Verein seine Einrichtungen so vervollkommnet, daß das in seinen Hochöfen mit dem Koks der eigenen Zechen hergestellte Roheisen im eigenen Betrieb zu Schienen, Stäben, Knüppeln, Röhren, Drähten, Blechen umgewandelt wird bis zur Rasiermesserklinge. Der Lothringen-Konzern, eines der am vorsichtigsten geleiteten großen Montanunternehmen, baut in Bochum im Anschluß an seine Schachtanlagen Lothringen ein neues, großes Stahl- und Blechwalzwerk, das Qualitätsware Herstellen soll.
Die Besserung wird sich, darüber darf man sich allerdings nicht täuschen, nur langsam vollziehen; aber der erste Silberstreifen ist da und kündet an, daß das Schlimmste nun hinter uns liegt und es allmählich aufwärts geht. Soll diese Entwicklung gefördert und nscht gehemmt werden, dann ist Vorbedingung, daß die inner- und außenpolitische Spannung abnimmt, daß wir vor
Die Krummhölzer.
Roman aus den bayerischen Bergen Von Michael Wagner.
11. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Also — höher gehl's doch nimmer! So a Viecherei! — Solche Krawaller! Da soll doch gleich —" hier folgte ein beliebter bayerischer Kraftspruch, dann eine Pause.
„Ja — du sagst ja gar nix, Zeno!"
Zeno schaute den guten Rauhhaarigen in seltsam traurigem Ernst an.
„Was gibl’s da weiteres zu sagen, Herr Förster? — Denken S' doch an unfern Veri!"
Da kratzte sich der andere verlegen Hinterm Ohr.
„Ja so — der Veri! Sakkrawolt! — Ja glaubst denn du im Ernst, daß der Schlankl da mitmacht?!"
Zeno nickte stumm.
„Kreuzbirnbaumhollerstauden! — Da kann man doch uet zuaschaun, wenn der Lauser in der Stadt drin umanandreruluzzert! Herrgott — wann i der Uracher wär! Veri töt i sagen —"
Und nun entwickelte der Förster vor Zenv, wie er es anstellen würde, um den Veri seiner ungesunden Umgebung zu entreißen. Oftmals wurde cs Zeno schwer, dabei ernst zu bleiben, ein Gedanke aber kam ihm immer von neuem: wenn der Vater auch so dächte!
„Ständig bin i in der Unruh deswegen," sagte er darauf laut, und studier drüber nach."
„Was sagt denn eigentlich der Vater?"
„Allweil dasselbe — er laßt jedem fein' freien Laus!"
„Unsinn!" polterte der Förster nun los, „man schaut doch net ziw, wie der Mensch ins Unglück rennt! Eines schönen Tags bringt halt der dumme Bua fein’ Kopf unrecht hin — was is bann?" Er machte mit der Hand eine abweisende Bewegung.
„Wahr is, Zeno." fuhr er bann fort, „mit bem Uracher is ba net zum Reden — beim Toni is ja dasselbe! Grab als ob er blinb wär', so möcht' er mir manchmal vorkommen: Mergern könnt' man sich, obwohl's oan gar nix angeht!"
„I werd' doch noch mit dem Vater reden!"
„Reden! Reden!" hielt ihm der Förster gering- ßchätzigen Tones entgegen, „damit wirst bei deinem
allem keine innerpotit.ichen und sozialen Krijen erleben, die das Sanierungswerk beeinträchtigen. In allen politischen und gesellschaftlichen Lagern sollte man dies erkennen und ablassen von nutzlosen Haarspaltereien, älnseres Volkes Zukunft erheischt Zusammenfassung aller Kräfte zu dem Ziele, Deutschland frei nach außen und innen zu machen.
Der deutsche Außenhandel im Juni.
Die deutsche Außenhandelsbilanz ist im Juni zum ersten Male in diesem Jahre passiv. Der Einfuhrüberschuß im Juni beträgt insgesamt 35 Millionen Reichsmark, im reinen Warenverkehr 33 Millionen Reichsmark, während der Mai einen Ausfuhrüberschuß von 27 Millionen Reichsmark, der April von 56 Millionen Reichsmark aufwies.
Die reine Wareneinfuhr im Juni zeigt gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 89 Mill. Reichsmark. An der Steigerung sind sämtliche Gruppen beteiligt. Die Rohstoffe und halb- fertigen Waren weisen mit 62 Mill. Reichsmark die beträchtlichste Zunahme auf, es folgen dann Fertigwaren mit 14 Mill. Reichsmark und Lebensmittel und Getränke mit 11 Mill. Reichsmark. Auch die Ausfuhr weist eine, wenn auch geringere, Zunahme auf. Die reine Warenausfuhr ist um 30 Mill. Reichsmark gestiegen, daran ist die Rohstoffausfuhr mit 25 Mill. Reichsmark und die Fertigwarenausfuhr nur mit 3 Mill. Reichsmark beteiligt.
frankfurter Börse.
Frankfurt a. M., 22. Juli. Tendenz: Schwach. -- Die Eröffnung der Börse vollzog sich unter der Einwirkung des Sturzes des Kabinetts Herriot, und unter dem Drucke der Befürchtungen, die an eine Berufung, Poincares geknüpft werden, wodurch unangenehme Erinnerungen wachgerufen wurden. An der Börse herrschte daher anfangs die Abgabeneigung vor, und die Stimmung war nervös bei großer Zurückhaltung. Das Angebot, das Kursrückschläge bis 4 Prozent veranlaßte, war aber nirgends dringend. Am schärfsten waren F. G. Farben-Indstrie gedrückt, die bis auf 249,75 zurückgingen. ferner Gelsenkirchen, die bis auf 156 und Phönix, die bis auf 106 Prozent nachgaben. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs war die Stimmung etwas beruhigter, und auf Deckungskäufe konnten sich die Kurse wieder leicht erholten, erreichten aber in keinem Falle das gestrige Abendniveau. I. G.-Farben konnten unter lebhaften Schwankungen auf 251 anziehen. Anregung für die in diesem Papiere stattgefundenen regeren Umsätze bot die heute tagende Aussichtsratssitzung der I. G.. in der über weitere Verschmelzungen verhandelt werden soll. Arn Montanmarkt verloren Buderus 2, Mansfelder 1,5 und Rheinstahl 1,75 Proz. Elektroaktien schwächten sich überwiegend bis zu 1 Proz. ab. Auch Bankaktien verloren etwa 1 Proz. Eine stärkere Einbuße hakten Damatbank, die 2,75 nachgeben mußten. Schiffahrtsaktien schwächten sich bis zu 3 Proz. ab. Motoren - a f t i c n hatten Verluste bis 1 Proz. Deutsche Erdölaktien waren stärker gedrückt und büßten 3 Proz. ein. Zuckeraktien lagen uneinheitlich. Von B a u a k t i e n wurden Wayß & Freytag 1 Proz. höher, Zement Heidelberg 1,75 schwächer. Der deutsche Renten markt war gut gehalten und hakte auch etwas regeres Geschäft. Ausländische Renten waren eher abgeschwächt. Im Freiverkehr hatten Tl'fa eine neue Steigerung von 3 Prozent zu verzeichnen. Sonst war das Geschäft ruhig und ohne nennenswerte Kursveräirderungen. Brown Boveci 115, Growag 60, Rastatter Waggon 14, Ufa 47, Ufra 84 Prozent. Der weitere Verlauf brachte keine wesentliche Aenderung der unsicheren Stimmung. Reben neuen Kursabschwä- chungen zeigten sich auch leichte Besserungen. Der G e l d in a r k t ist unverändert flüssig. Tagesgeld ist zu 3,33 Prozent kaum anzubringen. Monatsgeld 4,75 bis 6,25 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,5 Prozent. Industrieakzepte 4,75 bis 4,87 Prozent. Im Devisenverkehr haben die politischen Vorgänge in Frankreich eine Erholung des Frankenkurs es bis auf 213 ermöglicht, im späteren Verlaufe senkte sich der Kurs auf 215. Brüssel notierte gegen London 207, Mailand 149.
Datum:
Frankfurt a. M., 21. Juli. Am Samstag, den 24. und Samstag, den 31. Juli 1926 bleibt die Börse für jeden Verkehr geschlossen.
Börsenkurse.
5% Deutsch« Rcichßanleik)« ■ 4% Deutsche Reichsanleihe .
3Va% Deutsche Rcichsauletbe 3% Deutsche ReichSanleihc . Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische Kansals ■ . . 4% Hessen 3*/i% Hessen 3% Hessen ......
Deutsche Wertd. Dollar-Anl. dto- Doll -Scbav-Anweisna-*)
4°/0 Zolltürken 5% Goldmcrilaner ... .
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Prtvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank.........
Deutsche Vereinsbank Disconlo Commandit Metallbank...........
Mitteldeutsche Creditbank . . Lesterreichische Lreditanstalt Wcstbank...........
Bochumer (Sag • BuderuS ........ Taro . »Luxemburg irchener Bergwerke . .
Harpener Bergbau . .
Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln LaUrahüttc ...... Oberbedars «... Phönix Bergbau ..... Rheinitabl
Niebra Montan ....... Tellus Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . , Th^rainische Werte Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Philivv Holzmann......
Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . I. G- fl-arbenindnstric, A--G- Goldschmidt Holzverkohlung Nütgcrswerke Echcidegnstalt Allg. ElektrizitätS-Geselllchaft Bergmann Mamkraftwerkc ....... Schlickert Siemens t Halske .....
Adlcriverke Klcher ..... Daimler Motoren- ...... Hchligcnstaedl Meguin.............
Motorenwerke Mannheim
Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . . Metallgcsell^chafi Frankfurt. Bet. Union A.-G Schuhfabrik Her; Sichel Zellstoff Waldhos . .
Zuckyxfabnk Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . .
Frankfurt a.M.
Berlin
SchlUJ-
l-Uhr-
Schluß
Anfang
fiurs
fiurs
ftiw»
fturc
21. 7.
22.7.
21. 7 i
22. 7
0.4875
0.5025
0.49
0.503
—
—
0.4475
0,4525
0,4325
—
0,445
0,45
0.51
—
0,5175
0.525
0 255
—
0,265
—
0,455
—
0,445
—
0,41
-
—
—
WB
—
—
—
0,44
—
96,25
—
98,25
—
—
—
—
ew
13.62
13.4
13.75
__
45,25
46.25
45,1
—
175
—
178,7'
175,5*
1-6.7'
126,5*
127.2*
126,5*
174*
173.7*
174,5’
175.5’
162.5*
161’
162’
161-
89.5
—
—
_
148,5'
148,5*
149*
147,7’
114.25
114
—
121
—
121,7’
120,7-
7.5
7,3
7.35
7,35
—
—
—
—
133*
—
134*
132,5’
88.5
86,5
89
87,25
72.5
—
73,5
73*
137'
—
138,4’
137,2*
159-
157*
158,9'
157,2*
142,5'
141 .7’
142,4’
141*
138
——
138,25
144
—
145,7*
52
—
50,62
50,25
—
—
64
109,1'
107.5*
108,1’
107,9’
134’
133'
133,7'
133,2-
145.75
—
146-
145
70
—
—
149'
146.2'
147,7’
_
143,5'
142,5*
144*
143,2*
50
—
—
109,75
108
_
81
80,5
80,25
—
—
—
81,75
78
——
—
252,5’
251.7*
252,9*
252,5*
92
91,25
90,75
51.25
54
—
101
100,25
99,5
133
134
—
—
137,5’
137,5*
138,2*
137*
124,25
—
123'
122,2*
93
—
—
—
123,7*
—
122'
121,5'
161,6'
—
161-
159,9-
i t
76
77,5
76,25
87.5
86
86,5
86
23.75
—
—
—
43
—
43
—
—
35,75
-
15
_
38
—
—
125,75
—
—
—
83
—
83,5
—
—
—
37,75
—
3
—
3,25
——
155,75
—
155
—
64
64
—
—
74,75
—
—
—
Berliner Börse.
Berlin. 22. Juli. Der Börse mangelte es heute an jeglicher Anregung. Die u n g ü n ft i g e Außenhandelsbilanz für den Monat Juni, die die optimistischen Erwartungen der Börse stark enttäuschte, wirkte verstimmend; ebenso bildete die F r a n I e n b e to e g u n g ein Moment der Unsicherheit. Der Kurs hat sich zwar rat) dem Sturz des Kabinetts Herriot etwas gebessert, doch verhält man sich gegenüber der weiteren Entwicklung der Lage in Frankreich abwartend. Publikumsausträge lagen nicht vor. Die ersten Kurse muhten bei der herrschender. Umsatzlosigkeit vielfach gestrichen werden. Die Rotierungen der Terminwerte bröckelten ausnahmslos um 1 bis 2 Prozent ab. Da diese Rückgänge in der Hauptsache ein Ergebnis der mangelnden Geschäftigkeit waren, konnte die Tendenz nicht direkt als schwach bezeichnet werden. Der widerstandsfähige Grundton war auch heute nicht zu verkennen und führte schon nach Schluß der ersten Börsenstunde zu einer Uebertoinbung der matteren Tendenz. Die Flüssigkeit des offenen Geldmarktes trug außerdem zu Besserungen der anfangs schwächeren Kurse bei. Tagesgeld war zu 4 bis 5 Prozent und darunter angeboten. Monatsgeld 5 bis 6 Prozent. Im internationalen Devisenverkehr meldete London heute vormittag folgende Kurse: Paris 210.-, Brüssel 206.- - , Mailand 148.50. Am hiesigen Platze setzte Paris mit 205.— gegen
Vater fein' harten Schädel not viel ausrichten. Denn daß ihr Uracher alle mit'nand a b’fonbere Art von Schädel habt's, fo was wie Felsen ober Beton, wirst wohl selber wissen. Vielleicht bist du a Ausnahm' im Uracherg'schlecht — möglich!" Der Alte schob eine kleine Pause ein, zog seine Pfeife hervor und machte sie umständlich rauchfertig. Nach einigen paffenden Probezügen setzte er das Gespräch wieder fort:
„Woast, Zeno, reden kann i in der hoalligen G'schicht selber mit dein Vater, als sein alter Spezi Annodomini vielleicht schon heut' abends, wenn er in den Sternbräu kommt. Aber vorgeh'n muaßt du schon alloa, wennst glaubst, es wär' dein' Brua- derpflicht — und dös is a! — Vom Toni red' i gar net — der scheert sich ja doch nix drum — eh' im Gegenteil!"
Da lachte Zeno unmiUtürlid) auf, bitter, hart. Der Förster schielte durch den Pfeifenqualm zu ihm hin.
„Ha! — beY Toni! — der kennt doch bloß sick) selber und fein’ Geldfack — alles andere is für ihn net ba! Er is mein Bruader — niemals aber möcht' i auf ihn ang'wiefeu fein! Gar niemals.
Wiederholtes Kopfnicken gab Zeno zu erkennen, daß der Förster ganz und gar gleicher Meinung fei.
„Ganz recht, Zeno! So is! — Und dem Vater haben allerhand fo Beispieler in d' Augen g'stochen, wie andere zur Kriegszeit reich worden sind — Der standen! Nachmachen möcht ’s der Toni, und euer Vater tät’s gern seh'n, wenn er’s fertig brächt'! Aber er sieht bloß den großen Geldhausen, den man verdienen könnt', und net die Art und Weis', roie’s g'macht wird! Drum is er a mit allem einverstanden, was der Toni treibt! — Sakkrawolt! — Der schönste und reichste Hof im ganzen Tal is der Krummhölzer — zu was denn bloß solche Tänz!"
Der Förster schnaubte wie ein zorniger Gaul. Gesicht und Nase waren noch röter denn sonst, und letztere hatte viel zu tun, um bei dem heftigen Aus und Ab des försterlichen Hauptes in energischen Schwüngen der Rede den nötigen Nachdruck zu verleihen.
„Also — hab' i recht oder net?"
Zeno nickte nur; der Alte sprach ja gerade das ans, was es ihm leicht gemacht hatte, den Hof zu verlassen.
„Gelt?" — Und dabei is der Uracher der rechtschaffenste Mensch sonst, den i kenn'! Aber seine
schwache Seiten macht ihn blind! Zeno —!" ein klatschender Schlag auf den försterlichen Schenkel wurde hier eingeschaltet, „— und drum sag' i dir, denn du bist der oanzige von euch Uracher, mit dem man in Ruah über die Sach' dischkerieren kann — jo wahr i da vor dir sitz': der Toni reißt den Krummholzerhof um mit feiner Spekuliererei, die er im Kopf hat! Und euer Vater schaut zua als a Blinder — und bös is seine Schuld! — Wenn unser Herrgott da net noch an Strich durch d' Rechnung macht, nack)her gibt's amal a Unglück — fo wahr i der Annodomini bin, und ba gibt’s wohl koan Zweifel!"
Der Forster hatte sich in eine ehrliche Aufregung hineingeredet.
„(iigentlid) sollt 's mir leid tun, Zeno, daß i dir zu dein' Kummer um den Veri a noch bös g’fagt hab' — aber es hat mich schon lang druckt und g’rourmt — jetzt hat sich halt amal die Gelegenheit g'schickt! — Also gel — nix für unguat!"
Da streckte ihm Zeno die Hand hin.
,Lm Gegenteil, Herr Förster!" sagte er herzlich, „i dank' Ihnen dafür von Herzen! — Woaß i doch jetzt, daß i net aüoanig so denk"!"
Ein scharfer Blick aus den grauen Jägeraugen traf Zeno, stumm schauten sich die beiden so ungleichen Männer gleichsam gegenseitig ins Herz einige Sekunden — dann legte der Förster mit hartem Druck seine Pranke um Zenos Hand.
„Guat is, Zeno! — Und wenn's dir recht is, nachher wollen wir Freund' sein von heut' ab, verstehst! Kannst „du" sagen zu mir und — sogar Annodomini! Was dös bedeut' — wirst wohl selber wissen!"
„Aber, Herr Förster!" wollte Zeno einwenden, währxnd aus seinen Augen die Freude lachte.
„Was hat rr g’fagt?! — Kreuzbirnbaumund- hollerstauden! — Dir gib’ i gleich — Herr Förster!" polterte der Alte los.
„Also nachher — Annodomini! Reg dich net auf!" fiel ihm Zeno lachend ins Wort.
„Laß dick; nur ja nimmer verwischen — gel, du!" brummte der Förster. Dann setzte er schmum zelnd hinzu: „Sakkrawolt! Da werden die andern alten Bock' vorn ganzen Markt aber Augen machen, wenn 's dös in b’ Nasen kriegen! Hat schon mancher
das Pfund ein, um gegen Mittag wieder auf 213.— nachzugeben Gegen den Dortagskurs von 225.— bedeutet dies immerhin noch eine Besserung von 12 Punkten, die auf den Sturz des Kabinetts Herriot zurückzuführen ist. Brüssel wurde mit 210.— gegen London gehandelt. Mailand mit 149.—. Das englische Pfund lag gegen Kabel abgeschwächt mit 4.863. Dies dürfte vermutlich auf die anhaltende Krise im englischen Bergbau zurückzusühren sein.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 22. Juli. Auftrieb: 2 Rinder, 822 Kälber, 146 Schafe 234 Schweine. Kälber: Feinste Mastkälber 62 bis 68, mittlere Mast- und beste Saugkälber 56 bis 61, geringe Mast- und gute Saugkälber 50 bis 55, geringe Saugkälber 35 bis 45. — Schafe: Mast- lämmer und Masthämmel 44 bis 48, geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 43, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 30 bis 34. — Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 75 bis 79, unter 80 Kilogramm 72 bis 74, von 100 bis 150 Kilogramm 75 bis 78, unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 65. Marktverlauf: Kälber und Schafe bei anfangs regem, später abflauendem, Schweine bei regem Geschäft geräumt.
Letzte Nachrichten,
PoincarS
bei der Kabinettsbildung.
Paris. 22. Juli. (TTl.-Drahtmeldung.) P o i n c a r e begann heute vormittag mit den Verhandlungen zur Kabinettsbildung. Er beabsichtigt, ein Kabinett aus nur 8 bis 9 Mitgliedern zu bilden und die Posten der Staatssekretäre abzuschaffen. Dieses Kabinett würde sich aus 4 bis 5 Abgeordneten und 3 bis 4 Senatoren zusarninensetzen. Die Kabinettsbildung soll heute nachmittag 5 älhr abgeschlossen fein. Die Zusammensetzung wäre ungefähr folgende: Ministerpräsident und Finanzminister: P o i n c a r e, Kriegsminister: Painleve, Minister des Innern: S chr am ek, Minister des Aeuhern: Barth ou oder Briand, Iustizminister:<5arraut. Das Ministerium für Landwirtschaft und das Ministerium für öffentliche Arbeiten sollen zu einem Ministerium der nationalen Wirtschaft zusammengeschlossen werden. Dieses Ministerium ist Marin angeboten worden. Die Bildung des Kabinetts verläuft jedoch nicht ohne Widerstände.
Um das Reichsehrenmal.
Der Hessische Verkehrsverband an den Reichspräsidenten.
Bad-Rauhei m, 21. Juli. Der Hessische Verkehrsverband hat in seiner Sitzung (über die wir auf der zweiten Seite dieser Ausgabe berichten. D. R.) folgendes T e l e- gramm an den Reichspräsidenten von Hindenburg abgesandt:
„Seiner Exzellenz dem Herrn Reichspräsidenten, Berlin! Bei der endgültigen Wahl Des Platzes für das Reichsehrenmal zum Gedenken der im Weltkrieg gefallenen Deutschen besteht die ebenso seltene wie günstige Gelegenheit, den durch die Last fremder Besatzung schwer bedrückten deutschen Brüdern am Rhein zu beweisen, daß deutsches Reich und Volk an ihrer harten Rot nicht nur mit Worten und Gefühlen, sondern mit der Tat Anteil nehmen.
Eine unbegreifliche Richtachtung wohlbegründeter, vielfältig zum Ausdruck gebrachter dringender rheinischer Wünsche wäre es, wenn unter den in die engste Wahl geftetlten Plätzen ein anderer Ort gewählt würde, als die Lorcher Inseln, die so herrlich inmitten des deutschen Schicksalsstromes gelegen, zu dem Jahr für Jahr als zu dem wahren Herzen Deutschlands Tausende und Abertausende von Deutschen aus Ost und West, aus Rord und Süd in Ehrfurcht und Andacht wallfahrten.
Gw. Exzellenz bittet der heute in Bad- Rauheim versammelte Vorstand des Hessischen Verkehrsverbandes das bedeutende Gewicht Ihrer Stimme zugunsten der Errichtung des Reichs- ehrenmals am Rhein in die Wagschale werfen zu wollen."
Verantwortlich für Feuilleton i. V.: Dr. Fr. W. Lang e.
auf die „Beförderung" g'spitzt, und jetzt schnappt 's ihm so a junger Schlankl weg!"
„I woaß aber auch die Ehr' wohl zu schätzen!"
„Klar! — Brauchst gar net eigens zu betonen! — Aber i alter Esel bin halt amal in euch Uracher versessen! — Verstanden! So, und jetzt Schluß mit bem Kapitel! Was willst also mit dem Veri machen?" .
Zcno fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Nach einigem Zögern erwiderte er:
„I denk', i schreib' ihm vorerst mal einen eindringlichen Brief —"
Der Förster nickte beifällig dazu und setzte bann gleich selber Zenos Gedankengana fort:
„Ja, und er soll sein' Kohlrabi aus der Fallen ransziehn, eh ’s zuaschnappt — jawohl — und ob er dahoam net ’s schönste Leben haben könnt' — indem daß der Toni, seit ihm der Vater übergeben hat, sowieso notwendig einen Baumeister brauchen könnt', weil er die meiste Zeit — auf Reisen is! — Jawohl — und daß er a dummer Bua is, schreibst ihm, wenn er ba drin in der Stadt für nir und wieder nix sein Leben riskiert — und halt a fo —"
„I werd' schau'n, baß i alles richtig mach' — vielleicht gibt er mir recht — unb —"
„Unb druckt sich beizeiten! Nix anders!" Mit diesen Worten erhob sich der Förster und hielt Zeno die Hand zum Abschied hin.
„Servus!"
„Oho! — Pressiert ’s jetzt —"
Der Förster wehrte trocken ab.
„Red' net! I bin jetzt lang gnua ba auf bem Anstanb g'sessen! Und Überhaupts — so junge Meister unb Geschäftsleut’ sollten sick; viel mehr an d' Arbeit halten als wie ans Ratschen! — Servus!"
Das war so Sanktjohanserische Art: Zum Schluß eine kleine Bosheit. Dessenungeachtet nahmen die beiden neuen Freunde aufs herzlichste voneinander Abschied. Und Zeno bat den Alten noch, er möge nur recht oft zu ihm kommen. Da lachte der andere, während er schon auf die Straße hinaustrat.
„Haitaus, Spezi! — Möchtft mich ebber gern zum Hausfreund dressieren?! — Han? — Schlau- cherl du! — Aber dazua bin i schon z' alt!" ...
Als Zeno in seine stille Werkstätte zurücktehrte, war ihm wohler ums Herz ...
(Fortsetzung folgt.)


