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des Dölkerbundsrates ein Schreiben gerichtet, daß sie einem polnischen Ratssitz scharf wider­spreche. weil Polen seinen Völkerrecht- l i ch e n Verpflichtungen nicht n a ch ge­kommen sei, insbesondere Wilna nicht ge­räumt habe. Die litauische Delegation will dieses Schreiben durch eine Erklärung in der Völkerbunds­versammlung ergänzen. Im übrigen glaubt Litauen, daß der gegenwärtige Augenblick für eine Erweite­rung des Rates ungeeignet ist. Auch die übrigen baltischen Länder teilen den schwedischen Stand­punkt.

Der sranko-britifche Kuhhandel. Die französische Regierung gegen das türkische Abkommen.

Konstantinopel. 15. Mär;. (I2L) Die fran­zösische Regierung hat sich geweigert, das kürzlich von de Iouvenel mit der Türkei geschlossene Abkommen über die türkisch-syrische Grenzregclung zu ratifizieren und den französischen Botschafter in Angora beauftragt, im türkischen Außenministerium wegen Aenderung der Reutraiitäts- klausel und des türkischen Durchfahrts- rechts durch syrisches Gebiet vorzu- sprechen. Eine Ratifikation wäre erst dann möglich, wenn die Bestimmungen des Vertrags über die Neu­tralität Frankreichs im Falle eines Konfliktes der Türkei mit einer dritten Macht gestrichen würden. 3n Londoner politischen Kreisen bringt man dies Entgegenkommen Frankreichs gegenüber dem durch die jetzt angefochtenen vertragÄrestimmungeu be­drohten Großbritannien mit dem Eintreten Chamberlains für die französischen Dünsche in Genf in engste Verbindung.

Italien gegen ein deutsches Kolonialmandat.

Rom. 16. März. (TU.) In derTribuna" polemisiert der Nationalist Coppola heftig gegen die Uebertragung eines Kolonialmandats an Deutsch­land. Es fei" ganz ausgeschlossen, daran zu denken, dem besiegten Deutschland irgendein Mandat zu qebeji, bevor man nicht die bevorrechtigten Ansprüche des siegreichen Italiens auf kolonialen Besitz berücksichtigt hätte. Als kurz nach Locarno diese Frage angeschnitten wurde, habe Italien in London und Paris protestiert und dabei die Auskunft erhalten, daß Deutschland keinerlei bindende Zusicherungen auf Uebertragung eines Kolonialmandats gemacht worden seien. Es sei unverständlich, wie Briand jetzt dazu komme, bestimmte Zusagen zu machen, nur um die deutsche Intransigenz zu brechen. Italien habe nicht die geringste Lust, die Kosten eines Kompromisses zu tragen, das nur den sozialistischen Utopien anderer zugute komme. Das habe man nach 1918 in Ver­sailles sich leisten können, heute aber müsse man außer mit dem Geist von Locarno mit noch etwas anderem rechnen: dem Fäszismus.

Die Großmächte und China.

London, 15. März. (Boss. Ztg.) Die Ge­sandten der Großmächte in Peking haben eine be­fristete Forderung nach vollständiger Säube­rung des Taku-Kanals von allen Minen und Hindernissen vorbereitet. Werde diese Forde­rung nicht voll erfüllt, so würden die Kriegs­schiffe der Großmächte unverzüglich Montag mittag mit der Beschießung der Taku- forts beginnen und diese bis zur vollständigen Zerstörung aller Befestigungen an der Teihomün- dung fortsetzen. Die neue Bote ist die Folge der . Beschießung japanischer Tvrpedobootsz«stvrer vor Taku und stellt den letzten Versuch der t anderen Großmächte dar. Japan vor zu rascher und isolierter Intervention in China zu be- T wahren.

Bach einer Meldung derChicago Tribüne" ' aus Peking ist die Absendung dieses Ultimatums der Mächte an China aufgeschoben worden. Dor Tientsin liegen amerikanische, englische und italienische Kanonenboote, vor Daku ein fran­zösisches und ein japanisches Kanonenboot, um einem Versuch der Armee des Generals Feng, die Mündung des Peiho-Flusses zu blockieren, entbegenzutreten. Die Führer der Truppen Fengs befurchten, baß der frühere Gouverneur von Tschili versuchen werde, sich Tientsins von der See her zu bemächtigen.

Die spanische Offensive bei Tetuan

Paris, 16. März. (Sil.) Die spanische Aktion, die auf die Säuberung der Höhen von Tetuan abzielte, ist nunmehr abgeschlossen. Wich­tige Teilerfolge find erziät wocden, doch ist es nicht gelungen, Den Gegner aus einigen Gebirgsschlupfwinkel zu vertreiben.

Winzerversammlungen im Rheingau.

3n Oestrich fand eine von über 5000 Win­zern aus dem ganzen Rheingaugebiet besuchte Massenversammlung statt. Der Dorsitzende des Rheingauer Weinbauvereins, Graf Matuschka- Greifentlau von Schloß Vvllrads, betonte, -daß cs Pflicht aller sei, wie in Mainz, so auch hier völlig die Ruhe und Ordnung zu bewahren. Zn ungeheueren Mengen sei der ausländische Wein nach Deutschland hercingeströmt. Das dürfe nickt mehr so weiter gehen. Reichstag und Reichs- rcgicrung müßten dem Weinbau geben, was er brauche, um zu bestehen. Zum letzten Male for­derten die Weiirbauern: Hinweg mit der Wein- steuer. Dr. Eisinger von der Wiesbadener- Land- wirtschaftökammer, erklärte, daß vom deutschen Weinbau rund 300000 Familien mit Angehörigen l1 Millionen Menschen leben. Die' deutsche Wcinerzeugung, die 21 Millionen Hektoliter betrage, reiche völlig zur Befriedigung des deut­schen Bedarfs aus. Wenn der deutsche Winzer- stand zugrunde gehe, müßten 300 000 Familien Unterstützung bekommen und das würde eine | Katastrophe bedeuten.

Rach Schluß der Versammlung veranstalteten die Teilnehmer hinter schwarzen Fahnen und Schildern einen Umzug durch die Straßen von Oestrich.

Der Haushaltsplan Württembergs.

Stuttgart, 15. März. (WB.) Der dem Landtag übergebene Entwurf des Staatshaus­haltsplanes für die Rechnungsjahre 1926 27 ent­hält im ordentlichen Dienst eine Gesamtaus­gabe für das Rechnungsjahr 1926 von 214 258 457 Reichsmark, für 1927 eine solche von 212 828 817 Reichsmark. Diesen Ausgaben stehr

eine G esa m tein n ahmc für 1926 von 212 160 763 Reichsmark, für 1927 von 212 104 763 gegenüber, so daß also ein Defizit für 1926 voll 2 097 694, für 1927 Von 724 054 Reichsmark vorhanden ist. 3nt außerordentlichen Dien st halten sich die Ausgaben imfc die Ein­nahmen mit 12 113 798 Reichsmark die Wage.

Die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz in Hessen.

Darmstadt, 15. März. Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags beschloß in seiner letzten Sitzung, daß die Sondersteuer vom be­bauten Grundbesitz für 1926 auf 127,5 Reichs­pfennig festgesetzt werden soll.

Eröffnung der Londoner Arbeitszeit -Konferenz.

London, 15. März. (Wolff.) Die inter-- natlvnale Arbeitszeit-Konferenz wurde heute vor­mittag im Arbeitsministerium durch eine Be­grüßungsansprache des Premierministers eröff­net. Baldwin führte u. a. aus, die Arbeiterschaft der ganzen Welt habe nach den schrecklichen Kriegsjahren am meisten gefürchtet, sie werde wieder in einen Zustand verfallen, der ökono­misch weit unter dem Bortriegszustand liegen würde. Ich weiß, so fuhr Baldwin fort, daß es Leute gibt, die sagen, daß internationale Regelungen meist nur zum Ruhen des einen oder andern Landes sein können. Es kann in Europa nicht davon die Rede sein, daß ein Land auf Kosten des anDern prosperiert. Der rücksichts­lose Wettbewerb der Gegenwart ist eine ernste nationale Gefahr.

.hierauf erklärte der englische Arbeits- Minister «tcel-Maitland n. a angesichts der Schwierigkeiten, welche die zu erörternde Frage biete, erscheine es angezeigt, zunächst darüber S(ar­beit berbeizuführen, ob die vier oder fünf haupt­sächlich interessierten Lander untereinander zu einer Einigung gelangen könnten. Wenn die vertretenen fünr 'Dlädjte sich einigen könnten, werde es an der Zeit sein, andere Mächte zur Mitarbeit aufzufor­dern. Die britischen Delegierten in Washington hätten seinerzeit für das Abkommen gestimmt, jedoch hätten sich bei den Bemühungen um Herbei­führung der Ratifikation das Vorhandensein sehr ernster Schwierigkeiten infolge der A u s l e g u n g s- Möglichkeiten gewißer Artikel ergeben. Dar­aus habe sich die sonderbare Lage ergeben, daß England, das an günstiger Gestaltung der Arbeits­zeit für seine Arbeiter keinem anderen Lande nach- steht, nicht in der Lage gewesen sei, das Arbeits­zeitabkommen zu ratifizieren. Das Recht zur binden­den Auslegung stehe selbstverständlich allein dem Internationalen Gerichtshof zu, aber es liege auf der Hand, daß dis Ratifizierung kaum möglich sei, wenn es nicht gelinge, auf dieser Konferenz sich über die wesentlichen Fragen zu verständigen und die Grundlagen für ein gegenseitiges Vertrauen zu legen. Nach Ueberwindung der Auslegungsschwie­rigkeiten werde es eine Aufgabe von besonderem Interesse fein, in diesem neuen Licht die jetzige Ge­setzgebung und die Praxis der verschiedenen in Be­tracht kommenden Staaten als Anschauungsmaterial für die Tragweite der Ratifizierung des Abkommens zu prüfen.

Der deutsche Reichsarbeitsminister Dr. Brauns

sprach darauf über die Regelung der Arbeitszeit in Deutschland. Der Minister erklärte, der durch die DemobilmachungSverordnung unmittelbar nach dem Kriege für alle Arbeiter und Angestellten eingeführte uneingeschränkte Achtstundentag sei bis Ende 1923 in Geltung geblieben. Auf Grund dieses Tatbestandes hat die deutsche Re- gierung schon im Jahre 1923 einen Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Washingtoner Abkommens den gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet. DaS Jahr 1923 führte in Deutschland zum völli­gen Ruin der Währung und zum Zu­sammenbruch der Ernährung und der Wirtschaft. Im Dezember 1923 sei die heute noch in Geltung befindliche Verordnung über die Arbeitszeit er­lassen worden. Die deutsche Regierung habe mit dieser Verordnung nur eine Rotgesetzge- bung geschaffen, die sie sobald als möglich ab­zuschaffen bestrebt gewesen fei. Immerhin sei diese Verordnung so beschaffen, daß eine schrittweise Besserung auf dem Ge­biete der Arbeitszeitregelung möglich war. Heber die tatsächliche Arbeitszeit in Deutschland herrsch­ten im Ausland falsche Vorstellungen.

Dor mir liegt eine neue amtliche Sta­tistik, die von der Reichsarbcitsverwalturig aus­gestellt worden ist. Der Statistik unterliegen 7099 Tarifverträge, von denen 735 945 Betriebe mit rund 11,9 Millionen Arbeitnehmern erfaßt wer­den. 6506 von diesen Tarifverträgen, dir rund 10,9 Millionen Arbeiter, also über 90 Prozent der Vertrage erfassen, enthalten Angaben über die Arbeitszeit, Von diesen 10,9 Millionen Ar­beitnehmer hatten 1295 037 eine regelmäßige Arbeitszeit von weniger als 48 Stunden pro Woche. Die regelmäßige Woch-enarbeitszeit von 48 Stunden hatten 8 432 421 Arbeitnehmer. Eine Arbeitszeit von mehr als 48 Slnnden hatten nur 1 190 635 Arbeiter, also nur 1 10 der von der Statistik erfaßten Arbeitnehmerschaft. An diesem Zehntel haben den größten Anteil die landwirt­schaftlichen Betrieb?: erst ix weitem Abstand da­hinter kommt die Metallindustrie. Die Tarif­verträge lassen nahngemär, Uebrrstunden zu. die ja auch nach dem Washingtoner Ablonxmen grinxdsählick gestattet fmi>. Aus diesem Bilde ergibt sich, daß die Rückkehr zu einem Rormal- arbeitstag von acht Stunden für Deutschland keineswegs eine älnniöglichkeit darstellt. Ein neues Arbeitszeitgesetz, das wieder zu dem Ronnal- arbeitstag von acht Stunden zurückkeh't, wird noch im Sommer Dem Reichskabinett zugehen. Auf feiner Grundlage kann die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens durch Deutschland erfolgen. Dir wollLN jedoch auch dann das Gesetz ergehen laf-cn, wenn, DaS wir nicht wünsch?:,, aus irgenbw-elchcn (Srünöen eine Ratiftzierung des Abkommens durch die westeuropäischen Staa­ten nicht gleichzeitig erfolgen sollte.

Aus aller Welt.

Tagung der deutschen LeberrSrettuirgsgesrllschaft.

Unter Leitung ihres Präsidenten, des Staats­sekretärs Dr. Lewald. tagte in Dessau die Deutsche LebenSrettungsgescllschaft. In den V?r« handlungeu wurde u. a. mitgeteilt, daß Anhalt da s S ch n 1 s ch w i m m e n als Pflichtfach teic auch in Hessen cingeführt habe Der Ge» schästsvcricht legte beredtes Zeugnis für die sich immer mehr ausbreftende Arbeit der Gesell­

schaft ab. die u a. in dem Sinken der Todesziffer durch Ertrinken von fast 4000 im Jahre 1914 auf 2400 im Jähre 1925 zum Ausdruck kommt. Im vergangenen Jahre wurden 12 000 Personen i m Rettungsschwimmen ausgebildet. Die Vorträge, die gehalten wurden, beschäfttgten sich ausschließlich mit den Zielen der Gesellschaft, dem nassen Tode mög­lichst viele Menschen zu entreißen. Unter den Referenten befand sich auch der erste Vorsitzende der deutschen Turnerfchaft, Professor Dr. Berger. Mit der Tagung war eine Ausstellung von Rettungsmitteln und Rettungsschwimmen ver­bunden.

Aus der Schneekoppe erfroren.

Der indische Student Pcithak aus Ehindwaro, der in der Berliner Universität eingeschrieben ist, wurde an einer Markierungsstange auf dem Wege von der Schneckoppe nach den Grenzbauden t o t a u f g c f u n b c n. Etwa sechs Meter von ihm cnt- femt wurde von der Bergungskolonne die Leiche einer jungen Dame entdeckt, die als die 26jährige Tochter der Witwe Nürnberger in Warmbrunn festgeftellt wurde. Die Familie Nürnberger scheint von einem tragischen Geschick verfolgt zu werden. Der Buchdruckereibesitzer Nürnberger hatte 1920 seine Frau, seine Schwiegermutter, seinen 14jährigen Sohn und eine Tochter durch Beilhiebe schwer ver­letzt, das Haus angezündet und sich selbst vom Balkon gestürzt. Die jetzt verunglückte Tochter Lotte entging damals ihrem Schicksal, da sie sich am ver­hängnisvollen Tage in Liegnitz befand.

Das Eisenbahnunglück in Lostarica.

Die bisherige Feststellung hat ergeben, daß bei dem Eisenbahnunglück 248 Personen getötet und 93 verletzt worden sind.

Todessturz beim Eissegeln.

In Stockholm wurde beim Eissegeln die Eis­yacht des Direktors Johnson in schärfster Fahrt gegen einen Felsen geworfen, so daß die beiden Insassen in großem Bogen gegen das Gestein geschleudert wurden. Johnson wurde ge­tötet, sein Begleiter schwer verletzt.

Selbstmord eines schwedischen Großindustriellen.

Der schwedische Großiirdustrielle Fluh" borg, der bei einer Explosion in seinem Kraftwagen in Stücke gerissen wurde, hat Selbstmord begangen, indem er eine hn Wagen angebrachte Sprengstoffladung zur Ent- 5Ünbung brachte. Fluyborg hatte bereits vor einem Monat schon einmal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Eine folgenschwere Explosion.

Eine verhängnisvolle Explosion ereignete sich in Leipzig. Ein Kassenbote der Städtischen «Straßen­bahn hatte sich in der Rächt zum Sonntag durch Leuchtgas vergiftet. Äls am Morgen der 13jährige Sohu die Tür zu dem Zimmer öffnete, wurde durch den Luftzug die im Öfen befindliche glühende Asche entfacht und das ausgeströmte Gas unter lautem Knall zur Explosion gebracht. Der Knabe erlitt schwere Verletzungen im Gesicht, sämtliche Fensterscheiben der Wohnung gingen in Trümmer. Die Türfüllung mürbe aus dem Rahmen gerissen. Die im Nebenzimmer schlafende Frau des Selbstmörders wlirde durch den Luftdruck a u s d e m Bett geschleudert und gleichfalls verletzt. Der Vater lag entseelt auf dem Fußboden des Zimmers. Der schwerverletzte Knabe wurde in das Kranken­haus überführt.

Große Aeberschwemmungen in Südamerika.

In der Provinz Oro (Ecuador) sind infolge Hochwassers des Iubones, daS durch einen Wolkenbruch entstand, mehrere Dörfer über­schwemmt worden. Viele Einwohner wurden in ihren Häusern von den Wassermassen überrascht. 50 Personen sind ertrunken. Der Sachschaden wird auf 2 Millionen Dollar geschätzt.

Auf Posten angeschossen.

In Berlin wurde ein Aeichöwehrsoldat vom Reichswehr-Infanterie-Regiment Rr. 9 der als Posten an einem Pulverschuppcn stand, von der Wache blutüberströmt und be­sinnungslos mit einem Schuß durch die rechte Schulter getroffen aufgesunden. Rach den An­gaben des Schwerverletzten haben 3 Männer, die sich in der Rahe des Postens zu schaffen machten, als sie von dem Posten angerufen wurden, sofort mit Pistolen auf i h n ge­schossen. Bis jetzt ist es trotz aller Anstren­gungen nicht gelungen, die Täter zu ermitteln.

Hochfchulnachrichten.

Tagung des Akademischen AssiftenLenverbandes.

Am 6. bis 8. März fand in Erlangen die diesjährige Tagung der Süddeutschen Ar­beitsgemeinschaft des Deutschen Aka­demischen Assi st enten Verbandes statt, auf welcher alle süddeutschen Ortsgruppen und die Derbandsleitung aus Berlin vertreten waren. Die Veranlassung zu der Tagung war die immer noch anhaltende Benachteiligung der süddeutschen Assistenten gegenüber den norddeutschen Kolle­gen. Während in Bayern der Landtag die ge­setzliche Festlegung der Anstellungsverhaltnisse wie in Preußen und anderen norddeutschen Län­dern beschlossen hat, ist dies in Hessen abgelehnt worden. Die Llnhaltbarkeit der süddeutschen Ver- haltnisse wird grell beleuchtet durch die generelle Kündigung aller Assistenten in Baden zur Er­zwingung noch ungünstigerer Anstellungsbedin- gungen. Ein derartiges Aussperrungsvcrsahren wäre unmöglich bei einer gesetzlichen Regelung. Man wundert sich immer erneut, weshalb man pcrade den akademischen Rachwuchs für die Hochschulen so benachteiligt, der wohl faum von den minbetbefälugten Elementen des akademischen völlig unentbehrlichen Privatdozenten und ersten Assistenten das Verbleiben in ihren Stellen und ihre Bezahlung dauernd gefährdet, kann nur zur Schädigung der jetzt'vorhandenen, und zur Ab- toanberung künftiger Dozenten führen. Dies ist bereits in mehreren Fällen eingetreten. Staat und Landtag sollten doch einsehen, daß nur eine gesetzliche Regelung mit angemessener Bezahlung eine gedeihliche Forschungs- und Lehrtättgkeit des akademischen Rachwuchses gewährleisten kann. Es erscheint unerträglich, daß infolge der jetzigen Regelung ohne Gesetz, auch bewährte Dozenten jederzeit gezwungen werden können, ihre Assi- stentenstelle und damit ihren Beruf aufzugeben, da sie heute ohne die Assistentengehälter nicht mehr leben können. Cs scheint ein weitverbrei­teter Irrtum zu fein, daß ein Assistent nur der Junge Mann" sei, der von dem Professor sein« Kunst erlernen möchte. Im Gegenteil, der Pro­fessor sucht sich zum Assistenten am liebsten Kräfte, GefamtnachwuchlcS gestellt wird. Zweifellos muß

die Kündigungsmöglichkeit für weniger bewährte Kräfte offen bleiben. Daß man aber dem tüch- ttgen Rachwuchs, auch den im 11 nwersitätsbetrieb die eine solche Lehrzeit als Volontäre bereits hinter sich haben und die mit und neben ihnt Dienst, Lehre uni) Forschung selbständig fördern können. Dieses Vertrauensverhältnis wird aber getrübt durch die dauernde Ungewißheit beider Teile, ob nicht äußere Umstände ihm bald ein Ende bereiten können. Diese Gesichtspunkte haben die Unioerfitäten wiederholt amtlich zum Aus­druck gebracht. Es wäre erwünscht, toemt nun auch an maßgebender Stelle diese Erwägungen Eingang fänden und zu den unabweislichen ge-- setzgeberischen Maßnahmen führten.

Am -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 16. März 1926.

Gießener Wocherrmarttpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 30 bis 40, Käse 65 bis 140, Wirsing 30, Weih< kraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 20, rote Rüben 20. Spinat 35 bis 40, UMerkohlrabi 10, Grünkohl 30, Rosenkohl 60, Feldsalat 100 bis 120, Endivien 100, Zwiebeln 20, Meerrettich 70, Schwarzwurzeln 50 bis 60, Kartoffeln 4 bis 5. Aepfel 15. Rüsse 40, junge Hahnen 120, Suppen- Hühner 120; pro Stück: Eier 11 bis 12, Blumen- kohl 60 bis 150, Salat 30 bis 40, Lauch 15 bis 20 Sellerie 30 bis 50 Pfennig.

Borrrotizen.

Tageskalender für Dienstag Stadttheater: 7.30 UhrMinna von Barnhelm (Ende 10 Uhr). Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Pietto, der Korsar". Astoria-Lichtspiele: Film- sketschEin Blick hinter die Kulissen".

Vortrag im Keißnerschen Vor­trag s s a a l e. Kommenden Donnerstagabend wird Dr. med. G e r st e r - Gießen im Keißnerschen Vorttagssaale über das ThemaDer Mensch und das Verbrechen" sprechen. Der Vorttag wird so schreibt man uns , hauptsächlich darlegen, wie sich das Verständnis des Kriminellen orga­nisch aus der Betrachtung des Normalen heraus entwickelt, und wie wenig berechtigt das Phari­säertum ist, a'us dem heraus gedankenlos und oberflächlich das Verbrechertum betrachtet wird". (Siehe gestrige Anzeige.)

Bürgergesellschaft Gießen. Näch­sten Sonntag abend im Katholischen Vereinshaus nochmalige Aufführung der OperetteDie Rats- tnäbcl*, die bereits im November v. I. gelegentlich des Stiftungsfestes der Bürgergesellfcha^t gegeben wurde. Wie man uns mitteilt, ist zu der Aufführung am Sonntag Herr Kurt R i ch t e r für die Rolle des ersten Liebhabers gewonnen. Als Orchester ist die Kapelle Weller verpflichtet. Näheres in der heutigen Anzeige.

Wettervoraussage.

Rachts Temperaturen zunächst Wetter zurück- gehend, zeitweise schwächer bewölkt, anfangs nörd­liche, später zurückdrehende Winde, noch meist trocken.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum: 10,3 Grad Celsirls. Minimum: 1.1 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperattir: 4,3 Grad Celsftrs.

** D i e Hessische Tierärztekammer. Die Wahlen der Mitglieder zur Tierärztekammer hatten folgendes Ergebnis: als Mitglieder wurden gewählt die praktischen Tierärzte Wilhelm Hohmann in Büdingen, Dr. Karl Ohly in Altenstadt, Dr. Ludwig Hoffmann in Darm­stadt, Wilhelm Weißheimer in Guntersblum, Dr. Karl Trimmel in Gedern, Dr. Hugr Keller in Offenbach, Dr. Friedrich W i r t j in Wörrstadt; als Ersatzmänner mnr. den gewählt die praktischen Tierärzte: Dr. Hemrick E r b in Gießen, Dr. Paul Hermann Walter in Lich, Dr. Eduard Maser in Groß-Umstadt, Dr. Franz Durch Hard in Worms, Dr. Otto Sang in Niedermoos, Heinrich Dillmann in Bens­heim, Dr. Jacob Reiff in Mainz.

* Militärisches Leben und Trei­ben herrschte gestern mittag gegen 1 Llhr auf dem hiesigen Bahnhof. Das Ausbildungs- Bataillon des Inf.-Rgts. Rr. 15 kam auf der Reise von Marburg hier durch. Die Fahrt ging nach Münsingen zum Verbandsexerzieren und zu Besichtigungeir Der Transport hatte hier etwa halbstündigen Aufentbalt.

Kommuni st en-Tran Sport nach Leipzig Heute früh wurden einige der im vorigen Jahre hier verhafteten Kommunisteir über Kassel nach Leipzig abtransportiert. Dor einigen Tagen sind bereits mehrere Verhaftete in der befannten Sprengstoffangelegenheit eben­falls nach Leipzig verbracht worden. Wie er­zählt wird, soll der Prozeß gegen die In­haftierten in der nächsten Zeit vor dem Reichs­gericht in Leipzig stattfinden.

® Zwei tödliche älnglücksfälle. Gestern mittag verunglückte in der Rähe von Klein-Lindei7 beim Umsehen von Masten der elektrischen UcberlanMcitung der 32 Jahre alte Arbeiter Karl Schmidt aus der Bahnhofstraße in Gießen tödlich. Ein um/türzender Mast traf den bedauernswerten Mann und verletzte ihn am Kopfe so schwer, daß der Tod alsbald ein- trat. Der schnell fjerbeiqerufene Arzt konnte nur noch daS Ableben des Mannes feststellen. Schmidt hinterläßt eine Witwe mit Drei kleinen Kindern. Gestern nachmittag zwischen 5 und 5.30 Llhr wurde in Der Walltorstraße das dreijährige Söhnchen des Arbeiters Bernhardt von einem Wagen Der elektrischen Straßenbahn er­faßt und überfahren. Dem Bübchen wurden beide Beine am Oberschenkel abgefahren. Rack) Der schnellen Hilfeleistung wurde daS Kind in Die Chirurgische Klinik verbracht, wo es etwa eine Stunde nach seiner Einlieferung verstarb. Rach Den bisherigen Feststellungen soll Der Wagenführer keine Schuld treffen.

WER. Warnung vor falschenTele- graph en beamten. In letzter Zeit ist es in manchen Städten wiederholt vorgekommen, daß Schwindler unter der Vortäuschung, als Beamte und Arbetter Der Post mit der Prüfung von Fernsprecheinrichtungen Getraut zu sein, versu­che sich Eintritt in Häuser und Wohnungen zu verschaffen. Vor solchen Leuten wird Drtn-

Tsii» Telegraphenarbeiter der Deutschen Reichspvst sind mit einem vom Tele­graphenbauamt gestempelten Ausweis mit Licht­bild ausgestattet. Auch die im Fernsprech.- storungsdienst beschäftigten Beamten des Fern­sprechamtes führen einen amtlich gestempelten Ausweis ohne Lichtbild mit sich. Die Aus­weiskarten finD beim Betreten von Grundstücken und Wohnungen unaufgefordert vorzuzeigen. Im