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(Lietzener Anzeiger iSenerai-Rnziiger jür Gberhetzen)

Samstag, <7. Zuii 1926

Nr. (65 Drittes Blatt

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weih schimmert das Silberband der Straffe, weih schimmern und flimmern die beiden Fürsten­schlösser uni> Hohenbodmans Turmbau, der links darüber ragt.

.Der heilige Berg trägt außer dem fürst­lichen Schlosse ein Dörfchen aus seinem Rücken. Dies Dörfchen, das im Schöffe grüner Wiesen ruht, ist von groffen Forsten mit über 60 Kilo­meter langen, prächtig gepflegten Spazierwegen umgeben. Rechts oben ragt ein Buchenwald, darin Tannenhochstämme gleich einsamen Riesen stehn. Don seinen Ruheplätzen aus haben wir eine fast unvergleichliche .Aussicht hinüber zum etwas tiefer liegenden Schlosse und weit hinaus über das Tal bis zum See, bis zur schimmernden Kette der Hochalpen.

Am herrlichsten mag es sein, diesen Wald im Frühsvmmer zu durchwandern, wenn die Buchen noch in ihrem leuchtenden Lichtgrün stehen. Auf einem der erhöhten Ruheplähchen wollen wir dann rasten neben uns das sacht wogende, goldgrüne Meer, drüben das weiße Schloff, unten das zauberschöne Taff Weither glitzert der See als schmaler Silberstreifen, da­hinter wächst die Wunderwelt eiserstarrter Derg- giganten ins süddeutsche Himmelsblau. Waldes­odem umfächelt uns lind, süffes Dogelzwitschern schmeichelt sich in unser Ohr, und vom Schloff- garten herüber weht der Duft von tausend Rosen.

Nördlich vom Ort dehnt sich ein vorwiegend aus Radelhölzern bestehender Wald ziemlich eben bis zum ülrspimng der (Deggenhauser) Aach unb gen Pfulleirdvrf.

3m Schlosse, das steil aus dem Burggarten emporsteigt, bildet, neben vielen anderen Kunst- schähen, die Kapelle und fast mehr noch derRilter- saal den Hauptanziehungspunkt. Dieser nimmt die beiden obersten Stockwerke des ganzen süd­lichen Flügels ein. und Lübke sagt von ihm in seinerGeschichte der deutschen Renaissance", es sei ein Werk ersten Ranges, wie wir von gleicher Schönheit unter den deutschen Renaissancebauten kein zweites besäßen. Aus seinen Fenstern ge­nießt man eine schier unbegrenzte Aussicht; von der Siesaplana bis zum Berner Oberland, bis zu den Königen des Schwarzwaldes. Feldberg, Belchen und Blauen, bis zu den Dasaltkegeln des Hegau, dem Hohentwiel, Mäg^eberg. Hohen-

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und gibt dem Leben auf der Insel Föhr ein ganz eigenartiges Gepräge. Moderne Strandanlagen und Hünengräber, Kurkapelle und friesischer Woriklang, die weite Ebene der Marsch und die hohe Geest, neu­zeitliche Dampfer und aligefügte Segelboote, neu- zeitliche Strandkostüme und die schone, alte Tracht der einheimischen Mädchen und Frauen, das alles vereint sid) zu einem Bilde von unsagbarem Reiz, einem Bilde, das sich tief in unsere Herzen gräbt. Und so kommt es, daß die Besucher von Föhr auch später noch gern Ihre Gedanken zurückwenden nach dem meerumrauschten Eiland, das inmitten seines Jnselkranzes liegt und träumt, wie von wuchtiger Riesenfaust in die Fluten hineingeschleudert.

Wanderung im Linzgau.

Bon Hanna v. Dosen st ein.

Das zum Kreise Konstanz gehörende Gebiet, welches sich jenseits des Bodensees gegen Hohen- zollern und Württemberg hin erstreckt, heißt der Linzgau. 3m Garten Deutschlands, in Baden, ist dies Stückchen Erde eines der gesegnetsten. Bon den Nordostufern des Schwäbischen Meeres, Immenstaad bis Ludwigshafen, dehnt sich, durch liebliche Hügel getrennt, eine Reihe von Tälern ins Landinnere, jedes von irgend einer Aach durchplätschert. Ihr weitestes und leuchtendstes ist das Salemer Tal.

Für den, welcher das Wandern in der Ebene liebt, mag's am lohnendsten sein, zu Fuff den etwa dreistündigen Weg von Meersburg nach dem Heiligenberg zu durchwandern. Auf breiter, nur sehr wenig ansteigender Landstraße, zwischen prangenden Wiesen hin, durch ragcnfce Wälder, bringen wir immer tiefer hinein ins Herz des Salemer TaleS.

Bei dem langgestreckten Dorfe Mimmenhau­sen, einer Zweigstation der Bodenseegürtelbahn, weitet sich das Tal zu breiter Ebene, und links ragt weiß schimmernd auf dunklem Grunde, Salem, das ehemalige Zisterzienserkloster Salmaußweyl. Rechts oben aber, wie eine Perle in smaragdner Schale, des Fürsten zu Fürstenberg Besitztum, Schloff Heiligenbevg.

Das Tal, das diese beiden Edelsihe trennt,

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Kloster Seron.

Don Hans Bethge.

In der Kunsthalle zu Hamburg hängt eine kleine bestechende Malerei von Wilhelm Trüb- ner:Kloster Seeon", ein ausgezeichnetes, to- niaes, gedämpft blau-grünes Bild von über­raschendem landschaftlichen Rhythmus. Es zeigt eine edle, ganz runde deutsche Landschaft: ein altes Kloster in einem kleinen See und im Hintergrund die Alpenberge. Es ist eine typisch oberbayerische Landschaft, und als ich das schöne Bild zum erstenmal sah, hatte ich gleich den Wunsch, dieses reizende Idyll einmal in Wirk­lichkeit kennenzulernen.

Ich sah auf dem Atlas nach und fand, daß Kloster Seeon ziemlich abseits liegt, näm­lich im Chiemgau, nicht weit von dem nördlichen Zipfel des Chiemsees, wo eine ganze Reihe kleiner Seen auf der Karte verzeichnet ist. Offen­bar hat sich der Chiemsee in weit zurückliegenden Zeiten einmal wesentlich weiter nach Norden ausgedehnt, er ist dann allmählich in sein heu­tiges Becken zurückgetreten, und dort, wo einst im Norden eine einzige große Wasserfläche war, haben sich als Reste in den wichtigsten Boden­vertiefungen einzelne kleine Seen erhalten.

Als ich im Sommer am Chiemsee wohnte, verabredete ich mit einem Freund, dem, obwohl er Maler ist, das Trübnersche Bild noch un­bekannt war, eine Radtour rund um den See, unb wir nahmen in unser Programm natürlich auch Kloster Seeon mit auf, einen Abstecher, der mir offengestanden als das Derlockendste der ganzen LInternehmung erschien.

Wir fuhren auf unseren Rädern durch eine äufferst anmutige, in ihrer Vegetation beinahe tropisch üppige Gegend. Bald durch Wald, wo dichte Brombeersträucher wucherten und das blü­hende Gaisblatt duftete, bald durch Wiesen, strotzend in saftigstem Gras und ganz übersät von Schierlingsstauben, becen weihe Dolden ich nirgends so kolossalisch gefunden habe wie hier. Zuweilen entfernten wir uns vom Seespiegel, dann näherten wir uns ihm wieder, so verän­derten sich die Prospekte aus das große, erhabene Wasser fortwährend, wir kamen durch kleine, Derenffamte Dörfer, dann, von Chiemsee aus, das am Ostrand deS Sees gelegen ist, lenkten wir auf wenig befahrenen Straffen landeinwärts auf Kloster Seeon zu. Wälder nahmen uns auf, bann kam toieber Feld unb Wiese, die ganze Gegend ist hügelig, wenn das Gelände abfiel, liehen wir die Räder treiben und sausten lachend in die Landschaft hinein, und als wir wieder einmal auf diese Weise aus einem tiefen Walde ins Freie hinausstürmten, lag eine kleine menschliche Siedlung an einem Wasser vor uns: Seeon.

Es ist in der Tat eine entzückende Idylle von hohem malerischen Reiz. Der Dee ist klein, eigentlich nur ein großer Teich. Das alte weiffe Darockkloster zeigt eine sympathische, ganz ein­fache Architektur unb wirkt fast wie ein vor­nehmer. schlohartiger Profanbau. Nur die dicht nebeneinander stehenden Zwiebeltürme über der barocken Kirche lassen den stattlichen Gebäude- komplex gleich als Kloster erkennen. Das An­wesen, das heute klösterlichen Zwecken nicht mehr dient, liegt auf einer Halbinsel, mitten in den See hinausgeschoben, dicht von Schilf umgeben. Eine ganz schmale, zierliche Holzbrücke, saust geschwungen, führt von der Spitze bet Halb­insel zum Festland hinüber, in ihrer Wirkung fast japanisch. Hier, am Festlande, liegt auf einer Höhe dicht über dem See, ein kleines, schindelgedecktes Kirchlein, von einem beinahe russischen Umrifj der Architektur. Auch die For­mation der beiden Zwiebellürme über der Kloster­kirche will an russische Kirchen gemahnen.

Wir stiegen auf eine beherrschende Höhe am Ufer hinan, lagerten uns oben am Wald­rand und blickten auf Kloster und See, aus die japanische Drücke, auf das rusfische Kirchlein und die blaue Kette der Alpenberge im Hinter­grund. Don hier oben hat Trübner sein rei­zendes Bild gemalt. Diese Landschaft, auf die wir mit Lust hinabsehen, ist in der Tat ein vollendetes Bild. ein ganz geschlossenes Idyll. Trübner verstand es immer, solche alten schönen Architekturen, die malerisch in die Landschaft ge­setzt sind, aufzuspüren, im Odenwald, in Baden und Bayern, und er malte solche Dinge zuweilen

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unser Sinn wohl grübelnd jenen Katastrophen zu, und wir vermcinen plötzlich tief unten auf dem Grunde der See weitgewölble Kuppeln und hoch aufragende Turme zu sehen, und dumpfer Glocken- klang scheint still und schwermütig ans der Tiefe heraufzutönen, während sich eine festlich geputzte Menge in feltfamfrember Tracht durch die Straßen zwischen altertümlich breinfdjauenben Häusern dahin­schiebt.

Doch wenn der lichte Tag hell unb leudjtcnb auf den Wassern glitzert, bann schwinben biese Bilber, unb das Leben, das niemals rastende, in stetem Kreislauf sich erneuende Leben jauchzt uns allüberall entgegen. Zur Zeit der Ebbe, wenn das Wasser, durch tausend Kanäle und Rinnen verrieselnd, sich weit zurückgezogen hat, bildet das Wattenmeer eine Brücke hinüber nach Amrum und lehrt uns, wie einst diese ganze Inselwelt zusammenhing. In dem wasserfreien Gebiet aber beginnt es sich zu regen: Wagen und Fußgänger suchen vor der nächsten Flut die Nachbarküste zu erreichen; kleine Burschen und Mädels mit aufgekrempelten Höschen und hoch­geschürzten Röckchen forschen nach Austern; auf der schattigen Sandwallpromenade von Wyk, dem Hauptort der Insel, ertönen die Weisen der Kur- kapelle, und die Töne wiegen sich weit hinaus auf das leise atmende Meer, während geputzte Stadt» menschen sich plaudernd ergehen oder sich am Strande den tausenderlei Nichtigkeiten widmen. Oder man nimmt den Wanderstab zur Hand und durch­schweift die etwa 8 Quadratkilometer große Insel, besucht die ausgedehnten Bogelkojen, wo jahraus, jahrein Tausende schmackhafter .Krickenten ihr Leben für das Wohl der fremden Gäste opfern müssen; man zieht zu den alten Hünen» und Wikkinger» gräbern, dem Kjökkenmödding unb ber Lembecks» bürg, im Westen ber Insel, und läßt den geheim» nisDoUen Zauber auf feine Seele einwirken, der, wie mit unhörbarem Flügclschlage, diese verwitterten Zeugeneiner längst verschollenen Zeitperiode um­schwebt. Manch einer tritt in eine bescheidene See­mannsstube ein und ist erstaunt über die traulich zweckmäßige Einheitlichkeit, die hier ber einfache Sinn eines wackeren Menschenschlages geschaffen hat. Hollänbische Fliesen bebecken bie Wände, über ber Türe hängt ein roh geschnitztes Schiffsmobell, währenb hinter den blanken Scheiben des Schran­kes ber matte Glanz zinnerer Schüsseln, Krüge unb Teller aufblitzt, unb aus dem von der Zeit dunkel gebeizten Uhrgehäuse friedliches Ticken hervortönt. Die Bewohner der Insel, die Friesen, sind tüchtige Seeleute und treiben Schiffahrt, namentlich Fracht­schiffahrt, ferner Fischerei, Austernfang und Enten­jagd.

Auch die Halligen draußen im Meere locken zum Besuch, und es bereitet eine seltsam wehmütiges Gefühl, über diese dürftigen Reste einer mehr und mehr verschwindenden Welt dayinzuschreiten. Im Gegensatz zu den größeren, durch Dünen und Deiche geschützten Inseln, bezeichnet man die kleineren Ei­lande an der schleswig-holsteinischen Küste mit dem Namen Halligen. Eine sölche Hallig ist ein flaches Grasfeld, kaum 2 oder 3 Fuß höher als der Stand der gewöhnlichen Flut des Meeres gelegen, und wird daher sehr oft und besonders in den Winter- Monaten von der See überschwemmt. Hier auf diesen Halligen, wo das weder durch Deiche noch Dünen geschützte Erdreich auf Gnade und Ungnade dem Wüten der Meeresstürme ausgesetzt ist, hier, wo während der Flut häufig nur die auf 4 und 5 Meter hohen Werften ober künstlichen Erderhöhungen er­bauten Häuser über den Wasserspiegel hinausragen, ist der Kampf des Menschen mit den Elementen ein besonders hartnäckiger und hoffnungsloser. Wenn die Stürme von Westen her über die Wogen peitschen, lecken die Wasser mit gierigen Zungen sogar diese dumpfem Wogenschwall an Tür und Tor. Und oben auf dem Boden zittern wettoerlasien die ärm­lichen Bewohner dem grausen Ende entgegen, das unfehlbar eintritt, wenn die Mauern dem wuch­tigen Drängen ber Flut nicht wiberstehen können unb krachend zusammenstürzen unb bie Bewohner mit sich in das Wellengrab herniederzerren. Die Halligen nehmen durch das ständige Anspülen der Meereswogen jedes Jahr ab, und der Bewohner sieht so den Boden vor seinen Augen schwinben unb bentt an bie Zeit, wann bas Erbteil seiner Kinber ganz verschlungen sein wirb. Dennoch liebt diese Bevölkerung ihre ärmliche Heimat, und der aus ber Sturmflut Gerettete baut sich immer wieder da an, wo er vor kurzem alles verlor. In den stillen Gassen der stillen Inseldörfer aber Föhr zählt deren etwa 18 blühen die Bäume, und auf den kleinen Friedhöfen ruht, blütenumrankt, mancher schmucklose Stein, der in seltsam berührender Weise vom Werden und Vergehen fpridjt, das hier, mehr als anderwärts, nahe beieinander wohnt. Und wie Tod und Leben, so wohnt auch Altes und Neues in seltsamer Durchdringlichkeil hier dicht beieinander

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Auf der nordfriefifchen Insel 8öhr

Von A. B r a m m.

Wie von wuchtiger Riefenfaust in "bie Fluten hineingeschleuderi, so liegt träumend inmitten eines weiten Inselkranzes das große, nordfriesische Eiland Föhr, eine der größeren Nordseeinseln an der West­küste Schleswigs. Die Wogen der Nordsee umrau» scheu es mit ihrem alten, gewaltigen Liede und er­zählen in stürmischen Nächten wunderseltsame Sa­gen von jenem Toben der Elemente, die vor Zeiten die ganze Inselwelt von den Küsten Schleswig-Hol- steins losgerissen. 3m Norden und Südwesten blin­ken die flammenden Feuer der Leuchttürme von Sylt und Amrum herüber, und im Süden wimmelt das Heer der winzigen Halligen, die nur durch die sorgende Hand des Menschen einigermaßen vor dem gefräßigen Wogenschwall des Meeres beschützt und der raschen, völligen Vernichtung entrißen werden können. Auf der hohen Geest von Föhr aber wiegen uralte Baumriesen ihre mächtigen, schattenspenden­den Kronen, während auf der deichgeschützten, weit- hin sich erstreckenden Marsch weidende Rinder und Pferde friedlich ihre Nahrung suchen. Und wohin man sich wenden mag, überall begegnet unser Auge dem Me?re mit seinen ewigwechselnden Bildern.

Ein wackeres Völkchen haust hier, und wenn auch das moderne Bäderleben etwas Fremdes in diese eigenartige Welt hineingebracht hat, noch blühen Die alten Sitten unb Gebräuche unb selbst bie alte friesische Sprache fröhlich weiter. Noch be­gegnen wir hier ber schönen Tracht, wie sie sich von Geschlecht zu Geschlecht herübergerettet hat in unsere alles niueUicrenbc, alles Bunte unb Bluhenbe ver- brängenbe Zeit. Gilt es ein Fest zu feiern, gilt es eine Gespielin zum Altar zu geleiten, wo ihrer ber hochzeitlich geschmückte Bursche harrt, bann werden die soliden, mit friesischem Zierat bedeckten Truhen geöffnet, und die Brustspangen und Gehänge aus blinkendem Metall, die buntgestickten Kops- und Busentücher werden hervorgeholt und wetteifern im lachenden Sonnenschein mit der lieblichen Anmut ihrer Trägerinnen. Alte, wie aus einer anderen Welt herübertönende Lieder erklingen auf der Fahrt zur festgefügten Kirche, und die hochgewölbten Hünen- gröber, die hier und dort wie aus längstversunkener Vorzeit herübergrüßen, vermögen nicht die quellende, ihrer herzerquickenden Ursprünglichkeit noch nicht beraubte Lebensspende zu dämpfen. Denn wie ernst auch das Leben dieser wackeren Inselbewohner sich im allgemeinen gestaltet, wie mancher der als tüch­tige Seeleute vielbegehrten Männer draußen auf dem Grunde des Weltenmeeres ein feuchtes Grab gefunden, der fröhliche Lebensmut und die sonnige Heiterkeit der Leute auf Föhr ward nicht erstickt und kommt bei den wenigen Festen stets zum Durch­bruch, Wer aber die Geschichte des friesischen Lan- des kennt, diese furchtbare Kette von Kampf und Not, non Leid und Elend, die sich durch die Jahr­hunderte zieht, der wird sich bewundernd beugen vor soviel Lebenskraft und Lebensmut und vor dieser rührenden Anhänglichkeit an den heimischen Bo­den, der nur mit zähem, nimmer erschlaffendem Eifer vor den Katastrophen des Meeres gerettet werden kann.

Mit Recht fragt der Marfchendichter Hermann Allmers im Hinblick auf die Vefuvbewohner:Allein, was sind solche Gefahren gegen das namenlose Elend, welches das Friesenvolk seit so vielen Jahr­hunderten erduldete! Was sind einzelne Vesuvaus» brüche . . . gegen die ungeheuren Sturmfluten, deren das Volk der Friesen so viele in feinen An­nalen aufzuweisen hat; Sturmfluten, von denen eine einzige 20 bis 30 Dörfer vom Erdboden ver» schwinben ließ, meilenlange reiche Landstriche in sbes Watt verwandelte, vielen Tausenden wackerer Menschen das Leben raubte, die kostbarsten Schleu­sen und Deichanlagen in wenigen Stunden vernich­tete und ganzen Küstenstrichen nicht selten eine an­dere Gestalt gab!"

Und wenn man bann die lange Reihe solcher Springfluten an sich vorbeigleiten läßt, deren mehrere fast in jedem Jahrhundert die Küsten und Inseln der Nordsee heimsuchten, wenn man von den großen Opfern vernichteter Menschenleben lieft, bann erst versteht man ben alten friesischen Nechtsgrunb- satz in seiner tieferen Bebeutung:Kein Land ohne Deich, kein Deich ohne ßanb"; versteht erst ben an» beren Spruch:De nich will biken, mot reifen" (Wer bie auf seinem Besitz (aftenbe Deichpflicht nicht er­füllen mag ober kann, ber muß weichen, muß sich seines Eigentums begeben). Denn hier gilt mehr als irgendwo anders das Gebot:Einer für alle, alle für einen!"

Wandelt man bei sinkendem Abend, wenn fern im Westen die Sonne auf ben Wogen glüht unb bas Meer raunend gegen die Küste schlägt, am Strande der Insel entlang, oder schaukelt man im leise da- hinzielenben Segler über die Wasser, so wendet sich

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