friebigenten ‘Kcfurtafen führen formte, tecil die beiden Hauptprobleme einer wirklichen Sanierung des Finanzwesens nicht beachtet worden sind: die Regelung der Schulden und die Stabilisierung.
• -----------
Nach dem englischen Streik
Don imftrwt Londoner Mitarbeiter.
London, 10. Dezember 1926.
De, größte Drbeitskmnpf der Neuzeit ist be- endet. Sieben Monate verweigerten mehr als eine Million englischer Bergleute die Arbeit: sie hiel° en länger als ein halbes Jahr auS. Mn,r kann diesen beispiellosen Kamps von sehr verschiedenen Seiten her- betrachten. Man fami ihn lediglich ald Lohnkampf nehmen und trocken feststellen. bah den englischen Bergleuten der Versuch, ihren alten Lohn zu hallen, mißglückt ist. Man farm ihn aber auch alsWirtfchaftskampf macht- r olitischer Art nehmen und den Sieg des orgcrni- iierten Unternehmertums über die organi'ierte Arbeiterschaft konstatieren. So ist tatsächlich der Streik in der Presse auch behandelt worden. Richt hüt Anrecht. Aber es gibt doch noch einen anderen Standpunt, noch einen anderen Gesichts winke«., unter dem die Vorgänge in den Kohlenrevieren Grobbritanniens eine weltpolitische Beden-- tung erhalten.
Wir meinen den Gegensatz England- Rußland. Denn es mag ftun berechtigt gewesen >ein oder nicht: in England wurde der Streik in sehr weiten Kreisen der Bürgerschaft nicht als innerpolitischer Vorgang, sondern als Phase in oem heimlichen Kriege Moskaus gegen London empfunden. Diese Deutung, obwoyl nicht ohne wirtlichen Hintergrund, hat freilich die sozialpolitische unS überhaupt die innerpolitische Wer- «ung des Kampfes bedenklich bemrrt Sie hat den Bergherren ihren Sieg verschafft, aber sie hat einen nicht unbedeutenden Teil des eigenen Volles zum Besiegten gemacht. Oder anders getagt: eine zunächst doch inner polt tische Angelegenheit ist mit außenpolitischen M-^ itjoben durchgefochten worden. England hat sich so benommen, als fei der Bergarbeiterstrerr gar kein Lohnkampf gewesen, sondern nichts weniger als ein Aufstau d. und zwar ein von dem nutzeren Feinde unterstützter Aufstand.
Wie gesagt, diese Auffassung ist nicht grundlos. -Uebcrafi kämpft Ruhland gegen England. And wenn heute irgendwo auf der Welt Kriegsgefahr besteht, dann doch zweifellos zwischen Großbritannien und Ruhl and. 3n Asien und Afrika, in Schanghai und an der indischen Grenze, in Südafrika und in Kairo stöht der Brite auf die russische Wühlarbeit. 3n Asien sind die nationalistischen Bewegungen zugleich kommunistische oder doch wenigstens von Moskau als tommu- instifch propagierte Bewegungen geleitet. Selbst Holland mutzte das kslrzlich in seinen indischen Kolonien füllen. And nun oegann die Arbeit Moskaus auch in den Kohlenstädten von Wales und Rottingham. Der Führer Cook stand mit Moskau in sehr enger Fühlung und die Streiken^ den erhielten den grötzten Teil der finanziellen Unterstützung von Rußland. Man erinnert sich der diplomatischen Schritte der englischen Regierung in dieser Angelegenheit. Kein Wunder, wenn man in London nervös wurde. Wenn man überall das kommunistische Gespenst sehen wollte.
Es ist wohl auch so gewesen, dah die Arbeiterführer vom Schlage eines Eook solche törichten Pläne im Kopfe hatten. Look führte diesen ganzen Kampf nicht als Gewerkschaftskampf, sondern als politischen Kampf. Er wollte den englischen Kohlenbergbau ruinieren, um den Staat zur Aebernahme des Bergbaues zu zwingen und so die Sozialisierung herbeizu- sühren. Das ist identisch mit Moskaus Plänen. Die Leitung der dritten internationale lebt ja immer noch in der Illusion, man könne in das Wirtschaftsleben Grohbritaniüens eine solche Bresche schlagen und damit die Welttevoltttion beschleunigen.^ ^per ist es, das Wollen und die Beweggründe der RMlionen englischen Arbeiter, die gestreikt haben, mit diesen Zielsetzungen zu identifizieren. Der englische Arbeiter hat den Streik trotz der furchtbarsten Entbehrung gen durchgehalten, weil er seine Lage damit zu verbessern glaubte, und weil er von einem tiefen gegen die gegenwärtigen Verhältnisse im Kohlenbergbau erfüllt ist. Es mutz schon ein seh'- großer Massemoillen fein, der soviel hunderttausende Arbeiter in einen solchen ungeheuren Kamps führt.
Anv dieser Wille wird nicht durch eine Riederlage gebrochen. Die Rotlage der englischen Vergär be^ ter ist durch den Streik schlimmer geworden als sie vorher war. Die Löhne sind noch niedriger, die Arbeitszeit länger — ganz abgesehen von den 3000 00 Bergleuten, die mm arbeitslos bleiben
Diese Verhältnisse sind e::c Folge der tri- rischen Lage der englischen Wirtschaft beziehungsweise des europäischen 'Bergbaues überhaupt. England hat manche Krisen überstanden: und mehr als das: es hat diese Krisen zum Antrieb seiner Kolvnialpolitik benutzt. Der Rieder- oruch ganzer Industrien in vergangenen Jahrhunderten hak eine vcrstärtte Auswanderung zur Folge gehabt und auf diesen erzwungrireu Airs- wanderungrn beruht in sehr weitem Matze die Besiedlung der Dominions Australien und Kanada. Stutt nun die Arbeiter auf Vie Kn^e ’,u zwingen, hätte England, lebte noch in feinen Führern die alte weitich-auende staatsmännisch: Klugheit, die Umschichtung der Wirtschaft so leiten müssen, dah cs weder Sieger noch Br- siegre im wirtschaftlichen Eristenztamps gab.
Run aber gibt es Sieger und 'Besiegte. Hat die Riederlage 192 1 in jenem viermonatlichen Bergarbeiterstreik den siebelunonatliche.'. Streik 1926 nicht verhindern können, so wird auch diese Riederlage Cie englischen Arbiter nicht abhalten, in einigen Jahren aufs neue Den Kamps zu wagen. Die heutigen Führer Englands sind nicht imstande gewesen, diesen schweren Er- schütterungen des britischen Reiches für die Zukunft vorzrrbeugen
Oberhefsen.
Landkreis Gietzen.
00 ÄleinLinden, 12. Dez. Am heutigen dritten Adventssonntag fand in unserem Gotteshaus, anschließend an den Gottesdienst, die Weihnachtsfeier der hiesigen S o n n ta g s s ch u l e statt. Im Mittelpunkt standen messianische Weissagungen des Alten Testaments, ferner die Weihnachtsgeschichte und mehrstimmige Weihnachtslieder, vorgetragen von den Sonntagsschülern. Die Einübung hatten die beiden Leiterinnen der diesigen Schwesternstation, Kinderschulschwefter Lydia und Krankenschwester Frieda, übernommen. Es war eine erhebende Feierstunde für alt und jung. Pfarrer Schultheis von Großen-Linden, der den Gottesdienst oertrettmgsweise übernommen hatte, dankte allen, die zum guten Gelingen der Feier beigetragen hatten. Ain Schluffe wurde jedem Sonntagsschüler ein kleines Geschenk überreicht. — Abends hielt der hiesige Frauenverein im Saale der Kleinkinderschule seine Weihnachtsfeier ab. Es wechselten in schöner Folge Gedichte und Gesänge der jungen Mädchen mit Begleitung von Zupfinstrumenten. Frau May begrüßte im Namen des Vorstandes die Erschienenen. Es schloß sich eine Verlosung an, zu der von den Mitgliedern die Gegenstände gestiftet worden waren. Der Erlös der Verlosung von rund 50 Mk. wurde der Kasse der Kleinkinderschule überwiesen.
n. Grvhen - Linden. 13. Dez. Dec hiesige Turnverein veranstaltete am Samstagabend m der Turnhalle eine Schülerfeier. Diev Schüler trugen den Festgrüß in vorzüglicher Weise vor. Die dritte Knaben-Riege turnte am Pferd, die zweite am Reck unfr die erste am Barren. Die Mädchen turnten am Pferd und Darren. Die Leistungen der Schüler und Schülerinnen waren ausgczeichrret. Volkstanz der Mädchen und Ge- wandthcitsübungen der Knaben auf der Matte waren ebenfalls recht gut. Für Musik sorgten einige hiesige Herren. Es war ein genußreicher Abend.
h. Ruttershausen, 13. Dez. Heute seierte Landwirt Heinrich Schwarz, der Dater des hiesigen Bürgermeisters, bei geistiger und körperlicher Frische, die ihn noch alle landwirtschaftliche Arbeiten verrichten läßt, seinen 30. Geb urts-- tag.
5 Lollar. 13.Dez. Dec Bezirk Lollar des »Hessischen Landes-Lehrervereins" besichtigte am Samstag unter der sachkundigen Führung des Dekans Gutzmann- Kirchberg die neuhergerichtete Kirche daselbst. 3n einem einleitenden Dortrag machte Dekan D u h m a n n die Teilnehmer rmt der Geschichte des uralten Gotteshauses betannt Rachdem er noch über die verschiedenen Der« änderungen, Erweiterungen usw., die Kirchberg im Laufe der Zeit erfahren, gesprochen hatte,
wies er besonders darauf hin, daß man in einer Zeit, der das Verständnis dafür fehlte, bei einer Renovierung der Kirche im 19. Jahrhundert, die herrlichen Epitaphien, die bildhaltL Ausschmückung der 'Wände ulw. einfach ein* iarbig überftrichrn bzw. zageweißt hat. Bei der letzten sind nun unter fachkundiger Hand die alten Farben, jmn Teil in herrlicher Frische, wieder! zum Vorschein gefcnnmen; überhaupt ist der ganzen Kirche, soweit dies angängig war, ihr ursprüngliches Aussehen wieder verliehen worden. Dabei wurde mit größter Gewinenhattig- Zeit, Sorgfalt und Pietät zu Werke gegangen und fo ein schönes, stimmungsvolles Gotteshaus geschaffen. Auf dem Altar waren einige alte Ar tun den aufgelegt, tvonmter besonders ein Ablaßbrief aus Dem 14. Jahrhundert aufsiel. An den Vortrag schloß sich die eingehende Besichtigung der Kirche an. Der Vorsitzende des Bezirts- lehrerverems Lollar, Lehrer Keller- Loltar. sprach Dekan G u h m a n n zum Schlüsse den Dank der Teilnehmer an der Besichtigung aus. Erwähnt mag noch werden, dah bet der Rciwvie- rirng die Kirche auch Heizung, elektrisches Licht und elektrischen Orgelantrieb erhallen hat.
z. Allendvrf a. d. Lda.. 13. Dez. Dor einigen Tagen wurde in den hiesigen Gemeinde- Waldungen mit den Holz hau er arbeiten begonnen. Leider ereignete sich dabei gleich ein Unglücksfalt Der verheiratet^ Marlin Farm hals wurde von dem Ast eines stürzenden Baumes fo heftig getroffen, dah er mit einem Riopenbruch und äußeren Verletzungen nach Hause gefahren werden mußte.
ch L i ch. 13. Dez. Unsere Hiniergasse, eine Straß« aus dem alten Lich, ist infolge ihrer Enge nur sehr schlecht geeignet. Fahrwerke größerer Ar t durchzulassen. Desto mehr muß man sich Wundern, wenn man sieht, mit welcher Geschwindigkeit viele Autos durch diese schmale Gasse fahren. Die Leute auf der Straße flüchten schnell in Ecken oder Hausgäuge gurürf, um der Gefahr, überfahren zu werden, zu entrinnen. Arn gefährlichsten ist es Wohl am Eingang von der Bahnhofstraße aus. Zeigt doch an dieser Stelle die Hintergasse eine Breite von kaum 4,50 Meter. Dazu ist die Einfahrt infolge der scharfen Straßenecke völlig unübersichtlich. Es wäre int Interesse der Bevölkerung dringend zu empfehlen, die Gasse für L a st- aufos. 5 u sperren oder doch wenigstens zu veranlassen, daß bei der Einfahrt und der Durchfahrt von Autos eine Geschwindigkeit von 10 bis 15 Kilometer für die Stunde nicht überfchritteni würde.
= Hungen, 13. Dez. Gestern abend veranstaltete der 2 icher F r a u e n ch o r unter Leitung von Frl. Jäger und unter Mitwirkung von Frl. Graef Gießen iDioline) und Lehrer Stein-Lich (Orgel) in hiesiger Kirche eine musikalische Feierstunde. Der Chor entledigte sich gut seiner Aufgabe, brachte verschiedene dreistimmige Chöre iomtein zu Gehör und fand den Beifall der Zuhörer. Anter dem Chören war „Maria durch ein Dornwald ging" die Glanznunnner. Ganz besonders gefielen die Diolinvorträge von Frl. Graef, dre sowohl über eine feine Technik, als auch eine vollendete Vortragweise verfügt. Herr Stein spielte einige Weihnachtspraludien m schöner Weise und begleitete die einzelnen Gesänge mit gutem Geschick. Da die Solistin des Abends, eine Sängerin auS Hanau, nicht erschienen war, mutzten einige Rum- nterrt des Programms ausfallen. Demi och waren: die Erschienenen für das Gebotene dankbar.
Kreis Friedberg.
pb. Butzbach, 13. Dez. Die jüngste Stadt- verordneten-Sihung nahm trotz verschie- frener kritischer Punkte der Tagesordnrurg einen ruhigen, fachlichen Verlaus Zunächst wurde an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Etadtv. Stroh der Telegraphenlei'.ungsaufseher Essinger vom Bürgermeister Dr. Jansen durch Handschlag als Stadtverordneter verpflichtet. । Zur Erw eiter ung der Äanali f ation, ' Schaffung einer Kläranlage und zur Ablösung höher verzinslicher Schulden wurde die Ausnahme eine- Darlehens von 100000 Mark zu Z’/t, Prozent Zinsen bei voller Auszahlung beim Mathitdenftift Butzbach gutgeheitzen. - Weite: bewilligte man zur Erricht ung von Au t o- verbindungen an eine zu gründende hiesige Firma als Garantiesumme, soweit die Firma Hre gemeinsamen Ausgaben und Abschreibungen aus den Betriebseinnahmen nicht Reifen kann,
einen Betrag bis zu 1000 Mark vierteljährlich zunächst für ein ^afrt — Die toz aldemokratische Fraktion beantragte gemeinscun mit dem kommunistischen Sradtv. Oppenheimer den Erwerbslosen eine Weihnachtsbeihilfe zu acwähren, und zwar für jeden Verheirateten 30 Mk.. für jeden Unverheiratetem 15 Mk. in bar, ohne Prüfung der Bedürftigkeit. Hierüber entspann sich eine längere Debatte. Schlietzlich wurde ein Kompromiß-Antrag Iauh angenommen, wonach an Verheiratete mit vier und mehr Kindern 30 Mt., mit drei Kindern 26 Mt, mit zwei Kinder» 26 Mt.. mit einem Kind 24 ML. ohne Kinder 22 Mk. unb an Ledige 12 OKI. einmalige Weihnachtsbcihilfe gewährt werden. -- Die Gemeindehundesteuer für das Jahr 1927 wurde wie folgt festgesetzt: bei einem Einkommen bis 2000 Mk. 6 Ml., dis 3000 Mk. 8 Mt. bis 4000 M. 12 Mt.. bis 6000 Mr 18 Mk.. bis 10000 MI. 24 Mt.. über 10 000 ML 36 Mk. - Weiter beichlo-', die Versammlung. dieH of reite Fl. i Rr. 112 mit 1011 Quadratmeter mit Den dazugehörigen Gebäuden unb dem Wohnhaus ÄDri-gaffe 2 zum Preise- von 16 000 Mt. von Friedrich Wilhelm 'M ü l l e r Wwe. in Butzbach zu erwerben. Außerhalb der Tages ocdinmg stellte Etadtv. Dr. Schmidt den Antrag, sämtliche städtische Häuser alle uni> neue — auf die Angemessenheit der Mietsätze zu prüfen. Es dürfe nicht angängig fein, daß aus Steuer-Erträgen Zuschüssc gemacht - werden. Außerdem iei eine namentliche Aufstellung von den Mietern ,zu machen, Die qjebr als einen Monat mit de Miete. Wasler ufto. Geld rückständig sind. Mit dem Bau der neuen K a nal° Anlage, die der Firma Aber mann in Gießen übertragen wurde, ist begonnen worden. — Bei der Firma B a m a g ° M e g u i n sind in den beiden letzten Wachen <0 Arbeiter neu eingestellt worden Dom Januar ab sollen noch weitere Arbeitskräfte angenommen werden.
* Gambach, 13. Dez. Aus der Treibjagd. die am Samstag in unserer Gemarkung ftattfani», wurden 152 Hasen zur Strecke gebracht.
Kreis Vüdntge».
n d. R i d d a , 13. Dez Gestern sand hier in der Stadtkirche ein Gemeindeabend statt, in dem Pfarrer Eckhard von Worms einen tiefgründigen Dortrag über die Einführung der Reformation in Hessen, speziell in der Stadt Ridda hielt. ;3n außerordentlich fesselnder Weise führte der Redner den Zuhörern den wichtigsten Abschnitt auS der Rid- dacr evangelischen Kirchongefchichte vor. in dessen Mitte er das Lebensbild eines der verdienstvollsten Männer zur Zeit der Reformation, des Predigers und nachmaligen Superintendenten Johannes Piftvrius in Ridda, stellte, dessen Dater hier Bürgermeister gewesen war. Er war ein durch Gelehrsamkeit und Derföhnlichkeit, aber auch durch Glaubensmut sich auszeichnender Berater und Freund Philipps des Großmütigen. Leider sind seine Verdienste um das Reformationswert in Hessen viel zu wenig bekannt. Der Redner hat versucht. Piswrius an den Platz in der Kirchengeschichte zu stellen, der ihm gebührt. Die Versammlung war sehr stark besucht. Die Mädchenvereinigung umrahmte den Vortrag durch mehrere Lieder und passende Gedichte, die einige Mädchen eindrucksvoll vortrügen.
- Echzell 13. Dez. 3m gestrigen Dor- Mittagsgottesdienst, der überaus stark besucht, war, wurde unser neuer Pfarrer Siebeck durch Dekan Dcriba-Eichelsdorf in sein Amt eingeführt. Chöre der beiden Gesangvereine und der Schuljugend, sowie die Dar-
ERC1
DerFrosch mit derMaske
Roman von Edgar Wallace.
15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Das habe ich schon mehrfach gehört", sagte Elk. „Ich hoffe nur, daß er nicht in demselben Geschäft arbeitet wie die andern, dir mit ihm sind. Aber Sie rönnen ganz ruhig sein, ich lasse ihn nicht aus den Augen, Fräulein Bennett", sagte er.
Am Abend gestand der Detektiv Dick in höchster Riedergeschlagenheil seinen Irrtum. „Äch weiß nicht, wieso ich auf Bennett verfiel", sagte er. „Mir scheint, meine Iugenbejeleien beginnen wieder. Ich sehe, daß die Abendzeitungen den Diebstahl schon gebracht haben."
„Aber sie wissen nicht, was gestohlen wurde", sagte Dick. „Dag muß geheim gehalten werden."
Sie befanden sich im inneren Bureau, das Dick nur zeitweilig benützte. 3n seinem nebenanliegenden Arbellsraum waren zwei Tischler beschäftigt. Sic erneuerten die Wandtäfelung, die bei dem Attentat auf Dick von der durchs Fenster cindringenden Kugel beschädigt worden war. Es war symptoma- nsch für die Äirkuna, die die Frösche auf die Polizeidirektion ausübten, dah beide Männer mechanisch nach einer Tätowierung auf dem linken Arme der Arbeiter ausgesvöht hatten. Der Anblick des be- 'chadigten Paneels vrachte Elks Gedanken auf einen Vorfall, der ihn schon lange beschäftigte. Trotz her sieten Beobachtung, unter der der Landstreicher üarlo gestanden hatte und ttotz aller angewandten Borsichtsmaßreaeln war er verschwunden und Den gemeinsamen Anstrengungen der Pokizeidirektion und der öandpolizei war es nicht gelungen, seine 3bentität festzustellen. Das war Gordons wunder Punkt, wie Elk mit Recht äußerte. Denn Earlo schien der berühmte Rümmer sieben zu fein, nach dem Frosche selbst der wichtigste Mann der Orga- uifation.
„Es nützt nicht oiel, wenn wir einen andern Mann hinausschicken, um Genters Rolle weiter zu spielen. Das System funktioniert nicht zweimal. Ob wohl Lola etwas darüber wüßte?"
„Ich glaube nicht, daß die Frösche einer Frau trauen", sagte Dick.
Sie verbrachten den Rest Des Tages mit fruchtlosen Untersuchungen. In sein Zimmer in der Po- lizeidirektion zurückgekehrt, sah Ell lange reglos unb zusammengekauert in seinem Sessel, die Hände In den Hosentaschen vergraben, geistesabwesend auf seinen Löschblock starrend. Dann drückte er auf die Glocke und sein Assistent, Balder, kam herein.
„Gehen Sie zum statistischen Bursau unb bringen Sie mir alles über jeden Saseeinbrecher, der im Lande bekannt ist. Sie brauchen sich nicht um die französischen oder deutschen zu kümmern, aber es gibt ein oder zwei Schweben, die höchst geschickt mit der Lampe umgehen können. Unb bann sinb natur lich noch bie Amerikaner ba."
Rach einer langen Pause kam Balder mit einem beträchtlichen Stoß von Papieren, Photographien unb Fingerabdrücken wieder.
„Sie können gehen, Balder. Der Mann, der den Nachtdienst hat, kann bas wieder zurücktragen."
Elk machte es sich bei seiner angenehmen Nacht' lettüre gemütlich. Er hatte fast den ganzen Stoß burdjgeprüft, als er auf bas Bild eines jungen Mannes mit herabfallenbem Schnurrbart unb lockigem Haar stieß. Es war eines jener scharfen Positive, wie sie bie unromantischen Polizeibeamten auf nehmen unb zeigte jegliche Unebenheit ber Ham. Unter ber Photographie war ber Name sorgfältig gebrückt: .Henry John Lyme R. 33."
„R. B." war dec Gefängniskoder. Jedes Jahr von 1874 bis 1899 war mit einem Großbuchstaben des Alphabets bezeichnet. Dann tarnen die Kleinbuchstaben. Das große R bebeuteie. dah Henry John Lyme im Jahre 1891 zu Zuchthaus verurteilt worden war, das B, daß er einen weiteren Zeitabschnitt im Jahre 1895 im Gefängnis verbracht hakte. Elk las ben schrecklichen unb kurzen Bericht.
Im Jahre 1873 in Guernsen geboren, war ber Mann sechsmal verurteilt moroen, bevor er noch sein zwanzigstes Jahr vollendet hatte. Dis geringeren Haftjahre werden nicht mit Buchstaben im Kodex bezeichnet. In dem Raume am Fuße des Abschnittes, wo besondere Einzelheiten des Verbrechers an- gemerkt^ werden, stauben bie Worte: „Gefährlich, führt Schiehwaffen mit sich." In einer andern
Schrift unb mit roter Tinte, mit der man gewöhnlich bie Karriere eines Verbrechers abschließt, stand bar- unter: „Zur See gestorben, Ehannell Queen, 1. Februar 1898." Elk erinnerte sich an den Schiffbruch des Guernsey Postpakelbootes auf ben Black Rocks Ec wendete die Seite uni, um Genaueres über bie Verbrechen des Toten zu lesen nnb die Erklärungen derjenigen, die von Zeit zu Zeit in amtlichem Verkehr mit ihm standen. In diesen Abschnitten war die wahre Biographie zu lesen. „Arbeitet allein", war die eine Anmerkung. Unb bann: „Ist nie mit Frauen gesehen worben." Eine dritte Anmerkung war schwer zu entziffern, aber als Elk bie schlechte Schrift be- meiftert hatte, erhob er sich in feiner Aufregung halb vom Sessel:
„Zu ben körperlichen Kennzeichnen im allgemeinen hin,zuzufügen: D C. P. 14 Frosch tätowiert linkes Gelenk, neu I. I. M."
Das Datum, an meldjetn dies geschrieben war, war das ber letzten Haft bes Verbrechers. Elk drehte bas Gedruckte D. E. P. 14 um und fand, dah es ein Formular fei, betitelt: „Beschreibung des Häftlings." Die Zahl war die Klaffifikation. Von tätoroierten Fröschen war nichts erwähnt. Der Schreiber war nachlässig gewesen. Work für Wort las er bie Be schreibung.
.^Harry John Lyme, o. jung Harry, a. Thomas Martin, a. Boy Piece, a. Boy Harry. (Es standen ba fünf Zeilen solcher „Alias".) Einbrecher, gefährlich, trägt Schußwaffen. Höhe 5 Fuß. 6 Zoll, Brustumfang 38. leint frisch. Augen grau. Zahne gut. Mund regelmäßig. Grübchen im Kinn. Nase gerade. Haar braun, wellig, lang getragen. Gesicht rund, Schnurrbart herabfallend, tragt Koteletts. Hände und Füße normal, am linken Fuß das erste Glied ber kleinen Zehe infolge eines Unfalles amputiert königliches Gefängnis Portland. Spricht gut schöne Handschrift keinerlei Steckenpferd. Raucht Zigaretten. gibt sich für einen öffentlichen Beamten aus. Steucreinneymer, Sanitätsinspektor, Gasmann ober Installateur. Spricht fließend Französisch unb Italienisch. Trinkt nie, spielt Karten, ist aber kein Spieler. Lieblingsoerftecke Rom ober Mailand. Keine Verurteilungen außer Londes. Keine Verwandten. Ausgezeichneter Organisator. Unmittelbar nach einem Verbrechen suche man ihn in einem guten Hotel in Mittelenglcmd ober auf bem Wege nach Hüll zu
hollönbischen ober skandinavischen Schiffen. Man weiß, baß er Guernsey besucht hat. . ."
Hierauf folgten nur noch bie fBernUonmaf« unb körperlichen Merkmale, denn es war In ben Tagen bevor bas Fingerabbrucksystem eingeführt worben war. Des Frosches auf bem linken Handgelenk warb keinerlei Erwähnung mehr getan. Elk tauchte bie Feber ein unb fügte die fehlenden Daten hinzu. Dann schrieb er: „Dieser Mann mag noch am Leben sein" unb unterzeichnete dies mit feinen Initialen.
10.
Auf Harley Terrac«.
Als Ekt dies gerade schrieb, schwirrte bas Telephon. Er beendete jedoch ruhig seine (Eintragung unb löschte sie ab. bevor er ben Hörer auf nahm „Hauptmann Gordon wünscht, Sie möchten das erste Taxi nehmen, das Sie finden unb zu ihm kommen' Die Angelegenheit itt äußerst bringenb. Ich spreche von Harley Terrace , sagte bie Stimme.
„Es ist gut", sagte Elt, nahm Hut und Schirm und ging in ben dunklen Hof hinaus. Es gab zwei Ausgänge in Scotland Pard. Der eine führte nach Whitehall imb war sicherlich ber dosiere Weg für ihn. denn in Whitehall stehen Wagen an Wagon. Der anbcre Ausgang geht nach bem Themie-Emdank ment, auf eine Durchsahnsstraße und ist ber weitaus längere. Weg, auf bem er zur vorgerückten Nachtstunde nur wenige Autos zu finden erwarten konnte.
Aber Elk war so ganz von seinen Gebanlen erfüllt daß er auf dem Emdankment war. bevor er gewahr wurde, welchen Weg er genommen hatte. Er wendete fich gegen bas Parlament in ber Bribge straße. fand einen alten Wagen unb gab bie Adresse an. Der Chauffeur war bejahrt unb vermutlich ein wenig angeheitert, denn anstatt vor Nr. 273 ftthen zu bleiben, überfuhr er bie Nummer um etwa ein Dutzend Häuser unb hielt erst nach furchtbaren Drohungen seines Fahrgastes an.
„Was ist benn mit dir los, Baier Noah? Daist ja nicht ber Berg Ararat?" schall Ell auf ihn ein. „Du bist ja besoffen, du armer Fisch."
(Fortsetzung folg».-


