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Montag, 22. Zebruar 1926

176. Jahrgang

Ar. 44 Erstes Blatt

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Dr. Friede. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen.

Xtantfurtamm°ainii636. vruck VN- vtrlag: Brühl',che llnio«rfitälr-vuch- UN- Stein-ru-lerei B. Lange in Sittzen. Schristlettung UN» Seschäftrfttllc: Schulftrahe r.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Gegen den Steuerdruck in Hessen

Protcftversammlung in Darmstadt.

Von unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 21. Febr. Die wirtschaftlichen Verbände von Darmstadt und Umgebung veranstal­teten heute nachmittag in der Turnhalle am Woogs- platz, dem größten Versammlungsraum der Stadt, eine Protestversammlung gegen die Finanz­politik und den Steuerdruck in Hessen. An der Kundgebung beteiligten sich auch zahlreiche Besucher der Landorte sowie eine Anzahl von Sozialdemo­kraten, die es darauf abgesehen hatten, die Ver­sammlung zu stören und sich schon Kindertrompeten mitgebracht hatten. Die Versammlung wurde zu Be­ginn, während ihres Verlaufes und namentlich auch am Schluß vielfach durch Lärmszenen un­terbrochen. Der erste Redner, Abg. Dr. Leuchtgens, schilderte in bewegten Worten die Notlage der heutigen deutschen Wirtschaft und ging dann zu einer Kritik der Finanzpolitik der hessischen Regierung über, die kein Sanierungspro­gramm dem Landtag vorgelegt, sondern als Aus­weg aus den Schwierigkeiten nur eine S t e n e r - Erhöhung vorgeschlagen habe. Es müsse eine Einschränkung der Ausgaben und ein Abbau der Staatsaufgaben vorgenom­men werden. Alle Stände wollten die Sanierung, der Volkswille müßte beachtet werden.

Abg. D i n g e l d e i) wies in seiner Rede auf die Einigkeit zwischen Stadt und Land hin, die sich in dieser Protestversammlung bekunde. An einer Reihe von Statistiken zeigte der Redner, daß sich die Steuerlast Hessens gegen die Kriegszeit fast verdreifacht hat. Die Zahl der Volks­schüler sei um 40 Proz. zurückgegangen, aber die Zahl der Lehrer die gleiche geblieben; die Kosten der Schulen hätten sich 'jedoch verdoppelt. Selbst Vertreter der Linksparteien, die Abg. Reiber und Kaul hätten dasAttentat auf die Jugend" jetzt durch ihren Abbauantrag zu 50 Proz. mitgemacht. Die Ziffern über die Abnahme der Schülerzahl hätte der ^inanzminister erst auf Drängen des Finanz­ausschusses bekanntgeoeben. Die Regierung solle nicht nur führen, wenn es sich um die Unterbrin­gung liebwerter Parteifreunde, sondern auch, wenn es sich um das Wohl des Staates handle. Beide Redner fanden mit ihren Ausführungen bei der Mehrheit der Versammlung lebhaften Beifall. Die Ziffern über die Steuererhöhung in Hessen blie­ben nicht ohne Eindruck, selbst bei den politischen Gegnern. Die Versammlung schloß mit der An­nahme einer Protesterklärung gegen den Stuerdruck, in der ein Abbau der Staatsaufgaben und eine Verminderung der Staatsausgaben ver­langt wird.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Landesuniversität und höhere Schulen

Darmstadt, 20. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit Kapitel 67 (Landesuni- versität). Hierzu hat Abg. Dr. Greiner einen Antrag gestellt, die Landesuniversität ganz auf- zuheben. Der Antrag wurde einstimmig ab» gelehnt. Ein Antrag Reiber, die theolo­gische Fakultät sowie die Lehrstühle für Forstwissenschaft und Landwirtschaft zu streichen, die Institute aufzuheben und wegen der Heranbildung von Theoll>gen, Forst­leuten und Landwirten mit anderen Hochschulen zu verhandeln, wurde abgelehnt. Ein Antrag Kaul, der die Regierung ersucht, die Aushebung der theologischen Fakultät in die Wege zu leiten und die evangelische Kirchs aufzufordern, selbst für die Ausbildung der Theologen zu sorgen, wurde mit 7 gegen 6 Stimmen ab gelehnt. Der Ausschuß erklärte hierauf einen Antrag Dr. AO er ne r. der verlangt, daß die Landesuniversi­tät in bezug auf den Dispositionsfonds nicht schlechtergestellt wird als dieTechnische Hochschule in Darmstatzt für erledigt, da nach einer Regierungserklärung .Uebertragungen der Fonds beider Hochschulen möglich sind. Ein ^An­trag Dr. Werner und ein in demselben Sinn gestellter Antrag Birnbaum wünschen, daß die außerordentliche Professur umgewandelt wird. Die Anträge wurden gegen fünf Stimmen an­genommen. Ein Antrag Dr. Werner ersucht um Erlaubnis zur Errichtung eines fünft» w i s sien sich aftlichen Instituts, die gegen­wärtig ohne Kosten geschehen kann. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Damit gilt auch ein Antrag Birnbaum und der Fraktion der Deutschen Volkspartei, der dasselbe will, ebenfalls als angenommen. Ein Antrag Birn­baum-Keller und der Fraktion der Deut­schen Volkspartei wünscht, daß die A s s i st e n -- tenstellen und Lehraufträge, die unbedingt notig sind (vom Landesbildungsamt eingerichtet), in den Etat eingestellt werden und nicht wie bis­her die entsprechenden Summen dafür auf den Dispositionsfonds verrechnet werden. Der An­trag, der als ein Ersuchen an die Regierung gerichtet ist, wurde dieser als Material über­wiesen. Ein Antrag Birnbaum und der Frak­tion der Deutschen Volkspartei geht dahin, daß den Laborantinnen und Röntgengehilfinnen mit abgeschlossener höherer Mädchenschulbildung nach dreijähriger Tätigkeit durch eine Prüfung ter Titel einer technischen Assistentin gewährt wird. Die Ausbildung dieser technischen Assistentinnen soll nach denselben Grundsätzen erfolgen, wie in den anderen Staaten, in denen die Angelegenheit bereits geregelt ist. Der An­trag wurde ter Regierung als Material über­wiesen.

Ein Antrag Dr. Werner und Gen. ver­langt die Durchführung und genaue Beobachtung

Die Vefteiungsseiem der rheinischen Universitäten

Das Fest der Kölner Studentenschaft.

Köln, 20. Febr. (TU.) Die Studentenschaft der Universität Köln feierte die Befreiung Kölns durch einen Festkommers, ter heute abend im großen Saal ter Bürgergesellschaft stattfand. Der dicht besetzte Saal bot ein farbenprächtiges Bild. Zahlreiche Ehrengäste wohnten ter Feier bei, so die R e i ch s m i n i st e r Dr. S t re- sem a n n und Dr. Marx, ter preußische Kul­tusminister Dr. Becker, Oberbürgermeister Dr. Adenauer, die Rektoren der Llniversi» täten Köln, Bonm Marburg und Frank­furt a. M. und viele andere. Mit einem Preu­ßenmarsch und dem Einzug ter Chargierten nahm die Feier ifjren Qlnfang. Der Vorsitzende der Studentenschaft der Kölner Universität be­grüßte die Festteilnehmer.

Der Rektor der Universität Pros. Dr. Stier-Somlo

führte u. a. folgendes aus: Die älniveriitäten sind Kulturstätten der Ratton und ihre nationale Bedeutung ist nicht außer acht zu lassen. Gewiß geht die Lösung der wissenschaftlichen Probleme viele Rationen an, doch, die Art, wie der Zugang zum Kern ter Rätsel gesucht wird, ist von der individuellen Anlage einer Ratton bedingt. Zu dem Kulturgeist der deutschen Universität ge­hört auch die Erziehung der sittlichen Kräfte für die Ration, wobei die Achtung vor dem Völkerrecht und ter internationalen Moral besonders betont wird. Freilich werden es sich die deuftchen Tlniversitätslehrer nicht nehmen lassen, einen würdelosen Mangel an nationalem Selbftbewußtsein dort, wo er bei der Behand­lung der internationalen Probleme auftritt, als solchen zu kennzeichnen. Die gemeinschaftliche gei- sttge Arbeit der großen Kulturnattonen ist immer noch äußerst starken, für Deutschland beleidi­genden Hemmungen ausgesetzt. Ich richte an alle gelehrten Männer und grauen die Auf­forderung, sich bewußt zu werten, welch un­geheure Schädigung ter menschlichen Kultur- werte diese höchst ungerechtfertigte Behandlung deuftcher geisttger Arbeit bedeutet.

Die Festrede hielt

Domprediger Pater Dyonisius.

Er erinnerte einleitend an die denkwürdige Be­freiungsnacht unter den gewaltigen Tür­men des Kölner Domes. Diese Befreiung müsse aber eine ernste Erkenntnis, ein heiliges Bekenntnis werden. Die Befreiungsfeier müsse den Kölner Iungakademikern am heutigen Abend der Jungbrunnen sein, aus dem sie wie­der erneute Schaffenskraft bekommen. Der Red­ner schloß mit dem Wunsch, daß die heutige De- freiungsfeier wie ein Monument stehen möge am deutschen Rhein, ein Monument, nicht aus Steinen gefügt, sonterii aufgebaut auf le* b e n b » n deutschen Herzen, die in hehrer Stunde sich zusammengeschlossen zu dem heiligen Gelöbnis: Unter Studium, unser Wissen, unser Leben gehören dem ganzen deutschen Volke zu seiner Freiheit, Einigkeit, zu seinem Glück.

Dann nahm der von der Studentenschaft ein» geladene

Reichsauhenminister Dr. Strefemann

das Wort zu längeren Ausführungen: Zn der deutschen akademischen Jugend beftefjen, wie im deutschen Volke, verschiedene Einstellungen ge­genüber dem Reich und seiner Fortentwicklung. Die einen verfallen in Träume der Resignation über alte Größe und Herrlichkeit, die anderen warten auf ein Wunderbares, das sie mit heißem Herzen ersehnen, ohne zu wissen, woher es komntt und wer es schaffen soll. Wieder andere glauben, daß es für Deutschland wichtig sei, die Ent­wicklung der Welt abzuwarten und sich dann erst

mit aktiver Politik in diese Entwicklung einzu- stellen, wenn älmrisse künftiger Entwicklung sicht­bar sind. Mag für den einzelnen Menschen, der den Weg von Gröhe und Rlacht und von Ein­fluß und Glück zu Armut und Arbeit durchge­macht hat, der eine ober andere Weg möglich sein. Für diejenigen, die für die Reichsent- wicklung verantwortlich sind, gibt es nur einen Weg, bas ist

die Politik tätigen MitschaffenS nach innen und nach außen.

Diese Kärrnerarbeit mag manchen als eine ideal­lose erscheinen. Sie ist es nicht, denn nur aus aus dem langsamen Fortschreiten in stetigem Kampf ergibt sich ter Fortschritt, und sieht man ten Weg, der zurückgelegt ist. Gegenüber allen Krittken über manche nicht erreichte oder manche getäuschte Hoffnung, über manche geistige Einstellung, die sich nicht schnell genug in Taten auswirkt, darf doch das eine gesagt werden: Wer zurückschaut auf die Politik der letzten Jahre in Deutschland, ter muß mit Blindheit geschla­gen ober von schlechtem Willen beseelt sein, wenn er nicht anerkennen wollte, daß wir ein gutes Stück vorwärts gekommen sind in ter Konsolidierung nach innen und deutscher Geltung nach außen. Zn dem Kampf zwischen Rechtsanspruch und Machtgefühlen, die das Recht selbst ausbeuten, hat schließlich doch in ter Befreiung der nördlichen Rheiw- landzone der Gedanfe des Rechts gesiegt. Jede weitere deutsche Polittk kann nur das Ziel haben auf diesem Wege fortzuschreiten.

Aber wenn der Geist von Cocarno Sinnbild künftiger europäischer Polittk ist, dann muß seine weithin sichtbare letzte Auswirkung die schließliche Zurückziehung der Truppen aus dem befehlen Rheinland fein.

Ich kann mir nicht denken, daß man irn Lager un­serer ehemaligen Gegner darüber anders denkt. In dem großen Saal des ForeignOffice in Lon­don, in dem die Verträge von Locarno nnterzeichnet wurden, hing, für diesen Tag herbeigeschafst, das Gemälde von Lord E a st l e r a g h. Wenn dieses Symbol eine über den Tag hinausgehende Bedeu­tung haben soll, dann kann es doch nur die fein, daß das England der Gegenwart mit den Verträ­gen von Locarno dieselbe Politik treiben will, die einst Englands Vertreter auf dem Kongreß in Aachen 1818 gegenüber Frankreich getrieben hat, als er den Gedanken vertrat, Frankreich wieder als Großmacht in den europäischen Konzern aufzunehmen, und des zum Zeichen die Truppen der damals Frankreich besetzenden Mächte von Frankreichs Boden zurückzuziehen. Diese Frage dieser Zurückziehung muß eine Frage der Verhandlungen sein, eine Frage der Technik sein; aber sie ist die logische Auswirkung einer neuen europäischen Situation, die das Problem der Sicherheit der Länder auf anderem Wege lösen will, als durch den der militärischen Gewalt. So gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß die Glocken am Rhein nicht zu lange schweigen müssen, um die weitere Freiheit deutschen Bodens zu verkünden, um der so schwer betroffenen Bevölke­rung der Rheinlande die Möglichkeit zu geben, mit ganzer Freude sich als Glieder eines freien Deutsch­lands zu fühlen, das in Frieden und gegenseitigem Verstehen mit der Welt zu leben gedenkt.

Reichsaußenminister Dr. Strefemann stattete heute mittag ter Kölner Tlniversität einen Besuch ab. Er wurde vom Rektor, Pro­fessor Dr. Stier-Somlo und dem Vorstand der Studentenschaft begrüßt. Der Mini­ster besichtigte die Einrichtung der Tlniversität und empfing am Rachmittag einen Gegen­besuch der Vorstandsmitglieder der Studenten­schaft. die bei dieser Gelegenheit auch dem Mini­ster für die besetzten Gebiete Dr. Marx und dem preußischen Kultusminister Dr. Decker einen Besuch abstatteten.

Die Feier in Bonn.

Bonn, 22. Febr. CSU.) Die Befreiungs­feier der Bonner Hochschule wurde am Samstag mit einer geselligen Zusammenkunft der Dozenten und Studenten der Bonner Universität in ter Beethovenhalle eingeleitet. Professor L ands - b e rg von der Bonner Universität begrüßte die Gäste. 3m Rarnen aller auswärtigen deutschen Hochschulen antwortete ihm der Rettor ter Uni­versität Hatte, Prof. Fleischmann. Ferner sprachen ter Prorektor der Universität Wien, Prof. Sterl, ter Rektor der Universität Graz, Prof. Sieger und ter jetzt Bonner früher Gießener Professor Dr. Zhcha für die deutsche Universität in Prag..

Der Sonntag begann mit Festgottesdrensten in den Kirchen beider Konfessionen. Darauf fand in der Beethovenhatte der eigentliche Festakt statt, an dem ü. a. die Reichsminister Dr. Strefemann und Dr. Marx, der preußische Kultusminister Dr. Becker, der Oberpräsitent der Rheinprovinz Fuchs, der Regierungspräsi­dent von Köln, Graf Adelmann, und die Rektoren von 24 deutschen Hochschulen teil­nahmen. Die hessische Ludwigsuniversität war ebenfalls durch ihren Rektor, Pros. Dr. D ü r t e r, vertreten. Rach einem vom Intendanten des Bonner Stadttheaters, Dr. Fischer, vorge­tragenen Prolog hielt

der derzeitige Rettor der Donner Uuiderfität, Professor Dhroff,

die Festrede. Er erinnerte an die Opfertreue des Rheinlandes, die allein die Stunde ter Freiheit gebracht habe. Der politischen Ent­spannung in Locarno sei auch ein Locarno der Wissenschaft gefolgt. Der deutsche Gelehrte könne wieder stolz in die internationale Welt emtreten. Im Ramen der deutschen Uni- versitäten sprach

Professor R v e t h e , ter bekannte Germa­nist der Berliner Universität. Ganz Deutsch­land, so sagte er, beglückwünsche heute Bonn mit dem Gefühl herzlicher! Dankes für das, was es in schweren Jahren gelitten, geopfert uiü> bewahrt habe. Dank müsse auch ter Regie­rung gesagt werden, vor allem dem früheren Reichskanzler Marx.

Kultusminister Dr. D e cf e r sprach im Rarnen der preußischen Staatsregierung und der Reichs­regierung. Er erinnerte an die Opfertreue ter Rheinländer. Der heutige Tag der Befreiung solle uns nicht vergessen lassen, welche Kämpfe im Osten Deutschlands, in Danzig, in Oberschlesien usw. auszufechten seien. Auch an den Kampf in Südtirol erinnerte er. Geheimrat Dhroff gab zum Schluß die Ernennung zweier akademischer Ehrenbürger bekannt, des Beigeordneten der Stadt Bonn, Spo ei­gen, ter zur Zeit des Passiven Widerstandes die Geschicke ter Stadt geleitet hat, und des Schöpfers des Denkmals für die gefallenen Studenten, Professor Menser. Unter den Klängen eines Armeemarsches schritt dann ter feierliche Zug der Rektoren und Professoren in Amts tracht und der Studenten zur Universität zur Feier der

Enthüllung des Denkmals int Arkadenhof. Sämtliche Kriegervereine hatten mit ihren Fahnen Aufstellung am Denkmal ge­nommen. Flieger kreisten während der Feier über dem Hof und warfen Blumenspenden ab. "Nachdem die Hülle vom Denkmal gefallen war, sprach Professor P r a n q u e ergreifende Worte zum Gedächtnis ter 820 Gefallenen der Univer­sität. Im Ramen der Studentenschaft sprach ihr Vorsitzender cand. jur. Schell. Das Deutsch­landlied beschloß die würdige Feier.

Sonntag nachmittag fand auf dem Alten Zoll am Arndt-Denkmal twch eine kurze Feier statt, bei der Reichsaußenminister Dr. Strefemann sprach. Er feierte Arndt als Vorbild deutschen Freiheitssinnes. Die Bedeu­tung solcher Männer bestehe darin, die Perspek­tiven zu sehen, nach denen ein Volk leben müsse. Er erinnerte weiter an das Werk von Locarno,

der hessischen A s s i st e n t c n o r b n u n g vom 18. Rovember 1924. Der Antrag ist als ein Er­suchen an das Landesamt für das Dildungs- wesen gerichtet; er will verhindern, daß Aus­länder zugelassen werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der Regierung wurde hierauf ein Antrag Birnbaum Kel­ler zur Berücksichtigung überwiesen, der die Einst ufung des Präparators am zoologi­schen Institut, für seine Person, in Gehalts­gruppe 7 wünscht, damit er dem Präparator am Landesmuseum gleichgestellt wird. In einem Antrag Dr. Leuchtgens -Glaser wird die Regierung ersucht, in Verbindung mit ten Re­gierungen der übrigen Länder in eine genaue Prüfung der sachlichen und persönlichen Auf­wendungen einzutreten, um eine Verminde­rung der Ausgaben zu erreichen. Die Prüfung sott sich auf die Lehrstühle, die Assi­stenten. die Institute, die Verwendung der Kol- legegelter und die Honorare erstrecken. Dieser Teil des Antrages tourte einstimmig ange­nommen. Dagegen tourte ter zweite Teil, wonach bei dieser Prüfung Sorge zu fragen fei. daß an dem Charakter und dem Recht einer Hochschule nicht gerüttelt werten dürfe, gegen 6 Stimmen abgelehnt. Das Kapitel 67 selbst wurde sodann genehmigt, vorbehaltlich der Aen- terungen. die sich durch die Beschlüsse ergeben.

Zu Kapitel 61 (Gymnasien usw.) lag

ein Antrag Bornemann und Gen. vor, ter etwa dahin lautet, daß wenn sich im älmkreis von 30 Kilometern eines Ortes eine höhere Lehr­anstalt mit gleichen oder verwandten Schul- zielen befindet, diese Anstalten zusammen- z u legen sind. Städtische Schulen sind auf­zuheben. In Betracht kommen die Gymnasien in Friedberg. Wor m s and Offenbach sowie die Ludtoigsoberrealschule in Darmstad t, ferner die Realschulen in Reu-Isenburg, Laubach. Lauterbach, Schotten und Oppenheim. Der Antrag wurde mit Stim­mengleichheit abgelehnt.

Ein Antrag Dr. Leuchlgens-Glaser will l..'daß die Kosten der höheren Schulen den Gemeinden übertragen werden. Die Gemein­den sotten dann das Recht haben. Schulgeld zu erheben und ein Mitwirkungsrecht bei ter Be­setzung der Lehrerstetten haben: das staatliche Aufsichtsrecht sott dadurch nicht berührt werden. 2. Eine Teilung von Klassen an höheren Lehranstalten sott gestaltet fein, wenn in den oberen Klassen mindestens 30. in den mittleren mindestens 40 und in den unteren mindestens 50 Schüler vorhanden sind. Der erste Teil des Antrags wurde gegen 2 Stimmen, der zweite Teil mit Stimmengleichheit abgelehnt. Ein Antrag Werner ersucht die Regierung, die Frage der Heranziehung der Gemeinden zu den K o st e n der höheren Schulen auf Grund

des Gesetzes vom 21. März 1924 erneut zu prüfen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag Hein- stadt, die Regierung hu ersuchen, daß sie die Ge­meinden, die auf ihre Kosten ihre höheren Schu­len ausgebaut oder auf gebaut haben, erneut auf­merksam macht, daß an eine iUebernahme der Kosten auf den Staat acht zu denken iift. Ferner tourte ein Antrag Heinstadt mit einem Zusah- antrag Dr. Leuchtgens einstimmig angenom­men, in dem ausgesprochen wird, daß der Zu- drang zu den höheren Schulen nicht eingedämmt toerben kann, wenn nicht eine scharfe Aus­lese vorgenommen wird. Es sei deshalb auf das Lehrziel bei der Versetzung zu achten. Die bis­herigen Erlasse sollen erneut streng auf diese Ziele hin geprüft werden. Ein Antrag Singel» deh will, daß wenn die Zahl der höheren Lehranstalten in Hessen verringert wird. Ver­kehrsverbindungen, Bevölkerungsdichte und andere Faktoren berücksichtigt werden. Dies wurde ein­stimmig bei einer Stimmenthaltung angenommen. Ein weiterer Antrag, daß eine Anstalt, die auf­gehoben werden soll, in eine höhere Bürgerschule umzuwandeln ist. wurde mit 7 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Das Kapttel selbst wurde genehmigt; eine Reihe von Vorstellungen, die hierzu noch vorlag, wurde der Regierung als Material bei einer Reuregelung der Besoldungsorbnung über» wiesen.