Einzelbild herunterladen

M

4 auf folgte 'Am fw rmen

Vmb:

(n Kirchen- 1901-1926, im rein? für j)t[|en iios für hessische !r|d)ienen. Satin: asst, bet Resor- -46; 67-110, nalionöbuch -er Etohhermqtum» 36.) 2,au(tflßt es f)erousQeb«s. tische Bewegung heutigen Hessen'

nich mein Aerr h es wahr sein, «tn auch Sott' einen ®«lallen m seliger leint nn ich Gott im

ilichen Mühe - rutschen ®elen8. jiille rauschenden Sturmsluten den denDolUr^ ib das ßM ist Srbeit r i* ati Deispiel /hier scheint [len: ,

M wenn ich lt Es scheut e der hier von

als sei er'N ,Ue er Glauben gierige Stellet Ich werde aber ser Fassung W ! ja schon m der

»*

*5

Sah de" *£ hohe MrantA öewuMN-

der 6=^ in N'L i*lron <r® * e" & werden lebendig or uns Dn

Laniberl.^, 'n, te^heUi(4«n : ersten 2^° -er < fuden. ir ntch/2nsicht tap'eren^ flbct erseyung in

ß**}' llzog n^Oet. ,Ss Ä-iHb An,d,K« JWunf1* «t fe dl- 5**thuJr urn

Ze» n., nnb l-l Ä«t S) der

Ire J. (152?). 6*6 i'LL «s WInÄ Cn her, Vt.«

L ;Ä Ar te MÄJ 1 würben.

? um bet De. t °?"d" 12frn, oder zu .wer selbst do u DMiurfkH Nipne|tet Ju de? überall be. Klmjen ? Spiele stand.

nun nicht ' ff Telegen. irteif über die n' Weder das lerungsoechcht «n Landgrafen MWn ihre wit Hin M werden mögen' Gndig bleiben, Feinden, bas ist i und bif Teufel « ab unb Der» wir Toll selbst, üeinben, welcher davor (Sott un> rrn, alle lieben ren wolle ewig.

pclheimen. in Anstalten für Epileptische unb Schwachsinnige. In großen Diakonisienmuttcrhäu- fern werden die weiblichen Strafte jetzt -wischen 20- und 30 000 deutsche evangelische Diakonissen für diese Arbeit ausgebildet, in großen Diakonen» Häusern die männlichen Diakonen. Steine Not, der man nicht nachginge! Nur daß aus dem vielfach kranken sozialen Organismus unseres Volkes immer neue Note hervorwachsen, die immer neue Hilfs» arbeiten erforderlich machen. Das ist das Bild, das sich uns beute zeigt.

Sollen wir an diesem Bilde etwas ändern? Ich meinenein". Und dennoch zeigen sich gewisse Linien, die für die Zukunft Wege weisen sollen. Ich möchte sie in aller Stürze so zu formulieren suchen:

Gr ft en«. Bisher hatten wir vielfach ein Nebeneinander kirchlicher und freier Arbeit inner­halb unserer c "angeliscken Stirqen. Das Nebenein­ander wurde cwlegcntlid) zum Widereinander. Ich meine, dieser Zustand müßte urnaestaltet werden. Unb aid'.t nicht bloß in der Weise, die durch die

zusammenschlossen und chr Hinausdrängen über die Mauern von Münster verhinderten.

Wenn Philipp sich in der Bekämpfung aller Umsturzbewegungen von niemand übertreffen ließ, so auch nicht an Humanität und Berstöndn's für die Irrenden. Nach dem Bauernkriege hat er Un- terluchungskommifsionen ernannt, um dem Uebel auf den Grund zu kommen, und die Wiedertäufer im eigenen Lande hat er in erster Linie durch Be­lehrung zu bekehren gesucht; Strafen wurden erst gegen Rückfällige verhängt, und die Todesstrafe blieb ausgeschlossen.Es war ihm darum zu tun,* agt Walter Sohrn, einer der neuesten Darsteller einer kirchlichen Politik,als christlicher Fürst von eien Untertanen verstanden zu werden, gcw'ß eine Absicht, die diesen Augenblick der hessischen lern- torialgeschichte zu einem bedeutenden in der genü­gen Entwicklung des deutschen Territoriums über­haupt erhebt."

So war Philipp auf allen Gebieten des öftcnt- lichcn Lebens führend unb hat tiefgreifenbe Wir kungen hinterlaßen. Auf politischem w.e grilligem Gebiete war er ein Bahnbrecher für fruchtba-e Ge­bauten unb neue Möglichkeiten; mit dem hessischen hat daher das gesamte deutsche Volk Anlaß, seiner in Dankbarkeit zu gedenken.

neue Verfassung vielfach angebahnt ist, daß die freien Bereinigungen in den Synoden Einfluß auf die Beschlüsse der Kirche nehmen. Auch nicht bloß in der Form, die gleichfall-; jetzt üblich wirb, baß die freie Liebestätigkeit zu einem größeren Teil auf die Einnahmen der Landeskirche an Kirchensteuern zu­rückgreift. Condern jo, daß eine klar geord­nete Gemeinsamkeit hergestellt wird. Den freien Vereinen fall ihre freie Bewegung nicht ge­nommen werben. Wir brauchen sie als Pioniere» als leicht bewegliche Hilfstruppen. Aber Vereine unb Kirche müssen in Zukunft in ganz anberer Weise als bisher ein Ganzes b i I b c n. Durch mangelnde Verständigung unter» einander darf auch nicht das geringste Teilchen Kraft verschwendet werden.

Zweitens: Tie evangelischen Kirchen stehen etzt selbständig neben Staat unb bürgerlicher Ge­meinde. Die Gefahr, daß Staat und Gemeinden ihre Front gegen die Kirche nehmen, scheint Gott ei Dank für jetzt überwunden. Wir danken bas zum großen Teil ber einfach nicht zu verkennenden, von keinem Einsichtigen zu übersehenben praktischen Wohlfahrtsarbeit ber Kirchen. Die evangelischen Kirchen werben, sofern Staat und (Bemeinben sich dazu willig zeigen, auch mit ihnen gern Zusammen­arbeiten. In unseren verwickelten sozialen Verhält­nissen müffen sie bas um der Gesamtheit des Volkes willen tun. Sie wollen keine Winkelkirchen sein, sie wollen Dolkskirchen fein, so müssen sie a u ch k i r ch« lich neutralen Instanzen die Hand rei­chen, sofern diese nur die Mitarbeit ber Kirchen wünschen. Nicht Trennung, sonbern Gemeinsamkeit ist hierin die Losung.

Drittens: Unsere evangelischen Kirchen sind nach wie vor V o 1 k s k i r ch e n. Wohl Haven sich, z. B. in Inbustriebezirken, in großen Stabten, Hun- berttaufenbe von ihnen losgelöst. Aber das Volk steht im letzten (Brunbe immer noch zu ihnen. Wir haben noch oolkskirchliche Gemeinden. So müssen wir oolkskirchlich arbeiten. Unsere Aufgabe barf nicht fein, das noch vorhandene Volkskirchentum zu zerschlagen unb uns, wie neuere Stimmen fordern, auf einekommende Kirche" einzurichten, die dis volkskirchliche Einstellung nicht mehr kennt. Viel­mehr müssen wir das Volkskirchentum, bas wir be­sitzen, als kostbares Gut festhalten, innerlich kräf­tigen unb fördern, reinigen und stärken. Das be­deutet nicht Kapitulation vor der Masse, das bedeutet Weiterarbeit auf einem Fundament, das Gott ber Herr ben evangelischen Kirchen gegeben hat.

Viertens: Die evangelischen Kirchen wissen, baß bas Christentum in unserem Volk nicht mehr die Stellung hat, die es noch vor 100, ja noch vor 50 Jabren befafj. Sie müssen sich einrichten auf Gegensatz und Kampf. Niemand Darf es ihnen ver­denken, wenn sie ihre Positionen wahren. Die Aus- einanderfetzuntz mit den gegnerischen Welt­anschauungen ist ihr Recht und ihre Pflicht. Aber sie sollen den Kampf in Liebe führen. Ihr Ziel ist nie­mals, zu verletzen, sondern immer das, zu ge­winnen. Sie wollen dem Volke dienen, und sie werden sich, weil es auch zu einem großen Teil um die Auseinandersetzung mit kleinen Splittergrup­pen, mit phantastischen Lehren ober auch mit ab­solutem Nihilismus handelt, dabei der Unterstützung vieler erfreuen dürfen, denen das Wohl des Volkes am Herzen liegt

Fünftens: In ihrem Kampf um die Seele des Volkes müssen die evangelischen Kirchen Einfluß auf die Gesamtheit des Volkes zu behaupten suchen. Sie dürfen sich nicht scheuen, ihre Meinung zu sagen. Von der Parteipolitik müssen sie unbedingt die Hand lassen. Eine Kirche, die in Parteipolitik ver­strickt märe, grübe sich selber das Grab. Alle Klassen des Volkes sind der Kirche gleich lieb. Aber die Ver­tretung ihrer Sache in der Oeffentlichkeit ist ihre Pflicht. Ungescheut muß die Kirche ihre Meinung sagen, nach welcher Seiten hin es gelte. Und je ernster unb aufrichtiger sie bas tut, um so mehr wirb man auf ihr Wort achten Wohl wirb immer versucht werben, was sie sagte, totzuschweigen ober zu verhöhnen. Eine evangelische Kirche, die bas Evangelium verkünbigt, darf sich dadurch nicht be­irren lassen. Sie muß in aller Deffentüdjteit dem ganzen Volk gegenüber sagen, was sie zu sagen hat.

Ich breche ab. Die Linien, die ich gezeichnet habe, müssen genügen. Es sind nur ganz große Linien. Und jeder Satz, den ick geschrieben habe, gibt Anlaß zu vielen Fragen. Aver wann auch nur bas, was ich mit biesen Sätzen ausgesprochen habe, ernstlich burchbacht wirb, wenn unsere evangelischen Kirchen nach biesen Linien handeln, werden sie der neuen Zeit gewachsen fein.

menzuschließen, hat er nicht nur der neuen Lehre, sondern auch den Territorien die Möglichkeit ge­geben, sich gegen den Kaiser zu behaupten. Er hat also ganz wesentlich dazu beigetragen, daß Deutsch­lands Geschick nicht einem undeutschen, ja antibeub jenen Kaisertum, mochte es sich auch deutsch nennen, üverantwortet worden ist. Weit über seine Zeit hin­aus erstreckte sich die Bedeutung seines Wirkens. Die Zurückführung des Herzogs Ulrich von Würt­temberg in feine Heimat, die religiösen und poli­tischen Antrieben entsprang, entriß den Habsburgern Württemberg, das Karl V. unter Rechtsbruch an sein Haus gebracht hatte, und brach ihre oorwal- tenbe Macht in Svddcutschland für immer: mit wie­viel größerer Wucht hatte die Gegenreformation auftreten können, wieviel schwerer hätte Friedrich dem Großen sein Werk werden müssen, wenn Oesterreich sich auf ein von ihm beherrschtes Süd- deutfchland hätte stützen können.

Aber noch andere Widersacher der Territorien waren zu bekämpfen. Revolutionäre Kräfte erhoben sich, deutsche Kräfte zwar, aber politisch nicht weniger unfruchtbar als Karls Kaisertum. Die elften Feinde waren die R e i ch s r i 11 e r , wie die Terri­torialfürsten durch den Zerfall des Kaisertums em- porgekommen, aber ein Zerrbild des Fürstentums darstellend. Ihre Zwergländchen, die vielfach nicht aus eignen Einkünften bestehen, geschweige denn Kulturaufgaben lösen konnten, bildeten ein Hinder­nis für die geistige und materielle Entwicklung der Nation, zumal die Ritter entsprechend den überkom­menen Anschauungen ihren eigentlichen Beruf im Kriege erblickten und so grundsätzlich geordneten taatlichen Verhältnissen widerstrebten. Je mehr die größeren Fürsten auf die Durchführung des Land- riedcns, Beseitigung ber Selbsthilfe unb geregelte wirtschaftliche Beziehungen drangen, desto ungün­stiger wurde ihre Lage; jeder Friedensbrecher fand in ihren Reihen bereite Helfer. Auch Hessen hatte wäh­rend Philipps Minderjährigkeit nicht wenig von ihren Fehden zu leiden. Einen letzten gewaltsamen Ver- uch, die Entwicklung, die auf Aufsaugung dieser kleinen Gebiete durch die größeren Länder h'maus- lief, abzuwenden, stellte Cickingens Erhebung (1H23) dar. Es war eine Revolution, die, wenn sie auch nur zeitweilig Erfolg hatte, die größte Verwirrung mindestens in Süd- unb Westdeutschland hätte stiften muffen. Nimmermehr hätten die kleinen, in ewige Händel zerrissene Herrschaften ein geordnetes Staatswesen schaffen können. Unter den Fürsten, die durch energische Bekämpfung Sickingens dies Unheil abwendeten, stand ber Landgraf in vorderster Reibe: noch ehe ein kaiserliches Mandat zur Be- ftrafung des Friedensdruchs ergangen war, eilte er dem bedrohten Trier zu Hilfe und veranlaßte andere Fürsten, fick ihm anzuschließen; Seiner Energie ist es zuzuschreiben, daß nach Befreiung Triers der Kampf fortgesetzt unb durch rasche Nie­derwerfung Sickingens das Weitergreifen der Un­ordnung vermieden wurde.

Zum zweiten Male bewährte sich Philipp als Verteidiger der Ordnung im Bauernkriege. Auch die aufständischen Bauern hatten keine lebens­fähigen politischen Ideen.

Niemand wird bestreiten, daß ihre Wünsche nach Hebung ihrer wirtschaftlichen unb sozialen Lage vielfach gerechtfertigt waren, aber wenn sie beanspruchten, eine neue Drbnung im Reiche aufzu­richten, so fehlte ihnen dazu alles. Selbst die Führer der gemäßigten Odenwälder hatten keine Kenntnis von der äußeren Gestalt des Reiches, feinen inneren Verhältnissen, von den Pflichten und Rechten, die die Zugehörigkeit zu einem großen Staatswesen mit sich bringt. Insbesondere hatten sie keine Vorstel­lung von dem politischen Charakter, den das Kai­sertum in der internationalen Habsburyischen Dy­nastie angenommen hatte. So konnten sie die For­derung auf Beseitigung aller Fürsten und Wieder­herstellung der kaiserlichen Machtvollkommenheit stellen, in der Meinung, damit eine volkstümliche Politik begründen zu können. Eine größere Ver­kennung ber Tatsachen läßt sich schwerlich ersinnen. Wie bie Reichsritter befehbeten die Bauern im Ter-

das deutsche Volk geleitet werden konnte. Das deut­sche Nationalgesühl mußte sich daher dieser politi- scyen Vorstellung entgegensetzen; die Einzelstaaaten, die sich im natürlichen Selbstbehauptungstriebe nicht ihre in den letzten Jahrhunderten errungenen Be- sugnisse entreißen lassen wollten, wurden also in ihrem Widerstande gegen den Kaiser getragen von den Interessen der gesamten Nation. Und wie die Territorien mußte ber neue evangelische Glaube mit ben Gedanken Karls Zusammen­stößen, denn die Religion des Habsburgischen Welt­reichs sollte allein die katholische sein. Persönliche Ueberzeugung unb politisches Interesse wiesen Karl gebieterisch darauf hin. Territorium und evangelische Lehre waren somit natürliche Verbündete; auch unter den katholischen Fürsten hat Karl grimmige Gegner gehabt. Der Hauptführer im Kampf war Philipp. Dadurch, daß er als erster unter ben größeren Fürsten sich rückhaltlos ber neuen Lehre fjingab, vereinigten sich in ihm beibe oppositionelle Strömungen; baburaj, baß er sich sein ganzes Leben hinburch bemühte, seine Glaubensgenossen zu einer großen politisch-militärischen Organisation zusam«

ritorium gerade die Macht, die allein etwas schaffen konnte unb fetzten ihre Hoffnund auf eine ihrem nationalen, sozialen unb religiösen Denken unb Fühlen ganz fernstehende Persönlichkeit und eine schattenhaft geworbene Einrichtung, bie nur durch biefe undeutsche Persönlichkeit neues Blut unb Leben gewinnen konnte. Don den radikalen Bauern- häufen vollends, die am liebsten alles, was nicht bäuerisch war, ausgerottet gälten, zu schweiaen. Um so größer war aber die Gefahr ber Anarchie, die Deutschland bedrohte, als unter den Bauern bie radikalen Richtungen immer mehr um sich grif­fen und die gemäßigteren zurückdrängten. Wieder­um hat Philipp mit am ersten die Größe der Kri­sis erkannt. Noch ehe Hessen selbst bedroht war, schickte er dem gefährdeten Pfalzgrafen unb dem Schwäbischen Bunde Hilfe und nach'der raschen Bän­digung der Gährung im eigenen Lande beteiligte er sich an der Ueberroältigung Münsters in Thüringen, des fanatischsten aller Bauernführer. Wie in der Sickingenschen Fehde ist ihm auch hier zum guten Teil der schnelle Erfolg und die Beschränkung des Feuerherdes zu danken.

Die dritte revolutionäre Macht endlich, der Philipp entgegentrat, waren bie Wiedertäufer, in Münster, bie nicht weniger utopische, wenn auch anbere Ziele vertraten als bie Bauern unb wie biefe mit ihrem himmlischen Königreich einem all­gemeinen Umsturz zusteuerten. Die Energie Phi­lipps hat den Anstoß gegeben, daß die Nachbar- fürsten sich zum Widerstand gegen die Revolution

Vie Aufgabe der evangelischen Rüche in unserer Seit.

Don Professor D. Dr. Martin Schian, <3eneraljuperintenbenten in Breslau.

Wir sehen in das 16. unb 17. Jahrhundert hin­ein: was sah man damals als Ausgabe ber evan­gelischen Kirche an? Predigt des Wortes unb Ver­waltung der Sakramente. Alles andere überließ man zumeist den bürgerlichen Gemeinden. Man glaubte, das mit gutem Gewissen tun zu dürsen. Es gab damals kein Auseinanbergehen von bürger­licher unb kirchlicher Gemeinde Es gab überhaupt keine gesonderte kirchliche Gemeinde, sondern nur eine Gemeinde, die nach der einen Seite hin bür­gerlich, nach der anderen hin kirchlich war. Auch was die bürgerliche Gemeinde tat, war vorn kirch­lichen Geiste durchtränkt. Die Länder und Gemein­den waren konfessionell einheillich. So war die Sonderung bürgerlicher und kirchlicher Arbeit auch unter diesem Gesichtspunkte nicht notwendig: sie trat gar nicht in den Gesichtskreis der Erwägungen.

Die Zeiten änderten sich, als die konfessionelle Mischung kam, also zumindest zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Zeiten änderten sich noch stärker, als der ausgesprochen christliche Charakter des Staates wie der Gemeinden verloren ging. Die Zeiten änderten sich abermals, als mit ber Revo­lution 1918 die Trennung von Staat unb Kirche kam, als die Staaten zunächst (menigftens teilweise) kirchenfeindlich unb bartn gegenüber ben Kirchen (vielleicht auch gegenüber ben Religionen) neutral wurden. Jetzt sichen neben ben staatlichen und bür­gerlich-gemeindlichen Organisationen in voller Selb­ständigkeit die Organisationen ber Kirchen unb ber Kirchengemeinden. Diese Wandlung kann nicht ohne Einfluß auf die Erkenntnis der Aufgaben der Kirche bleiben.

Einst beschränkte sich bie Kirche auf Wort und Sakrament. Aber bie Erkenntnis ber ungeheuren sittlichen unb religiösen Notstände, die sich zumal in ben anwachsenben Stäbten einftellten, forderte eine neue Orientierung. Man begriff feit Johann Hin- rich Wichern in fteiaenbem Maße, daß bie evange­lische Kirche sich nicht auf die Predigt, und sei sie noch so geistvoll, beschränken dürfe. Die Zeit for» berte Taten. Taten ber Liebe, Taten ber Hilfe, Taten bes sozialen Verstehens.

Unb so stehen wir jetzt vor einer neuen Lage. Nur zum Teil ist sie ganz neu; zum anberen Teil sehen wir ihre Linien seit etwa 100 Jahren beutlich heraustreten. Etwa so läßt sie sich schilbern: Die evangelische Kirche will nach wie vor nichts anberes sein als bie Vertreterin bes Evangeliums im beut- fchen Volk. Aber sie faßt bie Aufgabe ber Vertre- rinq des Evangeliums jetzt viel weiter unb zugleich tiefer, als früher. Sie weiß, daß sie mit ber Ver- fünbigung im Gottesbienft längst nicht mehr bas ganze Volk erreicht. Sie weiß, daß zu ihren Abenb- mahlsfeiern nur ein (wenn auch oft noch recht be­trächtlicher) Teil ber Gemeinde kommt. Sie erkennt, daß bas geprebigte Wort nicht imftanbe ist, in un­serer lauten Zeit ben Einfluß auf bas Volksleben zu gewinnen, den bas Evangelium zu beanspruchen hat. Jnfolgebessen unternimmt sie alles, was ihr möglich ist, um biesem Wort bes Evangeliums grö­ßere Wirkung zu verschaffen. Sie sammelt bie Kin° ber zu Kinbergottesdiensten bie Jugenblichen zu Vereinigungen, in benen sie sich ber jugenblichen Psyche anpaßt. Sie bietet das Evangelium in aller» Hand freieren Formen unb bei befonberen Ver­anstaltungen. Sie ruft bie Massen, bie zu ben regel­mäßigen Gottesdiensten nicht kommen, zu groß an­gelegten Evangelisationen ober Volksmissionen. Neben bie mündliche Predigt stellt sie bas gedruckte Wort. Eine kirchliche Presse in einem Umfang, von dem man sich noch vor kurzem nichts träumen ließ, ist ernporgewacksen. Bis ins kleinste Dorf hinein bringen bie kirchlichen ©emeinbeblätter; in den gro­ßen Zeitungen sucht man der Behandlung kirchlicher Fragen Eingang zu schaffen. Neben bas Wort stellt sich die Tat. Die Tat ber Liede in ber Gemeinbe- pflege, in der Diakonissen sich ber Kranken unb ber Armen annehmen. Die Tot ber Liebe in Kranken­häusern, Waisenhäusern, C ziehungshäuseim, Krüp-

darmstäbtischen Lande. Darmstadt 1926, Selbst­verlag des Verfassers.

Friedrich, Julius, Die Entstehung der Re­formatio Ecclesiarum Hassiae von 1526. Gießen 1905, Töpekmann.

Herrmann. Fritz, Das Interim m Hessen. Marburg 1901, Elwertsche Buchhandlung.

"Herrmann, Fritz, Hessisches Reformations- büchlrin für Schule unb Haus. Marburg 1904, Elwrrtsche Buchhandlung.

Herrmann, F r i tz, Die evangelische Bewegung zu Mainz im Reformatiönszeitalter. Mainz 1907, in Kommission bei Hermann Ouafthoft.

'Herrmann, Fritz, D. Tilemann Schnabel, der Reformator der Stadt Alsseld. Alsfeld 1905, i. K. bei I. Cellarius Wwe.

Kohler, Wilhelm, Hessische Kirchenverfasiung im Zeitalter ber Reformation. Gießen 1804, von Münchow.

Philipp der Großmütige als Reichsfürst.

Von Dr. Gustav R o 1 o f f, o. Professor der Ge° schichte an der Universität Gießen.

Zwei große weltgeschichtliche Gegensätze beftim- nen bie Zeit bes Hessenfürsten, dessen Name uns heute wieder durch ein Gedenkjahr ins Gedächtnis gerufen wird: Der religiöse Zwiespalt und der damit eng verbundene Kampf ber beutfchen Teil- nächte, vornehmlich der Fürsten, gegen das Kaiser- tum. In beide Bewegungen hat der Landgraf be- itimmenb eingegriffen, so daß eine tiefere Schilde- rung dieser großen Ereignisse ohne eingehende Be­rücksichtigung seiner Perjönlichkeit nicht denkbar ist. lieber bie religiöse Angelegenheit und die Bedeu­tung, bie sie für Philipp unb Philipp für sie ge- coonnen hat, dürfen mir hier kurz hinweggehen, da sie an anderer Stelle ausführlich gewürdigt wird, aber seiner Stellung in ber anberen großen Schick­salsfrage ber deutschen Nation wollen wir einige Worte widmen.

Der Gegensatz zwischen der deutschen Zentral- gemalt, dem Kaisertum, unb ben Sonbergeroalten ist so alt wie ber deutsche Staat selbst, unb das Ergebnis ber deutschen Geschichte bes Mittelalters war. daß das Kaisertum durch eine Verkettung von zahllosen persönlichen und sachlichen Umständen am Ausgang bes Mittelalters geschlagen mar unb an Bebeutung für bas beutfche Volk gewaltig verloren hatte. Das Leben ber Deutschen mürbe in ber Zeit Philipps schon viel mehr durch die Einzelstaaten, die Territorien, als durch die Zentralgewalt be­stimmt. Kulturaufgaben konnten vom Reiche fast gar nicht wahrgenommen werden, nicht einmal den inneren Frieden, die Grundlage jeder höheren Kul­tur, konnte bas Reich fchlrmen. Es war bie Pflicht der felbftänbig gewordenen Territorien, hier unb in anberen Dingen einzutreten. Die Zukunft Dmtfch- lanbs hing davon ab, ob die Einzellänber dazu im» stände waren und ob sich aus ihrer Mitte eine neue zusammensassende Gewalt an Stelle ber Kaifer­macht erhob. Es war das zwar eine Entwicklung ber fernen Zukunft, aber wir werden gleich sehen, wie Philipps Tätigkeit auch jür sie von Wichtigkeit gewesen ist. Zunächst hat Philipp das Seinige ge­tan, um fein Land für die neuen staatlichen Auf­gaben tüchtig zu machen: er hat verhindert, daß die verschiedenen, erst fo kurze Zeit unter dem Zepter des hessischen Fürstenhauses vereinigten Lande durch lokalen und standiscyen Eyoismus auseinanberge- rissen würben, er hat sie vielmehr durch zahlreiche Neuerungen in Recht, Verwaltung unb Wirtschaft fest zusammengesaht unb Hessen ohne Zweifel zu einem ber am besten regierten beutscken ßänber erhoben. Aber vor allem ist es ihm zu danken, daß die deutschen Territorien, aus denen die deutsche Entwicklung nun einmal beruhte, sich zu behaupten und zu kräftigen vermochten.

Der um vier Jahre ältere Zeitgenosse Philipps, Kaiser Karl V., suchte, gestützt auf eine große yausmacht innerhalb unb außerhalb Deutschlanbs, das Kaisertum im alten Glanze unb seine lieber- macht über die Fürsten wieberherzustellen, freilich nicht aus Liebe zum deutschen Volke. Die Ideen, bie Ihn erfüllten, waren nicht beutsch, sondern uni­versal. Als Herr Spaniens, deutscher, italienischer unb französischer Länder träumte er von einem Weltreiche, in dem Deutschland nur ein Glied war, und dessen Politik daher nicht burch die Sorge für

DHHmmcoeMemeseueseMteeocm ___Achtung I Die Universalseife

Praktikus in der Tube! Ein vortreffliches Mittel für Haar- u. Körperpflege! Verlangen Sie nur Praktikus! Ein Versuch überzeugt! Als zweite Neuheit empfehlen wir: Cla,ro

die Scheibenpaste, verhindert jedes Beschlagen und Trübwerden von Glasscheiben, speziell Auto-, Trambahn-, Schaufensfer- und Lokomotivscheiben. 07297

Generalvertreter für Gießen und Umg.: J. Dörner, Ludwig- straße 31. Zu erreichen Telephon 1417.

Schäfer

der Friseur für Damen und Herren

Ludwigstraße 57, Ecke Liebigslraße

....__________________________ 8623 D

gCHuppEN

den

srsgsssis , pflege

gg Drucksachen Mer Art stattung fiilretn unb preiswert W W »ie brühl'schr UnioerstlStt-vruSrres, v. Lange. Siehrn, Schulz, r.

Volkshochschule.

Sonntag, den 24 Oktober, abends 8 Uhr, im großen Hörsaal der Universität Eröffnungsfeier.

VORTRAG von Professor Dr. Georg Koch über: Entstehung und Entwicklung des deutschen Volkshochschulgedankens".

Eintritt frei.

Beginn der Kurse Montag, 25. Oktober. Arbeits­pläne in allen Buchhandlungen kostenlos zu haben.

V- _

Für die anläßlich unserer Hochzeit erwiesenen zahlreichen Aufmerksamkeiten sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus

Otto Dithmar

und Frau Amalie geb. Wagner

Gießen, den 21. Oktober 1926 wwe