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Nr. 65 Erster Blatt

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berichtet ferner: Bei der Arbeiter- bei den Liberalen werde zwar Shm- Chanrberlain ausgesprochen. Es er

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Landgestütsbe- Delehrung über lnlch der Au>- läschullehrerinm ig Wiendorf a. d. »rinde Saasen. -

Ein Pakt gegen den Anschluh.

London. 17. März. (IDIB. Junffprudj.) Der Genfer Sonderberichterstatter derTimes" erfährt, daß Frankreich, Italien und Jugosla­wien die Grundlage eines Paktes über die Ara­gen Mitteleuropas geschaffen haben. Die in Gens versammelten Delegierten der drei Staaten legten schriftlich die Nebereinstimmung ihrer An­sichten in der Frage der Beseitigung der Möglichkeit einer politischen Union zwi­schen Oe st erreich und Deutschland nieder. Die Einzelheiten des Vertrages sollen später anders­wo ausgearbcilet werden.

zen geschichtlichen Acberblick der Stellung, die Deutschland gegenüber dem Völkerbünde in den letzten Jahren einnahm. Die Stellung einer Schuldfrage lehnte Dr. Stresemann in diesem Zusammenhänge ab und meinte, daß es sür das Leben der Völker wichtiger sei, nach Mitteln des Ausgleichs als nach Schuldigen zu suchen. Die Idee des Völkerbuir des nicht dessen hinreichend starte Organisation habe im Herzen der Menschheit einen schwc - r e n S t o tz erlitten. Das gelte besonders für Deutschland, wo gerade die Airssicht auf das Genfer Ergebnis die Abneigung gegenüber dem Völkerbunde und schwer überwundene Bedenken gegenüber der Locarnopolitil ausgeräumt hätten. Das Zurüektreten des Gedankens der wenigstens teilweisen älniversalität hinter verhältnismäßig kleinen Einzelinteressen werde man in Deutsch­

März. ('511.) Das (St.

ersch eint täglich, außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle.

Maaats-Vezugrprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfcnnig für Träger­lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

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scheine aber sicher, daß beide Flügel der Oppo­sition bei Gelegenheit der Debatte in der näch­sten Woche der Regierung kritisch ent­gegen t r e t e n werden. Die Opposition habe die Erklärungen Chamberlains vor seiner Abreise nach Genf nicht vergessen. Die Opposition könne allein einen M i ft t r a u e n s a n t r a g nicht durchbringen. Es sei eine Abstimmung wahr­scheinlich.

Amerika zu dem Genfer Fiasko.

land kaum verstehen. Die erschwerte Stellung der Regierung gegenüber der deutschen Oeffent- lichkeit dürfe sie freilich nicht hindern, in

fuhr man nur, soweit sich seine Tätigkeit auf die Aeuorienticrung bezog, bei Besprechungen mit Denesch, Rintschitsch, Rufos und Skrzynski. So erklären sich auch die Schlußkommentare

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Rachmittag vorher.

Preis ftit 1 mm höhe für Anzeigen von 27 in in Breite örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig: für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/o mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich sür Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; sür den An- zeigenteil Hans Pustel, sämtlich in Gießen.

Deutschlands Politik in Genf.

Ein Rückblick des Reichskanzlers auf die Haltung der deutschen Delegation

angegebenen Richtung weitcrzuarbeiten.

Die Abreise der deutschen Delegation. Genf, 17. März. (WTD.) Die deutsche Delegation hat heute abend 8 Uhr im Sonderzug die Abreise nach Deutschland angetreten. Vor ihrer Abreise empfing sie noch die Besuche verschiedener Delegationen der Völ­kerbundsversammlung. darunter den Besuch des österreichischen Bundcstanzlers Dr. R a m e k, des italienischen Ratsmitglieds S c i a l o i a und des polnischen Ministerpräsidenten Grafen Skrzynski. Zur Abreise hatte sich eine größere Menschen­menge. darunter zahlreiche Vertreter der deut­schen Kolonie in Genf auf dem Bahnhof ein- gefunden. Der Reichskanzler und der Reichs- auhenminister, sowie die Staatssekretäre nahmen in einem Salonwagen Platz, der sich gleich hinter der Lokomotive befand. In dem anderen Wagen sahen die übrigen Mitglieder der Delegation und viele deutsche Journalisten, die gleichzeitig die Reise nach Berlin antraten.

Regierung und Parteien.

NachRückkehr der deutschen Delegation.

Berlin, 17. März. (2BB.) Die deulschna­tionale Pressestelle teilt mit: Die Genfer Vor­gänge haben in den gestrigen Sitzungen des Par­teivorstandes, der Landesverbandsvorsitzenden und der Deutschnationalen Volkspartei zu einer Aus­sprache geführt, in der die einmütige Auffassung zum Ausdruck kam, dah die Behandlung des deut­schen Antrages aus Eintritt in den Völkerbund und die Haltung der deutschen Delegierten in Gens zu einem völligen Mißerfolg der Auhenpolitik des Kabinetts Luther-Stresemann geführt hat. Die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspar­tei wird sofort die erforderlichen parlamenta­rischen Mohnahmen ergreifen.

Rach einer Mitteilung einer demokratischen Zeikungskorrcsponden; beurteilen die Regie­rungsparteien dos Ergebnis der Genfer Ta­gung wesentlich anders als die Deutschnationalen. Durch die gemeinsame Erklärung der Locarno- mächte sei die Sicherheit für die Fortführung der einmal eingeleitcten europäischen Friedenspolitik gegeben. 3in einzelnen würde noch festzustellen sein, ob und in welchem Umsange die Auswirkungen der Locarnoverträge weitcrlaufcn. Die Regierungspar­teien glaubten mit guten Gründen eine g e - schlossene Front zur Verteidigung dec bisherigen auhenpotitischen Linie ein­nehmen zu können. 3n dieser Beziehung würden sie, wie es in der Mitteilung der Korrespondenz heißt, auch mit der Unter st ühung der So­zialdemokraten rechnen können, vor der außenpolitischen Debatte im Reichslagsplenum müß­ten vertrauliche Besprechungen der Parteiführer mit dem Kanzler und dem Außenminister stattfinden, in denen die Fraktionen über die Einzelheiten der Genfer Verhandlungen unterrichtet werden sollen.

3m Gegensatz zu der Auffassung der demokrati­schen Korrespondenz steht eine Mitteilung der Deutschen Allgemeinen Zeilun g", wo­nach bei den Regierungsparteien die S ti tn mung nicht einheitlich sei. Auf dem rechten Flügel des Zentrums, bei der Deutschen Volkspartei und bei der Bayerischen Volkspartei herrsche v c r st i m - m u n g über die Genfer Vorgänge. Das Blatt kün­digt ebenfalls Besprechungen der Parteiführer mit der Delegation an.

Vic in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird die große außenpolitische Debatte über Gens in Verbindung mit der zweiten Lesung des Haushaltes des Reichsministeriums des Aeuhern am nächsten Montag beginnen. Der Acltestenrat und der Auswärtige Ausschuß des Reichstags sind bisher noch nicht einberusen worden, da man erst die Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichs- außenminiflers aus Genf abwarten will.

Kritik an Chamberlain.

London. 18. März. (WTD. Funkspruch.) M a c d o n a l d bezeichnet tn einer Unterredung die Verschiebung der Genfer Verhandlungen als einen Fehlschlag erster Gröhe. Es sei noch zu früh, um zu sagen, welches die Rückwirkungen z. B. in Deutschland sein werden. Das Ansehen Englands sei In Genf sehr vermindert worden, Pflicht des Unterhauses sei es, das Ansehen wieder zu heben.

G e n^f, 17. März. (WTB.) In einer Unter­redung des Reichskanzlers Dr. Luther mit dem Chefredakteur derDeutschen Allgemeinen Zei­tung" erklärte der Kanzler: Ich bedauere auf das tiefste, daß diese Entwickelung eingetreten ist. Vor den Augen der ganzen Welt ist der Arbeit der leitenden Staatsmänner der ab­schließende Erfolg versagt geblie­ben, und zwar in einer Weise, die ich spreche es offen aus - sowohl für den Völker­bund, wie für alle Beteiligten im einzelnen etwas recht Unerfreuliches an sich hat. 3d) kann nun mit Befriedigung darauf Hin­weisen, daß die deutsche Regierung we­gen dieses negativen Verlaufes nicht einmal der leiseste Vorwurf treffen kann. In den Kundgebungen des gestrigen und heutigen Tages ist das von der Gesamtheit der Welt, soweit sie in Genf vertreten ist, auch anerkannt worden. Von der großen Mehrheit der Ver­treter neutraler Mächte in der Bundesversamm­lung ist gerade diejenige These unterstrichen wor­den, die Deutschland in den diplomatischen Ver­handlungen und im Kampfe der öffentlichen Meinung immer wieder vertreten hat,

daß nämlick die Entscheidung über die Aus­gestaltung oer Völkerbundsorgane zu dessen eigener Zuständigkeit gehört und nicht Gegen­stand der Abmachungen einzelner Mächte sein könnte.

Auf die Frage, weshalb sich die deutsche Delegation Überhaupt an diesen Lo- carnobesprechungen beteiligt hat, er­klärte der Reichskanzlern Ihr war dadurch eine Zwangslage entstanden, daß die ganze Stellung­nahme der deutschen Parlamente und der deut­schen Oeffentlichkeit sich nur auf d i e Möglich" feit eines Eintritts Deutschlands in den Rat, ohne vorherige Erweite­rung oder grundsätzliche Verände­rung aufgebaut hatte. Hieraus ergab sich mit logischer Notwendigkeit die Beteiligung Deutsch­lands an den Besprechungen der Rheinpakt- rn ä ch t e über die Ratsfrage. Sei b st verständlich haben wir aber in diesen Besprechungen immer wieder betont, daß wir eine Bindung Deutschlands hinsichtlich seiner künftigen Dölkerbundspolitik vor seinem Eintritt in den Bund aus allgemein politischen Gründen sowohl, wie aus unserer grundsätzlichen Auffassung vom Völkerbund ablehnen müßten.

3d) glaube auch, daß es uns trotz vieler An­feindungen gelungen ist, unseren Standpunkt aufrechtzuerhalten. Der Vorwurf, Deutschland habe bereits vor seinem Eintritt dem välker- bundsrat seinen Willen aufzunötigen versucht, ist, wie meiner Meinung nach die Entwicklung gezeigt hat, vollkommen unberechtigt.

Deutschland hat vielmehr durch die Ablehnung der ihm angcfomicnen Bindungen eine Zurück­haltung geübt, die ihm heute im Urteil der Welt zugute kommt.

Auf die Frage, welche Gründe dafür maß­gebend waren, daß die deutsche Delegation dem letzten Kompromiß Vorschläge zu ge­stimmt habe, erwiderte der Kanzler: Ich möchte das Wort Kompromiß hier unbedingt vermieden sehen. Vergegenwärtigen Sie sich die Entwicklung der Dinge: Deutschland lehnt die ihm zugemuteten Bindungen einer gewissen Qlenberung des Rates ab. Dann machte eine uns vef.eundrte Macht seinen ganz neuen Vorschlag, und

Schweden erklärte sich zur Rettung des Völker­bundes und in letzter Konsequenz seines grunb- . süßlichen Standpunktes dazu bereit, das Opfer des eigenen Sitzes zu bringen. Selbstverständlich , konnte ein Ersah Schwedens durch Polen nicht in Frage kommen. Auch diejenigen, die auf Polens Eintritt in den Rat drängten, hatten , eine solche Lösung wohl nie annehmcn können.

Als bann jeboch ein Mitglied einer Polen nahe­stehenden Mächtegruppe seinen freiwilligen Rücktritt anbot ohne Mitwirkung Deutsch­lands und ohne daß wir diesen Schritt mit irgendwelchen Mitteln hätten verhindern kön­nen stand eine Regelung in dem Sinne in Aussicht, daß für Schweden eine neutrale Macht derselben Gruppe vorgesehen war, wäh­rend ein evtl. Eintritt Polens durch die srei- willige Rieberlegung des tschechischen Ratssihes kompensiert werden sollte.

Die neugeschafsene Lage schloß keinerlei deutsche Bedingungen ein und verhalf ter deutschen These von der alleinigen Zustän­digkeit des Völkerbundes zum Siege, indem sie eine Organisatiansänderung der Endentscheidung der Völkerbund sversarnrnlung zuschob. Bei dieser Lösung trat keinerlei Änderung ces bestehenden politischen Krästeverhältniises inner­halb des Rates ein. Also vom deutschen Stand­punkt eine völlige Wahrung der vor und in Gens Vertretenen grundsätzlichen Ausfassung.

Ich glaube durch meine Ausführungen dar- flelcgt zu haben, daß Deutschland auf den Genfer Verhandlungen in den Augen der Weltöffent­lichkeit vollkommen unbelastet hervorgeht und daß die deutsch: Politik in Genf nicht an Terrain verloren hat.

Erklärungen Stresemanns.

Gens, 17. März. (WB.) Vor den Ver­tretern der ausländischen Presse gab Reichs- oußenminister Dr. Stresemann unter nochmaliger Darlegung des deutschen Standpunktes einen kur-

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>m wir Oberheffen hessischen Lan- nu5 den Berichten andtags, wo oller, ^shall des Lander' heu Debatten An- verschiedener Seift en bemängelt, die ers für den Staat oditen werden, ab i WM Steuer- mdestheatere regel: ns Theater - nun winz l'ch auch W* r sehen laßt, Und jrger aus der Pro« hört er mit Gr« pieien auswärtiger Hein bet f [ . nicht einmal gut L» Ganz ab- Srn «>*'!

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19,15 jfjt: jftunbe. J* Peter

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck unb Verlag: Vrühl'sche Univerfitäts-Vuch und 5tem-ruckerei N. Longe in Sietzen. Schriftleitung un- Geschäftsstelle: schulstratze 7.

Der Vorhang füllt.

Als nm die Iabreswcnbe Deutschlanb seine Aus­nahme in ben Völkerbunb anmelbcte und bev Rat für Anfang März eine außerorbentttche Völker bunbsversammlung einberief, um über den deutschen Antrag zu befinben, da hielt man dies für die for­male Erledigung einer Frage, deren politifd)c öeite ja schon in Locarno und London bis in alle Einzel beiten festgelegt sei. Man glaubte, es werde fid) nun an den in der ersten Frühlingspracht stehenden Ge staden des Genfer Sees einer der zeremoniösen Fest atte absvielen, mit denen gewöhnlich langwierige diplomatische Verhandlungen gleid)sam als äußerem Aplomb zu endigen pflegen. Man redjnctc kaum noch mit Ueberroschungen. Deutsd;land hatte ja in den strittigen Punkten die Auffassung der Locarno möchte in feierlicher Form schriftlich niedergelegt erhalten. Die Auslegung des Art. 16 der Völker bundsakte, der das Durchmarschrecht im Kriegsfälle regelt, war in einer, wenigstens nad) Ansicht der Locarnodelegierten, eindeutigen Form fixiert wor­den. Auch hatten fid) die Vertragskontrahenten ver­pflichtet, daß Deutschland sofort bei seinem Eintritt in den Völkerbund feiner Großmachtstellung ent- spred)end ein ständiger Sitz im Völkerbundsrat zu­gebilligt werde. Die Zustimmung der in Locarno nicht vertretenen Ratsmächte hatte Deutschland ja früher schon gelegentlid) einer Umfrage über die Voraussetzungen seines Eintritts erhalten. So schien dem Ausnahmeakt nichts Sachliches mehr im Wege zu stehen, als fid) in den ersten Februartagen der Schleier lüftete über ein weitverzweigtes Intrigen netz, das offenbar in Paris geknüpft war zu dem alleinigen Hweck, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und vor allem feine Wahl zum stän­digen Ratsmitglied dodurd) zu paralijfiercn, daß man durch Erweiterung des Rats um einige Freunde Frankreichs das gefährdeteGleid;gewid)t", richtiger gesagt, das Uebergewicht Frankreichs wiederher stellte. Wir haben uns bemüht, aus dem politischen Wirrwarr der letzten Wochen durd; genaue Regi­strierung der einzelnen Phasen unseren Lesern ein anschauliches Bild dieser Intrigen zu geben, die sich unaufhaltsam zu einer regelrechten Krisis des Völkerbundes selbst und des Locarnopaktes aus­wachsen sollten. Die Tagung von Genf wurde fein kurzes festliches Beisammensein, sondern ein erbit­tertes diplomatisches Ringen, als dessen Ergebnis nun in der Versammlung, die für Deutschlands Aufnahme bestimmt war, die Delegierten einen Scherbenhaufen beweinen.

Es erübrigt fid), noch einmal all den verschlunge­nen Pfaden nachzugehen, auf denen die Genfer Völkerbundsdiplomatie in den letzten acht Tagen herumspaziert ist. Rur das sei kurz herausgestellt, was zur Klärung der Ursachen dieses Mißlingens und zur Erkenntnis der Folgertingen dienen kann. Die äußere Ursache für die Vertagung des Be­schlusses über den deutschen Aufnahmeantrag gab Brasilien mit seinem Veto gegen die Zubilli­gung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland, nachdem ein gleiches ihm selbst vom Rat ver- weigert war. Die inneren Ursachen liegen tiefer. Briand und Chamberlain, die sich gestern vor dem Plenum des Völkerbundes gar nicht genug tun konnten, die Einigkeit der Locarnomächte zu betonen und die ganze Schuld für das Scheitern der Verhandlungen Brasilien aufzubürden, find selbst die Hauptschuldigen, daß solche Verhandlungen überhaupt noch möglich waren, nachdem die ganze Frage des deutschen Eintritts bod) in Locarno schon für alle Beteiligten gelöst schien. Frankreid) hat in übelster Weise, hinter dem Rücken des deutschen Vertragspartners und unter völliger Mißachtung des so laut und viel gerühmten Geistes von Locarno, aus eigennützigsten Interessen gleichzeitig mit Deutschland aud) Polen den Zu­tritt zum Völkerbundsrat erschließen wollen. Dran­gen erst die Zusagen, die man in Paris dem ehr- geizigen Skrzynski gemacht hatte, an die Oeffent­lichkeit, so durste man sich nicht wundern, mit dieser Gebefreudigkeit auch die Begehrlichkeit anderer Mächte zu reizen. So traten Brasilien, Spanien, China und andere mit dem gleichen Verlangen nach einem ständigen Ratssitz auf den Plan, nöd) dazu alles Mächte, die, wie Brasilien und China, dank ihrer Größe und Bevölkerungszahl oder wie Spa- nien dank ihrer Geschichte und kulturellen Bergan- genheit, weit triftigere Gründe für die Geltend­machung ihrer Ansprüche vorzubringen hatten, als Polen, das durch den Raub Wilnas, durch seinen brutalen Kampf gegen die deutschen und ukraini­schen Minderheiten bewiesen hat, wie es die Völ- kerdundssatzungen zu achten gesonnen ist.

Eine Erweiterung des Rats durchzudrücken durch Schaffung neuer ständiger Ratssitze für Spanien und Brasilien, mit denen man aud) Polen hinein- schmuggeln wollte, gelang nicht. Dieser saubere Plan- scheiterte am Widerspruch Schwedens. Unter Leitung Chamberlains begann nun ein kon- zentrischer Angriff auf Und 6 n , den schwedischen Außenminister, mit dem Erfolg, daß Schweden, das als Vormacht der ehemals neutralen Mächte Hol­land, Norwegen, Dänemark, Finnland. Baltische Staaten und Sd)weiz im Rate saß. auf seinen Rats­sitz zugunsten einer anderen Macht feiner Gruppe, vermutlich Hollands, verzichtete. Bene sch. her tschechische Außenminister, hatte schon lange Nück- trittsabsichten geäußert, da die Kleine Entente, bereu Delegierter er war, eine anberc Macht vorschicken wollte. Nun sollte aber nicht Rumänien ober Ingo- flamien ben Sitz Beneschs einnehmen, jonbern P o - len gebuchte man an Stelle ber Tschechoslowakei von ber Völkerbundsversammlung als nicht stän­diges Ratsmitglieb in ben Rat wählen zu lassen. Man rechnete wahrscheinlich babei auch damit, daß Polen sich der Kleinen Entente anschließen werde, für die man in diesem Falle im Herbst feinen neuen Ratssitz zu schaffen brauche.

Soweit waren die Verhandlungen am Montag­abend gediehen, als nad) authentischen Berichten Mello Franco, der brasilianische Botschafter, in

Presse, die noch Dienstag den deutschen Sieg in Genf befürchteten. Einstimmig wird der deut­schen Intransigenz die Schuld an dem Ausgang der Genfer Verhandlungei in die Schuhe geschoben.Giornale d'Italia" schreibt, die deut­sche Provokation der letzten Monate hätte Deutsch­land auch diejenigen Völker entfremdet, die den Fehler gemacht hätten, ihm Wohl gesinnt zu fein. Heute erhalte Deutschland Durd) das Genfer Fiasko seinen Lohn, der aber zugleich ein Fiasko des Völkerbundes sei. da es 50 Rationen nicht gelungen fei, Deutschland in den Völker­bund aufzunehmen. Der Absichit Deutschlands, sich mit Hilfe des Völkerbundes eine Vor­machtstellung zu sichern, müsse der Zu­sammenschluß aller entgegengesetzt wer­den, die nachbarlich, wirtschaftlich oder kulturell gemeinsame Interessen hätten. Rur so könne der Frieden garantiert werden. In dieser Hinsicht könne ja der Völkerbund vielleicht noch einige Dedeutung haben. Der faschistischeTcvere" geht noch weiter: Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, den man als einen entscheidenden Schritt zum Frieden gepriesen, den Italien aber immer als ein Moment der Beunruhigung auf- gefaßt habe, sei gottseidank nicht erfolgt. Chamberlain. Briand und Genossen gingen mit schweren Herzen heim, nur in Kom atmeman frei. Am politischen Horizont zeichne sich die Gefahr der pangermanistischen Revanche ab. Mus­solinis Stimme habe sich dagegen erhoben und auch den Blinden die Augen geöffnet. Jetzt sei Rom das Zentrum neuer Kombinatio­nen. Der Geist von Locarno sei tot und das Leben der Völker pulsiere wieder lebendig.

gebnis von Genf gibt Amerika Anlaß, noch mehr vom Völkerbund abzurücken wie bisher. DerHerald" sagt, daß der Grundsatz des Präsi­denten Coolidge nunmehr der sei, daß Amerika nach Amerika zurückkehre. Er werde programmähig festlegen, was Europa von Amerika zu erwarten habe. Die amerikani­sche Presse sieht in der Völkerbundstagung den schwersten Schlag für die Locarno-Ver­träge. Der Geist von Locarno wäre überall unterwühlt worden. Es sei fraglich, ob Deutsch­land im September noch in den Völkerbund eintrete. Daß Luther und Stresemann gehen müssen, hält man für sicher. DieTimes" schreibt, daß mehr als ein politisches Haupt fallen werde. Was könnten Stresemann, Chamberlain und Briand nunmehr von dem neuen Geist, Den ihre Politik bringen sollte, sagen, nachdem dieser Geist in Genf einen solchen Mißerfolg gehabt habe. DieTimes" zweifelt stark an der Zu­kunft Locarnos und gibt damit die allgemein in Amerika vorherrschende Ansicht wieder. Die Mehrheit in Gens sei für Frankreich und gegen Deutschland gewesen. Damit fei von vornherein Deutschlands Stellung in einer Versammlung, die der Welt den Frieden bringen sollte, schwach ge­wesen.

Jubel in Italien.

R o m, 18. März. (511.) Dem nationalistisch eingestellten und faschistisch regierten Italien ist der Ausgang der Genfer Verhandlungen zweifels­ohne erwünscht gekommen. Aus innerpoliti- schsn Grüüden und wegen der sich vorbereiten­den außenpolitischen R e u o r i e n t i c r u n g, die Mussolini anftrebt, fehlte schon während der Ver­handlungen in der Presse die ständige Rubrik, die sich bei allen vorausgcgangenen internatio­nalen oder interalliierten Zusammenkünften sand, die Rubrik der vermittelnden Rolle, d e Italien übernommen hätte, um die Gegensätze auszu- gleichen. Davon war diesmal nichts zu spüren. Von Scialoja hörte man kaum, von Grandi er-

176. Jahrgang Donnerstag, 18. Marz 1926

Metzener Anzeiger