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Nr. U2 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 15. Mai 1926

D. H T.-Feier auf der Herchenhainer Höhe.

Bei einer Massenbeteiligung von schätzungs­weise 4000 Personen tvurbe vir Einweihung des Denkmals für die Gefallenen des Vogelsberger Höhenclubs und des Jugendheims auf drr Herchrnhaine^r Höhe am Himinelfahrttage vorgenommen. Vater Dender und Dr Vruchhäuser - LIlrichstein begrüßten die Ankömmlinge am Dahnhof Hart- mannShain mit herzlichem .Frischauf".

Die Zwcigvrrrine hatten Abteilungen von Geigern und Lautenspielern, die in den Festzug eingereiht wurden. Dieser setzte sich vom Dahnhof Harlmannshain aus gegen 12 älhr in Dewegunz uni» führte durch die mit Fahnen und Sannen- grün prächtig geschmückten Dörfer Harlmanns­hain und Herchenhain hinaus zur Herchenhainer Höhe bis zu dem in 735 Meter Höhe errichteten Denkmal. Der Kriegerderein Hrrchenhain. die Schulkinder, die Fahnen- und Wimprlträger tra­ten auf den Denkmalplatz. Die Regierungsbehör- dcn hatten ihre Vertreter n<anbt. Eg waren u. a. erschienen: Direktor Schulrat Hassinger- Darmsladt im Auftrag der otaatercßierung, Pro­vinzialdirektor Graes- Gießen. Kreisdirettor Ge­heimrat Böck mann-Schotten: ferner Ober- studienHirektor Kissinger- Darmstadt als Ver­treter der deutschen Gebirgs- und Wandervereine. der Erbauer von Denkmal und Heim. Architekt De u t sch m an n - Frankfurt. Professor Ben­der- Frankfurt, der Vorsitzende des Jung-VHC., kurzweg Vater Bender genannt, eröffnete die «Feier. Die Musik spielte einleitend das Vieder- sländische Dankgebet. Fritz Schröder - Frankfurt trug schwungvoll das FestgeÄcht vor.

Vater Dender hielt die Festrede in der ihm eigenen begeisternden Weise. Das Ehrenmal auf dem Berggipfel soll der wandernden Jugend, die im Jugendheim am Dergabhang einkehrt, eine Mahnung sein, nimmer die Heldentaten der tapferen Loten zu vergessen und ihnen nachzu­eifern in Heimat- und Vaterlandsliebe, in Treue und Pflichterfüllung. Architekt D e u t s ch m a n n (Front fort) stellte sich in selbstloser Weise zur Verfügung und entwarf die Pläne zu dem Ehren­mal und zum Jugendheim, dessen Errichtung auf dem Jung-V.H.C.-Tag in Gelnhausen beschlossen wurde. Jur Ausführung beider Projekte fand der D.H.E. die Unterstützung der hessischen Re­gierung. der Provinz Oberhessen, der Kreise, der Gemeinde Herchenhain, der Bezirtskassen und vieler Privaten. Als Vorsitzender des Dauaus» schusses übergab er beide Bauten dem Gesamt- D. H. C. Dr. Bruchhauser (Ulrichstein) über­nahm sie und sprach den Wunsch aus, das; das Dentinal ein Wallfahrtsort und das Jugendheim eine Pflegestätte deutscher Sitte, Treue und Va­terlandsliebe werden möge. Dr. Druchhäuser hob noch besonders die Verdienste Vater Benders hervor, Denkmal und Jugendherberge seien sein «ureigenstes Werk. Bender weckte den D.H.C.- Geist und die Jugendbewegung, die für andere deutsche Gebirgsvereine vorbildlich geworden sei. Hierauf wurde das Deutschlandlied gesungen. Direktor Schulrat H a s s i n g e r (Darmstadt) ent­bot im Auftrag der Hessischen Regierung Gruß und Segenswunsch. Ramens der deutschen Ge­birgs- und Wandervereine sprach Oberstudien­direktor Kissinger (Darntstadt). Dann bewegte sich der Festzug durch den Fichtenhain zu dent eigentlichen Denkstein, der aus Dasalttuff errichtet mitten im Chrenhain steht. Die Vorderseite trägt die Aufschrift:Unfern gefallenen Brüdern der V. H. C." Rach der Aufstellung spielte die Musik 3d) halt einen Kameraden", während sich die Fahnen und Wimpel neigten. Pfarrer Fritsch (Herchenhain) weihte das Ehrenmal. Dr. D r u ch- Häuser übergab es der Gemeinde Herchenhain, Bürgermeister Linker betonte, daß an der Gedächtnisstätte und am Erholungsheim Sladt und Land sich brüderlich die Hände reichen sollten. Dr.Druchhäuser legte für denGesamt-V.H.C. einen Kranz nieder.

Dann bewegte sich der Zug zum Jugend­heim, um auch dessen Weihe vorzunehmen. Hier sprachen: Vater Dender. Direktor Schul­rat Ha s sin g e r-Darmstadt, Kreisdireltor Ge­heimrat Böckmann- Schotten, Minks- Hil- ---- II' -HI I1THH1IMIHI | ! Ull - ITII MIIIIM ! Das Grefrner Stadttheater in

der Spielzeit 1925/26.

Am 2. Mai hat das Stadttheater seine »Winter- spielzeit beendet. Wersen wir einen Blick auf die künstlerische Tätigkeit unserer Bühne in der abge­laufenen Saison. Auf dem Spielplan erschienen ins­gesamt 38 verschiedene Werke (Schauspiel, Oper, Operette), von denen die weitaus meisten mehrere Abende füllten, manche auch eine stattliche Ausfüh­rungsserie erreichten und wohl auch noch in der kommenden Wintcrspielzeit 26 27 fortsetzen werden. Auf das Schauspiel entfallen im ganzen 28 Werke: daneben wurden 7 Operetten und drei Opern heraus­gebracht. Unser Theater darf sich rühmen, im ocr gauqenen Winter zwei Uraufführungen inszeniert zu haben: ferner sind elf »Werke als Erstaufführun­gen für Gießen zu nennen, hinzukommt eine Reihe von Neueinstudierungen.

L rgibt sich schon aus diesem zahlenmäßigen »Be­richt ein vielfältiges und buntes Bild, fo wird man, wenn man zunächst dem Schauspiel (aller Gattun­gen) einige Aufmerksamkeit widmet, die gerade für unsere speziellen Theaterbedürfnisse dringend zu for- dernde Elastizität und Wandlungsfähigkeit im Pro gramm auch auf diesem entsprechend dem Charakter unserer »Büyne bevorzugten Gebiet mit Befriedigung fcststellen können. »Was die sachlich-literarische Ver­teilung innerhalb dieses großen Arbeitsgebietes be­trifft, so wird man sich zunächst nach dem eisernen Bestand einer jeden guten Bühne (ob groß, ob klein) umfehen und nach dem fragen, was man gemeinhin und populär als Klassiker anzusprechen sich ge­wöhnt hat. Hier scheint uns ein schon äußerlich zu konstatierendes Mißverhältnis zur Gesamtzahl der im Spielplan erschienenen, rein dramatischen 'Werke doch nicht ganz durch die entschieden anerkannte und freudig begrüßte Qualität des Gebotenen aus­geglichen. Wir erlebten in einer trefflichen Vermitt­lung das klassischste aller klassischen Dramen Schil­lers, dieBraut von Messina", Lessings TI in na", von Grillparzer jenes wundervolle SpielDer Traum ein Leben" (wohl das dichterisch feinste, was er uns beschert hat) und mit Fug hierher zu rechnen Kalidasas weltliterarische LegendeSakuntala" in einer reifen, nachklinaenden Aufführung unter der Leitung des Intendanten,

Ein interessanter Rechtsstreit.

Der Rechtsstreit zwischen der evangelischen Kirchengemeinde Wieseck und der bürgerlichen Gemeinde Wieseck.

r Es dreht sich bekanntlich um die Frage der Baulast an den kirchlichen Gebäuden. Das Urteil des Landgerichts Gießen vom 1. Oktober 1925 fei hier nochmals in Erinnerung ge­bracht. Es schließt mit den Worten:Es besteht so­mit die Unterhaltungspslicht der Beklagten für Kirche und Pfarrhaus in »Wieseck nach wie vor, und zwar auf Grund eines privatrechtlichen Titels eine deutsch-rechtliche Reallast zugunsten der Klägerin fo baf^ keine »Rede davon fein kann, daß die ringe- klagten Beträge auf Grund des Art. 5 Nr. 3 des Gesetzes die Gemeindeausgaben betr. vom 22. No­vember 1872 durch Erhebung kommunaler kirchlicher Umlagen zu decken wären: vielmehr hat die bürger­liche ©emeinbe die von der Kirchengemeinde einge- flcgten oorgelegten Unterhaltungs- und ».Reparatur- kosten dieser zu erstatten. Da der Anspruch der Klä­gerin (961,33 »Reichsmark feit Rs. 1922 bis zum Tage der- Anstrengung der Klage nebst 2 Proz. monatliche Zinsen vom 1. Juli 1924 ab. D. B.) auch der Höbe nach bestritten ist, erschien cs gentäß § 304 KPO. angemessen, über den Grund desselben vorab zu ent­scheiden. Der erhobene Klageanspruch war dem Grunde nach für gerechtfertigt zu erklären. Die Eni- scheidung über die Kosten kann erst im Endurteil erfolgen. Entscheidung: Der erhobene Silage- anspruch wird dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt."

Dieses Urteil der ersten Instanz, das von vielen nicht anders erwartet worden war, wurde von dem vergangenen Gemeinderat angefochten, dessen sozia­listische Mehrheit Wert darauf legte, gegenüber man­cherlei »Angriffen zu betonen, daß nur sachliche Gründe für ihre Stellungnahme bestimmend waren.

Die Verhandlungen am Oberlandesgertcht in Darmstadt, die durch Erkrankung des Rechtsan­walts der bürgerlichen Gemeinde eine »Verzögerung erfuhren, ergeben folgendes Bild:

Unter »Ablehnung von Fragen und Rechtsverhält- nifjen, die für dcn vorliegenden Fall nicht in »Be­tracht kommen und die hier maßgebenden hessischen kirchenrechtlichen Verhältnisse unberücksichtigt lassen, wird das Eigentum berKirchengerneinbe an den kirchlichen Gebäuden erneut bestätigt.

Die Baula st Verpflichtung auf Grund unvordenklicher »Verjährung ist an Hand der Urkun­den von 1712, 1780, 1809 und 1810, einer tabellari­schen Beantwortung des Jahres 1837, der Akten des Kreisamtes und des Oberkonsistoriums in gerade mustergültiger »Weife bewiesen. Daß die evangeli­schen Kirchengemeinden schon sehr bald nach der »Re­formation in den »Besitz eigener juristischer Persön­lichkeit gelangt sind, weiß man aus Prozessen in Hessen zwischen bürgerlichen und Kirchengemeinden bereits im 17. und 18. Jahrhundert, aus der Zeit der letzten 20 Jahre u. a. aus den Verfahren Kir­chengemeinde Lich gegen von Solms-Lich. Kirchen­gemeinde Hungen gegen bürgerliche Gemeinde Hun­gen, Kirchengemeinde Wixhausen gegen bürgerliche Gemeinde »Wixhausen. Die Tatsache, daß in Hessen in zahlreichen Fällen die bürgerliche Gemeinde die Baulast an den Kirchengebäuden hat, ist unbestreit­bar und gerichtsbekannt. »Wenn in der die Unverletz­lichkeit des »Privateigentums und bestehender »Rechte ausdrücklich anerkennenden »Reichsverfasfung auch

von Trennung der Kirche vom Staat gesprochen ist, so hat diese Sache mit der hier in »Betracht kom­menden Frage, ob eine Baulastverpflichtung der bürgerlichen Gemeinde zugunsten der Kirchenge- meinde besteht, nicht das Geringste zu tun.

Es ist unrichtig, daß die Kirchengemeinde ihren »Anspruch unter anderem auch auf die Vereinbarung vom 18. Juli 1906 zwischen Kirchcnvorstand und Gemeinderat gründet. (Hier irrt auch der -Bericht­erstatter in Abs. 2 seines Aufsatzes imGießener Anzeiger". D. B.) Sie hat vielmehr lediglich daraus hingewiesen, daß ihr Anspruch durch jene »Verein­barung nicht aufgehoben oder abgeändert worden ist. (Das auch von ^'-»Berichterstatter a. a. O. ge­nannte Schreiben des Oberkonsistoriums vom 7. »No­vember 1911 alswenigstens stillschweigende" Zu­stimmung anzuführen, ist verfehlt. D. B.) Ein in der Form des »Verzichts in die »Rechte der Kirchen­gemeinde derartig eingreifender Vertrag hätte einer ausdrücklichen Genehmigung der obersten Siirdjen- bchörde bedurft und eine solche Genehmigung hätte auch dem anderen Vertragsteil mitgeteilt werden müssen.

Eine auf Grund Privatrechtstitels vorliegende Verpflichtung kann nicht hinfallen, auch wenn die tonfeifioncUc Zusammensetzung der bürgerlichen Ge­meinde gegenüber früheren Zeiten sich verändert.

Das Urteil vom 20. April d. I. lautet:Die Berufung gegen das Urteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Gießen vom 1. Oktober 1925 wird zu- rückgcwiesen. Die Sache wird zur weiteren »Ver­handlung an das Landgericht zurückverwiesen. Die Kosten der Berufungsinstanz werden der »Beklagten auferlegt. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar."

Die Gründe bezeichnen den Beweis der un­vordenklichen Verjährung als lückenlos geführt und finden in den von einem »Vertreter der »Re­gierung in Gießen, von dem Pfarrer und von zwei Vertretern der bürgerlichen Gemeinde unter- schriebenen Inventaren von 1809 und 1810 ein voll­gültiges Anerkenntnis der Baulast durch die letz­tere: ein Anerkenntnis, abgegeben mehr wie achtzig Jahre, also mehr wie zwei »Menschenalter vor dem 1. Januar 1900 (Geltungsbatum des BGB ). Die Eigentumsverhältnisse spielen keine Rolle: zweifellos wurden in alter Zeit Kirchen und Pfarrhäuser nicht als Eigentum der bürgerlichen Gemeinde angesehen. Hier beruht die Baulast nicht auf dem Eigentum der Beklagten, sondern auf einem besonderen durch up- vordenkliche Zeit begründeten Privatrechtstitel. Die Rechtsauffassung der Beteiligten bei den »Verhand­lungen 1906 ist irrtümlich, denn nach dem Gesetz vom 6. August 1902 das Eigentum an Kirchen, Pfarrhäusern usw. betr. erlischt nur die der bürger- lichen Gemeinde als Eigentümerin obliegende Baulast. Der Irrtum war beiderseits nur »Motiv zu den abgegebenen Erklärungen und bezog sich auf die Rechtsfolgen. Das Recht der Klägerin hat nicht die Natur einer »Reallast, da es der beklagten Gemeinde ohne Rücksicht auf bestimmte ihr gehörige Grund­stücke zur Last fällt.

Das zweitinstanzliche Urteil kann nicht angefoch­ten werden, und das Landgericht Gießen hat nun­mehr über die Höhe des Anspruchs der Kirchenge- meinde zu entscheiden.

genbach in Westfalen als Geschäftsführender Vor­sitzender der deutschen Gebirgsvereine und na­mens des Verbandes für deutsche Jugendherber­gen, Dr. F l ö r k e - Gießen für die Ortsgruppe Gießen und als Leiter der Jugendherberge Hohe- rodskops. Provinzialdireltor Graes- Gießen überbrachte die Glückwünsche der Provinz, die gerne bereit fei, für das Werk an der Jugend und ihrer Ertüchtigung mitzuwirken: Turnen, Sport und Wandern mühten die leider ver­schwundene allgemeine Wehrpflicht zu ersehen suchen und für die körperliche Erstarkung der Jugend wiicken. In dieser Erkenntnis der Be- deutnng der Jugendherbergen hat dasHeber- landwerk das Jugendheim und den Hoherods- köpf mit elektrischem Licht versorgt- Kurt Dörf­ler- Frankfurt übergab namens der dankbaren DHE.-Jugend dem Vater Dender ein Album

mit Bildern und Zeichirungen. Daran schloß sich die Besichtigung des Heims. Im großen Sago- raum sand noch eine Ehrung für Vater Ben­der statt. Sein Bild wurde in dein von ihm geschaffenen Jugendheim durch den Vorsitzenden des Gesamt-VHC.. Dr. Bruchhäuser - Ulrich­stein, enthüllt. Das Gebäude ist zweistöckig, massiv gebaut und mit Keller versehen. Jin 1. Stock­werk find der große Tageraum oder Aufenthalts» raum, die Küchen und die Wohnung für den Hausverwalter, anschließend befindet sich im Hof eine Halle für Geräte. Das Obergeschoß enthält Vorplatz und 8 einzelne Zimmer. Im Dachgeschoß find noch zwei Zimmer und ein großer Boden­raum für Massenquartiere, das Dach ist verputzt, so daß auch hier oben Schuh gegen die ein­dringende Kälte vorhanden ist. Insgesamt können 90 bis 100 Schlafstellen im Heim untergebracht

werden Das Gebäude ist im Tleufiem vollständig hergestellt und macht einen überaus freundlichen Eindruck Mit dem inneren Ausbau hat man aus praktischen Gründen langsam getan, bamit alles richtig austrocknet. Die Wände sind ge­tüncht, die Böden gelegt, die Fenster eingesetzt: nur der Anstrich und die Ausstattung mit Mö­beln hot noch zu erfolgen, die Installation ist noch in Arbeit. Zwei Zweigvereine haben bereits je ein Zimmer übernommen, die nach der Aus­stattung durch den Zweigverein dellen Ramen tragen werden. Reben elektrischer Beleuchtung erhält daS Heim auch feine eigene Wasserleitung. Die Eröffnung des Jugendheims soll im Lause des Sominers gelegentlich des Jung-VHC- Tages. der von Friedberg nach dem Heim ver­legt wird, erfolgen.

Run begann in den großen Feschallen, die dec Festwirt Weidner aus Herchenhain neben dem Jugendheim errichtet hatte, ein fröhliches Leden und Treiben, mehrere Musikkapellen kon- oertierten. Gesangsabteilungen trugen Chöre vor. und Musikabteilungen der Zweigvereine ließen ihre Wander- und Marschlieder erschallen. Am Rachmittcg kam das vorn V. H. C.-Bruder Wich. D ö r f f l e r - Frankfurt verfaßte F e st s p i c l auf der Herchenhainer Höhe $ur Aufführung. Das Stück wurde von Angehörigen des Zweigvereins Frankfurt, unter Leitung von Theo Zimmer- m a n n. dargestellt. Es führt den Titel ..Die Priesterin" und versetzt uns in die Uebcrgang»- zeit zwischen Heidentum und Christentum. Das Stuck erntete lebhaften Beifall.

Groh war das Gedränge am Bahnhof, als abends die Massen die festliche Stätte verlassen muhten. Die Ruhe der Eisenbahner war be­wundernswert, und es gelang ihnen, alle Gäste in den Zügen unterjubringen und ihre Heim­kehr pünktlich zu ermöglichen. Allen wird diese Doppelfeier des V. H. C. in angenehmer Er­innerung bleiben, und mancher wird die stim­mungsvolle Gedächtnisstätte im natürlichen Ehrenhain und das ideale Jugendheim in seiner Freizeit gerne wieder aufsuchen. K.

Wirtschaft.

Der Monlanlrust.

Geheimrat Bögler, der Vorsitzende des Direktoriums des jetzt endgültig konstituierten Montamrusts, gewährte unserer »Berliner »Vertretung ein Interview, dem wir folgendes entnehmen. D. Red.

Die Vereinigten Stahlwerke sind mit einem

Aktienkapital von 800 »Millionen Mark und 125

Hofrats St e i ng o e tt e r. Aber damit sind wir be­reits am Ende, und es wäre zu wünschen und herz­lichst zu begrüßen, wenn man diesem Gebiet im kommenden Arbeitsprogramm wieder ein wenig breiteren Raum zu weisen wollte: bei Shakespeare. Goethe, Kleist und Hebbel sollte nicht nur der künst­lerisch, sondern auch geschäfllich beflissene Theater­leiter bantbare »Aufgaben finden.

Mit erfreulichster Tatbereitschaft hat man sich für die moderne Dramenliteratur interessiert und mit entschiedenem Glück und Erfolg eingesetzt. Hier ist zlivörderst der beiden Uraufführungen des Winters zu gedenken. Das an sich schon verschwen­derisch ausgeftedtete Lustspielrepertoire wurde durch Harry Pohlmanns heiteren FrauentauschDer Teuse^ durch Beelzebub" bereichert, während man in dem SchauspielDie letzte Nacht" des Frankfurters Müller v o in »Borne eine bühnenwirkfame Anekdote in drei Akten lennenlenitc, die ihre Feuer­probe in allen Ehren bestanden hat und ihre Zug­kraft in mehrfachen Wiederholungen erweisen konnte. »Von den ferner herausgebrachten modernen Dramen war der entschiedenste Erfolg Zuck - magereFröhlicher Weinberg", der hier in einer außerordentlich dezenten Ausführung unter Volck einen glatten, ganz unbestrittenen und nachhaltigen Erfolg aufzuweisen hatte, während wir glücklicherweise sowohl von der überflüssigen Sensationsmache um dieses Stück ebenso verschont geblieben sind, wie von seiner nachgerade unerträglichen politischen »Aus­schlachtung, wovon man leider immer noch lesen muß. Wertvolle neue Bühnenkunst wurde geboten mit Rollands RevolutionsdramaSpiel von Liebe und Tod", Melis einsättig-wunbergläu- bigem, feinen und ganz deutschen ..Apöstelfpiel" (mit Lanzelot und Sanderein", dem altflämischen My­sterium, sinnvoll an einem Spielabend vereint), mit Sutton Banes nachdenklichem AbenteuerUeber- fabrt", das unter Telekys geschickter Regie merk­würdigerweise nicht den rechten »Widerhall sand. >^wei heitere Liebesspiele, der mythologische Scherz vomGlühenden Einmaleins" (Philipp) und die seinerzeit vielgespielte, aber einigermaßen überschätzte heimliche Brautfahrt" von Leo Lenz («chwan- zara) sind in diesem Zusammenhang noch zu nennen. Von früher bereits aufgesührtest modernen Werken erschien endlich Shaws .Heilige Johanna" (unter Steingoetters feinsinniger Regie) wieder im Spiel- plan; hoffentlich wird bas Werk mit in tue kom­

mende Saison übernommen, in ber man sich auch sonst bie Pflege moderner Dramatik wie bisher an­gelegen sein lassen sollte: es gibt eine ganze Reihe neuer Stücke, die nach Gehalt und Eigenart für unsere Bühne sehr wohl geeignet erscheinen.

Des weiteren vermittelte die übgelaufene Spiel­zeit eine »Reihe von älteren Dramen, bie zum über­wiegenden Teil feit langem erprobt, anerkannt und wohl auch in den festen Bestand des Repertoires aufgenommen sind: »WedekindsKönig »Nicolo" (ein sehr guter Griss: das Werk gehört zum Reifsten, was der Dichter gegeben hat), IbsensSolneß" (das nächste Jahr wird uns nun wohl auch den in Aussicht genommenenPeer Gynt" bringen), Björn)onslieber unsere Kraft" II. An'den starken Eindrücken, die § o h n r e y s »Bauerndrama Düwels" hinterließ, das man nach langer Zeit wieder einmal aus unverdienter Vergessenheit zog, mag man ermessen, welche dankbaren Aufgaben noch immer das echte, gesunde nnb bodenständige Volksstück bietet. Wir verkennen nicht die »Bedenken, die sich in vielen Fällen auf mundartliche Schwierig­keiten gründen. Sonst könnten »Anzengruber und Schönherr, denen leider allzuoft der Dialekt den »Weg auf die Bühne versperrt, nur empfohlen werden.

Sius besonderen »Anlässen erschienen in neuer EinrichtungHaus »Rosenhagen" (zu Ehren des 60jährigen »Mar Halbe), der alteFlachsmann" (zum Gedächtnis an den verstorbenen Otto Ern ft), WildenbruchsHaubenlerche" (als Wohltätig feitSDorftellung) und zur »Weihnachtszeit, wie üblich, ein Märchenfpiel.

Dom Lustspiel, als sehr integrierenbem Bestand­teil eines guten Programms, wurde in anderem Zu­sammenhang schon gesprochen: noch wird man sich dankbar zweier bewährter, älterer Stücke erinnern, die stets ihrer Wirkung fieber sind: derJugend­freunde" Fuldas und ber berühmtenFünf Frankfurter" von R o e ß l e r, bie auch in biefem Jahre roicber aus bem alten Bestand übernommen wurden. Auch im nächsten »Winter wird das hei­tere Drama gewiß bie umfaffenbe. sorgsame Pflege erfahren, die es zu beanspruchen hat insbesondere sollte man auch, wie heuer, ein klassisches Lustspiel iys Arbeitsprogramm mitaufnehmen: mit ber schon länger geplanten Neueinstubierung eines Shake- spearelustspiels (man hatte wohl an ben .Kauf­mann" gedacht) würde sich die Intendanz ein beson-

» V ,-<jr-ro- rrry*-nun

beres Verdienst erwerben, zumal es sich immer wieder erweist, daß der große »William auch heute noch oft genug volle Häuser erzwingt und Serien­aufführungen bringt, die eine liebevolle IRegiearbcit reichlich belohnen.

»Was die Oper bläfft, so hatten wir diesen »Winter drei »Aufführungen in Gestalt von Gastspie­len, und zwar brachte das Frankfurter Ensemble mit gutem ErfolgTosta" (Puccin i) und G o u n o d sFaust", während bie Darmstädter mit einer sehr reizenden, vortrefflich eingespielten »Vor­stellung von Donizettis »BuffooperDon Pas- quäle" den Beschluß machten. Es hat sich aber ge­rade bei diesem Gastspiel herausgestellt, daß die Musikbegeisterung und Theaterfreudigkeit des Pu­blikums bei weitem nicht den entschieden vevdienst- vollen, aber äußerst kostspieligen »Bestrebungen un­terer Bühnenleitung fo entgegenkommt, baß zum minbeften ein fühlbares Defizit bei diesen Gast­spielen vermieden werden kann. »Bei den wenigen Opernaufführungen. bie uns in jeder Laiion ge­boten werden, sollte ein volles Haus einfach Ehren­sache sein.

An Operetten endlich, die sich im allgemeinen erfreulicher »Anziehungskraft und guten »Besuchs zu rühmen hatten, brachte die wohlbekannt Frank­furter Gastspieltruppe aus bewährtem älteren Be­stand benBogelhänbler" (Zelle r) denFidelen »Bauer" (Fall) und JarnosFörsterchristei": wohingegen unter den Modernen entschieden Kal- man mit derGräfin Mariza" (in großaufgemach, ter Ausstattungsinszenierung) ben Bogel abschoß. Ein hübscher Abschluß ber Spielzeit endlich war Kollos NeuigkeitMarietta".

So bietet, in ganz großen Zügen, ein Ueber­blick über bie abgelaufene Spielzeit bas erfreuliche Bild ernsthaften und erfolgreichen künstlerischen Schassens. Wir dürfen erwarten, baß diese ehrliche und zielbewußte »Arbeit auch im kommenden Spiel jähre ihre Früchte tragen wird, und hoffen, daß eine verständnisvolle, tatbereite Theatergemeinde inner halb und außerhalb unserer Manern immer neue und weitere Kreise umschließen möge. lieber das Arbeitsprogramm für ben nächsten Winter, sowie über etwaige Deränderungen in der Ensemblezusain- mensetzung unseres Theaters ein Wort zu sagen, bleibe einem späteren Zeitpunkt Vorbehalten.

Dr. Th.