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Donnerstag, 18. November 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

M. 270 Zweites Blatt

Der Sammler aus Kunst und Wissenschaft

Reformation deutlich eine Rachwirkung der Ge

Dr. ©. W.

fühcungen.

arwetten

Rektor M a l d f e l d in Steinau und Professor Dr. Schumacher, Direktor des Römisch-Ger­manischen Zentralmuseums in Mainz.

Der Schatzmeister, Professor Dr. Stengel, berichtete über die Finanzlage, welche sich ge­bessert hat. Die Einnahmen entsprechen nahezu der Lage vor dem Kriege. 2lber die Ausgaben für DruLosten, Papier und Arbeitsvergütungen sind heutzutage viel erheblicher als früher, so daß die Kommission bei den Staats- und Landes­verwaltungen, namentlich bei den Kommunen, versuchen muh, unter Hinweis auf die weit höhe­ren Leistungen der öffentlichen Körperschaften in anderen Ländern, größere Zuschüsse zu erhalten. Der Herr Landeshauptmann ist während der Sitzung mit warmen Worten dafür eingetreten, den Gemeindeverwaltungen nahezulegen, daß sie in erhöhtem Mähe Mittel für die Rot der hessischen Wissenschaft bereitstellen möchten. Ohne die Llnterstühung der Rotgemeinschast der Deut­schen Wissenschaft wäre es der Kommission in den letzten Zähren nicht möglich gewesen, über­haupt etwas im Druck zu veröffentlichen. Im Berichtsjahre sind erschienen dasHistorische Ortslexikon für Kurhessen" von Heinrich Rei­mer und derCatalogus professorum academiae Marburgensis 1527 bis 1910 von Franz Gund - lach als Iubiläumsgabe der Kommission an die Universität. Der Druck der zweiten Lieferung der hessischen Landgrasenregesten, deren erstes Heft bereits 1909 erschienen ist, konnte wieder ausgenommen werden. Dr. K o e ch l i n g ist da­mit beschäftigt, das Manuskript druckfertcg zu machen und hofft bis zum nächsten Jahre den Druck zu beendigen, so daß a IS bann der erste Band (bis 1328) abgeschlossen wäre. Ob die Drucklegung derQuellen zur hessischen Refor- mationsgeschichte", die Archivassistent Dr. Her­zog übernommen hat, und der von Reimer bearbeiteten Regesten des Klosters Haina, die Staatsarchivrat Dr. G u t b i e r vorbereitet, im Laufe des nächsten Jahres sich ermöglichen lassen

Hon daselbst. Dann pflanjen sich die Erschütterungen immer als gebundene Wellen rings um ihren Ur­sprung geführt von der Oberfläche fort, wobei na­türlich auch seitlich die Wellenflanke sich ausbreitet. Außer dieser direkten Entstehungsweise gibt es aber auch noch eine andere, sehr wichtige, eine indirekte, nämlich durch Sonderein­fall, gerade den oben erwähnten, bei dem die allgemeinen Einfallsormeln sich als hin­fällig erweisen! Man kann den allge­meinen, rechnerischen Rochweis er­bringen, daß gerade dann, aber auch immer nur bann, wenn die allgemei­nen Einfallsormeln versagen, die einfallende Welle sich in eine der möglichen geführten Wellen umwan- delt.

Die Erzeugung von gebundenen Wel'en nenne ich Wellen-Jnduktion. Es gibt eine di - rekte Wellen-Jnduktion nämlich wenn die Wellenquelle in der Trennfläche zweier Mittel oder an der Oberfläche eines Mittels liegt und eine i n b i r ä. 11 e Wellen-Jnbuttion näm­lich trenn bie Weuenquelle außerhalb liegt. Das Wort Jnbuktion entnehme ich ber Elektro- magnetik, wo man seit Faradays weltberühmten Entdeckungen um bie Mitte bes vorigen 2ahr- hunberts bie Erzeugung von elektrischen bzw. magnetischen Spannungen an Trennflächen burch veränberliche Felber, oder durch Bewegung von Trennflächen durch stationäre Felder hindurch so bezeichnet. In Wahrheit ijun sind diese elektro­magnetischen Vorgänge eben die geschilderten bei­den Arten von Erzeugung geführter Wellen auf elektrischem bzw. magnetischem Gebiete Auch ein Elektron muh an seiner Oberfläche JnduktionS- wellen durch Bewegung erzeugen, wenn es eine

danken erkennen lasse, die die hessische evan­gelische Bewegung erfüllt hatten. Landgraf Philipp gab seinem Reformationswerk einen starken sozialen Einschlag, indem er auf die Einziehung der frei gewordenen Kirchen- und Klostergüter und -gefälle für seine Kasse_ ver­zichtete und den Grundsatz streng durchfühcte, daß, was früher für das Volk gestiftet worden war, auch in der neuen Zeit allerdings in veränderter Form dem Volk zugute kommen solle. Er hat sich dadurch, daß er der Ver­suchung, die Güter für sich einzuziehen, toibet- stand unb bie vorhanbenen Mittel zu großen Reuschöpsungen auf bein Gebiet des Erziehungs- Wesens (Errichtung der Universität Marburg mit der Stipendiatenanstalt, Gründung von Latein­schulen) sowie der Wohlfahrtspflege (Errichtung der gemeinen Kasten unb ber Hohen Hospitalien) verwanbte auch abgesehen von dem, was auf dem Gebiet bes Kirchenwesens im enge, en Sinn burch ihn geschah, ein hervorragenbes Ver­dienst erworben, bas jeher anerkennen muß, ber objektiv urteilen kann, mag er sonst religiös oder politisch stehen will wie er will.

Reicher Bei,all ber trotz bes am gleichen Abenb staltsinbenben Symphonie-Konzertes sehr zahlreichen Zuhörerschar, bie offensichtlich burch * unb das behandelte Thema gefesselt

den Redner ,

war, dankte dem Vortragenden für ferne Aus-

wird, hängt davon ab, ob die Mittel zum Druck aufgebracht werden können. Der schon lange druckfertige zweite Band ber Marburger Rechtsquellen von Geheimrat Dr. Küch soll gedruckt werden, sobald das von demselben Be­arbeiter übernommene Inventar der Bau- unb Kunstbenkmäler bes Kreises Marburg erschienen ist. Die für bas Inventar hergestellten Tafeln unb ber historische Plan ber Stabt konnten bereits vorgelegt werben. Mit den Rechtsquellen von Witzenhausen und Allendorf sind Privat- bozent Dr. Eckhardt in Göttingen und Studien­rat R e c c i u s in Salbe eifrig beschäftigt. Auch die von Pros. Leih übernommene Bearbeitung der Corbacher Rechtsquellen ist weit gediehen. Studienassessor Dr. Klibanskh in Breslau bearbeitet für die AbteilungQuellen zurDer- waltungsgeschichte hessischer Territorien" die alte­ren Amöneburger Kellereirechnungen. Die orga­nisatorischen Arbeiten des von Professor Dr. Stengel geleiteten UnternehmensGeschicht­licher Atlas von Hessen und Rassau" wurden fortgesetzt. Dabei war in erster ßinie, als Atlasassistent, Dr. G. Wrede tätig, neben dem noch wechselnde Kräfte her- angeKogen werden konnten. Die Verzeichnung oberhessischer Archivalien in Darmstadt ist von Sy Clemm nahezu vollendet worben. Grenzen und Straßen der Schleenstein'schen CanbeSauf- nahme bes 18. Jahrhunderts wurden nach ein­gehend erwogener Methode auf 94 Meßtisch» blätterpausen übertragen (Dr. Wrede), außer­dem das Werk selbst photographiert. Von den im vorigen Bericht genannten Einzeluntersuchungen kann, als drittes Heft derArbeiten zum ge­schichtlichen Atlas", demnächst ausgegeben wer­den G. Wrede, Territorialgeschichte der Graf­schaft Wittgenstein (mit einem Atlas von zwölf Kartenblättern). Bevor steht die Drucklegung der Arbeiten über den Kreis Franken berg (E. An­halt) und die kurmainzische Beamtenorganisation in Hessen und Eichsfeld bis 1400 (H. Falk).

Im Manuskript fertig sind außer der Territorial­geschichte von Hersfeld (E. Ziegler) die Bear­beitung der Grafschaft Ziegenhain (F. A. Brauer) und ein erster Teil der Arbeit über bie kirch­liche Organisation Kurhessens im Mittelalter (W. Classen), teilweise fertig bie im Auftrage der Standes Herrschaften des Hauses Solms unter­nommene Territorialgeschichte der westlichen Wetterau (F. Uhlhorn) und die Untersuchung über den Kreis Eschwege (K. Druchmarm). An­dere, schon im Vorjahre genannte Arbeiten aus dem Gesamtgebiet von Kurhessen, Oberhessen und Rassau haben meist gute Fortschritte gemacht. Reu begonnen sind solche über 'Battenberg- Wetter, die Grafschaft Diez (mit Limburg) und die Untergrafschast Katzenellenbogen, die einen erheblichen Teil von Rassau in sich begreifen wird. Allgemeine Probleme, wie sie aus den Atlasforschungen immer mehr hervorwachsen, be­handelte Prof. Stengel selbst in einem auf der Jahresversammlung des Hessischen Geschichtsver­eins zu Gelnhausen gehaltenen VortragePo­litische Wellenbewegungen im hessisch-westfälischen Grenzgebiet."

Vor Schluß der Hauptversammlung wies Prof. Dr. H ä p k e auf zwei wichtige Reu­erscheinungen hin: Hans Lerch,Hessische Agrar- geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts in­sonderheit des Kreises Hersfeld", und Mcrrg. Killing,Die hessische Glasmacherkunst". Letz­teres Werk ist noch nicht gedruckt. Das um­fangreiche, interessante Dildermaterial wurde vor­gelegt. Auch Georg Heer, Marburger Studenten- leben 1527 bis 1927, und andere Neuerscheinun­gen des R. G. Elwertschen Verlages konnten ge­zeigt werden.

Ein gemeinsames Essen Im Gasthof zum Ritter, an dem 25 Herren teilnahmen, beschloß bie Tagung.

Archivrat Dr. Dersch - Marburg.

Historische Kommission für Hessen und Waldeck.

Am 30. Ott. sand im Senatssaal ber Universi­tät Marburg die Hauptversammlung statt, zu ber von auswärts folgende Herren erschienen waren: Studienrat Prof. Dr. Blecher (Friedberg), Prälctt 0. Dr. Diehl (Darmstadt), Privatdozent Dr. Eckhardt (Göttingen), Landeshauptmann v. Geh ren (Kassel), Landrat v. u. zu Gilsa (Kirchhain), Bürgermeister Gleim (Melsungen), Bioliotheksdirektor a. D. Geheimrat Prof. Dr. Haupt Eie>en), Didliothetsrat Dr. Israel (Kassel), Sru^ienrat a. 'S). Pros. Leih (Korbach), Prof. Dr. Rauch (Gießen), Hofmarschall a. D. Gunthram Frhr. Schenk zu Schweinsberg (Fronhausen), Max Graf zu Solms (Assen- heim), Bibliothelsdirektor Prof. Dr. Stein­hausen (Kassel) und Zolldir^tor a. D. Wo­ringer (Kassel). Der Vorsitzende, Staatsarchiv­direktor Geheimrat Prof. Dr. ch, berichtete über die Tätigkeit der Kommission im abgelaufe­nen Jahre. Verstorben sind seit der letzten Sitzung die Herren General d. Ins. a. D. Frhr. v. Scheffer-Boyadel, Landgerichtspräsi­dent a. D. Geheimrat Oehler (Probsthain), Generalmajor a. D. Dr. Eisentraut (Kassel) und Regierungsrat a.D. Dr. D. v. Waldt- Hausen (Gersfeld). Als neue Patrone sind eingetreten Fabrikbesitzer Oskar Henschel in Kassel, Rittergutsbesitzer Dr. Oskar v. Waldt- Hausen in Gers:eld, Regierungsrat Dr. W o l f f in Berlin unb Verlagsbuchhänbler G. Braunin Marburg. In den Vorstand wurde gewählt Dibliotheksdirektor Prof. Dr. Steinhaufen in Kassel. Mitglieder wurden dce Herren: Ober- Präsident Dr. Sch w an de r, Exzellenz, in Kassel, Regierungspräsident Dr. S t ö l z e l in Kassel, Professor Dr. Haas in Fulda, Professor Dr. L u t h m e r, Kustos am Landesmuseum in Kassel,

den Windungen folgen. Ferner sind gc Wellen, die Schwerewellen und die SapiiL an der Grenzfläche von flüssigen und gasigen Mitteln. Auch gibt es elastische Draht- und Platten- wellen, die die Vorgänge in der Schallkunde be­herrschen. Die elektrischen Wellen an der Erde finden ebenfalls ihr Gegenstück in der Elastik, nämlich in der atmosphärischen Schallausbreitung sowie in der Erdbcbenkunde. Diese geführten Wellen sind prak­tisch und theoretisch von viel größerer, Verbreitung und Bedeutung als die freien Wellen.

Wie entstehen nun diese Wellen? Die nächst­liegende Erzeugung gebundener Wellen ist diejenige, bei der der Sitz der Störung, die Wellenquelle, i n der Trennfläche selbst liegt. Man denke sich, um bei den anschaulichen Bebenwellen zu bleiben, z. B. ein Meteor auf die Erde fallen oder eine Puloerexplo-

Gesellschaft für Erd- und vöderkunde Gießen.

Dor ber Gesellschaft für Erb- unb Dölker- funbe sprach im dicht besetzten Saal ber Reuen Aula Friedrich Walter Stötzner über seine Reisen3m unerforschten Osten Tibets". Das chinesisch-tibetanische Grenzgebiet ist durch seine Lage, seine Hochgebirgsnatur und die feindliche Abgeschlossenheit der Bewohner ein außerordent­lich schwer zugängliches Land, das noch e;ne Fülle wissenschaftlicher Rätsel birgt. Diele wagemutige Forscher, wie die Deutschen Brunnhuber und Schmitz, die an den hinterindischen Riesenströmen aufwärts zu bringen versuchten, würben von den Einwohnern ermordet und die europä.schen Mis­sionare haben auch heute immer wieder zahl­reiche Märtyrer zu beklagen.

Im Januar 1924 brach Stötzner mit fünf Fachgelehrten von China aus auf. Eine Fluß­fahrt auf dem Jangtsekiang führte die Expedition 2000 Kllom : weit bis Tschung fing in Sze- schwan. Don oa drang man über Tschöng tu fu in die schwer zugängliche Hochgebirgswelt Ost- tibets vor. Täler von mehreren Tausend Metern Tiefe sind zwischen Gebirgskette eingesenkt, deren Pässe nirgends unter Mont Diane-Höhe herab­gehen. Eisige Stürme wehen üoer die Felsgrate. Aber der Mstieg zu Tal führt bald über Edel- weißmatten und etwas tiefer durch die Knüppel- holzregion zu Rhododendronwäldern und dann zu schönen Waldbeständen europäischer Art, bis zuletzt im Talgrund, wenigstens in den südlicheren Landschaften, schon Bambusdickichte und Palmen angetroffen werden. Ofttibet steht somit im gro­ßen Gegensatz zu Hochtibet, das uns in seiner Oede und Derlassenheit durch Sven Hedin so gut bekannt geworden ift

Die Steilheit der Gebirge, die wilden, schier unüberschreitbaren Flüsse, die gewaltige Höhe der GebirgskämMe hat Ofttibet von der Umge­bung abgeschlossen und besonders in ber Tierwelt höchst eigentümliche Formen sich erhalten lassen, wie dev sonderbaren weißen Bambusbären, der schwarze Augenringe, schwarze Ohren und schwarze Deine hat, oder das noch merkwürdigere Dudor- kastier, das in der deutschen Benennung Rinder­ziege oder Gnugemse seine eigenartige Stellung im Tierreich zeigt.

Die tibetanischen Bewohner zeigen rassen­mäßig starke Unterschiede zwischen den intelli­genten Dauern, die auf kleinen Terrassen im Tal- grund unb am Hang ihre Felbchen mit Primi­tiven Pflügen bestellen, und den Hirtenvölkern, bie in ber Gesichtsbildung erstaunlich urtümliche Merkmale aufweisen. Gesellschaftliche Scheibung muß seit alter Zeit diese Rassen vor der Mischung bewahrt haben. Diese Dölker stehen keineswegs auf niederer Kulturstufe. Etwa 60 v. H. ber männlichen Bevölkerung kann lesen unb schreiben.

Oberhessischer Geschichtsoerem.

Donnerstag den 11. Rovember fand der erste Dortrag dieses Winterhalbjahrs statt. Der auch in Gießen und Oberhessen weitesten Kreisen wohl­bekannte Prälat ber Hess. Landeskirche L). L)r. Diehl, sprach über6D a ng c 11f dje Be­wegung und Reformation im ©ebiet ber hessen-darm städtisch en La nde . Der allenthalben als glänzender Redner ge­schätzte Dortrag.nde darf den Anspruch erheben, als ausgez^i Kneter Sachkenner der hessischen evangelischen Kirchengeschichte zu gelten. Er führte, ohne durch Aufzeichnungen unterstützt zu lein, etwa Folgendes aus:

Ueber die Bedeutung, bie bem ^ahr 1526 im Rahmen der deutschen und sonderlich der hessischen Geschichte zulommt, herrscht viel Un­klarheit. Es kommt dies daher, daß man sich seit über 200 Jahren daran gewöhnt hat. das Wort Reformation in einem doppelten Sinn zu gebrauchen und der Reformation im weiteren öinn der mit Luthers Auftreten im Jahre 1517 beginnenden geistigen Bewegung, natur­gemäß eine wesentlich größere Bedeutung zuzu- messen, als der im Jahr 1526 beginnenden Reformation im engeren Sinn, der Umgestal­tung des vorhandenen Kirchen­wesens nach den Richtlinien der neuen Lehr e". Der Bedeutung des Jahres 1526 wird man nur gerecht, wenn man einmal ber Reformation im engeren Sinn in ben ein­zelnen Territorien nachgeht. Man findet dann, daß von einer durchgreifenden Umgestaltung des Kirchenwesens in ber Zeit vor 1526 nicht bie Rede sein kann. Wenn im Jahr 1524 der Junker Hans Landschad von E' inach den ver­jagten lutherischen Prediger Jako > Otther, ober im Jahr 1525 Landgraf Phiu-p ben Abarn Kraft zu seinem Prädikanten annahm, so hatten diese Maßnahmen keineswegs eine Umgestaltung des Kirchenwesens zur Folge, denn das ka­tholische Kirchenwesen blieb in den Gebieten dieser Herren, ja sogar in ihren Residenzen, im Flor.

Die Reformation als Umgestaltung des Kirchenwesens beginnt erst im Jahre 1526, nach­dem der Speyerer Reichstagsabschied dieses Jahres für evangelisch gesinnte Fürsten und Herren bie Rechtslage für den Beginn dieses Werkes geliefert hatte. Betont muh allerdings werden, daß die rechtliche Bedeutung dieses Ab­schieds schon damals umstritten war. wie das Dorgehen des Erzbischofs Albrecht von Mainz gegen Eberhard XIII. von Erbach beweist. Der Speyerer Abschied von 1526 hatte aber nicht nur für ten 'B eg i n n. sondern auch für denF o r t- gang cer Reformation große Bedeutung. In allen Zeiten, in denen ber Abschied durch an­dere Abschiede vorübergehend außer Kraft ge­setzt war, so 15291532 und 15481552, kommt das Reformationswerk da, wo es bereits be­gonnen hatte, ins Stocken und wird auch mit neuen Reformationen nicht begonnen.

Der Beginn der Reformation ist in ben ein­zelnen Territorien, aus denen das heutige Hessen- Darmstadt zusammengesetzt Ist, verschieden. In manchen Territorien beginnt die Reformation in ber Zeit von 1526 bis 1529, in anderen in ben 30er, 40er, 50er unb 60er Jahren: es liegen einzelne Beispiele vor, die von einem Beginn der Reiorma ion erst in ben 70er unb 80er Jahren Zeugnis geben. Wo eine Reformation begann, löste sie eine vorausgehenbe evangelische Bewegung ab. Mittelpunkte solcher Bewe­gungen, bie von Priestern ober Mönchen ange- sacht waren unb ihren Halt vor allem in ber Bürger- unb Bauernschaft hatten, waren Mainz, ferner in Rheinhessen noch Worms, Alzey. Gau- Obernheim, Bingen unb Gau-Algesheim: in Oberhessen Herbstein, Alsfeld, Butzbach, Fried- berg, Ober-Möclen, Ockstadt, Büdingen u. a. m. Der Vortragende entwarf ein Bild der in Ober­hessen nachweisbaren wichtigeren evangelischen Bewegungen, und wies vor allem auch darauf hin. daß diese Bewegung überall da einen radi­kalen Charakter annahmen (Wiedertäuferbewe­gung), wo, wie in Lich, die Herrschaft sich lange Zeit sperrte, bie Reformation zur Durchführung zu bringen.

Hierauf schilberte ber Rebner ben Gang des Reforma'.ionswerks in Oberhessen und kam zum Schluß darauf zu sprechen, wie die hessisch«

neues: ein Sonbereinfall, vor, der uns nötigt, für ihn das Einfallproblem von neuem, und zwar von einem neuen Gesichtspunkt aus aujjuncbmen. Wenn wir von den geführten Wellen her kommen, deren vertiefende Unterfrichung sich der Verfasser seit vielen Jahren zur Ausgabe gemacht hat, dann ist auch die Lösung dieser bisher nicht ge­sehenen Merkwürdigkeit zu finden.

Unter geführten ober gebundenen Wellen verstehe ich Wellen, die an der Oberfläche eines Körpers ober beiberfeity ber Trennfläche zweier ober mehrerer Kör­per geführt von diesen Flächen entlang laufen. Diese Wellen muß es notroenbig geben. Sie bestehen aus ein ober mehreren Wellenslanken, bie von der Führungsfläche zusammengehalten werben. D i e Führungsfläche greift ftarl ein in ben Bau biefer Wellen, bie deshalb feine einfachen Wellen find. Sie haben ihre eigene Fortpflanzungsgeschwindigkeit und Verlöschung. Sie sind um so ausgeprägter, je unterschiedlicher be­schaffen unb bewegt beibe Mittel finb. Da in stark ausgeprägten geführten Wellen bie Energie haupt­sächlich längs ber Führungsfläche sich ausbreitet, so kann diese Welle besonders wrnn sie mehrfach ge­führt wird eine viel größere Reichweite erzielen als eine freie Welle, die sich in einem einzigen homo- qenen Mittel nach allen Richtungen hin ausbreitet. Die gebundene Welle klammert sich sozusagen an ihre Trennflächen und läßt sich in mehr ober weniger flächigen Ausbreitung bortfjin führen.

fall eine wichtige Rolle. Die elastische Welle, bie vom Bebenherd ins Erdinnere taucht, krümmt sich infolge ber stetigen Ungleichmäßigkeit ber Erde auf ihrem Verlauf nach außen zu, stößt unter einem be­stimmten Winkel gegen die Erdoberfläche und wird daselbst zurückgeworsen und gespalten. Beide Teil­wellen tauchen wieder ins Innere, krümmen sich in verschiedenem Maße, stoßen erneut aber an ver­schiedenen Stellen der Oberfläche gegen diese an ufw. Aus ber Beziehung zwischen ber Ankunftszeit bes Wellenkopfes unb Der Entfernung der Bebenwarte vom Bebenherd ergeben sich Schlüffe über bie Ge- fchwinbigkeit ber Welle und aus dieser, wenn man noch ben Charakter ber Wellen kennt, Schlüsse auf bie elastischen Eigenschaften ber burchlaufenen Erd- schichten.

Die theoretische Bearbeitung bes Welleneinfalls liegt bisher nur vor für Wellen, beren Bau ber denkbar einfachste ist. Don nichteinfachen Wellen kennen wir aber schon feit langem eine gewisse Art, z. B. bei ber optischen ober akustischen Totalreflexion im zweiten Mittel. Wenn man nun bie w e - sentlichen Merkmale einer Welle nicht beschränkt, bann stößt man auf viel allge­meinere Einfallsormeln. An diesen ist nun höchst merkwürdig, daß sie in ein­zelnen Fällen versagen, was im bis­her behandelten Unterfalle nicht auf­tritt. Eine eingehende Untersuchung lehrt, daß bann eben ber Ansatz versagt, ben man für die Wellen, die am gewöhnlichen Einfall beteiligt sind, gemacht hat, nämlich daß eine einfache Welle ein­fällt unb zwei Wellen zurückgeworsen werben um bei bem einfacheren Einfall gegen eine Oberfläche zu bleiben. Physikalisch aber geschieht auch dann sicher etwas, denn eine bestimmte Welle mit be­stimmter Energie läuft unter bestimmtem Winkel gegen die Oberfläche an. Dann liegt also sicher etwas

wohin diese sich erstrecken. Ganz hervorragend aus- geprägte gebundene Wellen sind die elckktrischen Wellen längs Drähten unb Kabeln sowie längs ber Erbe unb ber Ionisationsschicht in ber höheren Atmosphäre bei ber brahtlosenTelegraphie unb Tele- phonie; aber auch bie Blitze. Auch Glimmlichtröhren zeigen sichtbar bie Bahn ber gebunbenen elektrischen Welle längs bem Glasröhre, wie lang unb ge- rounben cs auch fei; eine freie Welle könnte nicht " "" ebunbene

Die Klöster finb die Stätten ber Geist es kultur. Kunst unb Wissenschaft, auch bas Kunfthandwerk. erfahren ober erfuhren hier reiche Pflege. Die Religion, ein außerordentlich abgeschliffchrer und veränderter Buddhismus, beb rrscht bie Men­schen und vielfach auch das Lan fchaftsbilb. Jedes Dorf fast hat fein Kloster, c. Iege sind Stein- male errichtet mit Bamduö.langen, an denen lange Gebetswimpel im Winde flattern. Am Bach sind kleine Steinhäuser errichtet, Mühlen, bie vorn Bach getrieben Tag und Rächt große Ge- betstrommcln herumdrehen: Gottesverehrung durch die Maschine! Kahl und dürftig sind die Wohnräume der Mönche, um so reicher aber strotzt in Gold und Bronze, in Farben und Tüchern das Innere des Tempels. Oft sind bie Gottesdienstgeräte, Opferschalen unb Trom­peten, aus Menschenknochen kunstvoll angefertigt. Der Gottesdienst wird arrsschließlich von Lamas (Tempelpriestern) versehen. Daß Stötzner per- önlich einem Gottesdienst beiwohnen durfte, ver­dankte er dem Machtspruch eines chinesischen Befehlshabers, dem die Lamas notgedrungen zu Willen waren, da er dreihundert von ihnen kurz vorher wegen Widersetzlichkeit hatte hin­richten lafien. Die Kirche hat demnach in Ost­tibet nicht diese Macht wie in Hochtibet. Acht­zehn Fürsten (Schebatusse) teilen sich ins Land, das sie weiterverpachten oder von hörigen Dau­ern in hartem Frondienst bearbeiten lassen. So sind diese fdxtoer zugänglichen Gebirgslandschaften Osttibets ein Gebiet besonderer Eigenart, das Stötzner in lebendigem Dortrag schilderte und durch ganz prachtvolle farbige Lichtbilder an­schaulich zu machen wußte.

Induktion von Mellen.

Von Professor Karl Uller, Gießen.

Aus einem Vortrag, gehalten auf bem Deutschen Physikertag in Düsselborf.

Es ift eine altbekannte Tatsache, baß eine Welle, wenn sie auf einen anberen Körper trifft, zum Teil zurückgeworsen, zum Teil einbringt; beides meist mit Richtungsänderung. Man denke z. B. an eine Licht­welle, bie auf ©las ober Metall auffäUt, ober an eine Schallwelle, bie Echo hervorruft. Auch wenn aus bem Innern eines Körpers eine elastische Welle gegen besten freie Oberfläche läuft, wirb sie vollstän­dig zurückgeworfen, wobei sie sich in zwei verschie­denartige Wellen spaltet: in eine, die Verdünnun­gen und Verdichtungen aufweist infolge der Zu­sammendrückbarkeit des Körpers, sowie in eine, die Drehungen der Teilchen zeigt infolge derLcherungen im Mittel. In der Bebenkunde spielt sblcher Ein-