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Sein oder Nichtsein.

i Ein Kriminalroman von der Wasserkante.

Don Moritz Schäfer.

22. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Dem Junker ward's ungemütlich.Na, na," rief er aus und lief, mit der ausgegangenen Pfeife fuchtelnd, auf und ab,soweit wären wir nun glücklich! Scheinen ja ein wackerer Kerl zu sein! Brauchen nicht gleich außer Rand und Band zu kommen. Hatte ja immer eine gute Meinung von Ihnen müssen mir nicht gleich mit der Faust auf die Nase hämmern wollen, wenn ich Ihnen mal auf den Zahn fühle! Freue mich, daß der Zahn nicht hohl ist und zubeißen kann, wenn's not tut! Nur beißen Sie mal lieber bei 'nem andern als bei mir! Sehen Sie, Männchen, daß Sie sich's im letzten Momang noch mal überlegt haben, bevor Sie Ihre fünf Finger an mir übten, das ist ver­nünftig. Das ist gut für uns beide. Ich hält' Sie wahrscheinlich auf'm kürzesten Weg raus aufm Mist befördert oder ich hätt' das durch meinen Kammerdiener besorgen lassen. Auf jeden Fall aber wär' ich Sie als Sachwalter los gewesen. Und das hätte mir nun wieder leid für mich getan! Also, was wir zwei eben erlebt haben, das existiert nicht. Her mit der Hand! Wir bleiben die Alten!"

Die Pranken des Riesen streckten sich dem Ban­kier entgegen, doch dieser sah darüber hinweg.

Nein, Herr Zechlin," sagte er wieder ganz ge­faßt und erhob sich,wir bleiben nicht die Alten! Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe!"

Jetzt sprang auch dem Junker das Blut in den Kopf. Daß der Zwerg es gewagt hatte, die Hand gegen ihn zu erheben, war das schlimmste nicht: ja, es hatte dem Riefen bis zu einem gewissen Grade imponiert. Dreinschlagen war ja auch seine Pa­role; der Deubel frikassiere die Waschlappen! Aber daß der Crdenwurm seine Pranke übersah, reizte den Löwen maßlos. Das war ein Affront sonder­gleichen. Daß sich der Herr von Groß-Spirow her- abgelassen, das fünffingrige Instrument seines Wil­lens einem Nichtjunker entgegenzustrecken, war eine Gnade, deren Zurückweisung unerhörten Schimpf bedeutete.

So fiel denn jetzt die zornaepanzerie Faust mit dumpfem Dröhnen auf die Tischdecke, daß eine Herr« schaftliche Blumenoase, von der Entrüstung ihres Besitzers angesteckt, einen tollen Tanz der Derwun- derung ausfuhrte. Blaurot dräute der massige Kopf, die stählernen Pupillen schossen Blitze, und unter dem graugesprenkelten Schnauzbart wetterte es los: Wie, Sie wollen Herr! Machen wir Schluß mit­einander! Aber beklagen Sie fichntcht, wenn's Ihnen dreckig geht! Wenn meine Standesgenossen hören, wie Sie mit Ihren Klienten umspringen, na, mir kann's recht sein. Vielleicht legen Sie's draus an, vor die Hunde zu geh'n! Morsen!"

Dröhnend flog die Flügeltür ins Schloß Ju­piter tonnas war verschwunden. Bebend bis ins innerste Mark, verließ Lorenzen das Zimmer. Die Ahnenbilder blickten stolz und kühl. Auf der knar­renden Eichentreppe stand wie eine Bildsäule der grauköpfige Galonierte. Der bücklinggeübte Rücken blieb bolzenstrack, die bornierten Züge wurden von keinerlei Devotion berührt.

Der Fiatwagen sprang an. Im Fond saß ein ge­brochener Mann und stierte hinaus in die üppige Landschaft, die fein Benzinroß durchraste. Hinaus in Kleefelder, darinnen die Sense ging; in Wäl­der, von flüchtiger Rehgenß durcheilt, in Seen, aus deren flimmerndem Spiegel fette Karpfen die dum­men Köpfe spielend hoben; in reifende Weizen- feioer, die ihre vollen Halme im Winde gen Westen neigten, wo das Haus des Besitzers all dieser Herr­lichkeiten zwischen den Bäumen allmählich ver­dämmerte.

XVIII.

Als Andrea von der Reise nach Hause kam, merkte sie sofort an der fiebernden Unrast, die in den Geschäftsräumen begann und sich durch das ganze Haus fortpflanzte, daß etwas Besonderes im Werke war. Gutes bestimmt nicht! Vanselow schoß am Portal an ihr vorüber und vergaß in der Aufregung beinahe den Gruß; Kommis schwirrten aus und ein: in der Privatwohnung hielten der Diener und di? drei Dienstmädchen die gute alte Ella einbegriffen ein tuschelndes Konzil und stoben auseinander, als die Herrin erschien.

Lorenzen war unsichtbar. Selbst zum Essen er­schien er nicht und ließ sich am Haustelephon ent­schuldigen. Vanselow rief an und bat Andrea, im Auftrag ihres Gatten die unliebsame Störung zu

verzeihen. Herr Lorenzen habe gehört, daß die gnä­dige Frau zurückgekommen fei, aber er habe nicht einmal Zeit gehabt, sie zu begrüßen. Jetzt sei er auf einen Sprung zur Reich-bank gefahren, es sei eine unaufschiebbare Sache. Aber um drei Uhr denke der Herr zurück zu sein.

Ist denn etwas Besonderes oorgefallen, Herr Vanselow?"

Nicht im Geringsten, gnägide Frau."

Aber woher kommt denn diese außergewöhnliche Aufregung? Wollen Sie nicht mal einen Sprung zu mir herauf kommen, Herr Vanselow?"

Bedaure unendlich, gnädige Frau ich kann jetzt keine Minute abfommen! Zur Beunruhigung ist wirklich keinerlei Anlaß Empfehl' mich ge­horsamst, gnädige Frau ich muß an den Fernsprecher. Berlin klingelt an."

Als Ella die Speisen auftrug, fragte Andrea: Was ist eigentlich los, Ella; warum habt ihr den großen Rat im Salon gehalten?"

Die alte Dienerin stotterte eine Entschuldigung.

Das wollen wir denn doch nicht einführen, Ella!" ,

Es soll auch gewiß nicht wieder vorkommen,11 gnä' Frau!"

Ader die Ursache eures sonderbaren Be­nehmens will ich kennen!"

Ach Gott, gnä Frau, wissen Sie denn noch nicht?"

Andrea stockte der Puls. Was würde sie erfahren? Erfahren durch einen Dienstboten!Nein, Ella, ich hab' keine Ahnung. So sprechen Sie doch!"

Der Peter (das war einer der Ausläufer des Geschäfts) hat uns Raupen in den Kopf gesetzt, gnä* Frau. Der kommt alle Stunden zweimal rüber und pukt. Zwischen jedem Geschäftsgang kommt er. Der sagt, der Zechlin wissen, gnä Frau, der Be­sitzer von Groß-Spirow der hält' sein Geld bei uns geholt. Und das war schlimm', sagt der Peter, denn nu kämen alle Junkers nach und holten auch ihr Geld. Der von Hohen-Kraatz sei schon dagewesen, und der von Altsineck und der von Tornow. Wenn das so weiter geht, sagt der Peter, o Gott, o Gott nee gnä Frau, ich glaub dem Peter nich, der Schlingel is 'n ausgekochten Jung, und was"

Es ist gut, Ella. Was der Mensch redet, ist natürlich barer Unsinn. Wer sein Geld holen will, soll es tun; auf einen, der holt, kommen drei, die

bringen. Was den Peter betrifft, so werde ich mit meinem Mann reden. Ihnen und den anderen Dienstboten verbiete ich, den Verleumder noch ein­mal zu sprechen. Wer es dennoch tut, ist entlassen."

Die Worte Hangen ruhig und falt, indessen die Sprecherin im Innersten bebte und kochte. Als Ella gegangen war, sank Andrea weinend auf eine Chaiselongue.

Von den Speisen rührte sie keinen Bissen an. Zwar sagte sie sich, es sei nötig, sich zu zwingen, damit der Verdacht der Dienerschaft nicht neue Nahrung aus den unangetasteten Schüsseln ziehe aber die Kehle war ihr wie zugeschnürt, und sie sank wieder auf das Ruhebett. Als Ella zum Servieren erschien, winkte ihr die Herrin müde ab.

Ich habe Kopfschmerzen von der Fahrt. Ich kann jetzt nicht essen." Mitleidig trat die Alte näher und legte die Hand auf Andreas Stirn. Apathisch ließ sich die gemarterte Frau die Berührung ge­fallen. Allerdings, da klopfte und hämmerte das Blut.

Gnä' Frau"

Was denn, Ella?"

Es wird schon alles wieder gut werden!"

Ja, ja. Die Anstrengung war ein bißcheff groß. Ich werd' ein wenig ruhen, bis der Herr kommt."

Langsam schüttette Ella den Kops. Sie ließ die Hände sinken und faltete sie im Schoß.So mein' ich das nicht, Frau Lorenzen. Das Kopfweh geht vorüber. Aber das andere*

Andrea fuhr auf. ,Lassen 6le mich zufrieden mit . . ." Sie sah in das kummervolle Gesicht der treuen Alten, und die Worte erstorben ihr auf den Lippen. Ella gehörte zum Hause Lorenzen wie ein unentbehrliches Inventar. So wie die alte Stand- uhr, die mit stets dem gleichen Tik°tak bange und heitere Stunden zählte. Vor dem guten, ehrlichen Gesicht der Matrone gab's keine Geheimnisse.

Und die starre Zurückhaltung, die. das stolze Weib sich auferlegte, wich die mütterliche Sorge der treuen Dienerin sprengte das Eis und ließ ge­heime Quellen rinnen, die heiß von Herz zu Herzen drängten. In dieser Minute, die Verstehen heischte und anschmiegendes Verständnis, schwanden die Standesunterschiede wie eitel Dunst, und zwei Frauen sanken sich in reiner Menschlichkeit an die Brust.

(Fortsetzung folgt.)

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Bekanntmachung.

Sn unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen:

Am 29. Januar 1926 bei der Firma Siegfried Meyer & Co. in Gießen: Kauf­mann Bernhard Meyer in Gießen ist aus der offenen Handelsgesellschaft mit Wir­kung vom 30. Oktober 1925 ausgeschieden und diese erloschen. Das Geschäft ist mit dem Rechte der Wetterführung der seit­herigen Firma unter Äebernahme der im Betriebe des Geschäfts seither begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten auf den Siegfried Meyer in Gießen überge­gangen.

Am 1. Februar 1926 a) die Firma Isidor Rothschild in Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Ssidor Rothschild in Gießen. Der Isidor Rothschild Ehefrau, Sidonie geb. Rosenbaum in Gießen ist Prokura erteilt; b) bei der Firma Tribus & Sund­heim in Gießen: Dem Kaufmann Arwed Sundheim in Gießen ist Prokura erteilt; c) bei der Firma Siegmund Rosenbaum, Gießen, Inhaber Isidor Rothschild in Gießen: Die Firma ist erloschen.

Am 6. Februar 1926 bei der Firma Hellmold & Plank in Gießen: Dem Hans Plank in Bad-Wildungen ist Prokura er­teilt. Die Prokura der Heinrich Plank Ehefrau, Minna geb. Hellmold ist erloschen.

Am 8. Februar 1926 bei der Firma Arthur Graefe & Co. in Gießen: Die Firma ist erloschen. 1461B

Gießen, den 10. Februar 1926. Hessisches Amtsgericht.

Bekanntmachung.

Betr.: Prüfung für Geschäftsstenographen.

Die Frühjahrsprüfung für Ge­schäftsstenographen findet am Sonn­tag, dem 21. März d. I., mor­gens 9 Uhr, im Sitzungssaal der Industrie- u. Handelsklammer Giehen, Lonystr. 7, statt. Die Anmeldungen hierzu sind mit Angabe der Silben­zahl bis spätestens 10. März d. I. unter Beifügung von Mark 2. Prüfungsgebühr einzureichen. 14350,

Gietzen, den 15. Februar 1926. Industrie- u. Handelskammer Gießen: gez.: Schirmer, Kommerzienrat.

Sn dem Konkursverfahren über das Vermögen der Oberhesstschen Elektrizi- tätsgesellschaft m. b. H. in Gießen wird eine Gläubigerversammlung anbe­raumt auf: Donnerstag, den 4. März 1926, vormittags 10 Ähr, vor das Amts­gericht Gießen, Zimmer 1011, Obergeschoß.

Tagesordnung:

1. Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen;

2. Beschlußfaffung über den Antrag des Konkursverwalters auf Einstellung des Verfahrens mangels Maffe.

Gießen, den 10. Februar 1926. 14606

Heft.sches Amtsgericht. -----

Bekanntmachung.

Der Voranschlag für 1926 liegt vom Mittwoch, dem 17. ds. Mts. ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürger­meisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll erhoben werden. Es ist die Erhebung einer Ämlage be­schlossen, zu der auch die Ausmärker bei­zutragen haben. 147SD

Weickartshain, den 15. Februar 1926.

Bürgermeisterei. Hock.

Zwangsversteigerung.

Freitag, den 9. April 1926, vor­mittags 10 Ähr, soll das dem Friedrich Karl Sack in Heuchelheim zuge­schriebene Grundstück Flur 36 Rr. 140 = 127t qm Acker, Gemarkung Gießen, auf dem hiesigen Amtsgericht, SitzungssaallOl, versteigert werden.

Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt.

Gießen, den 12. Februar 1926.

3. A. des Hessischen Amtsgerichts.

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