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Fragen des Diskussionsentwurfs zu beraten und ihn an die militärische unb die wirtschaftliche Kommission zu überweisen. Dann wird die Konferenz die Vor­schläge zu genehmigen haben und sie definitiv den beiden technischen Kommissionen überweisen, die dann sofort mit ihrer Detailarbeit beginnen. Inzwi­schen wird die öffentliche Vollsitzung der Konferenz vielleicht während einiger Wochen ausgesetzt bleiben, jedoch rechnet man nicht mit einer Vertagung der Konferenz.

Ein deutscher Schritt in der Besatzuntzsfrage?

Berlin, 21.IHal. (Wolff.) Line demokratische Korrespondenz will wissen, dah die Reichsregierung eine Demarche in der Besahungsfrage vorbereile, die voraussichtlich kur; nach p f i n g st e n er­folgen soll, und deren Grund darin liegen dürfte, dah der Abgang von Truppen aus der zweiten und dritten B c s a h u n g s; 0 n c immer noch geringer ist, als der Zustrom der Truppen aus der ersten Zone.

Der Umsturz in Polen.

Die Einberufung der National­versammlung.

Paris, 2L Mai. (WLB.-Fulckspruch.) Der Sonderberichterstatter des Echo de Paris hat vom Generalstabschef Pilsudskis ift Warschau fol­gende Erklärung erhalten: Pilsudski hat nur eine militärische Kundgebung unter­nehmen wollen. Die unvorhergesehene Wider­stand der Regierungstruppen rief die blutigen Kampfe hervor. Pilsudski hatte die Absicht, die frühere Regierung zu vertreiben, denn er war der Ansicht, dah unehrenhafte Leute die Macht in Händen hätten. Die Gene­räle der Garnison Warschau waren zum Teil ebenfalls korrumpiert. Auf die Frage, warum Pilsudski nicht die Diktatur beibehal­ten habe, erklärte er, das verstehe er selbst nicht. 3m übrigen sei es möglich, dah Pilsudski trotz seiner Absicht, die verfassungsmähige Ord­nung aufrecht zu erhalten, das Parlament auf lösen werde. Der polnische Innen­minister hat dem Vertreter der Havas-Aaen- tur erklärt, die Regierung habe die Möglichkeit der Ausrufung einer Diktatur ausgeschlos- f e n. Auf die Frage, ob nicht eine Opposition zwischen der Regierung und dem von der Ratio­nalversammlung zu wählenden Präsidenten mög­lich sein werde, da die Mehrheit der Ra» ti onalversammlung dem rechtenFlü- g e l angehöre, erklärte der Minister, das sei unwahrscheinlich, denn die Wahl des Präsidenten werde das Ergebnis eines Kompro­misses fein. Außerdem werde das Parlament zweifellos nach der Wahl feine Auflösung beschließen

Die Ration al Versammlung tritt am 29. Mai in Warschau zusammen Die Links­parteien verhandeln gegenwärtig mit den Mi­noritäten über die Teilnahme an der Staats- Präsidentenwahl. Das Programm der Linkspar­teien. die geschlossen für Pilsudski stimmen werden, ist folgendes: Wahl Pilsudskis zum Staatspräsidenten, Erweiterung der KompeteMn des Staatspräsidenten, Auflösung der beiden Kammern und Ausschreibung von Reu­wahlen. Als Kandidaten für den Staatspräsi­denten werden heute in politischen Kreisen fol­gende Persönli<Ueiten genannt: Pilsudski, Rataj, Skrzynski, Paderewski und Kuchaczewski. Rataj erklärte heute, dah er unter keinen Bedingungen die Wahl annehmen würde. Eine ähnliche Er­kürung bat Pilsudski abgegeben. Die Zentrums- . Partei, die Christlich-Demokraten. die Piastpartei mnd die Rationale Arbeiterpartei haben bis l jetzt noch keinen Kandidaten für die Staats- präsideirtschastswahl aufgestellt. Die deutsche F Fraktion des oberschlesischen Sejm hat einen Aufruf erlassen, in dem alle Deutschen in Ober- '' schlesien zur Loyalität für die Regierung Bartel und die provisorische Präsidentschaft Rataj auf­gefordert werden.

SchutzbundLagung in Ober­schlesien.

Glatz, 20.Mai. (TU.) Die Teilnehmer an der 7. Schutzbund tag ung trafen festlick) begrüßt in Glatz ein. Um 4 Uhr fand die erste Vollversammlung der diesjährigen Tagung statt. Ministerialdirektor Dr. Götz begrüßte die Erschienenen, unter denen sich zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsregie^ rung befinden. Dann folgte der erste wissenschaftliche Vortrag des Hallenser Professors der Nationalöko­nomie,'M. A u b i n, der die Frage der d e u t s ch e n Siedlung in Vergangenheit und Gegenwart in allen Einzelheiten behandelte.

Wir müssen unser eigenes Haus schützen. Dazu brauchen wir eine neue großzügige deutsche Bauernsiedlung. Man soll nichts gegen den Großgrundbesitz sagen, aber wir dürfen auch die Ge­fahren des Großgrundbesitzers nicht unterschätzen. Wir müssen für die Siedlung gute Führer haben, aber auch starke Bauernbataillone. Das Reichssied­lungsgesetz kann hierzu das Mittel sein, wenn die finanzielle Not und der vielfach vorhandene ver- steckte Widerstand gegen die Siedlung endlich beseitigt sind. Nur durch unsere eigene Kraft schaffen wir dem historischen Recht auf deutschen Boden im Osten Gel­tung und deshalb muß die Forderung heißen: Das deutsche Bauernland. Diesem Vortrag folgte ein wei­teres Referat von Geheimrat Volz überGroß- Schlesiens Raum und seine Gefahrenlage". Mit ein- dringlicher Deutlichkeit kam in dem Vortrag zum Ausdruck, daß das Sudetengebiet und feine Ausläufer keine Grenze deutscher Siedlung darstellen, sondern vielmehr durch seine zahlreichen Gebirge und Ge­birgspässe ein Verbindungsnetz engster deutscher Siedlung bilden, so daß die politische Grenze keine natürlichen Gründe für sich in Anspruch nehmen kann.

Das Urteil im Iglauer Hoch- verratsprozetz.

Prag, 20. Mai C$11.) Das Urteil im Jglauer Hochverratsprozeß, von dem wir gestern näheres berichteten, isst nunmehr gefällt worden. Göth wurde des Vergehens nach dem Schuhgesetz für schuldig befunden und zu einem Monat strengen Arrest mit Bewährungsfrist für zwei Jahre verurteilt. 3n der Begründung Les Urteils heißt es, das Gericht sei zu der lieber* zeugung gekommen, Göth habe die irreden-- tistische Einstellung und die umstürz­lerische Tätigkeit des Vereins für daS Deutschtum im Ausland gekannt und trotzdem für sie gearbeitet. Bei den übrigen An­geklagten konnte das Gericht diese Aeberzeugu:rg nicht gewinnen.

Die hausMsteuer in Preußen.

Aus dem Hauptausschuft des Landtags

Berlin, 20. Mai. Der Hauptausschuh des preußischen Landtags beriet am Donnerstag den Antrag der Regierungsparteien, der in Preußen vom i. 3uli 1926 ab die Erh öhung der Hauszins st euer auf 40 Prozent der Friede ns miete und der Erhöhung der Mieten an f id> auf 100 Prozent vor­sieht. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff teilt mit, daß das Gesarntaufkommen aus der Hausziussteuer im Fahre 1925 785 Millionen Mark betragen habe. Bei der am 1. April ein­getretenen Erhöhung habe man mit mehr als 800 Millionen Mark gerechnet. Die wirtschaftliche Rotlage erfordere aber viele Riederschlagungen. Die Ausfälle seien sehr hoch, immerhin könne man für dieses Jahr mit einer Einnahme von 850 bis 860 Millionen rechnen. Die außer­ordentlich hohen Aufwendungen für die Er­werbslosen belasten Preußen ungeheuer. Es hätten allein die Mittel für die produktive Er­werbslosenfürsorge von 25 auf 165 Millionen erhöht werden müssen. Auch die Polizei er­fordere 16 Millionen Mehrausgaben. Die Staats­regierung müsse daher unbedingt auf der Erhöhung der Haus zins steuer am 1. 3 ult bestehen. Der Finanzminister hebt hervor, die so­zialen Belange werden besser aus dem Gesetz ganz herausgelassen, und es würde wieder der ursprüngliche Plan durchgeführt, wonach die so­genannten Bezirksfürsorgeverbände die wirt­schaftlich schwachen Mieter mit llirterstützungen zur Aufbringung der Miete unterstützen sollen. Abg. Meyer-Solingen (Soz.) betont, daß die leerstehenden Wohnungen zum Teil auf die übertriebenen Mietsforderungen zuriictzu- führen feien. 2lbg. Stendel (D. V. P.) ist der Ansicht, die Einfamilienhäuser müßten steuer­lich entlastet werden, ebenso die gewerblich be­nutzten Räume. Abg. Hoff (Dem.) erklärte, daß seine Fraktion sich bei der Abstimmung über den Eintrag, auch die Landwirtschaft in die Hauszinssteuer einzufügen, der Stimme enthalten würde.

3n der Abstimmung wurde die von sozial­demokratischer Seite beantragte Einbezie­hung der Landwirtschaft in die Haus­zinssteuerpflicht mit 16 gegen 11 Stimmen, bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Für Ein­familienhäuser von nicht mehr als 90 qm Wohnfläche, die bis zum 1. 3uli 1918 bezugs­fertig waren, kann Steuerbefreiung aus­gesprochen werden. Auch eine staffelweise Er­mäßigung ist vorgesehen. Der Finanzminister ist verpflichtet, die Hauszinssteuer zu erlassen oder zu erstatten, wenn ihre Einziehung nach Lage der Sache unbillig wäre. Ferner tritt Stundung und Riederschlagung ein, sofern So­zialrentner, Kleinrentner. Kriegsbeschädigte usw. Mieter sind, die die volle gesetzliche Miete nicht zahlen können. Hierbei wird auch an die kinder­reichen Familien erinnert. Mit großer Mehrheit wurde beschlossen, daß die Gemeinden vom 1. 3uli 1926 ab Zuschläge zur Hauszinssteuer nicht mehr erheben dürfen. Das Gesetz wurde auf den 31. März 1928 begrenzt. Der zur Förderung der Bautätigkeit bestimmte Teil der Haus­zinssteuer soll zu 8/io dem Lande zu 7/l0 den Kreisen zufallen. Don den ®ef amt au frommen ent­fällt für Bauzwecke und für den allgemeinen Finanzbedarf je die Hälfte.

Damit ist die Vorlage in der Ausschuhbera­tung erledigt.

Der demokratische Partei­vorstand zum Volksentscheid.

Berlin, 20. Mai. (TU.) Der Vorstand der Deutschen Demokratischen Par­tei hat mit allen gegen zwei Stimmen zur Frage des Volksentscheides über die Fürsten­enteignung eine Entschließung angenommen, in der darauf hingewiesen wird, dah sich die Partei wie bisher auch weiter um eine gerechte Rege­lung der Frage bemühen werde. Einer ent- schädigungslosen Enteignung könne die Partei jedoch nicht die Hand bieten, da sie das Privat­eigentum als die Grundlage jeder produktiven Wirtschaftsform betrachte und als eine durch die Verfassung gewährleistete Einrichtung anerkenne. Bei dieser durch eine unglückliche Fragestellung verwirrten Sachlage lehne die Partei es ab, eine Parole auszugeben. Sie muß jedem einzelnen ihrer Wähler überlassen, sich nach gewissenhafter Prüfung zu entscheiden. Die Parteileitung erwarte, dah auch die Partei­organisationen die Gewissensfreiheit ihrer Mit­glieder durch keinerlei Beschlüsse beeinträchtigen.

Die Aoitenmerierei 1917 vor dem Untersuchungsausschuß.

Die Entgegnung Dittmanns.

Berlin, 20. Mai. (DDZ.) Der Reichstags- ausschuß zur Erforschung der Ursachen des Zu­sammenbruchs setzte heute vormittag seine Ver­handlungen fort Abg. Di11mann (S.) führte aus: Der Abg. Brüninghaus geht nirgends auf das Wesen der Dinge ein. Er versucht durch breite Erörterungen von nebensächlichen Dingen vom Kern abzulenken und eine Wolke zu er­zeugen, In der niemand mehr klar sehen kann. Zu­nächst stelle ich mit Befriedigung fest, daß Abg. Brüninghaus an meiner Darsbrilung über die Schiffsunruhen kein einziges Wort ausgesetzt hat Auch meine Darstellung, wie sich die Dinge in Stockholm abgespielt haben, ist von dem Abg. Drüninghaus nicht bestritten worden. Zn die sogenannte Ziethen-Liste haben sich viele Leute eingetragen, die der sozialdemokra­tischen Partei angehören wollten. Es fehlten nur 12 Romen mit Angaben der Per­sonalien auf den Listen, während bei der Stock­holmer Liste Hunderte von Romen ohne nähere Angaben stehen. Dort banbelte es sich eben um Sympathiekundgebungen für den an« nektivnslosen Frieden. Einige Listen smd auch an die Zentrale der 11SP. gegangen. Der Abg. Brüninghaus geht einfach vorbei an meiner Feststellung, daß gerade von den obersten Kommandobehörden die Parieigegensätze in die Marine getragen worden sind, die sich geweigert haben, damit aufzuhören, als sie vom Staatssekretär der Marine aufgefordert wurden. Die Mannschaften haben sich dagegen aufge­bäumt, dah sie das Elend noch jahrelang tragen sollten nur wegen der alldeutschen Eroberungs- ziele. Von dem erschossenen Reich pietsch hat Abg. Brüninghaus gesagt, er habe viele Vor­strafen gehabt. Reichpietsch war Bursche bei einem

Leutnant. Als er eines Sonntags ausgehen wollte, zog er sich die w tiefe! seines Leut­nants an, legte dessen Armbanduhr an und ging so spazieren. Sein Leutnant schnappte! ihn und ließ ihn vor ein Kriegsgericht stelle». Dort wurde Reichpietsch wegen militärischen Dieb­stahls zu fünf 'Monaten verurteilt. Reichpietsch wurde in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt. Tatsächlich haben die ORatcofen niemals einen Frieden, um don Preis einer Riederlage, einen Frieden, der von' den Engländern diktiert werden könnte, gewollt. Sie wollten einen Frieden ohne Annektionen und Kontributionen. Admiral Scheer habe selbst zugegeben, daß er zwei der Todesurteile für nicht berechtigt halte, aber sie doch bestätigte, weil einmal durchgegriffen werben müßte.

Abg, Dittmann geht dann ein auf das vor­liegende Aktenmaterial: 47 Schisfsakten, 13 Akten des Reichsmarineamtes und 14 Akten des Ober­reichsanwaltes. 3n den letzteren seien alle Be­schuldigungen gegen die 11. S. P. sorgfältig zu- sammengetragen und diese letzteren Akten habe der Abg. Brüninghaus überhaupt nicht ange­sehen (hört! Höri! links). Daraus ergebe sich ein ganz anderes Bild als aus den Unter» suchungsatten. Der Abg. Dittmann verliest Be­schwerden einzelner Mannschaften, wonach von den Offizieren Feste gefeiert wurden. Erst als die Mannschaften wegen des schlechten Essens einmal den Dienst verweigerten, sei es besser geworden. Dah damals eine Seeschlacht mit Eng­land keine Siegesaussichten für die weit schwä­chere Flotte bot, ist von den verschiedensten Ma­rinefachleuten zugegeben worden, auch von Ad­miral Scheer, der sich damals selbst widersprochen hat. Die Mohrenwäsche des Abg. BrüninghauL an dem Admiral ist mißglückt. bleibt bei der Rebellion der Admirale, es bleibt dabei, dah die Heizer und Matrosen sich gegen diese Re­bellion der Admirale und nur gegen sie gewandt haben, und daß sie nicht daran gedacht haben, irgendwie die Verteidigung des eigenen Landes lahmzulegeü.

3n einer persönlichen Bemerkung weist Abg. Brüning Haus die Auffassung zurück, daß er den größten Teil der Akten gar nicht durchge­arbeitet habe. Hierauf wird die öffentliche Sitzung geschlossen.

Aus aller Welt.

Die ExpwfionskaLastrophe in Hatzloch.

Wertheim. 21. Blai. (Wolff.) Wie wir schon in einem Teil unserer gestrigen Auflage mitteillen, ist die Pulverfabrik Haßloch, einem bayerischen Ort dicht bei Wertheim am Main, durch ein furchtbares Explosionsunglück iji die Luft geflogen. Ls find bis­her neun Tote geborgen, darunter vier Arbeite- rinnen, mehr als dreißig Schwerverletzte befinden sich im Wertheimer Krankenhaus. Die ganze Fabrik ist vernichtet und zum Teil die um­liegenden Häuser stark beschädigt. An der Erplofions- stelle befindet sich ein riesiger Trichter.

Die Explosion war von solcher Wucht, daß nicht nur in Haßloch, sondern auchindenumliegen- den Orten die Dächer abgedeckt und fast samt- liche Fensterscheiben Zerstört wurden. Selbst in Wertheim wurden Türen und Fenster aufgerisien und verschiedene Gebäude beschädigt. Der in der der Röhe der Fabrik liegende Walb wurde bis zu halber Bergeshöhe vollkommen umgelegt. Lastautos mit Rettungsmannschaften und Aerzten waren so­fort zur ersten Hilfeleistung an der Angluckssielle er­schienen. wo sich herzzerreißende Szenen abspietten. Der Herd der Explosion soll in einem Fabri- kationsraum gelegen haben, in welchem hauptsächlich 3agbpafronen angefertigt wurden. Bon dort aus habe sich das Feuer dann mit ungeheurer Schnelligkeil nach allen Seilen hin ausgebceitet. Rach einer Mitteilung der Direktion der Pulverfabrik wird angenommen, dah lagerndes Pulver sich selbst entzündet hat.

Der Wiesbadener Raubmord.

Der Wiesbadener Raubmörder foimte bis jetzt noch nicht ergriffen werden. Rach den Fest- fteEIungen der Kriminalpolizei paßt jedoch die Beschreibung des Täters auf den wegen etwa 100 verschiedener Einbruchs- und Einsteigedieb­stähle gesuchten 23 Jahre allen tschechischen Staatsangehörigen Johann Eremias, der sich längere Zeit im Reichsgebiete aufgehalten hat. Gremias spricht fließend deutsch und tschechisch und ist bekannt alshervorragender" Fassa­denkletterer, der sich mit LeichtiAeit an Blitzableitern, Gesimsen und Dachrinnen entlang bewegt und auf diese Art in die Wohngebäude eindringt. Auch hat er dabei schon vielfach weibliche Personen vergewaltigt.

Die Revision des Grans verworfen.

Der Strafsenat des Reichsgerichts verwarf die Revision des Hans Grans aus Hannover, der als Komplize des Massenmörders Haarmann seinerzeit im Haarmannprozeh mit angeflagt und schließlich vom Schwurgericht Hannover am 19. Januar 1926 wegen Beihilfe zum Mord in zwei Fällen zu zwölf Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Poli­zeiaufsicht verurteilt worden war.

Selbstmord im Eisenbahnzuge.

3tV einem Abteil 3. Klasse des Personenzuaes Hannover Kassel schoß sich kurz vor der Einfahrt in die Station Brüggen ein junger Mann aus Hannover mit einem Revolver in die linke Schläfe. Die Kugel blieb im Kopfe stecken. Der junge Monn, der nicht sofort tot war, wurde nach dem Aleselder Krankenhaus verbracht. Kurz darauf starb er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Das Motiv zur Tat ist unbekannt.

Schweres Unwetter im Staate Illinois.

Rach einer Havasrneldung aus Chicago ist der Staat Illinois von einem schweren Sturm­wetter heimgesucht worden, bei dem der ameri­kanische Flieger Patrick, der zum ersten Male im Jahre 1920 den Flug von Reuhork nach Rome unternahm, getötet wurde. Biele Gebäude wurden durch den Orkan zerstört, der besonders in denVorstaatenvon Chicago große Verwüstungen anrichtete. Telegraphen- und Fernsprechleitungen haben stark gelitten. Der Sturm war von starken Hagelschauern begleitet, die auf den Feldern große Verwüstungen am richteten.

Wettervoraussage.

Mrdliche bis östliche Winde, wolkig mit Auf­heiterung bei zeitweise etwas verstärkter Luftbewe­gung, tagsüber warm, trocken, höchstens lokale Ge­witterneigung.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 18,2 Grad Celsius, Minimum 5,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 8 Grad Celsius.

Aus der ProvinMlhauptstadt.

Gießen, den 21. Mai 1926. .

gum Blumenschmuck - Wetrherverd.

Für die betten Leistungen im Blumen- schmuck an Häusern und in Vorgärten! wird der hiesige Verkehrsverein in diesem Jahre eine erhöhte Anzahl, zum Teil wertvoller Preise zur Verfügung stellen. Ferner soll durch wiederholte fachmännische Beurteilung gegen Ende Juni und im August dafür gesorgt werden, daß jeder Blumenschmuck, der dazu beiträgt, das Straßenbild zu verschönen. in seiner besten Ent­wicklung besichtigt wird. Es wird nun Sache der Einwohnerschaft sein, die gemeürnützigen Bestre­bungen des Verkehrsvereins zu fördern.

Um Mißgriffe bei der ^Pflanzung zu ver­meiden, seien einige, aus der Praxis sich er­gebende Winke hier mitgeleUt. Blumenschmuck, der öffentlich wirken soll, erfüllt nur dann seinen Zweck, wenn er in der Farbe gewählt, und in der Entwicklung Fülle unb üppiges Gedeihen zeigt. Zwei Farbentöne in einer Zusammenstellung sollte die Regel fein, wobei auf die nächste Um­gebung Rücksicht zu nehmen ist ~ _

Pflanzen in engen Töpfen, besonders dann, weim diese der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, leiden häufig an Wasser- und Rahrungsmangel. Am besten sind Kästen von 13 bis 15 Zentimeter lichter Weite und Tiefe, bei beliebiger Länge.

Eine Verbesserung der leicht faulenden Holz« kästen sind solche aus gebranntem Ton. Da sie im Gebrauch keine Abnutzung erleiden und bei vernünftiger Handhabung unverwüstlich sind, wäre zu wünschen, dah ihre Einführung auch bei uns bald allgemein würde, denn in der Mehr­zahl der Fälle unterbleibt Fenster- und Ballon- schmuck nur deshalb, weil die Kästen verbraucht oder nicht in Ordnung sind. Beispielsweise sei erwähnt, dah von den 186 Blumenkästen aus Ton, welche die Badeverwaltung Ems für das dortige Kurhaus im Jahre 1912 anschaffte, bl« jetzt nur zwei erseht zu werden brauchten. Da­durch, dah Tonkasten eine unbegrenzte Dauer besitzen, stellen sie sich wohlfeiler als solche au8 irgendeinem anderen Material.

Als Erde verwende man nur gut abgelagerte Kompost- oder Mistbeeterde. Mit der Beigabe an fünft[kbem Dünger sei man vorsichtig. Ein Eßlöffel für einen Kasten von Meterlänge ist reichlich. Dafür dünge man später um fo fleißi­ger, sobald die Pflanzen ins Wachsen kommen, und zwar allwöchentlich in flüssiger Form. 3e mehr Blätter die Pflanzen besitzen und je schnel­ler sie sich entwickeln, um so mehr Dünger können sie vertragen.

Die dankbarsten Pflanzen sind Geranien für sonnige, und Fuchsien für schattige Lagen. Da­neben sind als reicholühend zu empfehlen Pe­tunien, sofern man ihnen viel Rührung geben kann und die Lage nicht allzu windig ist 3*n engen Gefäßen und bei Wassermangel werden sie bald durstig und lassen nach im Blühen. Auch Dlumenkresfe, einjährige Flammenblumen, Win­den, Cobaca scandens, derstarke Gottlieb- ge­nannt, und japanischer Hopfen lind bewährte Gewächse für diese Zwecke.

Man vermeide es. sich Pflanzmaterial von auswärts kommen zu lassen. 3c verlockender ein Angebot erscheint, um so herber in der Regel die Enttäuschung. Die hiesigen Gärtnereien bieten eine reiche Auswahl zu Preisen, die es jedem ermögllchen, daL seine dazu beizutragen, daß unsere Universitätsstadt im Sommer in einem reichen Blumenflor erscheint. R.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. G. D. 21.: 8 Uhr Hop selb Monatsversammlung. Allgem. Ortskrankenkasse Giehen-Stadt: 8Vj Uhr Postkeller Ausschuh-Sitzung.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei nochmals darauf hingewiesen, dah die Kartenausgabe für da« erste Sommergastspiel, das am Dienstag, 25. Mai. mit Hans SturmsDer Irrgarten der, Liebe" vor sich geht, am Samstag. 22. d. M., von 10 bis 1 Mr, an den beiden Feiertage^ jewells von 11 bis 121/2 Mr und am Dienstag zu den gewöhnlichen Kassenstunden flatijtnbet. Ilm den Inhabern von SommerabonnementS möglichst zeitige Dispositionen zu ermöglichen, fei schon heute darauf hingewiesen, dah die bei­den nächsten, im Iuni zur Aufführung gelangen­den Stücke ebenfalls Reuheiten sind, närnlich das LustspielDie Wette" von Karl Sloboda und der Schwank »Die Dame, welche von Leo Kastner und Alfred Möller: letzterer ist der Mitverfasser des auch hier beftbetaraiten Lustspiels yMeine Frau die Hosschauspielerin".

Der Zirkus Geschw. Birteneber trifft mit einem Sonderzug morgen in den Vor­mittagsstunden hier ein. Die Eröffnungsvorstellung findet morgen abend 8 Uhr statt. Das Gastspiel ist nur auf vier Tage festgesetzt. Eintrittskarten sind ab Samstag in dem aus der Anzeige ersichtlichen Vor­verkauf zu haben. Man beachte die Anzeige.

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* Unsere Garnison ist nach mehr­wöchiger Abwesenheit auf dem Truppenübungs­platz Grafenwöhr gestern abend in zwei Trans­porten fahrplanmäßig um 6,15 bzw. 6,45 Uhr hier wieder eingetroffen. Gegen 71/, Mr mar­schierte die Truppe unter klingendem Spiel vom Bahnhof ab. Bei ihrem Einmarsch in die Stadt wurden die Kompagnien, wie immer, von einer großen Menschenmenge begrüßt und bis zur Kaserne begleitet.

** Pfingstfahrt nach Hirschberg. Auf Einladung des Vereins für das Deutschtum im Aus­lande, der an den Pfingsttagen in Hirschberg in Schlesien seine diesjährige Tagung abhält, 'sind gestern aus zahlreichen Orten Westdeutschlands Schüler und Schülerinnen zu einer Jugend-Zusam­menkunft in Hirschberg abgereist. Don hier aus treten etwa 150 Schüler und Schülerinnen in Be­gleitung von Lehrpersonen die Fahrt nach dem Riesengebirge an; ihre Abreise erfolgte gestern nach­mittag 3.38 Uhr nach Frankfurt a. M. Von dort aus ging gestern abend 7 Uhr ein Sonderzug ab, der die Frankfurter, oberhessischen, rheinhessischen, pfäl­zischen usw. Teilnehmer enthielt. Die Ankunft in Huschbera soll heute abend erfolgen.

" Flug tag in Gießen. Wie wir hören, wird voraussichtlich am 6. 3uni von der Flug­wesen G. m b. H.-Berltn in unserer Stadt ein Flugtag veranstaltet werden. Die Flugwesen G. m. b. H. ist ein größeres Flieger-Unternehmen, dem umfangreiche fliegerisch: Mittel zur Ver­fügung stehen. 3m vorigen Jahre hat das Unter­nehmen in größeren Städten, insbesondere in

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