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Nr. 221 Zweites Blatt

Das jüngste Parlament.

| Von Dr. Fritz Wertheimer.*)

3m Landtag behandelte Herr Werth, der bekanntlich von deutschen Eltern abstammt, Lehrer und begeisterter Verehrer des Afrikaans und Führer der Herzogschen Partei war und in der Zeit teiner Vorbereitung auf den Administrator­posten das vergessene Deutsch sehr gut wieder erlernt hat, sehr eingehend die U n terrichts- frage. Von 706 000 Pfund Einnahmen des Landes allein 320 000 davon stammen aus den Diamantenminen verschlingt das Unterrichts- Wesen rund ein Fünftel, über 120 000 Pfund; 35 Pfund auf ein Kind, dadurch, daß rund 13 Pfund davon auf Internatskosten entfallen. Denn 30 Proz. aller Schüler stammten von den weit zerstreuten und entlegenen Farmen und seien in Pensionaetn zu erziehen, und 70 Proz. dieser Zöglinge in Internaten könnten bei der Armut ihrer Eltern keine Gebühren bezahlen. Die Farmerschaft aber dürfe in der Erziehung ihrer Kinder den Städtern gegenüber nicht be­nachteiligt werden. Die deutsche Bevölkerung des Landes stimmt teilweise hier mit den Anschauun­gen des Administrators nicht überein. In den deutschen Privatschulen des Landes müssen ja auch Schulgeld und Pensionatsgebühren bezahlt werden. Sonst könnte sich ja das Deutschtum die Aufrechterhaltung des deutschen Schulwesens nicht leisten! Wirklich Mittellose von beidem zu be­freien, dafür treten auch die Deutschen ein, ober sie sind auch für die Heranziehung vermögender Eltern zu den Schulausgaben, namentlich bei den höheren Schulen, um zu vermeiden, daß, wie in der Union, viel zu viel junge Leute ohne Be­gabung studieren und den Markt der intellek­tuellen und der geistigen Berufe mit einem ge­fährlichen Proletariat belasten. Immerhin wies der deutsche Vertreter, Dr. Hirsekorn, darauf hin, daß die Administration den Deutschen für ihr Schulwesen nur 5 Pfund pro Schüler bezahlt, daß also die Erziehung von 600 Schülern in deutschen Privatschulen eine sehr wesentliche Ent­lastung des Etats bedeute, die einzig von der alten Bevölkerung getragen werde. Der Admini­strator seinerseits aber betonte, es würden ja auch 600 Kinder der Deutschen in Regierungs­schulen erzogen und für diese gelte also auch der Sah von 35 Pfund pro Kopf. Er konnte auch darauf verweisen, daß er für die höheren Schulen die Dreisprachigkeit durchgeführt habe, wodurch die Unterrichtsresultate sich zweifellos verbessert hätten. In der Union seien für Prüfungen nur die beiden Amtssprachen, Englisch und Afrikaans, zugelassen, er verhandele aber mit den Unions- behörden, um für Südwest durchzusetzen, daß die Abschlußprüfungen auch in deutscher Sprache ab­gelebt werden könnten. Er hoffe, daß das bald erreicht werde. Auch eine landwirtschaftliche Fach­schule solle errichtet werden. (Sympathisch berührt es übrigens, daß der Administrator auch zur - besseren Unterhaltung der nach seiner persönlichen Erfahrung vielfach verfallenen Gräber alter Pio- niere 500 Pfund in den Etat eingesetzt hat.)

In einer Viertelstunde war aber der ganze Unterrichtsetat erledigt. In der ersten Session sind dieehrenwerten Mitglieder" doch noch nicht so eingewöhnt und mit Arbeiten derartig überlastet, daß für eingehendere Debatten wenig Raum blieb. In späteren Sessionen wird das ganz anders werden. Dann wird auch die jetzige Klage des Administrators, er sei enttäuscht dar­über, daß sich nicht mehr Mitglieder an der Aus­sprache beteiligten und daß man nicht gründlicher auf die einzelnen Etatspunkie eingehe, schon schwinden.

Zwei Aussprachen grundsätzlicher Art brachten doch noch ganz rnteressanteDebatten in diesem jüngsten Parlament. Einmal vertagte sich bei einer landwirtschaftlichen Frage das Haus, weil der Administrator nicht da war und weil man in Abwesenheit derRegierung" nicht ver­handeln wolle. In der nächsten Sitzung kam der Administrator darauf zurück und sagte, Südwest habe jetzt eineExekutive", die die Regierung darstelle und keineEinrnänner"-Regierung mehr. Das Haus hätte also auch in seiner Abwesenheit tagen können, da ja der verantwortlicheDearbeiter der Referats in der Exekutive anwesend gewesen sei. Demgegenüber betonte ein deutscher Vertreter, die Exekutivmitglieder seien doch Landesrats- mitglieder, also Vertrauensleute des Landesrats in einem Beirat für den Administrator, aber

*) Vgl. Rr. 209 vom 7. September.

Aeweihe des neuenLimestumer im hessischen Taunus.

Don der Höhe des Feldbergs zieht der vom Rhein kommende römische Limes (Pfahlgraben) lauf dem Taunuskamm zur Saalburg und von dort, auch heute noch ein Grenzwall (an der hessisch-preußischen Grenze), nach dem hessischen 'Kastell Capersburg, das in den letzten Jahr­zehnten von Prof. Helmke (Gießen) gründlich erforscht wurde. Von da tritt die alte römische Anlage bald in hessisches Gebiet über, um dann bei Butzbach das Gebirge zu verlassen und auf der Main-Lahn-Wasserscheide ihrem nördlichsten Punkte bei Grüningen zuzustreben. Zwischen den größeren Kastellen Capersburg und Langenhain am Usatale liegt dicht bei dem einsttgen Blei- und Silberbergwerk Kaisergrube, unweit des Forst­hauses Winterstein, auf hessischem Boden im Rieder-Mörler Walde ein alter Limesturm. In den Karten ist er wohl immer schon als Römer­turm eingetragen gewesen, war aber nur an ganz spärlichen Resten zu erkennen. Trotz wiederholter Untersuchungen während der Tätigkeitszeit der Reichslimeskommissivn waren Form und Umfang des Turmes auf dem Gaulskopf so heißt die 400 Meter hohe Erhebung im Winterstein­gebiet, die ihres umfassenden Weitblicks wegen für eine derartige Anlage besonders geeignet war nicht genau festgestellt worden. Erst der unermüdlichen Forscherarbeit von Prof. Paul Helmke (Gießen), des Denkmalpflegers für die Bodenaltertümer in Oberhessen, ist es gelungen, das Dunkel zu lichten und durch eingehende Untersuchungen, an denen sich kein Geringerer als Geheimrat Prof. Dr. Fabricius (Frei­burg im Breisgau), der Dirigent der Reichs» limeskommissiPr, persönlich beteiligte, darzulegen, daß es sich hier um eine in unserer Gegend noch nicht festgestellte Form einer römischen Befesti­gungsanlage handelt, um einenBurgus", der leine ganz besondere militärische Bedeutung hatte

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Dienstag, 21. September 1926

nicht Verantwortliche Regierungsleute. Wäre das in der Verfassung nicht beabsichtigt gewesen, so hätten doch Beamte und nicht gewählte Landes- ratsmitglieder in die Exekutive gewählt werden müssen. Im übrigen bedeute der Vertagungs­antrag kein Mißtrauen gegen den Administrator, sondern im Gegenteil, eher ein Vertrauens­votum. Damit war dieser kleine Zwischenfall erledigt.

Etwas lebhafter ging es zu, als der deutsche Abgeordnete Müller den Antrag stellte,daß nach Ansicht dieses Hauses das Verfassungsgesetz für Südwest so geändert werden sollte, daß die deutsche Sprache eine der Amts­sprachen für Südwestasrita werd e." Das ist eine von den Deutschen bei den Wahlen allenthalben erhobene Forderung, die Herr Müller als langjähriger Bürgermeister Wind­huks, als welcher er in allen drei Sprachen ar­beiten mußte, besonders gut begründen konnte, deren technische Schwierigkeiten er aber auch eben aus dieser Tätigkeit heraus kennt und offen dar- legtc. Er fand treffliche Worte für die Be­deutung der Muttersprache, hohes Lob für die Zähigkeit der Buren in der Verteidigung dieser heiligsten Rechte und nannte die Verweigerung des Rechts der deutschen Amtssprache in der Verfassung einen letzten Ausfluß der Kriegs­psychose. Auch das Exekutivmitglied Voigts sand warme Herzenstöne für die Unterstützung dieser Ditte:Seit 40 Jahren haben wir, die deutsche Bevölkerung, das aufgebaut und ge­schaffen, was Sie hier vorfanden, als Sie hier­her kamen. Was unsere Kultur während eines Menschenalters schuf, nahmen Sie als etwas Selbstverständliches hin. Wir haben viel verloren. Gut und Blut geopfert und haben uns damit abfinden müssen. Das einzige was uns blieb, ist unsere Sprache und auch die noch zu opfern, dazu sind wir nicht bereit." Mit feierlichem Appell an die Großmut der Südafrikaner schloß sich der stellvertretende Vorsitzende des Hauses, Stauch, dem Antrag an. Demgegenüber zog sich der Sprecher der Unionisten auf die rechtliche Lage zurück, daß ein Unionsgeseh zur Aenderung der südwestafrikanischen Verfassung nötig sei. Er wolle den Antrag dahin umgeändert wissen, das Haus sei der Ansicht, daß die Zeit für eine Verfassungsänderung noch nicht gekommen sei, daß es wünschenswert sei, eine Derwaltungs- unb Unterrichtspolitik innerhalb der Grenzen der Verfassung zu verfolgen, die darauf berechnet ist, das Ideal der gleichen Behandlung für die drei Sprachen zu erreichen". Herr I o o st e be­tonte auch die Schwierigkeiten, dreisprachige Be­amte zu bekommen, wo es doch in der Union schwer sei, selbst zweisprachige Männer mit Fach­wissen in genügender Zahl zu finden. Semgegen= über betonte Herr Dr. Hirsekorn, es sei doch eine große Verwandtschaft der deutschen und afrikanischen Sprache vorhanden. 50 Prozent der Südafrikaner sei ja doch deutscher Abstammung. Viele Beamte Südwests und darunter doch auch der Allererste verständen ja schon deutsch. Der Administrator selbst bat. die Frage auf drei Jahre zu vertagen, er wolle in dieser Zeit jedem Teil der Bevölkerung das geben und zukommen lassen, was ihm auf Grund der Verfassung zustehe. In der Debatte kamen zwar an sich auch die Sympathien der Richtdeutschen für die Deutschsprachigen zum Ausdruck und man be­strebte sich allseitig, die Deutschen nicht zu ver­letzen; man war sich auch nicht ganz einig über die Rechtslage, ob das unionistische Parlament schon innerhalb der ersten drei Jahre das Gesetz der Verfassung ändern könne, was die Deutschen unbedingt bejahten. In der Abstimmung wurde der Antrag zunächst mit 9 gegen 8 Stimmen angenommen, aber sämtliche Abge­ordnete südafrikanischer Abstam­mung stimmten gegen ihn. Und das, obwohl Herr Iooste, der Führer der Rationalen Partei für Südwestafrika für sich und seine Partei zugesagt hatte, die Sprachenwünsche der Deutschen zu unterstützen, was eine Bedingung der Unter­stützung feiner Kandidatur durch die Deutschen in Gobabis war und als Voraussetzung der Zurückziehung der eigenen deutschen Kandidatur für diese Wahlkreise galt! Er hatte damals tele­graphiert:Wir sind für eine administrative und Unterrichtspolitik, die der baldigen Erreichung des Ideals, vollständiger Gleichberechtigung der drei Sprachen nebst gleichen Möglichkeiten für alle, angepatzt ist". So endete dieser Tag mit einem nicht geringen Mihklang und es ist nicht abzusehen, wie er sich in dem Verhältnis der zwei unionistischen Parteien zu den Deutschen des

und in eine Linje mit den Türmen des Oden- waldlimes zu stellen ist.

Gustav Oberlaender, ein Deutsch-Ame­rikaner, der aus freien Stücken die Mittel für die erwähnten Untersuchungen bereitgestelll hatte, zeigte lebhaftes Interesse für das überraschende Forschungsergebnis und bewies seine seltene Treue und Liebe zur alten Heimat durch Gewäh­rung weiterer Geldspenden. Die stattliche Summe hätte für den Wiederaufbau des Turmes aus­gereicht, wenn nach vielversprechendem Bauanfang nicht die Inflation gekommen wäre, die mit der Entwertung des Geldes einen Strich durch die Rechnung machte. Da von heimischen Stellen keine Hilfe zu erwarten war, schien der Dau ein Torso bleiben zu sollen. Aber Oberländer wurde Retter in der Rot. Er stellte die noch fehlenden Mittel zur Fertigstellung des Turms, etwa 8000 Mark, gern zur Verfügung. Freudig wurden in diesem Jahre die Arbeiten wieder aufgenommen und bei dem vorzüglichen Dauwetter dieses Rach- sommers so schnell gefördert, daß nun das einzig­artige Bauwerk vollendet dasteht, weit ins Land hineinschauend als ein Erinnerungsmal an längst vergangene Zeiten römischer und vaterländischer Geschichte, und als ein markanter Aussichtspunkt, der mit seinem selten schönen Blick auf Taunus, Wetterau und Vogelsberg, den Wanderer und Heimatfreund zum Besuch des an geschichtlichen Erinnerungen und landschaftlichen Schönheiten so reichen Wintersteingebietes anziehen wird.

Am Samstag trug der Turm auf dem Gauls­kopf festlichen Schmuck. Waldesgrün schlang sich um das Mauerwerk, und Flaggen in den Farben des Reiches und des Hessenlandes wehten mit dem amerikanischen Sternenbanner froh in den schönen Sommertag hinein und entboten den zahl­reichen Gästen herzlichen Willkomm. Diese waren von Dad-Rauheim aus zur Weihefeier heraufge- kommen.

Oberbaurat Haag vom Hochbauamt Fried­berg begrüßte namens der Dienststellen, die am Dau beteiligt gewesen, die Gäste, von denen wir

Landes auswirken wird. Die spätere, eingangs geschilderte einstimmige Annahme des Antrages auf Vernichtung der berüchttgten Dlaubücher in den öffentlichen Büchereien war ein kleines und auf jeden Fall kühlendes Pflaster auf diese Wunde.

Ein Puiüt wurde schließlich noch besprochen, der für weitere deutsche Kreise Interesse hat: An und für sich besteht für Einwanderer nach Südwest, sofern sie nicht aus der Union kommen (dann brauchen sie keinerlei Mittel, ja sie er­halten sogar noch Reiseunterstühung). schon lange die Vorschrift der Hinterlegung einer Garantie von 40 Pfund für die Erwachsenen und 20 oder 25 Pfund für die Kinder, zinsenlos auf zwei Jahre! Die Vorschrift war aber sehr milde ge­handhabt und auch durch irgend eine Bürgschaft eines angesehenen Einwohners oder durch die Tatsache eines abgeschlossenen Arbeitsvertrages abgegolten worden. Seit Juni wird sie aber wieder verschärft gehandhabt. Cs werden nur noch Garantien von Grundbesitzern als Ab­lösung der Bardeponierung angenommen, und das kommt in vielen Fällen natürlich einer Ab­haltung tüchtiger Europäer, insbesondere deut­scher Landwirtschaftseinwanderer gleich, die das Land zu seiner Erschließung doch bitter nötig hat. So kritisierten die deutschen Vertreter dieses System sehr lebhaft, zumal bisher noch kein einziger Fall vorgekommen ist, in welchem ein überseeischer Einwanderer die Hilfe der Re­gierung hätte in Anspruch nehmen müssen, um nach dem Mißglücken seiner Pläne in seine Heimat zurückbefördert zu werden. Bei dieser Ge­legenheit kam auch zur Sprache, daß die unio­nistische Regierung in ihrem Etat 200 000 Pfund zur Unterstützung von Ansiedlern aus der Union in Südwest ausgeworfen hat. Der Administrator erklärte, die von dorther kommenden Siedler hätten sich zu 75 Prozent ausgezeichnet bewährt. Was mit den übrigen 25 Prozent geschieht, davon sprach er allerdings nicht!

DieMeteor"-Besatzung in Windhuk.

Das deutsche ForschungsschiffMeteor" weilte in Südwestafrika, seit zwölf Jahreii, seitEber", Panther" undMöwe" Südwest besuchten, das er st e Schiff der Reichsmarine, mit Jubel und Stolz oon den Deutschen Südwestafrikas be­grüßt. Als das Schiff schon die Walfischbucht an­steuerte, erhielt es drahtlose Notsignale eines eng­lischen Frachtdampfers, der in der Conceptionbucht gestrandet war. Trotz seiner schwachen Maschinen fuhr derMeteor" sofort hin und beteiligte sich in aufopfernder Weise an dein Rettungswerk, das er erst aufgab, als feine sämtlichen Kohlenvorräte er­schöpft waren und er mit dem Rest seiner Kohlen gerade mit knapper Mühe noch Walfischbucht er­reichen konnte. Der englische Dampfer war auch von anderen später zu Hilfe eilenden Schiffen nicht mehr zu retten und mußte verlassen werden.

Aus Anlaß der Anwesenheit derMeteor"-Be- satzung in Windhuk erschien ein besonderes Fest­buch, das das ganze festliche Programm enthielt. Wir heben aus der Fülle tvr Veranstaltungen den Empfang hervor, den die in fchwarzweißrotem Flaggenschmuck prangende Stadt Windhuk in An­wesenheit fast ihrer gesamten Bevölkerung, der Vereine und Schulen, mit Musik und Fahnen am Bahnhof der Besatzung bereitete. Der Kommandant, die Offiziere und die Wissenschaftler wurden dem anwesenden Administrator, dem Oberrichter und dem Bürgermeister oorgestellt. Im Rathaus begrüßte der Bürgermeister in englischer Sprache (der Vizebürgermeister übersetzte es später ins Deutsche) die Besatzung und betonte, er wolle das Wort Freude besonders unterstreichen, da er wisse, daß die Anwesenheit derMeteors-Besatzung in Windhuk für einen großen Teil der Bevölkerung mehr bedeute, als eine Höflichkeitsbezeugung und ein lebendiges Band zur alten Heimat fei. Windhuk fei stolz, die Wissenschaftler heute hier begrüßen zu dürfen. Kapitän Spieß antwortete mit beifällig aufgenommenen Worten. Mittags gab der Ober- richter den Offizieren und Wissenschaftlern ein Frühstück, am Nachmittag sand ein wissenschaft­licher Lichtbildervortrag mit Filmvorfüh­rungen über die Arbeit desMeteor" statt. Am Abend lud der Administrator Offiziere und Wissenschaftler zum Essen und besuchte später mit seinen Gästen den Ball der Fußballoereinigung. Der zweite Tag brachte eine Besichtigung der deut­schen Schulen und dann eine Gefallenen­ehrung vor dem Reiterdenkmal, bei der Kapitän

u. a. nennen: Ministerialbirektor Dr. Kratz, Darmstadt, von der Bauabteilung des hessischen Finanzministeriums; Seine Magnifizenz den Rek­tor der Landesuniversität Prof. Dr. B ü r k e r, Gießen; Geh. Forstrat Dr. Walther, von der Forstabteilung des hessischen Ministeriums; Univ.- Prof. Dr.' Herzog, Gießen, Mitglied der Reichslimeskommission; Prof. Dr. Drexel, Frankfurt, Vertreter der Römisch - germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Insti­tuts; Landtagsabgeordneten Prof. Dr. We r ne r, Butzbach; Prof. Dr. Krausmüller, Gießen; Oberregierungsrat H o o s, Friedberg, den Ver­treter des TaunusclubsWetterau"; Studienrat Schaum, Friedberg, den Vertreter des V.H. C. Oberbaurat Haag fand herzliche Worte des Dan­kes für alle, die ihre Kraft für die gute Sache eingesetzt haben. Anerkennung zollte er seinen Mitarbeitern im Hochbauamt, vor allem Re­gierungsbaumeister Leydhecker, Friedberg, der die Pläne zum Bau entworfen, dann aber auch den Bauhandwerkern aus Friedberg und Dad- Rauheim, die seine Anordnungen zur vollen Zufriedenheit ausgeführt hätten. Desonders aber nannte der Redner Prof. Helmke, der als eigentlicher geistiger Vater des schönen Werkes während des Daues als fachmännischer Berater wertvollste Mithilfe geleistet' habe. Mit sicht­barer Freude überreichte Oberbaurat Haag an Prof. Helmke den Schlüssel zum Turm.

Prof. Helmke nahm darauf die Weihe des Turmes vor. Die Freude des Tages werde, so führte er aus, nur dadurch getrübt, daß der hoch­herzige Stifter des Werkes nicht anwesend sein könne. Mit tiefempfundenen Worten des Dantes zeichnete der Redner ein anschauliches Dild dieses seltenen Menschen. Der Redner fand aber wie Oberbaurat Haag auch nochmals dankbare An­erkennung für alle, die das Werk mit Kopf und Hand und mit viel Liebe zur guten Sache unter­stützt und gefordert haben. Der Dauabteilung und der Forstabteilung des hessischen Ministe­riums der Finanzen, dem Hochbauamt Friedberg (Oberbaurat Haag) und dem Forstamt Bad­

Spieß einen Kranz niederlcgte, und Pater Ziegen, fuß sowie Pfarrer Ebers Ansprachen hielten. Ein Gartenfest und ein Bierabend beschlossen sodann den zweiten Abend, an dem der Vorsitzende des Deutschen Vereins, Herr Meiner, sowie der Dor- sitzende des Deutschen Bundes, Dr. Brenner, herzliche Ansprachen hielten und namentlich die Schlußansprache des Kommandanten, Fregatten- kapitan Spieß, stürmischen Beifall fand, besonders an der Stelle, als der Redner sagte:Herr Ad­ministrator! Sie werden es uns deutschen Mannern nicht verdenken, wenn uns das Herz blutet bei dem Gedanken, daß dieses schöne, heiß erworbene Land nun nicht mehr unter dem starken Schutz der Hei­mat steht, daß dieses unser jüngstes afrikanisches Kolonialkind jetzt fremder Pflege anvertraut ist. Seien Sie ihm ein guter Pflegevater. Herr Admini­strator! Lassen Sie den Deutschen ihr ungebrochenes Deutschtum, es ist das Beste, was in diesen Männern und Frauen lebt: es ist das Beste, was Sie zum Aufbau und zum Gedeihen dieses Landes haben können. Lassen Sie ihnen ihre deutsche Sprache, ihre Kultur und ihre deutsche Seele, dann wird das Land in jener wunderbaren Entwicklung weiter gedeihen und blühen wie früher, und daneben werden Sie sich diese tapferen deutschen Herzen gewinnen und auf sie bauen können." Am dritten Besuchstag wurden Ausflüge auf Farmen gemacht. Den Abend beschloß ein Konzert und ein Ball und um 3 Uhr morgens erfolgte die Abreise der Gäste mit dem Zuge, wiederum in Anwesenheit fast der gesamten Bevölkerung und unter den be­geisterten Klängen des Deutschlandliedes.

Thorzow.

Vor längerer Zeit hat bas Haager Schiebsgericht in bem Streit zwischen Deutschland unb Polen um den Besitz bes großen Stickstoffwerkes in Chorzow in bem uns geraubten Teil von Oberschlesien eine Entscheidung gefällt, in der bie Enteignung bes Werkes unb Besitzergreifung durch Polen als zu Unrecht erfolgt erklärt wird. Diese Entscheidung muh als endgültig anerkannt werden, da Polen sich selbst vorher dem Schieds­spruch unterworfen hat. Im Privatleben wäre es für einen anständigen Menschen eine Selbst­verständlichkeit, einen Spruch auszuführen, der unter solchen Umständen ergangen ist. D i e Polen rührten s i ch nicht. Vor drei Mo­naten richtete bie Reichsregierung eine Rote an die polnische Regierung, in der sie um U e 6 e r = gäbe des Werkes an die rechtmäßigen Be­sitzer oder um die Auszahlung einer Entschädi­gung des gesamtes Werkes im Werte öon hun­dert Millionen Mark ersuchte. Die Polen rührten sich nicht. Wiederholte Mahnungen Deutschlands blieben fruchtlos. Run wurde damit gedroht, daß sich Deutschland abermals an das Haager Schiedsgericht mit der Ditte wenden würde, festzustellen, was für Rechts­folgen aus der Entscheidung sich für Polen ergeben. Run endlich ist eine Antwort ergangen.

In diesen Tagen findet in Genf die Neu­wahl des Rates der Dölkerbundsversamm- Tung statt, unb Polen ist dabei der Haupt­kandidat für einen der drei Sitze mit drei­jähriger Laufzeit und Wiederwählbarkeit. Dabei hat zum ersten Mal Deutschland ein Wort mitzusprechen, und wahrscheinlich hat Polen von der französischen Delegation den Wink be­kommen, sich etwas entgegenkommender gegen Deutschland zu zeigen. Die deutsche Tele- gation hat offenbar in Genf kein Hehl daraus gemacht, daß sie nicht in der Lage ist, für den polnischen Ratssih zu stimmen, da Polen sich bis­her in jeder Beziehung unb in jedem einzigen Falle als der ausgesprochendste Geg­ner Deutschlands erwiesen hat. Es wäre in der Tat beinahe politischer Selbstmord, wenn Deutschland für einen polnischen Ratssitz stim­men wollte, solange feine bindende Gewähr da­für vorhanden ist, daß in der Haltung Polens zu Deutschland ein radikaler Umschwung auf der ganzen Linie eint ritt. Die Konstellation scheint in Genf für Polen doch nicht ganz so rosig zu sein, wie sie von Frankreich und Polen selbst hingestellt wird. Infolgedessen hat man sich in Warschau endlich dazu bequemt, in der Chorzower Angelegenheit eine Antwort zu erteilen.

Wie sieht diese Antwort aus? Polen erfiärt sich großmütig zu Verhandlungen mit den eigentlichen Besitzern des Chorzower Werkes, d. h. mit der Bayerischen Stickstoffgesellschaft, bereit, denen im Falle des Scheiterns Verhand­lungen zwischen den beiderseitigen Regierungen

Rauheim (Forstrat Ohl), Pros. Herzog, Gie­ßen, dessen Rates sich Prof. Helmke öfters er­freuen durfte, der Bad- und Kurverwaltung Dad- Rauheim u. a. Stellen wurde nochmals herz­licher Dank übermittelt. Die fesselnde Weiherede machte anschaulich mit der Daugeschichte und den Zwecken bekannt, denen der alte Turm einst diente. (Wir verweisen unsere Leser auf den AufsatzDer Wiederaufbau eines Limesturmes bei Dad-Rauheim" in den Familien-Dlättern Rr. 74 vom 14. September 1926.) Der Redner schilderte die ideelle Dedeutung des jetzigen Tur­mes als eines Lehrobjektes für unsere studierende Jugend und als Aussichtspunktes inmitten einer reizvollen Heimatlandschaft. Die Ansprache klang aus in den feinsinnigen Weihespruch, der den neuen Limesturm als ein Denkmal der Dank­barkeit des Mannes, der feiner Heimat gern ge­dacht, als ein Denkmal der deutschen Baukunst und als ein Denkmal der deutschen archäologi­schen Wissenschaft pries. Mit lebhaftem Inter­esse wurde das Telegramm ausgenommen, das Geheimrat Prof. Dr. Fabricius, der zur Zeit in Weißenburg in Dayem am rätischcn Limes weilt, zur Feier entsandt hat, und das den folgenden Wortlaut hat:

Burgum limitis Germanici feliciter explicitum dedicantibus salutem. Ernestus Fabricius castris Biricianis limitis Raetiae.

Prof. Helmke öffnete die wuchtige Tür, und die Gäste hatten nun Gelegenheit, das Bau­werk unter sachkundiger Führung eingehend zu besichtigen und sich von der Gediegenheit der Ausführung zu überzeugen, wie auch von dem einzig schonen Blick in die weite Umgebung. Eine Mittagstafel im gastlichen Forsthaus Winterstein beschloß dann die eindrucksvolle Fci r Prof. Herzog, Gießen, nahm in einem Schluß- wort, das den Dank der Gäste zum Ausdruck brachte, nochmals Gelegenheit, aus reicher Er­fahrung heraus von der Bedeutung des Turmes zu sprechen, der stets ein Mahner zur Einigkeit sein möge. -d.