Einzelbild herunterladen

191

cm öbe

)

-i- :n. ib- !t* ll- tl P 'ö.

et j>- u.

ft

"fea

S»K

2. WgM!«ck, »esMOs nach

Braunfels.

Abfabrl mit «ab- -& äü^Äwctd von 1-2 uvr- v yflngtfW

Saarläns».

Konzert KÄg ^TerMliand.

gegen Wache Sicher, ve.'liu zetlgemaben Zmlengeiuchl. Ang. unter 4559D an den Giedener An»riner.

en

4 durch iWee

ymali

ßen

w >Ü.D

8 PL

SMMJ*

e» w-ghi

SrübKRaud gäffÄw*

| Handbai' Spie' ; v v. is"

"Zs

s-W

liMMt Darlehen gegen vriinaMübel- licherheitsos. gesucht. Schr. Angeb. umcr Mva-d-GisnAn».

Ein Morgen

Wiese t unterfa b. Sdiirer. !/Weges Mewachm bei H. W'///'. ItzrankbStrane^D \ Vereine

'9 Rabatt

» ^iete

He

'eilen

«75c

-örHerie

je] MZ w üuf !' Nolfjeh , Flechen gesucht. Offert, unter <Jh. J267 an Hrrsv.

M

Nr. 118 StoHtesBloft Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberbeüens

UUoenpoiitifd)^ Umschau.

Don Prof. Dr. Otto Hoetzsch, M. d. R.

Die Studienkommission in Genf hat ihre Ausgabe doch besser zu lösen vernwcht, al- man bei dem Mangel jedes Arbeitspro­grammes von vornherein annahm. Und zwar ist die Frage der ständigen Ratssiye insoweit entschieden, als nicht nur nach wie vor Deutsch­land, sondern auch England, Frankreich und Italien die Vermehrung ab.'ehnen. als China und Polen aus ihren Anspruch verzichtet haben. Spanten aber und Brasilien halten einstweilen diesen Anspruch immer noch aufrecht. Es war daher nicht möglich, diese Frage endgültig zu entscheiden. Sie ist auf die nächste Zusammen­kunft am 28. Juni verschoben: inzwischen hofft man durch diplomatische Fühlungnahme hin und wieder die beiden Staaten zur Aufgabe des Widerspruches bewegen zu können. Indes ist festzustellen, daß jetzt in Gens die Ansprüche lehr viel gemäßigter erhoben wurden, als im März, und wir begrüßen es im besonderen, daß zwischen Deutschland und Brasilien ossen- sichtltch irgendwelche Verstimmungen dadurch nicht entstanden sind. Auch scheint Aussicht zu sein, daß jene beiden Staaten schließlich von ihrem Widerspruch zurücktreten. Ist doch ziem­lich unverblümt an sie der Wink gerichtet wor­den, daß bereit- der jetzige Wortlaut der Bölk^rbund-akte gestattet«, die Amtsdauer der nichtständigen Sitze mit der R«uwcchl für be­endet zu erklären. Mit anderen Worten: man droht dann den Staaten, wenn sie den Wider­spruch aufrecht erhalten, sie hinauszuwählen und ohne sie die Angelegenheit zu bereinigen.

Für die nichtständigen Sitze ist durch die Geschicklichkeit von Lord Robert Cecil eine geradezu raffinierte Qöfung zustande gekommen und angenommen worden. Sie werden auf neun erhöht. Dies« sollen nach Staatengruppen ver­teilt werden, wobei man an Südamerika und Alien in erster Linie denkt. Freilich ijt die Art der Verteilung heut« noch ein ungelöstes Pro­jekt geblieben. Gewählt werden die nichtständigen aus drei Jahre, grundsätzlich ist Wiederwahl 3«schlossen. Aber die Versammlung hat das

t. mit Zweidrittel-Mehrheit drei von den heidenden zu bezeichnen, die wieder gewählt werde« können, und hat das Recht, diese Wieder­wahl auch mit Zweidrittel-Mehrheit zu voll­ziehen. Auf diese Weise sind beide Ansprüche befriedigt: der demokratische (Seift der Versamm­lung, die so einen größeren Einfluß auf die Zusammensetzung erhält, und die Hoffnung be- sttmmter Staaten, durch wiederholte Wiederwahl zu sozusagen beinahe-ständigen Ratsmitgliedern zu werden.

Deutschland hat den Standpunkt aus­gesprochen: keine Vermehrung der ständigen Sitze und am liebsten auch keine der nichtständigen. Aber es schloß sich dem Cecil'schen Vorschlag an Aber eS schloß sich dem Cecil'schen Vorschlag sehung, daß die Bundesversammlung absolut frei sei in der Auswahl der zur Wiederwahl zuzulassenden Staaten. Dies« Erklärung wurde dem deutschen Interesse gerecht, und kommt eine Einigung auf dieser Grundlage enögültig zu- stairde, so könnte sich Deutschland mit ihr ab- sinden. Vor allem deshalb, weil deutlich markiert bleibt der Unterschied zwischen den Großmächten, die allein das Recht haben, die ständigen Sitze einzunehmen und za denen Deutschland dann träte, und den mittleren und kleineren Staaten, die den Krers darum herum bilden. Auch kann eS Deutschland nur recht sein, wenn die hervor- aetretene Absicht sich immer mehr durchsetzt, die Exekutive, den Dolkerbundsrat, zu beschränken und die Rechte der Dölkerbundsversammlung als gewissermaßen der Legislative in dieser Organi­sation festzuhalten und auszudehnen. Aber un­vorhergesehene Ereignisse können diese ganze Lleberlegung ja, wie wir dergleichen zur Genüge erlebt haben, noch stören, und wieder sei unter­strichen: bis zur Septembertagung, zu der die Einladungen jetzt ergangen sind, bleibt Deutsch- land In seinem Entschluß, dem Bunde beizutreten, völlig frei.

Unvorhergesehene Ereignisse! War der Staatsstreich und der Militärputsch in Polen ein solches oder nicht? Für den, der

Pfingstfahrt.

(Ein Gleichnis.

Don Hans Henning Freiherrn Grote.

Es ist schon lange her. Aber noch immer fühle tch die warmen Strahlenwellen mein Gesicht baden und bis an das Herz gehen, als ob es die gleichen wären, die damals meiner einsamen Fahrt durch den grünen Bergwald frohe Begleiter waren. Denn immer wo auch ich heute ein Sonnenstäubchen er­hasche, wenn es sich in mein sinsteres Arbeitszim­mer verirtt, find jene Stunden mir wieder leben­dig, da ich ausgezogen war, weil eine Stimme aus dem Walde mich rief, der ich keinen Namen hätte geben können. Aber wohl gerade, weil sie ge­heimnisreich war, hatte sie solche Macht über mich, daß ich der brausenden Stadt entlief und ziellos, traumooll wanderte und wanderte. Wie eine Burg mit Mauern und Gräben blieb sie hinter mir,--

wie eine feindl'che Gewalt von Neid und Haß, der ich siegreich entrann, drohte sie jetzt zum letzten Mal. Und Neid und Haß waren jetzt fern von mir, und ich schritt wesenlos.

Io, ich hatte Hefte und Bücher gelassen, mit denen ich mich um hohe Lebensweisheiten mühte, die mir nun fade erschienen wie ausgetrocknete Frucht. Wußten nicht selbst die zwitschernden Vögel von höheren Dingen zu erzählen, wie sie in den leuchtend grünen Maienzweigen vor mir hertanz­ten, und hatte ihr Jauchzen nur einen Sinn:Sei du! Um des Lebens willen in dir und um dich, freue dich, Mensch!" Und der oft geflickte Anzug, den ich trug, der abgeschabte, grüne Hut, den ich in Händen hielt, damit er mir die Sonne nicht ver­sperre, sie bünften mir Fürstengewand und Krone zugleich. So königlich schritt ich aus in der Ein- samkeit, die mir allein gehörte. Und ich wußte nun, daß alles Leid der Menschen von den Menschen stammt, so glücklich war ich. Die großen Baume, in denen der Wind sich wiegte wie ein lustiges Kind, die Büsche, die jungen Blumen des Frühlings und ihr leise mich umschmeichelnder Dust, sie waren Schätze, köstlicher als die von rotem Gold. O, welche Freude in uns allen war!

Und an dem Bache verhielt ich den (ruß. Nicht daß ich Müdigkeit verspürt hätte, ober sein Spiel, dos nimmer müde, lockte mich. Dom schmalen Birken- ftefl herab ließ ich die Füße hängen und blickte den

Polens Entwicklung genau verfolgte, ist lein Wunder, daß dergleichen einmal kommen mußte. Diejenigen, die diesen Staat in den letzten Jahren regierten, haben nicht verstanden, seine großen wirtschaftlichen und nationalen Ausgaben zu lösen. Der Staat steckt in Schulden und im vollen Ver­fall seiner Währung. Die wirtschaftlichen Ver­hältnisse sind zerrüttet, die sozialen Derhältnifs« schwankend und gefährlich. M t den Rachbarn liegt er in Streit, die Bündnisse mit Frankreich und Rumänien bedeuten immer weniger. Rach außen Isolierung, im Innern Gegensatz der Ra­tionalitäten und der Klassen, finanzielle Einord­nung. Mißwirtschaft der Parteien ganz nach dem Ettl der alten polnischen Geschichte. Kor­ruption. schließlich auch heftigster S'reit in der Armee und ihrer Führung es ist ein Wunder, daß der A -sbruch solange auf sich warten lieh, den wir jetzt erleben.

An die Spitze gekommen ist P i l s u d s k i, uns aus dem Kriege als Führer der Legionen bekamtt. Bekannt weiter nach seiner Auffassung, daß Polen föderativ organisiert werden inüsse. und daß Polens Hauptfeind Rußland sei und bleibe, während mit Deutschland eine Verständi­gung anzustreben sei. Pilsudski ist Marschall, vergötterter Liebling der Armee, insonderheit der jüngeren Ofsizierskreise und der von ihm gegründeten Schühenverbände. Er ist zugleich aber auch Sozialist, der heute noch die Parteien der Linken hinter sich hat. und in dem diese den Schuh gegen die Rechte und deren Pläne sehen.

Darin liegt die eigentümliche Schwierigkeit für den Mann, der jetzt halb und hal^ zum Diktator aufgestiegen ist. Will und kann er das fein? Will er gesetzlich regieren? Er hat die große Rechte im Sejm gegen sich, auf der andern Seite verlangt von ihm die Linke ein Vorgehen gegen die Rechte, radikale Maßnahmen, die Ver­mögensabgabe, Fortführung der Agrarreform usw. Kann er die finanzielle Ordnung herbei­führen, für die zum Beispiel Ersparnisse am

Militurbudget dringend notwendig sind? Kann er wirklich den M.nderheilen ihre Rechte verschassen, was er wünscht, womit er aber gerade gegen den Rationalismus -mstößt? Kann er die Ord­nung herbeiführen, d.e Polen braucht, um eine Anleihe in Amerika und Vertrauen überhaupt zu erwerben? Paßt seine außenpolitische Auf­fassung von der Feindschaft gegen Rußland und der Verständigung mit Deutschland heule noch in die Situation, die durch den Locarnovertrag und namentlich den Berliner Vertrag zwischen Deutschland und Rußland bestimmt ist?

Viele Fragen und viele Gefahren sind da­mit ausgesprochen, für Polen und für den euro­päischen Frieden. Eine Entwicklung von großer Tragweite ist mit diesem Staatsstreich eingeleitet, aus den natürlich hier Litauen, dort Rumänien, hier der Bolschewismus, dort alle anderen Rach­barn, und natürlich Deutschland mit Spannung sehen.

Es ist ja nicht die einzige Krise in Europa heute! Drüben im Westen der katastrophale Ver­fall der französischen Währung, der immer be­ängstigender für Frankreich wird, der Verfall der belgischen, die Erschütterung der italienischen Währung, die italienische Hochspannung, der Zündstoff im Balkan, nunmehr die polnische Krise. Rein. Europa ist. obwohl heute angeblich bald sieben Jahr Frieden ist, noch längst nicht im'Frieden. Jeder Tag lehrt erneut, daß die Friedensver­träge von Paris eben keine Friedensverträge waren. Wer von europäischer oder paneuropäi­scher Politik heute spricht und sie fordert, soll sich nicht darum Herumdrücken, daß europäische Politik den energischen Willen zur Revision dieser Friedensverträge einschließen muh. Sonst sind neue und tiefgreifende Krisen in dem in den Grundfesten erschütterten Europa eben n ich t aufzuhalten, so viel man von Völkerbund, 2tb» rüftung Verständigung, wirtschaftlicher und gei­stiger Zusammenarbeit der Rationen reden mag!

Jtj

eltmeimmg und Reparationen.

Don Sir Josiah Stamp, G. B.E. D. Sc., Gouverneur der London School of Economics, Mttglied des Dawes-Ausschusses, London.

Jüngste Nachrichten aus Washington lassen die ersten Anzeichen einer neuen Phase in dem großen mit der Reparationsfrage verbundenen Jnieressen- konflilt erkennen. Ein Bericht der amerikanischen Abteilung der Internationalen Handelskammer ent­hält die Anregung, das Reoarationsprogramm des Dawes-Plane seiner Revision zu unterziehen, da sonst die Zinszahlungen s ü r Jnvestie- langen privater oder industrieller Natur gefährdet seien. Deutschland braucht so nimmt man an feine gesamte Wirtschaftskraft für die Erfüllung seiner politischen Reparationsoer. pflichtungen. Die Anleihen privater Natur sind daher in ihrem Zinsendienst bedroht, da Deutschland an sie erst an zweiter Stelle denken kann. Es war als Teil der Bedingungen der 800-Millionen-Mark-Anleihe unter dem Dawes-Plan festgelegt, daß di« jährlichen Zinszahlungen vor den reinen Deoisenoerpftictstun- gcn rangieren sollten. Es war aber nichts Spezielles über die Stellung des Zinsendienftes privater später begebener Anleihen gesagt. Hieraus ergibt sich natürlich ein äußerst verwickeltes Problem, bei dem die verschiedenartigsten Interessengruppen gegeneinander angehen. Aus eine einfache Formel K, liegt dieses Problem so: Falls der deutsche :tüoer schuß an Waren und Dienstlei- Hungen aller Art, der vom 'Ausland ausgenommen werden kann, die Verpflichtungen Deutschlands für die jährlichen Reparationszahlungen und für den allgemeinen privaten Zinsendienst ü b e r ft c i gt, dann würde es keine Schwierigkeiten und kein Re- parationsproblem geben. Falls aber diese beiden Verpflichtungen den vom Ausland aufnahme­fähigen Exportüberschuß überfteigen, so wird einer der beiden Gläubiger in seinen Ansprüchen gefähr­det. Diese Gefahr wird man nun als gegeben annehmen müssen, ohne daß es notwendig ist, daß man ooraussetzt, daß Deutschland nicht in der Lage oder nicht willens ist, beide Verpflichtungsarten zu erfüllen.

Die große Menge von Fällen eines Meinungs- Umschwunges in der Frage der deutschen Repara­

tionszahlungen scheint bisher keineswegs abge­schlossen. Es ist geradezu grotesk, wie sich die öffent­liche Meinung in dieser Frage gewandelt hat und wie sich viele Leute von Ideen, an denen sie bisher zähe festhielten, allmählich frei machten, ja, unter dem Einfluß wirtschaftlichen Erlebens frei machen mußten. Es möge mir gestattet sein, einige der hauptsächlichsten Phasen dieses Umschwunges der internationalen öffentlichen Meinung ins Gedächtnis zurückzurufen.

Wir beginnen unseren Rückblick zweckmäßig mit dem Zeitpunkt unmittelbar nach dem Kriege. Da­mals stand man auf dem Standpunkt, daß Deutschland diegesamten Kosten des Krieges" bezahlen müßte. Die Hinzufügung des kurzen logischen Nachsatzes,soweit es da­zu in der Lage ist", wurde von echten Pattio- ten nur mit einem schamhaften Erröten und im Flüstertöne gemacht. Im Laufe der Zeit aber trat dieser Nachsatz immer deutlicher hervor, und auch das schamhafte Erröten verblaßte mehr und mehr. Es wurden dann Schälungen angestellt, die sich mit dieser Zahlungsfähigkeit Deutschlands be­faßten. Diese Schätzungen gingen zunächst teilweise ins Phantastische, weil sie auf ganz unrichtigen Schätzungen des deutschen Nattonalvermögens fußten. Endlich aber begann man einzusehen, daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil des deut­schen Nationalvermögens ins Ausland überführt werden und zur Befriedigung der Siegerstaaten Verwendung finden dürfe. Der Friedensvertrag hatte gewisse Lasten Deutschlands auf Grund einer Niederlage festgelegt und man heute die Repara­tions-Kommission eingesetzt, um die End­summe der deutschen Verpflichtungen zu finden. Diese Aufgabe wurde ordnungsgemäß durchgeführt und eine Gesamtsumme von 6,60 Milliarden Pfund Sterling aufgestellt, ohne daß hierbei die Frage der deutschenZahlungsfähigkeit" geklärt wurde. Das Problem der Zahlungsfähigkeit trat aber im Lause der Zeit immer mehr in den Vorder- gründ, und zwar zunächst bereits in der Frage der

Wellen nach, wie sie über die blanken Kiesel spran- gen, braune und schwarze und weiße. Und der Tanz über ihren Köpfen gefiel ihnen wohl. Denn sie wußten ja nicht, daß mählich ein winzig Stücklein ihres Leibes hinweggeschwemmt würde. Denn was ahnten sie von der Ewigkeit, die sie sich ewig dünk- ten. Hunderte von Jahren wird das Wasser mit ihnen kosen, Hunderte von Jahren wird es währen, ehe sie vergangen sind. Und Mensch nach Mensch wird ihrem Spiel zublicken, Junge und 2fite und wieder Junge, Geschlecht auf Geschlecht. Und die Kiesel werden tanzen und die Menschen lachen und meinen, immer das gleiche Spiel.

Als ich so dachte, fühlte ich plötzlich ein unbän­diges Krastgefühl, das mein Blut heißer rollen ließ. Ich hob den Leib wie zum Sprunge, ich streckte die Anne, als hätten sie etwas zu fassen, das ich be­sitzen wollte, mußte, um aus ihm zu formen, zu ge­stalten. O ihr nimmer müden Wellen im Bach! Ihr lehrt mich ein Spiel der Kräfte, das ich um trocke­ner Buchstaben willen vergaß. Ich las in Büchern, um den Geist zu suchen und verlor ihn, je mehr ich mich in ihnen vergrub. O, ihr unbekümmerten Kiesel im Bach! Euch will ich es gleichtun, wenn der Tanz des Ledens mich in Wirbel reißt, und selbst ein Wirbel sein, der Leden schafft. Denn auch mein Leden ist ein Stück der Ewigkeit! Jauchzend stieß ich den Ruf hervor.

Da war plötzlich etwas Langgestrecktes, Dunkles über mir, ein braunglänzender, geschmeidiger Leid. Und dann traf es mich mit hartem Schlage über der Stirn. Ich weiß noch, daß ein Seufzer mich verließ, und dann war es purpurrot, enzianblau, lodernd maiengrün um mich her, strahlte bald auf violett und dottergelb und zärtlich rosa, prächtiges Flammen­spiel. O, es waren die Farben der Ewigkeit, in die ich eingegangen war brannten heiß, heißer immer- -u, sengten mich jetzt, daß es mir unerträglich dünkte. Aber bann kam es in wundervoller Kühle zu mir. Lag ich im Frühlingsbach, war selbst ein Kiesel ge­worden von jenen braunen, schwarzen und weißen? Alle Flammen waren verloschen, nur ein weißes Licht blieb, erst winzig, ein schüchterner Stern. Aber es wuchs und wuchs zu einer Sonne wuchs es, in die ich aufatmend blickte. So leuchtet nur die Sonn«, die der Erde geschenkt ist. Also wußte ich, und unter einer weißen, kühlenden Hand wachte ich auf.

Es sprach eine Stimme, wie Harfen schwang sie und schien mir nicht irdisch zu sein:Du lebst.

Page! Hebe dich empor und blicke dich um! Denn nicht lange wirft du hier weilen dürfen du?" Und ich nahm wie im Fluge in mich auf, was um mich glänzte, die feinen, weißen Stühle, die Marmor­oasen mit dem leuchtenden Flieder darin, duftender Schnee, wie ihn der Frühling spendet. Vor der Otto­mane, auf der man mich gebettet hatte, stand ein gar zerbrechliches Geschirr von Porzellan. Meerblau, wie ein Gruß aus Ajazzio, eingefaßt von schmalem Goldrande, so grüßte es mich, als sie mir die Taste zum Munde führte, sie--denn ich sah nur sie.

Aus einem schmalen Gesicht blickten zwei Augen mich an, blau wie das Geschirr aus Ajazzio. Bis zu dem Grund ihrer Seele vermeinte ich zu schauen, so tief, tief badete ich mein Ich darin, das mir plötz­lich verwandelt, zum ersten Male geboren schien. Immer näher und näher schob ich den Leib ihr ent­gegen, daß ich ihr dichtes, kurzgeschnittenes Haar, das sie selbst wie ein Page trug, schon mit dem Munde berühren konnte. Und hielt auch nicht inne, denn das Blau ihrer Augen verwehrte es mir nicht, und grub meinen Kopf tief hinein in das duftende Gold und fühlte, wie sie mich emporzvg. Meine bebenden Lippen ruhten in Seligkeit auf ihrem rosigen Mund.

Königin," sprach ich berauscht,bin ich im Mär­chen? Am Bache saß ich und dachte eines Werkes. Dann überfielen mich Feuer und Wasser."

Page," sagte sie stillächelnd,im Walde ritt ich und dachte an den Sinn meines Lebens. Da traf ich dich am Birkensteg und sah dir lang« zu, und es war eine Brücke zwischen dir und mir, denn meine Wünsche trugen sich mir an, der du das Werk suchst und den Weg verlorst. Da wußte ich, daß ich lieben müßte, einmal um dir den Geist zu schenken. Denn für die Männer von Blut und Willen sind wir die nieversiegende, reine Quelle zur schaffenden Tat, aus der sich ein Leben bereitet. Ich scheute mich, dich durch törichten Ruf aus deinen Träumen emporzuschrecken. Eine Laune befiel mich. Ich trieb meine braune Stute, daß sie den Sprung über den Bach, über dich hinweg wagte. Da traf dich ihr unachtsamer Huf. Und nun bist du bei mir."

Nun bin ich bei dir. Königin", wiederholte ich glücklich und streichelte ihre schlanken Finger und küßte sie. In unsere Liebeswone hinein sangen jäh anschwellend Kirchenglocken. Und nur langsam er­innerte ich mich, was der jauchzende Klang bebeu- tete, der jetzt zu uns herüberrauscht« wi« Jubel­

Samstag, 22. Mai 1926

Jahresleistungen Dies führte dann zur Ausstellung eines bestimmten Zahlungs­planes. Die Zahlungen wurden in ziemlich roher Weise auf der Grundlage gewisser Vorstellungen die man sich über DeuNchland'. Nationaleinkommen und über feine Produktionsfähiakeit machte, sestge» legt. Da diese Aufstellungen aber gewisse grund­legenden Voraussetzungen außer acht ließen, so brach ihre praftifd)« Durchführung hoffnungslos nieder. Wirtschaftliches Unvermögen wurde als böser Wille ausgelegt, das R u h r - abenteuer begann, das zu einer wesentlichen Verschlechterung der gesamten Situation führte.

Das Unvermögen Deutschlands, ausländische Va­luten in dem von ihm geforderten Umfange zu kaufen, führte nach fünf Jahren schwerer politischer Fehler endlich zu der allgemeinen Ueberzeugung, daß Deutschland nur in der Lage ist, seinen Ver- pflichtungen nachzukommen in dem Maße, wie die Zahlungsfähigkeit seiner Bevöl­kerung durch bic 'Beftcucrung erfaßt wirb unb in dem Ausmaße, in welchem cs einen Ausfuhrüberschuß von Waren unb Dienstleistungen über seine Einfuhr besitzt. Man hatte endlich eingesehen, daß jede Zahlung über diesem Ausfuhrüberschuß hinaus zu einer neuen Entwertung der Mark, damit also zu einem ungeheuren Steigen der Fremdoalutcn und zum Chaos führen müßte. Eine Zeit lang trat dann als kurze Zwischenpause die Idee auf, daß diese Klippe durch Sachlieferungen umschifft rocr- dem könne, Sachlieferungen, die die Vornahme von Valutenoperationen unnötig machen sollten. Lang- sam aber sicher dämmerte bann aber roieber bte Erkenntnis auf, daß nur bis zu dem Maße wie der- artige Sachtieferungen einen wirklichen Teil des Exportüberschustes bildeten, sie zur Schuldentilgung herangezogen werden könnten, daß aber in allen anderen Fällen die deutsche Valuta genau so ent­wertet werde als ohne Sachlieferungen

An diesem Punkte sehen wir eine Spaltung der öfsenllichen Meinung. Eine Abzweigung betraf di« Interessen der Industrie t n den alli­ierten Ländern, die sich gegen die Schmutz- konkurrenz der deutschen Exportindusiric wandten und die gegen das Dumping aus der Entwertung der deutschen Valuta, aus dem Sozialdumping in Form niedriger Lebenshaltungskosten ober längerer Arbeitszeit Stellung nahmen. Dies ausländischen Industriellen riefen natürlich um Schutz: sie ver­langten Zvllerhvyungen und Notstandstarise. Aber dieselben Geschäftsleute, die heute nach Zollschutz schrien, beklagten sich morgen bitter über die Last ihrer heimischen Besteuerung: sie hielten die steuer- liche Belastung Deutschlands für ungenügend und betonten, daß Zahlungen Deutschlands aus dem Friedensvertrage herangezogen werden müßten, um das einheimische Budget ihres Landes zu entlasten. Diese sich hierbei offensichtlich widersprechenden In­teressen der einzelnen Persönlichkeiten als Steuer- zahler und Geschäftsmann sid bisher noch nicht genügend und keineswegs in allen Ländern voll er­kannt und gewürdigt worden.

Die zweite Abzweigung in der Auftastung über den deutschen Exportüberschuß sah die Sache von dem Gesichtspunkte an, daß Deutschland einen foldien Exportüberschuß wohl schaffen könnte, falls es sich mit allen Kräften dafür einsetzte. Jede An- deutung, daß ein Exportüberschuß nicht schon da- durch geschaffen werden kann, daß man einfach di« Einfuhr zurückschraubt ober bic Einfuhr gleichblei- benb erhält unb die Ausfuhr steigert, fonbem baß eine starke Steigerung ber Ausfuhr natürlich eine bebeutenbe Erhöhung ber Einfuhr verlangt, auf ber sie aufgebaut ist, würbe noch mit großer Zurückhaltung ausgenommen.

Zur Zeit ber Abfassung des Dawesberichtes waren die hauptsächlichsten wirtschaftlichen Fragen des Reparationsproblems, soweit sie den Zahler be­trafen, der allgemeinen öffentlichen Meinung voll­kommen zugänglich gemacht worden und durch Be­trachtungen aller Art dem großen Publikum in jeder Weise geläufig geworden. Die Kehrseite der Medaille aber, nämlich die Rückwirkung der Zahlungen aus den Empfänger wurden fast gänzlich vernachlässigt: sie wird auch erst lang­sam begriffen. Bei der Tagung der internationalen Handelskammer in Brüssel im Juni 1925 erregte mein Bericht, in dem ich die Hauptschwierigkeiten der deutschen Zahlungen für den Weltmarkt kurz be­leuchtete, großes Aufsehen. Ich wies damals darauf

sturm, daß er die mailichen Pfingsten einläutete, den großen Tag des Herrn. So sehr waren mir Zeit und Raum versunken. Unter ihren Küssen aber er­standen sie aufs neue. Nur daß sie noch niemals so feste Form, so gewisse Gestalt getragen hatten. Nun schien mir die Welt zur Lust geschaffen. Als ein anderer grüßte ich sie.

Page," sprach die schone Frau zu mir, als die kurze Zeit vergangen war, die ich nie vergessen kann,nun mußt du gehen, du sollst erfüllen!"

Ich blickte sie mit traurigen Augen an. Wohl fühlte ich, daß ihr Verlangen heilig war. Aber meine Sehnsucht brannte heißer unb würbe untröst­lich Jein, wenn ich sie verlassen müßte.Königin," bat ich,noch nicht noch übe Gnabe. Unb beinen Namen nenne---wer hob ben Armen zu

sich empor?

Sie schüttelte still bas Haupt. Ihr blonbes Haar neigte sich über mich.Kennst bu den Namen nicht? Was deine Träume dir nennen zu jeder Zeit, wo- nach deine Taten verlangen in glücklicher Stunde, wonach du als Ziel strebst mit sicherem Fuß: das alles bin ich." Und sie reichte mir zum letzten Mal« die weichen Lippen.Vergiß es nicht!"

Dann schritt ich mit ihr durch das menschenleer« Schloß. In den weichen Teppichen der breiten Trep- pen versank der Hall unserer Schritte. Aus den Denetianerspiegeln kam das süße Bild zurück, wie wir Hand in Hand gingen, in zögernder Langsam­keit, wo jedes Senken der Füße uns ewiger Iren- nung entgegenführte. Endlich umfing uns ber weit« Hof. Hufschläge schollen. Wie als sei sie einem Knechte entlaufen, kam uns bic braune Stute ent­gegen, gesattelt unb gezäumt, unb trug einen Man­telsack mit Wegzehrung. Unb meine Königin reicht« mir ben Zügel.Reite sie, Pag«, reite sie gut Seit- bem ihr Hornhuf beine Stirn traf, hängt sie an bir unb will dich nicht lassen. Lebewohl!"

Dom Leib bes Pserbes umfing ich noch einmal bic schmiegsame, herrliche Gestatt.Nun seh ich bich niemals roieber, Königin!"

,Jauner und immer wirst bu mich sehen, Pag«, wenn bu nur willst. Wo bu streitest unb siegst, ich bin bei bir!" Unb sie schritt in bas Schloß zurück.

Ich aber fühlte es kaum, baß bas braune Pferd mich bavon trug. In bas Leben hinein, bas ich be­stehen wollte, spannten sich alle meine Gedanken. Unb ich ritt voll Glauben unb Kraft durch bas blühend«, herrlich« deutsch« Land.