Der Poli-eisportvcrein 1 924 Wetz' l a r lieferte sein fälliges Rückspiel in Butzbach gegen die bortigc Polizei. Nachdem er das Vorspiel in Wetzlar nur knapp gewinnen konnte, langte es diesmal nur zu einem Unentschieden mit dem hohen Ergebnis non 4:4. Dieses Resultat kam nach einem sehr schönen und lebhaften Spiel zustande, in dem zunächst beide Mannschaften ein gleiches Können zeigten und Wetzlar zum Schluß etwas nachließ. Nachdem Wetzlar mit 2:0 in Führung gegangen war, zog Butzbach gleich, um dann seinerseits die Führung mit 4:2 an sich zu reißen. Voß, der zuerst Mittelläufer spielte, tauschte mit C a - p e l l o und ging in den Sturm. Wetzlar zog gleich auf 4:4. Dademasch warf allein drei prächtige Tore und war gestern in Hochform. Auf der Gegenseite lieferte der Mittelläufer das beste Spiel. Der Schiedsrichter von Butzbach war im allgemeinen gut, übersah aber vieles.
LLasstLen-RitL Kaffe!—Fulda.
Die erste Reiter st afette Deutschlands wurde am Sonntag unter Mitwirkung von 130 Reitern von Kassel nach Fulda geritten. Die Teilnehmer gehörten fast ausschließlich den ländlichen Reiter'oereinen an. Es nahmen an Bet Stafette teil! die Mitglieder der Reitervereina Kasse!. Gudensberg. Fritzlar, Homberg, Ziegen- ßain, Alsfeld, Schlitz und Fulda. Die Absicht, die Stafette bis Frankfurt a. M. weiterzu- führerr, konnte nicht zur Ausführung gebracht werden, da die Strecke Fulda—Frankfurt a. M. i.ichd mit einer genügenden Anzahl von Reitern besetzt werden konnte. Der Zweck der Stafette war nicht, eine Höchstleistung zu erzielen, sondern die ländlichen Reitervereine zu fördern und zur gemeinsamen Tätigkeit anzuregM. Pünktlich standen die 130 Reiter an der ihnen angewiesenen Stelle, und reibungslos konnte die Strecke von 152 Kilometer in frischem Galopp in der Zeit von 4 Stunden 45 Minuten zurückgelegt werden. Die Stafette überbrachte einen Gruß Bet Stadt Kassel au die Stadt Fulda. Hierauf antwortete die Stadt Fulda gleichfalls mit einem Gruhschreiben.
Es ist in Aussicht genommen, in absehbarer Zeit eine zweite Stafette reiten zu lassen, die die Reitervereine Marburg, Gießen «und Friedberg in Tätigkeit treten lassen wird. Die Stafetten werden veranstaltet von dem Stafettenausschuh der Reitervereine, dessen Vorsitz Oberst Grimm e-Fulda übernommen hat.
Oberhessen.
Eisenbahnverkehrswünsche des Kreises Gießen.
v. Aus der Rabenau, 15. Alärz. Zu dem gestrigen Artikel im „Gieß. Anzeige r" über „Eisenbahnverkehrswünsche' möge ein Wunsch der Rabenau mitgeteilt werden: Wer jetzt mit der Bahn nach Grünberg oder Gießen fahren will, muß um Z Llhr bzw. etwas vor dieser Zeit fahren und kann erst um 2 oder 4 Llhr zurückkommen. Denn während dieser Zeit geht kein Zug, nur Sonntags fährt ein Zug gegen -11 4lhr nach Grünberg, wo man Anschluß an den Miltagszug nach Gießen hat. Dieser Zug ging früher von Londorf ab, auch an Werktagen. nachdem er von Grünberg gegen 9 älhr bis Londorf fuhr und den Anschluß an die Vormittagszüge Fuldä und Gießen aufnahm. Jetzt bleibt Der Zug von morgens 8 41hr bis 1 llfjr in Grün berg liegen. Ware es nicht möglich, diesen Zug (oder einen Triebwagen. D. Red.) wie früher fahren zu lassen? Dem reisenden Publikum wäre viel Zeit erspart und die Mehrausgaben der Reichsbahn würden sicherlich nicht groß sein.
Landkreis Gießen.
f. Klein-Linden, 15. März. Eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung am Sonntagmorgen beschäftigte sich mit dem Antrag auf Bewilligung eines Zuschusses für vier Volksschule r zu einer vom Kreisschularzt vvrge- fchlagenen Erholungskur im Bad. Unter grundsätzlicher Bereitwilligkeit zur Uebernahrne eines Teiles der Kosten beschloß der Gemeinderat, daß vor Festlegung der Summe mit den betreffenden Eltern über die Höhe ihrer eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit verhandelt werden sollte. Die vorangegangene Besichtigung eines Grundstückes zur Anlage eines Obst - ba um stück es als Ersatz für eingegangene und im Feldb>.»reinigungsverfahren der Gemeinde ver- Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
1Z. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Als Grolmans nunmehr im letzten Winter daranging, die Erzgruben im Ural in seinen Besitz zu bringen, hatte Doktor Röder aerobe seine Zelte im Carlton in S. Moritz aufgeschlagen und brachte seine Zeit damit zu, einer bildhübschen Französin die irrige Meinung beizubringen, sie könnte ihm den Kopf verdrehen. Grolmans entsandte eine geharnischte Depesche, die Doktor Röder mit der liebenswürdigen Einladung beantwortete, die Konferenz in St. Moritz abzuhalten, wo gerade mehr schöne Frauen zu sehen seien, als Gott je auf einem Fleck Erde zusammengebracht hätte. Grolmans kannte feinen Mann, verzichtete auf jeden weiteren De- .peschenwechsel, packte Sergej Karaschin mit dessen ganzem Stabe an Zigaretten rauchenden Sekretären und Sekretärinnen in seinen Schlafwagenzug und fuhr ihn nach St. Moritz. Dort gab Doktor iäcbcr zu Ehren des großen Russen ein Diner, bei de'N ein ebenso zahlreicher wie tief ausgeschnittener Dam-aslor vertreten war, der Herrn Sergej Kara- schin in einen Zustand überirdischer Seligkeit ver- i aus dem er erst erwachte, als er wieder in russischen Botschaft in Berlin ankam. Wie er i-'iim hier mit nüchternen, der Realität allein ge- i sfneten Augen sich den Vertrag besah, unter den er in St. Moritz seine Unterschrift gesetzt hatte, erkannte er, daß ihn dieser liebenswürdige, charmante, so unglaublich harmlos leichtsinnige Gastgeber mit einer Gründlichkeit übers Ohr gehauen hotte, gegen die selbst die gerissenste Bolschewikenschlauheit sich ausnahm wie das Lallen eines zwei Monate alten Säuglings. Seitdem verhandelte Herr Sergej Karaschin ernste Angelegenheiten nur noch vor dem Diner, und deshalb war er jetzt nach Berlin gefahren, um sich Röder und Grolmans als Sukkurs zu holen.
Und jetzt war er mit den beiden Deutidjcn in der prachtvollen Bibliothek Lord Burnhams, drehte gewohnheitsgemäß jein g-Iiebtes Zigarettemöllchen und wartete darauf, daß einer non ihnen auf die
loten gegangene Obstbäume ergab, daß vor der Bepflanzung noch Planierungsarb.iten notwendig sind und demzufolge die Anpflanzung der Bäume auf den Herbst zu verschieben ist. — Der Gesangverein ..Eintracht" feierte am Samstagabend in der „Deutschen Eiche" sein 61. Stiftungsfest. Gesangsvorträge unter Leitung des Dirigenten S ch ä 111 e r Gießen, und musikalische Darbietungen verschonten den Abend. Ein vieraktiges Bvlksstück aus dem Odenwald wurde flott gespielt und erzielte großen Beifall.
1 G r o ß e n - L i n d e n , 15. März. Aus Kreisen desHandwerks und Gewerbes am hiesigen Ort war zu einer Versammlung einberufen worden, um sich über die Frage der Zweckmäßigkeit der Gründung eines Ortsgewerbevereins schlüssig zu werden. In der aus Handwerks- und Gewerbekreijen stark besuchten Versammlung legte der Geschäftsführer der Handwerkskammer Nebenstelle in Gießen, Syndikus Rud. Rühr, in einem eingehenden Referat die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit des Zusammenhang mit angestellten Erwägungen über Seine Darlegungen gaben ein anschauliches Bild von der außerordentlich schwierigen wirtschaftlichen Lage des Handwerks und Gewerbes, hervorgerusen insbesondere durch deren zu starke steuerliche Belastung. Interessante Hinweise auf die Möglichkeit des Selbstschiiges gegen zu starke steuerliche. Inanspruchnahme ließ Die VersammlungsteilneiMer im Zusamenhang mit angeftelHen Erwägungen über weitere Betätigungsmöglichkeiten zu dem Entschluß gelangen, sich z u einem Ortsgewerbever- e i n z u s a m mcnzuschlie ß e n , um in dieser Organisation die Belange des Handwerks und Gewerbes zu stützen und zu sördern. Auch aus beit benachbarten Örten Lang-Göns unb Leihgestern waren Vertreter ber genannten Berufszweige erschienen unb folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Referenten und der anschließenden Aussprache. Die Versammlung empfahl den Interessenten aus den beiden Orten, sich mit dem Ortsgewerbeverein Großen-Linden zur gemeinsamen Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenzuschließen. Zu diesem Zweck sollen demnächst auch in diesen Orten Versammlungen stattfinden.
:: W iese ck. 15. März. In der gut besuchten Kirche sprach Missionar Laut von der Baseler Mission nachmittags für die Schuljugend und abends für Erwachieae über China. An Hanö von vielen Lichtbildern führte er die Erschienenen in das größte Reich der Erde und zeigte ihnen die Kultur und die wichtigsten Stätten, sowie die Fortschritte der Mission in diesem Volke, das eben wieder die Augen der Welt auf sich lenkt.
: Sius dem Bujecker Tal, 15. März. Im Saale bes Gastwirts August Gerlach in Gro - ß en - BUssck fand am Sonntagnachmittag eine Versammlung ber Gemeindevertreter der an dem Ausbau der A u t o l i N i e von Gießen ins Busecker Tal interessierten Gemeinden statt. Es waren zur Versammlung erschienen Vertreter aus 'Alten- Buseck, Großen- Buseck, Beuern und Bersrod. Bürgermeister 2 i n - denstruth von Beuern eröffnete die Versammlung und sprach sich über die Errichtung der Autolinie aus. Der Unternehmer, Autogeschäftsinhaber Göbel von Gießen, erklärte sich bereit, die Auto- linic ohne Verbindlichkeiten der Gemeinden eiiv- zurichtem Bürgermeister Becker von Alten-Buseck wollte die Frage beantwortet haben, ob die geplante Verbindung überhaupt in der Lage ist, den Verkehr zu bewältigen, zumal von Alten-Buseck allein schon täglich rund 150 Personen nach Gießen an die Arbeit gehen. Darauf erklärte der Unternehmer Göbel, daß er beabsichtige, zwei Autoomni- busse in Alten-Buseck unb einen in Bersrob (als Enbstation) zu stationieren. Die wichtigste Frage, bie Fahrpreisfrage, machte befonberes Kopfzerbrechen. Der Unternehmer glaubt nämlich, für Wochenfahrten nicht unter 4,5 Pfennig pro Kilometer heruntergehen zu können. Der Preis für Gelegenheitsfahrten soll 8 bis 9 Pfennig pro Kilometer betragen. Daß bei biefetn verhältnismäßig zu hohen Preis auf eine Benutzung bes Autos burd) Arbeiter von Bersrob unb Beuern gerechnet werben kann, ist ausgefchloffen. Die Wochenkarte von biefen beiden Orten nach Gießen würde soviel ausmachen, wie der gesamte Wock)enlohn eines Mädchens, bas in Gießen in Stellung ist. Ein Beuerner Vertreter machte beshalb ben Vorschlag, bie Autolinie zu trennen in eine Linie von Alten-Buseck nach Gießen unb in eine zweite Linie, die die Leute von Bersrob und Beuern an die B a h n st a t i o n von G r o ß e n - B u s e ck bringt. Um eine genaue Uebersicht über die Beteili-
Eröjsnungsrede bes Hausherrn antworten würbe. Doktor Rüber hatte augenscheinlich gerabe wieber einmal anbere Sorgen. Er bewunderte angelegentlich bie zahlreichen Gainsborough unb Reynolds, bie bes Bibliothekssaales hohe Wände schmückten. Grolmans wuchtete in feinem Stuhle und kaute nachdenklich an seiner Zigarre. Er war nicht viel von einem Redner unb überließ bas Wort immer lieber ben andern. Er sagte Ja. Oder er sagte Nein. Er unterschrieb. Oder unterschrieb nicht. Er war immer gleich am Ende einer Sache, wenn die andern noch überlegten, wie sie sie einleiten sollten.
Miller, der Amerikaner, ein kleines verhutzeltes Männchen, dessen Gesicht nur aus einer riesigen Brille zu bestehen schien, verhielt sich ebenfalls schweigend. Er wartete darauf, was die Deutschen zu sagen hatten. Lord Burnham unb Mr. Davis taten desgleichen. Karasänn rauchte seine Zigarette, er war der tertius gauaens bei dem Handel.
Stille. Nur die schwere Neuenburger Uhr tickte ihren Grohvatergesang. Mr. John David Miller mischte sich sorgfältig einen Whisky-«oda. Karaschin machte sich an eine zweite Zigarette. Grol- lans begann sich bie großen, starken Hänbe zu reiben---
„Nun, bann können wir ja beginnen", sagte Dr. Rüber endlich unb köchelte. „Mylord, wir haben die Rede Ihres Premiers gestern in unserem Hotel in London gelesen. Wir waren begeistert, und speziell Herr Grolmans unb ich als Deutsche bewundern diese Rede. Wir beneiden England nicht nur um den Staatsmann, ber sie hielt, sondern um das Volk, dem er sie hielt. Indessen scheinen dock) gewisse Kreise, und zwar gerade die maßgebenden, trotz allen patriotischen Eifers nicht geneigt zu sein, dem Enthusiasmus des Premierministers ohne weiteres zu folgen."
Lord Burnham richtete sich auf und heftete einen hochmütia fragenden Blick auf den Sprecher. Irgendwelche Engländer des Mangels an Patriotismus — noch dazu von einem Deutschen — geziehen zu hören, empfand er als persönliche Beleidigung.
Doch lächelnd fuhr der junge Finanzier fort:
„So weit wir informiert find, knüpft die City an die Anleihe gewisse Bedingungen, vor allem die, daß die amerikanische Fimin, einen entsprechende,-
aung an diesen Linien zu gewinnen, sollen in den ' betreffenden Gemeinden Erhebungen angestellt werden. Auf Grund dieses Materials will dann ber Unternehmer neue Berechnungen vornehmen über bie Höhe bcs Fabrpreises. Eine spätere Versammlung wird die 'Angelegenheit erneut beraten und genauer klären.
Großcn Buieck, 15. März. Der hiesige Gesangverein Sängerkranz hat jem 25. Stiftungsfest vom 11. Juli auf die Tage vorn 26. bis 28. Juni verlegt.
v. Londorf, 15. März. In dec letzten Gemeinderatssiyung wurde die Reu- Verpachtung der Schafwcide mit ö gegen 4 Stimmen abgelehnt. Der seitherige Erlös durch die Verpachtung betrug ca. 1000 Mk.
* Grünberg, 15. März. Dieser Tage fand an unserer Oberrealschule die mündliche Reifeprüfung unferer ersten Oberprimaner statt, nachdem vor einigen Wochen die schriftlichen Arbeiten angefertigt wurden. Den Vorsitz in der Prüfung führte Staatsrat Block aus Darmstadt' Sämtliche zwölf Teilnehmer haben die Prüfung bestanden und erholten damit das Reifezeugnis. Die nun aufrückenden Klassen werden stärker sein; int kommenden Schuljahr werden die Primen 36 Schuler zählen. Bei dem hohen Gelamtbeiuch (268) macht sich der Raummangel immer empfindlicher bemerkbar.
Kreis Friedberg.
pp. Butzbach, 15. März. Im Saale des „Hessischen Hofes" fand eine von der hiesigen Oberrealfchule veranstaltete Entlassungsfeier der ersten Abiturienten dieser Anstalt statt. Studiendirektor Dr. B i n z e l hielt dabei eine längere Ansprache. In herzlichen Worten wandte er sich zuletzt an die abgehenden Oberprimaner und teilte ihnen mit, daß die Maturitätsprüfung derart gut ausgefallen sei, daß man sie alle von der mündlichen Prüfung entbunden hätte, wenn diese nicht gerade die erste an der Anstalt gewesen wäre. Von den Abiturienten sind fünf aus Butzbach und vier aus Oberhörgern, Kirchgöns und Münster.
* Butz b q ch, 16. März. Der auf ben 18. März festgesetzte hiesige Iubiläums-Faselmarkt sowie bie Damit verbunbene Bullenauktion der Land- wirtschaftskommer Gießen können wegen Ausbruchs ber Maul- und Klauenseuche nicht abgehalten werben. Beibe Veranstaltungen sowie Die Ziehung ber mit Dem Markt nerbunbenen Verlosung sind auf ben 2 9. April verlegt worben.
3 Steinfurth, 15. März. Zur Zeit werben in unserer Gemeinde eine Reihe von Kulturarbeiten durchgeführt, die eine große Besserung bedeuten und darum allenthalben mit Freude begrüßt werden. Seinerzeit hatte die Gemeinde bei Der Feldbereinigung gegen Empfang einer Summe von über 40 000 Mk. Die Verpflichtung übernommen, die Wege, Drainagen und Gräben in Ordnung zu halten. Die nötigen Kulturarbeiten blieben nun die Jahre her bei der Geldmisore, nicht gerade zum Vorteil unserer Felder, liegen, was zu vielen Beschwerden Anlaß gab. Die Gräben verwuchsen, die Wiesen versumpften unb gar manche Aecker standen voll Wasser, weil Die Drainagen verstopft waren. Der GemeinDerat hat nun beschlossen, durch Arbeitslose die Dringendsten Kulturarbeiten ausführen zu lassen, was alle Anerkennung verdient. Sind es Doch Ausgaben, von Denen man erwarten kann, Daß sie sich bezahlt machen werden. Weiterhin ist man zur Zeit auch zur Beseitigung eines anderen Mißstandes geschritten, der schon viel Anlaß zu Klagen geeben hat. War doch Die Durch unseren Ort nach BaD-Rauheim führende Kreisst raße in einein Zustande, Der jeder Beschreibung spottete. Nachdem Die Verwaltung Der Buhbach- Licher Eisenbahn Durch Beseitigung des vielgerügten „Schlammbades" am Bahnhof, das jeder Reisende Bei seinem Kommen oder Gehen nehmen mußte, ein gutes Beispiel gegeben, wird nun auch die Kreisstraße in einen ordnungsmäßigen Zustand gebracht. Schon seit Wochen wurden Tag für Tag Mengen von Schotter- fteinen angefahren, und jetzt ist Die Straße nach BaD-Rauheim auf beiDen Seiten Derart mit zahllosen Haufen von Kleinschlag, SanD unD Kies befahren, Daß es für Fuhrleute unD Autos kaum noch möglich ist, einanDet auszuweichen. Für Die nächsten Tage, ab Montag, ist Die Sperrung Der Straße ungesagt, weil Die Dampfwalze kommen toirD. Die ErleDigung dieser Ar-
Anteil übernimmt. Ich glaube, Mr. Miller wirb mir dies bestätigen können'?"
Des Amerikaners Brillen rückten zum Zeichen der Bestätigung auf Dem ungeheuren Nasenrücken ein Bedeutendes nach vorn.
„Die amreikanische Finanz will sich an der Sache aber nur beteiligen, wenn die Washingtoner Regierung den von ihr zu übernehmenden Anteil garantiert. Richtig, Mr. Miller?"
„Richtig/'
„Die amerikanische Finanz will sich an der Sache zu tun, ebenso wie sich die englische trotz der fulminanten Rede des Premiers außerstande erklärt, jedwede Garoniie zu übernehmen. Dars ich fragen, wie Mylord diese Schwierigkeit zu überwinden gedenken'?"
Mr. Davis, der managing director, erhob sich, um auf diese Frage zu antworten. Er entwickelte das Projekt einer Gesellschaft, die ben Rusten bie Anleihe aus ben Erträgnissen ber Oelkonzessionen geben mürbe. Der Plan entsprang keinem bummen Kopfe. Die Gesellschaft würbe begrünbet erwarb bie Konzessionen, gab Shares aus unb finanzierte aus bcm Erträgnis bieser Shares bie Anleihe. Unterstützt von der Stanbarb Oil unb ber Imperial mußte die neue Gesellschaft unbedingt die fünfzehn Millionen Pfund aufbringen können, die die Rusten verlangten. Mr. Davis, der augenscheinlich sich gründlich vorbereitet hatte, rückte mit vielem Zahlenmaterial ayf. Vermied jede Phrase, jede Umschreibung und ging mit der kalten, nüchternen Logik des Engländers auf fein Ziel los.
Doch Karaschin schüttelte Den Kopf.
„Verzeihung, meine Herren", sagte er. „Ich habe gegen diese ausgezeichneten Projekte nur einen, aber um so gewichtigeren Einwand zu erheben. Wir müssen das Geld morgen haben! Ueberrnor- gen, meinetwegen— natürlich bildlich gesprochen: aber auf jeden Fall so schnell wie möglich!"
Dabei blieb er. Weder bie Versicherungen Lorb Burnhams noch bis Zahlen Mr. Davis' vermochten ihn von feinem Standpunkt abzubringen. Man fuhr langsam aber sicher dem berühmten toten Gleise zu.
Die Deuttchen lagen ihrerseits auf ber Lauer. Sie batten Die Rusten unb bie Engländer Der Um
beit be Deut et Die Beseitigung eines großen, von Fußgängern unD Fuhrleuten schmerzlich empfun- Denen älebelstanDes.
Kreis Büdingen.
y. Bü Din gen, 15. März. Die LanDesab- teilung Hessen Der Reichszentrale für Heimat Dienst veranstaltete im Rathaussaale hier einen staatsbürgerlichen Bildung s t a g für Den Kreis BüDingen, Der sehr- gut befudjt war. Es wurden Drei Vorträge gehalten von PrivatDozent Dr. FrieDr. Raab, Gießen, über „Deutschlands Wirtschaft und Finanzen. Tatsachen unD Aufgaben", von Siu- Dienrat Dr. F. König, Gießen, über „Vom Reich, vorn Volk unD von Den Grenzen", von Direktor W. Beckmann, Frankfurt a. M., über „RachDenkliche Betrachtungen eines Deutschen Staats- unD Volksbürgers". Alle ReDnec hielten sich frei von Partei- und Interessenpolitik. Die Vorträge wurden mit großem Beifall aufgenoirn men unD riefen eine rege Aussprache hervor.
th. Leidhecken, 15. März. Bei der letzten, im Mockstädter Markwald abgehaltenen Holzver - sieigerung wurden folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 15 Mk., Buchenknüppel 11 bis 12 Mk.. Eichenscheiter 9 bis 10 Mk., Eichenknüppel 7 bis 8 Mk., Astreiser 1 bis 1,50 Mk. je Raummeter. Selbst aus dem hohen Vogelsberg und der Hungener Gegend waren Käufer erschienen, da das Holz im Mockstädter Markwald immer billiger als anderswr und vor allem von sehr guter Qualität ist.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 14. Marz. Gestern abend fand im „Schützenhof" Die Hauptversammlung Des hiesigen Schützenvereins statt. Der Bestand der Mitglieder ist der gleiche geblieben (rund 150). Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. Zum Gautag in Wetzlar (Gau Hessen-Nassau) wurde Ehren-Oberschühenmeistcr Rühl gewählt. — Heute abend veranstaltete die Turngc- m e t n D e Laubach einen Familienabend im Saale des „Solmser Hofs". Die turnerischen und theatralischen Aufführungen fanden lebhaften 'Beifall. Gleichzeitig sprach im Saale der hiesigen Kleinkinderschule Dekan V o l p über „Luthers Frau". Sein geistvoller Vortrag fand allgemeinen Anklang. Dieser Vortrag wurde vorn Guftav-Adolf-Frauenverein unserer Stadt in Verbindung mit dem hiesigen Frauen-- verein veranstaltet.
Eichelsdorf, 15. März. In zwei evangelischen GemerndeabenDen. Von denen einer in der Filiale Ober-Schmitlen abgehalten wurde, sprach Prof. Lampas, Friedberg, über „Die Schwächen und die Stärk» der evangelischen Kirche". Missionar Walther. Beuern, hält im Laufe dieser Woche sieben religiöse Vorträge in der Kirche zu Ra i n r o d.
Kreis Alsfeld.
o—r Alsfeld, 15. März. Am Freitagabend veranstaltete Musiklehrer Meinhardt dahier im Saale der Kinogesellschaft eine Karniner- Musikaufführung mit Streichquartett, Klarinette und Klavier. Die Leistungen zeigten einen hohen Grad musikalischen Könnens, besonders schön gelang die Wiedergabe des bekannten Klarinettenquintetts von Mozart. Von auswärts wirkte Herr Föh (Klarinette) von Bad Salzschlirf mit. Das zahlreiche Publikum Danfte mit lebhaftem Beifall für Den seltenen Kunstgenuß. — Am Samtagabend fanD in Der Turnhalle ein Vortrag Des Oberleutnants v. Hagen über die Winterschlacht in Masuren im Februar 1915 statt. Der Vortragende, der als Generalstabsoffizier der 42. Division die Kämpfe mitgemacht hat, verstand es in überaus anschaulicher Weise, ein sehr- fesselndes Bild über jene bekannte Vernichtung Der 10. russischen Armee durch Hindenburgs überlegene Strategie zu geben. Zahlreiche recht gute Lichtbilder ergänzten Das gesprochene Wort. Der Reinertrag des Abends ist für Das Ehrenmal der gefallenen Kameraden des Leibgarderegiments 115 bestimmt. — Bei der an unserer Ober- Realschule unter Dem Vorsitz von Staatsrat Block vom Landesamt für Das Bildungswesen abgehaltenen Reifeprüfung, an welcher 11 Abiturienten teilnahmen, bestanden sämtliche Teilnehmer das Examen, von der mündlichen Prüfung waren Z befreit.
*!• Merlau, 15. März. Nachdem gegen die Wahl des Herrn Wilhelm Kochen Dörfer zum Bürger m ei st er unserer Gemeinde fein
Möglichkeit gegenübergestellt, sich zu einigen. Sie warteten. Dr. Röder vertiefte sich wieder in das Studium der Gainsborough und Reynolds.
Endlich lpandte sich der Amerikaner an sie.
,Lch denke, Mr. Grolmans und Mr. Röder werden doch aud) ihre Ansicht über die Sache haben. Dürften wir diese hören?"
Nun entwickelte Röder den deutschen Plan. Er und Grolmans erklärten sich bereit, Der englischen und amerikanischen Finanz gegenüber mit dem ge samten mobilen und immobilen Besitz ihrer Unternehmungen die russische Anleihe zu garantieren, ja sogar einen gewissen Anteil selbst zu übernehmen, wenn Deutschland die entsprechende Berücksichtigung sowohl bei der Leitung des Unternehmens wie bei der Verteilung der Produktion erhielte. Außerdem müßte der Zinsfuß der Anleihe von 84 vom Hundert auf 64 vom Hundert herabgesetzt werden.
Ein großes Ringen begann. Angelsächsische Zähigkeit stritt mit .deutscher Gründlichkeit, und moskowitische Schlauheit saß dabei und grinste. Stahl flirrte auf Stahl. Einmal fuhr Grolmans schon auf und erklärte.
„Dann machen wir die Sache allein. Ganz allein. Ich kann morgen der Moskauer Regierung zwei Millionen. Pfund auf den Tisch zählen, und Dann habe ich die Konzessionen."
Er war ebensowenig Diplomat wie Redner. Seine Stimme klang für den schweren, massiven Körper überraschend fein und schwach. Doch Die ganze Wucht seiner Persönlichkeit lag in ihr. Entweder — oder --
Die Angelsachsen gaben nach. Die deutschen Bedingungen wurden akzeptiert und als Zinsfuß sieben vom Hundert festgesetzt. Mr. Miller mischte sich ein drittes Glas Whisky-Soda und Karaschin zündete sich die fünfte Zigarette an.
Es wurde beschlossen, einen Vorvertrag aufzusetzen. der von den Anwesenden als bindend zu unterschreiben war. Die Publizierung sollte erfolgen, wenn die öffentlichen Meinungen in England und Amerika soweit präpariert waren, daß die Regierungen Die Ratifizierung des Vertrages und damit die Anerkennung der Sowjetrepublik wagen konnten.
(Fortsetzung folgt.)


