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Regierung kommt den Deutschen sehr entgegen: Süowest steht seit einigen Jahren unseren Lanbs- leuten ohne jede Beschränkung der Einwanderung offen. Tatsächlich bieten sich hier auch Vorteile, wie sie das eine Zeitlang in Mode gewesene Südamerika nie bieten kann ganz abgefehen vom wirtschaftlichen Moment. Denn für einen Einwanderer wird es immer belangvoll fein,

daß er hier in ein Land kommt, wo sein Volk geistig und kulturell führend ist. wenn es auch politisch keine Rolle mehr spielt: in ein Land, in dem deutschfreundliche Buren und Deutsche ihre Landsleute vergessen lassen, dah sie 7000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt sich eine Existenz schaffen müssen.

Turnen, Sport und Spiel.

Spielvereinigung 1900 Gietzen.

ö. Die anläßlich des 26. Stiftungsfestes ab­gehaltenen 7 Zußballwettspiele brachten der Spielvereinigung 1900 Gießen einen beachtens­werten sportlichen Erfolg. Richt nur, daß das Haupttreffen des Tages, das Spiel der Liga­mannschaft gegen die Marburger Dezirksligisten .,V. f. B.-Kurhessen" in schneidigem Endspurt mit 3:1 gewonnen wurde, auch die unteren und Zugendmannschaften zeigten ansprechenden Fuß­ball. Obwohl in den letzten Minuten vor Spiel­beginn älmstellungen und Crsatzgestellung in fast sämtlichen Mannschaften vorgenommen wurden, zeigten die Mannschaften schon nach überraschend kurzer Spielzeit Zusammenhalt und einheitliche Alttonen. Bewundernswert war die Ausdauer sämtlicher Spieler in der glühenden Mittags­sonne: um so aneckemrungswerter, als der größte Teil der Spieler während der Fuhballruhe nicht dem regelmäßigen Training huldigte. Die erste Begegnung am Samstag haten die Schüler des Platzvcreins mit den Schülern Heuchelheims. Be­dauerlich war, daß Heuchelheim nur mit 7 Schü­lern erschien, obwohl es deren über 20 besitzen soll. In kameradschaftlicher Weise gab 1900 zwei Leute aus seiner Mannschaft an die Gäste und siegte in 2x20 Minuten trotzdem mit 9 Spielern 5:1. Die Kleinen waren aber auch mit wahrem Feuereifer bei der Sache. Im anschließenden Spiel unterlag Heuchelheims 1. Jugend gegen 1900 3. Jugend nach ruhigem fairen Spiel 6:0.

Am Sonntag bereits um! 9 Ufrr stieg das erste Treffen: Sp. Dgg. 1900 2. Jugend gegen Aßlar 1. Jugend, ilm es gleich zu sagen, Gießen hatte einen schwarzen Tag gegen die körperlich und spielerisch in bester Verfassung befindlichen Gäste. Mit viel Glück errangen die Vereinigten ein äln entschieden 2:2. Sodann traten Sp, Vgg. 1900 Gießen 3. Mannschaft und die gleiche der Mar­burger Sportvereinigung an. Beim Platzverein viele Jugendliche, bie unter Leitung ihres er­fahrenen Spielführers ein ganz famoses Spiel vorführlen. Aur beim Mittelstürmer haperts mit der Schnelligkeit, Entschlußkraft und Schuß- sichecheit. Diesem Mangel müssen es die Gäste verdanken, nur mit 3:1 geschlagen worden zu sein. Einen Elfmeterball verschoß Gießen nach Wiederholung. Das folgende Spiel der Liga- reservemannschasten zeigte in der ersten Spiel- Hälfte beiderseits ansprechende Leistungen. Be­sonders gefiel 1900s Dert-üdigssrpaar. zwei ganz junge Burschen. Gießen spielte zuerst mit Cb/io und Sonne im Rücken und war andauernd über­legen. Der durch Ersatz geschwächte Sturm konnte sich aber zu keiner einheitlichen, erfolgreichen Aktton entschließen, so daß bei Halbzeit nur durch einen Fernschub des Linksaußen das Re­sultat aus 1:0 gestellt wurde. Die zweite Spiel­hälfte zeigte, daß sich Givens Läuferreihe in der brennenden Sonne hei diesem Riesentempo zu hefttg ausgegeben hatte und jetzt stark nach- lieh. Der Gegner, der jetzt dieselben Vorteile, wie zuerst der Platzverein, hat, nützt diese auch , aus und kann so nach und nach 4 Tore erringen, ' wodurch das Spiel mit 4:1 glücklich zu seinen t Gunsten endet. Die Riederlage war für Gießen entschieden zu hoch ausgefallen. Das 2. und F 4. Tor mußten unbedingt verhindert werden.

Marburgs Alte Herren hatten leider am Samstag wegen des in Marburg stattfindenden Iägertages abgesagt. Alm 3,15 älhr trat Gießens 1. Jugend der gleichen des l. F. C. 93 Hanau ent­gegen. Bei Gießen fehlten zwei der Besten. Die Ersatzleute bewährten sich leider nicht. Hanau war dadurch dauernd im Vorteil. Alle Tore

erzielte Hanau durch Mißverständnis in der Gießener Hintermannschaft. Jedenfalls hat das Spiel den Beweis erbracht, daß diese Mann­schaft noch fleißig üben muß. wenn sie die Lei- ftungen der Vorgänger erreichen will. Die Ein­heimische konnten den 4 Toren der Gäste nur zwei entgegensetzen, und zwar einen verwandelten Elfmeter, dessen Berechtigung von vielen ange­zweifelt wurde, sowie einen zweiten Treffer, beide vom Mittelstürmer erzielt. Einen weiteren be­rechtigten Elfmeter (ein Hanauer Verteidiger ver­hinderte einen schon sicheren Erfolg Gießens durch Handabwehr), schoß derselbe Spieler von unten wider die Querlatte, von wo der Ball 8um Boden sprang, jedcch vor der Torlinie. Der Hanauer Hüter hat den Ball schon wieder ins Feld zurückgegeben, bis sich 1900s Stürmer vom Schrecken erholen.

Das Spiel der Ligamannschaften begann zu­nächst mit einer planlosen Bolzerei. Allmählich gibt es mehr Verständnis in den Mannschaften, und es kommen planmäßige Angriffsaftionen zustande. Rachdem Marbung im Strafraum wie­derholt mit der Hand abgewehrt hat, bekommt Gießen einen Elfmeter-Strafstoß zugesprochen, der vom Mittelläufer hoch darüber geschossen wird. Kurz vor der Pause' erzielen die Gäste nach schnellem Durchspiel ein Tor.

In der zweiten Spielhälfte wird das Tempo noch gesteigert, doch keiner Partei will zunächst ein Erfolg gelingen. Die beiderseitigen Verteidi­gungen sind in großer Form. Ihr Stellungsspiel ist mustergültig, immer wieder klären sie durch weite Schstige. Ein weiterer, scharfer Schuh des Gießener rechten Läufers bringt endlich ein Eigentor bei Marburg und somit den Ausgleich. Die Mannschaft des Plahvereins geht 10 Min. vor Spielschluß zu einem fabelhaften Endspurt über. Innerhalb zwei Minuten erringt 1900, trotz starker Abwehr, zwei Treffer und erringt damit endgültig den Sieg mit 3:1 Toren. Die Mannschaft besah diesmal die besseren Rerven. Bei Marburg waren Mecking und Schnei­der erseht, aber auch die Sp. Vgg. war noch nicht komplett und ist noch verbesserungsbedürftig. Hervorragend spielten bei Gießen die Verteidi­gung einschließlich Tormann, der Mittelläufer Luft und besonders der junge linke Läufer, der technisch beste Mann seiner Els. Bei Marburg überragte der linke Verteidiger seine sämtlichen Mitspi'eler.

Freie Turnerschaft Gießen.

£ Die Verbandsspiele am Sonntag brachten als wichtigstes Ereignis zunächst eine nicht unwesent­liche Verschiebung im bisherigen Tabellenstand. Das Spiel der ersten Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen gegen die gleiche Mannschaft Wiesecks, welches am Vormittag stattfand, hatte einen Besuch aufzuweisen, wie er in Gießen nicht zu den Alltäg­lichkeiten gehört. Das Spiel selbst stand unter einem unglücklichen Stern, mit einer derartigen Schärfe ist wohl noch kein Spiel innerhalb dieser engeren Organisation ausgetragen worden. Die Schuld hieran trifft zunächst beide Mannschaften und auch den Schiedsrichter, der immer mehr den bestimmenden Einfluß auf das Spiel verlor. Schon der Anstoß und die sofortige forsche Angriffsweise der Grünweißen zeigte, daß sich zwei gleichstarke Gegner gegenüberstanden. Gießen versuchte zunächst vergebens, das Heft in die Hand zu bekommen, Wieseck seinerseits konnte bereits nach acht Minuten aus einer guten Kombination heraus sein erstes Tor schießen. Gießen versuchte nun unter allen Um­ständen einen Ausgleich herzustellen. Bei dem ein*

Die Krummhölzer.

Roman aus den bayerischen Bergen.

Don Michael Wagner.

33 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

XII.

Zenos schwerste Zeit brach an.

Die hatten Folgen all des über die Familie Uracher hereingebrochenen Unglücks lasteten nun auf seinen Schultern. Seit langem hatte er das drohende Verhängnis vorausgerechnet, ward Mahner und Warner und erntete Hohn und Anfeindung.

Nun aber war es wie ein verheerender Wetter- sturm über die Krummhölzer dahingefahren. Aus dunkler Bestimmung grell heroorzuckende Schicksals­blitze hatten die zwei so stark scheinenden gefällt: Toni und auch Vater Uracher, die zwei, die sich für unentwurzelbor hielten.

Und war es nicht wie eine seltsame Laune des Geschickes zu empfinden, daß gerade er, Zeno, auf­recht stehen blieb? Er, der Schwache, der Verstüm­melte, der wohl eine unendliche Liebe zur Heimat im Herzen trug, aber doch fein Bergbauer war?

Ihn hatte das Schicksal erst gefördert, bann ver­schont, um ihm mit einemmal eine Last von Sorgen und Elend aufzubürden, welche nach eines Riesen Kraft verlangte.

Ja, Zenos schwerste Zeit brach an.

-2&j5 lag nicht schon hinter ihml

Unsäglich düster und dumpf gestaltete sich Tonis Bestattung, versagte doch die Kirche dem Selbst­mörder das letzte Geleit. Den Vater hatte man in jener Stunde seines Zusammenbruchs in Zenos Haus verbringen müssen dort lag er tagelang in Fieber und Delirium.

Diesen Schlag vermochte der Alte nicht mehr zu parieren. Ein Wunder, daß er ihm nicht das Leben gekostet. Aber der letzte Rest von Kraft und Mark war ihm in den Knochen verdorrt, die Schreckens­stunde hatte ihn zum weißhaarigen, gebrechlichen und siechen Greis gemacht.

Aber auch nach außen bin hatte Tonis wirt­schaftlicher Zusammenbruch begonnen, feine Kreise zu ziehen: lieber den Nachlaß des bankerotten Spe­kulanten wurde der Konkurs verhängt, das Land­haus versiegelt, aller Besitz mit Beschlag belegt zum erstenmal amtete auf dem Krummholzerhof ein Gerichtsvollzieher.

Im herrenlosen Hof schlich das Gesinde mit hän­genden Köpfen herum, bedrückt und betreten, und Wally gar weinte nächtelang. Alle trugen schwer zu ihrem Teil an dem Unglück.

Auf die Gant kommen" ist dem zäh erbwüch* figen, mit Heimat und Scholle unzertrennlich ver­wachsenen Bauern das Aergste und Härteste, was ihn treffen kann. Wird vom Verhängnis aber gar noch ein Hof wie derKrummhölzer" heimgesucht, der weitum durch Größe, Wohchabenheit und Acht­barkeit der Besitzer bekannt war, dann spricht ein ganzer Gau davon.

Schwere Gänge zu Amt und Gericht mußte Zeno machen und daheim lag der alte Vater im Fieber und rang mit dem Tode um fein verpfuschtes Leben.

Auch fürderhin ging allesfeinen Gang", wie der Annodomini in jener- Schreckensftunde so treffenb zu Zeno gesagt. An seiner hingebungsvollen Treue und Hilfsbereitschaft hatte Zeno eine starke Stütze und Hilfe in den Tagen, da alles zusammenkrachte und die Sorgen ihn schier zu Boden drückten. Und welchen Trost sand er nicht in Mariannens starker Gattenliebe, Lebens- und Schicksalskameradschaft.

Das eine Glück war Zeno trotz allem vergönnt: daß er in den paar Menschen, die ihm bisher nahe- gestanden, auch in den Zeiten der Not und Prü- jungen keine bitteren Enttäuschungen erleben mußte. Er hatte Freunde in der Not!

Anderseits aber schien es, als sollte ihm auch das Letzte und Bitterste nicht erspart bleiben: Der Kruinmholzerhof sollte versteigert werden, um die Forderung der Bank zu decken. Denn das Schwind- lerpaar blieb unauffindbar und mit ihm das ver­untreute Kapital ...

Das hatte sich so allmählich im Laufe der letzten Zeit aus all dem wüsten Schutt und den oben Scherben, die von Tonis Zusammenbruch übrig blieben, herausgefunden; das Geld war durch den Betrug von Moriggl & Co. verloren, die Bank aber verlangte aus den Sicherheiten Befriedigung. End­lose Konferenzen hatte Zeno schon in München durchgemacht, zwischen den Rechtsanwälten sitzend. Wohl wäre die Bank zu einem gewissen Entgegen­kommen bereit gewesen, aber es war alles umsonst Zeno brachte die Schuldsumme nicht auf.

Mit Schauder dachte er an das, was nun kom­men würde: Die Heimatscholle, der stolze Krumm- Hoferhof der Uracher unter dem Hammer! Viel­leicht die willkommene Beute eines Güterfchlächters ober Spekulanten! Der bloße Gedanke an solche Möglichkeit machte ihm das Blut in den Adern kochen.

Herrgott im Himmel!" flehte Zeno inbrünstig nur dies nicht!"

Nur nicht die letzte, größte Schande! Den Unter* gana eines alten, starken und stolzen Bergbauern* geschlechtes!

setzenden äußerst flotten Tempo werden beiderseits recht schöne Leistungen gezeigt, die spannendsten Momente halten die Zuschauer in Dann. Nach einer weiteren Viertelstunde konnte Wieseck eine gut ge­tretene Ecke 8um zweiten Tor verwandeln. Das war für Gießen, das sich einen verhältnismäßig leichten Sieg versprochen hatte, zuviel. Mit äußerster Schärfe wurde versucht, Erfolge herauszuholen, Wieseck ant­wortete im selben Tone, der Schiedsrichter verlor mehr und mehr Boden, traf Fehlentscheidungen, die bann verärgerten, das mehr als überlaute Anfeuern der Gießener Mannschaft burch ihren Mittelläufer erhöhte die Nervosität, so daß alle diese Momente eine Atmosphäre schufen, die schlecht zu dem hohen spielerischen Können der beiden Mannschaften paßte. Nach 40 Minuten Spielzeit kam Gießen zu seinem ersten Erfolg: ein völlig zu Unrecht gegebener Elf­meter wurde verwandelt. Auch nach der Pause hatten sich die Gemüter nicht völlig beruhigt. Um an die Spitze zu kommen, darf Gießen nicht ver­lieren, diese Tatsache drückte dem Spiel den Stempel auf. Zeitweise wurde Wieseck zurückgedrängft kam aber immer wieder frei und jagte seinerseits Schuß auf Schuh aufs Tor. Glücklicher war Gießen, ein präzises Zuspiel, ein kurzer Schlag, und der Aus­gleich war da. Jetzt drückte Wieseck wieder, erzielte kurz hintereinander zwei Ecken und hatte bald die Gelegenheit in der Hand, abermals in Führung zu gehen. Ein befreiendes Aufatmen bei den Gieße­nern: Wieseck jagt einen Elfmeter neben das Tor. Der Kampf um die Führung erreichte nunmehr die äußerste Grenze des Zulässigen und wurde gar oft überschritten. Jetzt hat Gießen einen Elfmeter. Wie­seck wechselt den Tormann, und der eingesprungene alte Spezialist hält den unheimlichen Schuß in prachtvoller Weise. Stürmischer Beifall ob dieses Bravourstückchens. Unaufhaltsam rollen die Eingriffe auf und ab, ein vorübergehender schwacher Augen­blick Wiesecks wird von der unermüdlich schaffenden Gießener Mannschaft geschickt ausgenutzt, und das dritte und Führungstor hängt in den Maschen. Die restlichen zehn Minuten ändern an dem Resultat nichts mehr, um so mehr, als Wieseck durch Heraus­stellen eines Spielers geschwächt war. Es besteht die Möglichkeit, daß das Spiel wiederholt wird, bann wäre zu wünschen, baß beibe Mannschaften ihre sehr guten Leistungen durch nichts abschwächen im Interesse des sportlichen Gedankens!

Ein angenehmeres Spiel zeigten die 3 u - gendmannschasten der beiden Vereine. 3n der ersten Halbzeit zeigte Wieseck eine unbestreit­bare äleberlegenheit im Feldspiel, die älnent- schlossenheit des Sturmes verhinderte jedoch Erfolge. Gießen hatte Glück, der einzige ernsthafte Schuß aufs Tor brachte gleich einen Erfolg. Rach der Pause hatte Wieseck zu seinem Schaden umgestellt, Gießen wurde durch seinen Erfolg angriffsfreudiger, was sich auch in zwei weiteren Toren ausdrückte. Mutlos ergab sich Wieseck in sein Schicksal.

Am Samstagabend spielte die 2a-Mann­schaft Gießens gegen die 2. Wiesecks. Ein recht ungleiches Spiel. Gießen, durch gute Kräfte sehr spielstark, Wieseck auf der anderen Seite mit Ersah und zunächst nur mit 9 Mann antretend, die sich nach einiger Zeit auf 10 er­höhten. Der Ausgang war nicht zweifelhaft, war aber in der Höhe nicht dorauszusehen. Dis Halbzeit führte Gießen 3:0, Wieseck läßt mehr und mehr nach, so dah Gießen mit Leichtigkeit und berechttgt das Schlußergebnis auf 7:0 stellen konnte.

Freie Turnerschast Lollar.

£ Die größte Sensation des TageS war die Riederlage des seitherigen Tabellenersten Wetz­lar in Lollar. Das ist für eine Mannschaft wie die Wetzlarer bitter. Die Führung hat nunmehr mit einem Punkt Vorsprung vor Lollar und Wetzlar, die punktgleich sind, Gießen. Lollar ist immer eine gefährliche Mannschaft gewesen. Fast ohne Ausnahme sind die elf Spieler sehr ballsicher, der Sturm schießt aus jedem Stand, ein gutes Stellungsspiel wird besonders gepflegt. Die Eigentümlichkeiten des Lollarer Platzes sind schon für manche Mannschaften verhängnisvoll geworden. So auch hier. Lollar hatte bald zwei Tore vorgelegt. Mit weiten Schlägen wird jeder Angriff Wetzlars von der gegnerischen Derteidi-

Das würbe für ben Uradjeroater ein grausames, schmähliches Enbe bedeuten, für ihn selber ein Packen Kummer und Schanbe, ben er Zeit seines Lebens mit sich zu schleppen hätte!

Nein! schrie es in Zeno wild auf so wett bars es nicht kommen! Alles um her Heimat willen! Nur dies nicht!

Und dennoch wie ein dräuendes Ungeheuer schob sich bas Schreckliche, Gefürchtete, immer näher heran. Just fünf Jahre nach feiner Heimkehr hielt Zeno die amtliche Mitteilung über Ansetzung bes Zwangsversteigerungstermins in Händen.

Da war er hart daran, gleich dem Vater damals in die Knie zu brechen, gefällt von Elend und Kummer.

Aber er schaffte es und hielt sich aufrecht. In diesen Tagen unerbittlichster Prüfung waren des jungen Meisters Züge hart, trotzig, steinhaft wur­den uracherifch, herb wie die Züge feiner Bildwerke.

In einer schrecklichen Nacht, die tausend düstere, kampfheiße Stunden zu währen schien, rang sich Zeno einen ebenso großen wie bitteren Entschluß vom Herzen.

Abgezehrt, mit schlohweißem Haar, mit Augen, die glostenden Feuern in Schattenhöhlen glichen, so lag der Uracheroater auf seinem Krankenlager. Herzzerreißend war der Anblick bes einst so kraft­vollen Mannes, den das Geschick geschlagen wie selten einen.

Tage, Wochen, hatte der Alte mit dem Tode gerungen, in seinem Delirium wilde Anklagen gegen Gott und die Welt geschleubett. Aller Lebens­saft und alle Kräfte feines Körpers waren dahinge­schwunden müb und apathisch lag er da, vom Arzt zwar als Genesender bezeichnet aber see­lisch ein Absterdender. Zarteste, innigste Fürsorge betreute den Bedauernswerten mit liebenden Hän* ben: Marianne und ihre Mutter wetteiferten in seiner Pflege. Zeno und der Annodomini opferten ihm freudig ihre arbeitsfreien Stunden.

Tief schnitt es Zeno ins Herz, wenn auf alle Worte des Trostes und Zuspruches der Vater immer nur dieselbe müde Antwort hatte:

Laßfs mi die Schänd will t net überleben! Tragi's mi bald zur Mutter 'naus!"

Dann kam Zenos Schicksalsnacht, mit Schnee und Winterfturm. Den Kopf voll düsterer Sorgen, fo hatte Zeno an diesem Tage aleichsam mtt tauben Händen geschafft die Hiobsbotschaft lähmte ihn förmlich. Immer und immer wieder las er die trockenen, dürren Kanzleiworte des amllichen Schreibens: daß an dem festgesetzten Termine die Zwangsvollstreckung ... Schaudernd legte er es bann beifeite, um von neuem sein Gehirn zu qua­

gung unterbunden, die ungestümen Angriff« Lollars finden zumeist auf der rechten Seite Wetzlars ihren Weister. Durch einen Strafstvß tonnte Wetzlar schließlich bis zur Halbzeit ein Tor ausholen. Rach der Pause ist Lollar weiter im Vorteil, wobei das Glück etwas nachhilft. Zwei weitere Tore erhöhen deren Zahl auf vier, zwei davon hat der Wetzlarer Tormann auf dem Gewissen, der sich in beiden Fällen unbegreiflich ungeschickt benahm. Das Pech der Wetzlarer wurde dadurch vervollständigt, daß sie eine An­zahl Elser verschossen, nur der letzte wurde ver­wandelt. Dies 2:4-Resultat wäre leicht vermeid­bar gewesen. Das Spiel war in seiner Durch­führung kaum von einem fairen Gesellschaftsspiel zu unterscheiden, der Schiedsrichter sehr korrekt und sichel in seinen Entscheidungen.

Auch die Jugend Wetzlars muhte sich eine Riederlage gefallen lassen. Lollar konnte hier ebenfalls einwandfreier 2:0-Sieger bleiben.

In Heuchelheim.

£ Hier nehmen die Spiele einen voraus- gesehenen Verlauf. Die erste Mannschaft konnte gegen die gleiche Alsfelds zwar nicht über­wältigend, aber immerhin in klarer Weise 3:1 gewinnen. Alsfelds erste WannschAft-Hüelt einen sehr guten Fußball, Mannschaften mit gleich weicher Spielweise werden ihr gegenüber zumeist den kürzeren ziehen. Das Verhängnis, das die Mannschaft verfolgt, ist bedauerlich, erfreulich jedoch ist der ungebrochene Mut, mit dem der Kampf immer wieder aufgenommen wird.

Die Jugend Heuchelheims hatte diejenige von Dlasbach als Gegner. Die Erwartungen der Einheimischen wurden zwar nicht gan$ er­füllt, denn die Widerstandskraft der Dlasbacher beginnt doch allmählich etwas energischer zu werden. Immerhin muhten sie sich diesmal wiederum mit einer Riederlage bescheiden, denn beim Abpfiff hatten die Heuchelheimer 5 Tore geschossen, während die Dlasbacher leer aus­gehen mußten.

M. T. D. Marburg.

£ 'Ganz programmwikwig kommt eine Mel­dung aus Marburg, wonach die in sehr gutem Ruf stehende Raunheimer Erste-Klasse- Mannschaft von der gleichen Mannschaft desMar- burger Männerturnvereins 4:1 geschlagen wurde. Allem Anschein nach ist den Marburgern die kürzliche 9:1-Riederlage in Gießen sehr zu Herzen gegangen und hat eine stark befruchtende Wiäung gehabt.

Die zweite Klasse in den Verbandsspielen.

£ Recht leicht machte sich die I! b-Mannschast der Gießener Freien Turner die Sache. Sie schickte eine Abordnung von sieben Mann nach Wetzlar, um der dortigen zweiten Mannschaft des Turn- und Sportvereins mitzuteilen, daß sie ihrem Gegner die Punkte kampflos überlassen wollen.

In Daubringen stellten sich die ersten Mann­schaften Daubringens unb Leuns dem Schiedsrichter. Saubringen gewann das Treffen 2:1, bei Halbzeit stand die Partte 1:1. Das Resultat ist für die junge Mannschaft Dau brin­gens umso schmeichelhafter, als Leun eine sehr kräftige und spielerfahrene Mannschaft stelll.

Vier neue deutsche Höchstleistungen.

vo. Bei den Deutschen Kraftsport- Mei st erschaften 1926 in Frankfurt a. M. find außer den vier neuen deutschen Rekorden im Stemmen noch vier Höchstleistungen in den schwerathletischen Würfen aufgestellt wurden, und zwar im 5>ammertoerfen (Leichtgewicht) von Bl eher-Hof mit 36,61 Meter, im Gewicht* werfen (Leichtgewicht) von Singer- Osweil mit 16,80 Meter, im Steinstohen (Leichtgewicht) von Ehgärtner-München mit 8,71 Meter und im Hammerwerfen (Schwergewicht) von M a n g - Regensburg mit 43,75.

len unb zu martern.

Bleich unb tiefernst, tief leidend unter des ©al­ten seelischer Qual, überließ ihn Marianne sich selber. Wußte sie doch nur zu gut, daß nun die Entscheidungsstunde gekommen und solches pflegte Zeno mit sich allein auszumachen.

Geh du nur ruhig ins Bett, Mariann!" sagte Zeno, als er sich vom Abendtische erhob,i will noch a Weil beim Vater bleiben, gelt!"

Als er ihr ben Gutenachtkuß gab, sah sie mit innigem Mitleib in fein gramgezeichnetes Antlitz.

Zeno hab' eine gute Nacht heut!" flüsterte sie, Tränen in ben Augen.

,L bank dir, Mariann!" sagte Zeno schlicht,du woaßt ja, um was es jetzt hergeht halt um alles!" Er atmete schwer auf.Wenn mir der hilft, ben i so oft schon in Holz g'schnitzt hab nach­her mag sein, baß i's berfraft!"

Dann wanbte er sich ab und verließ mit dem seltsam schweren Tritt seines künstlichen Beines bas Zimmer, um des Vaters Krankenstube aufzusuchen.

Der lag still in seinen Kissen. Nur ein ganz fach* ter Hauch des Aufhellens huschte bei Zenos Ein­treten über seine verwitterten, zerfurchten Leidens- Süge.

Grüß Gott, Vater! Wie gehts dir heut?!"

D mei Bua net besser net schlechter! Setz' dich a wengerl zu mir her!"

Schweigend nahm Zeno neben dem Bette Platz.

Er fürchtete sich schier davor, den Vater anzu­sehen fein Anblick bereitete ihm förmlich Schmer­zen. Unb nun trug er diese Schreckensbotschaft mit sich herum, die dem Siechen ben Tod geben konnte. Herrgott! schaff' Rat, schrie es in Zeno wieder ver­zweifelt auf.

Wenn jetzt der Vater nach dem Stande der Dinge fragte?

Sollte, durfte er ihm bann bis Wahrheit sagen? Nein, niemals! Das stand in Zeno fest. Des Vaters matte Stimme schreckte ihn aus feinem Grübeln auf.

Haft schon Feier abend g'rnacht für heut?"

Ja, Vater."

Der Alte nickte schwer.

Wenn bei mir a bald Feierabend wär' mit allem!" sagte er langsam leise, mehr zu sich selber, unb bann, beinahe flüftemb:Guat wär's! Soviel guat!"

Du sollst dich net fo abhärmen, Vater!" mahnte Zeno.Sollst net so viel in dich 'neinftudieren! Denk' lieber ans G'sundwerden!"

Eine kurze Pause bes Schweigens folgte. 2üs spräche er eine Lüge aus, fügte Zeno darauf mit gepreßter Stimme hinzu:

(Schluß svlgt.) ' '*a'