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Samstag, 16. Oktober 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Ui. 245 Zweites Blatt

sind

Der älteste deutsche Münzname ist Pfennig, der aber im Wert nicht dem heutigen gleich­namigen Geldstück entsprach, sondern eine all­gemeine Bezeichnung war. So sprach man von Gold- und Silber-, von Denk- und Sparpfennigen, und erst im 18. Jahrhundert begann man. kupferne Pfennige zu prägen. Ob der Raine von dem keltischen Wort pen (Kopf) oder von Pfand, althochdeutsch phantinc, pending herzuleiten rst, hat man bis heute nicht geklärt. Die andere älteste Werteinheit, nach der man rechnete, war der Schilling, der ursprünglich dem Wert einer Kuh und damit dem römischen solidus entsprach. Erst im Mittelalter wurden hauptsächlich in Rorte deutschland Münzen dieses Ramens geprägt., und in Hamburg, Lübeck, Holstein und Mecklenburg haben sie sich bis zur Einführung der Reichs- rnünzen behauptet, während sie in England noch heute das herrschende Geldstück sind. Erne sehr verbreitete Silbermünze war durch Jahrhunderte der Groschen, der im Werte 12 Pfennigen (De­naren) gleich kam. Man nannte ihn deshalb in Frankreich denarius grossus und in Böhmen, wo Wenzel II. sie prägen ließ, grossi pragensis und später tschechisch groschi, woraus der Rame Groschen entstand. Seine verschiedenen Arten be­legte das Volk nach charakteristischen Merkmalen mit treffenden und witzigen Bezeichnungen. So nannte man eine gewisse Sorte Dauerngroschen. weil der gemeine Mann die schlecht geprägten Schuhhelligen mit ihren Stäben für Bauern mit Knütteln ansah. Andere Münzen hießen Marien- groschen nach dem Bild der heiligen Maria, Schlldgroschen nach dem Wappenschild, Horn- groschen nach den Düffelhörnern des Thüringi­schen Helmes usw. r «

Doch heute bekannt und in Sprichwortes und Redensarten oft verwendet, ist der Hell^, eine kleine Silbermünze aus der Stadt Hall und danach Haller, Häller, Heller genannt. Eine andere, häufige, kleine Münze hieß Schers, was von Scherbe gleich Bruchteil kommt, und sich

Erzbergers Kriegsziele.

Neue Dokumente aus dem Aktenwerk des Großadmirals von Tirpitz.

vor der britischen Reichsionserenz

Bon unserem F. H.-Berichterstatter.

In dem soeben in der Hanseatischen Ver­lagsanstalt, Hamburg 36. erschieiienen Buche des Großadmirals von TirpitzDeutsche Ohnmachtspolitik imWeltkrrege" verbreitet sich der Verfasser auch über die Kriegsziele und erzählt, wie ihm der Aw geordnete Crzberger unter dem 2. Septem­ber 1914 eine Denkschrift mit sei­nen Kriegszielen überreicht habe. Da der Abgeordnete Erzberger diese Denk­schrift in seinem groben Erinnerungsbuche verschweigt, veröffentlicht Tirpitz diese Denkschrift Erzbergers nunmehr in seinem neuesten Buche. Erzberger schreibt:

Das Ziel des gegenwärtigen Weltkrieges ist nach der wiederholt ausgesprochenen Absicht der Gegner Deutschlands die Zertrümmerung des Deutschen Deiches und die Auflösung von Oester- reich-Ängarn. Die deutschen Siege haben bereits das eine Resultat gezeitigt, daß dieses Ziel nicht erreicht werden wird. Das blutige Ringen des deutschen Volkes in Verbindung mit den Anstren­gungen Oesterreichs erheischt die dringende Pflicht, die folgen des Sieges so auszunutzen, daß

Deutschlands militärische Oberhoheit auf dem Kontinent für olle Zeiten gesichert

ist daß das deutsche Volk sich mindestens 100 3d)re ungestörter friedlicher Entwicklung er-

Um so tragischer berührt cs daher, wenn man sicht, was tatsächlich dieseProbe aufs Exempel" für Folgen für die Arbeit der britischen Imperialisten gehabt hat. Heute, zwölf Jahre nur, nachdem die Dominions dem Mutterlands Gefolgschaft leisteten, kan man erkennen, daß das erstrebte Ziel der Im­perialisten burd) den Krieg zu einer fast nicht mehr zu verwirklid)cndcn Belleität geworden ist: Die ein­heitliche Berfassung des Reiches ist ebenso fast^zur Unmöglichkeit geworden, wie die Füh­rung der reichsbritischen Politik durch das englische Musterland. Die Kolonien und Dominions, die einst sich um die Führung der Geschäfte im englisä)en Auswärtigen Amte nicht kümmerten, verlangen heute nicht nur ein Mitbestimmungsrecht, sondern drohen auch, eine Politik auf eigene Fa u st zu treiben, wenn nicht ihre, sondern die englischen Interessen in den Vordergrund gestellt werden. Aus der Einigkeit des Jahres 1914 ist dieBeinahe Auflösung von 1926" geworden.

Das trifft sich um so merkwürdiger, als gerade dieses Jahr nach der Meinung der heute führenden Schacht England die Schiedsrichter­rolle im Konzert der europäischen Völker wie­dergegeben hat, um die England seit hundert Jahren gerungen hat. Das Werk von Lo­carno, das die Grenzen zwischen den allen Rivalen Deutschland und Frankreich aus dem Kontinent so regelt, daß keiner von beiden dem anderen etwas in Zukunft zuleide tun kann, ohne seine eigene Stellung zu gefährden, und das gerade damit eine Art labilen Gleich­gewichtes an der Stelle schafft, an der Eng­landseit Hannover" interessiert ist, wird von den Dominions und den Kolonien nicht aner­kannt, well sie zu verspüren glauben, daß diese Verträge zum erstenmal auch seit hunderte,i von Jahren das Sd)icksal Englands unauflöslich mit dem des europäischen Kontingents verknüpft ha­ben. Locarno geht, so behaupten sie. gegen das Interesse der Kolonien und Do­minions. well es Europa nicht mir den englischen Wünschen unterordnet, sondern auch umgekehrt England in das Konzert der europäischen Mächte einordnet. Die Llnlösbarkeit der Fessel Locarno ist bekannt­lichfür die Ewigkeit" geschlossen, formte dafür, daß die Vormachtstellung der Briten sehr bald zu Ende sein und damit die nachteilige Selle der Angelegenheit für England wirksam

zu wahren, oder welche nicht den Willen besitzen, neutral zu bleiben. Das zweite Ziel ist die Be­seitigung der für Deutschland unerträglichen Be­vormundung Englands in allen Fragen der Welt­politik. das dritte die Zersplitterung des russi­schen Kolosses. Alm diesen Preis ist das deutsche I Volk in den beispiellosen Kampf gezogen.

Wan darf daher als Mindestforderung eines Kriegsabschlusses bezeichnen:

A. Belgien.

Das mit soviel deutschem Blut erworbene Land kann unter keinen älmständen seine bis­herige Stellung behalten. Für eine Aufteilung unter angrenzende Staaten liegt kein zwingender Grund vor. In welcher Weise das Land staats­rechtlich behandelt. wird, ist Gegenstand späterer Erwägung. Erreicht werden muß unter allen Umständen, daß Deutschland die mili­tärische Oberhoheit über das Land erhält, und zwar nicht nur über Belgien, son­dern über den ganzen französischen Küstengürtel, der sich über Dünkirchen-Calais bis Boulogne erstreckt,' ebenso rwtwendig ist der deutsche Besitz der englischen norm an ni sch en Inseln, die Cherbourg vorgelagert sind. Rur hierdurch ist das deutsche Volk aus der Mause­falle der Rordsee befreit, hat stets ungehindert Zutritt zum Weltmeer und braucht Englands Repressalien weder im Krieg noch im Frieden zu fürchten. Schon Rapoleon I. hat Belgien als die Pistole bezeichnet, die auf Eng­land gerichtet sei. Kein zweiter Moment in der Weltgeschichte wird für die Erfüllung berechttgter deutscher Wünsche so günstig sein wie der der- zeittge. Ob Belgien künftig als Bundesstaat dem Deutschen Reiche beitritt, oder ob es in einem unter deutscher Leitung stehenden europäischen Staatenbund ausgenommen wird, braucht heute nicht erörtert zu werden. Gesichert sein muß

hauptsächlich in der Form Scherflein erhalten hak. Lieberhaupt sind eine Anzahl Münznamen nur noch in unkenntlicher Form im Gebrauch. So kommt der ursprünglich studentische Ausdruck berappen von der Freiburger Münze, die man Rappen nannte, und zwar nicht etwa nach einem aus­geprägten Pferde, sondern weil das Volk den Vogelkopf im Freiburger Stadtwappen für einen Raben hielt.

Reben diesen offiziellen Münznamen, von denen man noch Kreuzer (von Kreuz) und Batzen (von 'Bär, Dätz) erwähnen könnte, gab es eine LInmenge volkstümlicher Beinamen, die oft nur in gewissen Gegenden bekannt waren. So nannte der Dolkswitz ein Geldstück Schnapphahn, weil der ausgeprägte St. Georg einem Raubritter ähnlicher sah als einem Helligen. Eine holsteinische Münze hieß Schwimmer, weil sie so leicht war, daß sie auf dem Wasser schwamm, und ein Geldstück der schwedischen Besatzung in Deutsch­land Seufzer, weil sie niemand ohne Klagen annahm. Im Gegensatz hierzu drücken Bezeich­nungen wie guter Groschen, Dickthaler und im Oldenburgischen Schwären (von schwer, nieder­deutsch swar) die Zufriedenheit der Devöllerung aus. Häufig sind auch in diesen Ramen die Zusammensetzung mitMännchen" nach dem aus­geprägten Kopf des Münzherrn, wie Kasten- männchen, Petermännchen usw.

Man sollte die Erinnerungen an diese alten, vollstümlichen Dinge etwas mehr pflegen, well man nicht Weitz, wie lange es dauert, bis auch sie von dem lebhafteren, aber färb- und poesie­loseren Strom unserer Zell hinweggespült ist.

Fünfte Schulmufikwoche.

Am Donnerstag behandelte Dr. Hans Mers­mann (Berlin) in einem Dorttag die Bedeutung des Volksliedes für das Musikoerstandnis. Dem Redner zufolge besteht zwischen dem Volkslied und dem musikalischen Kunstwerk kein Gegensatt sondern es lassen sich viele Zusammenhänge zwischen dem

werden könne. Frankreich und Deutschland brauch- I ten sich nur zu versöhnen oder ihre Gegensätze I auszuglcichen, um mit einem Schlage England I im Dreieck Frankreich-England-Deutschland nicht I als die stärkste, sondern als die schwächste Macht erscheinen zu lassen.

Diese Selle der Locarnoverttäge, die die I Imperialisten mit Erbitterung Chamberlain vor- I halten, braucht man allerdings nicht auf sein I Konto zu setzen. Denn die Konzeption der Grund- I idee zu den Locarnoverttägen stammt eben nicht I aus der Schule der jetzigen Konservativen, son­dern noch aus der Kriegseinstellung der Li- I beralen. die die Einstellung von 1914 den kon­tinentalen Dingen gegenüber bis auf den heutigen Tag nicht überwunden haben. Die Angst, daß I ein über Frankreich t 'iumph irrendes Deutsch- I land im Stande sein würde, England den Todes­stoß zu versehen jene irrige Auffassung, die in der Flotten- und Kolonialpolitik Deutschlands vor dem Kriege ihre Llrsache hat liegt ja 1 so sehr Locarno zugrunde, daß man in fast allen Zügen des Vertragswertes sie erkennen Imin. Aber so sehr die Meinung Englands noch heute diese psychologische Einstellung zu rechtfertigen sucht die Dominions sind eben | nicht darüber zu täuschen, daß sie zu einem politischen M i h g r i s f e geführt hat. Denn Lo­carno verhindert es, daß sich England in seiner künftigen Politik auf Deutschland stützen kann und macht es somit unmöglich, daß die Posi­tion, die den Kontinent beherrscht. nämlich die deutsche der englischen je wieder zu Diensten wird. Lind das ist eben den Dominions zu viel. Ein Land, das sich nicht mehr zu schützen vermag, und zugleich seine beste geo- polllische Position auf dem Kontinente ausgibt, kann nicht mehr als Führer anerkannt werden.

Der Krieg, der als Einiger der englischen Stämme gedacht war, führte somit zur Schwä­chung der Stellung des Mutterlandes auf dem Kontinent und brachte damit die entgegengesetzte Wirkung hervor, wie seinerzeit der deutsche Krieg gegen Frankreich. Deshalb hat er auch die Eini­gung der englischen Stämme nicht gefördert, sondern, wie sich das jetzt zeigt, erschwert. Das ist der Gedankengang, aus dem heraus man die Dinge der kommenden Reichskonferenz Der« folgen muh, wenn man sie in ihrem richttgen I historischen Lichte sehen will.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Als vor etwa vier Jahrzehnten das konserva­tive Ministerium Salisbury Vertreter der ubcr- ceischen Kolonien des englischen Mutterlandes zu Gnnfnroni nn* Onr.hnn hPticf, bcftirtÖ MNN Zeitalters. Die

unter allen Llmständen unser Zugang zum Meer südlich des K an a l s unter An­legung von Kohlenstationen, Kriegshafen usw.

B. Frankreich.

Große Gebietsabtretungen von Frankreich dürften kaum in Betracht kommen Llnentbehttich ist die Abtretung des oben bezeichneten an gien unmittelbar angrenzenden Gebiets, <-nne berechtigte Forderung der deutlchen Industrie geht dahin, daß das 9^a"ite jui« nettegebiet von Französisch' olv - ringen unter deutsche H r sch a s t komm,, um eine zweckentsprechende desselben herbeiführen zu können. Der alte Wunsch des Jahres 1870. Über Bel s 0 r t dauernd die deutsche Flagge wehen zu sehem ist erneut begründet. Wenn Frankreich zur Schlei­fung seiner Grenzbefestigungen gezwungen wer­den kann, ist das ein weiterer Gewinn.

C. Rußland.

Das schwierigste Problem für den Ottiedens- schluh ist zweifelsohne die Gestaltung im Osten. Sd)wicrig wegen unserer inncrpolitischen Verhält­nisse. schwierig, weil Deutschland hier allein nicht entscheiden kann, sondern sich mit Oester­reich ins Einvernehmen zu sehen hat. Das Ziel dürste sein: Befreiung der nichtrussi­schen Dölkcrschafteii Dom Joch des Moskowitertums und Schaffung von Selbstverwaltung im Innern der einzelnen Völ­kerschaften. Alles dies unter militari scher Oberhoheit Deutschlands, vielleicht auch mit Zollunion. Ein selbständiges unab­hängiges Polen dürste berechtigten deutschen Interessen widerstreben und kömlle im Lause ter Jahre leicht zu einempolnischen Serbien" sich auswachsen, das dann Deutschland und Oester­reich große Schwierigkeiten bereiten mußte. Die russischen Ost s e e p r 0 vi n z e n mit ihren kräf­tigen Döllern können teilweise Preußen ange- I gliedert werden, oder selbständige Staaten mit militärischer deutscher Oberhoheit werten: usw.

Volkslied und den höheren Kunstformen feststellen. Alles, was sich tert in größerem Umfang findet, ist im Volkslied im Kern enthalten. Von der kleineren Form aus ist das Verständnis der größren zu er­schließen.

Professor D. Arnold Mendelssohn (Darm­stadt) sprach überDie Bearbeitung von Volks­liedern für die Schule". Er schickte seinem Thema eine Begriffsbestimmung des Volksliedes voraus, streifte die Frage der Entstehung von Volksliedern. Am Klavier zeigte er, wie die Melodie des Liedes von MozartKomm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün" vom Volk verändert wurde, die ursprüngliche Melodie sich aber in dem Lenzi gedicht derMeistersinger" Wagners wiederfindet. An der Melodie des LiedesIch weiß nicht, was soll es bedeuten?" zeigte der Vortragende, wie Silcher den Ton des echten Volksliedes richtiger getroffen habe üls Liszt. Die Bemerkung, daß man sich die Melodie dieses Liedes nicht Über einen fran­zösischen Text komponiert denken könne, führte dazu, daß 'Professor Mendelssohn den Cha- ratter verschiedener Nationen durch das Spiel ihrer Volksweisen auf dem Klavier kennzeichnete. In seinen weiteren Ausführungen bemerkte der Redner u. a., daß es im Odenwald singende und nicht- singende Dörfer gebe; das fei auf das Wirken des Lehrers zurückzuführen oder auf fein Versäumnis. Weiter gab dann Professor Mendelssohn Richt­linien für die Ausgestaltung des Schulgesangs und schloß mit dem Wunsche, daß unser entoolktes Volk durch das Volkslied wieder zum Volk werde. In dem anschließenden Vortrag zeigte Prof. Dr. h. c. Thiel (Berlin), wie die Heimatkunde für die Schulmusik fruchtbar gemacht werden kann.

Nachmittags begaben sich die Teilnehmer an ter Schulmufikwoche nach Mainz, wo die städtische Musikhochschule in der Liedertafel ein Konzert oerx anftaltete; daran schloß sich eine Begrüßung und Bewirtung der Gäste durch die Stadt McnnH im Kurfürstlichen Schloß, worauf diese noch einem zweiten Konzert in der Liedertafel beiwohnten. u

einer Konferenz nach London berief, bcianö man sich im Höhepunkte des kolonialen 3etta!terv. -tie Welt wurde zwischen den Engländern, den Deutschen und den Franzosen a u f g e t e i l t, und auch die letzten Stücke herrenlosen Gebietes in Attika und in der Südsee standen dicht vor chrer Ucbergabe an europäische Kolonialherren. Zum erstenmal machte sich zugleich das Gewicht des neuengeemia- ten Deutschlands bemerkbar, das da- alle Gleich­gewicht auf dem Kontinente zu crfchutttrn droh.e. Trotzdem fürchtete man damals in England die Deutschen noch nicht allzusehr. Englands allmachttge Flotte beherrschte die Meere und an die kommende Rivalität zwischen der deutschen und der englischen Industrie dachte wohl kaum jemanb. Ja, man sah iogar mit einer gewissen Sympathie auf bas ver- großerte Preußen" unb hoffte, in -hm einen künf­tigen Bunbesgenossen begrüßen zu tonnen

Das Beispiel ber Bismarckschen Politik, die ba- mals noch nicht burd) eine üble Propaganba entstellt mürbe, machte baher auf bie führenden Staats- männer der Well einen tiefen Eindruck. Die Eini­gung von Reichen auf dem Wege ber Zollunion, der Schaffung einer einheitlichen Wehrmacht unb nicht zuletzt der Oktroyierung einer einigenden Ver­fassung, erschien geradezu als das Muster dafür, wie man nur lose zusammenhängende Volksstämme zu einem großen Ganzen verschmelzen tonne. Kein Wunder also, daß damals auch Salisbury bie Probleme des britischen Volkes -unter ten vorge­nannten Gesichtspunkten zusammenfassen zu können glaubte unb ein entsprechenbes Programm vor-

Nur waren eben bie tatsächlichen Verhältnisse anbere. Denn bie Teile bes britischen Imperiums, bie 1887 in Lonbon sich vertreten ließen, waren säst noch felbftänbiger, als es bie Staaten bes Nord­deutschen Bundes vor 1871 gewesen waren, und überdies nicht gewillt, bie ihnen vom Mutterlanb jugeftanbenen Rechte ber Selbstverwaltung frei­willig wieber aufzugeben. Da Englanb bamals noch kein Heer besaß erst in ber Folgezeit schuf bas Genie Kitcheners etwas, bas bieses Namens roürbig war, begünstigt burd) ben Umftanb, baß bittere Er­fahrungen ber Kolonialkriege eine Armee als not- roenbig erscheinen ließen unb bie Flotte zu größeren Aktionen auf dem Lande nicht ausreichte, endlich überhaupt die Politik desBlutes und des Eisens" den liberal-pazifistischen Engländern jener Epoche nicht lag, mußte also das Ziel durch andere Mittel erreicht werden: Die Belebung des imperialen Gedankens, der Austausch geistiger Produkte mit den Tochterländern, endlich eine kluge Politik desdo ut des" mußten das Dismarcksche

Daß Crzbergers Forterungeii auf tolomalem Gebiet nicht bescheiden sind, ist nicht weiter ver­wunderlich. Den Ersah ter Kriegskosten veran­schlagt Erzberger mit 10 Milliarden Mart. Admiral von Tirpitz sagt dazu: Diese art Wünschen alles mir sonst Bekannt- gewordene übertressende LI t 0 p le die trotzdem in der Frage der Kriegsent­schädigung nüchtern und bescheiden ist neben dem Versailler Frieden stammt von dem Tlanne, per später von allen Politikern am haltlosesten in ten sogenannten»neben von Versailles hineintaumelte. Crzberger. dessen Gesinnungsgenossen nach der Rieterlage den deutschenMilitarismus" nicht genug schma- hen konnten, fordert 1914 die deutsche Mili­tärische Oberhoheit über den Konttnent.

Asien und der neue Völkerbund.

Von unserem Dr. 8.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. \ Konstantinopel, Oktober 1926.

Bekanntlich hatte noch zu Beginn dieses Jahres der bevorstehende, später im März durch unerwar­tete äußere Umstände vorläufig vereitelte Ein­tritt Deutschlands in ben Völkerdunb 1 m Orient große Beunruhigung hervor- | gerufen. Wie in Sowjetrußland, so fürchtete man anfänglich auch in allen orientalischen Ländern eine starke, festgeschlofsene Koalition der euro­päischen Großmächte, bie nicht allem die Bekämpfung bes Bolschewismus in Rußland, son­dern als wichtiges Ziel die rücksichtslose gemein­schaftliche Ausbeutung Asiens zum Zwecke hatte. Man fürchtete die politisch und wirtschaftlich aggressiven Absichten eines Bundes, in dem Deutsch­land nach seiner Aufnahme in ben Völkerbunb ben großen imperialistischen Raubstaaten bes Westens I notgedrungen werde Gefolgschaft leisten müssen.

Diese von den Grenzen Polens bis an den Stillen Ozcan sich damals geltend machenden Be­fürchtungen sind jetzt völlig geschwunden. Die Gründe für diese Umstellung sind m erster Linie gewiß auch dann zu suchen, daß man das Wesen bes Völkerbunbes immer deutlicher auch im Osten erkannt hat. Man sah schließlich doch ganz beruhigt ein, daß das in Genf und durch Genf gerade in diesem Jahre so scharf hervortretende Spiel der ge- | Heimen Jntriguen und Verhetzungen zwischen zwei deutlich hervorttetenten feindlichen Heerlagern ge­wiß das letzte und untauglichste Mittel sind, um eine I bie Selbstänbigkeit ber asiatischen Länber gefahr-

Prinzip ersetzen. .

Das sinb bie Grunbtatsachen, bie man sich immer wieber vor Augen hatten muß, wenn man bie Po­litik der englischen Staatsmänner in den Angelegen­heiten des Reiches in ber Folgezeit beurteilen will. Lus ber Unmöglichkeit, einmal gewachsene Dinge wieber zurückzubiegen, unb aus ber Unfähigkeit der englischen Volksseele, einmal gewonnene Anschauun­gen wieder abzustreifen, ergab sich eine Politik ter führenden Staatsmänner, bie man bei uns nicht ver­staub, weil man in Deutschlanb vergessen hatte, wie empfinbliche Nationen zu sein pflegen, wenn bie Handlungen eines anderen Staates unmittelbar in bie Atmosphäre ihrer Innern Politik eingreifen. Wenn man aber biete Schwierigkeit, bie vor allem im Ver­hältnis von Nation zu Nation innerhalb bes bnti- schen Reiches beftbnb, einmal erfaßt hat, bann ist es leicht der Arbeit ber britischen Staatsmänner seit 1887'jene Achtung zu zollen, die man großen Lei­stungen schuldig ist. Die innere Geschichte des briti­schen Reiches seit jenem Jahre bis zum Weltkriege ist die größte und vielleicht tiefreichendste Pa­rallele zu der Wiedererrichtung des Deutschen Reiches, die wir in der Neuzeit kennen. Als 1914 der Krieg ausbrach, war England tatsächlich so weit, baß es nur noch wertiger Jahre beburft hätte, um ber zähen unb klugen Arbeit ter britischen Imperialisten jene Krone aufzusetzen, bie noch fehlte, unb auch nach außen hin bas britische Reich als bas erscheinen zu lassen, was es m ber Phantasie ber europäischen Völker war als e 1 n c verfassungsrechtliche Einheit. Denn ter Ruf zu ben Waffen, ber an bie Dominions von Lon­bon aus erging, war bie Probe auf bas, was in jahrelanger Propaganbaarbeit erstrebt worben war, aber nicht, wie man bas bei uns annahm, eine Selbstoerstänblichkeit.___

freuen kann.

Rur wenn dieses Ziel erreicht wird, die groben Opfer des Krieges gerechtfertigt und nur hierdurch wird ten Wünschen des Volles entsprochen. Don diesem einen Gesichtspunkte aus sind beim Friedensschluß alle Forderungen und Bedingungen zu beurteilen.

Es steht hiernach die Forderung obenan, daß 1 Deutschland nicht mehr dulden kann, an seinen I Grenzen angeblich neutrale Staaten zu sehen, 'welche nicht stark genug sind, ihre Reutralllat

Alte deutscheMünznamen.

Von Dr. Herbert Rette.

Es gibt heute nichts Nüchterneres, nichts waS so von Heimat und Doll gelöst und so unpersön­lich lieblos ist, wie das Geld. An die alten vollstümlichen Münzen werden wir höchstens im Lied oder im Sprichwort oder in den Redensarten eines alten Bauern noch einmal erinnert, aber sonst sind sie weggefegt von ter gleichfö innig machenden Hetzjagd des modernen Verkehrs­lebens; und der gemütliche Taler im Strumpf oder in der Truhe ist ersetzt durch die Flut un­persönlicher und häßlicher Papierscheine, durch den geschäftlich-nüchternen Wechsel und den Scheck und internationale Banknoten und Abrechnungen. Das Geld ist heute nur ein Rechnungsfaktor, die alten Münzen aber hatten ein individuelles Aus­sehen, waren vertraute Gegenstände, zu denen man in freundschaftliche Beziehungen treten konnte. Davon zeugen die vollstümlichen Bezeich­nungen. die man ihnen gab, und von denen wir hier plaudern wollen.

Das letzte volkstümliche Geldstück, das erst 1907 verschwand, war der Taler. Er tourte vor Jahrhunderten zuerst von den Grafen Schlick ge­prägt, die in Joachimsthal große Silbergruben hatten, unb er hieß danach Joachimsthaler. spater einfach Thaler. Er fand in ganz Europa eine große Verbreitung, und der Dollar, der heute in Amerika die Seelen beherrsd)t, ist der Rachkomme des biederen Thalers. In der Zeit der Kipper und Wipper so nannte man die mittelalter­lichen Geldfälscher, kam der Name Strvh- thaler für geringwertige Geldstücke auf. Später nannte man die Geldstücke Friedrichs des Großen, mit denen er den Siebenjährigen Krieg bestrttt, spottweise Ephraimiten (nach Friedrichs Münz- meister Ephraim); auch ging über sie ter Vers um:Auswendig blank, aber inwendig schlimm, auswendig Friedrich, inwendig Ephraim."

15-15OOOM 9utem Geschäft gesucht.

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