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Darum war ihr für einen Augenblick unbebag lich ju Sinn? War er nicht ritterlich? Und taten nicht so viele dos, was ihr nicht paffend erschien? Sie lehnte sich im Stuhl zurück und sagte:Da es einmal geschehen tft, will ich Ihrem Klassen nicht umsonst die Muhe gemacht haben. Wie er das oer steht, solchen Tisch zu richten! Und die wundervollen Veilchen! Aber es ist ein Jammer um fiel

Nizzaveilchen."

Ja, ich weiß. Da sind sie aufgcblüht unter dein sonnigen Südhimmel, und bann werden sic hierher geschickt in die Kälte und müssen, statt in ihrem warmen Rasen, in einer Wasser schale sterben/

Sie dürfen noch mit ihrem Sterben Schönheit schenken und Freude bereiten, das Höchste, was ihr Leben ihnen zu geben hat. Man sollte sie beneiden, statt sie zu beklagen."

Er zog die seidenen Vorhänge zusammen. Der sinkende Tag war ausgesperri. da» Kerzenlicht trat In sein Recht. Es spann goldene Sonnen um die Flammenterne und hüllte alle Schönheit des Rau­mes in sein weiches Licht. Und hüllte auch das zierliche Mädchen ein, bah es wie eine verträumte Märdjenprinzessin aussah. wie es da im tiefen Lehnstuhl lehnte, das weiße Wollkleidchen wie eine Helle Wolke sich abhebend von dem dunklen Rot des Stuhles.

Rose hatte eine Tasse Tee getrunken, und Klassen räumte auf ein Klingelzeichen hin die Tassen fort, ließ nur die grünlichen Gläser auf dem Tisch stehen und die Veilchenschale, und trug eine Kristallplatte herein mit Eis.

Brockdorf schenkte einen alten, wundervollen Rheinwein in die Kelche.Auf Ihr Wohl, holde Rose! Daß alles Schöne und Gute über Sie kommen möge zum Dank dafür, daß Sie einem einsamen Menschen so viel Süße in sein Leben geben!"

Rose nippte nur am Wein. Ihr Herz begann zu rucken und zu zucken. Das sollte nicht sein, so sollte er nicht reden. Aber machte es nicht selig, ihm zu- zuhören? Und so ernst sah er sie an, fein Blick» ging ihr durck) und durch. Ach, lieber Kott, er konnte sic doch nid)t lieben. Das war doch Unsinn. Sie, die kleine Rose Bunsen. Aber während sie so dachte, war doch ein Stolh in ihr: Bin ich nicht wert, geliebt zu werden? Bin ich nicht ebensoviel wie die Frau, die er einmal gewählt und die von ihm gegangen ist, weil sie ihn nicht verstand?

(Fortsetzung folgt.)

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Hausherrn, gab solch wunderschönen Ton für all die feinen Dinge, tue wundervollen Kunstglaser. das kostbare Porzellan, die japanischen Lackarbeiten, die ent.zückenden Seidenstoffe. 0, sie war schon seit drei Jahren im Beruf, sie wußte Echtes und Schönes von Wertlosem zu unterscheiden. Ganz verzückt ging sie von einer Kostbarkeit zur andern umher, und so tarn es ganz selbstverständlich, daß Rose und Brod borf am Teetischchen sitzen blieben, ein paar feine Biskuits bröckelten. Ananas mit kleinen Silber- ftabchen pickten, sich halblaut unterhielten.

Wovon? Später wußte Rose es nicht mehr. Rur daß über jedem Wort ein Zauber gewesen, ein süßes Huldigen ganz persönlicher Art. Daß sie rosigen Sekt aus flachen Schalen getrunken hatte, daß die Kollegin, die dergleichen nie genossen, immer mehr aus sich herausging, was sich darin zeigte, daß sie immer ungenierter Umschau hielt, und daß sie drei Stunden geblieben waren statt der halben, die sie sich vorgesetzt.

Einmal stand Fräulein Windhaack plötzlich still vor einem Madonnenbilde.0." sagte sie,eine ganz moderne Auffassung. Aber entzückend." Ein süßes, dunkles Köpfchen, Murilloaugen, über der mädchenhaft zarten Brust ein leichter violetter Schleier und das liebliche Wesen hielt einen Knaben auf dem Schoß, dunkeläugig wie die Mut­ter, doch mit blondem fiaar. Versunken und sanft lächelnd schaute sie auf das Kind, das nach einem Schmetterling griff. Auch Rose erhob sich und trat an dos Bild heran.

Was für ein entzückender Kopf. Wer hat es gemalt

Ein italienischer Maler", sagte Brockdorf kurz. Kein bedeutender Meister. Immerhin, es ift ihm gelungen. Dann begann er von anderem.

Als die jungen Mädchen gingen, war in der Garderobe wieder die Frau des Dieners, eine frische, blonde Person, die Rose neugierig ansah und durch die Scheiben der Haustür ihnen nachblickte, wie Fräulein Windhaack konstatierte.

,Ä)ft Herr von Brockdorf eigentlich verheiratet?" fragte sie.

Geschieden."

Hat er Schuld ober sie?"

Sie", sagte Rose kurz. Dann schoß es ihr durch den Kopf: Das hatte ihr doch niemand ge­sagt. Gut, so sagte es das eigene Empfinden.

3a", sagte Rose.So dachte ich auch."

Und fühlte sich vor sich selber freigefprochen. Denn da unter Protektion der alten Dame--

ti war doch alles ganz einwandfrei gewesen. Ader Drockdorf hatte erreicht, was er wollte: Sie war in feinem Haufe gewesen. Das zweite Mal würde es leichter fein. Und bann

Zwei, ober dreimal begegnete Ro,e ihm, wenn sie vom Unterricht kam. Das eine Mal ging sie mit andern, da grüßte er nur höflich. Das zweite Mal ging er ein Stück Weges mit ihr und erzählte von einer alten lempellompc aus Japan, deren seidener Schirm brüchig würde. Er gäbe viel darum, eine Nachahmung dieses Stückes zu bekommen. Ob Rose ihn wohl einmal ansehen würde? Vielleicht wäre unter ihren Kameradinnen eine, die die Arbeit über­nähme. Er würde einmal darum anfragen.

Drei Wochen gingen hin ohne Anfrage, und dann, kurz vor Weihnachten Rofe war vom Warten schon ganz sehnsüchtig geworden traf sie Ariden wieder zufällig an einem fturmburdjiobten, regenschweren Nachmittag. Sie war blaß und naß und müde, und als Brockdorf ohne lange Vor­reden darauf bestand, mit ihr in eine Konditorei n treten, wo sie sich ein bißchen erholen könnte, ging sie mit. Er begann wieder von dem Lampen­schirm. Sie verabredeten, daß sie mit einer Be­kannten zu ihm kommen sollte, und Rose sand sich sehr> gesetzt und verständig, weil sie doch gewisser­maßen die Protektonn einer Kameradin war.

Sie war windoerweht, und Regen hing in ihrem Haar, aber sie war dabei so lieblich und so zart, daß der Aesthet. dem zerzauste Frauen sonst ein Greuel waren, nicht umhin konnte, sie auch jetzt noch entzückend zu finden.

Einige Tage später war Rose wieder an der Rotenbaum-Ehaufsee. Fräulein Lene Windhaack, die Kollegin, ein Mädchen unbestimmten Alters und unbestimmter Erscheinung, an dem alles ausdrucks- los war bis auf die schlanken schönen Hände, war begeistert von der Wohnung.

Das Kerzenlicht in den beiden Vorderstuben, dem Beinen Eßzimmer und dem Studierzimmer des

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Sie war schon so weit, daß sie Sribert gegen jeder, mann in Schutz nahm und, wenn es darauf an­kam, auch gegen sich selber.

Weihnachten war sie zu Hause

Aber was Mutter und Schwestern gehofft, gc chah nicht: Iven Lornsen blieb aus. Er konnte nicht ort aus Niebüll, wie er schrieb, da wichtige Der ammlungen gerade in die Festtage fielen, wo die Leute zum Reisen Zeit hätten.

Tut es dir nicht sehr leib?" fragte Ille. Rose sah sie zerstreut an. ..Gewiß, es wäre sehr nett ge- wesen", weiter nichts. Die Schwestern wurden un- sicher. Hatte die Kleine das schon überwunden? Aber wenn sie ihre versonnenen Augen sahen, wenn sie sie fingen hörten, Lönslieder, Rosenlieder und Die Stimme hatte einen Klang bekommen, den sie noch nie gehabt, bann spürten sic doch heimliche Mächte am Werk. Wer aber konnte das Seelchen wachgerufen haben, wenn nicht Lornsen? Von den jungen Mitschülern in Hamburg fprach Rose mit gänzlicher Unbefangenheit, und die Lehrer waren alte Herren.

Gleich nach Neujahr, als sie in die Hamburger Pension zurückkehrte, erhielt Rose den ersten Bries von 'Brodborf. Er bat um ihr Kommen am dritten Januar: sie würde die Kollegin bei ihm treffen, die den Lampenschirm zu bringen versprochen, und bei der Gelegenheit wolle man über eine seidene Decke mit silbernen Kranichen auf violettem Grunde ver­handeln.

Meine Kunstglaser, die ich mir selber zu Weih­nachten geschenkt, wollen die Herrin grüßen, deren Namen sie tragen", schrieb er, und Rose stieg ein leises Leuchten in die Augen.

Was waren das für Gläser ?

Sie standen auf dem Tisch im Eßzimmer, in der Nische, wo man durch die hauchfeinen Vorhänge hin­aus sah in den bereiften Garten. Zwei Kelche mit leicht geschweiften Rändern, mattgrün, aber mit einem rosigen Hauck» in der Tiefe, sobald Licht in sie fiel.Rofenkelche" hießen sie und eine Rosenknospe war am Fuß eines jeden der beiden Gläser mit dünnem Goldfaden befestigt.

Für zwei Personen war der Teetisch gedeckt, Rose sah sich um: Was sollte das?

Eben kam eine Karte von Ihrer Kollegin, daß sie durch eine starke Erkältung verhindert fei. Es war zu spät. Sie zu benachrichtigen. Wollen S'.e mir nicht dies Stündchen schenken?"

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