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Beranilallet vom Turnverein 1860 Vad-Naubeim und dem ^ad" Naubcimer -r-ovveicinartett zu Gunsten der neuen Turnhalle. Alle '^evölkerungs- kreise der Siadl und llmgel'unasindhc^' li(6it cinnelüOcn.

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Ml- O to6oti®ram , 2Ille Ä'ligliedei her oben stehenden Ver- / stchemna werden an einer L'elorechnnn auf Sani flam bcu 23. Januar. Ms. 8 Uhr. bei Gaiumn Heinrich Tivvcl, am Oswaidsmnieu etngelaben. 0182 Tie Eindernicr.

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Nr. 18 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Kreitaa, 22. Januar 1926

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Der Staatrvoranfchlag 1926.

Don unserer Darmstädter Redaltiom II*).

Nachdem die Denkschrift zum Entwurf des Staatsvoranschlags 1926 die gesamte Aus­gabeerhöhung auf 13,4 Mill. Mk. berechnet hat. werden die einzelnen Posten aufgezählt, die diese Erhöhung verursachen, nämliche

1. Einstellung der vollen Wohnungs­geldzuschüsse unter allen Kapiteln anstatt des seitherigen Abzuges der Dienstwohnungs­mieten an ihnen, unter deren Vereinnahmung nunmehr unter Kap. 3 ... 0,3 Mill. Mr.

2. Kap. 10, Landessteuern: Mehrauf­wand zur Förderung der Neubau­tätigkeit aus dem erhöhten Auskommen an Sondergebäudestcuer unter Einschluß des seither von Gemeinden aufgebrachten Anteils ... 8,2 Millionen Mark.

3. An gleicher Stelle und aus dem gleichen erhöhten Steueraufkommen: Zuschuß an die Fürsorgeverbände zur Unterstützung hilfs­bedürftiger Personen, welche die aus der er­höhten Tebäudesondersteuer folgende Mieterhö­hung nicht tragen können ... 2,7 Mill. Mk.

4. Kap. 10, Landessteuern: Mehr an Aus­fällen, Abgängen und Nachlässen, insbesondere an der Gebäudesondersteuer ... 1,6 Mill. Mk.

5. Kap. 4/5, 6: Aus den wirtschaftlichen Staatsbetrieben Abführungen an d i e Staatskasse aus erhöhten Betriebseinnah­men zusammen mehr 0,25 Mill. Mk.

6. Kap. 67, Landesuniversität: Bruttoverrech­nung der Wirtfchaftskosten der landwirtschaft­lichen Institute auf den Hardthöfen ... 0,16 Mill. Mark.

7. Kap. 83, Boden Verbesserung usw.: Mehr für landeskulturliche Maßnahmen mit gegenüberstehenden höheren Ersätzen der Inter­essenten (Feldbereinigung usw.) ... 0,2 Mill.Mk.

Weiter wird in der Denkschrift ausgeführt, daß die 13,4 Mill. Mk. nicht als wirkliche Steigerung 'des- Staatsbedarfs gegenüber dem Borjahre angesehen werden können, sondern das Mehr an wirklichem Staatsaufwand betrage nur 3 Mill. Mk.

lieber die Zurückhaltung in der Vermehrung der Ausgaben heißt es:Alles, was an neuen Aufgaben an den Staat hätte herantreten können, ist, soweit als irgend möglich, zurückgedrängt. Nur bei den Gerichten war ein Mehraufwand von rund 140 000 Mk. für Personal unvermeid­lich, das zur Durchführung der Aufwer­tungsbestimmungen nötig ist, ferner eine Neuvorsehung von 35 000 Mk. für das Schlich­tungswesen auf Grund gesetzlicher Bestim­mung. Im übrigen gibt den Ausschlag Kap. 15, wo für Nuhegehalte, Hinterbliebenenbezüge usw. insgesamt 4,1 Will. Mk. mehr vorzusehen sind als im Vorjahre, bedingt durch die Nachwir­kungen von Personalabbau, Zwangspensionie­rung, natürliches Ansteigen dieser Bezüge nach den erhöhten Desoldungsbezügen, im wesentlichen aber durch das nunmehr endgültige Richtigstellen des wirklichen Bedarfs nach Einzelberechnungen, das nach Beendigung der Inflationszeit auch im Vorjahre infolge der nun vorliegenden Durch­schnittsberechnungen noch nicht vollständig war. Der Denkschrift zufolge bewegt sich der Personal­aufwand im ganzen und abgesehen von dem Aufrücken in höhere Dienstaltersstufen auf der gleichen Höhe wie im Vorjahre. In der Ver­mehrung des Personals wurde die strengste Zu­rückhaltung geübt.

Heber die Bezüge der Beamten er­klärt die Denkschrift u. a.: Die angemessene Fest­setzung der Beamtenbezüge hält die Regierung für eine dringende Notwendigkeit: sie bedauert, daß für absehbare Zeit der Staat die Mehr­aufwendungen für eine entsprechende Erhöhung der Beamtenbezüge nicht zu leisten vermag. Vor­erst konnten, wie im Vorjahre, nur 300 000 Mk. für Ilnlerstützungszwecke bereitgestellt werden, ab­gesehen von den herkömmlichen kleineren Unter- stühungsfonds in einzelnen Kapiteln (zusammen 52 000 Mk.). Der gesamte Personalaufwand stellt sich auf 78,1 Mill. Mk.

Die Ziffer für die sachlichen Aus­gaben stellt sich für 1926 auf 50,5 Mill. Mk. gegenüber 39,1 Mill. Mk. im Vorjahre. Die Erhöhung der sachlichen Ausgaben wird auf laufende Bauunterhaltungen zurückgeführt. Es heißt hierüber:Einen erheblichen Teil des Sach­aufwandes stellt die laufende Bauunterhaltung der Staatsgebäude dar. Auf sie entfallen für 1926 2 345 000 Mk. gegen 2150 000 Mk. im Vor­anschlag 1925: das sind rund 195 000 Mk. mehr, also etwa 9,1 v. H. Auch hier wurde auf das sparsamste vorgegangen, denn gegen 1925 ist all­gemein eine Steigerung der Löhne und

) Vgl. Nr. 15 desGieß. Anz." vom 19. Ian.

vom Stilauf im Vogelsberg.

Schneelauf ist Trumpf! Solange er rein sportlich und nicht als Produkt der Mode gepflegt wird. Keine Sportart vermag so ausgeprägt ihren Reiz mit dem der Natur zu verbinden und gleich­zeitig Körper und Geist zu kräftigen.

Diese Gedanken veranlassen seit Beendigung des Krieges eine Schar wackerer deutscher, junger Leute, sich jährlich im Winter bei Papa Stein auf dem Hoherodskopf, im Vogelsberg, einzu­finden. So war es auch wieder zu Beginn dieser Woche, nachdem bis Montag abend die Letzten der sonntäglichen Besucher die Schneefelder des Vogels­bergs verlassen hatten. Das Klubhaus ist jetzt wie vereinsamt, nur 67 Männlein und Weiblein fin­den sich zu trautem Kreise am Tisch in der Ofen­ecke. Eine eiserne Disziplin beginnt, kernige, deutsche Lieder werden zur Klampfe gesungen, man trinkt Milch, ohne Tanz und Alkohol geht es mit der Parolebei schönem Wetter 8 Uhr aufstehen" zu Bett. Es ist Dienstag, Onkel Bab stellt herr­lichen blauen Himmel und bezaubernd schönen Rauh­reif fest ein sonniger Tag! Pünktlich um 8 Uhr erschallt ein kräftiges, militärischesAuf­stehen* in den Gängen des Klubhauses. Bald hat sich alles in der Ofenecke eingefunden, um den Morgenkaffee mit Bauernbrot und Vogelsberger Wurst zu genießen. Nicht jeder ist solch kräftige Kost morgens gewöhnt, man hört, wie eine Dame zum Essen ermahnt wird. Der Skilauf verlangt es.

Bald sieht man das Völkchen gleich einer Fa­milie sich vor dem Hause sammeln. Bitterkalt ist es in der strahlenden Morgensonne, die Finger sind eisig, die Buben helfen den Mädels die Bretter anschnallen. Apfelsinen gehen als zweites Frühstück

Materialien bis heute um durchschnittlich 35 v. H. eingetreten: es betrug z. D. die Stun­denvergütung in Darmstadt im Dezember 1924 im Maurergewerbe 1,46 Mk. gegen rund 2Mk. int Dezember 1925. Dieser allgemeinen Stei­gerung der Bauunterhaltungskosten ist die Mehr- sorderung im Staatsvoranschlag nur mit etwa einem Viertel gefolgt. And obwohl die lieber- leuerung gegen den Friedensstand im Bauwesen heute teilweise schon auf mehr als 200 v. H. gestiegen ist, wurden die Bauunterhaltungskosten bei Ausstellung des Voranschlags 1926 nur mit einem lleberteuerungssatz aus 177 v. H. ein­gestellt. Bereits im Voranschlag 1925 ging die Anforderung zunächst aus von einer Ueber- teuerung auf 185 v. H. Der Bewilligung jedoch konnte schließlich mit Rücksicht auf die verfüg­baren Mittel nur eine Ueberteucrung auf 166 v. H. zugrunde gelegt werden. Für Neubauten und größere Herstellungen an Slaatsbauten waren im Verwaltungsteil 1925 vorgesehen rund 856 000 Mk. Der Voranschlag 1926 muß sich mit rund 602 000 Mk. begnügen, das sind rund 250 000 Mk. weniger: eine Herabminderung, die mit Rücksicht auf die derzeitigen finanziellen Verhältnisse unter allen Umständen durchgeführt werden mußte. Diese Kosten beziehen sich zum größten Teil auf Dienstgebäude: weiter sollen daraus drei Beamtenwohnungen geschaffen wer­den. Der Zuschuß für die Unterhaltung der den Kreisen gehörigen Kunststraßen ist der gleiche geblieben, obwohl es, entsprechend dem Zustand dieser Straßen und den erhöhten llnterhaltungs- kosten, nicht an Wünschen wegen eine Erhöhung gefehlt hat. Cs muß indessen hier auf die den Kreisen und Gemeinden überlassenen Erträge aus der Kraftfahrzeugsteuer verwiesen werden."

Parlamentarisches aus Hessen.

Der Abgeordnete Felder (Zentr.) hat an bte Hessische Staatsregierung folgende Anfrage gerichtet:

Ist der Hessischen Staatsregierung bekannt, daß nach den vom Deutschen Bankbeamten-Ver- ein getroffenen Feststellungen in den Bank- betrieben im Gebiete des Freistaates Hessen seit Monaten ein rigoroser Angestellten- a b b a u durchgeführt wird, und daß, unter Außerachtlassung sozialer Gesichtspunkte, nun­mehr von den Kündigungen vorzugsweise ältere Angestellte und solche mit Familien betroffen werden? Ist der Regierung weiter bekannt, daß demgegenüber in sehr vielen Bankbetrieben die Arbeitszeitvorschriften nicht eingehal­ten werden und überlange Arbeitszeiten be­stehen und was gedenkt die Regierung zu tun, um eine Besserung dieser ungesetzlichen und un­sozialen Zustände herbeizuführen, und die Zahl der stellenlosen Bankangestellten, besonders der Verheirateten mit vielen Dienstjahren, zu ver­mindern?"

Förderung des Wohnungsbaues.

Von der Ortsgruppe Gießen des Bundes Deutscher Architekten erhalten wir folgende Zuschrift:

Unter obiger Anschrift haben in dem Frei­staate Hessen die Abgeordneten Leuschner, Hain­stadt und Reiber von den Regierungsparteien einen Antrag eingebracht, um der bestehenden Wohnungsnot abzuhelfen. Was diesen An­trag charakterisiert, ohne daß es jedoch klar zum Ausdruck kommt, ist die Absicht, die freie Wirtschaft in dem Wohnungsbau nach Mög­lichkeit auszuschalten und die Dahn für eine monopo lartige Entwicklung der Wohnungsfürsorgegesellschaft für Hessen frei zu machen. Soweit es durch eine Wohnungsfürsorgegesellschaft gelingen mag, mit Hilfe der staatlichen und kommunalen Steuer­anteile den Kleinwohnungsbau zu fördern, wäre an sich noch nichts gegen einen Antrag einzu- wenden. Aber schon der Umstand, daß nur von der Erstellung von Kleinwohnungen die Rede ist, während es doch auch eine Wohnungsnot des gewerbetreibenden und steuer- zahlenden Mittelstandes gibt, mühte zur Vorsicht mahnen. Die Sache wird für den Eingeweihten sofort klar, wenn er hört, daß nach dem Anträge die Verwaltung der zur Förderung des Wohnungsbaues bestimmten Steueranteile nicht von den dazu berufenen Instituten wie Hypothekenbanken oder Sparkassen, sondern von einer Sammelstelle, wohl von der gemäß Punkt 4 des Antrages tatkräftig zu fördernden Wohnungsfürsorgegesellschaft für Hessen, durch­geführt werden soll. In dem Augenblick also, in dem man im Reiche versucht, die Wohnungs­gesellschaften wieder auf ihren eigentlichen segens­reichen Wirkungskreis, den der Finanzierung und Verwaltung des Kleinwohnungsbaues, zu be­schränken, sucht man in dem Freistaat Hessen

mit. Tapferen Schrittes geht es in glitzerndem, kör­nigem Pulverschnee dem Uebungshang, der soge­nannten Rennbahn, zu. Man hört noch gerade, verflucht, ist das glatt", und schon sitzt der erste im Schnee, während eine große schlanke Dame am Auslauf des Hanges Schneestaub aufwirbelt, ein zünftigerChristiania" war das. Man darf sich nicht wundern, wenn ein Sport, der auch Anforderungen an den persönlichen Mut stellt, oft etwas derbere Ausdrucksweise nach sich zieht. So werden z. B. fehlerhafte Stellungen bei der Abfahrt, die Sturz­gefahr in sich bergen, mitKnochen zusammen" energisch korrigiert. Die Erfolge der gegenseitigen Erziehung in der kleinen Schar sind unverkennbar, und wenn es nur die innige Kameradschaft ist, die sich in den letzten drei Wintern herausgebildet hat, so ist das ein Gewinn.

Schnell verstreicht die Zeit am Uebungshang und mit nicht geringer Eßluft finden wir uns zu köstlichen Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus in der so beliebten Ofenecke ein.

Um 2 Uhr geht es dann in glatter Fahrt gen Ulrichstein, um eine Kameradin nach Haufe zu ge­leiten. Abwechselnd wird gespurtet und nur wenig Halt gemacht. Das erste Halt gilt einer Ermah­nung, es muß durch die Nase geatmet werden, drei Skischritte ein-, zwei Skischritte ausatmen. Die Waldfahrt ist prächtig, märchenhafte Einsamkeit in König Winters Reich. Viel Fichten unterbrechen den Weg Schneebruch. Einer hinter dem an­deren, so ziehen wir an der Niddaquelle vorbei, die Bretter knirschen im frostigen Schnee, in der Ferne hört man Holz schlagen. Wir kommen zum Land­grafenborn: hier soll dereinst ein hessischer Land­gras bei der Sauhatz im Sumpf stecken geblieben fein. Ab und an gibt es einen heiteren Scherz, im

auf dem Weg der Gesetzgebung die Machtstel­lung einer Gesellschaft zu fördern, die alsge­meinnütziges" ilnternehmen, denn das ist sie noch immer im Auge des naiven Beurteilers, keinen Anstoß daran nimmt, mit Hilfe allgemeiner Mit­tel wie der des Hauszinssteueraufkommens, ganz abgesehen von der Erlassung der Anliegerbei­träge, die private Wirtschaft durch den Handel mit Baumaterialien, und den Beruf Des freien Architekten durch Planung in eigenen technischen Bureaus zu schädigen.

Die Antragsteller sind sich gewiß dieser Zu­sammenhänge nicht bewußt gewesen, wie sie auch nicht erkannt haben, daß man mit diesem Antrag die Angestellten einer Gesellschaft zu Beamten macht, die ihre Spitze unermittelbar gegen das private Gewerbe und die privaten Berufsstände richten. Man hat sich einfach bei dem Gedan­ken beruhigt, daß man mit Hilfe der Wohnungs- fürsorgegesellschaft für Hessen rascher und billi­ger baue. Das aber ist eine Behauptung, die darum nicht wahr wird, weil sie in unserer beu­gen Zeit, da alles danach drangt, in eine ge­sicherte Deamtentätigkeit zu kommen, so häufig vorgetragen wird. Die gesunde Einsicht muh auch dem Laien sagen, daß schon die Planung durch den erfahrenen Privatarchitekten dem Bau­herrn Vorteile verheißt, die in der Tat oft ein Mehrfaches der Honorargebühren an Erspar­nissen betragen, Der Privatarchitekt, der nur dann Aufträge erhält, wenn ihn seine früheren Leistungen empfehlen, wird zu einer ganz anderen Sparsamkeit und Qualitätsarbeit angespornt, als der beamtete Architekt, der nun einmal da ist und beschäftigt werden muß. Das ist ohne weiteres überzeugend. Aber der Privatarchitekt wird auch schneller bauen, da er nicht mit einem regel­mäßigen Monatsgehalt rechnen kann, sondern ausschließlich auf sein Honorar angewiesen ist, das sich wieder nach dem Umfang der fertig- gestellten Bauten richtet. So liegt ein Zwang zum Schaffen vor, und das erscheint uns doch nicht ganz unwichtig in einer Zeit, in der viele Tausende von Wohnungsuchenden sehnsüchtig auf die Fertigstellung neuer Bauten warten.

Eine Irreführung der Antragsteller ist es auch, wenn sie glauben machen wollen, der Pri­vatarchitekt weigere sich, Typenbauten und Rei­henhäuser zu errichten. Das Gegenteil ist richtig, wie die Hunderte von Siedlungen beweisen, die überall im Reich von Privatarchitekten hergestellt werden. Wogegen er sich als Künstler wendet und wodurch sich auch seine Tätigkeit von der bedenklichen Planung bei den Wohnungsfürsorge­gesellschaften unterscheidet, ist die Ablehnung der llniformierung. das heißt die Errichtung des gleichen Typenhauses ohne Rücksicht auf die land­schaftlichen Bedingungen. Eine solche Forderung eines allgemeinen Typenhauses wäre gleichbe­deutend mit dem Ende der schöpferischen Bau­kunst und eines wichtigen Kulturfaktors über­haupt. Darum wird sie von der freien Archi­tektenschaft abgelehnt und auf das heftigste be­kämpft.

Diese Stellungnahme der freien Architekten­schaft ist den hessischen Landtagsabgeordneten! gemeinschaftlich mit dem hessischen Baugewerbe zur Kenntnis gebracht worden, und es gewinnt den Anschein, als habe man nachträglich doch Bedenken, einem Antrag zum Erfolg zu ver­helfen, dessen Volkswirtschafts- und kunstfeind­licher Charakter nicht sofort erkannt wurde. Die­ser Hoffnung fcarf. man sich um so mehr hingeben, da es sich um eine Angelegenheit handelt, die ohne politischen Beigeschmack dem Gebiet des Aesthetischen und des Kulturellen angehört, dessen Förderung jedem Menschen mit höheren Lebens­zielen Pflicht ist.

Jur Neuorganisation des russischen Außenhandels.

An den Abschluß des deutsch-russischen Handels­vertrages am 12. Oktober 1925 wurde von politischer wie auch von privater Seite die Hoffnung ge­knüpft, daß das russische Außenhandelsmonopol, welches den gesamten Im- und Export Rußlands in die Hände des Staates und seiner Handelsorgane legt, in absehbarer Zeit wenigstens in feiner prak­tischen Durchführung etwas elastischer und we­niger bureaukratisch gestaltet werden würde, als es bisher der Fall gewesen ist. Die neuerlichen Be­schlüsse des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei scheinen einen wesentlichen Schritt vorwärts zur Erfüllung dieser wirtschaftlich gerechtfertigten Wünsche zu bedeuten.

Das System des russischen Handels ist jetzt einer Revision und Neuorganisation unterzogen wer­den, die den häufigen Beschwerden und Klagen über zu dureaukratische Arbeitsweise in gewissem Sinne Rechnung tragen werden. Das staatliche Außenhandelsmonopol der Sowjetregierung, wel­ches übrigens, das fei hier gleich bemerkt, in

allgemeinen wird aber nur wenig gesprochen. Jeder ist mit sich beschäftigt. Das Laufen ist anstrengend, besonders für den Spurtenden, der Schnee ist weich und tief.

Der Schloßberg vonUllstahn" kommt in Sicht und eine warme Tasse Kaffee wartet auf uns. Wir haben uns gelabt und besteigen zu Fuß den Schloß­berg, stellenweise brechen wir bis zu den Knien im Segne ein. Ehrfurchtsvoll bleiben wir vor dem Grabe von zwanzig im Siebenjährigen Kriege ge­fallenen hessischen Grenadieren stehen, ein kaltes Lüftchen unspielt uns, wir sind ganz oben. Schade, . daß es nicht jedem Menschen vergönnt ist, solch tiefverschneite Landschaft kennen zu lernen. Wir steigen wieder hinab, die Bretter werden ange- schnallt und ein dreifaches kräftiges Skiheil gilt der Skifreundin als Abschiedsgruß. Die Dorfbewohner sehen uns lange nach * aus ihren kleinen einge­frorenen Fenstern. Herrlich stehen die kräftigen, mo­dernen (eigentlich alten, da farbiger Anstrich ja schon um 1700 bekannt war) Farbanstriche der Häuser unter den letzten Sonnenstrahlen gegen den Schnee. Im schnellen Tempo laufen wir dem Walde zu, stille Einsamkeit um uns her. Drei Mädchen und Buben sind es, die voll glühender Begeiste­rung ihrem Ziele zustreben, kaum ein Wort fällt, jeder läßt die Gedanken spielen. Es ist Nacht, die Mondsichel hat einen Schleier, ob morgen das Wetter noch so schön ist? Wir treffen noch ar­beitende Holzfäller und wünschen ihnengute", ein luftiges Feuer flackert zum Himmel. Die Hälfte des Weges ist erreicht, die erste und letzte Unter­brechung der Rückfahrt gibt uns Gelegenheit, einmal zu verschnaufen, eine Apfelsine und etwas Schoko­lade werden brüderlich geteilt. Die F"brt roi*-b I in kräftigem Langlaus! :ipo fortgesetzt, die waae I

seiner Geschlossenheit auch von dieser Neuorgani­sation unberührt bleibt, hatte in dem Maße, wie Rußland wirtschaftlich erstarkte und seine Handels­tätigkeit auf alle Welthandelsplätze ausdehnte, eine Reihe von offenkundigen Mißständen und Rei­bungen gezeigt, die zu ständig sich mehrenden, auch ven russischer Seite offen kritisierten Unstimmig­leiten führten. Die hauptsächlichsten Klagen, die u. a. auch in deutschen Wirtschaftskreisen des öfte­ren zu hören waren, betrafen die oft recht bureau- kratische Arbeitsweise der russischen Handelsver­tretungen als der Auslandabicilungen des Volks­kommissariats für den Außenhandel, die ihrer Ver­mittlerrolle nicht immer im Interesse der von dem beiderseitigen Kontrahenten gewünschten Schnellig­keit gerecht zu werden vermochten. Besonders die häufig bei bei Abwicklung von Geschäften durch die Außenhandelsvertretungen beobachtete Saum- seligkeit, die im übrigen bei einem staatlichen Unternehmen nicht wundernehmen kann, hat nicht nur in den Reihen deutscher und sonstiger euro­päischer Geschäftsleute, sondern auch in russischen Wirtschaftskreisen den Wunsch nach einer Reform dieses russischen staatlichen Handelsapparates im allgemeinen sowie des Außenhandelskommissariats und seiner Auslandoertretlingen insbesondere wach- gcrufen. Aus diesem Streben nach Reformen her­aus find die vom Zentralkomitee der Kommunisti­schen Partei vor kurzem veröffentlichten neuen Richtlinien über die Organisation des Außenhan­dels entstanden, die eine Modernisierung der rus­sischen Handelsorgane in die Wege leiten, das Außenhandelsmonopol selbst aber als Eckpfeiler der russischen Wirtschaftspolitik unberührt lassen. Von diesen Umwälzungen des staatlichen Handels- apparates verspricht man sich russischerseits den Be­ginn einer neuen, fortschrittlichen Entwicklung auf dem Gebiete des russischen^Jm- und Exporthandels, der sich in Zukunft reibungsloser als bisher voll­ziehen soll.

Zunächst einmal haben diese neuen Tendenzen ihren Ausdruck in der Zusammenlegung des Außenhandels - Kommissariats mit dem Kommissariat für Binnen­handel gefunden, die bisher als verschiedene Ressorts nebeneinander bestanden und dadurch einer einheitlichen Abwicklung der Handelsaktionen häufig hinderlich im Wege standen. Beide Formen des staatlichen Handels werden von jetzt an von einem Kommissariat gemeinsam bearbeitet, wo­durch fraglos manche Mängel d'es bureaukratischen Apparates, unter denen Käufer und Verkäufer bis­her gleichermaßen zu leiden hatten, in Wegfall kommen werden. Weiterhin wird in den oben ge­nannten Richtlinien der Ausdehnung und den ver­änderten Bedingungen des russischen Außenhandels, dem die Sowjetregierung in diesem Wirtschafts­jahr eine bedeutende Ausdehnung auf fast das Doppelte des bisherigen Standes zu geben ge­denkt, dadurch Rechnung getragen, daß für die wichtigsten Zweige des Jmvorthandels beson­dereI m p o r t g e s e 11 s ch a f t en" gegrün- d e t werden mit der Berechtigung, unabhängig von den Außenhandelsvertretungen auf den verschie­denen Auslandmärkten eigene Einkäufe zu tätigen. Für eine derartige Tätigkeit sind zunächst folgende Gesellschaften ins Auge gefaßt:Selmasch-Jmport für die Einfuhr von landwirtschaftlichen Maschinen, Kunstdünger usw.,Textil-Jmport" für Woll- und Baumwolle,Metallimport" für Ausrüstungs- gegenftänbe und Halbfabrikate der Metallindustrie, Kosch-Jmport" für Rohleder und Einrichtungen für Lederfabriken,Elektro-Jmport" für alle Be­darfsgegenstände der elektrischen Branche, sodann Chim-ämport" für den Einkauf von chemischen Erzeugnissen und Einrichtungsgegenständen der be­treffenden Industrien. Von diesen Gesellschaften, die jetzt erstmalig außerhalb Rußlands mit eigener Einkaufsberechtigung auf dem Weltmarkt erschei­nen, erwartet man einmal eine Entlastung der bis­herigen Außenhandelsvertretungen, sodann aber eine mehr geschäftsmäßige, die Interessen der Kon­trahenten besser wahrnehmende Abwicklung der Handelsgeschäfte. Neben diesen auf dem europäischen Markt neu auftretenden Gesellschaften bleiben die verschiedenen sonstigen Handelsorganisationen, die bereits eine Außenhandelslizenz besitzen, in Tätig­keit, so daß hierdurch lediglich eine Erweiterung des Kreises der die anwachsenden Aufgaben des russi­schen Handels bewältigenden Organisationen zu verzeichnen ist.

Analog diesen Einfuhrgesellschaften werden ent­sprechende Gesellschaften für den Ex­port aus Rußland ins Leben gerufen, die in Form von Syndikaten und Aktiengesellschaften den Absatz von russischen Rohstoffen uni) Halbfabrikaten außerhalb Rußlands betreiben und ebenfalls den Kreis der bisher diese Handelsgeschäfte tätigenden Organe erweitern. So werden sich besondere Ge­sellschaften mit dem Export von Getreide, Butter und sonstigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen be­fassen, während für den Export von Holz, Rauch­waren und Faserstoffen neue Organisationen ins Leben treten.

ren Mädels zwischen uns, so hatten sie fabelhaft Schritt.

Durch die Bäume schimmert das Licht der Klub­hausküche, kein Laut ertönt, wir schleichen uns bis ans Haus und wieder ein kräftiges Ski-Heil gilt unserem Herrn Stein als Begrüßung. Eine Stunde 55 Minuten find wir von Ulrichstein bis zum Klubhaus gelaufen, ein kleiner Rekord! Ein kräf­tiges Abendessen beschließt den schönen Tag. Ich versichere, es hat jeder gut geschlafen.

Zu Kampf und Sieg reißt uns der. Winter fort!

Drum sei Ski-Heil

stets unser Losungswort. -nn.

Romain Rolland über Tolstois Flucht und Tod.

Der große Dichter und Gelehrte Romain Rolland, der demnächst 60 Iahre alt wird, verdankt den größten Einfluß in seiner Entwick­lung Tolstoi, der durch einen Brief, den er ihm als jungen Menschen schrieb, seine Welt­anschauung entscheidend bestimmte. Nun sind kürzlich zum ersten Mal die Dokumente über Tolstois Flucht und Tod in einem Bande ver­öffentlicht worden, den Rene Fülöp-Müller und Dr. Friedrich Eckstein herausgegeben haben. In einem Bries an Fülöp-Müller schreibt Rolland darüber:Die Lektüre dieses Werkes ist hin­reißend. Sie haben es verstanden, in diesem Bande alle die einander entgegengesetzten An­sichten mit einer bewunderirswerten Unparteilich­keit zu gruppieren, und die Tragödie von Tolstois letzten Tagen tritt darin mit gewaltiger Kraft und Wucht hervor. Rach dem Worten des rffm Königs Lear gibt es auch hier keine Schul- i..,) . f '. ;r:i nur Unglückliche."