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Das Ergebnis der Giehener Ausstellung

es

27. Fortsetzung.

Nachdruck verboten.

und

Die Wohl

Lehrer Becker, Vorsitzender des .^>st° Gartenbanvereins, Giesten:

Sturm in Schmalebeck

Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G.m.b.H., Berlin.

her hörte, wird er das Ziel, das sie ihm gesteckt haben, nie erreichen."

Oha, das sollt' sich man erst zeigenI"

Ja, es wird sich zeigen, wenn er körperlich und geistig überanstrengt und zusammengebrochen ist. Lassen Sie sich zum Guten raten, Madam Eggers, lasten Sie Ihren Sohn ruhig in seiner Lehre und reden Sie ihm nicht den Kopf dick. Besser ein tüchtiger Handwerker, als ein ewiger Student."

Herr Pastor will das nicht? So na, denn man nichts für ungut. Halt' ich mir ja denken können. Schöne Worte vor der Gemeinde, und wenn cs darauf ankommt--" Bautz, flog die Stuben­

tür, Pastor Jessen stand ganz verdonnert und sah der aufgeregten kleinen Person nach. Das hätte er nie gedacht, daß die so rabiat werden könnte.

Ilse war ein bißchen blaß geworden, fanden die Großeltern. Sicher hattet das gute Kind entsetzlich viel Arbeit mit den Vorbereitungen zur goldenen Hochzeit. Wenn sic auch beide taten, als merkten sie nichts, sie spürten doch die Heimlichkeiten unten im Hause, und da sie frisch und gesellig waren, freuten sie sich aus ihren Ehrentag. Sogar der Propst Lilie aus Altona hatte geschrieben, daß er kommen werde, um seinen lieben, alten Amtsbruder, bei dem er einmal Kandidat gewesen, einzusegnen.

Wie ein Lauffeuer ging diese Nachricht durch ganz Schmalebeck.

Ja, der alte Herr man wußte, was man an ihm hatte.

Die Gartenbau« und Elektrizitäts« a u s ft e l l u n g ist für unsere Stadt zu einem Er­eignis geworden, das einer besonderen Rückschau wert ist. Um die Eindrücke der bei der Herrichtung der Ausstellung an hervorragender- Stelle tätigen Männer kennenzulernen, haben wir eine Umfrage veranstaltet, die zu den nachstehenden Erklärungen führte:

Beigeordneter Dr. Selb,

Vorsitzender des Volkshalle-Vereins:

Am Sonntagabend ist die Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung zu Ende gegangen. Es darf wohl gesagt werden, daß sie für die Sttrdt Gießen ein bedeutsames Ereignis war. Der D. Sy D. (Dolkshalle--Verein) kann mit Recht für sich in Anspruch nehmen, daß diese Ausstellung für ibn ein Erfolg gewesen ist. Die vor nicht ollzulanger Zeit noch ziemlich umstrittene

Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der Dolkshalle

dürfte wohl von niemanden mehr ernstlich in Frage gestellt werden. Die Halle hat sich für die verschiedenartigsten Veranstaltungen als durchaus geeignet erwiesen,- die Ausstellung hat ihr gewiß eine Reihe neuer Freunde gewonnen.

Nachdem die Ausstellung einen guten Ver­lauf genommen hat, mag nicht verschwiegen blei­ben, daß anfänglich doch auch ernste Bedenken auftauchten, ob sie nicht mit einem finanziellen Mißerfolg enden werde. Drohend standen dabei die Erfahrungen der in den letzten Jahren statt- gefundenen Veranstaltungen vor Augen. Es er­schien zweifelhaft, ob es gelingen werde, das Gießener Publikum so au interessieren, daß ein genügender Besuch der Ausstellung erfolge. 2lls oberster Grundsatz wurde daher aufgestellt, die Ausgaben, insbesondere diejenigen für Vergnü­gungen. aus das notwendigste Maß zu be- schränten. Denn es ist viel leichter, ein Programm bei gutem Geschäftsgang zu erweitern, als es einzuschränken, nachdem einmal die rechtzeitig zu treffenden Abkommen mit den Beteiligten stattgefundon haben. Aus dem gleichen Gesichts­punkte heraus wurde die Dauer der Ausstellung aus acht Tage beschränkt. Denn es war zu er­warten, daß der Besuch bei dem doch nicht allzu- großen Kreise des in Frage kommenden Pub­likums Nachlassen werde, wenn jeder einmal die Ausstellung gesehen habe. Es kann dann er­fahrungsgemäß nur durch außerordentliche, meist kostspielige Veranstaltungen neue Zugkraft ge­schaffen werden. Auch hier gilt das alte Sprich­wort:3n der Beschränkung zeigt sich der Meister."

Der Besuch der Ausstellung ergibt sich aus .folgenden Zahlen. An Eintrittskarten wurden 1532 Dauerkarten nebst Beikarten, 26 425 ein­malige _ Eintrittskarten für Erwachsene und 5071 für Kinder und Schüler ausgegeben Es war gut, daß die Halle nicht tmll- ständig durch die Ausstellung in Anspruch ge­nommen war; sonst hätten diese Menschenmassen gar nicht untergebracht werden können Das Ge-

Volkshalle mit der Straßenbahn bequem zu er­reichen ist, werden die Nachteile ihrer Lage an der Grenze der bebauten Zone offensichtlich auf- gewogen. Eine dringende Notwendigkeit ist jedoch der vollständige Innenausbau der Volkshalle. Ohre älnfertigkeit erfordert bei jeder Veranstaltung besondere Aufwendungen, um die vorhandenen Mängel zu mindern. Eine end­gültige Instandsetzung wird diese sich wieder­holenden Aufwendungen vermeidbar machen. Der Eindruck der an sich architektonisch gut wirkenden Halle wird auf die Besucher ein noch wesentlich günstigerer werden. Unbedingt notwendig sind ein geeigneter Fußboden und eine Hei­zung, um eine Verwendung der Halle auch in den Wintermonaten zu ermöglichen. Es ist ohne weiteres klar, daß die paar Sommermonate nicht dazu genügen können, um den Betrieb der Halle wirtschaftlich zu gestalten. Die auch in den Wintermonaten fortlaufenden Kosten schließen, wenn ihnen nicht Einnahmen gegenübergestellt werden, jede Wirtschaftlichkeit aus. Es ist nicht zu verkennen, daß noch erhebliche Mittel aufge­wendet werden müssen; es darf aber erwartet werden, daß sie sich bezahlt machen werden.

Nachdem einmal der Plan, die Volkshalle zu erstellen, greifbare Formen angenommen hatte, gelang es unter hoch anzuerkennender Beteili­gung der Gießener Einwohnerschaft in erstaun­lich kurzer Zeit den Bau zu finanzieren und zu erstellen. Hoffentlich wird die Halle mit der gleichen Tatkraft und dem gleichen Opfersinn bald endgültig vollendet als neues Wahrzeichen der Stadt Gießen und des Gemeinsinnes ihrer Bürger.

Direktor 5tolte,

Leiter des städt. Elektrizitätswerkes:

Es ist festzustellen, daß das Interesse an allen Gruppen der Elektrizitätsao- teilung sehr groß gewesen ist. Besonders erfreulich kam das bei den Däckereibetrie- b e n {jum Ausdruck mit dem Erfolg, daß Bäckerei- maschlnen während der Ausstellungswoche in drei Fällen verkauft wurden. Für den elektrischen Backofen bekundeten die Fachleute regste Auf­merksamkeit. Wenn hier noch keine Kaufe ge­tätigt wurden, so war hierfür in erster Linie die Frage der Bezahlung, d. h. der Kreditgewäh­rung ausschlaggebend; jedoch darf damit ge­rechnet werden, daß bei notwendigen Neuanschaf­fungen von Backöfen die Fachkreise auf den elektrischen Backofenbetrieb zurückkommen werden, denn man sagt sicherlich nicht zu viel, wenn man ihn als den Backofen der Zukunst bezeichnet. Das Elektrizitätswerk wird die Anschaffung solcher Defen durch günstige Tarifgestaltung sicherlich er­leichtern. In diesem Zusammenhang darf gesagt werden daß die um etwa 10 Prozent höheren Anschaffungskosten des elektrischen Backofens ge­genüber der bisherigen Ofenart durch die weit­gehenden Vorteile in der Handhabung und Wirt- schastlichleit des elektrischen Ofens ausgeglichen werden. Lebhaft war das Interesse der Be­sucher auch an den Metzgerei Maschinen. Hier waren ebenfalls mehrfach Verkäufe zu ver­zeichnen. Das gleiche ist von der elektrischen Heiß Wasserversorgung für land­wirtschaftliche Betriebe und von der Abteilung Holzbearbeitungsmaschr- nen, wo gleichfalls einige Käufer ihren Bedarf deckten, zu berichten. Soweit in diesen Abtei­lungen geplante Käufe j?ht noch nicht zustande tarnen, sind wertvolle Verbindungen angeknüpft worden, die natürlich sorgsam gepflegt werden und im Laufe der nächsten Zeit sicherlich auch Absatz zur Folge haben dürften. Endlich wurde auch eine elektrische Kühlanlage ab- gesetzt.

Für die elektrischen Koch» und Heizapparate bekundeten die Hausfrauen regstes Interesse; namentlich hatten es ihnen die neuen Herdkonstruktionen mit offener Heizung angetan. Auch in dieser Abteiljung sind für die nächsten Monate Käufe vorgemerkt. Dasselbe gilt von den verschiedenartigen Heizkörpern. Für Dadeeinrichtungen mit elektri- cher Warmwasserversorgung war ebenfalls ein großer Interessentenkreis vorhan­den, jedoch ließ auch hier die Geldfrage als aus- chlaggebender Faktor auf der Ausstellung noch keine Käufe zustande kommen; es sind aber man­cherlei Beziehungen geschäftlicher Art angebkhnt worden. Ein gleiches ist für alle übrigen elek­trischen Gebrauchsgegenstände zu sagen, die sicher­lich den Absatz in der Branche erhöhen werden.

dränge war dessen ungeachtet manchmal recht er­heblich. Auch für die Aussteller selbst, deren ausgezeichnete Leistungen auch hier nochmals hervorgehoben werden sollen, verlief die

Ausstellung durchweg günstig;

s oviel man hört, waren sie durchaus zufrie­den. Eine Reihe von Maschinen und Gegen­ständen wurde verkauft. Besonderer Beliebtheit erfreute sich der Däckereibetrieb und die von ihm erzeugten schmackhaften Produkte. Die Aus­stellung hat zweifellos den Ausstellern durch­weg beachtliche wirtschaftliche Vorteile gebracht, die sich teilweise erst noch nach Monaten durch Anschaffungen der Interessenten, zu denen sie durch die Ausstellung angeregt wurden, zeigen werden. Zu den Nichniehern gehört ferner die Straßenbahn, der die Ausstellung einen regen Verkehr brachte. Weiter bot sich Gelegen­heit zur Beschäftigung einer großen Anzahl von Arbeitskräften. Der ge­steigerte Verkehr in der Stadt brachte Raubet und Gewerbe Vorteile. Von den dem Publikum gebotenen Vergnügungen ist besonders das Kinderfest hervorzuheben. Mit Genugtuung konnte festgestellt werden, welche Freuden den lleinen Abcschützen und nicht zuletzt ihren Eltern bereitet worden war. Schließlich sei noch er­wähnt, daß die Ausstellungslotterie sich eines Zuspruchs erfreute, der in solchem Ausmaße nicht erwartet worden war. Die vorgesehene Zahl der Lose und dementsprechend die Gewinngegen­stände mußten um das Zweieinhalbfache ver­mehrt werden. Schon am dritten Sage der Aus- stellung waren die vorgesehenen Lose vergriffen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß in den letzten Monaten sich offenbar die wirtschaftliche ßage in Handel und Gewerbe sowie In weiten Kreisen der Verbraucher wesentlich gehoben hat. Es ist erfreulich, dies feststellen zu können.

Die Gartenbau- und Elektrizttätsausstellung sollte den Beweis erbringen, daß es auch in der jetzigen Zeit möglich ist, mit Erfolg A u s st e l l u n g e n z u v e r a n st a 11 e n; sic hat dies getan. Es ist daher damit zu rechnen, daß

in den nächsten Jahren noch größere der­artige Ausstellungen

durchaesührt werden. Gießen bildet infolge seiner günstigen Lage den gegebenen Mittelpunkt eines größeren Wirtschaftsgebiets. Es wird die Aus­gabe zu lösen sein, diese natürliche Entwickelung dadurch zu fördern, daß man den Verkehr durch geeignete Veranstaltungen hierher zieht und da- mit das wirtschaftliche Leben befruchtet. Für eine größere Ausstellung dürfte die Volkshalle nicht den genügenden Raum bieten. Es wird dazu not­wendig sein, besondere Ausstellungs­hallen für Die Dauer der Ausstellung auf dem Triebgelände zu errichten, so daß die Volks­halle selbst im wesentlichen für Restaurations- zwecke zur Verfügung steht. Dabei ist hervor- zuheben, daß die Lage der Volkshalle siir den günstigen Verlauf einer Ausstellung offenbar durchaus nicht hinderlich ist. Dadurch, daß die

über einen bereits ergangenen Schieds­spruch?

Wenn man diese polnische Hinterhältigkeit in Zusammenhang stellt mit dem gesamten Ver­halten Polens in der Verrechnungsfrage mit Deutschland, mit seinen Winkelzügen in den Ver­handlungen über einen Handelsvertrag und das Niederlassungsrecht deutscher Reichsangehöriger in Polen, wenn man sich an die Schikanen er­innert, denen die deutsche ebenso wie die jüdische und weißrussische Minderhett in Polen ausgesetzt sind, wenn man daran denkt, wie hinterlistig selbst klare Entscheidungen des Oberkommissars Ealonder über die Schulverwaltung in Ost- Oberschlesien umgangen worden sind, dann be­greift man, mit was für Gefühlen Deutschland der polnischen Tücke gegenübersteht. Solche Tücke und Hinterlist sind die Grundzüge des polnischen Charakters überhaupt. Unb deswegen wird trotz aller gleisnerischen Versprechungen polnischer Minister in Genf nie ein freundschaft­liches Verhältnis zwischen beiden Ländern möglich fein. Hoffentlich wird das in Genf so zum Ausdruck gebracht, daß kein Zweifel 'ent­stehen kann. Nur wer an Zeichen und Wunder glaubt, wird einen vollständigen Wanbek in der Haltung Polens erwarten.

Bisweilen fuhr in all die kleinen fröhlichen Proben und die vielen Beratungen ein Wind aus der großen Welt, der sagte: In Kopenhagen rechnet man von einer Woche zur anderen mit dem Ableben des Königs. In Kiel finden Versammlungen statt. Die jungen Studenten und ihre Professoren singen nichtSchleswig-Holstein meerumschlungen" nein

Ich? Ja, wie von Herzen gern. Aber ich weiß wirklich nicht, wie das gemacht werden sollte."

Das gibt fone Dinger, heißen Stipendier, was? Ich hab' es mir schon eher sagen lassen. Sind für fleißige Studenten. Sollt es jo was nicht auch für fleißige Schüler geben? Denn fleißig rft mein öiete, das kann ich woll sagen. Und laßt sich fein' Arbeit verdrießen. Was kann ich ja auch tun, ich kann immer nochne Stunde länger nähen bei Nacht, bloß, daß die alten Talglichter so teuer sind. Und denn--* sie fingerte aufgeregt an ihren Hut­

bändern,es sind doch reiche Leute in der Stadt, wenn Herr Pastor--ja, und stellt es ihnen

man richtig vor--"

Pastor Jessen wurde es schwül. Er wußte auch nur zu gut von seinem alten Amtsbruder, wie wenig Fiete für die Gelehrsamkeit geschaffen war.Das ist alles viel schwieriger, als Sie sich das denken, Ma­dam Eggers. Bon den Summen, die da zusammen- tommen müssen, haben Sie nicht die rechte Vor­stellung. Zuerst muß er doch irgendwo in Pension ober wenigstens ein Zimmer haben und Essen und Kleidung, und wenn es noch so bescheiden ist. Dann die Bücher, das Schulgeld--und bann dauert

es Jahre--

Wenn Sie und wollten man richtig, Herr Pastor."

Und vor allen Dingen, es wird ihm bitter sauer Sehen Sie, cs gibt hochbegabte Schüler und Stu­denten, die sich ihren Lebensunterhalt mit Stunden­geben an jüngere Schüler erwerben--"

Hat mein Fiele hier all bei Rottmanns getan."

3a, na ja. Aber Voraussetzung ist, daß ihnen das eigne Studium Zeit dazu läßt. Daß sie selber leicht fassen und behalten. Und ihr Fiete dürste seine Zeit dringend für sich selber nötig haben."

Aber Madam Eggers wiederholte störrisch: Wenn Sie und wollten man richtig, Herr Pastor."

'Ja, und wissen Sie denn, ob das zum Segen Ihres Sohnes ist? Denn nach allem, was ich dis­

Verschiedene elektrische Warmwasser­speicher, elektrische Heizöfen und Staub­sauger haben bereits Abnehmer gefunden.

Alles in allem ist zu sagen, daß die Aus­stellung für die Ekektrizltätsabtei- lung ill wirtschaftlicher Hinsicht mancherlei wertvollen Gewinn ge­bracht hat. Darüber hinaus ist sie auch fruchtbar geworden für eine weitere Popularisierung der Elektrizitätswirtschast, namentlich auf dem Lande. Wie sich gtzeigt hat, ist die Landbevölkerung für elektrische Koch- und Heizapparate sehr inter­essiert, jedoch nimmt sie bedauerlicherweise einst­weilen noch Abstand von Käufen, weil dem Lande der Vorzug eines billigen Stromtariss zur Zeit noch nicht zur Verfügung gestellt werden kann, da die Stadt durch eine vertragliche Bin­dung mit der Provinz einstweilen noch gehalten ift, für das Land keinen niedrigeren Taris als die provinzielle Elektrizitätsversorgung anzu­wenden. Hoffentlich gelingt es, diesen Hemm­schuh in beiderseitigem Interesse bald zu be­seitigen. Einen befriedigenden geschäftlichen Ab­schluß der Elektrizitätsabteilung kann man aus alle Fälle mit Genugtuung verzeichnen.

Gärtnereibesitzer Rud. Weber,

Vertreter der Gärtner-Bereinigung:

Als vor etwa 4 Monaten der hiesige V e r - kehrsverein an die Gartenbau­betriebe Gießens mit der Aufforderung zur Beteiligung an der gegenwärtigen Ausstel­lung herantrat, wurde diese Ausforderung zuerst mit einer hochprozentigen Skepsis ausgenommen, und das aus begreiflichen Gründen. Eine Garten­bauausstellung mit einer nur drei- bis viermona- tigen Vorbereitungsfrist ist nach gärtnerischen Begriffen eine Unmöglichkeit. Wenn der Verein der hiesigen Gärtner sich, wenn auch nach an­fänglichem Sträuben, doch entschloß, sich an der Ausstellung zu beteiligen, so war hierbei die Ansicht bestimmend, daß nur durch ein Voraugen- führen der Kinder Floras das Interesse für die Dlumenwelt und damit auch dasjenige für die Gärtnerei wachgerufen werden kann.

Daß die Ausstellung hierfür eine äußerst günssige Gelegenheit bot, zeigte sich von Tag zu Tag mehr durch die anerkennenden Worte und Fragen des besuchenden Publi­kums. Leider war es den ausstellenden Gärtnern bei der außerordentlichen räumlichen Beschränkung nicht möglich, die Erzeugnisse des Gartenbaues in wirkungsvollster Welse vor Augen zu führen, ein Mißstand, der sich ganz besonders bei der S ch n i t t b l u men - und D i n d e r e i a b t ei- l u n g bemerkbar machte, wo sich keiner der Aus­steller recht entfalten konnte. Gerade dieser Abtei­lung wäre ein mehr als doppelter Raum von­nöten gewesen, denn hier hätte sich dem Besucher noch manches Schöne und Künstlerische bieten können, was aus den angeführten Gründen unter­bleiben mutzte.

Der Erfolg der Ausstellung für öie Gartner ist wohl mehr ideeller Art, und damit ist der Gärtner schon zufrieden. In der reichen Auswahl der zur Schwa gestellten Rosen und Dahlien hat auch so mancher Besucher einiges" gefunden, das er seinem Garten zuzuführen beab- sichtigt, und sind auf diesem Gebiet einige Er­folge zu verzeichnen, doch steht zu hoffen, daß ich die Gartenbesitzer im kommenden Frühjahr der gegenwärtigen Ausstellung erinnern werden.

Nicht unerwähnt möge bleiben, daß alle in dem Führer angeführten Firmen wohl an der Ausstellung beteiligt waren, daß jedoch der Plan sowie das Arrangement in den bewährten Händen des Gärtnereibesihers Karl Becker lag.

und schließlich erforderlichen Falles ein Schieds­spruch folgen solle. Damit soll offenbar in Gens der Eindruck erweckt werden, als ob das un­schuldige Lämmlein Polen willens und bereit sei, alles menschenmögliche zu tun, um diese Frage aus der Welt zu schaffen. Das soll dann in Genf als Lockmittel benutzt werden, um Deutschlands Widerspruch au beseitigen oder als den Ausfluß gehässiger Gesinnung erscheinen zu lassen. Wenn die Leute in Gens so dumm sein sollten, auf diesen polnischen Schwindel hereinzufallen, dann hätten die Polen ihr Ziel erreicht.

Vielleicht aber betrachtet man sich die pol­nische Antwort doch ein wenig näher. Es sollen Verhandlungen zwischen Polen und den früheren Besitzern eingeleitet werden. Worüber? Viel­leicht über den Haager Schiedsspruch, der so klar und unzweideutig ist, daß nichts daran zu drehen und zu deuteln ist? Das Werk muß den Eigentümern zurückgegeben oder sein voller Wert bezahlt werden. Verhandlungen wären höchstens über die Form denkbar, in der das zu ge­schehen hätte. Was dann noch Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen für einen Zweck haben sollen, ist völlig unverständlich. Das Ge­rede von einem neuen Schiedsspruch ist eitel Blendwerk, denn was soll ein Schiedsspruch

Ich wüßte nicht."

Und die Mutter?"

Ja die die Ich dachte doch, das bildete ich mir wohl ein. Sie wurde sehr nett, so--

Weißt du, seit ich vor Weihnachten bei ihrem Hause gefallen war. Sie tat so, als fei es- etwas Auffallen­des, daß du die Kamelien schicktest. Wo es doch nur ein Dank war. Sie fing immer wieder davon an, und daß alle Leute sich darüber wunderten, und daß der Strauß viel zu kostbar gewesen fei. Ich bin ihr in der letzten Woche Immer aus dem Wege ge­gangen. Aber Niekchen Riekchen ist nicht so. Die 'st ganz natürlich und ehrlich."

Glaubst du denn, daß Riekchen ein kleines Senti­ment für dich hat?"

Der große Junge wurde rot.Es mochte so scheinen."

Und die Leute reden Wenn es dir so scheinen will, hüllest du vorsichtiger fein sollen. Ich habe immer geglaubt, du inkliniertest in das Rottmannsche Haus."

Da wurde er zur Päonie.

Herr Nilius tat, als sehe er das nicht.3a, dann mußt du sehen, die Sache zu rebreffieren. Denn durch uns darf fein junges Mädchen in ein häß­liches Gerede kommen. Ich brauche dir wohl nicht erst zu sagen, wie du das anstellen sollst."

Nein.

--Am Abend hatten sie Probe in der Post. Es war ein gewaltiges Rumoren im großen Saal, wo auf Fässern und Böcken ein Fußboden gelegt war, der die Bühne vorstellte. Kulissen hatte Eitel Bostrup gemalt, und Fiete Eggers hatte helfen müssen, die Farben mit gewaltigem Pinsel auf Wagenbretter zu streichen. Wasserfarben man konnte sie wieder abwaschen. Unter einer anderen Bedingung hatte der Postmeister sie nicht herge­geben.

Acht Kinder sollten tanzen, und vier junge Mäd­chen kamen als die Damen des Kartenspiels, wobei Ilse die Coeurdame traktierte. Sie wurden aber überfallen von dem Bären, der wieder durch den Coeurkönig verjagt wurde. Der König wurde vom jungen Lateinlehrer gemimt und trug ein Schild auf der Brust: Kandidat Rottmann, zum Zeichen, daß er den goldenen Bräutigam vergange­ner Zeit präsentierte.

(Fortsetzung folgt.)

I den Fräulein Rosens die Nähstube geleitet hätte und | kurz vor Weihnachten abgereist wäre. So eine her­gelaufene Fremde, der war es auch zuzutrauen. Ein «chmalebecker tat das nicht. Man atmete auf und beruhigte sich.

Da kam es an Herrn Nilius.

Herr Nilius, der so ungeheuer, so ganz peinlich exakt war, der so wenig auf feinem Ruf ein Stäub­chen duldete wie auf seinem Chemisett, dessen kauf­männische Ehre so unantastbar war wie seine persön­liche, Herr Nilius bekam einen ganz infamen Brief. In dem stand: Er sei ja als Ehrenmann in der Stadt bekannt gewesen, aber nun lege er darauf wohl fein Gewicht mehr. Da doch sein Herr Neveu, von ihm wie ein Sohn erzogen und gehalten, die jungen Mädchen in das Gerede bringe. Erst hätte er im Doktorhaus herurnfcharmuzicrt, dann im Pastorat, und das Mamsellchen Riekchen, das immer so täte, als könnte es die Augen nicht aufschlagen, heulte ihm nun bittere Tränen nach. Und die Frau Pastorin Hütte am letzten Sonntag früh einen Schreikrampf gehabt und würde zum Gespött in der Stadt, weil der erhoffte Schwiegersohn ihr so im letzten Augen­blick aus dem Netz gegangen fei.

Herr Nilius wurde krebsrot vor Aufregung, als er das las.

So etwas ihm! So etwas über feinen guten Georg, der gewiß nichts Unehrenhaftes getan!

Ja, aber wenn die Leute es fo auslegten?

Wenn das brave Riekchen darum ein zerbroche­nes Herz durch das Leben tragen sollte?

Er griff zum perlengestickten Klingelzug und hieß den eintretenden Diener, feinen Neffen sofort herbei- rufen.

Der kam treuherzig und eifrig aus der Brauerei herangelausen. Es kam selten vor, daß man ihn aus der Arbeit holte.

Lies!" Und er las.

Was sagst du dazu?"

Er sagte gar nichts; er starrte nur entgeistert den Onkel an.

mecTtrft bCm Wef$en ^sfen Hoffnungen er-

Hoffnungen erweckt?"

Ihr seid ja jetzt da bei euren Hochzeitsaufführungs- ad)en viel zusammen. Hast du etwas gesagt, was sie so auslegen kann, als wolltest du dich um sie be­werben r

ie sind auch durchaus geneigt, dies Schleswig-Hol- tem mit dem Schwert in der Hand gegen alle düni- chen Uebergriffe zu verteidigen.

Und Olaf Hammersmid, der doch jetzt mehr denn e daran hatte denken müssen, feine Ilse unter allen Umständen feiner Treue zu versichern, der ließ noch immer nichts von sich hören.

,. Die anonymen Briefe waren wochenlang ver- Ichwunden. Die Schrnaledecker machten untereinander ab, das wäre die Kieler Nähmawsell gewesen, die bei

Ausstellung ist zu Ende. Da erscheint , angebracht, den verflossenen Tagen eine kurze Würdigung zu widmen. Born Standpunlte des Durchschnittsbesuchers aus betra/tet spiel! natürlich die Besucherzahl und die ^oamit zu- sammenhängende Frage der Rentabilität eine große Rolle. Anders steht es mit den Aus- stellern in der Gartenbauabteilung, soweit sie dem Gewerbe angehören. Hier war Tag für Tag ein guter Besuch zu beobachten. Man betrachtete die ausgelegten Gegenstände, fand alle möglich« schöne und praktische Dinge und überlegte, wie weit der Geldbeutel dem Bedürfnis entgegen­kommen konnte.