Einzelbild herunterladen

Nr. 296 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 18. Dezember (926

(Dachdruck verboten.)

I« tour-

Tenors tc an-

vertraut.

ebnen. Es steht ju hoffen, daß der Sport- und Spiel ilatz bis zum Frühjahr in gebrauchsfähigem Zu>

tanb verseht ist und dann seiner Bestimmung über»

mit Rat

Zeit Zeit

Aus Monets Leben.

Der Letzte aus der Schar der großen Maler, die vor mehr als einem halben Jahrhundert eine neue Welt der Farbe und des Lichtes ent­deckten, ist mit Claude Monet dahingegangen. Sein ganzes Leben hat er seiner Kunst gewidmet und durch sechs Jahrzehnte mit zäher Energie und unermüdlicher Schaffenskraft die Ideale ver­folgt, die sich ihm in seiner Jugend offenbart hatten. Der Rame desImpressionismus", der nicht nur einen malerischen Stil, sondern eine ganze Weltanschauung ausdrückt, ist für immer mit seinem Ramen verknüpft, denn er war es, der mit der UnterschriftImpression, aufgehende Sonne", die er unter eines seiner Bilder setzte, die Formel für die neue Kunst fand. Man lachte natürlich damals über diese merkwürdige Be­zeichnung: das WitzblattCharivari" machte einige Witze darüber, die in Umlauf kamen, und lo wurden die jungen Maler um Monet als Impressionisten" verspottet, bis wie schon oft in der Geschichte aus dem Spvtttoort ein Ehrentitel wurde. Monets Leben ging ganz in einer Kunst auf. Der untersetzte Mann mit dem langen Bart und den schönen, sich in die Dinge einbohrenden Augen war kein Gesellschaftsmensch und fei« geistreicher Plauderer. Paris mit seinem Vroßstadtleben lockte ihn nicht, und er. der der größte Schilderer der Landschaft um Paris und der Seine wurde, hat sich schließlich in immer größerer Entfernung von der Hauptstadt an- gesiedelt, weil er ein Freiluft- und Freilicht- Mensch war, der nur in inniger Gemeinschaft mit der großen Statur schaffen konnte. Wer ihn in Gioernh besuchte, wo er die letzten Iahr- zehnle seines Lebens verbrachte, dem offenbarte sich aus seiner Umwelt der tiefste Sinn seiner Kunst. Er lebte mitten im Freien. Sein Haus bestand eigentlich nur aus Fenstern, die überall die Mauer durchbrachen, um Sonne und Leben hereinzulassen, und fein eigentliches Atelier war sein Garten, dessen Dlumenmasten in jenen stark

leuchtenden, Verschwimmenden Tönen strahlten, die er immer wieder auf die Leinwand zu bannen suchte. Da gab es neben den Beeten roter Relken und weißer Lilien, ganze Wälder brennender Sonnenblumen, und in dem Teich blühten in undurchdringlichem Dickicht die Wasserrosen, die zu malen er am Abend seines Lebens nicht müde wurde.

_ Monet, der Sohn eines Kaufmanns in Le Havre, fühlte sich schon als Knabe zur Kunst hingezogen, und gewann in dem feinen Maler Boudin, einem Dorläufer der Hellmalerei, feinen ersten Lehrer und Freund. Die Eltern aber wollten von sol­chenbrotlosen Künsten" nichts wissen und ver­langten, daß er beim Dater hinter dem Laden­tisch stehe. Der junge Claude aber ging, vor die Wahl gestellt, ob er Kaufmann werden wolle oder als Soldat eingezogen die Eltern hät­ten ihn sonst losgekauft lieber nach Algier zum Militär, wo er die Wunder des orientali­schen Lichtes erlebte. Das Klima aber bekam ihm nicht: die Eltern muhten ihn doch loskaufen und gaben nun nach, so daß er als 22jäfjriger zu dem belannten Llladeiniker Glehre als Schüler kam. Aber nicht der akademische Betrieb förderte iHn, sondern sein großes Erlebnis war die Kunst Monets, die er bald darauf kennenlernte. Er hat in dieser Frühzeit, auf den Spuren des Meisters, wundervolle Figurenbilder geschaffen, darunter das großeFrühstück im Grase", das ein Motiv Monets eigenartig fori führte. Bald aber trat seine Dorliebe für die Landschaft immer mehr hervor, und er wurde zum reinen Ratur- schilderer. Monet war st:ts ein Fanatiker des Malens im Freien. Seine unverwüstliche Ge­sundheit ließ ihn bei Regen und Schnee, im liebel und Sturm vor der Staffelei ausharren, um die flüchtigen Schwebungen des Lichts, die ewig wechselnden Veränderungen der Luft festzu­halten. Seine Kunst war ein ewiges Ringen mit dem Momentanen. Da er nur die Eindrücke malte, die er gerade vor Augen hatte, so konnte er natürlich nur kurze Zeit an einer Arbeit schaffen und mußte immer wieder den günstigen

Oberhessen.

Landkreis Gictzen.

Klein»Linden, 17. Dez. Da die Maul-

Jetzt ist wohl gerade ein Iahr vergangen, daß ich an dieser Stelle Gedanken veröffentlichen durfte, die mir meine berufliche Erfahrung schenkte und die ich andern nicht vorenthalten wollte. Wieder ist es Weihnachtszeit, die des Sehnens, die Zeit des Harrens, die der Kinderfreude.

worden. Für den Gärtner find aber die meisten dieser Methoden nicht recht brauchbar, und er war bisher hauptsächlich aus das Aetherverlah- ren und das Warmwasserbad angewiesen. Jetzt bietet sich nun für das Frühtreiben von Blumen und Pflanzen aller Art ein neues praktische- Verfahren dar, das einfach und billig ist. Wan bedient sich dazu der Blausäure, die in gas­förmigem Zustand benutzt wird. Bisher hat man Blausäurebegasungen von Pflanzen nur zur Be­kämpfung von Schädlingen durchgeführt. Bei fob» eben Versuchen in Spanien machte aber Profe.sor Gähner wichtige Beobachtungen, die die Wirkung der Blausäure als Frühtreibmittcl offenbarten, und hat dann Forschungen darüber in großem Umfang im Botanischen Institut zu Braun­schweig angestellt. Die gasförmige Blausäure wird in dem Raume, in dem die Pflanzen zum Treiben gebracht werden sollen, selbst entwickelt und im allgemeinen eine Stunde an gewendet. Vach der Begasung wurden die Pflanzen im Warmhaus weiter kultiviert. Bei den verschieden­sten Gewächsen bewährte sich diese Methode aus­gezeichnet: selbst schwer treibbare Pflanzen, wie die Buchen, wurden zum sofortigen Ausschlagen von Trteben gebracht. Während bei den anderen gasförmigen Mitteln meist 48 Stunden notwen­dig lmb, um eine Wirkung zu erzielen, traten biet schon Erfolge nach ganz kurzen Zeiten, bis- wecken nach fünf Minuten, ein. Bei der Dosie­rung spielt die herrschende Temperatur eine wich­tige Rolle: bei höheren Temperaturen haben schwächere Konzentrationen schon dieselbe Wir­kung wie stärkere bei tiefen Temperaturen. Einer Temperaturerhöhung von 0° auf 25° entspricht ettoa eine Verdoppelung der Blausäurewirkung. Die Kosten sind geringer als bei allen anderen Verfahren, und ein Vorteil ist auch die gleich­mäßige Verteilung der Blaus: ure im Degasungs» raum. Bedenklich ist allerdings die Giftigkeit der Blausäure, gegen die aber leicht geeignete Dorsichtsmahregeln getroffen werden können

I Augenblick abwarten, wo die Landschaft ihm | wieder dasselbe Bild bot wie zu Anfang. Die festen Linien und Formen der Ratur wurden ihm so bald Rebensache, erschienen ihm mir als das gleichgültige Gerippe, über das er das fär­be nbunte, lichterfüllte Kleid warf, das Sonne und Wetter weben. Da sich ihm so ein einziges Motiv-in unzähligen verhuschenden Stimmungen darbot, so tarn er allmählich dazu, dasselbe Thema immer wieder zu malen, erst 8 oder 12 mal, dann später sogar 50 und 100 mal. So entstanden seine berühmtenSerien". Die erste war die derHeuhaufen". Ganz Paris lachte da­mals über diesen seltsamen Gesellen, der eine lo gleichgültige Sache, wie einen Heuhaufen, immer wieder darstellte, bei Morgenlicht und im Abenddämmern, bei Sonnenschein und Schnee usw. Dann kamen die Serien der Domfassade von Rouen, der Eeinemorgen, der Pappeln, der Themse und schliehlich die unendliche Folge der Wasserrosen, in der Monet sich damit aufrieb, die fliehende Durchsichtigkeit des Wassers in be­wegten Farbtönen zu gestalten. Aatürlich wollte man von einem solchen Sonderling zunächst nichts wissen. Der Hohn, der den ganzen Impressionis­mus traf, galt ihm besonders, und er konnte felbjt, als er den Preis seiner Bilder auf 100 Francs heruntersehte, nichts mehr verkaufen. Er hat mit Würde und gutem Humor gehungert, bis schliehlich für den 50jährigen der Ruhm kam' und die großen Preise, über die er eben To gutmütig den Aopf schüttelte wie früher darüber, daß ihm niemand etwas abnehmen wollte...

paht offensichtlich gar nicht mehr zu der jetzigen Lage. Und für die Stellung zu E u r o p a beschränkt sich die^Botschast, hici wie auch sonst mit bcträdjt- lidjcm Selbstlob, auf die Feststellung, daß Amerika nie einen größeren Anteil am Welthandel besessen habe als heute, und nie sein Rat und seine Vermitt­lung so gesucht werden, die Notwendigkeit seines vermittelnden Eingreifens so anerkannt sei, wie beute. Aber esseh 11aus begreiflichen Gründen die Bereitschaft, solchen Gesuchen um Vermittlung nun auch zu entsprechen, lieber den Völkerbund oder den Gerichtshof im Haag enthält die Botschaft nichts.

-Lvmit ist ihr Gesamtwert für Europa sehr ge- ring, und so wenig wir glauben, daß die nun einmal gegebene Linie Nordamerikas im Verhältnis ,;u Europa stark abgebogen werden kann auch diese Botschaft bestätigt, daß die Rücksicht auf die innere Politik und die Wahlen die republikanische Partei und ihre Exponenten zu größerer Zurückhaltung zwingt, daß also auf besondere aktive Mitwirkung Nordamerikas «an europäischen Dingen in der näch­sten Zeit nicht zu rechnen ist!

setzte ernst und kraftvoll in reibungsloser Zu­sammenarbeit mit den Iugendän tecn die Für­

sorgeerziehung ein, oder zweifelhafte Fäll den dem sachverständigeren Seelenarzt

Weihnachtshofsnungen

Don Dormundschafts- und Iugendrichter Franz Gros-Gießen

And suchte ich nach einerSchuld' 'in den Fällen notwendiger Jugendfürsorge, so fand ich sie oft nicht in erster Linie bei den unreifen Jugendlichen, sonde.n bei den Eiern. Längst ist das Wort ^Zwangserziehung" im geseh- lichcn Sprachgebrauch für die Jugendlichen ge­fallen. Selten hat eine Umbenennung ein und derselben Maßnahme eine bessere Wirkung er­ziehlicher Art ausgeübt als die eben genannte.

Fürs orge! Dieses Wort mit allen seinen offenen und unausgesprochenen Forderun- Sen ist Sinn und Zweck aller Arbeit an der -ügend in gesundheitlicher und sittlicher und jeder anderen Beziehung. Aber ich hatte doch nichts dagegen, wenn das Wort Zwangserziehung wie­der auflebte. Ja. Es mühte nur wieder auf­leben für jene Eltern und Aeltere. die sich, in manchen , Familien" geschieht's fast alltäglich, an der Jugend in gröblichster Weise versündigen. Es gibt Kinder, die mit ansehen müssen, wie ihre leidende Mutter vom verrohten Manne ver­prügelt wird!, die ihre Schulaufgaben nicht er­ledigen konnten, weil ihnen der Dater auf dem Kopfe die Schiefertafel zerschlagen hatte. Es gibt Kinder, die vor ihren pflichtvergessenen Eltern täglich in Angst und Bange leben. Diese Kinder kennen fein Kinderland, kein Iugendland. Hungernd stehen sie auf, hun­gernd gehen sie zu Bette. Wer sich doch nur ein­mal, und fei es auch nur eine Stunde lang, rest­los in die Empfindungen eines solchen Kindes hineindenken könnte.

Wie vieles würde dadurch gebessert, wenn es wegen Kindesgefährdung für E 11 e r n und Ael­tere, der Kundige weiß, was ich meine, wieder ein Zwangs erziehungsgefetz gäbe. Man holt die gefährdeten Iungen aus den Restern, aus den Brutstätten. Aber ihre verrohten Besitzer muß man fast immer schonen, weil die gesetzliche Handhabe zur Bestrafung der wahrhaft hul­digen fehlt. Darum sollte dort, wo eine Für­sorgeerziehung notwendig geworden ist, auch nach denen gesucht werden, sollten die zur Rechen­schaft gezogen werden können, die ein grobes Der- schulden an der Verwahrlosung und Gefährdung unserer Jugend trifft.

Doch, so höre ich wohl fragen, warum diese Kapuzinerpredigt? Warum diese Kapuzinerpre­digt gar zur Weihnachtszeit?

3d) gehe am frühen Abend durch eine stille Straße. 5X1 und dort sind die Fenster erleuchtet 'und aus manchem Zimmer erflingt das alte ewig schöne Weihnachtslied: Dom Himmel hoch, da komm' ich her Euch ist ein Kindlein heu- gebor'n. Die einen glauben, das Gottes find sei geboren worden, die anderen meinen, es fei nur ein Menschen find zur Well gekommen. Das eine steht fest: Um eines neu geborenen Kindes willen wird in der ganzen weiten Welt,

Dor wenigen Tagen kam eine Frau ihrem braven Kinde zu mir, um sich einen____

für den künftigen Lebensweg ihrer Tochter zu holen. Da sagte sie mir auf einmal:Schreiben (Sie doch diesmal wieder einen Weihnachts­artikel ins Blatt." Was sie weiter dazu sagte, gehört nicht hierher. Rur von einer Seite, die ich persönlich feljr hoch schätze, sind mir ein­mal im Lause des Iahres Zweifel geäußert worden, ob meine Weihnachtsgedanken im ver-

Blausäure treibt Blüten.

Es gibt heute eine Anzahl von Mitteln, um die Pflanzen auch in der winterlichen Ruhe zum Treiben und Blühen zu bringen. Das sind 3.2. chemische Stoffe, wie Aether. Azetylen und Rährsalze, z. T. mechanische Einflüsse, wie Verwundung, Wassereinspritzung, Wärme, Be­leuchtung ulw. Auch elektrische Ströme, Dadium- und Röntgenstrahlen sind mll Erfolg angewendet

Außenpolitische Umschau.

Von Professor Dr. Otto Hoetzsch, M.d.R.

Mit der Abschaffung der Militärkontrolle zum l. Februar ist das Ergebnis von Genf natür­lich ein Fortschritt. Aber immer und immer wieder stößt man auf die Zähigkeit und Geschicklichkeit der französischen Politik, doch noch irgendwie die Hinter­tür zur Durchsetzung der bekannten Absichten offen zu halten. Wozu denn sonst die Beigabe dertech­nischen Sachverständigen", mit denen womöglich die feierlich aufgelöste Kommission dann eben doch wie­der in den einzelnen Mitgliedern herauskommt? Am meisten stoßen wir uns an der Abrede, daß die Ein­führung sog. ständiger Kontrollelemente des Völkerbundes an einAbkommen" zwischen den Regierungen geknüpft, auf deutsch also eben doch a l s möglich in Aussicht genommen wird.

Wir bedauern es, daß die deutsche Vertretung dem zugestimmt hat. Der Standpunkt des deutschen Außenministers war klipp und klar, daß Deutschland weder jetzt noch künftig in irgendeiner Form stän­dige Elemente der Kontrolle annehmen könne, weder in der entmilitarisierten Zone, noch überhaupt. Es ist das eine Abmachung, wie wir sie ja kennen! Sie knüpft die Einrichtung an die Zustimmung der Beteiligten, also der in erster Linie in Frage kom­menden Regierung Deutschlands. Und bei den Ein­sichtigen auf der anderen Seite, die fchen, daß diese ganze Kontrollzerrerei mit Locarno und Völkerbund nicht vereinbar ist, spielt die Hoffnung hinein, mit einer solchen Pause würde die Frage gewissermaßen non selber im Sande verlausen: zunächst einmal sei der Konflikt in dieser heiklen Sache ver- mieden. Man kann es den Deutschen wirklich nicht übel nehmen, wenn sie gegenüber solchen Fassungen fo vorsichtig sind wie möglich. Zn diesem Falle aber 'st es vollends klar, daß Frankreich die Sache nicht ruhen lassen wird. Sie kommt wieder! Frankreich wird sich bemühen, auf irgend eine Weise und durch eine Hintertür die Kontrolle und die ständigen Or­gane für das Rheinland, auf die es ihm am meisten ankommt, hereinzubringen, und wir glauben, daß eine Hinausschiebung des Konflikts nicht viel nützt, und daß er nach allen Erfahrungen schließlich doch durchgefochten werden muß.

Zwei Streitfragen der Militärkontrolle sind aber geblieben: die Auseinandersetzung um die O st - festungen, namentlich Königsberg, an der das volnische Interesse am stärksten hängt und die Frage des Kriegsmaterials. Man hofft auf güt» lüfte Lösung bis 31. Januar: gelingt diese nicht, so soll die Frage vor den Dölkerbundsrat kommen. Und ist nicht ganz klar, was das bedeutet. Ist dies dann ein Schiedsgericht, das etwa nach dem Haag geleitet wird und gegen das sich Frankreich doch auf das äußerste gewehrt hat? Oder entscheidet der Völ­kerbundsrat allein rein politisch nach Mehrheits­beschluß oder auf Grund des Berichtes einer dazu eingesetzten Kommission?

So hängt an dem Ergebnis, das in vollem Sinne eine Entscheidung noch nicht bringt, mancherlei Pro- blematif und viel Unbefriedigendes. Auch das ist Frankreich nur abgerungen worden mit Hilfe einer Krise dort, die zwisdien Poincars, d. h. den Generälen und Briand deutlich zutage tritt. Soweit wir darin klar sehen, lag die Sache aber dieses Mal anders als 1922 in Cannes. Damals wurde der Dolchstoß gegen Briand geführt, und er fiel. Jetzt hat Briand offenbar mit dem Rücktritt gedroht, wenn die Verhandlungen in Genf an Frankreichs Schuld {(heiterten, und das kann sich das Land heute nicht mehr leisten. Was sollte aus dem Franken werden, wenn der eben mit dem Nobelpreis aus» gezeichnete Außenminister von einer Friedensaktion zurücktreten müßte?

Um diese Genfer Tagungen herum spielen die Machtbeziehunaen. die Machlgegensätze: Italien-Frankreich, Italien-Jugoslawien, Vertrag von Tirana, China iisw. Ist etwas daran, daß Eng­land nun nach Beilegung des Bergarbeiterstreiks und Beendigung der Reichskonferenz freier gewor- den, mit einer großen Befriedungspolitik vorgehen würde? In der Richtung, daß es die Karte von Afrika aufroUt, um den italienischen Kolo» nialehrgeiz zu befriedigen, auf diese Weise das ita­lienisch-französische Verhältnis zu beruhigen und die italienische unruhige Politik überhaupt auf ein festes Ziel zu lenken und zur Ruhe zu bringen? Es wären wenigstens positive Gedanken und Ziele in England, das in Genf ja gezeigt hat, daß Europa ohne feine Mitwirkung feine Fragen nicht vorwärtsdringt, und es würde eine große Aufgabe damit in die Hand nehmen. Wir wünschen das um so mehr, als auf

eine aktive Mitarbeit Nordamerikas an den europäischen Dingen in der nächsten Zeit nicht zu rechnen ist.

C 0 01 idges Botschaft ist, im stolzen Ge­fühl der glänzenden Wirtschaftslage und der Sicher­heit vor Angriffen, vor allem innerpolitisch gedacht: als Empfehlung der republikanischen Partei und Vorbereitung der Wiederwahl des Präsidenten. Die Außenpolitik ist ja gerade darin im Verhältnis zur Welt und Europa der kitzligste Punkt der Partei- erörterung. Positiv äußert sie sich nur zur A b - ru ft ungs frage, in der so bestimmt wie bisher noch nicht, eine neue Konferenz zur Einschränkung der Rüstungen angefünbigt wird, und in der Schuldenfrage, zu der der Präsident mit Freuden feststellt, daß alle Abkommen, mit Aus- nohme zweier, ratifiziert seien, wobei aber nicht ge­sagt wird, was nach dem Abschluß der Schulden- funbierungen nun weiter geschehen soll. Zur Lage Chinas äußert sich bie Botschaft kurz und unzu- reichenb. Denn bie Bereitschaft, die Verhandlungen da wieder aufzunehmen, wo sie vor der Pekinger Zollkonferenz abgebrochen seien,sobald eine Regie­rung, die das chinesische Volk vertritt, sich zeigt",

undKlauenseuche sich weiter ausge­breitet hat, wurde die hiesige Gemarkung zum Sperrgebiet erklärt, während die benach­barte Gemeinde Allen dors a. d. Lahn Beobach­tungsgebiet ist. Für die Landwirte ist die Tatsache sehr beachtenswert, daß nichtangemeldete Senchen- sälle beim Eingehen bes Viehes bie Verweigerung ber Entschäbigung zur Folge haben.

n. Großen-Linden, 17. Dez. Hier würbe bie Maul- u n b Klauenseuche amtlich fest- gestellt. Es hanbelt sich nur um ein Tier. Deshalb wurde nur Gehöftsperre ungeordnet.

S T r e i s a. d. Lda., 17. Dez. Seit Jahren schon ist in unserem Orte das Bedürfnis nach einem Turn-, Sport- und Spielplatz, wie ihn andere Gemeinden längst besitzen, vorhanden.Jlun mehr soll ein solcher geschaffen werden. Bei der Feldbereinigung hatte man hierfür einen Platz reserviert. Da er als nicht ausreichend für un fere schon immerhin große Gemeinde erschien, hat diese auf Veranlassung der Interessenten noch ein an jenen grenzendes Stück Land erworben, so daß nun ein Raum von etwa 6000 Quadratmeter für bcu Zweck zur Verfügung steht. Der Platz liegt am Ab- hange des Totenberges, unweit des Dorfes,auf dem Busch". Gegenwärtig sind Arbeiter damit be­schäftigt, das ziemlich ungleiche Gelände cinut- nhnon Or a m X____X .1

toenn auch nicht von allen Menschen, ein Fest ge­feiert Das schönste und fröhlichste Fest deS ganzen Iahres. und in unseren Bretten noch dazu zu emer Zett, da draußen Schnee und Eis zu ft.itxm find. Uni» untere Phantasie sucht das neugeborene Kind in einem Stalle. Sollte es dort liegen bleiben? Olein. Sorgsame Eltern nahmen sich feiner an und behüteten das Kind im Lause ber Zeit vor jeder Fährnis. OBent gehörte das Kind, das dort in Bethlehem geboren wurde? Wem an den sonst als uns allen, ül n d die Kinder, diein unserem Volke geboren werden, gehören in diesem Sinne Unfällen. 'Was liegt daran, daß der eine oder der andere e^ leugnete ? Wenn draußen in der mörderischen Feldschlacht die Kugeln pfiffen und die Granaten splitterten, fo fragten sie nicht nach dem Stammbaum, den einer in der Tasche trug. Ms Brüder fielen die Kämpfer. Wenn es im Todesgrauen so war. sollten wir da im Leben, im Frieden, unsere Pflichten leugnen? Die Welt kennt wohl älnterschiede uitd wird sie kennen, so lange sie steht. Aber ebenso lang' wird, sie auch soziale Pflichten lerotcn, die dort beginnen, dort einsehen müssen, wo die Hilfe am nötigsten ist. bei dem Rächsten, der sich noch nicht hel­fen kann, bei dem unmündigen Kinde.

Darum lasse ich keineswegs die Hoffnung sin­ken. daß es in der Welt besser wird. Wer daran zweifelt, kann kein We hnachisfest fei'm. kann nicht schenken und beschenkt werd n. der Lin?, nicht helfen und dem kann nicht geholfen werden

Ieder helfe nach Pflicht und Gewissen s :inen Kindern, den Kindern des Volkes und unseres Dolles zuerst nach den Kräften, die ihm ge­geben sind. Im Vertrauen auf die deutsche Zu- hm ft!

Davon ich fingen und sagen torll.

S0 wollen wir allesamt fröhliche, hoffnungsfrohe Weihnacht feiern.

gangenen Iahre von Erfolg, von praktischem Ruhen gewesen seien. Ich konnte nur die Hoffnung aussprechen, daß das wohl doch der Fall gewesen sei.

Und da mir' nur eine Stimme des Zweifels im Ohre erklungen ist, alle anderen aber glaubten, daß meine um die Weihnachts­zeit an pflichtvergessene Väter gerich­teten Worte doch ifjnen aus dem Herzen gespro­chen worden seien, so bekenne ich mich auch an dieser Stelle zum Optimismus, zum Glauben, daß es in unserem Volke besser werden wird.

Und ich schöpfe ihn von neuem aus der Märchenwelt der weihnachtlichen Zeit. Ich schöpfe ihn aus den Kinderaugen, die mir, nicht nur zur Weihnachtszeit, entgegenleuchten, ich schöpfe ihn sogar aus meiner beruflichen Tätigkeit. Wäre es gerade in letzterem Falle anders, 0, dann wäre ich wohl besser ein Steinklopser draußen auf der Landstraße gewor­den. Iawohl!

Immer noch ist's alte Lebensweisheit: Es gibt au) dieser Erde nichts Bejammernswerteres als den Menschen. Der dieses erkannte, war einst ein griechischer Dichter und bleibt ein großer Weisheitskünder.

Blicken wir hinab in die Tiefen unseres Dolles ich will meine deutschen Brüder nicht kränken und deshalb ruhig sagen: Blicken wir in die Tiefen auch aller anderen Böller. Doch diese letzteren liegen mir ferner. Es geht zu allererst ums eigene D 01k, im engeren Lande, in der eigenen Stadt. Für mich geht's um die Iugend, die unsere Zukunft ist.

Ist unsere Jugend, allein nach der Beob­achtung des zu Ende gehenden Jahres, schlechter geworden? Rach meiner Erfahrung war das nicht der Fall, wie ich das dreimal unberufen gerne und freudig hier feftftelle. Mehrmals konnte darauf verzichtet werden, öfter noch als im vorvergangenen Iahre, das Jugendgericht tagen zu lassen. Die Fälle, die zur Verhandlung stairden, ließen das Gericht zwar manchen er­schreckten Blick in die Tiefe tun. aber hoffnungs­los war doch kein Fall, älnd wo's nötig war,

leben werden kann, zum Segen unserer hetanwach» enden Jugend, der körperliche Ertüchtigung so sehr not tut und deren Dank sich die Gemeinde mit dieser Anlage verdient. Hoffentlich tritt man nun auch bald an die Errichtung eines Denkmals für unsere im Weltkrieg gefallenen Mitbürger heran. Schon seit Jahren arbeiten der Kriegerverein, die Vereinigung der Krieasbe- schädigten und Kriegerhinterbliebenen u. a. beim Gememdevorstand darauf hin, leider aber bis jetzt ohne Erfolg. Eine von Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen für den Bau des Kriegerdenkmals bestimmte, durch eine Sammlung vor fahren auf- gebrachte Geldsumme ist leider der Inflation zum Opfer gefallen. Die Platzfrage dürste, nachdem der Friedhof erweitert ist, keine Rolle mehr spielen.

t 21 Heu bo rf a. d. Lda.. 16. Dez. Die Eheleute Eberhard Ranft feierten heute mit ihrem beiderseitigen Geburtstag zu- gleich aiffi ihr 25 j ährigeS Geschäf tsju-