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Gegensatz zu Deutschland zu stehen geglaubt hatten, davon überzeugt, daß Deutschland Wert daraus legt, Seite an Seite mit ihnen an dem Ausbau der Völkergemeinschaft zu arbeiten.

Darüber hinaus hat Die Maitagung der Studienkommission in glücklicher Weise die Be­fürchtung widerlegt, day Deutschlands Bestreben, seine Politik loyaler Zusammenarbeit nicht nach irgendwelcher Seite zu begrenzen, die Genfer Einmütigkeit stören könnte. Damit ist auch dem stärksten Zweifler der Beweis geliefert, baß kein Mihdeutungsversuch den klaren Sinn des Ber­liner Bertrages entstellen kann, dec bestimmt ist, ein wichtiges Glied zu bilden in der Reihe der Maßnahmen zur friedlichen Verständigung aller Völker.

Roch einmal sei es betont, wir stehen erst am Anfang einer schwierigen und langwieri­gen Arbeit. Wie vielfälttg die Schwierigkeiten sind, lehrt gerade jetzt wiederum ein Blick nach Genf, wo in dem Krieg gegen die Idee des Krieges eine erste Musterung der Kräfte ver­sucht wird, lehrt ein Blick nach dem Rhein, wo immer noch dasRecht auf Sicherheit", einer Interpretation im wahrhaften Sinne der Verständigung harrt. 3m Leben der Völker jedes Einzelnen gilt aber der Satz, daß mit der Größe der Aufgabe dieKraftzur Bewältigung wächst. Lind so müssen wir an diesem Pfingst­fest 1926 uns stärken in dem Glauben, daß auch heute noch die Einmütigkeit im Geiste Völker trennende Schranken überwinden und die ' Grundlage zu einer besseren deutschen Entwickelung legen kann.

Die Stützungsaktion für den Franken

Briands Optimismus.

Paris, 21. Mai. (Wolff.) 3m heuttgen Ministerrat, der unter dem Vorsitz des Präsi­denten der Republik im Elysee stattfand, hat Finanzminister Peret mitgeteilt, daß die am 20. Mai fällige bedeutende Summe kurzfristiger Bonds unter sehr befriedigenden Bedingungen gedeckt worden sei, und daß die Lage des Schah- aintes eine gesunde sei. Der Ministerrat hat alsdann die gestern begonnene Prüfung der Fi­nanzlage fortgesetzt und die günsttge Wirkung der gestern bereits ergriffenen Maßnahmen fest- gestellt, Maßnahmen, die der Ministerrat heute bestätigt und noch präzisiert hat.

Ministerpräsident D r i a n d hat heute abend mit Finanzminister Peret und dem Gouver­neur der Bank von Frankreich verhan­delt. Er erklärte nach Schluß dieser Beratungen, zwischen der Regierung und der Dank von Frank­reich bestehe vollkommene Einmütigkeit. Gewiß habe man über die Modalitäten zur Sanierung des Franken diskutiert, aber alle Schwierig­keiten seien aus dem Wege geräumt. Die heutige Baisse der ausländischen Devisen sei eine normale Erscheinung. Die neu­liche Hausse sei eine künstliche gewesen und ent­spräche keineswegs der tatsächlichen Lage. Was der Entspannung am Devisenmarkt besondere Be­deutung verleihe, sei die Tatsache, daß d i e AktionSmittel der Regierung noch unangegriffen seien, und daß man auch nicht auf ausländische Hilfe zurückgegriffen habe.

Heber die von Driand angeführten Modali­täten erfahren einige Morgenblätter, daß dem Ministerrat eine Erklärung des Gouverneurs der Dcmk von Frankreich vorgelegen habe, wonach die Leiter der Dank sich zwar weigerten, die Goldreserve der Regierung zur Verfügung zu stellen, jedoch bereit seien, die Interven­tionsmittel aus dem Fonds Morgan zur Stützung des Franken zu verwenden. Schließ­lich soll nach demQuoditien" ein Kompromiß zustande gekommen sein, wonach ein größeres Pariser Bankinstitut auf den Märkten von Paris und Reuhork dieOperationenfür dieEr- holung des Frankenkurses leiten werde. Die Dank von Frankreich behalte das Dersügungsrecht über die Goldreserve, aber es sei verabredet worden, daß diese Reserve absolut die Defensivoperationen des französischen Kredits für die französische Devise garantiert.

Die Wirren in Polen.

Keine Einberufung der National­versammlung. Der Zwiespalt der Parteien.

Warschau, 22. Mai. (TA.) Die politische Lage in Polen hat sich gestern wieder geändert. Der Deschluh, daß die Ra ti ona lvers a mm» lung am 29. Mal stattfinden sollte, ist wieder rückgängig gemacht worden, da die Par­teien untereinander nicht einig werden konnten. Die Warschauer Rationaldemokratie er­klärte sich gestern gegen die Abhaltung der Rattonalversammlung m Warschau. Die So­zialisten sind bereit, auf Kompromisse einzu- gehen, erklärten aber, daß sie nur zugestehen könnten, die Rattonalversammlung in W i l a - now bei Warschau einzuberufen. In anbetracht der neuen Lage hat der provisorische Präsident der polnischen Republik, R a t a j, im letzten Augenblick die Abschickung der Einladungen zu der Rationalversammlung zurückgehalten. Rataj sandte gestern Delegierte nach Posen, um mit dem dortigen Wojwoden über die neu geschaffene Lage zu verhandeln. Gleichzeitig meldet man von Posen, daß in dem dortigen rechten Lager, das gegen b ie Einberufung der Ra­tionalversammlung in Warschau ist. eine Spaltung eingetreten ist. Ein Teil der Rechten wünscht iede Verhandlung mit Warschau abzubrechen, der andere Teil ist dagegen bereit, auf Kompromisse cinzuaehen.

Die sozialistische Partei fordert Auflösung des Sejm, Reuwahlen, eine Arbeiter» und Dauernregierung unter der Präsi­dentschaft Pilsudskis, Destrafung der Regierungsgenerale und polittsche Deformen. Wiederholt wird dabei betont, daß der Kampf noch nicht beendet sei, da in Posen sich Faszisten und Rationaldemokraten zu blutiger Rache an der Arbeiterschaft verschworen hätten. Die wichtigste Forderung des Augenblicks sei die Auflö­sung beS Sejms. Sofern die Reaktion den jetzigen Sejm zu erhalten suche, werde ihn das Volk zum Rücktritt zwingen, da es fein Wetter- bestehen nicht dulde. Der französische Gesandte in Warschau Laroche und der päpstliche R u n t i u s wurden am Freitag beim Auswär­tigen Amt vorstellig und wiesen darauf hin, daß im Interesse des polnischen Ansehens im Ausland möglichst bald eine Einigung unter den Parteien herbeigeführl werden müsse.

Abrüstung und allgemeine Wehrpflicht.

Genf, 22. Mai. <TA.) Das Redaktions- romitee der Abrüstungskommission hat am Frei­tag nachmittag eine geheime Sitzung abgehalten. Es wurde vereinbart, daß die Abrüstung die Rüstungsfaktoren einschränken soll, die sofort mobilisiert werden können und daß also auch die Friedensstärke der einzelnen Länder betroffen werden kann. Dabei kam die Rede auch auf die Frage der allgemeinen Wehrpflicht, die von Lord Robert Cecil angeschnitten wurde. Der französische Delegierte Paul Dvncour und der italienische Delegierte de Marino protestierten gegen die Zu­lässigkeit dieser Frage, so daß sie vorläufig zu­rück g e st e l l t wurde. Lord Cecil behielt sich vor, die Frage später in der Vollkommission wie­der vorzulegen.

Der Kalifaiskongretz.

Kairo, 21. Mai. (Reuter.) Der erste Kali­fatskongreß ist gestern beendet worden. Es verlautet, daß der Kongreß eine Entschließung angenommen hat, in der gegen die jüngsten Ereignisse in Syrien protestiert wird. Diese Entschließung soll dem Prä­sidenten der französischen Republik und dem Bölker- bund mitgeteilt werden. Der von der Kalifatskonfe­renz angenommene Bericht besagt, daß die Durch­führung des Kalifats in der Form, wie es durch Gesetz des Korans vorgeschrieben wird, einschließlich derVerteidigungdermoham- medanischen Länder nach den Vorschriften des Korans bei der gegenwärtigen Lage des Islams den Kalifen in eine unmögliche Stellung bringen könnte. Das Problem der Ernennung des Kalifen lasse sich unter den gegenwärtigen Um­ständen nicht lösen. Es sollen aber regel­mäßige mohammedanische Ko nfer en- z e n in einem mohammedanischem Lande ftattfin- den, um einen Meinungsaustausch zwischen den Mohammedanern der verschiedenen Länder zu er­möglichen, bis es die Zeit gestatte, Kalifen einzu- setzen. *

Niederlage Abd el Krims.

Paris, 21. Mai. (TU.) Die Berichte aus Marokko lassen erkennen, daß die Fortschritte des gestrigen Tages nur unbedeutend gewesen sind. Sie erwähnen nur, daß zahlreiche Gefangene gemocht und eine Kanone erbeutet wurden. Weiter wurde eine Operation gegen die Bni Zerual eingeleitet. Die jetzt erreichten Linien verlaufen ungefähr in der Rich­tung der in Aussicht genommenen politischen Gren­zen. Die Offensive steht vor dem Abschluß. Das be­weist auch die Tatsache, daß Generalgouverneur <5 t e e g in Fez eingetroffen ist. Man folgert daraus, daß Fnedensvorschläge Abd e 1 Krims für die nächsten Tage erwartet werden. Nach einer Havasmsldung ist Abd el Krim von den Beni Uriagel aufgegeben worden und mit seiner Fa- m i l i e flüchtig.

Die Deutsche Volkspartei gegen den Volksentscheid.

Berlin, 21. Mai. Der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei nimmt in folgenden Ausfüh­rungen Stellung gegen den Volksentscheid zur Ent­eignung der ehemaligen Fürstenhäuser:

Durch die kommunistische Hetzarbeit ist es dahin gekommen, daß das deutsche Volk am 20. Juni dar­über entscheiden muß, ob den ehemals regierenden Fürstenhäusern ihr gesamtes Vermögen bis zum letzten Rest privaten Eigentums ohne jede Entschä­digung weggsnommen werden soll. Ein solches Ver­fahren würde gegen Moral, Recht und Verfassung verstoßen. Durch falsche Behaup­tungen und gröblichste Irreführungen wird das Volk gegen die vormaligen Fürsten und seine große Vergangenheit aufgehetzt. In «der Frage der ver- mögensrechtlichen Auseinandersetzung der Länder mit ihren Fürstenhäusern kann nach der geschicht­lichen Entwicklung gewitz nicht das formale Recht allein entscheiden. Es ist notwendig, daß die In­teressen der Allgemeinheit in aus­reichendem Maße gewahrt werden. Dabei ist auf die Finanzlage der Länder und auf die allgemeine Verarm ungdes Volkes Rücksicht zu nehmen. Die Deutsche Volkspartei hat diesen Forderungen dadurch Rechnung getragen, dgß sie führend an einem Gesetzentwurf mitgearbeitet hat, der eine bei» den Teilen gerecht werdende Auseinandersetzung er­möglichen sollte. Die Regierung hat auf unsere Forderung denselben Weg beschritten und den gesetz­gebenden Körperschaften des Reiches eine Vorlage unterbreitet, die eine ausreichendeWahrung der Allgemeininteressen ermöglicht. Im Reichsrat hat die unter sozialdemokratischer Leitung stehende preußische Regierung dieser Vor­lage zu gestimmt und damit zum Ausdruck ge­bracht, daß sie den Volksentscheid auf ent- schädigungslose Enteignung a b 1 e h n t. Die Deut­sche Volkspartei wird mit allen Kräften dafür ein­treten, daß diese Vorlage Gesetz wird. Sie wider- setzt sich ober der Forderung der entschädigungs­losen Enteignung, gleichgültig gegen wen sie sich richtet.

Der zur Volksabstimmung gestellte kommu­nistische Gesetzentwurf widerspricht der Ver­fassung, die den Schutz des Privateigentums verbürgt. Er widerspricht auch der Haltung, welche die Sozialdemokratie selbst in den Tagen der Revo­lution unter Führung Eberts eingenommen hat. Offen sprechen es die Kommunisten aus, daß mit den Fürsten nur der Anfang gemacht, daß die Konfiskation alles übrigen Eigentums einschließ­lich der Ansprüche auf Pension und Renten folgen fall. Die Enteignung soll der Anfang der neuen Revolution sein. Würde sich eine Mehrheit für den kommunistischen Gesetzentwurf er­geben, dann würden die Grundmauern unseres staatlichen Lebens zerstört, jede Ordnung untergra­ben, jede Kultur vernichtet. Jedes Vertrauen für einen Wiederaufstieg wäre dahin, die Arbeitslosig­keit würde durch den Wegfall ausländischer Kredite ins Ungeheure gesteigert. Di« Auseinandersetzung über das Vermögen der Fürsten hot nichts mit der Aufwertungsfrage zu tun. In dieser Frage gilt für die Fürsten dos gleiche Recht wie für jeden deutschen Staatsbürger. Die Fürsten haben durch die Inflation ebenso Verluste erlitten wie jeder andere Deutsche. Es handelt sich auch nicht um die Wiederherstellung der Monarchie, sondern es geht darum, einen Rechts­bruch zu verhindern, der dem deutschen Volke in allen seinen Schichten unermeßlichen Schaden brin­gen würde.

Die Deutsche Dolkspartei fordert daher ihre An­hänger im Lande auf, das Volk über die drohende Gefahr aufzuklären und der Verhetzung entgegen» l zutreten. Unsere Parole lautet: Keine Beteiligung

am Volksentscheid! Jeder bleibe am 20. Juni der Ab­stimmung fern! Die Zustimmung zu dem kommu­nistischen Gesetzentwurf ist mit den Grundsätzen der Deutschen Volkspartei unvereinbar.

Der Reichsausschuß der Deutschen Volksportei.

Emo Richtigstellung.

Berlin, 21. Mai. (TU.) Der sozialistische Abg. Dittmann hatte im Untersuchungsausschuß für die Ursachen der Flottenmeuterei 1917 eine Vorstrafe be« Matrosen Reichpietsch angeführt. Hierzu erklärte der Abg. B r ü n i n g h a u s in feinem Schlußwort, daß die von Abg. Dittmann auf Grund einer ihm zugegangenen Nachricht gegebene Darstellung über das Vorgehen des Matrosen Reich- pietsch, das zu dessen Verurteilung zu fünf M o - nuten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes führte, unwahr ist. 'Nicht weil der unglückliche Mensch das Zivil seines Offiziers angezogen hatte, ist er bestraft worden, sondern, wie Admiral Brüninghaus an Hand der Akten nachwies, weil er 430 Mk. ent­wendet, sich hierfür Uhr und Ring an Land gekauft, einen Teil des Geldes in Wirtschaften ausgegeben und außerdem noch einen Kameraden, dem er 100 Mark gab, zur Hehlerei Veranlassung gegeben hatte. Reichpietsch hat sein Vergehen später selbst zuge­standen. Da dieser Vorgang in den Akten steht, mußte er Herrn Dittmann bekannt sein.

Der Kuliskerprozeh.

Berlin, 21.Mai. (TA.) 3m Kutiflerpro- zeß erstattete der Banksachverständige Werther sein Gutachten über die Wechselgeschäfte der Steinbank mit der Staatsbank. Die Staatsbank» leitung habe bei allen Wechselgeschäften keine eigene Meinung gehabt, sondern sei ledig­lich das Echo Kutiskers gewesen. Kutisker habe sich dieses blinde Vertrauen zunutze ge­macht. Kutisker erklärte zu dem Gutachten des Sachverständigen, Dr. Ruhe habe alles genom­men, was er als Deckung habe kriegen können. Der Sachverständige Gude bestätigte Kutiskers Angaben, daß die Aebernahme und Sanierung der Scharlachbank der Steinbank das Genick ge­brochen habe. Bei günstiger Beurteilung der Schuldner kam der Sachverständige für die Stein­bank zu einer Unterbilanz von rund 3.5 Millionen, statt der angegebenen neun Millionen Mark Ueberschuh.

Der LQchsenkonflrkt.

Berlin, 22. Mai. (WTB.) Der Vor­stand der sozialdemokratischen Par- t e i nimmt in einer Entschließung zu dem Kon- flilt innerhalb der sächsischen Sozialdemokratie Stellung, in der es heißt: Mit der Richtbeach- tung der Bestimmungen des Organisationsstatuts ist das auf Ausschluß lautende Ur­teil d er chsischen Partei rechts­kräftig geworden. Die 23 Abgeordneten, die sich, wie gemeldet, nicht mehr als Mitglieder der S.P.D. betrachten und eine eigene Or­ganisation gründen wollen, haben, wie es in der Erklärung heißt, das Tischtuch zwi­schen sich und derPartei zerschnitten.

Kleine politische Nachrichten.

Die Reichsregierung will sich nach der Pfingst- pause mit den Parteiführern ins Benehmen setzen, um eine schnelle Erledigung des Fürsten- abfindungsgegesetzes zu erwirken. Man hofft die Vorlage noch vor den Sommerserien zur parlamentarischen Erledigung zu bringen.

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Reichskanzler a. D. Dr. Luther traf im Ham­burger Flughafen Fuhlsbüttel ein, wo er von Ge­heimrat Dr. Cuno empfangen wurde.

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Der Reich-ausschuß für das G e in e i nbe­best im mungsrecht lieh dem Reichstags- Präsidenten Loebe die Sammlung der Un­terschriften für das GemeindebestimmungS- rccht überreichen. Die Sammelbände, die über 2 Millionen Unterschriften enthalten, wurden auf zwei Lastautos zum Reichstag gebracht.

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Der deutsch-österreichische Handels­vertrag ist unterzeichnet worden. Der Vertrag wird alsbald veröffentlicht werden.

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Eine internationale interparlamen­tarische Konferenz wird am DienStag in London stattfinden, an der 200 Vertreter aus 30 verschiedenen Ländern teilnehmen werden. Die deutsche Delegation wird aus fünf Reichs­tagsmitgliedern bestehen.

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Die südafrikanische Kammer beschloß mit 69 aegen 48 Stimmen, anstatt der englischen die neue süd­afrikanische Flagge einzuführen.

Sius aller Welt.

Die Hochwasserschaden in Oberitalien.

Trotz des Eintretens schöneren Wetters ist die Hochwassergefahr in Oberitalien noch immer nicht überwunden. Bei Riva sind die Saaten vollständig vernichtet. Zahlreiche Häuser sind ein» gestürzt. 3n Levico überflutet die Drente die Dämme. Die Saaten im Luganotal sind von dem angeschwemmten Material fast gänzlich zer­stört. Bei Valdogna sind zwei Personen er­trunken. 3n B e l l u n o ist ein Erdrutsch mit 200 Meter Breite und 80 Meter Länge In ständiger Bewegung. Er ist bereits 230 Meter tief gegangen und bedroht dort Dorsoni. Auch der Po hat an zwei Stellen die Dämme über­flutet. Bei Piazenza dauert die bedrohliche Lage fort. Heute nacht hat das Wasser bei C a o r s o die Dämme eingedrückt, wodurch zehn Häuser des Ortes einstürzten und das gesamte Vieh umkam, 3nfolge starker Schneefälle ist die Temperatur in Mittelitalien auf unge­wöhnliche Tiefen gesunken. Bei Spezia ist In­folge der Regengüsse eine Drücke eingestürzt und hat zwei Dauern, die die Drücke passierten, unter sich begraben.

Jolly hak das hungern satt.

In Basel hatte sich Jolly, der von Berlin her bekannte Schauhunaerer, am 8. Mai wieder in einen Glaskasten einschließen lassen, um seinen Re­kord um 24 Stunden zu brechen. Heute, am vier­zehnten Tage seiner freiwilligen Haft, erlitt er einen Tobsuchtsanfall. Er begann plötzlich Was­sergläser und die Scheiben seines Gefängnisses zu zerschlagen und sich hierauf am Boden zu wälzen. Das war das Ende feiner Hungerkur. Schon am 10. Tage wollte Jolly sein Gastspiel unterbrechen, da ihm die Einnahmen zu gering waren.

Am der Provinzialhauptstadt.

, Gießen, den 22. Mai 1926.

Pfingsten.

Manchem jungen Theologen hat keine Predigt so große Schwierigketten bereitet wie die Pfingst- predigt. Vom Heiligen Geiste sollte er reden. Er sah sich in der Geschichte um und erfuhr Merkwürdiges, Rätselhaftes. Er hörte von reli­giös angeregten Menschen, über die, gewirkt durch den Heiligen Geist, plötzlich eineErweckung" gekommen sei, so daß Betrüger unehrlich er­worbenes Gut Zurückgaben, Trinker dem Allohol entsagten, Männer, die vorher geflucht hatten, Lob- und Danklicder anstimmten. Wenn der, der von solchen Ereignissen las, weiter nach­forschte, so fand er nichts von nachhaltigem Erfolge, er stieß nirgendwo auf deutliche Spuren einer solchenErweckung". Mancher nachdenk­liche Christ las in Büchern und Zeitschriften, daß der Heilige Geist ganz plötzlich über ein­zelne Menschen gekommen sei und sie, die vor­her verzweifelt waren, für die Dauer ihres Lebens mit Frieden erfüllt habe. Mit seinem eigenen Erleben, so stellte dieser nachdenkliche Christ fest, stimmten diese Erfahrungen nicht überein.

Man kann nur sagen, daß derartige Erschei­nungen nicht dem Wesen des wahren Christen­tums entsprechen. Man soll die Vorgänge, die sich bei dem Psingstseste zu Jerusalem im 3ahre 33 unserer Zeitrechnung zugelragen haben, und die ohne Zweifel in der Apostelgeschichte und in den Driesen des Paulus historisch treu wiedergegeben sind, nicht nachahmen. Der Heilige Geist ist der Geist, der von Gott ausgeht und in Jesus zur deutlichsten Ausprägung gekommen ist. Dieser Geist toirft nicht wie eine Raturkraft, er liebt keine theatralischen Effekte, er wirkt nicht wie ein Feuerwerk, das aufsteigt, irr bunten Lichtern glänzt und sich in Nacht verliert. Der Heilige Geist hat nichts Gekünsteltes, nichts Extravagantes an sich, er erregt feine Sensation, bietet nichts für die Schaulust und Reugier, seine Früchte sind, wie Paulus so schön sagt, Siebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Wollt ihr einen Menschen sehen, in dem Heiliger Geist ist, so seht auf den Mann, der in widrigen Schicksalen das Vertrauen auf Gott nicht weg- wirft, seht auf die alte Frau, die alle ihre Lieben verloren, auch Hab und Gut einaebußt hat und im engen Stübchen dennoch still und dankbar ist. Was diese Menschen in sich tragen das ist Glaube, dieser Glaube ist Freude, er glaubt an den Sieg des Guten in der Welt, ist für alles, was Gott gibt, dankbar, für einen frucht­tragenden Daum, den Gruß eines Kindes, ein Wort, ein Lied, das die Seele erhebt. Aus dem Glauben quillt der Friede, die Stimmung, die mitten in Sturm und Wetter mit Luther sagt: Mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin in Gottes Wille: getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft und stille." Wenn Paul Gerhardt, dessen die evangelische Christenheit in' diesen Tagen, an feinem 250. TodeStag, gedenkt, das Wort sagt:Geduld kommt aus dem Glauben", so sagt er ein wahres Wort. Der Mensch, der seinen Lebensweg von Gott geleitet weiß, kann warten bis seine Stunde kommt. Wer da weiß, daß GvtteS Augen alle Zeit auf ihn herabsehen, der jagt auch der Tugend nach, die Luther in seiner Dibelübersetzung alsKeuschheit" bezeichnet. Sie ist die Reinheit des Herzens, die das Trieb­leben zügelt weil es im letzten Grunde etwas «, von Gott Geschaffenes ist. Die Liebe Freundlichkeit, das ist die Fähigkeit, mit jedem seine Sprache zu reden und ihn zu verstehen. Diese Freundlichkeit wirkt wie Sonvcn« schein am Maitage, sie ist allerdings in unserer Zeit, in der man daS vornehme, kühle Wesen, den sachlichen Ton, die scharfe Form der Aus­einandersetzung preist, etwas Seltenes. Eng ver­wandt mit der Freundlichkeit ist die Gütigkeit, die Geneigtheit, dem anderen in leiblicher und vor allem in seelischer Not zu Helsen durch wackere Tat. durch guten Rat, durch ein auf­munterndes Wort, durch den Händedruck, der sagt: ich fühle mit dir. Wer freundlich und gütig ist. ist auch sanftmütig, läßt den Ehe­gatten. die Kinder, den Mitarbeiter weder seinen Zorn noch seine Verstimmung spüren.

Set rheinische Dandwirker Gerhard Ter» steegen redet den Heiligen Geist mit den Wor­ten an:Du Odem aus der «tagen Stille, durch­wehe sanft der Seele Grund: füll' mich mit aller Gottesfülle." Etwas Gottesfülle unb bet Odem aus der ewigen Stille, das sind Kräfte, die der gegenwärtigen, erregten, friedlosen, un­glücklichen Menschheit sehr nötig sind. H. B.

Bezirkssparkasse Gieheri.

Zu dem Dericht in unserer Donnertag-AuS- gabe über die Versammlung des Derkehrsvereins, in der überGießener GegenwartS- und Zu­kunftsaufgaben" gesprochen wurde, geht unS ein Schreiben des Direktors der Bezirksspar- lasse Gießen zu, in dem es heißt:3n dem Bericht über die Versammlung des Verkehrsver­eins in Nr. 116 desGieß. Änz." finde ich die Angaben des Herrn Stadtv. Mann, die hiesige Sparkasse habe jetzt 800 000 Mark nach aus­wärts verliehen, ebenso hat Herr Kaufmann Frensdorf diese Angaben des Herrn Stadtv. Mann aufgegriffen und gleichfalls die falsche Behauptung aufgestellt, die Sparkasse habe 800 000 Mark nach auswärts verliehen, und er hat hinzugefügt, Gießener Geschäftsleute be­kämen nichts. Die Angaben des Herrn Mann entsprechen nicht den Tatsachen, auch ist die Be­hauptung des Herrn Frensdorf durchaus irrig, Denn Gießener Geschäftsleute erhalten Darlehen, sobald sie die selbstverständlich notwendige aas- reicheirde Sicherheit stellen. Die hiesige Sparkasse hat größere Beträge von mehreren 100 000 Mk. an Haftungsgemeinden zur Förderung der Bau­tätigkeit ausgeliehen. 3rgendwelche Gelder, mit Ausnahme der liquid zu haltenden, welche bei den hiesigen Banken oder den Girozentralen unter­gebracht sind, sind überhaupt nicht nach auswärts ausgeliehen worden. Dies muh ausdrücklich ent« gegen den Behauptungen des Herrn Stadtv. Mann festgestellt werden, da die Oeffentlich- feit sicher ein Interesse daran hat, daß die Spar­gelder der hiesigen Sparkasse nicht an auswärtig« Kreditnehmer und Darlehenssucher gegeben wer­den. Vorstand und Aufsichtsrat der Sparkalle wahren das Interesse der sich aus kleinsten Be­trägen zusammensehenden Spargelder des sparen­den Publikums. Davon darf die Öffentlichkeit der Stadt Gießen überzeugt fern, ebenso auch davon, daß die Gelder auch die liqulb -u

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