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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Samstag, (y. Juni 1926

Nr. 141 Drittes Blatt

Eine Nation im Werden.

Zeitglosse zu den indischen Strömungen.

Don

Alexander Frhrn. von Gleichen-Rußwurm.

Rätselhafter denn je ist das indische Reich, das für das englische Imperium immer schwerer zu halten und erhalten ist. wenn es auch nicht an gewissenhafter Mühewaltung gefehlt hat. Die Geschichte der indischen Dizetönige zeigt eii.cn großen Zug. Nachdem er kürzlich seinen Posten verlassen, wurde Lord Reading über die Stellung der Vizekönige interviewt, aber er antwortete nur mit allgemeinen Redensarten. Um so deut- * sicher sprechen die ausgebrochenen und immer wieder ausbrechenden Unruhen. Schmerzlich müssen sie noch zuletzt einen Lord Curzon berührt haben, der seiner Statthalterschaft in dem Buch »British Government in India" einen interessan­ten Rachruf widmete. Das Werk beschäftigte ihn bis zu seinem letzten Lebenstag. Unter anderem Bildermaterial enthält es die Darstellungen aller Residenzen der indischen Gouverneure van der ersten kleinen Festung »Fort William", die tragi­sches Ende sand und deren Ueberreste Lord Curzon erhalten lieh, von den provisorischen Regierungsgebäuden, die Clive und Warren Ha­stings als. Herrscher sahen, bis zum prächtigen Palast in Kalkutta, den Wellesleh bauen lieh. Trotz den Sparbefehlen der Direktoren der. indi­schen Kompagnie wurde ein kostspieliger Palast errichtet, umgeben von Gärten im Geschmack der Zeit. Wir lächeln wohl über eine gotische Ruine darin, die in Indien seltsam anmutete, aber Wellesleh gründete auch eine Musterlandwirt- schäft, die Lord Curzon hundert Jahre später in gröbtem Maßstab wieder aufnahm und die der romantifdjen Schöpfung Lebensberechtigung gab.

Die Mißverständnisse, die den Dizekönigen bald von England, bald von Indien aus begeg­neten und ost schlimme Lagen hervorriefen, hat Lord Curzon bei seinen Dorgängern scharf er­kannt, aber sie blieben auch ihm nicht erspart, und er deutete das Wesen des indischen Vizekönig- tums also an: »Ueber dem Thron bereitet sich nicht nur ein goldenes Throndach aus, eine Wolke von Tränen ist die letzte Krönung." Curzons Reformbestrebungen fanden wenig Erfolg. Zu spät kam wahrscheinlich sein Plan einer admini­strativen Teilung von Bengalen, dessen Bereich mit 70 Mill. Einwohnern ihm unübersichtlich schien. Als das Land in Ost- und Westbengalen geschieden wurde, erachteten die Einwohner diese Maßnahme als Angriff gegen ihre Rationalität, denn gerade damals brach die Idee der Rationali­tät mit elementarer Gewalt durch. Technisch-prak­tische Erwägungen wurden einfach umgerannt. Es ist eine nicht genug beachtete Gesetzlichkeit der Weltgeschichte, daß die stärksten geistigen Strö­mungen überall gleichzeitig auftreten. Dies geschah logar, als der Verkehr noch langsam und um­ständlich vor sich ging und die Propagandamittel primitiv waren. Um so deutlicher kommt das Jesetz heute zur Geltung. Wenn einige wenige Engländer mit der Energie und Umsicht alter Römer in Indien so lange prokonsularische Ge- toalt auSübten, so war dies zunächst ermöglicht i)urch die Uneinigkeit der indischen Fürsten, dann !>uvch die Feindschaft zwischen Hindus und Mo­hammedanern. und ferner durch die Ueberlegen- heit des nüchternen englischen Geschästssinnes. Daß die besten Inder diesen Geschäftssinn ver­achteten und ihren Stolz in Weltabkehr sahen, in Gleichgültigkeit dem indischen Treiben gegen­über, trug nicht wenig zur Dauer des englischen Erfolges bei.

Die Inder waren nicht etwa nachgiebig und chwach vor dem Europäer, sie widerstanden auf anderer Ebene mit einem mystischen Stolz und dem Bewußtsein endgültigen höheren Menschentums. Mein die große Strömung der Verweltlichung unD daS Ideal der verweltlichten Richtung ging ähnlich wie in Europa dahin, eine nationaleMacht aufzustellen im Kampf mit anderen nationalen Mächten, im Besitz derselben kulturellen Crrun- genschaften und Möglichkeiten, im leidenschaft­lichen Ringen nach gerechter und selbständiger Rationalität.

Die ersten Dersechter dieses Gedankens hiel­ten jedoch den freundschaftlichen Anschluß an 1 ®ng[ani>, an Europa, für notwendig und durch-

» 1 H 111 M || H ,

Der dritte Schutz.

Kriminalroman von Ole Stesani.

18. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

.Hoffentlich lerne ich ihn heute auch kennen!" iigte Kramer vergnügt.Also um elf Uhr bei Ro- landseck!" Sie schüttelten sich abschiednehmend die -Hände. Dann gingen der Anwalt und Schulz zum Ufer hinunter, wo sie ein Boot auf die andere Seite des Stromes brachte. Dort stand bereits, zur Abfahrt fertig, ein Auto. Sie verabschiedeten den Chauffeur, Kramer setzte sick in das Innere, Schul - lahm das Steuer, und in sausender Fahrt ging es shemaufwärts.

Molinfki sah ihnen mit brennenden Augen nach, tonn machte er sich mit Dietzenschmidt auf Den Weg nach Godesberg.

Der SSlachtplan war folgender: Der Anwalt uhr mit Schulz vor, um die Gegend zu sondieren md Erkundigungen einzuziehen. Um elf Uhr würde -in Motorkutter vor dem kleinen Restaurant Rhein- Akck drei Kilometer nördlich von Rolandseck auf lern anderen Ufer gelegen halten, in dem Dietzen- Ichmidt zehn Gendarmen mitbrachte. Ihnen sollte sch Molinsti anschließen. Die Streitkräfte waren cuf drei Posten verteilt worden. Eine Abteilung »lieb auf dem Westufer, um Stübner abzufangen, len man in einem Auto von Aachen her erwartete. 2ie beiden anderen Abteilungen begaben sich auf Sen Fluh und wollten in Booten von zwei Seiten ler die Insel attackieren.

IV. ,

Längst war die Sonne untergegangen. Schulz und Kramer lagen am Ufer und blickten stromab- I cärts Noch zeigte sich kein Licht, auch das Mokor- I boot war nicht zu Horen. Schulz zog ärgerlich seine Uhr und fluchte leise. Dorn Kloster Nonnenwerth ' s-hlug es elf Uhr.

i, Kramer sah ruhig nach den beiden Inseln hin- über. Der Mond war im Aufgehen und warf ein schwaches Licht üb?r den Strom, in Dem die Umrisse t*ir Inseln kaum erkennbar waren. Alles lag ruhig, i nur das Gurgeln des vorbeiströmenden Wassers war vernehmbar. .

aus nicht für beschämend, indes die jüngere na­tionale Richtung immer allindischer wird, nur das Autochthone duldet und sich der älteren nationalen Richtung feindlich zeigt.

Der bedeutendste Vertreter des ersten indi­schen Rationalismus war Surenbranath Baner- jea, dessen Rame gedeutet wurde »Surrandernol" (Gib nicht nach) und der in der Tat mit größter Zähigkeit fünfzig Jahre lang seinem Ideal diente. Er schrieb ein Buch »Eine Ration im Werden , das vom indischen Standpunkt aus ein ergänzendes Seitenstück zu Lord Curzons Werk bildet. Die halbhundertjährige politische Tätigkeit eines Staatsmannes aus Bramahnen- geschlecht, der im Alter von fast achtzig Jahren starb, als er die letzte Hand daran legte, schildern die Erinnerungen des Inders. Er tat Pionier­arbeit für das neuerwachle Selbständigkeits- gefühl, als er sich entschloß, fast noch im Knabenalter (1868), nach England zu reisen, em Unternehmen, das er vor seiner Mutter ver­heimlichen muhte, denn wie alle vornehmen Hindufrauen hielt fie eine solche Reise für Frevel, und den Heiligen Geboten der Kaste wider­sprechend.

Gegen solche festgewurzelten Anschauungen mußte der junge Danerjea kämpfen, um in Ox­ford au studieren und dann als einer der ersten eingeborenen Kandidaten für das »Indian Civll Service" aufzutreten. Ader auch gegen englische Dorurteile galt es Kampfstellung einzunehmen, denn obwohl die Inder nunmehr grundsätzlich zur Verwaltung des Landes zugezogen werden sollten, legte ihnen die Regierung manches Hin­dernis in den Weg. Unter dem Vorwand z. D., der Kandidat habe sein Alter nicht richtig an­gegeben, wurde Danerjea trotz des glänzend be­standenen Examens zuerst abgewiesen. Er führte aber aus, nach indischer Fcunilientradltion werde das Alter von der Empfängnis und nicht von der Geburt an berechnet und drang nach vielen Schwierigkeiten durch. Dank geschickter Verleum­dungen entledigte man sich aber bald des ehr­geizigen Dramahnen und entlieh ihn aus dem Dienst. Die Kränkung blieb bitter, er fand je­doch einen neuen Weg politisch zu wirken, indem er sich dem Lehramt widmete und Professor der englischen Literatur in Kalkutta wurde.

Seine Vortragstätigkeit reifte seine sprach­liche Meisterschaft, die ihm später gestattete, als politischer Redner zu glänzen, und verschaffte ihm außerordentlichen Einfluß auf die Jugend. Er stellte fest, dah ihm Iugendbildung viel wichtiger dünke als die Beschäftigung mit poli­tischer Tagesfragen und prägte über die Lehr­tätigkeit das Wort: »Das Reich des Lehrers ist ein unendlich dauerndes Reich, denn es erstreckt sich unabsehbar in die Zukunft."

Damals war die Zeit des siegreichen Ratio­nalismus in Europa, der Deutschlands und Italiens Einigkeit brachte. Sehnsüchtig blickte der Inder nach diesen Beispielen und begeistert der Inder nach diesen Beispielen und begeisterte Einigkeit. Danerjea bekannte sich zu dem poli­tischen Glauben der Gründer desIndian Ratio­nal Congreh 1885", der Gleichberechtigung vor dem Gesetz für die Inder forderte, wie es bereite ein Gesetzvorschlag versprochen hatte, der aber dank engherziger englischer Gegenströmung nicht in Wirkung trat Im Jahre 1890 reiste Danerjea nach England unb hielt dort eine bahnbrechende Rede im Sinn dieser neuen Forderung.

Rach Indien zurückgekehrt, vertrat er sie mit der jung erstandenen Macht der Presse, leitete dort die erste einfluhreiche Zeitungthe Ben- ßalce und verfocht seine Ansichten so unentwegt, dah er ins Gefängnis kam, eine Strafe, die ihm und seinem Dlatt natürlich große Popularität verschaffte. Am schärfsten kämpfte er gegen die von Lord Curzon befürwortete Teilung Den- galens, wie er selbst gestand, fanatisch und mit allen Mitteln. Diese Kampfführung riß eine furchtbare Kluft zwischen Engländern und Indern. Zuerst litt Danerjea selbst darunter, denn er hatte doch stets den Gedanken an ein Bündnis mit England bewahrt, voll hoher Achtung vor der westlichen Kultur. Der Anstoh, den feine erbitterte Kritik gegen die englische Bureaukratie gegeben, schwang jedoch weiter, und es entstand unter Tilak in Mahratta Deccan eine Hah- betoegung, die im Fanatismus des Dramahnen- tums wurzelte und damit arbeitete.

Nach einer halben Stunde wurde selbst Kramer ungeduldig. Schulz ging mit stampfenden Schritten wütend auf und ab.

Verfluchte Schlamperei!" schimpfte er.Wenn es noch lange dauert, fahren wir beide allein hin­über!"

Kramer überlegte.Gehen Sie in die Wirtschaft unb versuchen Sie Godesberg anzurufen. Vielleicht ist dort etwas passiert!"

Schulz ging in das Restaurant. Nach vieler Muhe gelang es ihm, die richtige Auskunft zu be­kommen. Sie lautete:Motorboot mit Dietzen­schmidt, Mollnski und zehn Gendarmen an Bord neun Uhr vierzig Minuten von hier abgegangen!"

Sie könnten zweimal hier sein!" fluchte Schulz, der sich nicht mehr halten konnte.Bei der Schnellig­keit, die der Kutter hat!"

Was kann nur geschehen sein? dachte Kramer, seine Unruhe mit eiserner Energie bezwingend. Warten wir noch?"

Als es zwölf Uhr durch die Nacht schlug, machte Schulz ein kleines Boot zur Abfahrt bereit.

Sie warteten noch bis halb eins.Sie werden sehen, sie gehen uns durch die Lappen!" sagte Schulz verzweifelt.

Nun," antwortete Kramer ernst.Dann wollen wir beide tun, was in unseren Kräften steht." Er spähte noch einmal flußabwärts. Kein Laut war vernehmbar, kein Licht sichtbar.

Wir fahren!"

_ Erlöst sprang der Kriminalbeamte mit einem oa6 in das Boot und schwang die Ruder.

Nicht so laut, Schulz!" warnte der Anwalt. Man könnte uns von drüben aus hören!"

Obwohl sie gegen den Strom rudern mußten, konnten sie schon nach einer Viertelstunde Die Ein- zelheiten auf Der Insel unierscheiDen. Sie gewahrten am Nordufer eine Holzhütte, Deren eines Fenster schwach erleuchtet war.

^ Schulz flüsterte:Dort sind sie. Ich sehe deullich Lchatten!

Sie landeten vorsichtig im Uferschilf, dessen J?alme sie behutsam niederbogen, um kein Geräusch zu verursachen. Hier waren sie vom Ufer aus un­sichtbar.

Bleiben Sie auf dieser Seite!" flüsterte Kramer kaum vernehmlich. Dann sprachen sie kein Wort mehr.

Diese Bewegung richtete sich schließlich gegen den Leiter Der großen Oppositionszeitung, wie immer die ersten noch gemäßigten Führer großer Revolutionen, die keineswegs durchaus mit der Tradition brechen wollen, zurückgedrängt werden von Grimm und Glut der radikal Denkenden, die anfangs mit ihnen gingen. Zwischen 1903 und 1910 mehrten sich Die politischen Morde, die Danerjea nicht guthieh, aber nicht aufhalten konnte. Im Jahr 1911 verzeichnete er den großen Erfolg, daß die Teilung Bengalens miedet aufge­hoben wurde. Doch diesem Triumph vergällten ihm rasch die leidenschaftlichen Fanatiker, durch die er Schimpf und Mißhandlung erduldete. Er blieb jedoch unbeirrt in einer gewissen Loyalität zu England, die sich im Weltkrieg kundgab, als er 1919 den Posten des Ministers der Provinz Ben­galen annahm. Die Zeit der gemäßigten Rich­tung .war jedoch vorbei. Gandhi sammelte be­geisterte Anhänger, denen derIndia Act" von 1919 durchaus nicht genügte trotz des Verspre­chens autonomer Regierung, die neue Partei der Swaraj brauchte dieselben Mittel gegen den gro­ßen indischen Staatsmann, die er selbst einst angewandt hatte. Er blieb jedoch feinem Bei­

namen »Gib nicht nach" treu und bekämpfte die rücksichtslose Revolution, wie er früher die rück­sichtslose Bureaukratie bekämpfte.

Obwohl Dramahne und Hindu, hielt er fest an der Ueber-cugung, daß Indien den Anschluß nach Westen richt entbehren könne und legte diese Ansicht feierlich nieder in seinem politischen Testament. »Wir müssen uns vorwärts bewe­gen". schrieb er,und uns auf diesem Weg alles an fremder Kultur und Zivilisation aneignen, was für unseren Charakter heilsam und geeignet ist. unser Eigenleben stärkt und nützlich cin;u- weben ist in do.s Gewebe unseres Rationaldaseins. Zusammenarbeit und nicht der Eigensinn einer ablehnenden Ausschließung, Gemeinsamkeit und nicht Vereinsamung geben einen lebendigen und Leben bewirkenden Faktor der (Sntlridiung unseres Volkes. Jede andere Politik ist Selbst­mord. So lautet meine Botschaft an meine Lands­leute, nicht gesprochen in Eile und Ungeduld, sondern ein Ergebnis lebenslangen Denkens und Schaffens für mein Vaterland" Ich glaube, diese Botschaft können sich auch andereRationen im Werden" merken, und schließlich bleibt jede leben­dige Ration im Werden.

Die Sondergebäudesteuer.

Vom Presseamt des hessischen Staatsministe- riumß wird mitgeteilt:

2lus Den bei den Behörden einkausenden Be­schwerden gegen die Sondergebäude st euer ergibt sich, daß die Bestimmungen über diele und namentlich die zugelaslenen Steuererleichte­rungen vielfach nicht bekannt sind, trotz wieder­holter Bekanntgabe in den Zeitungen. Es werden deshalb die in Betracht kommenden Gesichts­punkte und Anordnungen hier nochmals übersicht­lich zusammengestellt:

Reichsgesehliche ZwangSvorschrift.

Beschwerden wegen Erhebung einer Sonder- gebäuöefteuer überhaupt sind zwecklos, denn die Steuer ist durch Deichsgesetz a n ge­ordnet. Rach Dem Reichsgeseh müssen min­destens 35 Prozent Der Miete durch diese Steuer weggesteuert werden, es kann Dabei bis zu 50 Prozent gegangen werden. Hessen erhebt für 1926 = 39,2 Prozent der Miete. Von dem Zeitpunkte ab, von dem ab die Miete auf 100 Prozent festgesetzt ist. und das ist spätestens der 1. Juli haben andere Länder Belastungen von 36 bis 40 Prozent bestimmt oder vorgesehen. Hessen hat entsprechend seiner Finanzlage nicht die zulässig niedrigste, aber auch nicht die zu­lässig höchste Belastung: sie entspricht etwa der preußischen und der sächsischen, da Preußen und Sachsen vom 1. Juli ab 40 Prozent Der Miete erheben.

DesteuerungSmahstab ist Der Steuerwert Des Jahres 1914, wie er der Grundsteuer unterliegt: die Vorkriegs miete wird bis jetzt nur in einem Lande der Steuer zugrunde gelegt. Die Aufstellung von Miet- k a t a st e r n ist auch in Hessen beabsichtigt, sobald Klarheit Darüber besteht, ob und in welcher Form die Steuer für längere Zeit weiterbestehen muh. Wenn die Friedensmiete geringer ist als 5 Prozent des Steuerwerts, dann ist eine Herab­setzung der Steuer möglich.

Wer trägt die Steuer?

Rach Dem Reichsgeseh ist der Haus- eigentümer Der Steuerschuldner: der Mieter hat die volle Miete zu zahlen. Die vorn 1. Juli 1926 ab 100 Prozent der Friedens- miete betragen wirb. Kann ec die durch Die Sondersteuer veranlaßte Mieterhöhung nicht zah­len, so hat er um entsprechenden Ersatz beim Wohlfahrtsamt nachzusuchen. Gleichen An­spruch hat Der Hauseigentümer für seine eigene Wohnung, wenn er Die volle Miete nicht tragen kann. Die Finanzämter haben mit Diesen Gesuchen nichts mehr zu tun. In jedem Falle zahlt der Hausbesitzer Die Steuer Der Ersah Dafür toirD ihm auch für Die letzte Erhöhung der Steuer in Der gleichfalls erhöhten Miete, soweit es sich um vermietete Räume handelt.

Steuerbefreiungen und Steuerermäßigungen.

Steuerfrei sind alle Gebäude, Die auch von Der Grundsteuer befreit sind. So läßt das Reichs-

«ie waren behutsam aus Dem Boote gestiegen unD auf Dem Bauche kriechend auf Die Höhe Der Uferböschung gelangt. Hier trennten sie sich. Bald sich gebückt vorwärts taftenD, bald auf allen Vieren laufend, bewegte sich Kramer langsam um das Ge­bäude herum.

Es war eine elende, anscheinend seit langem unbewohnte Holzlaube. Sie schien zwei Räume zu fassen. Das Fenster Des einen war schwach erhellt, em trübes Talglicht flackerte im Innern.

Es war zu dunkel, um zu sehen, auf welcher Seite Die Emgangstür war. Darum schob sich Kra­mer so nahe heran, daß er direkt neben der Hütten­wand zu liegen kam.

3m Innern des Hauses rührte sich nichts.

Ein leises Geräusch hinter ihm, aber ehe er sich umwenden konnte, fiel ein schwerer Körper auf ihn, Swei eiserne Fäuste preßten sich um seine (Burgei und zwangen seinen Kops so tief in den Sand, daß sein Hilferuf erstickt wurde. Unfähig, sich zu rühren und Atem zu holen, lag er da.

Schon tanzten ihm bunte Flammen vor den Augen, ein wütender Schmer; wollte ihm Den Schädel sprengen, klebriges Blut rann aus Der Nase in Den ErDboDen, an Den das Gesicht gepreßt war. Da lockerte sich der Grift an seiner Kehle, ein Stnebef schob sich ihm in den Mund und Die noch kraftlosen GlieDer wurden auf geschickte Weise ge­fesselt.

... Dann hob ihn eine in Der Dunkelheit unkennt- ®cftQlt hoch und trug ihn leise wie ein Paket in das dunkle Zimmer Der Hütte. Dort fehlte sich Der Anwalt mit Dem Rücken auf Den Boden gelegt. Vergeblich bemühte er sich, Die dichte Dunkelheit mit den Blicken zu durchdringen. Er hörte nur Die Atemzüge seines Uederwältigers.

Ein schmaler Streif schwachen Lichtes fiel in den Raum, jemand hatte die Tür zum Nebenzimmer ein wenig geöffnet.

Nun?" fragte eine leise Stimme dulch den Spalt.

Erledigt!" antwortete, ebenso flüsternd, der Mann, der im Dunklen neben Kramer stand.

Out." Der andere ließ den Türspalt offen, und Kramer hörte nun aus dem Nebenzimmer folgendes-

Schritte entfernten sich von der Tür, es schien, als ob em Fenster vorsichtig geöffnet würde.

Dentand rief mit verhaltener Stimme:Schulzl"

gcseh u. a. Die Steuersreit der landwirt­schaftlichen OefonomiegcbäuDc. nicht aber auch Der gewerblichen Gebäude zu.

Im weiteren sind nachstehende Befreiungen und Ermäßigungen zulässig:

a) Einfamilienhäuser. Die vor Dem 1. Juli 1918 fertiggestellt und damals mit nicht mehr als 20 Prozent des Friedens wert es be­lastet waren, werden auf Antrag beim Finanzamt von der Steuer befreit, wenn sie nur vom Eigentümer bewohnt werden (Zwangsver­mietung zählt hierbei nicht mit) und wenn Die Wohn fläche nicht mehr als 70 Quadratmeter beträgt.

b) War ein Haus am 31. Dezember 1918 unbelastet (also schuldenfrei) oder mit nicht mehr als 30 Prozent des Friedenswertes be­lastet, Dann wird die Steuer (und zwar Staats­und Gemeindesteuer zusammen) auf Antrag herabgesetzt und zwar bei unbelasteten oder nur bis zu 20 Prozent belasteten Grundstücken auf 1 Prozent des Friedenswertes, bei einer Belastung bis zu 30 Prozent auf 1,75 Prozent des Friedenswertes. Der Hauseigentümer hat zu diesem Zwecke eine Bescheinigung an DaS Finanzamt abzugeben, die ihm von Dem Amts­gericht kostenlos ausgestellt wird.

Beispiel: Auf einem landwirtschaftlichen Grundbesitz im Werte von 50 000 Mark lasteten vor Dem 31. Dezember 1918 10 000 Mark Hypo­thekschulden: das Wohnhaus (ohne OeEonomic- gebäuDe) hat 8000 Mark Steuerwert, mithin ent- hin entfallen hierauf von der Schuld 1600 Mark: Das sind 20 Prozent, mithin kann Ermäßigung der Steuer auf 1 Prozent des Wertes (= 80 Mart für Land und Gemeinde zusammen) ver­langt werden.

Bemerkt wird, dah das ReichSgesetz für schuldenfreie oder gering belastete Gebäude weitergehende Ermäßigungen zuläßt. In der hessischen Verordnung hat man zunächst noch Davon abgesehen, diese Ver- günftigung in vollem Umfange zu übernehmen, einmal weil bei der gegenwärtigen Finanzlage des Landes eine weftergehende Ermäßigung ohne Erhöhung anderer Steuern nicht möglich war, und zum anderen, weil es sich hier um Haus­eigentümer handelt, die ohnehin meist schon da­durch im Vorteil gegen andere sind, Daß fie von Der letzten Steuererhöhung nicht betroffen toerDen, unD schließlich weil diese Art Der Ver­günstigung in anderen Fällen nicht zulässig ist, in denen eine Rücksichtnahme mindestens ebenso berechttgt wäre. Hier muß das Reichsgeseh Aen- Derungen treffen. Man hofft, daß die Mög­lichkeit, gegeben wird, hier noch im Laufe dieses Steuerjahres weitergehende Erleichterungen zu gewähren. Hervorgehoben fei, daß dieses ab­gesehen von Der Bestimmung des §11 Zifs. 5 Abs. 5 Des Reichsgesehes vom 10. August 1925, Die aber auf Grund einer Weisung an Die Finanzämter im Elnzelsall Berücksichtigung finden soll der einzige Fall ist, in Dem eine vom Reichs- gefet; zugelassene Steuerermähigungsvorschrift

Vach einer Weile erfolgte ein Gegenruf.

-Hier ist niemand, Schulz, kommen Sie herein!" Auch Der Nebenraum befaß eine Tür. Kramer hörte, wie man sie öffnete.

Donnerwetter!" flüsterte Schulz' Stimme.Wo stecken unsere Vögel Denn, Herr Rechtsanwalt?"

3ch weiß nicht, antwortete Die anDere Stimme.

Haben Sie Das Boot gesehen, Das am Ufer an­gefettet liegt? Das Licht brennt aber verdammt trübe, Herr Rechtsanwalt. Wer hat es angezündet?"

Sehen Sie sich einmal an, was da auf Dem Tische liegt."

WieDer ertönten leise Schritte, dann ein dumpfer Schlag, dem ein erstickter Aufschrei folgte. Ein Stuhl fiel mit Gepolter um, Kleiderrascheln wurde hörbar, Dann roar alles roieDer still.

Die Tür wurde weit geöffnet.Herein mit dem Mann! sagte eine Stimme, die dem Anwalt seltsam bekannt vorfam.

Er fühlte sich aufgehoben und wurde ins Neben­zimmer gebracht. Das erste, worauf fein Blick fiel, war Schul;, Der gefesselt und wie leblos am Boden lag. Das zweite das Gesicht des Mannes, der ihn getragen hatte und nun auf einen Stuhl fetzte.

Es war der weiße Negerkopf des Chauffeurs vom grauen Auto. Er grinste ihn an, während er ihm den Knebel aus dem Munde nahm.

Der andere Mann hatte ein zweites Licht ange- Zündet und drehte sich riun zu Kramer um.

Der Anwalt stieß einen Schrei der Ueberrafchung aus. Noch drehte sich ihm alles vor Den Augen von dem eisernen Griff, Der ihm Die Luft abgeschnürt hotte: aber inmitten Des Chaos um ihn roirbelnDer Dmge sah er wie eine Traumgestalt sich selbst vor sich stehen.

Seine Gestalt im hellen Sommerüberzieher, fein Kopf, schmal, braun, mit geraden Augenbrauen unb kurzen Bartkoteletten, sein leicht ergrautes, seitlich gescheiteltes Haar, das in schräger Linie Die Stirn abgrenzte.

ft?cr®0PPel8änger fefete sich ihm gegenüber und stellte das Licht zwischen sich und ihn, so daß der schein der kleinen Flamme auf zwei Gesichter fiel. Die sich gegenseitig ineinander zu spiegeln schienen.

Sie blickten sich schweigend an r 1?er3°9 ber Doppelgänger den Mund und lachte lautlos.

(Fortsetzung folgt) « V ' >