Ur. 296 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 18. Dezember 1926
Römischer Brief.
Don unserem römischen L-Korrespondenten. Rom. Mitte Dezember.
Acht Lage war das Kapitol verwaist, niemand wußte wieso und warum. Niemand, wer in Rom regiere. Obwohl wir seit einiger Zeit unter dreifacher Herrschaft stehen: Zepter. Krummstab und Liklorenbündel, ätnd dann kam noch der souveräne Gouverneur hinzu. Obwohl alle städtlschen Einrichtungen. Briefköpfe und Milchkarren das stolze SPQR ziert. Wir wühlen nur, bah ohne Befragen des „Senates und Dolkcs von Rom" der vom ersten Minister des Königs eingesetzte Gouverneur, der erste seines Zeichens, den tarpejischen Fels — hin- untergcsallen war. Keine Zeitung durste ein Sterbenswörtchen für oder gegen ihn bringen, keine nur andeuten, weshalb plötzlich der Mann, auf den der Duce Ehpen über Ehren gehäuft hatte, der Senator Cremone fi, unser „Pippo", der Liebling des Publikums, gehen muhte. Lind mit ihm sämtliche Dizegouverneure und sämtliche zehn Rektoren des Kav'tols. Pippo. der sich mit den Männern der P'es e immer echt gut stand, sch ckte uns nur ein Abschiedsbrieschen in unsere Arbeitsstube und fand, als der Duce endlich seinen Nachfolger gewählt hatte, den Fürsten Spada P o t e n z i a n i, das gelassene Wort: Die Männer gehen, Rom bleibt unsterblich? Wenn ich nicht irre, haben philosophisch« Gemüter schon früher einmal so gedacht. .
ES sind neronische Zeiten. So hoch steht keiner, dah er sich seines Amtes vor Mitternacht rühmen dürfte. Wie sie k;men und meteor- gleich -aufstiegen, alle, alle sanken wieder ins Nichts Zurück. Es fiel Farinacci, der „zweite Duce". GS verschwand Federzoni, der ..Nachfolger Mussolinis". Dor Oberkommandierende der schwarzen Legionen, ein Fürst und General des königlichen Heeres, trat auf und — ab Aus? Die Gnaden sonne des Duce ist zuverlässig wie eine Frau. Sie formt und zerquetscht, die Faust des Giganten — man mag über die Sache den» ken. wie man will, gigantisch ist seine Alleinherrschaft unbedingt. Kein Zar hat jemals so unumschränkt regiert, denn keiner ging so ins -einzelne. Dieser moderne Eäsar mordet seine Untertanen nicht läßt leine Ratgeber nicht aus Laune über die Klinge (bringen, er nützt sie aus zum Wohle des Staates. Des Stoatswvhles, wie er es ouffäht, ober immerhin zu einem höheren, nicht einem versönsichen Zweck. Der König ist besieht, aber Mussolini herrscht. Man kann zum Beispiel eine Zeitschrift aufschloaen und darin ein Bild finden, das den Herrscher inmitten seines Gefolges bei irgendeiner Parade zeigt: in der Mitte Mussolini, der Monarch zu seiner Rechten.
Aber nicht nur der Würdenträger von Duces Gnaden, auch der gewöhnliche Sterbliche weih niemals, was ihm der nächste Tag bringt. So sehr das faschistische Abzeichen im Knopfloch dominiert, so sicher die damit Geschmückten eine Kaste bilden, gegen die der nackte Frack vergeblich anrennen würde, so verfehlt wäre es, zu glauben, dah die Faschisten geschont würden. 3m Gegenteil, sie unterstehen einer geradezu kasernenhaften Kontrolle, ihre Freiheit ist dahin. Zahllose Fragebogen, die sie ständig auf Herz und Nieren prüfen, flattern ihnen inS Haus, sie als-erste haben Staats- diszivlin zu zeigen, Obfer zu bringen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Undenkbar, dah sich etwa ein Faschist von der Zeichnung auf die Liktorenbündetanleihe drückt. Gelingt das schon keinem Türsteher in Rom oder einem Gemeindediener in Sardinien, so wäre es für einen eingeschriebenen Faschisten der Anfang vom Ende. Daher ist die Unzufriedenheit durchaus nicht bloh auf regimefeindliche Kreise beschränkt, im Gegenteil, zahllose Faschisten seufzen unter der all-u harten Kandg'-e. Aber sie gehorchen. Mussolini ist ein unerbittlicher Reiter und weih, was er will.
Don Tag zu Tag sich mehr zum Asketen, zum Puritaner auf allen Gebieten ausbildend, fordert er von seinem Volke das gleiche. Das bisherige Parteiabzeichen, das Liktorenbün- del. wurde »um staatlichen Hoheitsabzeichen erhoben. Sinnbild der Zeit, wie es treffender nicht erdacht werden könnte. In Rom gerät nach dem Fallen des Vorhangs über der intimsten Saalbühne, bei Beginn des nächtlichen Tanz- treibens im elegantesten Lokale der Hauvtstadt, das ganze Sodom in Brand. Ach, aemePen an den Lasterstätten anderer Länder, ging es hier recht brav zu. Die aufflammenden Vavierrvsen. es ist wahr, riefelten wie biblllche Strafen auf nackte Frauenfchuktern und die Klischeevifagen arbeitsunlustiger Herrchen herunter, aber war unter den raucherstickten Obfern der leichtest- geschürzten Mule nicht auch eine Mutter, die ihr Schäfchen nach Hause bringen wollte? Und doch wird der Theaterbrand ein Verbot aller T a b a r i n s zur Folge haben, einen derart willkommenen Vorwand zu puritanischen Verfolgungen kann sich die Staatsraison, die ein fern- tüchtiges Soldatenvolk heran bilden will, nicht entgehen lassen.
„Ich will euch!" Auch den verworfenen Mannsgeschövfen gilt es. die „sich tociacrn, eine Familie zu gründen" Mussolini hat ihnen als Weihnachtsgeschenk eine Iunggesellen- steuer unter den Baum gefeit. Lind zwar eine progressive vom 25. Lebensjahre ab. Llnd bis zum funsundsechzigsten — was zum andernmal verrät, dah in Italien ein kräftiger Menschenschlag lebt. Dann kam ein Ukas heraus, der bis auf weiteres fämt siche Festeres en. Umzüge und dergleichen verbietet. Die Nation solle arbei» t e n. Bisher hieh es „sempre festa", immer ein Fest! Besonders bei den Faschisten. Nun dürfen sie nicht einmal mehr Bank-site abhalten und Reden loslassen. Ich bitte Sie. was ist eine italienische Lustbarkeit ohne Festredner, was ein Festredner ohne Zuhörer? Kein Unteroffizier kann lo streng fein.
Aber Mussolini zeigt wie es gemacht werden muh. Arbeit, nichts als Arbeit. Lieber zehn Berufe als feinen. Sr geht niemals in Urlaub er schafft auch Sonntags. Manche amtlich« Verlautbarungen werden infolgedessen zum W'h. Da verkündet ett^a die den Südtirolern auferleate faschistische ..Albenzeitung" über eine Posizeimah- nahme: „Dasselbe kann der Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Minister des Aeuheren und mit Zustimmung des Ehefs der Regierung verfügen ..." Beneidenswertes Ein-
Famrlre und Staat
Don Prof. Dr. Friedrich Zahn. München, Weihnachten stehl vor der Türe — ein Fest der Familie, der Kinder, der kinderreichen Familie. Selbst der eingefleischteste Jung, gefelle besinnt sich aus seine Familienzugehörig, leit und sucht das Fest im Kreis seiner Angehörigen oder wenigstens im sonstigen trauten Familienkreis zu verbringen. Ist aber die Fa- milie selber noch Rückhalt und Stärke für die Gesellschaft, für den Staat? Welche Deoeutung hat überhaupt die Familie, wie sieht es heute mit der deutschen Familie aus. was tut der Staat für die Familie und was soll et tun?
Die Familie ist das eigentliche Herz der Vvlkspersönlichkeit. der Staat ist eine er- weiterte Familie, das Vaterland ein erweitertes Vaterhaus. Nach der Familienhaftigkeit des Volkes bestimmen sich ganz wesentlich quantitative Höhe und qualitative Reise der Bevölkerung, die für die innere Kraft der Staatspersönlichkert den Ausschlag geben. Denn die Familie ist die Pflanzschule unseres künftigen Dol- k e S, zur Sicherung seines Wachstums bedarf das Volk einer Mindestziffer von durchschnittlich vier Kindern je Familie. Auch die Qualitäts- Menschen gibt die Familie dein Staate, hier werden Pflichtgefühl. Arbeitslust und Charakter angeregt und zu ensprechender Entfaltung aus» gelöst, hier sind die Kraftzentralen für das Wir- ken des Mannes und die spätere Tüchtigkeit der Kinder, hier vermag der einzelne durch feine Kinder über sich hinaus, über die Gegenwart deS Volkes hinaus zu fchaffen. aus dem Fa- niilicngeift entwickelt sich Heimatfinn und Volkstum. entwickeln sich Gemeinsinn. Nationalstolz, Vaterlandsliebe, Gesamtstaatswillen. Darum sieht in den Familien das Volk sich selber an. Darum besteht für den Staat das allergrößte Selbst- intereffe an der Erhaltung der Familie, an der Pflege gefunden Familienlebens.
Die deutsche Familie ist in der Mehrzahl noch gesund, demgemäß auch unser Volk im Äern >wch gesund. Indessen gewisse Zersehungs- erfcheinungen in quantitativer wie qualitativer Hinsicht find unleugbar vorhanden. Schon in der Vorkriegszeit wurden sie beobachtet, sie haben sich im aßufe der Kriegs-, Revolutions- und Nachkriegszeit noch verschlechtert. Neben überspanntem Intellektualismus, Materialismus und Individualismus taten die wirtschaftlichen Verhältnisse das ihrige, um Familiensinn, Familienfreudigkeit, Familienwachstum zu beeinträchtigen. Das Kleinfamiliensystem trat immer mehr zutage. Der Geburtenrückgang betrifft hauptsächlich das dritte und spätere Kind, die Familien werden m. a. W. weniger kinderreich, also kinderärmer. Die Kleinhaltung der belin- werten Familie ist Absicht, die erschreckende Zu- nähme der ehelichen Fehlgeburten, die Abtrei- bungsfeuche sprechen deutlich genug.
Auch qualitativ hat die Familie eine Schwächung erfahren. Darauf deutet die Mehrung gewisser die weibliche Gebarkraft beeinträchtigender Krankheiten (Schilddrüsen-, Gebärmuttererkrankungen), die Verdoppelung der Ehescheidungen seit der Vorkriegszeit, deuten die bekannten Faktoren, welche während und nach dem Kriege die Hauswirtschaft und die Kin>r- erziehung erschwerten und verschlechterten. Vergrößert hat diesen Mißstand noch die Wohnung s - und die M i e t c n o t: In vielen Städten müssen 7 bis 12 v. H. der Familien mit anderen die nämliche Wohnung teilen, die Miete wirkt mit jeder Erhöhung gerade auf die kinderreichen Familien wirtschaftlich und psychisch besonders drückend, denn sie müssen die größeren Wohnungen haben, aber erfahren in ihren bei der Stabilisierung auf einen niedrigen Preisstand zugeschnittenen Gehältern und Löhnen trotz der fortgesetzten Mieterhöhung keine genügende «Steigerung.
Zweifellos unerwünschte Verhältnisse vom Standpunkt einer gefunden deutschen Familie, vom Standpunkt der Erhaltung und des Wieder-, aufbaues unserer Volkskraft! Ein Wandel der familien- und kinderscheuen Zeit zugunsten eines familienfreudigen Geistes ist nicht ohne weiteres zu erwarten. Es bedarf positiver Maßnahmen. nicht so sehr um neue kinderreiche Familien zu schaffen, was bei den heutigen schweren Existenzbedingungen unseres Volkes wenig Aussicht hätte, als vielmehr um die vorhandenen kinderreichen Familien zu festigen und zu schützen.
Lange Jahrzehnte war die Familienpolitik nicht sonderlich zielbewußt, sondern zum Seil eher familienfeindlich als familienfreundlich Auch die neuere Sozialgesetzgebung war zunächst mehr Einzelfürsorge, bot nur sekundär Cinzelleistungen zugunsten der Familien mit spärlicher Berücksichtigung von deren Kinderzahl. Doch wurden diese tastenden familienpolitischen Versuche im Krieg und in der Nachkriegszeit in verstärktem Maße fortgesetzt. Neuerdings setzt sich endlich im Zeichen der neuen Reichsverfassung, die Den kinderreichen Familien ausdrücklich Airspruch auf ausgleichende Fürsorge zusichert, und unter dem Einfluß der — vornehmlich vom Reichsbund Der Kinderreichen getragenen — Bewegung eine systematische Familienpolitik durch Sie erstrebt Die Stärkung Der Familien, insbesondere der kinderreichen Familien in dreifacher Richtung: 1. durch bestmögliche Gesundheitspflege, 2. durch planmäßige wirtschaftliche Fürsorge, 3. durch Hebung der sittlichen Grundlagen Der Familien
Die Gesundheit von Mann und Frau sind Der Grundpfeiler, das Glück der Ehe. Des- halt sind Einrichtungen, wie Austausch der Heiratszeugnisse unter den Verlobten zuverlässig geleitete Cheberatungsstellen (Rat über Ehetauglichkeit und in Eheschwierigkeiten, Vorbeuge gegen Mißehen) zu fördern. Ebenso verdienen die Einrichtungen für Säuglinge, Kleinkinder. Schulkinder, Berufsschullinder. Haus- und Familienpflege entsprechende Ausgestaltung. Lind die neuzeitlichen Bestrebungen auf Verbesserung der haus- wirtschaftlichen Ausbildung Der Frauen und Töchter, auf Rationalisierung der Haushaltführung, auf Beseelung der Wohnkultur berühren so sehr das Kernstück des Familienlebens, daß ihm nachdrücklichste Unterstützung seitens Der öffentlichen Verwaltung gebührt.
Präsident des bahr, statistischen Landesamtes.
Bei der wirtschaftlichen Fürsorge handelt es sich Darum: Wie kann der Kinder- reiche innerhalb seiner sozialen Schicht so gestellt werden. Daß Die ilngunft feiner Lage gegenüber ÄinDerarmen und Ledigen feiner Schicht behoben und möglichst ins Gegenteil gekehrt wird? Darauf haben die kinderreichm Familien aller Stände wegen ihrer staatsbürgerlichen Mehrleistung im Vergleich zu den Ledigen und Kinder- lefen Anspruch den auch Die ReichSoerfafsung «Artikel 118) in Form eines .Ausgleichs" anerkennt. Diese ausgleichende Fürsorge hat zu geschehen durch Einschränkung des Aufwandes Dor Kinderaufzucht sowie durch Erhöhung Der Einkommen der kinderreichen Familien.
Bekanntlich haben Die kinderrerchon Familien — im Gegensatz zu den Ledigen und kinderlosen Familien — größeren Bedarf an Wohnungen, Hausrat, Ernährung. Kleidung, Wäsche, Beleuchtung, Breirnstoffen Dienstpersonal, haben erhöhte Kosten für Schulbildung, Aussteuer, Arzt. Apotheke, sind außerdem höher belastet durch die Verbrauchssteuern. Zölle. Derlehrsabgaben. Für diesen zwangsläufig gegebenen Familienaufwand müssen Erleichterungen geschaffen werden. Besonders vordringlich sind in dieser Beziehung die Ausgestaltung der gemeinnützigen Hausrats- hilse, eine energische Wohnungspolitik, die mit dem ArbeitsbeschassungsProgramm Der Reichsregierung stärker verbunden werden sollte, sowie die Fortbildung Der bereits bestehenden Steuerbegünstigungen für kinderreiche Familien. Auch Ermästigungen der Reisekosten für kinderreiche Familien auf Eisenbahnen, Schiffen, Straßenbahnen, Ermäßigmrgen der Aufenthaltsgebühr in Kurorten, Bädern, Rückerstattung städtischer Verbrauchssteuern an kinderreiche Familien — nach französischem und italienischem Vorbild — sind anzustreben. Senter find Schulgeld-, Lernmittelfreiheit, Stipendien, Aufnahme in Internate in erhöhtem Maße für Kinder (namentlich begabte) aus größeren Familien bereitzustellen. Was die Sozialversicherung und Reichsversorgung, die Sozial- und Kleinrentnerfürsorge, die Erwerbslosenfürsorge zugunsten kinderreicher Familien neuerdings getan, verdient Anerkennung und noch weitere Fortbildung.
Aber wie sollen die Einnahmen der Kinderreichen erhöht werden? Schon jetzt dienen diesem Zweck die bei den Gehältern und Löhnen Der öffentlichen Verwaltung eingeführten Frauen- und Kinderzuschläge, die in Der Privatwirtschaft üblichen Familienlohne. Sie müssen soweit entwickelt werden — auch im Wege von Ausgleichskassen, die Die Fanrilienlöhne in Der Privatwirtschaft erleichtern —, daß Die Frau sich vorn außer häuslichen Erwerb tunlichst zurückhält und um so mehr Der Führung Des Haushalts unD Der KinDererziehung sich toiDmet Be- sonDers wichtig für Die wirtschaftliche Stärkung Der Familien ist eine E 11 e r n s cha f t s - oder Kinderrentenversicherung im Wege öffentlich-rechtlicher Zwangsversicherung, wie sie irach dem Plan von Grotjahn und Engelsmann seitens des Bundes der Kirrderreichen gefordert wird. Diese Versicherung soll alle Stände und Berufe umfassen und tunlichst den Landes Versicherungsanstalt en angegliedert werden. Beitragspflichtig find Die LeDigen zum Normalsah, Die Verheirateten je nach Der Kinderzahl zu ermäßigten Sähen. Die Leistungen bestehen in Kindergeld vom vierten Kinde an. Das sich mit jedem folgenden Kinde noch erhöht, sowie in Erziehungs- gcld. Die Verwirklichung dieses Planes ist freilich wegen der großen Belastung Der Gesamt- bevölkerung zunächst noch nicht zu erwarten. Doch liegt sicher in Der Richtung einer Derartigen Versicherung Der versprochene Familienausgleich Der Reichsverfassung.
Hand in Hand mit Der vorstehend geschilDer- ten GesunDheits-, Crziehungs- und Wirtschaftspolitik muß noch eine Stärkung Der ethischen Grundlagen Der Familien gehen. Dazu ist eine intensive Beeinflussung des Volkes Durch Aufklärungsarbeit über Die Bedeutung der Familie im wohlverstandenen Interesse Des einzelnen wie von Volk und Staat, eine geistige und moralische Kriegführung gegen gewisse Schäden unserer Gesellschaft dringend nötig. Die Zusammenarbeit von Haus. Schule, Kirche. Staat, Kunst. Wissenschaft. Praxis, Rundfunk muß den Familien- gebauten wieder höher ftimmeir Außerdem ist Die Pflege von Familienzusammenkünften, Fa- nrilieuchroniken, (Stammtafeln sehr geeignet unD erwünscht zur Vertiefung Des Familiensinns, ebenso gesellschaftliche Ehrungen der Kinderreichen, Muttertage, Kindertage, Ehrengaben an kinderreiche Mütter. Ob auch eine politische Be- vorrechtung den Vätern kinderreicher Familien angesichts Deren staatsbürgerlicher Mehrleistungen nach Vorschlägen von Riehl, Gruber, Roulleaux Du Gage usw. eingeräumt werden soll, verdient nähere Prüfung.
Alles in allem genommen, muß Die ganze Familienpolitik sich Darauf einstellen, Die Familien nicht mehr wie früher vor^ubelasten. vielmehr zu entlasten und zu bevorrechtem
3m Interesse einer solchen systematischen Fa- millerrpolitit sind Die Zufammenfchlüs'e Der kinderreichen Familien, wie sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Kulturstaaten neuerdings erfolgen, und Das auf Diese Weise zur Geltung kommende solidarische Wertbewußtsein Der Schicht Der Kinderreichen nur zu begrüßen. Soweit finanzielle Konsequenzen für den öffentlichen Haushalt sich aus dieser Familienpolitik ergeben, dürfen sie nicht hindern. Vermehrte Aufwendungen Dieser Art find nichts anderes als nationale Versicherungsprämien im Interesse der physischen, sittlichen und geiftigen Gesunderhaltung Der nationalen Produktivkraft, nichts anderes als unerläßliche Spesen Der nationalen Zukunst. Zuerst Kraftreserven, Dann erst Geldreserven! Der Mensch, Die Familie, das Doll, Der Staat, kommt vor der Dividende.
Rur ein starkes Famllienvolk entfaltet Die nachhaltige unD qualitative Rührsamkeit des Dolkskörpers. Die wir jetzt nötiger haben als je. Es lebe des Dolles Wille zum Leben!
vernehmen! Als Ches Der Regierung ist Mussolini immer Der Zustimmung des Außenministers, des Innenministers, des Kriegs-, Marine- usw. Ministers sicher, denn alle heißen merkwürdiger
weise so, wie er selbst. UnD so trägt er einen Einmütigkeitssieg nach Dem andern im Ministerrat Davon.
Leider passiert eS zuweilen auch Dem besten
FelDherrn, Daß er fid) — über Hegt. In der Lircschlacht hat Der Duce Stravinto, Den Sieg überspannt. Statt sich Damit zu begnügen, Den französischen Franken einzuholen, was seinen Vorgängern als unerreichtes Ziel vor Augen strebte, überflügelte er ihn und — erbroffcltc Damit Die Ausfuhr nach Westen. Dann rückte er dem englischen Pfund zuleide, riß es von 150 auf nahezu 100 herunter, was ihm mit Hilfe Der deutschen Tribut ahlungen, Die einfach auf das Schu.Dcnkvnto in England umgeschr eben wurden, nicht schwer fiel, und — brach Damit der Dörfe DaS Rückgrat. Der starke Maim hob. Den alten Witz verwirklichend, Die Valuta und — tief Damit Die Teuerung ins LanD. Denn siehe, es ergab sich das betrübliche Schauspiel, Daß Der Appell an Die hurra-freudigen Patrioten in Dem Augenblicke wirkungslos verhallte, wo er ihnen ans Puntenöri ging, an Den GelDsack. Keinem fällt es ein, Aktien zu kaufen, wenn sie täglich im Kurse sinken. Einige stehen bereits unter pari. Die früher Favoriten waren. Aber Mussolini will Das nicht sehen, sein ausgesprochenes Ziel ist Die hochstehende Lira, und wenn Darüber Die Industrie, das HauptfunDament des Faschismus. zusammenkracht. Er verfpribt sich eine allgemeine Senkung DeS Preisniveaus, eine Herabsetzung Der Mieten unD Löhne. Vergeblich Italien ist über Nacht eine# Der teuersten 2 ä n D c r geworben. Ob. mit oder ohne Faschistenabzeichen. niemand geht mit Dem Preis herunter. Schreibt eines Der raDilalften faschistischen Blätter: „In Bologna haben f t einen Haufen unehrlicher Geschäftsleute zufammenge- trieben unD unter guter Bewachung vor Den Polizeigewaltigen gebracht. Der mit Der Zuteilung von Gefängniszellen nicht geizte. In Rom genießt man solche Schauspiele nicht. Liegt cS vielleicht an Der Polizei? Gewiß nicht. Es fehlt einfach an Räumsichkei'en, Die groß genug wären, alle Schelme zu beherbergen. Schelm hin. <3eint fier, alles seufzt unter Dem hohen Valutastand. Mit Bangen sieht man Dem neuen Jahr entceqeit unD Die Frage lautet nicht: WaS totrd es uns bringen? Sondern. Was wird Gr unS noch bescheren?
Neronische Zeiten. Damit man im Kalender nicht irre, meißeln sie jetzt überall neben Dem ßiltorenbündcl Die Jahreszahl ein. „Erbaut im Jahre V..."
Die deutsche Ne chsbahn im November.
Der Güterverkehr ftelüc auch im November erhöhte Anforderungen an Die Reichs- bahn. Arbeitstäglich wurden 5920 Wagen mehr gestellt, als im Oktober, daS ist eine Zunahme um rund 3,8 Prozent. Die DerkehrSsteigerung ist in erster Linie auf den Kohlenverkehr zurückzuführen, der trotz Abflauens des englischen Bergarbeiterstreiks nicht nachließ und durch starken Absatz für Industrie- und Hausbrandzwecke belebt wurde. Die Kohlenausfuhr über Die Trockengrenze und Häsen war nach wie vor sehr lebhaft. Der Versand an Kartoffeln blieb infolge Der wenig befrieDigenden Ernte unD Der im November wesentlich gestiegenen Preise gering. Die Beförderung von Getreide und Mehl war lebhaft. Der 03erfand von künstlichen Düngemitteln stteg um 22 Prozent. Nicht nur Der Absatz im Inlande, sondern auch das Ausland- gefchäft war zufriedenstMend. Der Personenverkehr war der Jahreszeit entsprechend schwach. 3m Oktober 1926 wurden 49 <99 000 Zugkilometer gegen 49 890 000 im September und 2 466 444 000 (2 482 539 000) Wagenachskilometer geleistet.
3m Monat Oktober sind folgende Be- triebsergebnisse erziell worden: Einnahmen: Personen- und Gepäckoerkehr 114 526 000 Mark, Güterverkehr 288 345 000 Mk. Sonstige Einnahmen 36 614 000 Mk. Zusammen 439 435 020 Mark. Ausgaben: Persönliche Ausgaben (einschb Löhne Der Bahnunterhaltungs- und Werk'tätten- arbeiter) 204 593 000 Mk. Sächliche Ausgaben 127 927 000 Mk. Dienst Der Reparationsschuld- Verschreibungen 44 907 000 Mk. Rückstellung für Die gesetzliche Ausgleichsrücklage 8 789 000 Mk. Rückstellung für Dorzugsdividende 3 300000 Mk. Zusammen 389 516 000 Mk.
Die Einnahmeentwicklung im Oktober ergibt sich einmal aus Der normalen Steigerung durch Den Herbstverkehr. Darüber hinaus ist Der Kohlenverkehr stark gewesen. Der nach Deckung Der Ausgabeverpflichtungen verbliebene Mehrbetrag Dient zur Wiederergänzung des in früheren Monaten in Ansprr^ genommenen Vortrages aus 1925 und zu Rückstellungen für Mehrausgaben in schlechten Derkehrsmonaten. Für werbende Anlagen sind weitere 29 812 000 Mk. aufgetoendet worden, Die aus Den Notstandskrediten des Reichs und aus Dem Erlös begebener Vorzugsaktien bestritten wurden. An Den Generalagenten wurDe für den Dienst der Repaca- ttonsschulDverschreibungen Die zweite Rate Des Dritten Reparationsjahres gezahlt. Außerdem ist die Steuer für Die Beförderungen im Monat September am Fälligkeitstage abgeführt worden.
Der Personalbestand betrug im September 724 616 Köpfe und im Oktober 728 377 Köpfe.__
Geschäftliches.
Die Hausfrau und der Lhriststollen. Wenn auch die Wirtschaftskasse knapp ist, läßt die deutsche Hausfrau es sich nicht nehmen, schon lange vorher aus Weihnachten hin zu sparen, damit nur ja der Ehriststollen unter dem Weihnachtsbaum liegt. Man darf ihr da wohl einen Wink geben, wie sie beim großen Weihnachtsbacken sparsam zu Werke gehen kann und dabei das schmackhafteste und bekömmlichste Weihnachtsgebäck erhält. Da zu den kostspieligsten Zutaten die Butter gehört, kann man bei der Zu, bereitung des Stollenteiges erhebliche Einsparungen machen, wenn man auf teure Kuhbutter verzichtet und dafür Rama-Margarine butterfein den Vorzug gibt, die sich zum Stollenbocken nach alter Erfahrung gan^ besonders eignet, und zwar gleicherweise für Rosinen-, Mandel-, Mohnstollen und anderes feines Weihnachtsgebäck.
hervorragend dewShel btt:
Sicht,
Grippe,
Rßeuma, Nerven- und Ischias, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten.
Togalftillt bkSchser^v u.scheibet bieHorvsSur« am. Äetat schZb. lichevN«beiiwirkul>gen.IrageriSt»2hrevS'zr!3valle»ApaIH«»ev


