tigert Zustände. Deshalb verweigere die Sozialdemokratie besonders Dr. Geßler das Vertrauen. Wenn in der Koalition alles zerschlagen fei, so sei es geschehen durch die Schuld des deutschnational gesinnten Dr. Scholz. Die Sozialdemokratie werde ein Mißtrauensvotum gegen die gesamte Reichsregierung einbringen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Reichskanzler Dr. Marx verliest eine Regierungserklärung, in der eine Politisierung der Reichswehr ausdrücklich ab - gelehnt wird. Den Reichswehrangehörigen soll die Zugehörigkeit zu den sogenannten Wehrverbänden streng verboten werden. Mit der überwältigenden Mehrheit des Reichstags ist die Reichsregierung der Ansicht, daß die Schlagfertigkeit der Wehrmacht der Republik und ihr Zusammenhalt erhalten werden müssen. Die ganze Schulung und Erziehung der Reichswehr wird nach wie vor auf die Treue der bestehenden republikanischen Stoatsform und zur Pflichterfüllung gegenüber den verfassungsmäßigen Gewalten abgestellt. Der Einstellung von Elementen, die sich nachweislich versassungs- feindlich betätigt haben, in die Reichswehr werden wir uns mit allen Mitteln widersehen. Unser Ziel ist, die Zusammenarbeit zwischen der Bevölkerung und ihren Vertretern in den Parlamenten in Stadt und Land und der Reichswehr immer inniger zu gestalten und das in manchen Kreisen bestehende Mißtrauen zu bekämpfen. Dazu gehört auch, daß sich der Ersah der Reichswehr aus allen Bevölkerungsschichten in allen Teilen des Reiches zusammenseht, denn die Wehrmacht kann ihre Ausgabe nur erfüllen, wenn sie vom Vertrauen des ganzen Volkes getragen ist. Dies vorausgesetzt, habe ich zu den einzelnen Beschwerdepunkten folgende Ausführungen zu machen:
1. Den Angehörigen der Reichswehr ist die Z u - gehörigteif und das Zusammen- arveiten mit politischen verbänden aller Richtungen, zu denen die sog. Dehrverbände in erster Linie gehören, verboten.
1. Diese Bestimmungen werden strengstens durchgeführt, und Zuwiderhandlungen sollen im Rahmen der bestehenden Gesetze und Bestimmungen streng geahndet werden. Die Jragc der Geldspenden unterliegt zur Zeit einer Reuregelung, nach der die Annahme von Geldspenden jeder Art der Zustimmung des Ministers bedarf.
3. Eine Rachweisung der aus Privatvertrag beim Reichsheer angestellten Personen kann dem Reichstag aus Wunsch bis zum Ende d?s Etaksjahres milgeieilt werden.
4. Die Bestimmungen für das Ersatzwesen im Heere sind auf Grund des ihm im heer- geseh verliehenen verordnungsrechles vom Herrn Reichspräsidenten im Jahre 1921 erlassen. Ls wird zur Ze^ geprüft, ob und inwieweit Veranlassung vorliegi, dem Herrn Reichspräsidenten Aenderungenan diesen Bestimmungen vorzuschlagen. Die unteren Verwaltungsbehörden werden übrigens schon zwecks Auskunstserteilung weitestgehend in Anspruch genommen.
Denn ich zum Schlüsse zur Rede des Herrn Abg. Scheidemann komme, so kann ich über diese Rede nur mein tiefstes Bedauern zum Ausdruck bringen. Wenn ich daher auf Einzelheiten und einzelne Vorgänge, die Herr Scheidemann in feiner Rede vorgetragen hat, nicht eingehe, so habe ich damit in keiner Weise d i e Richtigkeit derselben anerkennen wollen. Jedenfalls liegen sie soweit zurück und haben sich unter so anders gearteten Verhältnissen zugetrsgen, daß ich ihr Vorbringen heute in keienr Weise für richtig halten kann. Ich muß im übrigen mein stärkstes Befremden darüber zum Ausdruck bringen, daß eine große Anzahl von Einzelheiten hier vor- getregen worden sind, die erst vor kurzem der Reichsregierung zur Kenntnis gebracht worden Ifinb. Cs ist die Prüfung alles Vorgetrage-neni ■ und Mitteilung des ErgebnisieS zuges^gt worden. k'Ich muh es dem Geschmack des einzelnen über- , las.en, das Vorbringen 'dieser Sachen an dieser '*■ Stelle zu bewerten, ehe die Prüfung stattgefunden hat. (Lebhafter Beifall rech s und in der Mitte.) Die eingeleitete Llntersuchung hat übrigens bereits fetzt schon die^lnrichtigkeit einer ganzen Anzahl der mitgeteilten Vorgänge ergeben.
S'.eie einseitige Darstellung, wie sie der Herr Vorredner beliebt hat, wirft auf die Zustände unserer Re'.chstrehr ein durchaus falsches Bild. Gerade ge'e -.über di:ser Sachlage, und da in den letz en Wochen und Monaten ja überhaupt unsere Wehrmacht zahlreichen Angriffen ausgesetzt ge° tre'en ist, und da in der Oeffentlichke t Stimmen laut ge worden sind, die an ih rer Zuverlässigkeit zweifeln, halte ich es für eine selbstverständliche Pflicht, zu erklären: Die Reichsregierung hegt einen neuen Zweifel n cht. Sfe ist sicher, daß die Wehrmacht in jeder Lage ein sicheres Instrument des Staates ist. Dies h'er auszusvrechen und der Reichswehr für die stifle und selbstlose Arbeit im D'enste des Vaterlandes zu danken, ist mir in dieser Stunde ein Tedürfnis. (Lebhafter Beifall in der Mitte und rechts, Händeklatschen bei den Deutsch- nationalen.)
Abg. von der Schulenburg (Dn.) 5er Deutsche Reichstag ist heute durch die Ausführung deS Abg. Scheidemann, die uns mit tiefster Entrüstung erfüllen, der Schau- vlatz eines Vorlommnisfes geworden, das wir in einer deutschen Volksvertretung bisher für unmöglich gehalten haben. (Lebhafte Zustimmung rechts — Gelächter bei den Sozialdemolraten.) Wären die Behauptungen des Abg. Scheidemann wahr, so wäre durch feine Rede der Tatbestand des Landesverrats in jeder Hinsicht erfüllt. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Wir sind aber der festen äLeberzeugung, daß sie unwahr sind. Ich beschränke mich daher darauf, im Ramen meiner Fraition folgende Er- llärung abzugeben: Die deutsche Wehrmacht ist in den kritischen Entwicklungen der letzten Jahre der feste Halt der Ordnung in unserem Vaterland gewesen. Deshalb bedauern wir doppelt, daß sie neuerdings die Zielscheibe leichtfertiger, vielfach verleumderischer Angriffe geworden,•$. Unter dem Vorwand einer Entpolitisierung versucht man, auS der Reichswehr ein willfähriges Werkzeug einseitiger parteipolitischer Bestrebungen zu machen. Wir vertrauen darauf, daß, hiervon unberührt, die Wehrmacht auch weiterhin in selbstloser Hingabe an den Dienst ihre schwere ernste Pflicht
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erfüllen wird. Dafür darf sie aber auch erwarten, daß Regierung und Reichstag sie gegen solche Zersetzungsbestrebungen, die vielfach o.fenen Landesverrat darstellen, in Schuh nehmen. Rur so ist die Gewähr gegeben. daß Dienstfreudigkeit und Staatsgesinnung weiterhin die festen Grundlagen unserer jungen Wehrmacht bleiben. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. Dr. Wirth (g.) erklärt, man habe angesichts der außenpolitischen Entwicklung eine ernste würdige Debatte erwartet. Darin sei man durch den bisherigen Verlauf der Debatte bitter enttäuscht worden. Für ihn stehe das Wohl des deutschen Volkes an erster Stelle. Im Laufe der letzten Jahre sei er sich bei feiner Politik bewußt gewesen, daß man mit Pazifismus allein keine vaterländische Politik machen könne. Er stehe zu dem. was er getan habe. Er habe damals geschwiegen, aber vaterländisch gehandelt. Den Vorwurf der Erfüllungspolitik weife er zurück. Wir spürten den wachsenden Druck an den Oft- grenzen, wir spürten, daß es offizielle polnische Kräfte waren, die den Griff nicht nur nach Oberschlefien, sondern auch nach weiteren Teilen Schlesiens beabsichtigten. Damals habe Reichspräsident Ebert den notwendigen Schuh für die Ostgrenze geschaffen. (Lebhafter Beifall.) Ein polnischer Einmarsch hätte uns in die Zeiten vor Friedrich den Großen zurückgeworfen. Damals habe man einen Grenzschutz organisiert, der feiner Partei hörig war, sondern von allen Parteien gemeinsam aufgestellt worden fei. Durch Deutschlands Eintritt in den Völkerbund fei eine völlig neue Lage geschaffen. Es fei aber heute noch lange nicht alles aufgeräumt, was vor drei Jahren unsere Besorgnis erregte. Dr. Wirth betont, er könne sich ein selbständiges Deutschland nicht ohne Sicherung seiner Ost grenze denken. (Lebhafter Beifall.) Wenn die Idee des neuen Staates nicht ernstlich in der Reichswehr verankert wird, dann wird Deutschlands letzte Wehr und Waffe in den Parteikämpsen zerrieben werden. Ein Voll freilich, das feine Geschichte nicht ehrt, ist nicht wert, wieder einmal Geschichte machen zu können. Richt weil wir formal Republ.kaner sind, sondern weil wir mit dem Herzen unser Volk lieben, verlangen wir die Entpolitisierung der Reichswehr. Der heutige Tag mit dieser sozialdemokratischen Rede sei ein schwarzer Tag in der Geschichte des deutschen Volkes. Die Parteien der Mitte wollten aber ihren Beruf in dem neuen deutschen Staat nicht verfehlen. Darum solle man sich nicht in der Wehrfrage die Köpfe zerschlagen. QEan dürfe nicht gerade in diesem Augenblick in eine Debatte hineinschliddern, die das äl n glück des deutschen Volkes herbeiführen müsse. Die Regierung solle sich aus ihrer heutigen außenpolitischen Linie nicht herausdrängen lassen. Der Deutschen Volkspartei ruft der Redner zu, sich nicht von Gruppen beeinflussen zu lassen, die den Bürgerblock propagieren. Dann sei Deutschland verloren, sei es ausgelöscht, wenn die deutschen proletarischen Massen wieder von der Mitarbeit an dem Staatsleben ausgeschaltet werden. Sinnlose Dinge feien abzubauen. Jetzt komme auch für die Wirtschaft die Parole: Zum Staat hin! Sonst werde auch die Wirtschaft der Zerstörung anheimfallen. Staatssorm und Idee der Ration müsse man jetzt miteinander verbinden. Ich lade die Republikaner in diesem Hause ein, diese Idee an die erste Stelle zu setzen. (Beifall.)
Abg. Koen en (Komm.): Die Sozialdemokraten haben dem „Manchester Guardian" sein Schwindel- material geliefert. Die Ausführungen Scheidemanns waren allerplumpeste Demagogie und niedrigste Heuchelei. (Ordnungsruf.) Die Reichswehr hat nicht ein Flugzeug von Rußland bekommen, auch nicht eine einzige Gasbombe. Die ganze Gra- nalengeschicht-e des „Vorwärts" ist erstunken und erlogen. Es sind Ammenmärchen, um kleine Kinder graulich zu machen. Wenn die Sozialdemokraten kein wirkliches Deweismaterial vorbringen, dann sind sie vor der Oeffentlichkeit als ganz gewöhnliche Schwindler festgestellt. Der „Manchester Guardian" ist mit dem Material hineingelegt worden.
Aby. Dr. Scholz (D. D. P.) schließt sich den Erllärungen des Reichskanzlers an. Im gegentoärtigm Stande der Debatte habe er dem nichts hinzuzufügen. Der Redner mißbilligt lebhaft die Art des Sprechers der Sozialdemokraten, der einzelne Fälle verallgemeinert habe, die sich auf einen Zeitraum von mehreren Jahren belieben und zum großen Teil in einer Vergangenheit liegen, in der der Bestand des Staates gefährdet war. Die Rede Scheidemanns ist geeignet, im In- und Ausland ein vollkommen falsches Bild von der Einstellung der deutschen Reichswehr zu geben, an deren Verfassungstreue ein Zweifel nicht gestattet ist, und die diese Treue zum Staat wiederholt durch die Tat bewiesen hat. Der Redner stimmt den anerkennenden Worten des Reichskanzlers für die Reichswehr zu, ebenso seiner schrrfen Kritik der Rede Scheidemanns. Die Deutsche Volks- Partei werde alle Bestrebungen, die geeignet fein können, das Vertrauen zu unserer Wehrmacht zu erschüttern, oder ihren Aufbau zu gefährden, nachdrücklich bekämpfen. (Beifall.)
Abg. Dr. Bredt (Wirt. Vg.) bedauert das Aufsehen, das die Ausführungen Dcheidemanns im A siande unberechtigterweise erregen werden. In Oesterreich sei das Heer völlig politisiert worden. Dieses Beispiel muffe schreck en. Der Redner erklärt, daß seine Fraktion sich namentlich mit Rücksicht auf die auswärtige Politik nicht entschließen könne, für das Mißtrauensvotum zu stimmen.
Abg. Leicht (Bahr. Dpt.) hält die Politik der Sozialdemokraten für völlig unverständlich. Sie wollen in die Große Koalition und schicken der Regierung die seidene &$nur mit der freundlichen Mahnung: Hänge dich auf! Zugleich fügen sie die Drohung hinzu: Hängst tu dich nicht selbst auf, so hangen w i r dich auf. (Heiterkeit.) So kann man keine Politik machen. Die Bayerische Dolkspartei stelle sich durchaus hinter die Erklärungen der R.ichsregierung. Man solle nicht immer bloß von Rechtsverbänden reden, sondern auch vom Reichs bann er. das doch eine ausgesprochen sozialdemokratische Einrichtung sei. Seine Ausgabe sei weniger die Erhaltung der deutschen Republik als vielmehr die Herbeiführung der sozialistischen Republik. (Zustimmung rechts. — Lachen bei den Sozialdemokraten.) Politik in der Reichswehr wollen wir nicht. Ihre einzige Politik muß die Liebe zum Daterlande sein. Rur kein politisiertes Heer. Wir wollen keine österreichischen Zustände in
Deutschland. Untere Reichswehr soll ein (tarier Hort und Schuh des Vaterlandes bleiben. (Beifall.)
Das Haus vertagt sich auf Freitag 12 -Hbr. Weiterbevatung und Abstimmung über die Mißtrauensvoten.
Weihnachtsbeihilfe für die Kriegshinterbliebenen.
Berlin, 16. Dez. (WTB.) Wie der Reichebund für Kriegsbeschädigte mitteilt, ist durch die Reichstaas- und Reichsratsbeschlüsse über die einmalige Zuwendung an die Beamten auch bestimmt worden, daß die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen ebenfalls eine Weihnachtsbeihilfe in Hohe eines Viertels ihrer Rente und Zusatzrente erhalten. Von dieser Regelung werden ferner auch die Altrentner und Altveteranen betroffen Auf Anregung des Abg. Schudt-Beelitz (Dem.) stimmte der Reichsfinanzminister zu, daß die Beträge, die nach den Rotmaßnahmen der Reichsregierung zu Weihnachten an die Gehalts-, Lohn-, Pensions- und Rentenempfänger gezahlt werden, soweit deren Einkommen die steuerfreie Grenze nicht erreicht, vom Steuerabzug gemäß § 75 des Einkommensteuergesetzes befreit bleiben sollen.
DieMielefürzwangswirtschafts freie Räume in Preuhen.
Berlin, 17. Dez. (WTB.) Gemeinsam mit dem Reichsoerband Deutscher Geschäfts- und Industrie- Hausbesitzer e. V hat nunmehr der Preußische LandesverbandderHaus- undGrund- b e f i tz e r o e r e i n e e. D. die Richtlinien für die Mietfestsetzung in den nach der Verordnung vom 11. November 1926 zwangswirtschaftsfreien Räumen Preußens veröffentlicht. Die Richtlinien empfehlen. bei Wohnäusern mit freigegebenen g e - werblichen Räumen nicht mehr als 12 0 v. $). der 1914 angemessenen bzw. vereinbarten Miete zu fordern. Als Zuschlag zu diesen 120 Prozent tritt dann noch der Betrag, um den sich die Kosten für Heizung, Warmwasser und Fahrstuhl seit 1914 erhöht haben. In allen Fällen ist in die neuen Mietverträge eine Steuer- und Lastenklausel aufzunehmen, die automatisch die Miete etwaigen Erhöhungen oder Ermäßigungen von Hauszinssteuer und Kommunalsteuern oder etwaigen neuen öffentlich-rechtlichen Lasten anpaßt. Füu Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter sind örtliche Ausgleichsstellen vorgesehen.
Die Reichsbahn kaust englische Koh?e.
Berlin, 17. Dez. (WTB.l Die „Tägliche Rundschau" meldet: Die Reichsbahn hat in Hamburg etwa 70 000 Tonnen'englische Kohle gekauft. Wie erklärt wird, beruht diese Maßnahme darauf, daß der Reichsbahn, die ihre Vorräte auffüllen muh, vom Reichskohleßkommissar zur Bedingung einer Belieferung aus dem Inlande gemacht worden ist, 10 v. H. der Menge in Koks abzunehmen. Die Reichsbahn kann Koks nicht verwenden und hat sich daher anderweitig versorgt. Verhandlungen über den Streitfall schweben. Man erwartet, daß der Bezug englischer Kohle nur vorübergehend sein wird.
Kein Konflikt Vriand-Poincars?
Ein gefälschtes Strescmann-Jntcrview.
Paris, 16. Dez. (WTB.) Das Außenministerium veröffentlicht folgende Erklärung: Mehrere französische Zeitungen geben ein ang.btiches Interview wieder, das Reichsauhenminrster Dr. Stresemann einem Redakteur der „Baseler Rationalzeitung" gewährt haben soll, das völlig unbegründete Erklärungen enthält über Schwierigkeiten, d.e die Verhandlungen von Genf durch eine starke Meinungsverschiedenheit zwischen Briand und Poincarß erfahren hätten. Diese Erklärungen entbehren jeder Begründung. Das Ministerium protestiert mit Energie gegen derartige Behauptungen der Presse. Sie stehen mit der Wahrheit ;n Widerspruch und zielen darauf ab, zwischen dem Ministerpräsidenten und dem französischen Außenminister bezüglich der Außenpolitik einen Konflikt aufzuzeichnen, der gar nicht besteht. Wie die Telegraphen-älnion hierzu von zustän- (diger Stelle erfährt, ist die Darstellung der „Baseler Rationalzeitung", die fb große Aufregung in der französischen Presse verurfacht, gänzlich unzu treffend. Ein Interv'ew hat i e: Rcich.au' enminister d.m Dert.e er les Blattes überhaupt nicht gewährt, sondern ihn nur ganz kurz auf der Durchfahrt des Zuges nach Berlin auf dem Baseler Bahnhof gesprochen, ohne dabei irgendwelche Andeutungen in dem behaupteten Sinne gemacht zu haben.
Die Kontrollbesuche in den deutschen Ostsestungen
Berlin, 16. Dez. (TU.) Bei den neuerlichen Kontrollbesuchen der Interalliierten M i l i • tärkontrollkommission handelt es sich, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, um die Erledigung des sog. Nooemoerprogramms des Jahres 1925. Damals sind kalendermäßig mit der Reichswehr Daten vereinbart worden, an denen sich die Kommission von der Ausführung vereinbarter Programmpunkte überzeugen sollte. Dies ist jetzt geschehen. Ebenso gelten die Besuche auf den Befestigungen in Königsberg, Küstrin und Glogau, über die bereits in Paris genaue Pläne vorgelegt worden sind, der persönlichen Orientierung.
Polen dementiert.
Warschau, 16. Dez. (WB) Vic Polnische Telegraphenagentur erklärt, ermächtigt worden zu fein, die Rachricht von einer vermeintlichen Grenzverletzung durch eine Abteilung des polnischen Graudenzer 18. Ulanenregiments bei Garnsce-Bahnhof auf das entschiedenste zu dementieren
Die französische Zollpolitik im Saargebiet.
Saarbrücken, 17. Dez. (TU.) Die Steuervorlage gab den Partein des Landesrats des Saargcbiets Veranlassung, nochmals Protest dagegen zu erheben, daß die Saa.beoölkerung mit Steuern überlastet wird, weil die Re- gierungskomn.i^s.on die französische Saargrubenverwaltung, das größte Unternehmen im Saargebiet, nicht zu den vertrags
mäßigen Steuerleistungen heranzieht. In aller Form wurde der Regierungskommissivn das Mißfallen des Landes.ats darüber ausgesprochen, daß sie gegen die schikanöse Zollwirtschaft im Saargebiet trotz dringendster Vorstellungen nichts unternommen habe.
Aus aller Welt.
Versicherungsbetrug auf See.
Vor dem Schwurgericht Lübeck hatte sich der Kapitän Suhr wegen Versicherungsbetruges und Meineides zu verantworten. .Gr hatte auf hoher See den von ihm geführten Fischkutter verlassen und dann unter Eid vor dem Lübecker Seeamt Schiffbruch angegeben, um die Versicherungssumme zu erhalten. Der Fischkutter war später an den Strand getrieben worden. Das Gericht t>erurteilte den Angeklagten zu zwei Iahretz drei Monaten Zuchthaus. 1000 Mark Geldstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf 3abrc.
von Wildschweinen zerrissen und aufgefressen.
In der Octscha t Hnbenoerg im xreife Olpe im südwestlichen Westfalen wurden seit einigen Tagen zwei schulpflichtige Mädchen vermißt. Man nahm an, daß sie sich auf dem Schulwege verirrt hätten und bei einem starken Schneegestöber erfroren oder aber einem Verbrechen zum Opfer gefallen feien. Runmehr fanden Waldarbeiter im Dickicht die äleberrefte eines Körpers, die von einem der vermißten Kinder herrührten. Die Leiche des zwe.len toten Mädchens konnte noch nicht gefunden werden. Es wurde sestgestellt, daß mir Wildschweine die Kinder überfallen, zerriffen und aufgefreffen haben konnten. Der harte Frost der letzten Tage hat es den Tieren anscheinend unmöglich gemacht, sich Futter auf den Feldern zu holen.
Das verbot des Schleiertragens In der Türkei.
Der Gouverneur von Trapezunl erließ eine Verordnung, durch die den Frauen da- öffentliche Tragen von Schleiern verboten wird, mit der Begründung, daß es sich mit ihrem Recht, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, nicht vertrage, daß eS ungesund sei und daß es eine bequeme Verkleidung gegenüber der Polizei bedeute. Die Frauen» die nach zehn Tagen noch in den Straßen Tra- pezunts den Schleier tragen, sollen sofort verhaftet werden.
von dec Patientin bestohlen.
Während ein Kasseler Zahnarzt eine Patientin im Operationszimmer einige Minuten allein ließ, um die W.rkung der schmerzstillenden Injektion abzuwarten, stahl diese alldem Wohmimmer aus einer Schublade 1200 Mari. Di« Kriminalpolizei konnte bei einer plötzlichen Haussuchung in der Wohnung der Patientin die Summe bis auf einen kleinen Betrag wiederfinden.
(Eine Zugmaschine Im Schaufenster.
In Berlin wurde ein Arbeiter, der mit einer Zug ma schine und zwei Anhängern durch die Dlumenstraße fuhr, durch die Löcher auf dem Straßendamm vom Sih geschleudert. Das Fahrzeug fuhr führerlos in die Schaufensterscheibe eines Lebensmittelgeschäftes. Hierbei wurde eine Passantin in das Schaufenster gedrückt und erlitt dab.i schwere Verletzungen. Die Schuld dürste im schadhaften Stratzenpflaster zu suchen sein. Die Feuerwehr mußte die Maschine aus der Schaufenstersche.be schaffen.
Ans dem Bürgersteig von einem Auto getötet
An der Allen Hauptwache in Poisvam geriet ein Personenauto ins Schleudern und fuhr auf den Bürgersteig. Zwei Passanten, die Dtift- insassin Rittner und dec Hausdiener Gehrmann, wurden von dem Wagen gegen e inenPfei - I e t gedrückt. Frau Rittner verstarb kurz darauf, während Gehrmann mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert werden mußte.
Bluttat eines Geisteskranken.
In Breslau stürzte sich, wahrscheinlich im Zustande geistiger Umnachtung, der a u s d e r G ö r- litzer Irrenan st all entlassene Kontor- diener Richard Rohn mit dem Messer auf feine Wirtin. Diese konnte fliehen, mußte jedoch ihr achtjähriges Töchterchen zurücklassen. Dem Kinde brachte der Unhold durch Zerschneiden der Pulsader schwere, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen bei.
Raubmord.
Donnerstag nachmittaa wurde auf der Chaussee von Seehausen nach Stendal ein Mann im Chausseegraben in einer Blutlache liegend t o t a u f g e f u n- den. Die Kriminalpolizei m Stendal stellte fest, daß ein Hamburger Automobil mit drei Personen See- hausen passiert hatte. Die drei Insassen des Wagens haben, wie feftgeftellt wurde, den Chauffeur erschossen, ihn dann in den Chausseegraben ge- Sund dort liegen lassen. Dann sind sie in der ng Wittenberg—Spandau weitergefahren und wahrscheinlich nach Berlin gekommen. Die Berliner Kriminalpolizei stellt Ermittlungen über den Fahrer an.
Verhaftungen in Moabit
Unter dem Verdacht, Strafarten beseitigt bzw. zurückgehallen zu haben, sind, wie jetzt bekannt wird, der Iustizinspektor Pahlke und der Iustizobersekretär Rössel sowie der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Meyer verhaftet worden. Ob der An- walt direkt an den Aktenschiebungen beteiligt ist, oder ob seine Festnahme nur wegen Verdunkelungsgefahr erfolgt ist, steht noch nicht fest.
An einem Hering erstickt
In einer Leipziger Gastwirtschaft blieb einem Gaste bei dem Genuß eines Herings ein großes Stück in der Luftröhre stecken. Der Mann ft a r b eines qualvollen Todes.
Keine Meihnachtsbaume in Rußland.
Rach einer Blättermeldung aus Moskau ist auf Anregung des Naturschutzvereins der Verkauf von Weihnachtsbäumen in Rußland verboten worden.
L 7ttcrvoraussafte.
Bedeckt bis trübe, zeitweise wolkig, westliche Winde, Temperaturen ansteigend, vereinzelt Niederschläge, kein Nachtfrost.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 2,8 Grad Celsius, Minimum: 2,4 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 1,0 Grad Celsius.
Wetterlage auf dem hoherodskopf vom 17. Dezember, morgens 8 Uhr:
Windrichtung: West. Windstärke: mittel. Temperaturen: minus 4 Grad Celsius. Höchsttemperaturen der letzten 24 Stunden: minus 4 Grad Celsius. Gesamtschneehöhe: 25 Zentimeter. Höhe des in den letzten 24 Stunden gefallenen Neuschnees: 8 bis 10 Zentimeter. Beschaffenheit der Schneedecke: pulverförmig. Sportmöglichkeit: gut.
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