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machen, daß die polnische Herrschaft über das Wilnagebiet durch den russisch-litauischen Vertrag unmittelbar bedroht worden wäre. Die ganze Absicht Moskaus und Kownos beschrankt sich ja darauf, die Welt daran zu erinnern, daß die Wilnafrage noch offen ist. Entsteht jetzt, wie unvermeidlich, ein polnisch-russischer Notenwechsel darüber, soll, wie das Außenministerium^ an­kündigt, sich gar die Dezembertagung des Völker- bundsrates mit der Wilnafrage befassen, so wird damit wider Willen jene Absicht der Gegenseite nur unterstützt. Einen Erfolg wird man das schlecht nennen können.

In einer zweiten, einer inneren Angelegen­heit steht es nun gar iroch unerfreulicher. Hier kannPolens stärkste Regierung", wie die Pil- sudskipresse das Kabinett des Marschalls nennt, sich sogar schon eine eigentliche Schlappe ins Konto buchen. Seit dem Juni dieses Jahres hatte die polnische Währung sich stabili­siert: der Zloty stand zwar 80 Prozent unter Pari, aber er stand vier Monate lang fest. Roch in der ersten Woche des Pilsudskikabinetts hat er jedoch einen Stoß erhalten, ilni) zwar war dies, sehr charakteristischerweise, weniger durch wirtschaftliche und währungstechnische Gründe verursacht als durch reine Stimmungs­momente. denen das Publikum unterlag. Der Dollar, der seinerzeit aus den Strümpfen heraus­gekommen war. flüchtete eben auf einmal panisch wieder in die Strümpfe zurück, und diese Angstnach­frage war es. welche die Valutakurse hochtrieb. Ein '^r kennzeichnender Zwischenfall. Er beleuchtet, wie man Pilsudski einschätzt. Selbst wer ihn politisch nicht befehdet, ja, wer sogar im Parteienstreit auf seine Seite tritt, hält ihn doch in finanzieller Hinsicht für unbedingtfeuergefährlich". Und man hat Grund dazu. Kennt man doch seine Heeres-

sorderungen, die noch jeden Dudgetausgleich über den Haufen zu werfen drohten:Pilsudski", so heißt es von ihm,braucht alle paar Monate einen Finanzminister". Kein Wunder also, daß auch jetzt wieder Minister Klarner, der dem vor­letzten Kabinett angehörte, alsbald ausgeschifft worden war. Sein Rachfolger Czecho'vicz aber gift als viel zu unselbständig, um dem Marschall Widerpart zu leisten. So erscheint das Kabinett ohne finanziellen Steuermann. Die Wirkung solcher Tatsachen und Eindrücke aber äußerte sich in der jüngsten Valutenhausse.

Und die innere Verwaltung? Was hier seit dem Maiumsturz begonnen wurde und zu jener ersten Auflehnung des Sejms insbesondere gegen ben Innenminister Mlodzianowski führte, geht ununterbrochen fort. In den 14 Wojewod­schaften des Landes sind gegenwärtig glücklich nur noch drei Wojewoden auf ihrem alten Platz. Alle anderen sind versetzt, entlassen oder zur Disposition gestellt. Im gleichen Sttl wird im gesamten Administrattvapparat verfahren, ange­fangen beim Ministerium endend bei der letzten Starostei. Im Innenministerium ist es damit am schlimmsten, aber das Unterrichtsministerium wetteifert mit ihm, und neuerdings will das Finanzministerium nicht Zurückbleiben. Ser, Ge­sichtspunkt dieser Personalschübe ist natürlich überall der parteipolittsche. Wer nicht pilsud- skisttschzuverlässig" ist, fliegt hinaus.

Solcher Art sind also voüäufig die Merk­zeichen der Regierung, die nunmehr Pllsudftis eigene Firma trägt. Gewiß wäre es zu früh, schon jetzt, an ihrem Beginn, Voraussagen über ihre zu erwartende Schluhbilanz zu machen. Es kann sich gegenwärtig nur um erste Weg­zeichen des neuen Kurses handeln. Diese aber sind nicht zu verkennen.

Industrie- und Handelskammer Meßen.

Ueber die Tätigkell der Industrie - und Handelskammer Gießen in der letzten Zeit geht uns solgender Bericht zu:

Den in allen Kreisen Oberhessens laut ge­wordenen Klagen über die mangelhaften Eisen­bahnverbindungen in der Provinz trug dieReichs- bahndirettion Frankfurt a. M. durch eine Ein­ladung der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der amtlichen Wirtschaftsvertretungen zu einer

Fahrplankonferenz in Gießen.

Rechnung. Diese Konferenz, die am 18. September ftattfand, hatte den Erfolg, daß wenigstens den dringlich st en Verkehrswünschen w il- liges Gehör geschenkt wurde. So sollen die 0-Züge 275 276 Frankfurt a. M.GießenDort­mund auch im Winter weiterverkehren: zur Ver­besserung der Abendverbindung von Frankfurt <x. M. nach Gießen wird an Sonntagen der Pz. 771 Frankfurt o. M. ab 11.40 nachm.. der bisher in Friedberg endigte, bis Gießen durchgeführt, wo er 1.30 vorm. eintrifft Dieser Zug wird ab Fried­berg, mit Aufenthalt nur in Bad-Rauheim und Butzbach, beschleunigt durchgeführt. Der Rach- mtttagszug 3.36 GießenAlsfeldFulda wird auch im Winter täglich verkehren und nicht, wie vorgesehen, Sonntags ausfallen. Auf der Strecke GießenRidda wird der Pz. 505 auch an Sonn­tagen bis Gießen durchgeführt, und für den um 10.43 abends Gießen verlassenden T. 517 wird im Winter nicht Hungen, sondern Ridda Endstatton sein. Auch Pz. 562 zwischen Fulda und Alsfeld wird in Zukunft ebenfalls an Sonn- und Feier­tagen befördert werden. Ferner wird zur Ver­besserung der Zugverbindungen zwischen Frank­furt a. 'M. und Büdingen an Sonntagen nach­mittags zum Anschluß an den Pz. 4113, Frankfurt a. M. ab 7.10, Stockheim (Oberhessen) an 9.46 nachm.. ein Zug, Stockheim ab 9.50, Büdingen an 10.07 nachm. eingelegt.

Das Fehlen einer Zollstelle in Lauterbach wird von der dortigen Geschäftswelt als über­aus nachteilig empfunden. Zollpflichtige Waren Missen in Gießen bzw. Fulda abgeferttgt werden, was mit einem erheblichen Zeitverlust und auch l mit einer nicht unwesentlichen Verteuerung der Ware verknüpft ist. In einer Eingabe an das F Hauptzollarnt Gießen hatte nun der Handels­verein Lauterbach um Errichtung einer

Zollslelle in Lauterbach-Nord gebeten. Dies von der Handelskammer mündlich und schriftlich befürwortete Gesuch ist bedauer­licherweise mit der Begründung abgelehnt worden, daß ein Bedürfnis hierfür nicht aner­kannt werden könne. In einem Gutachten an den Deutschen Industrie- und Handelskammertag sprach sich die Kammer gegen die geplante Er­höhung des Zuckereinfuhrzolls aus.

Obwohl die Kammer bei jeder sich bietenden Gelegenheit für eine Ermäßigung der noch immer sehr hohen ___________

Fernsprechgebühren eingetreten ist, sind doch ihre Bemühungen bis­her ohne jeden Erfolg geblieben, was sie aber nicht hindern wird, ihre Bestrebungen in dieser Richtung fortzusetzen.

Einem Anträge der Industrie- und Handels­kammer auf

Ofsenhalten der Läden

an zwei Sonntagen anläßlich der Elektrizitäts­und Gartenbau-Ausstellung in Gießen hat das Polizeiamt in entgegenkommender Weise ent­sprochen. Die alte Streitfrage über die

Heranziehung von gewerblichen Unternehmungen zu den kosten der Derufsvertretungen hat noch immer keine befriedigende Regelung ge­funden. In einer in Mainz am 9. September stattgehabten Besprechung zwischen Vertretern der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammer kam es wiederum zu keiner Einigung, weil die Handelskammern dem Vor­schlag der Handwerkskammer auf Errichtung eines Einigungsamtes gleich dem Vorbilde in Würt­temberg aus verschiedenen Gründen sich nicht anschliehen konnten: es wurde von ihnen der Gegenvorschlag gemacht, die Streitigkeiten über die Zugehörigkeit von Llnternehmen zu einer der beiden Kammern durch den Verwaltungs­gerichtshof als oberste Instanz entscheiden zu lassen. Die Vertreter der Handwerkskammer erklärten darauf, die Angelegenheit noch ein­mal im Vorstand ihrer Kammer besprechen zu wollen und dann das Ergebnis der Beratung dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft mit­zuteilen. Inzwischen ist den Handelskammern eine Rovelle zur Gewerbeordnung zuge» gangen, in welcher diese Angelegenheit endgültig geregelt werden soll. Der hessische Industrie- und Handelskammertag wird am 19. d. M. über diesen Entwurf beraten.

Schon des öfteren sind in den Kreisen der Tabakfabrikanten Klagen darüber laut geworden, daß in Konkursfällen die

Tabaksteuer

nicht zu den bevorrechtigten Forderungen gehört, so daß der Lieferant bei dem Konkurs eines Kunden oft nicht nur den Gegenwert für die ge­ben Betrag der bereits entrichteten Steuer, die Ueferte Ware einbützen muß, sondern dazu noch doch eine Verbrauchssteuer und nicht eine Her­stellersteuer sein soll, verliert: den Tabakfabri- fanfen erwachsen dadurch bei den häufigen Kon­kursen und Geschäftsaufsichten der letzten Zeit empfindliche Verluste, welche auf die Dauer nicht tragbar sind. Den Bemühungen des Deutschen Industrie- und Handelstags, eine Abände - rung der Konkursordnung herbeizufüh­ren, nach welcher die Tabaksteuer zu den bevor­rechtigten Forderungen zählen soll, ist der Erfolg bisher versagt geblieben', die Kammern sowie ihre Spitzenvertretung werden jedoch die Förde-

Fünfte Schulmusikwoche.

Der Vortrag, den Privatdozent Dr. Friedrich R o a ck - Darmstadt über das ThemaDer Lehrer als Leiter von Dollschören" hielt, fesselte die zahlreiche Zuhörerschaft, weil er sich weniger mit theoretischen Erörterungen befaßte, als Beispiele aus der Praxis bot und besonders die süddeut­schen Verhältnisse berücksichtigte. In neuerer Zeit wird man sich immer mehr der Bedeutung der Männerchöre, der gemischten Chöre und der Frauenchöre für das Kulturleben unseres Volkes bewußt. Das Wohl und Wehe dieser Chöre hängt zum weitaus größten Teil von dem Wirken der Lehrer ab; deshalb stellte Privatdozent Dr. R o a ck die Lehrer als Chorleiter in den Mittel­punkt seiner Betrachtungen. Rur in den größeren Städten sind zwar, wie der Redner ausführte, Derufschorletter, aus dem Lande jedoch sind es nur Lehrer, nur diese vermitteln hier Kultur­werte und erweisen der Volkskultur unschätzbare Dienste. Das Wirken der Lehrer in den Gesang­vereinen bringt sie den Eltern näher und schafft so eine engere Verbindung zwischen Schule und Elternhaus: es trägt auch wesentlich bei zu der Vertrauensstellung des Lehrers auf dem Land. Die Lehrer verfallen weit weniger als die De- russchorleiter in den Fehler, zu schwere und ge­künstelte Chorlieder zu wählen: sie sind berufen, den süßlichen Schmarren entgegenzuwirken, die bei den Gesangwettstreiten meistens den stärksten Erfolg haben. Durch einen schlechten Dirigenten entsteht leicht eine Spaltung in einem Verein, und es ist dann schwer, einen leistungsfähigen Verein wieder zu schäften. An den Stätten 6er Lehrer- bildung ist man sich vielfach noch nicht bewußt, welche Bedeutung die späteren Lehrer als Chor­leiter für die Vvlkskultur haben. Hervorzuheben ist der Ideallsmus, mit dem sich die Lehrer auf

dem Lande dieser Aufgabe widmen, in abgelege­nen Gebirgsdörfern, z. B. im Vogelsberg, verrich­ten sie ihre Tätigkeit als Vereinsdirigenten oft­mals ganz uneigennützig oder gegen sehr geringe Entschädigung. Gegen jeden Versuch, den Musik­unterricht in den Schulen zu verkürzen, mutz Stellung genommen werden. Iede Unterrichts­methode ist recht, wenn sie nur zum Ziele führt. Der Wegfall der Gesangstunden in der Obertertia und Antersekunda bedeutet für die höheren Klassen einen neuen Anfang, dem die Schüler Widerstand entgegensetzen. Rach Feststellungen in den pädago­gischen Kursen hat die Mehrzahl der Teilnehmer keine Rotenkenntnis mehr. Woher sollen nun die Chorleiter auf dem Lande kommen?' Der Redner trat nachdrücklich für eine gute Aussprache im Gesangsunterricht ein, für die Beherrschung der deutschen Hochsprache, doch sollen auch Lieder in heimatlicher Mundart gesungen werden. Für die Erschließung des Geisttgen im Liede muh mehr getan werden. Volksbildnerisch ist nicht allein das Ernste und Traurige, sondern auch das Heitere, darum ist es zu pflegen, in gewissen Grenzen selbst in den Kirchenchbren. Zum Schluß seines Vortrages forderte Privatdozent Dr. Roack die Lehrer auf, mitzuwirken, um dem Musikunterricht die Stellung zu verschaffen, die ihm bei seiner Bedeutung für unser Kulturleben gebührt, und zur Mitarbeit an der Gesundung des Seelenlebens unseres Volkes.

Dr. Gerhard v. K euh ler-Hamburg sprach über die Aesthetik des Chorsahes. Er legte fernen Ausführungen eine Betrachtungsweise zugrunde, die biologischen Erfahrungen entnommen ist, und wandte sie in diesem Sinne auf eine Reihe von Beispielen an.

Prof. Georg Rolle- Berlin sprach über Schulgesang und Chorverein". Gr wies auf die vielen Zusammenhänge zwischen Schulgescmg und Chorgesang hin, deshalb sei die eifrtgfte Pflege

rung dieser Angelegenheit sich auch fernerhin an­gelegen sein lassen.

Bei dem Ministerium für Arbeit und Wirt­schaft wird der hessische Industrie- und Handels­kammertag wegen einer Zurücknahme der Ver­ordnung vom 2. 3uni d. I. über die

Beschränkung der Zahl der kaufmännischen Lehrlinge

vorstellig werden mit der Begründung, daß diese Verordnung der Rechtsgrundlage entbehrt.

Der den Kammern vorliegende Entwurf eines Gesetzes betr. die

beeidigten Bücherrevisoren und Treuhänder wurde abgelehnt: die Kammern haben sich jedoch Vorbehalten, zu einzelnen darin enthaltenen Vor­schlägen Stellung zu nehmen.

Gegenstand einer Besprechung von Vertretern des hessischen Einzelhandels am 3. September 1926 in Mainz bildeten die Mißstände, welche sich auf dem Gebiete des

Ausverkaufswesens

im Laufe der Zeit zum Schaden des Einzel­handels herausgebildet haben. Es wurde eine Entschließung angenommen, in welcher die fol­genden Forderungen auf gestellt wurden: Engste Zusammenarbeit der in Frage kommenden Be­hörden mit den Industrie- und Handelskammern: einheitliche Regelung des Ausverkausswe e:s ohne Abänderung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb; Bekämpfung der Auswüchse des Sonderverkaufswesens durch einen Aufruf an die Einzelware^händler; Verbot des Beamtenwaren­handels.

Bestimmte Fälle aus dem Gebiete des öffent­lichen Verdingungswesens gaben der Kammer Anlaß, gegen die

Ausschaltung hessischer Firmen

Einspruch zu erheben und darauf hinzuweisen, daß die Hauptursache für diese bedauerliche Erschei­nung in der stärkeren steuerlichen Belastung der hessischen Industrie gegenüber der Besteuerung in anderen deutschen Ländern zu suchen sei.

Der hessische Industrie- und Handelskammer- tag hat gelegentlich seiner letzten Besprechung auch über die seitens badischer Kreise angeregte

Bildung von Tabaksleuerausschüssen

bei den Landesfinanzämtern beraten; es wurde beschlossen, beim Landesfinanzamt die Bil­dung eines solchen Tabaksteuerausschusses zu be­antragen.

Die geplante Aushebung des Amtsgerichts Hungen gab der Kammer Veranlassung, in einer Erklä­rung den Standpunkt zu vertreten, daß es im Interesse von Staat und Bevölkerung gelegen sei, wenn der bestehende Zustand aufrecht erhalten bleibt.

Dem Anträge des Deutschen Automobil­händlerverbandes e. V. auf Aenderung des § 35 Abs. 10 der Verordnung über Kraftfahrzeugver­kehr hat der hessische Industrie- und Handels- Eammertag zugestimmt.

Ein der Kammer vorgelegter Entwurf zur Regelung des Fahrzeugverkehrs in den belebtesten Straßen der Stadt Gießen wurde mit einer kleinen Einschränkung gutgeheißen.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

X Klein-Linden, 16. Okt. Die 3t gar­te n f a b r t f Gebt. Behrens Hierselbst stellt jetzt infolge besseren Auftragseingangs weitere Zi­garren- und Wickelmacher ein. Auch bei der Reichsbahn tonnten in letzter Zeit Erwerbslose als Zeitarbeiter Beschäftigung finden.

t Grünberg, io. Okt. Weingrohhändler Inderthal und Hoflohnkutscher Huhn von Gießen haben in diesem Iahre zum 4 5. Male den Gallusmarkt besucht, und zwar waren sie Iahr für Iahr ohne Unterbrechung dazu hier. Die Stadtverwaltung hat 6ie beiden regelmäßigen Gäste gelegentlich des jüngsten Gallusmarktes durch ehrende Schreiben und Blumensträuße ausgezeichnet. Der Ge­meinderat beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung in Anwesenheit des Regierungsbaurats Schneider von der Kreisbauverwaltung in Gießen mit dem Anbau ö etf Oberreal* schule. Daurctt Sch neider berichtete über die bisherigen Vorarbeiten zu dem Anbau und betonte, daß sür den Dau etwa 60 000 Mark erforderlich seien; davon kämen für den Rohbau allein rund 34 000 Mark in Betracht. Die Maurerarbeiten wurden der Firma Säger (Queckborn) für 15 587 Mark zur Ausführung übertragen, die Steinmetzarbeiten erhielt Schmie­deknecht in Lollar für 2888 Mark zugesprochen, die Zimmeverarbeit wurde der Firma Haas in Orünberg für 2199 Mark erteilt, ferner er­hielten Gebrüder Fatum die Dachdeckerarbeit

des Schulgesangs notwendig, um den Chorgesang zu heben. Zu begrüßen sei es, daß jetzt Kurse für Chorvereinsleiter eingerichtet wurden, beim der Dirigent bilde den Grund- und Eckstern eines Chorversins.

Freitag nachmittag begaben sich ine Teil­nehmer an der Schulmusikwoche nach Iugenheim an der Bergstraße, wo bei einem zwanglosen Beisammensein der Darmstädter Madrigal-Chor unter Leitung von Dr. Friedrich R o a ck und das Klaviertrio der Herren Generalmusikdirektor R o s e n st o ck, Konzertmeister Drumm und KammeGnufiker Andreae Vorträge boten. Am Abend wohnten sie im Landestheater dec Auffüh­rung von DusonisArlecchino" und Stra­winskysGeschichte vom Soldaten" bei.

Historisches

auf neuen Briefmarken.

Geschichtliche Darstellungen und Anspielun­gen sind auf den Briefmarken in der letzten Zeit immer häufiger geworden. Die Hundert­jahrfeier der argentinischen Post gab Argentinien Veranlassung, am 1. Iuli eine besondere Serie von vier Erinnerungsmarken herauszugeben, die das Porträt des Präsidenten Rivadavia, unter dem der Postdienst eingerichtet wurde, und des Befreiers von Südamerika General San Martin zeigen, sowie Ansichten der alten argentinischen Hauptpost und des gegenwärtigen Hauptpostge­bäudes in Buenos Aires. Beim sechsten Inter­nationalen Esperanto-Kongreß in Moskau wur­den zwei besondere Briefmarken ausgegeben, die ein unbestimmtes Denkmal, den Sovy et-Stern und die Sowjet-Embleme zeigen. Portugal hat in diesem Monat die erste einer Anzahl von Serien historischer Marken ausgegeben zur Feier der 300jährigen Befreiung von der spanischen

für 3029 Mark, Iakob Von-Eif f und Gen. die Spenglerarbeit für 498 Mark, Frank (Grün­berg) die Schmiedearbeit für 187 Mark, Iakob Von-Eiff und Geir die Installattonsarbeiten für 3906 Mark. Die Deckenkonstrultion aus Eisen­beton wurde der Gesellschaft für Beton und Eisenbeton in Gießen für 5293 Mark übertragen. Die Bauarbeiten sollen sofort in Angriff genommen werden.

L ich, 16. Okt. Wie die sämtlichen hiesigen Schulklassen vor vier Wochen in Gicßen zum Besuch der Gartenbau- und Elektrizitätsausstel­lung waren, von der sie befriedigt zurückkehrten, so wollen nun auch einige die von der Mission in der Provinzialhauptstadt veranstaltete Schau unserer ehemaligen Kolonien und anderer Missionsgebiete zur Vertiefung ihrer in der Schule erworbenen Kenntnisse besuchen. So kann die Be­sichtigung eine wirksame Ergänzung des Vor­trages werden, den ein deutscher, durch die Eng­länder während des Krieges aus China vertrie­bener Lehrer über seine langjährigen Erfahrungen in sehr anschaulicher Weise für die Schüler der oberen Klassen und der Fortbildungsschule in der hiesigen Turnhalle hielt.

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg. 16. Okt. Wie hier ver­lautet, soll seitens der Regierung die Auf­hebung entweder des Amtsgerichts in Dad-Rauheim oder Friedberg bzw. die Verschmelzung zu einem Amtsgericht ge­plant sein. Der angebliche Plan der Regierung! hat in beiden Städten großes Aussehen hervor­gerufen. Der Hauptgrund für die Verschmelzung der beiden Gerichte soll sein, dadurch ^kne Rich­terstelle einzusparen. Auch glaubt man. daß ein Druck auf die Städte insofern ausgeübt werden soll, daß das neue Dienstgebäude von einer der beiden Städte errichtet wird. Auf jeden Fall setzen sich die beiden Städte ener­gisch gegendenPlan zur Wehr. Bad-Rau- Heim mit seinem großen Fremdenverkehr wird in ein merkwürdiges Licht gesetzt werden, wenn sein Gerichtsstand in der Ferne gesucht werden muß, während Friedberg mit seiner zentralen Lage als Eisenbahnknotenpunkt Sitz zahlreicher Behörden und eines großen Hinterlandes der gegebene Platz für den Sitz einer Gerichtsbehörde ist. Die beste Lösung wäre jedenfalls die Er» haltung beider 'Gerichte. d

Butzbach, 16. Oft. Im Anschluß an den Reichsparteitag der Deutschen Volkspar­tei hatte die hiesige Ortsgruppe ihre Mitglieder zu einer Versammlung auf Donnerstag abend eingeladen. Rach einer fesselnden Schilderung der Persönlichkeit Stresemanns gab der Prodinzial- Geschäfts sichrer Weißer (Gießen) einen inter­essanten Lieb erblick über unsere außen-, innen- und wirtschaftspolitische Lage. An die Ausfüh­rungen des Redners schloß sich eine Absprache an, in der von verschiedenen Seiten dem Reichs« auhenminister her Dank für seine Arbeit aus­gesprochen wurde.

Kreis Büdingen.

A Nidda, 15. Okt. Gestern mittag fuhr ein Auto aus Frankfurt zwischen hier und Kohden an einer Straßenbiegung mit solcher Wucht gegen einen Telegraphenmast, daß dieser in einer Höhe von etwa 1,50 Meter glatt weg- gefegt wurde. Glücklicherweise wurden der Len­ker und der Besitzer des Wagens auf die entgegen­gesetzte Seite des umgefallenen Autos geschleudert. Sie kamen mit geringen Verletzungen und dem Schrecken davon. Der Wagen wurde er­heblich beschädigt.

!! Stockheim. 16. Oft. Hier wird zur Zeit von der kath. Kirchengemeinde Büdingen eine katholische Kirche erbaut. Als Bauplatz wurde der Platz gegenüber der Eisenbahnüber­führung nach dem Ort gewählt. Die Kirche wird eine Länge von ungefähr 17 Metern und eine Höhe einschl. Turm von rd. 17 Metern erhalten. Durch diesen Dau wird einem Dedürfnis der in den einzelnen Gemeinden verstreut wohnenden Katholiken Rechnung getragen. Die Gemeinde Stockheim eignet sich wegen ihrer zentralen Lage und guten Zugverbindung besonders gut als Daupllltz. Die Dausumme wird auf 16 000 Mk. geschäht.

le. Bleichenbach, 16. Okt. Donnerstag abend lief in unserer Kirche der sechsaktige C h r i st u s- film. Der schlechte Besuch der Vorführung ist wohl nur auf den für unsere dörflichen Verhältnisse zu hohen Eintrittspreis zurückzuführen. Der Film ist recht eindrucksvoll, sowohl in seiner Ausstattung als auch in seiner Absicht. Da die Aufnahmen in den betreffenden orientalischen Ländern gemacht sind, haben die meisten Bilder auch landes- und volks­kundliche Bedeutung. Heute feierte der älteste Ein­wohner unseres Dorfes, Joh. Kraft XIV., in geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 9 5. Ge­burtstag.

Herrschaft. Die"Serie umfaßt sechs verschiedene Markenbilder. In der ersten Gruppe von 2. 4, 6 und 16 Centavos erscheint das Blldnis des Mauren-Desiegers Alfonso Henriques; auf den Werten von 25, 40. 50 und 75 Centavos ist die Rationalheldin FiliPPe de Vilhena dargestÄll, die ihren Sohn zur Schlacht wappnet: die Werte von 20 und 32 Centavos und 1,60 und 10 Escudos zeigen die Eittscheidungsschlacht von Aljubarrsta. die die Unabhängigkeit Portugals brachte, wäh­rend auf den folgenden Gruppen das berühmte Dominikanerkloster von Batalha, das Dildnis König Ioaos IV. und das Llnabhängigkeitsdenk- mal von Lissabon zu sehen sind. Eine neue kanadische Driefmarkenferie zeigt Bildnisse frühe­rer Staatsmänner: so erscheint auf der 5 Cents- Marke das Porträt des Fenier-Führers Thomas DArcy McGee: auf der 10 Cents-Marke sind zusammen zwei berühmte Premierminister, Sir Iohn McDonald und Sir Wllfrid Courier, abgebildet, während die 20 Cents-Marke die Führer der Daldwin-Lafontaine-Verwaltung von 1842'48 zeigt. Bulgarien plant zur Feier feiner 50jährigen Befreiung eine Markenserie, die Bil­der der Helden der Revolution enthalten soll. Die lang verheißenen Briefmarken von San Marino zu Ehren des Kapitäns Regent Onofn, der in der Zeit der Eroberung Italiens durch Rapoleon die Reutralität des Ländchens be­wahrte, sind in sechs Werten erschienen. Auf der neuesten polnischen 10 Groszy-Marke ist das Porträt der berühmtesten Polin unserer Tage, der Mme. Curie, zu sehen. Die Ennnerungs- marke an die 150. Iahresfeier der amerckamschen Unabhängigkeit ist im September erschienen, und zwar ist es eine besondere 2 Cents-Marke, die eine Darstellung der Schlacht von White Plains enthält, durch die Washington die britischen Truppen von Reutzorck fernhielt.