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gutachtenS würde eine gleichmäßige Durchfüh­rung der Arbeitszeitfragen durch alle in London beteiligten Länder rechtfertigen. Darüber müssen sich diejenigen Staaten klar sein, die von einem angeblichen Arbei.szeitdumpings Deutschlands reden. Immerhin bedürfen die hier erörterten neuen Gesichtspunkte, die das Arbeitszeitproblem als internationales Problem Herausstellen, stär­kerer Beachtung.

Die französisch-russischen Verhandlungen.

Bon unserem Pariser Korrespondenten.

Paris, 16. April. Bon den Ereignissen, welche sich zur Zeit in Paris abspielen, inter­essieren das politische Ausland unbedingt die Berhandlungen mit Rußland am meisten. Rur knappe (Nachrichten dringen darüber in die Oeffentlichleit. Zuletzt wußte man zu melden, daß sie bald zu einem positiven Ergebnis führen würden. Die Russen halten ziemlich fest an ihren Forderungen und betonen die Schwierigkeit ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage viel mehr, als es sich sonst mit ihren propagandistischen Plänen vertragen würde, aber auf beiden Seiten besteht ein erster Wille, um bald zu einer Ber- ständigung zu gelangen. Russischerfeits deutet man an, daß, wenn die Verhandlungen von Er­folg begleitet sind, man auch mit England zu verhandeln beabsichtigt. Die Berhandlungen der Russen in Paris werden nicht nur von Lon­don mit viel Interesse verfolgt. Die Verbünde­ten Frankreichs, welche mit Rußland eine ge­meinsame Grenze haben, wie Polen und Ru­mänien, sind wenig entzückt von der Möglich­keit einer russisch-französischen Annäherung, wenn sich diese vorläufig auch noch so sehr im An­fangsstadium befindet, und wenn auch jede Geste der Annäherung zwischen den beiden Staaten aus Schwierigkeiten stößt. Die Probleme, welche durch den Zusammenbruch des zaristischen Rußlands entstanden sind, sind sehr schwer zu lösen. Der älmstand, daß Frankreich sich heute finan­ziell besonders schwach fühlt, erschwert sie noch mehr. Die Russen können ihre wirt­schaftlichen Pläne, die sie an die jetzigen Ver­handlungen knüpfen, nur dann verwirklichen, wenn die Annäherung an Frankreich die Vor­stufe einer Annäherung an die anglosächsische Welt bedeutet. In Amerika herrscht aber keines­wegs eine günstige Stimmung für sie.

Auto-Statistik der U.S.A.

Bon Professor Paul F r e y e.

Wahrhaft kolostale Ziffern bezeichnen den für unsere Begriffe fast unglaublich rasch wachsenden Autvmobilverkehr in den Vereinigten Staaten von Amerika. Oie Riesenverdienste der Kriegs- und Rachcriegsjahre, die verhältnismäßig hohen Löhne und die niedrigen Preise für Kraftwagen haben diese Entwicklung ermöglicht.

Nach den Statistiken des amerikanischen amt­lichen Bureaus für Industrie und Technik laufen in den U. S. A. gegenwärtig 20 Millionen Automobile und alljährlich werden 4 Millionen neue Wogen zu einem Durchschnittspreise von 1000 Dollar (4200 Mark) gebaut. Das Automobilwescn kostet Amerika jetzt jährlich ungefähr 14 Milliarden Dollar (58,8 Milliarden Mark). Die einzelnen Zahlen stellen sich wie folgt:

Dollar

Instandhaltung und Reparaturen 2,0 Milliarden Abnutzung 2,5 Millionen

Betriebsstoff und Del 1,5 Milliarden

Ehaufseurgehälter 1,6 Milliarden

Bereifung 600 Millionen

Garagen , 900 Millionen

Steuern 625 Millionen

Versicherungen und Investierungen 800 Millionen

Die Unterhaltungskosten ergeben pro Wagen ca. 700 Dollar (2940 Mark) im Jahr.

Rach der kürzlich stattgehabten Volkszählung haben die U.S.A. 117 Millionen Einwohner. Mitte dieses Jahres kommt also aus je fünf Amerikaner ein Auto. Rechnet man dazu die noch größere Zahl von Motorrädern, so kann man sich einen ungefähren Begriff des Krastzeug- verkehrs jenseits des Ozeans machen. Völlig ausgebrauchte Wagen, deren Reparatur sich nicht mehr lohnt, werden außerhalb der Städte auf den sogenannten Autokirchhöfen weggeworfen. Diese rapide Zunahme der Kraftfahrzeuge oller Art hat auch eine rapide Steigerung der Straßen- und Wegebauten gezeiligt, die den 11. S. A. jetzt nicht weniger als 1 Milliarde Dollar pro Jahr kostet. Im Verkauf des Autos werden äußerst günstige Ratenzahlungen gewährt. So gibt es eine ganze Reihe großer Fabriken, die dem Käufer Mona.sraten über 18 Monate gestatten. Dadurch wird natürlich der billige Kraftwagen zum beliebtesten Verkehrsmittel. Vier bis fünf Arbeiter halten sich zusammen ein Auto, um bequem zur Arbeit zu fahren und abends rasch ihre Wohnstätten zu erreichen. Der Autoverkehr

Ern Besuch int Zchubettmuseum.

Von Käthe Braun-Prager.

Ein kleines,, einstöckiges altes Wienerhaus mit den sv beliebten gebogenen Fenstern in­mitten einer geraden oroßstadtischen Häuser­zeile, die allerdings auch noch erstaunlich viele mehr als hundertjährige Hauser aufweisen kann. Das eine aber, von dem wir sprechen, ist be­sonders ausgezeichnet: es ist das Geburtshaus Franz Schuberts.

Wie die meisten der alten Wiener Häuser eine nähere und plastische Bezeichnung hatten, so hieß diesesZum roten Krebsen Rr. 72". Heule sieht man ein eingerahmtes Stück roten Salzburger Marmors, das die Zahl 72 ein- gemeißelt hat, im Vorraum des Schubert-Mu­seums hängen. Die Tafel ist historisch gewor­den, und das.Haus mit ollen anderen mo­dernen, uns unpersönlich scheinenden in die neue Strotzenordnung eingereiht. Früher hieß es am Alsergrund Rr. 72, jetzt Rüßdorf erst ratze Rr. 54. D.e Wohnräume, die Schubert seit seiner Ge­burt bis zu seinem zehnten Jahre mit Eltern und Geschwistern bewohnte, sind jetzt in ein Mu­seum verwandelt, lieber den unverändert ge­bliebenen, alten ausgetretenen Stiegenaufgang kommt man vorerst in die weiß gestrichene, die getrennten Wohnräume verbindende, so überaus anheimelnde Glasveranda, deren weihgestrichene Fenster in den lieben alten Wiener Hof und den rückwärts angrenzenden, tiefer gelegenen Garten schauen. Hier mag der kleine Schubert zum erstenmal seine Füße im Gehen geübt haben. Ein großer Lärm wird in der für viele

hat auch besonders in den letzten Jahren die rasche Ausdehnung der sich weit hinaus er­streckenden Vororte und Gartenstädte rings um die großen Städte bewirkt. Sieht man von dem sanitär sicherlich sehr schädlichen Staub ab, so ist zweifellos der Aufenthalt in diesen Garten­städten gesünder als das Wohnen in den Stein­haufen der Riesenmetropolen.

Auch das Ausland zeigt offenbar eine starke Aufnahmefähigkeit für amerikanische Autos, denn der jährliche Ausfuhrwert in Kraftwagen be­trägt 250 Millionen Dollar, also mehr als 1 Milliarde Goldmark.

Trotz modernster Verkehrsvorschriften, Sig­nale, Warnungsschildertt usw., wie man sie ja häufig in illustrierten Blättern abgebildet sieht, scheint dennoch das Berkehrsproblem in den 11. S. 21. nicht gelöst zu fein, denn allein im letzten Jahre wurden mehr als 25 000 Menschen durch Autos überfahren. In vielen Hauptstädter der Welt hat man durch Anlegung von Unter­grundbahnen den Straßenverkehr wesentlich ent­lastet.

Vielleicht ist die Zeit nicht mehr allzufern, wo man gezwungen sein wird, in großen Städten zur reibungsloseren und schnelleren Abwicklung des Kraftwagenverkehrs und zur Vermeidung der immer zahlreicher werdenden llnglücksfälle besondere Hintergrund - Autostraßen anzulegen. Projekte dieser Art wurden ja schon wiederholt veröffentlicht. Oder sollten wir bis dahin alle das Fliegen gelernt haben.

Tagung der Deutschen Volkspartei in Rheinhessen.

* Mainz, 17. April. Die Deutsche Dolkspartei veranstaltete hier eine Ta­gung ihrer rheinhessischen Ver­trauensleute, die aus allen Teilen Rhein­hessens besonders gut besucht war. Außer den Abgeordneten der Landtagsfcaktion nahm Reichs­tagsabgeordneter Dr. Decker an der Tagung teil, die vom Landesvorsihenden, Rechtsanwalt D i n g e I d e y , M d. L.. geleitet wurde und in stundenlanger Beratung einen anregenden, ein­mütigen Verlauf nahm. Besprochen wurden Fra­gen der hessischen Landespolitik, int Zusammenhang damit namentlich auch die gegen­wärtige Protestbewegung gegen die falsche Fi­nanzpolitik in Hessen. Das seitherige Vorgehen der Partei fand einmütigen Beifall und soll mit Entschiedenheit fortgesetzt werden. Das einleitende Referat des Abg. D i n g e l d e h zur politischen Lage in Hessen fand stürmischen Bei­fall. Einheitliche Auffassung bestand weiterhin hinsichtlich der Wege und Ziele eines weiteren Ausbaues der Organisation der Deutschen Volkspartei in Rheinhes- s e n. Hierzu machte Generalsekretär Kollbach entsprechende Ausführungen. Ausführlich wurden ferner landwirtschaftliche Fragen, na­mentlich in Hinsicht auf den Weinbau, behan­delt. Reichstagsabg. Dr. Decker erstattete hierzu das Referat, das mit herzlichem Dank ausgenom­men wurde. Zum Schluß der Tagung fand nach­stehende Entschließung einstimmige An­nahme:

Die aus allen Teilen Rheinhessens und aus allen Derufsständen heute zahlreich in Mainz versammelten Vertrauensleute der Deutschen Volkspartei sprechen nach eingehender politischer Aussprache der L a n d - tagsfrattion für ihre entschiedene Politik im Interesse des hessischen Volkes einmütig volles Vertrauen und herzlichen Dank aus. Die rheinhessische Tagung der Vertrauens­leute der Deutschen Volkspartei steht insbesondere vollzählig auf dem Boden der Ausführungen des Landes- und Fraktionsvor itzenden Rechtsanwalt D t n g e l d e y , gelegentlich der Etatberatungen im Landtage. Ihrem Reichstagsabgeordneten Dr. Becker sprechen die rheinhefsischen Vertrauens­leute der D. V. P. für sein tatkräftiges und er­folgreiches Eintreten im Interesse der Land­wirtschaft und des rheinhefsischen Weinbaues herzlichen Dank aus."

Die Schluhworte des Landtagsabgeordneten Scholz- Mainz, die der großen Aufgaben der Deutschen Volkspartei gedachten und dem zu­versichtlichen Glauben an die Partei, gerade auch in Rheinhessen, Ausdruck gaben, fanden beson­ders lebhaften Beifall.

Verband

hessischer Schulgeographen.

= Im Rahmen des Hess. Philologentages hielt der Verband hessischer Schul­geographen, dem von der Hochschule bis zur Volksschule Lehrer aller Schulgattungen ange­hören, hier feine diesjährige Haupt­versammlung ab, die gut besucht war. Der Tagung wohnte vom Landesamt für das Bil­dungswesen Ministerialdirektor Dr. II r st a d t bei, der herzlichst begrüßt wurde. Der Vorsitzende, Studienrat Dc. K n i e r i e m »Dad-Rauheim, er­stattete zunächst ein kritisch eingestelltes Referat

Personen viel zu kleinen Wohnuna gewesen sein, so daß der Vater es schwer gehabt haben wird, die Schulhefte durchsetzen zu können. Jetzt empfängt einen hier eine feierliche Ruhe. Die ehemals sicher mit weichem Holz gebrettelten Fußböden, die die vielen Kinderfütze wohl oft, zum Seufzen der Mutter, zu reinigen gezwun­gen haben werden, sind jetzt mit schönen, zu einem Sternenmuster gelegten Parketten ver­tauscht worden und die einst sicher ärmliche Behausung wirkt wie eine vornehm bürgerliche Wohnung.

Gleich im ersten Zimmer steht Schuberts Klavier, davor sein mit schwarzem Leder gepol­sterter Lehnstuhl. Das Klavier ist versperrt und dadurch ebenso unlebendig wie die zwei Diedermeierstühleaus der Zeit" und die Vi­trinentische; Dilder von Schuberts Eltern, sei­nen Geschwistern und Freunden, alle die wir längst aus den so gern gelesenen Schubert- büchern und Schwindmonographien kennen, sind an die dem früheren Geschmack angepatzten Wände gehängt. Ich sah mir die Familien­bilder an und fand das berühmte Schubertsche Grübchen im Kinn des Vaters, seiner Schwester und aller seiner Drüder wie von einem Kinder­finger eingedrückt. Schwinds liebes Iünglings- gesicht, Schuberts und Mayerhofers traurige Züge, des Sängers Vogel längliches Profil, Anselm Huttenbrenners, Dauernselds, Grillpar­zers Lockenkövse, meist Kuppelwieserische Dil­der, führen uns in den Kreis der Schubert- freunde liebevoll ein. Man sieht sie wieder auf der Landpartie" gemütlich auf einem Leiter­wagen fitzen, man sieht sie Gesellschaftsspiele

I über die Lage der Geographie in Hes - s e n, darin auch wertvolle methodische Winke für die Stoffbehandlung gebend. Studienrat Prof. Herbert- Worms gab dann einige inter­essante Mitteilungen über die von ihm vorbe­reitete Reubearbeitung der bekannten Wämser- schen Schulkarte von Hessen. Es wird die Lehrer­schaft Hessens interessieren, zu erfahren, daß noch bis zum Herbste dieses Jahres die Wand- und Handausgabe der Karte neu herauskommen werden, und zwar in neuer, zeitgemäßer Aus­stattung. Zu begrüßen ist vor allem die Ver­größerung des Umfangs der Karte, besonders nach Süden und Westen hin. Dezüglich der Si­tuation in der Geländedarstellung erfährt die Reuatzsgabe wesentliche Verbesserungen. (Selben Referaten folgte eine anregende Wechselrede, die zeigte, welch hohe Dedeutung man heute der Erdkunde als Lehrfach beimißt.

An die Vortragssihung schloß sich die G e - schaftsfihung an. Außer den Geschäfts­berichten, die dem Landesamt für das Bll» dungswesen Dank für die dem Verband ge­währten Unterstüßunaen zollten, stand die (Bor* standswahl aus der Tagesordnung, die den seitherigen Vorstand in der Hauptsache bestätigte. Reu in den Vorstand tritt Rektor Dr. Rein- W i e f e ck. Äachmittags fand dann eine Besich­tigung der AusstellungDie deutsche Land­karte in Schulbeispielen" im Geogra­phischen Institut unter Führung von Professor K l u t e statt, der die hochinteressante Zusammen­stellung methodisch angeordnet hat. Wie wir erfahren, wird die sehr lehrreiche Ausstellung noch einige Wochen erhalten bleiben und allen Interessenten, vor allem den Schülern zugäng­lich sein.

Am Freitag nachmittag sand im Anschluß an die Geographentagung eine Lehrwanderung, die unter Leitung von Prof. K l u t e von Treysa aus in den Knüll führte, statt.

Tagung der hessischen Industrie- und Handelskammern.

WSR. Mainz, 17. April. Rach elfjäh­riger Pause traten heute im Sitzungssaale der Stadtverordnetenversammlung die Hessischen Industrie- und Handelskammern zu ihrer ersten Vollsitzung zusammen. Den Verhand­lungen wohnten neben zahlreichen Vertretern der hessischen Industrie- und Handelskammern u. a. der Staatspräsident Ulrich, der Präsident des Landtages Adelung, Finanzminister H e n r i ch, Arbeitsminister Raab, Geheimrat Dr. Klausen als Vertreter des Reichsministers für die besetzten Gebiete, Oberbürgermeister Dr. K ü l b - 2Nainz sowie Dr. Lohmann als Ver­treter des Deutschen Industrie- und Handels- tages bei. Auf die Degrüßungsworte des Vize­präsidenten der Hessischen Industrie- und Han­delskammer, Scholz, sowie des Staatspräsi­denten, des Oberbürgermeisters der Stadt Mainz und des Vertreters des Re'.chskommlssars für die besetzten Gebiete folgten drei Referate, die sich mit den Forderungen der Wirtschaft und mit der einzuschlagenden Wirtschaftspolitik be­faßten. 2lls erster Redner sprach Fabrikant Schenk-Darmstadt überDie heutige Wirt­schaftslage". Als zweiter Redner referierte Ludwig Meyer über dieSozialpolitik und Wirtschaft". Als dritter gab llniversitätsprofessor M o m b e r t - Gießen einen lleberblick über Wirtschaft und Besteuerung". Rach ausgedehn­ter Debatte wurde schließlich eine Resolution an­genommen, in der sich der Hessische Industrie- und Handelstag für eine weitere Herab­setzung der Steuern und eine Reor­ganisation der öffentlichen Körper­schaften einsetzt und im besonderen für Hessen eine Gleichstellung in steuerlicher Beziehung mit seinen (Nachbarländern fordert.

Eisenbahnwünscbe aus Homberg

-er. Homberg a. d. D h m, .17. April. Die An- wohner der Eisenbahn st recke Burg-, Nie- der-Gemünden Homberg Kirch. Hain erhofften vom 1.April ab eine bessere Gestaltung des Sonn - und Feiertags- Verkehrs auf der Eisenbahn. Leider wur­den die Erwartungen vollständig enttäuscht. Der Zug, der, von Kirchhain kommend, zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags unsere Strecke passiert und in Burg- und Nieder-Gemünden einläust, bleibt dort zunächst liegen. Nur die Maschine fährt allein mit dem Zugbegleitpersonal nach Kirchhain zurück und holt dort einen Zug ab, den sie bis Nieder-Dfleiden bringt. Dort wird die Maschine abermals abgehängt und dampft nun wieder mit dem Begleitpersonal allein nach Burg- und Nieder-Gemünden, um den dort 9.55 Uhr abgehenden Zug nach Kirchhain zu schleppen. Wie mancher Anschluß konnte von den Reifenden nach der einen oder anderen Richtung hin bei vollem Durchgangsverkehr erreicht werden. Sind die auf die jetzige Weise gemachten Ersparnisse wirklich so groß, daß man sich nicht zu einer Ab­änderung verstehen könnte, die allenthalben so er- sehnt wird?

spielen, harmlos wie Kinder, man sieht sie im Salon um Schubert versammelt, der, am Kla­vier versunken, die Freunde entzückt. Und dann, um endlich eine ganz sinnlich-plastische Vorstel­lung von Schubert zu bekommen, kann man in der Vitrine eine Haarlocke von ihm sehen, rot- gold glänzend, fein wie Frauenhaar; daneben liegt die Laute und eine schwarz eingefaßte Drille. 2m Geiste denke ich sie mir unter Die Haarlocke, über die blauen Augen gelegt, die hohe Stirne dazwischen, darunter Der kindliche Mund und das Kinn mit Dem Grübchen. Aber schon zerstört das Bild seines Tolenschädels, Das ich unlängst sah, Die freundliche Erinnerung. Wenig ist uns aus seinem Besitz übrig ge­blieben, weil er ja selber so wenig besessen hat, bescheiden war und ständig mit Geldnot zu kämpfen hatte.

3d) gehe durch die Räume, und kann es mir nicht versagen, durch das gewölbte, spie­gelnde Fensterglas nach Der Siratze hinunter zu sehen und die Elektrische und die Auto­mobile wie aus einem Traum zu betrachten, wenn man gerade mitZeiserlwagen"Ein­spänner" undFiaker" gefahren ist. Und dann gehe ich noch einmal in Die Glasveranda, sehe hinunter in den alten Wiener Hof, wo Menschen noch immer so wohnen wie damals, ttotz Auto­hupen und Antennendrähten, in Den ebenerdi­gen Zimmern, wo ein Kinderarmchen das Fensterbrett von außen erreichen kann, gehe langsam die Stiege hinunter zur versperrten Gartentüre, an die ich mich lehne. Stufen füh­ren in das kleine, frühlingsgrüne Gärt­chen. Hier wird er bis zu seinem zehnten Jahr

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

ck. Heuchelheim, 17. April. In der Nacht wurde in einem Hause der verlängerten Wilhelm- straße ein Einbruch verübt. Der oder die Täter gelangten von der nach dem offenen Feld zu ge­legenen Seite des Hauses durch das Fenster in die Speisekammer, wo sie re st los aufräum- t e n. Der ganze Vorrat an Fleisch- und Wurstwaren von der H a u s s ch l a ch t u n g wurde mitge­nommen. Don den Tätern fehlt bis jetzt ,ede Spur.

ri. Kloster Arnsburg, 17. April. 3nt Kreise des Vorstands und der Freunde der An­stalt Arnsburg wurde gestern das 3ubiIäutn der Diakonisse Schwester Marie Schmier gefeiert, die 25 Jahre lang ununter­brochen im hiesigen RettungshauS tätig ist. Zur Jubelfeier war auch die Oberin des Diakonissen­mutterhauses Elisabethenstist in Darmstadt er­schienen. Rach gemeinsamem Gesang begann Stiftsdechant Lenz- Lich die Feier mit einer Ansprache. 3m (Namen des Vorstandes über­reichte der Vorsitzende Graf Wilhelm zu Solms-Laubach der Jubilarin einen Ruhe» fessel als Angebinde. Die Kinder der Anstalt fangen ihrer Schwester einige Chöre und brachten Gedichte und kleine Aufführungsn xum Vortrag, Pfarrer zur Rieden - Hutzdors sprach im Rarnen der Gemeinde Sandlofs bei Schlitz, der Schwester Marie entstammt. Del gemeinsamer Kaffeetafel im sinnig geschmückten 6aal im Kloster blieben die Gäste mit der Jubilarin, den Schwe­stern und den 50 Kindern der Anstalt einige Stunden froh beisammen.

* Eberstadt, 17. April. 3m nahen Hof- gut Hofgüll feierte am Freitag Herr August Karnbeitz, geboren am 29. Oktober 1853 in Darmstadt, den Tag, an dem er vor fünfzig 3 ahren als Gärtner in den Dienst der Fa­milie des OekonomierateS Karl Hoffmann eintrat. Vier Generattonen der Familie war er seither ein treuer Helfer und (Berater. Einst - eifriger Sänger und Turner, steht er, der sich überall besten Ansehens erfreut, heute noch in Treue in feinem Derufe. Von Der Anerkennung, die er überall genießt, legte Die Erinnerungsfeier in Hofgüll Zeugnis ab. In pietätvoller Weise wurde der Jubilar durch Wort und Tat geehrt. Reben zahlreichen Geschenken der Familie seines Arbeitgebers, Glückwunschschreiben und Tele­grammen, empfing er insbesondere noch ein ihn auszeichnendes Schreiben des Fürsten und der Rentkammer zu Braunfels und ein Dild des Schlosses Draunfels, sowie ein Diplom und die Ehrenmedaille der Hess. Landwirtschaftskammer zu Darmstadt.

Kreis Friedberg.

L Friedberg, 17. April. Der Verein für Dewegungsspiele beschloß in einer außerordentlichen Generalversammlung. seine Aktiven gegen Unfall z u versichern und zur Aufbringung der Prämien einen Sonder- beitrag von jährlich 2 Mk. von den Vereinsmit­gliedern zu erheben. Der V. f. D., der zur Zeit auf einer beachtlichen Höhe steht und in der letzten Spielzeit beachtenswerte Erfolge errungen hat, wird sich an den Werbe-Staffelläufen, Die anläß­lich Der Reichsgesundheitswoche hier am 24. April stättfinden, seiner Größe entsprechend, mit mehreren Mannschaften beteiligen.

^LDad-Rauheim, 17. April. Der hiesige Sportverein kann in diesem Jahre sein 20 - jährige- Jubiläum begehen. Aus diesem Anlaß veranstaltet Der Verein eine große Fest - undSportwerbewoche. Am 27. Juni findet vormittags ein Groß st affellaus.Rundum Dad-Rauheim", nachmittags ein große- Fuhball-Pokalturnier statt. Der 30. Juni wird abends einen Lichtbildervortrag brin­gen. Vom 3. bis 5. Juli wird ein Volksfest ver­anstaltet, und für Den 7. Juli sind zu einem Boxer-Abend erste Kräfte gewonnen. Den Abschluß Der geplanten Veranstaltungen wird am 11. Juli ein großes Schwlmmsest im städti­schen Schwimmbad bilden, zu dem deutscheSpitzen- vereine ihre Teilnahme zugesagt haben. Mit einem Sommernachtsfest am Teichhaus oder auf Dem Johannisberg am Abend des gleichen Tages werden die Iubiläurnsfeierlichkelten auskiingeu.

00 Nieder-Florstadt, 17. April. Das 2 a ft a u t o eines hiesigen Fuhrunternehmers geriet auf offener Landstraße in Bra n d. Zufällig waren der Wagenfahrer und sein Begleiter gerade aus- gestiegen, so daß sie keinen Schaden erlitten. Der Brand wurde sofort bekämpft, konnte aber nicht gelöscht werden, und das Auto verbrannte. Die Ursache des Brandes konnte nicht festgestellt werden. Beim Bau der Verbindungs- straße nach Reichelsheim werden alle Er­werbslosen beschäftigt. Die Kosten in Höhe von 65 000 Mark werden durch langfristige Anleihen aufgebracht.

Kreis Büdingen.'

!! Büdingen, 17. April. Die Arbeiten fm neuen Kreisamtsgebäude sind soweit fort­geschritten, daß die Verlegung der Amtsräume am nrr-nmiriBiuiwniirr iittiibinmi i«~n wiit i n i iiwi !! gespielt und später Ausgaben in Dem lieben Lusthäuschen geschrieben haben. Ober im Mu­seum hängt ein Schulzeugnis und zeigt, was für ein guter, braver Schüler er war. Ein liebes Kind muß er gewesen fein mit Dem kleinen Ras­chen, Dem runden Gesicht, Dem tiefen Grübchen am Kinn und Dem goldenen Ringelhaar. Mit diesem Dilde von Dem Kinde Franz Schubert, das er allerdings bis an sein Lebensende im schönsten Sinn des Begriffes Kind geblieben ist. gehe ich aus Dem Hause.

Obrrhessischer Kunstverein.

In Ergänzung unseres Berichtes über die letzte Ausstellung des Dberheffifchen Kunstvereins weifen wir auf einige verspätet eingegangene und auf« genommene Arbeiten von Frau E. Bodewlg» Pallenberg (Bad-Nauheim) hin. Es handelt sich um figürliche Kleinplaftik und Gebrauchskeramik. Von den kunstgewerblichen Stücken scheinen uns insbesondereTeedofe" undBrezeldose", bei ange­nehmen Gebrauchsformen in reinem Weiß, eine ge­lungene Verbindung von Zweckstil und figürlicher Ornamentik gefunden zu haben. Don den Schmuck­plastiken, die lediglich ästhetisch genommen werden wollen, sei die .Venus mit Ungeheuer" hervor­gehoben: ein fließend modellierter pikanter Akt, dessen leichtangehauchte Tönung an gewisse schäfer- liche Porzellangruppen des Rokoko erinnert. Weni­ger überzeugend, vor allem In den Proportionen, die (Eoafigur, die auch ihren Namen etwas will­kürlich und uncharakteristisch trägt, und ebensogut anders heißen konnte. Als Bewegungsstudie inter­essiert derSchatzgräber". -y»