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nützlich und von gleichem gegenseitigen Interesse sind. Diese Konventionen werden demnächst ra­tifiziert sein und dann werden die Be­ziehungen der beiden Länder nicht nur gut. wie Tie jetzt sind, sondern geordnet und sta- b i I i s i e r t sein aufgrund der vollständigen Le­galisierung.

Aach anderen Meldungen soll die Stellung des Gesandten Dodrero stark erschüttert sein. Man rechnet in politischen Kreisen damit, daß er schon in den nächsten Tagen seinen Posten verlassen wird. Aach Meldungen aus Triest sind in den letzten Tagen alle slo­wenischen Vereine durch die italienische Behörde aufgelöst und ihr Vermögen beschlag­nahmt worden. Auch das slowenische Blatt Edinost" ist von der Triester Polizei verbo­ten worden.

Mussolini beruhigt Frankreich.

Paris, 15. Dov. (WTD.)Watin" ver­öffentlicht ein Interview Sauerweins mit Musso­lini. Hinsichtlich der italienisch-ftanzöftschrn Iwischeniälle erklärte er, jetzt sei alles geregelt. Die an.ifranzösischen Kundgebungen verurteile er. Er habe die strengsten Maßnahmen getroffen, damit derartige Vorkommnisse sich nicht wiederholten. Dafür übernehme er die Garantie. Die Stimme des italienischen Vol­kes richte sich gegen Frankreich, weil es die Heimat aller Verschwörer gegen das faszistische Regime sei. Er achte das Asyl­recht und wache darüber selbst in Italien. Aber man dürfe es nicht verwechseln mit dem Miß­brauch des Asylrechts. Sicherlich genüge eine einfache verLal.ungstechnische Volizeimaßnahme, um diese Unruhestifter zum Schweigen zu brin­gen. Eine übergroße Empfindlichkett habe stets zwischen Frankreich und Italien gerade wegen ihrer ständigen Beziehungen und großen Sym­pathie für einander bestanden. Der Einfluß der Zeitungen eines anderen Landes, z. B. Deutsch­lands, sei in Italien gleich Dull, aber die in Paris erscheinenden Zeitungen hätten stets einen tiefgehenden Widerhall gefunden.

Hinsichtlich des Tangerstatuts seien die Schwierigkeiten auch beseitigt. Die englische Regie­rung habe darauf bestanden, daß Italien dem Tan- aerstatut b e i t r e t e. Die vorgesehene Lösung gebe Italien volle Genugtuung. Mussolini schloß, er hege keinen Zweifel, daß nach den letzten Zwischenfällen Frankreich und Italien in eine Periode aus­gezeichneter Beziehungen eintreten wür­den. Er habe niemals eine gesunde europäische Po­litik ohne eine enge französisch-italie­nische Entente ins Auge gefaßt. Er habe an­geordnet, daß die Polemiken in den Zeitungen ein­gestellt werden. Es werde im Parlament zum Aus­druck gebracht, was er gegenüber Frankreich fühle. Er werde dabei erklären, daß die Politik Briands von einem feinfühligen sympathischen Verstehen für die Bestrebungen und die Bedürfnisse Italiens beeinflußt gewesen sei.

Abschluß der Konferenz von Odessa.

Odessa, 15. Dov. (Wolff.) Vor seiner Ab­reise erklärte Tewfik Duschdi Beh dem Sonder­berichterstatter der Telegvaphenagentur der Sow­jetunion u. a.:Ich fuhr in froher Stimmung nach Odessa und verlasse es auf das tiefste ge- irührt durch den uns hier zutell gewordenen Empfang. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern möchte ich brüderlich nennen. Tschitscherin «und ich unterhielten und lange, nicht nur als Vertreter zweier Staaten, sondern auch als Freunde, die durch sechsjährige Freundschaft miteinander verbunden sind. Unser Zusammen­treffen wird eine neue Befestigung der Beziehun­gen zwischen der Türkei und Sowjetruhlcmd zur Folge haben. Es kann keine Rede davon sein, dah in der gegenwärtigen Außenpolitik der Türkei irgendwelche prinzipiellen Aenderungen eintreten. Die Türkei ist bereit, zu allen Ländern fteund- schaftliche Beziehungen zu unterhalten und gibt Den westlichen Mächten gegenüber denen des Ostens keinen Vorzug." Dach der Uebergabe eines Kommuniques an die Pressevertreter Der» l brachten Tschitscherin, Tewfik Auschdi Dey und der türkische Botschafter in der Sowjetunion, Zekiai, F noch drei Stunden zusammen in fteundschastlicher Unterhaltung. Um 4Vs Uhr begab sich Tewfik ' Ruschdi Beh mit Tschitscherin und -3efiai zum Hafen, wo er sich von ihnen herzlichst verabschie­dete und an Bord derHamidie" ging, die gegen 6 Uhr Odessa verlieh.

Die Abstimmung in den englischenGrubenbezirkren

London, 16.Dov. (541.) Die Abstimmun­gen über die Annahme oder Ablehnung der Re­gierungsvorschläge in den einzelnen Gruben- bezirken haben begonnen. Die Selegiertenlonfe» renz im Bezirk von S ü d w a l e s, ber stets als Hochburg der Extremen angesehen wurde, hat sich gestern für die Annahme des Ge­richts entschieden. In V o r k s h i r e haben die Bergarbeiter die Friedensvorschläge gestern nach­mittag mit überwältigender Mehrheit ange - genommen. In Schottland und in an­deren Bezirken wird die Entscheidung zugunsten der Annahme als gesichert angesehen. Dach einer Mitteilung desStar" sind die Zuständigen Re­gierungsstellen mit der Ausarbeitung des Ent­wurfes für die Einführung des nationalen Schiedsgerichtshoses beschäftigt. Die Arbeiten sollen so beschleunigt werden, dah der Entwurf dem Kabinettsrat am Mittwoch vorgelegt wer­den kann.

Die Vorbereitung der Weltwirtschaftskonserenz.

Genf, 15. Dov. (TU.) Heute vormittag wurde hier die zweite Tagung der vorbereiten­den Wirtschaftskommission eröffnet. Der Präsi­dent T h e u n i s erhärte, dah sowohl der Völle» bundsrat als auch die Vollversammlung im Sep.ember den Standpunkt eingenommen hätten, daß die vorbereitende Wirtscha tskommis ion völ­lige Freiheit in der Durchführung ihrer Arbeiten und in der Vorbereitung der endgültigen W rtscha tswmmission habe. Er wies dann auf die bekannte Entschließung der Vollversammlung hin, in der im Hinblick auf die.allgemeine Wirtschaftslage der Welt eine beschleunigte Einberufung derWelt- wirtscyastskonferenz,trenn möglich,noch im Frühjahr nächsten Lahres ge ordert wird. Die Aussichten für die Einberufung hätten sich seit der letz en Tagung der Wirtscha tSkommils-on

wesenftich gebessert. Die Kommission habe die Aufgabe, festzustellen, welche großen internatio­nalen Fragen der Weltwirtschastskonserenz vor­gelegt werden sollen. Der Vorsitzende betonte besonders, daß die W r.schaftslommisfion ledig­lich die Aufgabe habe, ein Arbeitspro­gramm für die Weltwirtschaftskonserenz aus- zuarbei.en. Es sei nicht Aufgabe der Kommiffton, die einzelnen großen wir.schaftlichen Probleme materiell durchzudiskutieren. Theunis schlug dann das Arbei.sprogramm für die nächste Zeit vor, das in erster Linie Verhandlungen mit dem Auslande vorsreht. Hierauf gab der französische Arbeiterdelegierte Iouhaux im Damen der in der Kommission vertretenen Ar­beiter eine Erklärung ab, in der das Pro­gramm der Arbeiter für die Weltwirtschafts- tonferenz gekennzeichnet wird. Es wird darin die Au.arbei ung ei. es umr.s enen Programms ge or­dert, das in erster Linie folgende fünf Punkte enthalten müsse:

1. Stabilisierung der Währung.

2. Beseitigung der Hemmungen des inter­nationalen Handels.

3. Industrielle Abkommen mit Gewährung von Rechten an Arbeiter und Verbraucher.

4. Organisation der Ein- und Auswanderung und

5. Organisation einer ständigen Wirtschafts­zentrale beim Völkerbund.

Zum Schluh teilte der Vorsitzende der inter­nationalen Handelskammer, der englische Delegierte Sir Arthur Balfour, mit, dah die interna­tionale Handelskammer, die die Organisation von 42 Staaten umfasse, bereit sei, ihr gesamtes Ma­terial der Wirtschastskommis ion zur Vcr.ügung zu stellen. Heute nachmittag um 3 Uhr treten die drei Unterkommissionen A, B und C der vorbereitenden Wirtschaftskonferenz zusammen.

Reichsfrauentag der DeutschenVolkspartei

Jena, 15. Dov. (WTB.) Im weiteren Ver­lauf der Reichsfrauentagung der Deutschen Volks­partei sprachen grau Osk» Liegnitz und Frau P l e i n e s - Frankfurt über das Ausland- Deutschtum. Tie Tagung nahm eine Ent- schliehung an, in der zur opferwilligen Arbeit an der Stärkung des bedrohten Deutschtums aufgerufen wird. Zur Außen­politik wurde eine Entschließung angenommen, in der fest gestellt wird, dah nur aus der klaren E» fenntniS unserer Lage und der realpolitisch ge­gebenen Möglichkeiten eine richtige Einstellung gewonnen werden kann. Ein anderer Weg als der der friedlichen Verständigung sei für Deutschland nicht gegeben. Diese Verständigung müsse aber getragen sein von nationaler Wurde. Die Entschließung erkennt an, daß die gegenwärtige Leitung unserer Außenpolitik diese Forderung erfüllt hat und spricht dem Reichs­außenminister herzlichen Dank für die erfolgreiche Arbeit aus. Zur Frage des Völkerbundes wurde eine Entschließung angenommen, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, dah eine stärkere Heranziehung von Frauen als Mitglieder der Telegationen und als Sach­verständige erfolgt. Weiter nahm die Tagung eine Entschließung zu dem Gesetzentwurf gegen Schmutz- und Schundschriften an, in der die baldige Verabschiedung des Gesetzentwurfes gefordert, aber auch 5um Ausdruck gebracht wird, dah dem wahrhaft deutschen Geistesleben die Freiheit erhalten bleiben müsse.

Ein neuer Kutiskerprozetz.

Berkin, 15. Dov. (Wolff.) Vor dem Schöf­fengericht Berlin-Mitte begann der neue Prozeß gegen Iwan Kutisker, sowie die früheren Direk­toren der Preußischen Staatsbank, Finanzrat a.D. Dr. Rühe und Oberftnanzrat Dr. Hellwig wegen Vergehens gegen die Kapital­flucht und Devisengesetzgebung. Da der anwesende Gerichtsarzt Kutisker für völlig verhandlungsfähig erklärte, wurde in die Ver­handlung eingetreten. Sowohl Kutisker wie Dr. Rühe und Dr. Hellwig bestritten, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Alsdann versuchte der Vorsitzende mit dem Banksachv erständ ig c n Gskeles die bank- und devisentechnische Grund­lage des Prozesses zu klären.

Im weiteren Verlauf der Verhandlungen bekam Iwan Kutisker einen Anfall. Rechts­anwall Dr. Dübell beantragte darauf, festzustellen, ob Kutisker auch jetzt noch verhandlungsfähig sei. Dies wurde von Dr. Dansie, dem anwesenden Arzt der Charitß, bestätigt. Dem Antrag Dr. Dübells, Professor S e e I e r t als Gerichtsarzt und Geheimrat H i s von der Charitß als Gut­achter hinzu-uziehen, wurde vom Gericht statt- gegeben.

Zeitungsschau.

Die Politik der Deutschnationalen im Reichs­tag erfahrt in der Presse lebhafte Erörterung. DieKölnische Zeitung" nennt die deutsch­nationale Taktik, sofern sie den Eintritt der Par­tei in die Regierung vorbereiten sollte, einem Versuch mit untauglichen Mitteln" und fährt dann fort;Dun ist freilich die Auffassung laut, geworden, daß die Deutschnationalen bewuht auf die Große Koalition hingearbeitet hätten, um diese an der Schwere ihrer Aufgaben sich selbst ad absurdum führen zu lassen und inzwischen durch hemmungslose Opposition ben Boden für Parteigeschäfte bei Deuwahlen des Reichstags zu bereiten. Wir sind über die Beweggründe der Deutschnationalen im einzelnen nicht unter­richtet, glauben aber aus vorhergegangenen Aeu- ßerungen ihrer Presse schließen zu sollen, daß sie die Große Koalition von vornherein für ausgeschlossen gehallen haben. Wenn man später lesen konnte, die stille Große Koalition habe un­möglich gemacht werden sollen, so ist als Erfolg das genaue Gegenteil eingetreten: hatten bisher die Deutschnationalen bei dem System der wech­selnden Mehrheiten die Möglichle t, wenigstens auf die innere Politik in einer Art stiller, groß­bürgerlicher Koalitton Einfluß zu nehmen, so haben sie sich diesen Weg selbst verbaut und die Regierung dazu gereizt, auch für die innere Pol.tck die 3-.lammenarbeit m.t d r So.ftald mo° fratie zu suchen uni), wie fjgura zeigt, mit Erfolg. Der Verständigung über die Erwerbs- losensürsorge zwischen den Parteien der - amt­lich nicht bestehenden Großen Koalitton wer­den von SaH au Fall andre Verständigungen folgen auf Grund immer neuer Zugeständnisse an die Sozialdemokratie. Diese Partei verlangt, daß die Regierungsparteien vor der Einbringung von Gesetzesvorlagen mit ihr Fühlung nehmen, und wie sollte die Regierung das in ihrer gegen­

wärtigen Do klage ablehnen können! Damit haben wir also jetzt die stille Große Koalition, die die Deutschnationalen verhindern wollten, in optima forma, das heißt beherrschenden Einfluß der Sozialdemokratie ohne Verantwortung!

Da in der Politik noch mehr als sonst im Geben der Erfolg die Zensur Richtia oder Verkehrt nus* stellt, lautet sie also hier auf Verkehrt. Darüber darf alles Verständnis für die innere Berichtigung der Absicht der Deutschnationalen, das politische Schick- (al zu ihren Gunsten zu wenden, nicht hinweg- täufcpen. Sie haben sich in der Wahl des Mittels zur Durchsetzung ihrer Absicht unstreitig vergriffen. Fingerspitzengefühl und politische Psychologie hoben den Deutschnationalen bei ihrem Vorgehen gefehlt; sonst hätten sie sich sagen müssen, daß man auf diele robuste Art eine politische Arbeitsgemeinschaft, die doch eine Regierungskoalition zum mindesten sein muß, nicht nur nicht zusammenschmieden kann, son­dern im Gegenteil psychologisch, stimmungsmäßig unmöglich macht. So haben sie, ba doch nun ein­mal regiert und gearbeitet werden muß, statt der im 9ntereffe der bevorstehenden innerpolitischen Auf. gaben erwünschten großen rechten die große linke Arbeitsgemeinschaft zustande gebracht und, was noch schlimmer ist, auf den Weg zur großen bürgerlichen Sammlung wieder neue Steine gewälzt, deren Ent­fernung je länger desto mehr schwierig ist."

ImD e u t s ch e n s p i e g e l" schreibt Dr. Otto Kriegt: Die Deutschnationalen werden sich jetzt darauf einstellen müssen, daß Versuche zur Bildung der Großen Koalllion einsetzen. Es ist sogar möglich, daß die Große Koalitton im Reich und in Preußen nunmehr zustande kommt, obwohl dazu weder die Deutsche Dolkspartei noch die Sozialdemokraten eigentlich Deigung haben. Dann stehen die ®eutf(^nationalen voll­ständig in der Opposition. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist das ein sehr ernstes Pro­blem. Die Sozialdemokratie kann im Laufe des Winters Gesetze durchdrücken, die der Wirtschaft schädlich sind. Vom parlamentarischen Stand­punkt aus ist diese Klärung dem jetzigen un­haltbaren Zustand vorzuziehen. Was auf die Dauer für Reich und Wirtschaft vor­teilhafter sein wird, das mit Bestimmtheit auszu­sprechen, ist recht schwer. Dimmt man politische und wirtschaftliche Fragen zusammen, dann muh man zu dem Ergebnis kommen, dah die Große Koalition nach etwa sechs Monaten am Ende ist. Es würden Deuwahlen kommen, bei denen die Deutschnationale Dolkspartei nicht üble Aus­sichten hätte. Doch wäre auch hierzu zu bedenken, daß nach dem Muster Sachsens sich reine Inter­essentengruppen zwischen die bürgerlichen Par- teien schieben könnten. Die Wirtschaftspartei ist dabei sehr zu beachten, da sie, je größer ihre Verbreitung wird, sich um so mehr auch poli­tischen Fragen zuwenden muß und dann vorläufig ben Vorteil einer günstigen Position in wirt­schaftlichen Problemen neben einer gewissen Frei­heit des Handelns in der reinen Politik hat.---

Was wir brauchen, ist eine klare Linie im Reichstag, ist eine entschlossene Regierung und ist entschlossener Kampf der Opposition gegen diese Regierung. Auf die Dauer kann nicht eine Min­derheit im Reichstag gegen eine Mehrheit re­gieren. Oder man muh das parlamentarische System wieder abschaffen. Wenn die Wirtschaft unter diesem politischen Kamps leidet, dann bleibt schließlich der Wirtschaft nichts anderes übrig, als sich nun einmal, ohne immer von Tag zu Tag Vorteil und Gefahr gegeneinander abzu- wägen, auf einer etwas breiteren Basis in den politischen Kampf zu begeben und dafür zu sorgen, daß der gesunden Staatspolitik im Reichstag die Mehrheit gesichert wird.

Aus aller Welt.

Der Reichspräsident an den KreuzerEmden".

Der Reichspräsident hat dem KreuzerEmden", der zu einer 17monatigen Weltreise in See ge­gangen ist, folgenden Funkspruch zuaehen lassen: Dem KreuzerEmden", seinen Offizieren und Mannschaften entbiete ich zur Weltreise meine herzlich st en Glückwünsche und kame­radschaftlichen Grüße. Ich bin gewiß, daß das Schiff dem ruhmreichen Namen, den es trägt, und unserem Vaterlande überall in der Welt Ehre machen wird. gez. 0. Hindenburg, Reichs­präsident."

Die Reise des KreuzersHamburg".

Der KreuzerHamburg" ist in Colombo auf Ceylon eingelaufen und geht am 20. November nach Aden in See.

Motorische Kraft aus den Temperaturunte» schieden des Meerwassers.

In der Pariser Akademie der Wissenschaft berichtete der durch seine Forschung über flüs­sige Lust bekannte Gelehrte George Claude über eine Aust eh en erregende Neuentdeckung. Er teilt in der Lage sein, aus dem Meerteasser durch Ausnützung der Temperaturunterschiede zwischen dem von den Tropen kommenden Ober» slächenwasser und dem aus dem Polarmeere kom­menden kalten Wassermengen motorische Straft zu gewinnen. Aus 1000 Kubikmetern warmem und kaltem Wasser pro Sekunde will er 400 000 Kilowatt erzielen.

Die Stadt Berlin kauft Siediungsgetände.

Der Berliner Magistrat hat dem Ankauf der Herrschaft Düppel im Kreise Teltow ein­schließlich des Forstes Dreilinden vom Prinzen Friedrich Leopold zum Gesamtpreis von rund elf Millionen Mark zugestimmt. Der Wold soll als Freifläche zur Erholung der Bevöllerung er­halten bleiben. Für das übrige Land soll ein geräumiger Bebauungsplan aufgestellt werden. Von dem Kaufpreis will eine süddeutsche Hypo­thekenbank gegen Eintragung neun Millionen übernehmen.

Gcohseuer auf dem Bahnhof Lranz.

Auf dem Gelände des Eranzer Bahnhofs (Ostpreußen) brach ein Grohfeuer aus noch nicht geklärter Ursache aus. Die große Schuppen­anlage hinter dem Bahnhofsgebäude, die die Lokomolivwerkstatt und den Lokomotiv- und Wagenschuppen enthielt, geriet Plötz.ich inDrand. Der ganze Komplex war binnen kurzem e i n wogendes Flammenmeer. Es gelang, eine Lokomotive und eine Anzahl von Wagen in Sicherheit zu bringen, doch sind acht bis zehn Wagen vernichtet worden. Der Schicppen brannte vollständig nieder.

Line Räuberbande in Holstein.

In Holstein teuroe nunmehr eine Räuber­bande unschädlich gemacht, die in der letzten Zeit die ganze Westküste Hol st eins un­sicher gemacht hatte. Bei dem Versuch, die Räuber, die von den berüchtigten Brüdern Rei­mer aus Krempel geführt wurden, dingfest zu machen, kam es zu einem Feuergefecht mit

der Polizei, bei dem der jüngere der beiden Brüder erschossen wurde. Die übrigen konn­ten verhaftet werden.

vier Tote bei einem Brande.

Ein schweres Brandunglück, das den Tod von vier Personen zur Folge hatte, ereignete sich in dem Straßburger Vorort Rupprechtsau. Meh­rere Personen sprangen durch die Fenster auf die Straße und wurden schwer verletzt.

Ein Artist tödlich verunglückt.

In Kolbera verfehlte der Attist Rozlaws, der mit dem ZugstückFahrt eines Autos über den Körper" viele Zuschauer anlockte, die genau bezeich­nete Stelle und zerfleischte mit dem Vorderrad ben Hals des Artisten.

Ein Deutscher In Frankreich ermordet.

Der Sohn eines Estena^er Faorilbesitzers wurde auf einer Geschäftsreise in einer füb- französischen Stadt ermordet und seiner Barschaft beraubt. Er starb im Krankenhaus, ohne das Bewußtsein wieder­erlangt zu haben. Die amtliche Untersuchung ist im Gange.

Unwetterkatastrophe in Tokio.

In einem noroliJKn Vorort der Stadt ent­stand durch Blitzschlag ein großer Brand, dem 14 Fabriken und 50 Häuser zum Opfer fielen. In einem anderen Vorort wurden weitere 15 Fabriken und 250 Häuser durch Feuer ver­nichtet. Tausende von Menschen sind obdachlos. Der Schaden wird auf 500 000 Pen geschätzt.

21ns der Provinzialhauptftadt.

Gießen, den 16. Dovember 1926.

Jur Beachtung -

Am Mittwoch, 17. November, erscheint der Giehener Anzeiger" nicht. Infolge eines lieber- einkommens mit unserer technischen Mitarbeiterschaft fallt bet ihr tariflich zustehende achte Feiertag lm Jahre bis auf weiteres auf den preußischen Duh- und Bettag.

Verlag desGießener Anzeigers".

Verbrennungen.

Zu den häufigsten Verletzungen des täglichen Lebens gehören die Verbrennungen, unter denen besonders die Hausfrauen und die Hausangestell­ten bei ihrer Arbeit in Küche und Haushalt zu leiben haben. Benzin, Spiritus, Petroleum, heißes Wasser und heißer Dampf sind die ge­wöhnlichen Anlässe.

Die Aerzte unterscheiden drei bzw. vier Grade von Verbrennungen. Der er ft c Grad, gekennzeichnet durch Rötung und Schwellung, entsteht meist dann, wenn heiße Gase und Dämpfe, heißes noch nicht sieden­des Wasser kurze Zeit auf die Haut ein­wirken. Bald nach dem Vorfall setzen die Ver­änderungen unter Schmerzen ein, gewöhnlich ist nach einer halben Stunde der Höhepunkt schon überschritten, nach wenigen Tagen ist alles wie­der abgeheilt. Die Verbrennung zweiten Grades ist durch Blasenbildung gekenn­zeichnet. Sie wird meist durch Gasexplosion, durch, kochendes Wasser oder heißes Metall hervor- gerufen, die nur kurze Zeit mit der Haut in Berührung bleiben. Dach wenigen Minuten schie­ßen auf der hochroten Brandstelle unter heftigen Schmerzen Blasen auf, die zusammenfliehen und recht stattlichen Umfang annehmen können. Erst nach mehreren Stunden haben die Blasen ihre volle Gröhe erreicht, um nach zwei bis drei Tagen mit dem Eintrocknen zu beginnen. Der Helle In haft trübt sich eitrig, die Blasen fallen ein und trocknen zu einer Zf rüste zusammen. Es dauert etwa acht bis zwölf Tage, bis der Schaden wieder beseitigt ist. Bei dem dritten Grade sieht die verbrühte Haut weiß oder grauweiß aus,- sie macht einen eigen­tümlich marmorartigen toten Eindruck: oft fin­det sich auch ausgedehnte Blasenbildung, Für Flammenverbrennungen ist ein Brand­geruch charatteristisch, der an ungebrannte Wolle oder Horn erinnert; die Haare sind abgesengt, bte Haut ist vielfach ruhig und von rötlichbrauner Farbe. Je tiefer die Verbrennung reicht, desto härter ist die Beschaffenheit des Gewebes. Unter Eiter und SHorfbildung heilt die Verbrennung dritten Grades oft erst nach Wochen ab und hinterläßt nicht selten entstellende Darben, die gegebenenfalls chirurgischer u. orthopädischer Be­handlung bedürfen. Der vierte Grad der Verbrennung, die Verkohlung, kommt beim Leben­den nur ausnahmsweise vor. Mit ausgedehnten und tiefgreifenden Verbrennungen sind fast stets ernste Allgemein st örungen, wie Unruhe mit anschließender Benommenheit, Erbrechen, Fieber, usw. verbunden, die in den schweren Fällen unter Atemlähmung zum Tode führen können. Wenn mehr als ein Drittel der Körperoberfläche verbrannt ist, ist das Geben im höchsten Grade gefährdet.

Die Behandlung richtet sich nach dem Grade der Verbrennung. Bei dem e r ft e n Grade genügt Einpuder n; Salben begünstigen die Blasenbildung. Bei den höheren Graden fommen Dorsalbenverbände oder Bran dlinimente in Frage. Gröhe Blasen, die Schmerzen bereiten, können selbstverständ­lich nur vom Arzt geöffnet werden. Der ausgedehnteren Brandwunden wird man herz­stärkende Mittel verabreichen. Da diese Verbrennungen als Vergiftungen angesehen werden, muh der Körper durch reichliches Trin­ken, mit Hilfe von Wasserklhstieren oder Kochsalzeinsprihungen gründlich durch­gespült werden. Auf alle Fälle ist bei aus­gedehnteren und tiefgreifenden Derbrermungen umgehend ärztliche Hilfe zu rufen.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Butter 160 bis 180, Matte 35 bis 40, Wirsing 6 bis 10, Weißkraut 4 bis 8, Rotkraut 8 bis 12, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Unter-Kohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 20, Rosen­kohl 45, Feldsalat 83 bis 100, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5 bis 6, Aepfel 15 bis 35, Dirnen 10 b-S 30, Düsse 90, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 110 Pf. das Pfund; Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.; Eier 16 bis 18, "Blumenkohl 50 bis 160, Endivien 8 bis 20. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pfennig das Stück.

Wettervoraussage.

Temperaturen nachts etwas niedriger, sonst wenig verändert, vorübergehende Verschlechte- \ rung, im ganzen wenig Aenderung des herrschen­den Wetters.