Gießener Anzeiger iGettLml-An.^iger für Oberhessen)
Nr. 17 Drittes Blatt
Donnerstag. 2b Januar 1926
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2. Division Stettin) Schleswig-Holstein,
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am 7. Dezember 1912
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Wehrkreis 4 (Stab der 4. Division Dresden) Land und Provinz Sachsen,
Wehrkreis 5 (Stab der 5. Division Stuttgart) Thüringen Land und Provinz, Hessen, Württemberg, Baden.
Wehrkreis 6 (Stab der 6. Division Münster) Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Bremen, Westfalen,
Wehrkreis 7 (<5tab der 7. Division München) Bayern ohne die bayrische Pfalz.
Die Regimenter der Kavallerie-Divisionen sind auf die Wehrkreise verteilt. Der Stab der 1. Kavallerie-Division liegt in Frankfurt a. d. O.» der der 2. Kavallerie-Division in Breslau, der der 3. in Kassel.
Die 1. bis 4. Division und die 1. bis 2. Kavallerie-Division unterstehen dem Truppenkom-
l dn dank.
1,76 „ 20,73 „ 18,39 , 28,60 „ 38,43 , 15,93 . 30,09 , 0,57 „ 085 .
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Wehrkreis 2 (Stab der Pommern, Mecklenburg, Lübeck, Hamburg,
Wehrkreis 3 (Stab der Brandenburg und Schlesien,
Deutschlands Lebensmittelversorgung.
Qiad) Äen Veröffentlichungen des Statist. Reichsamtcs betrug der Bestand an Milch- k ü h e n
Won.
c Annerod soll folgende: st werden:
le 3. Klasse 5,24 Aeslmetrr
3m Gegensatz zum alten Heer svieit im Reichshcer rie Landsmannschaft leine so groß«
im Jahre 1912 15,0 Biilchlühe im Fahre 1924 12,9 Milchlühe Der Ertrag der einzelnen Milchkühe wird für das Fahr 1924 von der Landwirtschaft auf etwa 2000 Liter geschäht gegenüber durchschnittlich 2500 Liter im Fahre 1912.
Bei 2500 Liter Milchertrag im Fahre 1912 lauten auf 100 Einwohner 46 500 Liter, bei 2000 Liier Milchertrag im Fahre 1924 kamen auf 100 Einwohner 25 800 Liter. Fm Fahre 1024 standen daher nur etwa 55 Proz. der vor dem. Kriege vorhandenen Milchmengen zur Verfügung.
Die F l e i s'ch v c rs v r g n n g im Fahre 1924 ergibt folgendes Bild:
Auf den Kopf der Bevölkerung kamen:
1. aus beschaupflichtigen Schlachtungen a) von Fnlandvieh 1913: 33,36 Kg., 1924: 27,50 Kg., b) von Auslandvieh 1913: 1,08, 1924: 0,56 Kg., 2. aus Hausschlachtungen 1913: 7,94, 1924: 8,06, 3. aus Fleisch- und Fetteinfuhr 1913 : 3,27. 1924: 5,28, insgesamt 1913 50,65, 1924: 41,40 Kg. Die Versorgung mit Fleisch erreichte demnach 1924 säst 82 Proz. des Fahres 1913.
Die Brotversorgung hat den Friedens- Wert bei weitem noch nicht erreicht: wahrend vor dem Kriege 249 Kg. Brotgetreide auf den Kopf der Bevölkerung entfielen, belief sich die entsprechende Menge im Fahre 1924 nur aus 162 Kg. Die deutsche Ernte an Brotgetreide betrug 1924 etwa 15 Proz. weniger als in dem besonders guten Crntejahr 1923.
An Kartoffeln kamen vor dem Kriege auf den Kopf der Bevölkerung 700 Kg., Im Fahre 1924 aber nur 430 Kg.
Rolle mehr. Es gibt weder ein preustjs: ein sächsisches, noch ein c tierisches okn
ein Polarkand hinter den Barrieren der Alpen. Morgen für Morgen leuchtet der Norden mit Eisund Schneespitzen im unbarmherzigen Licht herüber. Nur der Mittag zeigt, daß man im Süden lebt. Vom unbewölkten blauen Himmel brennt eine warme Sonne und verzehrt immer ein Stückchen Schnee mehr. Ist sie untergegangen, um so heftiger steigt bann die Kälte in die Luft. Denn der Wind kommt immer aus Norden.
Aber morgen schon kann es überall Frühling werben.
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5b „ 39,10 , . Mde gemessen. Der fiaup Die Gebote sind nach Losen müssen bis Mit.woch. den ft, auf der unterzeichneten in Gegenwart erschienener Msbedingungen werden Können auch
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mando 1 in Berlin, die 5. bis 7. Division und die 3. Kavcttlerie-Divftion dem Truppenkom- mando 2 in Kassel.
Die Starke unseres Heeres darf einschließlich Offiziere die Fahl voir 100 000 Manu nicht übersteigen. Dabei ist uns die Einteilung dieser 100 000 Mann in Korps und Divisionen nicht überlassen. Der Vertrag schreibt genau die Zahl der Einheiten und ihren Bestand vor. Wir haben insgesamt 2 Arnreelorpsstäbe. 7 In- fantericdivftionen zu je 3 Infanterie-Regimen- tern, 1 Artillerie-Regiment, 1 Pionier-Bataillon, 1 Aachrichten-Abteilung. 1 Sanitäts-Abteilung, 1 Fahr-Abteilung und 3 Kavallerie-Divisionen zu je 6 Reiter-Regimentern. Ferner ist die Zahl der Geschütze. Minenwerfer und Gewehre ganz genau vorgeschrieben und dauernd ton» trolliert. Dem Heere sind alle öie Waffen
genommen, die für eine moderne Kriegführung unentbehrlich sind: schwere Geschütze, schwere Minenwerfer, Flugzeuge. Gaskampsmittel und Kampfwagen. Die Herstellung von Waffen. Munition und Kriegsgerät darf nur in einem von der Entepte vorgeschriebenen und überwachten Umfang in Fabriken stattfinden, die die Kontrollkommission bestimmt. Es ist z. B. wenig bekannt, daß die Gewehre der Reichswehr nicht mehr in der weltberühmten Mauserschen Gewehrfabrik in Oberndorf hergestellt toerben dürfen. sondern einer Suhler Fabrik abgenommen werden müssen, die eigentlich Fahrräder und Kraftwagen ansertigt und im Krieg lediglich Teile von Gewehren hergestellt hat. Wohin diese eiirengenden Bestimmungen des Dersailler Vertrages führen, beweist der Tod des General- leutnants Muller, der letzten Endes einem noch im Krieg gefertigten Maschinengewehplauf zuzu- schreiben ist. Reue Läufe läßt die Kontrolle nicht zu. Roch jahrelang hat die Entente Deutschland mit neuen Forderungen, für die im Vertrag keine Grundlage zu geben war, überhäuft. ' Das Londoner Ultimatum vom 5. Mai 1921, die Richträumung Kölns und die letzten Entwaffnungsforderungen sind noch in jedermanns Erinnerung. Die Reichswehr hat ein ungeheures Maß unnötiger Organisationsarbeit vollbringen müssen, bis den immer weiter gehenden Forderungen der Entente Genüge getan war. Im Wehrgeseh vom 23. März 1921 hat der Reichstag die Bestimmungen für die Organisation- der Reichswehr iriedergelegt. Das Gesetz beginnt mit dem Satz: Die Wehrmacht der deutschen Republik ist die Reichswehr. Sie wird gebildet aus dem ReichSheer und der Reichsmarine, die aus freiwilligen Soldaten gebildet und ergänzt werden. Zu den Soldaten gehören die Offiziere aller Gattungen, die Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften. Alle Angehörigen der Wehrmacht müssen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen." — Die Reichswehr ist demnach weder ein stehendes Heer noch ein Milizheer, sondern ein Söldnerheer. — Der Reichspräsident führt den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht. Seine Anordnungen be- öürfen jedoch, um wirksam zu werden, der Gegenzeichnung durch den Reichskanzler oder den Reichswehrminister, die damit die Verantwortung vor der Volksvertretung übernehmen. Der Reichspräsident ernennt auf Vorschlag des Reichswehrministers die Offiziere und Beamten der Wehrmacht. Fm
genau kannte, zü üebrnehmen. Sv erschien sie 8um ersten Mal vor einem türkischen Provinz» publikunr unverschleiert und in einer eleganten europäischen Toilette. Dieses QIitftreten erregte keinen Widerspruch und wurde in Traptzzunt und anLeren Städten wiederyölt. Allgemein sand die erste türkische Schauspielerin, deren Aussprache von der ihrer männlichen Partner nicht unangenehm abstach, großen Beifall, unb jetzt gibt es schon acht türkische Schauspielerinnen in dem Dar-ul Bedai. Rur noch zivei armenische Schau- fpieleriimcn sind geblieben, unb sie haben die wichtige 2h'.fgibc, die türkischen Schauspielerinnen in die Technik der Schauspielkunst einzuweihen. Sie bilben das notwendige Bindeglied zwischen dem alten halbtürkischen und dem heutigen ganz- türlischen Theater. Die neuen türkischen Schauspielerinnen Haden sich zrrnächst alle aus Liebhaberei der Bühne zugewenbet unb sind allmählich in ihren Beruf hineingewachsen. Sie widmen sich der Echauspieltunst nicht deS Geldes wegen, denn man wird beim türkischen Theater sehr schlecht bezahlt, fonbeim aus Freude an der künstlerischen Leistung. Auster der Dar-ul Bedai- Gesellschaft, die ihren Sitz in Konstantinopel hat und Tourneen in die Provinz unternimmt, gibt es noch eine kleine Theatertruppe in Angora, in der jedoch die armenischen Schauspielerinnen überwiegen. Immerhin haben Konstantinopel und Angora jetzt zum ersten Mal eine ständige türkische Bich ne. und nun wird sich wohl auch ein türkisches Drama bilden, das bisher durch mangelnde Gelegenheit zur Aufführung^ und die schlechte Aussprache der türkischen Stücke in der Entwicklung gehemmt war. Vorläufig begnügt man sich noch harrptsächlich mit der Aufführung ausländischer, besonders französischer Dramen, die allerdings so stark für türkische Verhältnisse bearbeitet werden, daß man das Original nicht wiedererkennt. Ibsens „Gespenster", „Rora", „Volksfeind" und „Hedda Gabler", die in der letzten Zeit auf der türkischen Bühne gespielt worden sind, haben auf diese Weise eine völlig veränderte Form erhallen, fanden aber vor vollen Hausern großen Beifall.
Die Organisation des Reichsheeres
Von unserem militärpolitischen K°Mitarbeiter.
üben zu lassen.
Die Vereine, Gesellschaften, Unterrichts- anstalten und Universitäten dürfen in keinerlei Verbindung mit dem Kriegsministerium oder einer anderen militärischen Behörde stehen."
Während Frankreich in Polen, Rumänien und in der Tschechoslowakei vielköpfige Militärmissionen zur Verbesserung der Ausbildung unterhält, mußte sich Deutschland verpflichten, „in keinem Lande irgendeine Mission des Land- heeres. der Seemacht ober der Luftstreitkräfte zu beglaubigen, keine solche Mission dorthin zu senden oder abreifen zu lassen".
Fn welchem Geiste die über das deutsche Heer handelnd^ Paragraphen des Versailler Der- I rages abgesaßt sind, beweist in schlagender Weise svlgender Satz: „Deutschland verpflichtet ftch außerdem, durch geeignete Maßnahmen zu verhindern, daß Reichsdeutsche sein Gebiet verlassen, um im Heere, der Flotte oder dem Lufidienst irgendeiner fremden Ration Stellung zu nehmen öder in ein ZusLhörigkeitsverhält- nis zu ihr zu trete,t zu dem Zweck, die Ausbildung za fördern ober in einem fremden Lande beim Unterricht im Heer-, Marine- oder Luft- mefen mitzuwirken.
Von der gegenwärtigen Bestiumtung bleibt jedoch das Recht Frankreichs, die Mannschaft seiner Fremdenlegion genräß den französischen militärischen Gesetzen und Vorschriften zu ergänzen, unberührt." — Also für die Fremdenlegion, diese traurige, einer Kulturnation unwürdige Einrichtung, sind die Deutschen gerade gut genug I
Die ersten türkischen Schauspielerinnen.
Das Haupthindernis für die Schöpfung einer türlischm Rationalbühne ist erst seit etwa zwei Fahren beseitigt, nämlich das Erscheinen türkischer Schauspielerinnen auf der Bühne. Bis dahin war den Türkinnen das Auftreten aus dem Theater streng untersagt, denn dazu hätten sie sich ja entschleiert der O Öffentlichkeit zeigen müssen, was als schwerste Verletzung der Gebote des Propheten galt. Die türkschen Schauspieler- trrrppen muhten sich daher mit türkisch sprechenden Armenierinnen behelfen, für die als Christinnen dieses Verbot nicht galt. Dadurch tarn es. daß der Schauspielerberuf hauptsächlich von Armeniern ausgeübt wurde, und da diese nicht ordentlich türkisch sprechen konnten, herrschte auf dem türkischen Theater eine sehr schlechte Aussprache, die das Ohr der türkischen Zuhörerschaft beleidigte. Allmählich widmeten sich immer ntehr Türken der Bühne, um di es eit Mangel zu beseitigen, und jetzt ist die Möglichkeit gegeben, türkische Theaterstücke in tadelloser Aussprache vorzuführen, da auch die ersten türkischen Schauspielerinnen die Bühne betreten haben. Die erste Türkin, öie vor etwa zwei Fahren auftrat, war Frau Bediar, die Gattin des Direktor des Dar-ul Bcdai, der ersten national-türkischen Theatergesellschaft. Die Truppe befand sich in Smyrna, unb dort waren infolge der Kriegsereignisse alle Armenier vertrieben. Da kein Armenier Zutritt zu der Stadt hatte, konnten auch die ar= menifd'cn Schauspielerinnen nicht auftreten, und Frau 'Bediar wagte es, die Hauptrolle, die sie
Der Süden im Schnee.
Von Anton Schnack.
Italien hat ein Schlagwort: Fenomene eccezio« nale*)! In Palermo 4 Grad unter Null. In Parma 9 Grad unter Null. In Neapel findet man Erfrorene. Heber Brindisi und Palermo ist Schnee gefallen. Verona erstarrt im Eiswind, der ihm vom Etschtal her ins Gesicht schlägt. Bei Bergamo sind die Bache gefroren. Der Gardasee hat Schneeufer bekommen. Niva ist weiß. Aus den Dächern von Torbole hat er sich niedergelassen. Tremosine auf den Bergen flimmert mit'Schneewänden. Der Monte Baldo streckt bei Falcesine weiße Flanken bis an das See- ufer. Selbst in Gardone, dem warmen Rivieraort am See ist der nordische Frau-Holle-Spuk eingeritten.
Eine einzige Nacht hat die südliche Landschaft ins nördliche Winterlicht gestellt. Darauf kam ein Eishimmel, gnadenlos und klar. Seit einer Woche bricht nun beim Untergang der Sonne der Himmel über den Berglinien wie Blut und Purpur auf. Aber bann kommen fast polarische Farben in die Atmosphäre, ein blitzendes Eisgrün, eine glasige Azurblume, ein kristallisches Violett. Vom Norden her droht der wilde Brentagruppe wie Marmor und Gletscher. Immer war es mit dem Winde hier so: Am Morgen Nordwind und von 1 Uhr ab Südwind. Aber nun fauchen Tag und Nacht ununterbrochen nördliche Windströme über den südlichen Sund. Es ist ein unbarmherziger und unbekannter Hauch. Der Gardasee sieht wie ein Fjord hochoben am nördlichen Meere aus.
Rote Rosen glühen aus dem Schnee gleich einem riesenhafteN-Tropfen Blut. Heber die lanzenartigen blühenden Stechpalnren ist die (Srftarrung gekommen. Hundert blühende Asternbeete hängen ihre Blumenköpfe, als hätte sie ein Feuer verbrannt. Die großen" Fächerpalmen ducken sich schmerzlich zusammen unb klappern tödlich verwundet mit den geknickten Fachem. Seltsam die Oliven: phantastisch starren sie durch den Schnee mit den gespensterhaf- ten, zerrissenen Stämmen und ihren ewig grünen, ernsten Wipfeln. Nur die Zypressen ertragen es un-
*) Außergewöhnliches Ereignis.
wandelbar, unb ihre Trauerflamme wirb im südlichen Schnee noch schwärzer und tragischer.
schattenhaft, wie stelzende, verfrorene Vögel gehen die Menschen umher. Die Männer mit einer kurzen Pelerine, die wie ein schwarzer Fledermausflügel um die Schultern hängt. Pipistrello nennen sie dieses Habil: es heißt Fledermaus. Die Frauen krümmen sich unter ihrem schwarzen Schal zusammen, der sie notdürftig wärmt. Sie haben tcine Kleidung für diese abnorme und unbekannte Kälte. Aber einen Schiffer sah ich der Kälte trotzen: er wusch sich halbnackt auf einem großen Segler, der mit Holz beladen war.
Sie haben keine Defen. Sie feuern in ihren offenen Kaminen von morgens bis nachts: Zwergholz von den Bergen, Olivenholz, Feigenbaumholz. Und dieses offene Feuer wärmt ein wenig die Hände, die man an die Flammen hält, unb ein wenig die Knie, die man an die Glut herankuscht. Wie man hier die Betten wärmt? Man hat ein Gestell vom Aussehen eines hohen Rodelschlittens, der unten unb oben geschlossen, aber auf den Seiten offen ist. Auf die untere Innenfläche stellt man einen eisernen Topf mit glühenden Holzkohlen. Heber das ganze Gestell spannt man die Decken und (egt die Koltern. Das Bett wird rotum wie ein Backofen. Wer ein gutes Haus hat, besitzt ein Sägemehlöfchen, das zwei Stunden eine heftige Wärme ausspeit und dann erkaltet. Unb durch die schlechten italienischen Türen und Fenster bringt und quillt die Kälte, und man stopft fein Oefchen wieder für zwei Stunden.
Die Zugvögel, die noch massenhaft hier waren, sind verschwunden. Und was an Vögeln noch durch die Olivenwipfel schlüpft: keiner füttert sie. Nur den ganzen Tag hört man die Flintenschüsse in den Gärten, an den Bergwänden und am Seeufer. Unb immer wieder kann man einen halbwüchsigen Jäger mit einem Bündel von zehn, zwölf ober fünfzehn Vögeln heimwärts ziehen sehen. Prunkvoll hat sich der Himmel aufgespannt: funkelnd kalt, heftig, schwelgerisch und ungeheuer tjef. Die Sterne hängen fast ins Erdbild herunter. Die Venus ftiNkelt am Abend wie ein faustgroßer Diamant auf.
Für alle ist dieser Einbruch von Kälte unb Schnee eiy Mirakel. Nie war so etwas seit fünfzehn Jahren, feit zwanzig Jahren, seit breißig Jahren. Schweiz unb Deutschland liegen dem Volke hier wie
Roch immer herrscht in weiten Kreisen Unklarheit über Bedeutung, Aufbau und Organisation unserer Reichswehr. Täglich gehen zahlreiche Rachrichten über die Forderungen der Entente bezüglich der Umgestaltung der Reichswehr durch die Presse, und die Oeffentlichkeit ist sich vielfach der Tragweite und Unrechtmäßigkeit dieser Forderungen nicht bewußt. Es ist daher vielleicht ganz zweckmäßig, sich einmal ein klares Bild über unsere Reichswehr Zu verschaffen.
„Die allgemeine Abrüstung in der ganzen Welt" sollte Der Vertrag von Versailles bringen. Wie diese aussieht, zeigt nachstehende Uebersicht, die vom Völkerbundsrat in Genf im Fahre 1924 veröffentlicht wurde:
Deutschland allein ist gezwungen, ein beer zu hallen, in deut die Unteroffiziere und Mannschaften sich zu einer Dienstzeit von 12, die Offiziere von 25 Fahren verpflichten müssen. Während ihrer Dienstpflicht dürfen nur 5 Proz. der Gesamtstärke jährlich ausscheiden. So wird verhindert, daß Deutschland sich eine Reserve von waffengeübten Mannschaften hevanbildet, die im Kriegsfälle zur Ergänzung des Heeres dienen Ibnnte. Der Vertrag bestimmt weiter: „Die Unterrichtsanstalten, Universitäten und Kriegervereine, d,e Sport- und Wandervereine, überhaupt Vereinigungen jeder Art, ohne Rücksicht auf das Alter ihrer Mitglieder, dürfen sich mit keinen militärjschen Dingen befassen. Es ist ihnen namentlich untersagt, ihre Mitglieder im Waffen- iTanbtocrl oder im Gebrauch von Kriegswaffen auszubilden oder zu üben oder ausbilden oder
Auftrag des Reichspräsidenten übt der Reichs- wehrminvrer die Befehlsgewalt über die gesamte Wehrmacht aus. Fhm unterstellt ist ein General an der Spitze des Reichsheeres als Ehef der Heeresleitung, ein Qlbmiral an der Spitze der Reichsmarine als Ehes der QHarincIcitung. Das Reichswehrministerium ist die oberste Kommaudo- und Verwaltungsbehörde der Reichswehr Dem Reichswehrminister unterstehen unmittelbar die Adiutantur des Reichswehrministers, die Rechtsabteilung und die Rachrichtenstelle.
Dem Chef der Heeresleitung unterstehen:
a) Das Personalamt, das die persönlichen Angelegenheiten der Offiziere und Mannschaften bearbeitet:
b) das Truppenamt, dem die Bearbeitung von Organisation und Ausbildung obliegt und
c) die Inspektionen.
Von diesen bearbeiten:
1. Die Inspektion des Erziehungs- und Bildungswesens die einheitliche Handhabung des Unterrichts und Prüfungswesens und die A'^s- bilbung in den Leibesübungen, sowie die Waften- schulen.
2. Die Inspektion der Infanterie: die wafsen- technische Schießausbildung aller Waffengattungen mit Handfeuerwaffen, Maschinengewehren und Minenwerfern.
3. Die Inspektion» der Kavallerie: die Reit- ausbildung, Pferdedressur und Pserdcpflege bei allen Waffen, die Attsbildung der Kavallerie im Aufklärungsdienst und ihre Gesechtstätigkeit als berittene Waffe, sowie die Remontierung.
4. Die Fnspettion der Artillerie: Die theoretische unb praktische Ausbildung der Artillerie im Fahren und Schießen und ihre Verwendung im Gefecht.
5. Die Inspektion der Pioniere und Festungen: die theoretische und praktische Ausbildung der Pioniere in allen technischen Dienstzweigen, sowie die Ausbildung aller Waffen m der Feldbefestigung unb im allgemeinen Pionierdienst, endlich das Festungswesen.
6. Die Inspektion Der Verlehrstruppen: Die theoretische und praktische Ausbildung der Krast- fahrtruppen, sowie die Ausbildung der übrigen Waffengattungen (mit Äusnahme der Artillerie) im Kraftfahr- und Fahrwesen.
7. Die Inspektion der Rachrichtentruppen: Die theoretische und praktische Ausbildung aller Waffen, insbesondere der Rachrichtentruppen, in der Technik und Verwendung der Rachrichten- mittel.
8. Die Inspektion für Waffen unb Gerät: Alle technischen Fragen, die Waffen, Munition und Gerät betreffen.
Dem Chef der Heeresleitung unterstehen:
1. Das Verwaltungsamt, das für Unterkunft, Bekleidung, Verpflegung und Besoldung sorgt.
2. Das Waffenamt, dem der Rachschub von Waffen, Munition und Gerät obliegt.
3. Die Sanitäts-Inspektion und
4. die Veterinär-Inspektion, die das Gesundheitswesen bearbeiten. - -
Das Reichsgebiet ist in 7 Wehrkreise eingekeilt. in denen je eine Division untergebracht ist. Der 'Besehshaber im Wehrkreis ist gleichzeitig der Divisionskommandeur. Es umfassen:
Wehrkreis 1 (Stab der 1. Divifion Königsberg i. Pr.) das Gebiet ostwärts der Weichsel,
Mtrlä (im ö.$.D.)
41 Januar: DerbaM. Anberg. Abfahrt 8.16 ®Iung im Cafe Asioria auf dein Hoherobskopf. Aachmttags,Ausflug in lushangr bei der Firma lesen.
llen Deransiaitunzm teil ddche von 12-18 Men ^christliche Anmeldungen
tcmbergilck?s Koittingv, sondern nut eilt einheitliches Reichsheer Immerhin sind die Interessen der Länder und die landsatannschaflliche Eigenart einigermaßen b.nückf'cktigi. und zwar dadurch, daß in den Länder i auf Wunsch „Lan- desiominaNdanteu" bcsi< ivurbea. Bayern, 6athn= Württemberg, B:dcn unb Heften haben Landeskommandantei Di? Aufgabe der San- deslowmandanten ill es, innerhalb feines Dienstbereich ?s die V mbcSiiiL’vcHen unb insbesondere die landsM'i/.n'ch'fv.ich, Eigenait unb die wirtschaftlichen B i-w misse der Länder zu berücksichtigen. Er wird durch den Reichspräsidenten auf Antrag der Landesregierung ernannt und crfüljt seine Ausgabe neben seinen synstigen Dienstobliegenheiten
Er hat insbesondere folgende Aufgaben:
1. Die Landesregierung von allen wesentlichen Vorgängen ihres Geschäftsbereiches, soweit sie die lar.b^mannschaftlichen Belange berühren, zu benachrichtigen.
2. Die landsmannschaftlichen Interessen bei der V.sehung der Führer- unb Beamtenstellen, bei der Ergänzung des Reichsheeres im Ein- vernehmen mit der bei den vor
gesetzten Dienststellen zu vertreten.
3. Die landsmannschaftlichen Abzeichen mit Zustimmung i?:S Reichs-.vehrministeriums unb bet Landesregierungen zu regeln.
Die Divisionen bestehen mit Aufnahme der 1., 3. und t. Division nicht aus Lat^bsmannschaf- ten, b. h.. sie find aus Trüppsnteilen verschiedener Länder zusammengesetzt. Rur die bayerische Division bildet einen geschlossenen Verband Gerade in blei er fast vollkommenen Einheitlichkeit des deutschen Heerwesens liegt seine besondere Kraft unb Bedeutung Auf seinem Gebiet des staatlichen Lebens ist der Gedanke der deutschen Einheit so lebendig geworden wie im Akicksh-eer. ..Das Reichshoer bildet die cif amen Klammern der Einheit des Reiches."
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Land
Einwohner in Millionen
Friedensstärke der Armee
_
Voraussichtliche Kriegsstarke der Armee
Wehrsystem
Frankreich
39,2
804 500
3 500 000
Allg. Wehrpflicht 18 Mon-
Belgien
7,62
120 000
rund 550 000
„ „ 10-13 „
Tschechoslowakei
13,6
200 000
900 000
24 „
Südslawien
11,5
175 000
500 - 600 000
. „ 16-24 „
Rumänien
15,4
190 000
700 000
„ 24-36 „
Polen
27,0
420 000
rund 1 000 000
n 24 „
Litauen
4,6
20 - 25 000
rund 50 000
„ ,, 24 „
(zurzeit mobil)
Großbritannien
43,3
225 000
4J5 000
Söldn -Milizsysi. resp. 7 I.
Italien
39,5
265 000
3 500 000
Allg. Wehrpflicht 12 Mon.
Deutschland
62,0
100 500
—
Söldnersyst.: Vcrpfl. 12 I.
Oesterreich
6,73
30 000
—
Ungarn
7.84
35 000
—
,,
Sowjet-Rußland
130,0
600 000
rund 2 000 000
Allg.Wehrpfl. 18 - 54 Mon.


